 | | Verfasst am: 09.11.2009, 13:14 |
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Danke für Deinen Beitrag Amos. Du siehst ja auch, welche Probleme wir hier wegen der Altersgruppen schon durchdebattiert hatten.
Es werden ja nicht "nur" Märchen gesucht, sondern "Geschichten für Kinder ..." Meine Geschichte würde man am ehesten sowieso am besten als Sage deklarieren. Die Burg gab, die Stadt gibt es immer noch. Und Sechs- bis Zwölfjährige unter einen Hut zu bringen, der auch noch Erwachsenen passt bzw. gefällt ... Da beneide ich manchmal die Autoren früherer Generationen, die mussten sich nicht drum scheren, ob eine Geschichte auch kindgerecht war oder nicht zuviel an Vorwissen vom Leser forderte. Wer etwas nicht kapierte, der hatte selber Schuld. |
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MarleneGeselle |
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 | | Verfasst am: 18.11.2009, 11:48 |
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Hallo,
ich hoffe, ich hab's jetzt einigermaßen. Wenn's jetzt nicht klappt, dann gebe ich's dran. Nochmals danke an alle, die mich bis jetzt so fleißig unterstützt haben.
Bauer, Taube und Verrat
Marlene Geselle
Benedikt von Luchtenberg blickte den Mann, den zwei Kriegsknechte und der Hauptmann der Stadtwache gefesselt in seine Amtstube gebracht hatten, mit einer Mischung aus Neugier und Missmut an. Nichts hasste er mehr, als sich an Markttagen mit Diebereien oder Handelsstreitigkeiten befassen zu müssen.
Friedbert, so nannte sich der verhaftete Bauer, stand aus einem anderen Grund vor ihm. Und nach einer Kleinigkeit klang nicht, was dem Königsboten berichtet wurde. Die Geschichte wurde zwar von Wolfram bestätigt, dem Hauptmann der Heinsberger Stadtwache, ungeheuerlich klang sie dennoch.
Benedikt, der als Königsbote in mehreren Grafschaften des Niederrheins direkt im Namen des Herrschers Recht sprechen und auch den eigentlichen Landgrafen befehlen durfte, befand sich in einer schwierigen Lage. Er musste jetzt in einem Fall ermitteln, der so geheim war, dass er mit nur sehr wenigen Menschen darüber sprechen konnte. Aber so, wie sich die Sache derzeit darstellte, war ausgerechnet einer von ihnen im Begriff, den König und damit das ganze Land zu verraten.
„Du fandest also eine fremde, verletzte Taube neben deinem Schlag. Diese Taube trug eine Nachricht, die du zu Wolfram gebracht hast, weil du nicht lesen kannst. Und dieses Stück Pergament war mit dem schwarz-weißen Faden befestigt, der hier auf meinem Tisch liegt“, fasste Benedikt den Bericht zusammen. Er musterte dabei das alte, schon leicht verschlissene Garn, mit dem man die Botschaft an das Bein der Taube gebunden hatte. Wer auf eine Nachricht antwortete, benutzte üblicherweise den schon benutzten Faden erneut. Und dieses Stück hatte mehr als eine Reise hinter sich!
Friedbert nickte und zuckte verlegen mit den Schultern. Er hatte einfach nur helfen wollen.
Der Königsbote glaubte dem Bauern. Alles andere als die von ihm vorgetragene Geschichte machte keinen Sinn. Der Herrscher befand sich mit einer nur kleinen Begleitung von zehn Männern auf dem Weg von Köln nach Aachen, um dort unter vier Augen mit dem Gesandten des westfränkischen Königs zu sprechen. Es war ein geheim gehaltenes Treffen, von dem sehr viel abhing, auch für den König persönlich. Heinsberg war die vorletzte Station dieser Reise. Hier gab es nur drei Männer, die wirklich wussten, welche Gäste man in der Burg erwartete. Und nun landete per Zufall ein Pergament mit einer ungeheuerlichen Nachricht im Taubenschlag eines einfachen Bauern: „Töte den Löwen, noch ehe er die Stadt des Kaisers erreicht!“
Der Löwe, wie man den noch jungen Herrscher wegen seines großen Mutes nannte, hatte es abgelehnt, sich bei den Verhandlungen in der alten Kaiserstadt Aachen vom Reichskanzler vertreten zu lassen.
