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abgewinkt oder abgewunken

BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 12:49
Hier eine Frage an die Spezialisten der deutschen Sprache. (Gegoogelt habe ich schon, aber trotzdem...):

»Nun hätte ich fast spontan abgewunken, aber das hieße ja im Umkehrschluss,....

Sämtliche Lexika schreiben mir da "abgewinkt" vor, doch dieses Wort widertrebt mir in diesem Kontext!

Abgewunken verboten? Falsches Deutsch?

Dies möge bitte nicht als Aufforderung zur Abstimmung missverstanden werden - ich wünsche mir fachkundige Hilfe. Danke

haifischfrau

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 12:54
Bedauerlicherweise lässt sich nicht darüber hinwehsehen, dass »abgewinkt« lt. Duden korrekt ist, obwohl es sprachlich – nicht nur wegen des Reimes ... – hinkt.

»Abgewunken« ist aber regional weit verbreitet. Für Fetischisten zur Reinhaltung der deutschen Dudensprache (damit meine ich niemandem hier im Forum ... man muss ja mittlerweile vorsichtig sein) würde ich den Satz ergänzen:

Nun hätte ich fast spontan – wie man hier (Bezeichnung der Region) sagt – abgewunken, aber das hieße ja im Umkehrschluss ...

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 13:10
In meinem Duden (24. Auflage) steht:

abwinken; er hat abgewinkt (häufig auch abgewunken)

Also ist es nicht falsch. (Ich würde es übrigens auch schreiben.)

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Liebe Grüße
Christel

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 13:47
siehe Newsletter (von 2003) der Duden-Redaktion:

http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachberatung/newsletter/archiv.php?id=64

ich zitiere mal:
"2. Partizip von winken
Das Verb winken ist ein regelmäßiges Verb, das das Präteritum nicht durch Umlaut bildet, sondern durch Anhängen eines -t an den Wortstamm: er winkte, wir winkten.
Die korrekte Form des 2. Partizips heißt deshalb gewinkt. Allerdings orientiert sich der Sprachgebrauch häufig an den unregelmäßigen Verben sinken und trinken und bildet analog zu gesunken und getrunken das Partizip gewunken. Landschaftlich ist diese Form recht verbreitet, sie gilt aber standardsprachlich als nicht korrekt. Es ist allerdings zu beobachten, dass sie in letzter Zeit über das Mundartliche hinaus immer weiter vordringt: „Die Amerikaner aber haben immer wieder abgewunken – die Vorschläge aus Moskau seien nicht neu” (Der Spiegel)."


Zuletzt bearbeitet von holz am 30.07.2010, 16:16, insgesamt einmal bearbeitet
 
  holz 
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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 14:01
Das beruhigt mein Sprachgefühl unglaublich! Danke für die Hinweise!

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Re: abgewinkt oder abgewunken

BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 14:04
Hallo Haifischfrau,

Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:
Sämtliche Lexika schreiben mir da "abgewinkt" vor, doch dieses Wort widertrebt mir in diesem Kontext!

Abgewunken verboten? Falsches Deutsch?


<klugscheißmodus>Eigentlich ganz einfach, weil "winken" lt. Duden schwach konjugiert wird</klugscheißmodus>

In der Praxis ist es allerdings nicht ganz so einfach. Während der Duden für andere Worte rigoros ein Schreib-wie-Sprech vorgibt und sich weit verbreiteter Schreibpraxis anpasst, gibt er sich bei "winken" extrem konservativ.

Schaut man in das Wörterbuch der Gebrüder Grimm, liest man, dass zu ihrer Zeit für "winken" die schwache Konjugation zwar üblich war, daneben aber auch eine starke Konjugation existierte, die in manchen Landstrichen sogar vorherrschte.

An dieser Situation hat sich seitdem nichts geändert. Ich tippe, so um 2200 wird "gewunken" als alternative Schreibweise offiziell anerkannt.

Beste Grüße

Heinz

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 14:48
Es kommt darauf an in welchen Kreisen Dein Buch spielt:

Im aristrokratischen Milieu wird vohl nicht abgewinkt sondern da würde ich folgendes schreiben:

"Seinen hochgezogegen Augenbrauen entnahm ich seine Ablehnung".

