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» Wer beurteilt meinen Klappentext?

BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 16:16
hawepe hat Folgendes geschrieben:
Hallo Angelina,

Angelina hat Folgendes geschrieben:
Schreib doch einfach:

»Nun hätte ich fast spontan meine Ablehnung zum Ausdruck gebracht, aber das hieße ja im Umkehrschluss,....


Das ist Beamtendeutsch. Wenn es um einen Beamten geht, wäre es okay, aber sonst würde ich das Buch bei diesem Satz fortlegen. Wenn der Autor - oder eben auch die Autorin - kein Deutsch kann, soll sie keine Bücher schreiben.

Ich weiß, das ist hart formuliert, aber Behördenbescheide lese ich nicht freiwillig.

Ob sich das "winkte" oder "gewunken" vermeiden ließe, weiß ich nicht, weil das auch immer vom konkreten Zusammenhang abhängt. Bei mir würde dieser Punkt wohl erst einmal auf die To-do-Liste kommen. Meistens fällt mir die Entscheidung nach einigen Wochen leichter.

Beste Grüße

Heinz



Dazu kann ich nur folgendes beitragen: Finden zwei Polizisten eine Leiche vor dem Gymnasium. Sagt der eine, komm, wir schleppen sie vor die Post.
Wieso?, fragt der andere. Weißt du denn, wie man "Gymnasium" schreibt?

Klartext: ich will dieses Wort nicht durch ein anderes ersetzen, weil das an dieser Stelle gar nicht ginge - ich vertrete die Auffassung, dass ein Griff aus dem Synonyme-Topf nicht zielführend ist - zumal dann, wenn wirklich nur dieses eine Wort genau den Kern trifft.

Haifischfrau

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 17:20
Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:

Vielleicht hat Siegfried noch eine Idee????


Ich brauche gar nichts mehr dazu zu sagen, weil Holz schon alles geliefert hat, was notwendig ist. cheezy grin

"winken" ist ein regelmäßiges Verb mit dem Wortstamm "wink-" und der Infinitiv-Endung "-en".
Das Präteritum wird durch Wortstamm plus Endung "-te" gebildet (also "winkte");
das Partizip II, das für die Bildung des Perfekt und Plusquamperfekt erforderlich ist, wird durch die Vorsilbe "ge-", den Wortstamm und die Endung "-t" gebildet, folglich "gewinkt".

Diese Regelung gilt auch für alle anderen Formen von "winken", wie etwa "abwinken", "zuwinken" usw.

Die Formen mit "gewunken" gelten als umgangssprachlich, sind streng grammatisch gesehen falsch, werden aber als gültig angesehen.

Interessant ist, dass dieser Effekt beim gleichartigen Verb "hinken" nicht auftritt. Die Form "hinken - hinkte - gehunken" gibt es nicht, ebenso sind "blinken - blinkte - geblunken" oder "zinken - zinkte - gezunken" bis heute nicht bekannt. Warum diese Vermischung bei "winken" auftritt, ist mir nicht bekannt.

Also: Grammatisch korrekt ist "abgewinkt". "Abgewunken" dürfte aber niemandem als falsch aufstoßen.

Grüße
Siegfried

Nachtrag: Genau das, was wir hier erleben ("gewunken" statt "gewinkt"), führt zu einer Ausdehnung des Regelwerks, wodurch die deutsche Sprache immer schwieriger wird.
Die einfache Regel, ein regelmäßiges Verb bildet sein Partizip II durch die Vorsilbe "ge-", dem Wortstamm und dem Abschluss "-t", wird durch "Volkes Schnauze" ausgehebelt.
Und dann wundern wir uns über die nächste Rechtschreibreform, wo neben regelmäßigen und unregelmäßigen Verben plötzlich "Mittelverben" auftauchen: jene, die ihre Vergangenheitsform wie regelmäßige, ihre Partizip-II-Form aber wie unregelmäßige Verben erzeugen. cheezy grin

Ole, ole! Es lebe die Komplexität der deutschen Sprache, die vom einfachen Volk eingeführt wird! cheezy grin cheezy grin cheezy grin
 
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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 17:46
Ja Siegfried ... aber man sagt doch auch nicht "es hat gestinkt" Smile
Seltsam ist nur, dass sich mir bei abgewinkt der Magen umdreht, während ich bei "durchgewinkt" keinerlei Bauchschmerzen verspüre.

Danke!

Haifischfrau

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 17:51
Hier passt auch das kleine Verslein eines mir leider unbekannten Verfassers:

Weil gar zu schön im Glas der Wein geblunken,
hat sich der Hans heut vollgetrinkt.
Ist im Zick-Zack drauf nach Haus gewunken,
und seiner Grete in den Arm gesinkt.
Die aber hat nur zornig abgewunken
und hinter ihm die Türe zugeklunken.

Smile

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 18:04
Also richtig ist "abgewunken"und "hat gestunken". Oder hat schon mal jemand "hat gestinkt" gehört?

