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Anfang von ...

BeitragVerfasst am: 12.02.2009, 05:40
Hi!

Bin ja noch sehr neu (siehe Vorstellungsrunde) und wollte dann auch mal was Aktuelles den Kennern und Gelehrten hier zeigen.
Bei dem folgenden Text handelt es sich um den Versuch eines Romananfangs (über Länge, Titel und entgültigen Verlauf bin ich mir noch nicht im Klaren, bewegt sich jedenfalls wohl irgendwo zwischen selbstironischem, humoristischem Fatalismus und resignierender Depression ^^). Den habe ich heute eher spontan geschrieben. Es könnte durchaus sein, dass hier nicht sonderlich klar wird, worum es im Weiteren gehen soll. Das macht erstmal nichts, mir geht es vor allem um Kritik, die sich auf den Stil und die Wortwahl beziehen.
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Langsam und zuckend orientierten sich meine Augenlider nach oben. Die ersten Lichtstrahlen als konfuses Flackern auf unfruchtbarem Boden, alsbald umgewandelt in einen stechenden Schmerz. Er breitete sich für einen Moment von Innen nach Außen über meine Netzhaut aus, verglühte dann gleichmäßig. Es war wieder dunkel. Ich versuchte zu blinzeln, meine Augen waren verklebt. Erst blinzelte ich mehrmals schnell, dann ruhiger, größer, mit Schwung. Wieder fielen sie zu. Ich hielt für einen Moment inne, dann versuchte ich es wieder. Schmerz und Unbehagen. Es war nicht zu schaffen. Vielleicht war es die Ahnung, dass da draußen nichts Gutes auf mich warten könnte, vielleicht einfach Müdigkeit, oder Unlust. Ich bemerkte, dass die Bettdecke bis zu den Knien herabgerutscht war, alles oberhalb fror. Ich wusste, dass es noch früh war, das Thermostat war so eingestellt, dass die Heizung ihre Arbeit am Morgen nicht vor 6.30 Uhr aufnahm. Die Haare auf meinen Armen stellten sich auf, der leichte Schauer reichte mir bis zum Kinn. Ich warf den Kopf auf die Seite, fluchte durch knirschende Zähne und machte mich daran die Decke zurückzubekommen. Ich zog sie herauf, bis über den Kopf. Nun lagen meine Füße im Kalten. Aufgeben, dachte ich. Besser aufgeben. Ich biss mir auf die Lippe. Aufgeben für die nächsten Minuten, dachte ich. Meine Augen füllten sich mit Tränen, ich wollte schnell wieder einschlafen. Aufgeben an einem Freitag.
Ein schreckliches zweites Mal, dachte ich. Ich wurde wach, ohne die Augen zu öffnen. Es war vielmehr ein Bewusstwerden als ein Wachwerden. Im Geiste blickte ich mich um. Wieder vermisste ich etwas. Diesmal ertastete ich die Decke neben dem Bett auf den Holzdielen. Ich ließ sie dort. Es war nun wärmer. Nicht warm, aber immerhin erträglich. Dies war eine Grundvoraussetzung, um im Winter aufzustehen. Nicht mal das, denn aufstehen musste man so oder so. Also war es nur eine Möglichkeit, etwas angenehmer aus den Federn zu kommen. Ich hasste im Winter alles, was mir Kälte versprach. Ich hasste alles, was mich aus dem Warmen herausriss. So hasste ich auch, aus dem Haus zu treten, in die klirrende Kälte. Ich hasste das Entkleiden im Bad, und doch musste ich es tun. Man musste es tun. Jeder klanglose Typ unter den 700.000 Menschen dieser Stadt war gezwungen es zu tun. Allen voran musste aber ich es. Duschen. In Verachtung dachte ich an den Schritt aus dem heißen Wasser in den Nebel meines kleinen Badezimmers. Dieser entstand zwangsläufig. Unvorstellbar, wie jemand bereits nach drei Minuten wieder diese mollig warme, aber leider fiktive Endstation irdischen Lebens verlassen konnte. Also erhoffte ich mir vom Wasser, vom Dampf, dass sie dieses schmucke, kleine Bad auf ein erträgliches Maß erwärmen würden. Es war zwar niemals ausreichend, aber raus musste ich schließlich doch. Und ebenso verhielt es sich mit dem Bett und dem Aufstehen. Ich gab mir noch eine Weile, schließlich hatte ich mir frei genommen. Meine Augen blieben geschlossen, aber ich blickte angeregt ins Dunkel. Ich hatte geträumt, aber konnte mich nicht erinnern. Dafür war ich dankbar. Von Morgens bis Abends war ich damit beschäftigt, die Seifenblasen, die der Tag dann und wann ausspuckte, sanft zu Boden zu führen. Ein weiteres, unmögliches Unterfangen. Nein, von diesem Traum war nichts übrig. Ich hätte fast noch mehr vergessen. Obwohl es mir seit vier Tagen unter der Haut brannte, ließ es für den Moment nach. Dankbar begann ich meinen freien Tag.
Ich setzte mich in Ruhe auf und öffnete meine Augen. Das Licht war nun schon wesentlich freundlicher, die Sonne hatte ihren morgendlichen Besuch in meinem Zimmer beendet und erleuchtete nun andere Wohnungen, quälte andere Menschen. Ängstlich blickte ich mich in meinem Zimmer um. Bierflaschen standen um das Bett, aufrecht und wunderschön angeordnet. Ich fühlte mich an einen künstlerischen Versuch erinnert. Irgendwo zwischen Stolz und peinlicher Berührung fand ich einen Weg einen Weg ins Bad, ohne eine der Flaschen umzuwerfen. Unterwegs fand ich über einem Sessel meinen grünen Kapuzenpulli und einen Schal und bereitete mich auf den Gang zum Klo vor. Als ich aus dem Bad trat, schüttelte ich schon aus Gewohnheit die Kälte ab. Dann schloss ich scharf, dass ich wohl bereits in der Nacht dort gewesen sein musste, um mehr sehnlich als geistesgegenwärtig die Heizung gegen den Willen des Thermostats manuell aufzudrehen und mir so den nächsten Aufenthalt im Bad zu erleichtern. Ich war stolz auf mein Unterbewusstsein. Das bewusste „Ich“ konnte man beim zweiten Blick auf die Bierformation ob der Zahl der Flaschen nur noch für traurig befinden. Von der Tür, vom anderen Ende des Zimmers gesehen, war das hier fern jeder Kunst. Ich konnte mich nun auch nicht mehr vor den Gründen wehren, warum hier so viel Glas war. Mein Kopf schmerzte nicht, das tat er nie. Nicht einmal Müdigkeit war noch übrig vom letzten Tag, und doch war es mir eindeutig zu viel, was da war. Ich beschloss sie anzurufen.