„Wolfram“, wandte sich der Königsbote an den Hauptmann, „wie viel Aufsehen hat die Verhaftung Friedberts eigentlich erregt?“
Der noch junge Hauptmann antwortete: „Leider eine ziemliche Menge, Herr. Es ist Markttag heute, und ich musste mit Friedbert quer durch die Stadt. Aber zum Glück wissen nur die beiden Männer, die ich mitgenommen habe, was los ist. Diese Leute sind verschwiegen, besonders wenn eine Sache nicht hasenrein ist.“
Benedikt atmete erleichtert auf und wandte sich an den Bauern. „Dann will ich dich bitten, Friedbert, zum Schein solange als Gefangener im städtischen Kerker zu bleiben, bis der König mit seinem Gefolge sicher in Aachen angekommen ist. Vorher darf niemand von der Sache erfahren.“
„Eine List, Sendgraf?“, erkundigte sich der Bauer.
Der Sendgraf schmunzelte. „Wie ich sehe, ist die Brieftaube im richtigen Schlag gelandet.“ Für Wolfram und die Kriegsknechte hatte er einen Auftrag. „Erzählt den Leuten in der Stadt, dass ihr Friedbert mit einem gewilderten Reh erwischt habt. Aber schickt jemand zu seiner Frau, damit diese sich nicht unnötig sorgt.“
Herrlicher Sonnenschein flutete durch das Fenster der Amtsstube in den Raum, aber der Königsbote starrte missmutig auf das bunte Treiben der Marktbesucher: Zwei Männer feilschten um einen Ziegenbock, die Großmagd der Burg plauderte mit dem Töpfer ... Wer immer dem König ans Leben wollte, er musste in seine Nähe kommen. Das konnte in diesem verschlafenen Städtchen nur an einem Ort geschehen. Aber der Herr dieses Hauses hatte kein Motiv! Und einen Grund, den König zu töten hatte nur, dessen Wappenschild danach bedeutender war als jetzt. Entschieden bedeutender! Den Bauern und Bürgern des Reiches war egal, wer auf dem Thron saß. Jeder Herrscher verlangte Steuern oder überzog das Land mit Krieg, wenn es darum ging, Ruhm und Macht zu mehren. Die Herzöge und Grafen des Landes wiederum mussten um ihre Lehen fürchten, wenn der falsche Mann an die Regierung kam. Egal wie viele Männer mit dem König unzufrieden waren, diejenigen, die ihm wirklich gefährlich werden konnten, ließen sich an den Fingern einer Hand abzählen.
„Täublein flieg hin, Täublein flieg her, sing meinem Liebsten eine schöne Mär“, ertappte Benedikt sich beim Zitieren eines alten Liebesgedichts. Er musste lachen und beschloss, doch noch auf den Markt zu gehen. Nicht, um mit dem einzigen Mann zu sprechen, der in Heinsberg ein Motiv für einen Königsmord hatte, dafür war es noch zu früh.
Anna, die Großmagd der Burg, war mit dem Handel zufrieden und versuchte nun, die frisch erstandenen Töpferwaren in ihrem Einkaufskorb zu verstauen. Sie musste sich beeilen, es gab noch viel zu tun. Ihr Herr, Graf Jonas, erwartete Besucher. Der gastfreundliche Adelige schien sich jedoch nicht zu freuen. Bereits seit Tagen lief er beunruhigt durch die Räume der Burg, mäkelte viel und lachte nur wenig. Vom Verwalter war sie dies gewohnt, nicht jedoch vom Hausherrn selbst.
Auf dem Rückweg zur Burg trat ihr ein Mann entgegen. Anna lächelte. Benedikt von Luchtenberg war ein gern gesehener Gast in der Burg. Mit Graf Jonas verband ihn eine lange Freundschaft.
„Gott zum Gruße, Anna“, begrüßte der Königsbote die Magd. Er zog einen schwarz-weißen Faden aus seiner Gürteltasche und zeigte ihn der Magd. Ihr verwundertes Gesicht bewies ihm, dass sie den Faden erkannte.
„Warum zeigt Ihr mir das Ziergarn, Herr?“, fragte sie mit nur schlecht verstecktem Misstrauen.
Der Königsbote lächelte beruhigend. „Mit dir und den anderen Dienerinnen in der Burg hat all dies nichts zu tun, da sei unbesorgt. Aber ich muss dich trotzdem bitten, niemand von der Sache zu erzählen. Es ist wichtig, dass du verschwiegen bist, auch gegenüber deinem Herrn.“
Die Magd tat erst gar nicht so, als verstünde sie, worum es ging. Trotzdem versprach sie Benedikt, über das Garn und die seltsame Frage gegenüber jedermann zu schweigen.