Ich bin bei meinem Buch "hemdsärmelig" ran gegangen und habe sogar die Sätze gekürzt oder umgestellt, damit sie auf eine Seite passen.

Man darf da nicht so feinfühlig sein. Ich habe auch die Kommas gesetzt wo ich so dachte, dass sie richtig wären. Desweiteren habe ich die alte Schreibweise benutzt und z.B. Tip mit nur einem "p" geschrieben.

Wems nicht gefällt, der kann sich ja beschweren, dann male ich ihm noch ein zweites "p" dahinter Very Happy
 
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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 18:15
Jep, Matthias ich dachte schon, das wär von dir!

Angelina, vielleicht gehörst du ja schon zu den Literaten, die es sich leisten können, mit den Lesern so umzugehen.
Ich schreibe jedenfalls so, dass ich den Leser wertschätze, mich einer Sprache bediene, die hinsichtlich der Wortwahl ebenso wie bezüglich der "Bilder" meine Botschaft vermittelt und beim Leser Wohlbehagen bei der Lektüre erzeugt. Zumindest strebe ich das an. Daher nutze ich die Gieskanne lieber fürs Rosengießen statt für die Kommaverteilung.
Ob und wie die Wörter auf die Seite passen, ist nicht mein Problem, darum kümmert sich der Verlag.

Haifischfrau

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 18:18
Angelina hat Folgendes geschrieben:
Man darf da nicht so feinfühlig sein.

Ich benutze Sprache auch nur zum Holzhacken. Zu was anderem ist die ja eh nicht zu gebrauchen ...

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 19:07
Dieses Thema begegnet mir in abgewandelter Form fast täglich. Sprache ist Bildung und Sprache drückt Bildung aus. Wer mit seiner Muttersprache schludrig umgeht, geht generell mit Bildung schludrig um.

Der Extremfall: Sprache lebt, und weil Sprache lebt, darf jeder die Sprache nach Gutdünken verschlimmbessern.

Im Internet begegnet uns (naja, zumindest mir) ständig ein verhunztes Deutsch - Zeichensetzung nach Gefühl, Groß- und Kleinschreibung am besten ohne Gefühl, Rechtschreibung unbekannt, geschrieben wird so, wie gesprochen wird. Nur: Ich nehmen diesen Fachleuten nicht ab, dass sie die behaupteten Kenntnisse im Programmieren, zu PHP oder Dingen des Alltags (einschließlich Rundfunk und Fernsehen) haben. Bildung und Wissen kann man nicht teilen. Wer seine Sprache nicht beherrscht (es geht mir nicht um Unsicherheiten aus der Rechtschreibreform oder ein vergessenes Komma), dem traue ich auch keine Fachkenntnisse zu.

Michael
 
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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 23:28
Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:
Ja Siegfried ... aber man sagt doch auch nicht "es hat gestinkt" Smile
Seltsam ist nur, dass sich mir bei abgewinkt der Magen umdreht, während ich bei "durchgewinkt" keinerlei Bauchschmerzen verspüre.

Danke!

Haifischfrau


"stinken" (zerlegt: "stink-" und "-en") ist ein unregelmäßiges Verb.
Also nicht "stinkt - stinkte - gestinkt", sondern "stinkt - stank - gestunken".

Der Großteil der deutschen Verben gehört zur Gruppe der regelmäßigen Verben, also jener Verben, wo die Vergangenheit mit "-te" gebildet wird.

Der weitaus kleinere Teil der Verben gehört zur Gruppe der unregelmäßigen Verben, die ihre Vergangenheitsform durch Änderung der Vokals bilden. Das Blöde an der Sache ist, dass nahezu alle wichtigen Verben im Deutschen unregelmäßige Verben sind. cheezy grin

Bei der Umformung des Vokals im Verb gibt es sieben Haupt-Unterteilungen:

ei --> i(e) --> i(e) ---> treiben, leiden
ie --> o --> o ---> fliegen, bieten
i --> a --> u ---> dringen, trinken
e --> a --> o ---> brechen, stehlen
e --> a --> e ---> essen, geben
a --> u --> a ---> schlagen, schaffen
a --> i(e) --> a ---> halten, lassen

Das sind aber nur die Hauptgruppen. Durch ständige Veränderungen gibt es inzwischen über 50 Kombinationen, teilweise gehört zu einer Kombinationsgruppe nur ein einzige Verb.

Grundsätzlich sollte man aber problemlos erkennen können, ob das Verb zur Gruppe der regelmäßigen Verben gehört - durch die Bildung der Vergangenheitsform mit "-te".

Man sagt ja auch nicht "das stinkte aber gewaltig!" cheezy grin

Grüße
Siegfried

@Ikarus:

Ikarus hat Folgendes geschrieben:

Wer mit seiner Muttersprache schludrig umgeht, geht generell mit Bildung schludrig um.