Eine halbe Stunde saß ich praktisch regungslos in meinem grünen Sessel. Mit dem Hörer in der einen Hand, die andere Hand im steten Begriff die Wählscheibe sieben mal ohne Hinsehen das genau passende Stück nach rechts zu drehen. Nach einer halben Stunde also, legte ich den Hörer vorsichtig und leise wieder auf. Ich machte mich eilig über die Bierflaschen her, und räumte sie in die Kästen in der Küche. Hin und wieder war noch ein Schluck für mich übrig. Ich räumte auch alle herumliegenden Abfälle weg, in der Küche spülte ich die zwei Teller vom Abend des vorherigen Montag. In der ganzen Wohnung saugte ich dort wo Teppich war und wischte dort wo Dielen und Fliesen den Grund bildeten. Nach anderthalb Stunden war die Wohnung im selben Zustand, wie am Montag. Ich bemerkte erst zögerlich, dass ich leicht nach Luft schnappte. Ich setzte mich, dann stand ich entschlossen wieder auf. Kurz darauf stand ich komplett angezogen und gut eingepackt auf dem Balkon. Die Kälte störte mich auf einmal nicht mehr. Ich dachte bei mir, dass ich mehr Konstanz in meinem Leben gut gebrauchen könnte. Dann vergaß ich es und blickte die fünf Stockwerke herab auf die Straße. Der rege Verkehr beruhigte mich. Bunte Autos glänzten unter der klaren Sonne und bewegten sich unter leisem Rauschen in beide Richtungen. Schleppend zwar, aber niemand musste länger als 25 Sekunden darauf warten, die Ampelkreuzung zu überqueren. Mein Blick ging ein Stück weiter die Straße herunter und fand mein Auto, zu günstiger Uhrzeit nicht weit meines Hauses geparkt. Es war rot, zerschlissen, unsportlich und unspektakulär. Es gefiel mir, was ich sah. Ich schloss die Augen und atmete Tief ein. Die Luft hier oben hatte nichts von der da unten. Es war gut sich für einen Moment überlegen zu fühlen.
 
  Kjolil 
 
Anmeldedatum 12.02.2009
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