Spielt die Story im Gossenmilieu würde ich schreiben:

"Zeigte er mir den Stinkefinger"

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 14:49
Genau, weil es eben in der Praxis nicht so einfach ist, habe ich hier ja gefragt. Danke für eure Antworten und Bemühungen! Natürlich hatte ich den Duden (und andere) konsultiert, finde es aber immer noch ein wenig heikel, mich auf die Umgangssprachlichkeit zu verlassen, wenn es um mein Buch geht.
Hier haben wir so ein Beispiel für "harte Arbeit": es ist mir nämlich ganz und gar nicht wurscht, ob ich nun abgewinkt oder abgewunken schreibe, obwohl hier für mein Sprachempfinden "abgewunken" stimmiger klingt, schließlich würde ich das später meinem Lektor belegen müssen, sofern er anderer Auffassung ist (ja, ja ich weiß, letztendlich entscheidet der Autor).
Sprachempfinden hin oder her - meines muss ja nicht unbedingt immer richtig sein.

Vielleicht hat Siegfried noch eine Idee????

Gruß
Haifischfrau

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 15:20
Also hier im Aachener Raum (wahrscheinlich auch in den belgischen Ostkantonen) wird immer abgewunken. Ich denke, das ist im ganzen Rheinland so. Wir sprechen eh so komisch. angle

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Viele Grüße von Nicolas

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 15:28
»Nun hätte ich fast spontan abgewunken, aber das hieße ja im Umkehrschluss,....

»Nun hätte ich fast spontan abgewinkt, aber das hieße ja im Umkehrschluss,....

Die Nr. 1 ist richtig weil wir in auch Hessen "abgewunken" sagen würden.

Schreib doch einfach:

»Nun hätte ich fast spontan meine Ablehnung zum Ausdruck gebracht, aber das hieße ja im Umkehrschluss,....
 
  Angelina 
Gast 
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 15:33
Da wir nicht wissen, was eigentlich abgewinktgewunken wird, ist es schwierig, Alternativen vorzuschlagen ...

Ich würde z.B. abwinken, wenn jemand unnötigerweise etwas sagen möchte ... da kann ich aber keine »Ablehnung zum Ausdruck« bringen ...


Dass etwas richtig ist, weil es viele tun, bringt mich a) auf den berühmten Vergleich mit den Fliegen und b) legitimiert es z.B. Steuerhinterziehung. Das kann ja dann wohl kein Argument sein ...

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 15:34
Der Duden mag ja "abgewinkt" für richtig halten, aber ich als Leser würde dir dafür einen Fehler ankreiden.
Grüße
Bernd
 
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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 15:49
Wunderschöne Vielfalt, vielen Dank.
Nicolas versteht mich Laughing
mtg hat mich schon immer verstanden Laughing

Angelina, du bringst ein sehr schönes Beispiel dafür, dass Schreiben wirklich HARTE Arbeit ist: in der Tat sollte die Ausdrucksweise dem Milieu der Protagonisten bzw. dem Plot entsprechen, ABER anhand dieses von mir eingesetzten Halbsatzes kann man eben nicht kurzerhand eine ganz andere Story draus machen.
Meine Frage bezog sich ja ausschließlich auf die grammatikalische Richtigkeit (oder auch nicht) des Verbs "abgewunken".

@Bernd: da hoffe ich aber darauf, dass du meinem Buch auch in Hessen zur Verbreitung verhilfst (gerne auf hessisch: die M.... sein Buch musst du lesen)

Ich denke, ich habe mich zu abgewunken durchgerungen Laughing
freue mich aber auf weitere konstruktive Beiträge.

Haifischfrau

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 15:50
Hallo Angelina,

Angelina hat Folgendes geschrieben:
Schreib doch einfach:

»Nun hätte ich fast spontan meine Ablehnung zum Ausdruck gebracht, aber das hieße ja im Umkehrschluss,....


Das ist Beamtendeutsch. Wenn es um einen Beamten geht, wäre es okay, aber sonst würde ich das Buch bei diesem Satz fortlegen. Wenn der Autor - oder eben auch die Autorin - kein Deutsch kann, soll sie keine Bücher schreiben.

Ich weiß, das ist hart formuliert, aber Behördenbescheide lese ich nicht freiwillig.

Ob sich das "winkte" oder "gewunken" vermeiden ließe, weiß ich nicht, weil das auch immer vom konkreten Zusammenhang abhängt. Bei mir würde dieser Punkt wohl erst einmal auf die To-do-Liste kommen. Meistens fällt mir die Entscheidung nach einigen Wochen leichter.

Beste Grüße

Heinz

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BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 15:57
Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:




@Bernd: da hoffe ich aber darauf, dass du meinem Buch auch in Hessen zur Verbreitung verhilfst (gerne auf hessisch: die M.... sein Buch musst du lesen)


Haifischfrau


Gerne, Haifischfrau!
Mai hessisch eas net soa gout, owwer ech hu noch ee poar leu dei mer helfe dääre.

Grüßchen
Bernd
 
  büchernarr 
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