Uneingeschränkt Beifall!!! thumb up
Nur: Bildung ist heutzutage leider kein erstrebenswertes Ziel mehr! shocked eyes
 
  Siegfried 
 
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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 23:43
Angelina hat Folgendes geschrieben:

Man darf da nicht so feinfühlig sein. Ich habe auch die Kommas gesetzt wo ich so dachte, dass sie richtig wären. Desweiteren habe ich die alte Schreibweise benutzt und z.B. Tip mit nur einem "p" geschrieben.

Wems nicht gefällt, der kann sich ja beschweren, dann male ich ihm noch ein zweites "p" dahinter Very Happy


Mit der Haltung ("Mier doch egahl, wass der Leser von meiner Rechtschreibunk denckt!") bist du aus dem Spiel. Texte von Autoren, die so arbeiten, fasse ich nicht an. dozey

Schlimm, wenn Menschen, denen die Sprache so was von sch***egal ist, sich dann Schriftsteller oder Autor nennen. shocked eyes Wo ist die Liebe zur Sprache?

Grüße
Siegfried
 
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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 05:43
Hallo,

ich glaube ihr überzieht ein wenig. Morgen kommt wieder eine neue Rechtschreibreforum und dann ist das was ihr heute in Eure Bücher druckt eh überholt. Unter 100 von meinen Lesern gibt es vermutlich nur 2 die perfekt in Wort und Schrift sind. Für die anderen muß ich es schreiben wie man spricht.

Um beim Beispiel zu bleiben: Ich habe gewinkt würden 98% als falsch ansehen.

...
So und nun muß ich ins Bett, ich habe gerade einen 10 stündigen Geländemarsch hinter mir. Gute Nacht.
 
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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 07:40
Über die Meinung von Angelina kann ich nur den Kopf schütteln. Es verschägt mir die Sprache, und die Argumente sind so weit hergeholt ...

Zum Schluss ein Erlebnis aus einem Buch, dass ich vielleicht einmal zu Ende lesen werde.

Es geht um den Anfang der Buchdruckerkunst um 1460. Da sitzt so ein armes Würmchen im Kloster und muss Kartoffeln schälen.

Na, nichts gemerkt? Die Kartoffel kommt aus Amerika. Der Kontinent wurde erst 1492 wieder entdeckt, und es dauerte Jahrzehnte, bis die Kartoffeln eingeführt und gegessen wurde. Niemand in Europa konnte 1460 Kartoffeln schälen.

Spätestens an dieser Stelle wurde mir klar, dass der Autor werder ein Fachmann war noch sorgfältig recherchiert hat, und der Lektor schon gar nicht (über stilistische Fehler wie "ganze Mönche" schweige ich hier).

Sicher ist ein solcher Fehler nicht weltbewegend. Autoren werden, nein, wurden als gebildetete Personen angesehen, aus deren Bücher man etwas lernen kann. Und wenn von tausend Lesern nur einer den Fehler bemerkt: Der Text muss stimmen, und Schriftsteller haben eine Aufgabe bestimmt nicht: Den Lesern ihr schlechtes Deutsch auch noch als Normsprache zu bestätigen.

Da baut man sich seine eigene kleine Welt zusammen und definiert diese als die einzig wahre und richtige.

Michael
 
  Ikarus 
 
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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 07:58
Angelina hat Folgendes geschrieben:
ich glaube ihr überzieht ein wenig. Morgen kommt wieder eine neue Rechtschreibreforum und dann ist das was ihr heute in Eure Bücher druckt eh überholt. Unter 100 von meinen Lesern gibt es vermutlich nur 2 die perfekt in Wort und Schrift sind. Für die anderen muß ich es schreiben wie man spricht.


Das Privatfernsehen entlässt seine Kinder ... *kopfschüttel*

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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 10:14
Angelina hat Folgendes geschrieben:

ich glaube ihr überzieht ein wenig. Morgen kommt wieder eine neue Rechtschreibreforum und dann ist das was ihr heute in Eure Bücher druckt eh überholt. Unter 100 von meinen Lesern gibt es vermutlich nur 2 die perfekt in Wort und Schrift sind. Für die anderen muß ich es schreiben wie man spricht.

Um beim Beispiel zu bleiben: Ich habe gewinkt würden 98% als falsch ansehen.


Ich denke nicht, dass wir hier überziehen. Schlechtes oder falsches Deutsch bleibt schlechtes oder falsches Deutsch. Da kann man ziehen, so viel wie man will.

Und was die kommenden Rechtschreibreformen angeht: Es interessiert mich heute nicht, welche Regeln für die Rechtschreibung im Jahr 2030 oder 2050 gelten. Es gelten die Regeln des Jetzt. Kein Mensch kann so schreiben, wie es die Regeln der Zukunft besagen. Aber alle könnten - wenn sie denn wollten, aber einige wollen ja nicht - so schreiben, wie es jetzt richtig ist.

In diesem Sinne
Siegfried
 
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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 10:33
Nun gut, ich gebe es auf, dann schreibt doch "abgewinkt".
 
  Angelina 
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