Der Königsbote war zufrieden und schlenderte weiter über den Wochenmarkt. Am Stand eines Krämers aus dem Rheintal kaufte er drei Beutel mit getrockneten Weinbeeren: Einen für die Männer der Stadtwache und für den Bauern Friedbert im Gefängnis, einen zweiten für dessen Familie, der dritte Beutel war für die Mägde der Burg bestimmt. Den ersten Beutel brachte er sogleich persönlich zum Torhaus, dort wo die Stadtwache untergebracht war.
Gumprecht von Heinsberg, Vetter des Grafen Jonas von Heinsberg und dessen Verwalter, zog ein säuerliches Gesicht, als der Königsbote sein Anliegen vortrug. Nein, er hatte keine Lust, dem Besucher den Taubenschlag zu zeigen. Und es ging seiner Meinung nach Benedikt von Luchtenberg nichts an, mit welchem Faden er die Briefe an die Beine seiner Tauben band. Auch wenn alle anderen Brieftaubenbesitzer der Stadt Zeit für solche Possen hatten, ihm stand der Kopf woanders!
„Aber Vetter, du musst mit gutem Beispiel vorangehen“, mahnte Graf Jonas seinen Verwalter. „Je eher Benedikt deinen Taubenstall überprüft hat, je eher hast du wieder Zeit, alles Nötige für den kurzen Besuch des Königs vorzubereiten. Tue ihm einfach den kleinen Gefallen. Du weißt doch, dass Benedikt persönlich für den Kopf des Herrschers haftet. Auch ich möchte wissen, woher Pergament und Faden stammen, die er uns gezeigt hat. Geschieht ausgerechnet in Heinsberg ein Attentat, so stehe ich als ein Lehnsmann da, der seinen Herrn nicht hat beschützen können.“
Gumprecht weigerte sich trotzdem, schützte dringende Arbeiten in der Rüstkammer vor, so dass Graf Jonas persönlich den Königsboten zum Verschlag bringen musste.
An einem Haken, neben einem alten Manteltuch, hing ein mehrere Ellen langes Stück Zierfaden, schwarz-weiß. Jonas von Heinsberg fluchte schauerlich, als er das Stück Faden in der Hand des Königsboten mit dem eigenen Garn verglich: „Elender Mistbock! Die Läuse sollen seinen Bart fressen! Wie stehe ich jetzt da!? Benedikt, glaube mir, ich habe mit der ganzen Sache nichts zu tun! Du weißt doch, von wem ich mein Lehen bekam und wie ich zum Königshaus stehe!“
„Das weiß ich, Jonas. Nur die Ruhe bewahren! An deinen Vetter denke nicht mehr, er gehört schon dem Henker. Verzeih, mein Freund, aber bevor ich zu dir kam, habe ich den Stadtwachen im Namen des Königs Anweisung gegeben, alle Stadttore zu verschließen und keine Seele hinauszulassen. Ich traf deine Großmagd auf dem Marktplatz. Sie erzählte mir, dass solche Fäden hier in Gebrauch sind. Damit bestätigte sie meinen Verdacht, den ich schon vorher gegen Gumprecht hegte. Nur er hatte hier in der Stadt ein Motiv, den Herrscher zu töten. Ist der Verräter klug, wird er sofort gestehen und seine Auftraggeber benennen, ansonsten muss sich der Folterknecht des Königs um den Burschen kümmern.“
Graf Jonas hatte noch eine Menge Fragen, die der Königsbote erst jetzt, nach der Aufklärung des Falles, beantworten konnte. Als der Heinsberger Graf von der Scheininhaftierung des Bauern hörte, lachte er: „Dann weiß ich ja, wem ich meine Tauben schenken kann. Künftig werde ich wieder auf berittene Kuriere zurückgreifen, die landen wenigstens nicht verletzt im falschen Schlag. Ein Mann muss aus den Fehlern seiner Feinde lernen.“ |
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 | | Verfasst am: 18.11.2009, 12:19 |
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Ja, Marlene, das ist viel klarer.
Nur eine Passage stört mich noch:
| Zitat: |
| Ich traf deine Großmagd auf dem Marktplatz. Sie erzählte mir, dass solche Fäden hier in Gebrauch sind. |
Denn eigentlich hat sie nichts erzählt. "Sie bestätigte mir, ..." das wäre neutraler. |
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_________________ Liebe Grüße
Christel
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 | | Verfasst am: 18.11.2009, 13:00 |
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Danke, Christel, das kann ich bequem ändern.  |
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