 | | Verfasst am: 28.03.2009, 21:45 |
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Hi Alle,
mir kommt in diesem Zusammenhang eine weitere Frage:
Ich schreibe einen Kriminalroman mit fiktiven Personen. Die Story spielt in London. Ich erwähne mit Namen eine real existierende Moderatorin eines großen TV-Senders. Sie verliest einige Zahlen.
Darf ich den Realnamen verwenden oder nicht ? |
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 | | Verfasst am: 28.03.2009, 23:41 |
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Macs Frage beantworte ich so: Ja, das scheint mir erlaubt, solange sich das fiktive Auftreten mit ihrem sonstigen realen in den Grundzügen deckt. Ein Abweichen zum Negativen hin ist jedoch problematisch.
Ich würde der Diskussion gern eine andere Wendung geben, vom Praktischen, Rechtlichen hin zum Grundsätzlichen, zur Legitimität der Ansprüche des dargestellten "Opfers". Mich stört, dass die ideelle Unverletzlichkeit des Objekts der Beschreibung sakrosankt sein soll. Die meisten der Dargestellten können durch literarische Verwendung ihrer Person nur gewinnen. Wer würde sich ohne "Werthers Leiden" noch an Charlotte Buff erinnern? Dass die Privatperson die absolute Hoheit über ihre Daten haben soll, und zwar auch im Verhältnis zur Literatur, ist äußerst nachteilig für die Literatur. Ich finde, die Gesellschaft sollte der Kunstfreiheit den Vorzug geben.
Letzten Endes geht es darum, ob das Individuum die absolute Verfügungsgewalt über sein Bild inne hat. In einem noch unveröffentlichten Roman von mir gibt es eine Figur, die dieses Recht auch über den Tod hinaus in der Weise ausüben will, dass sie sich die eigene Grabrede schreibt und verfügt, dass nur diese bei der Trauerfeier vorgetragen werden darf. Dahinter steht die Illusion von der Souveränität des Individuums. Konkret wird diese heute doch viel stärker von Datensammlungen der Wirtschaft und der Ämter bedroht. Doch die Kunstfreiheit soll es büßen. Beschränkte Kunstfreiheit ist das Feigenblatt für eine Entwicklung, die in eine ganz andere Richtung geht. Große Internetanbieter z. B. dürfen genaue persönliche Profile ihrer Kunden anlegen und diese maximal nutzen. Aber Autor X darf seine wenigen Kenntnisse von Person Y nur perfekt anonymisiert verwenden, wenn überhaupt. All das ist nur ein Symptom für die Misere, in der eine einseitig am rein Materiellen orientierte Gesellschaft steckt. - Arno Abendschön - |
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Arno Abendschön |
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| Anmeldedatum | 31.10.2007 | | Beiträge | 474 | | Wohnort | Bad Bevensen | |
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