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BeitragVerfasst am: 12.02.2010, 23:46
ricochet hat Folgendes geschrieben:
Mein Problem ist, dass ich in vielen Dingen umdenken muss. Zentrales Thema sind die Unterscheidung von ss und ß


Zuerst:
Die Kenntnis, ob ein einfaches "s" oder ein "ß" gesetzt wird, ist weiterhin erforderlich - unabhängig von der Rechtschreibreform. Wer nicht in der Lage ist, ein korrektes "das" bzw. "daß" nach alter Rechtschreibung zu setzen, hat auch in der neuen Rechtschreibung verloren.


Dann:
"ss" wird da gesetzt, wo ein kurzer Vokal voraus geht
"ß" bleibt bestehen, wenn der Vokal lang gesprochen wird.

"daß" wird zu "dass", weil das "a" ein kurzer Vokal ist.
Gleiches gilt für "Fass", "nass", "Hass"

Wörter wie
"Maße", "Muße", "Straße", "heißen" behalten ihr "ß" (Diphthonge, also Doppel-Vokale, gelten als lange Vokale).

Ergänzend dazu:
Die Regel mit dem kurzen Vokal gab es in beschränkter Form auch schon vor der Rechtschreibreform. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass man vor 1996 "Wissen" mit einem "ß" geschrieben hat: "Wißen". Die Regel "kurzer Vokal macht aus einem 'ß' ein 'ss'" ist nur konsequent zuende gedacht worden.



Lustig sind die Schweizer, weil die das "ß" vollständig abgeschafft haben. Da sind jetzt Sätze wie dieser möglich:
"Die Schweizer trinken Alkohol in Massen"

In Deutschland hätte man geschrieben:
"Die Schweizer trinken Alkohol in Maßen"

Ganz anderer Satzinhalt, nicht wahr? cheezy grin


frangsen hat Folgendes geschrieben:

2. Bloßer Doppelkonsonant bei folgendem Vokal
"Schiffahrt" ist schöner als "Schifffahrt", "Misstand" hübscher als "Missstand" - und einfacher in einem Text zu erfassen. (Wobei es allerdings "Mißstand" hieß, was hinsichtlich des "ß" noch ein Thema sein könnte, das aber nicht so wichtig erscheint.)


Ich kann dir nur empfehlen, dich bzgl. dieser Regel mal mit Nicht-Deutsch-Muttersprachlern zu unterhalten. cheezy grin Die schütteln über die alte deutsche Grammatik nur den Kopf.

Schiff + Fahrt = Schiffahrt (nach alter Regel fällt ein Konsonant raus)

Sauerstoff + Flasche = Sauerstoffflasche (nach alter Regel fällt kein Konsonant raus)

Den "Seeelefant" gab es auch schon in der alten Rechtschreibung, und "Nordseeis" sieht in der alten Schreibweise nicht schön, sondern merkwürdig aus.

Und ich frage mich mittlerweile, wie man das "Teeei" (neue Rechtschreibung, alternativ auch "Tee-Ei") vor 1996 geschrieben hat ("Teei"???).

Es gibt einiges in der alten Rechtschreibung, das man heute nur schwer erklären kann. Warum führen versteckte Artikel, wie "im"= "in dem", in der alten Rechtschreibung nicht zu einer Substantivierung (siehe "im allgemeinen" - heute: "im Allgemeinen")?

Ich vermute, es ist schlicht einfacher, auf die Veränderung zu schimpfen, als sich intensiv mit ihr zu befassen und sie zu lernen. Könnte das sein? cheezy grin

Wie gesagt: Wer mal mit Nicht-Deutsch-Muttersprachlern die eigene Sprache diskutiert, wird auf manches plötzlich aufmerksam.

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Siegfried

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Re: Rechtschreibreform

BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 07:10
frangsen hat Folgendes geschrieben:
Was mich an der Rechtschreibreform stört, ist, dass recht einfache Regeln einfach gestrichen wurden, womit einiges komplizierter, unlogisch und auch unästhetisch wurde.


Was mich an der Rechtschreibreform von 1996 stört, ist einfach alles. Ich lasse mir nicht von einer Horde durchgedrehter Kultusminister, angeheizt von einigen geldgierigen Schulbuch- und Lexikonverlagen, vorschreiben, wie ich fürderhin zu schreiben hätte.

Was hat's gebracht? Völlige Konfusion. Versuche der Reform der Reform 2004 und 2006, kein Schwein weiß mehr, wie was richtig geschrieben wird. Verwirrung allenthalben, ein Durcheinander verschiedener Schreibweisen und Ansichten, je nach Printmedium (euphemistisch: "Hausorthographie") oder nach Bundesland.

Was, du glaubs nich? Ey Alda, guckstu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Reform_der_deutschen_Rechtschreibung_von_1996

Vorher war nicht alles besser. Und auch nicht alles einfach und logisch. Man hatte sich aber damit arrangiert. Indes: Wenns dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis...

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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 10:28
Siegfried,

das, was Du mir über "als" und "wie" geschrieben und erklärt hast, weiß ich und kann es bei diesem Beispiel nachempfinden. Vielen Dank. Laughing

Wenn es aber in einem anderen Zusammenhang steht, dann weiß ich wieder nix.

Der letzte Absatz von meinem heutigen Tagesgedicht:

"Es wird für dich ganz anders klingen,
als du gewohnt bist, hör´ nicht auf,
die Melodie weiter zu singen.
Sie prägt den neuen Lebenslauf."

Alles sträubt sich in mir, anstatt "als" das "wie" zu schreiben, auch wenn es richtig sein sollte.

Ich schiebe eventuelle Rechtschreibfehler auf die "künstlerische Freiheit" und genieße auch neue Wortschöpfungen - jenseits von Regeln.



Und wie sieht es eigentlich mit den Werken aus, die vor der Reform geschrieben wurden. Wird Goethe jetzt nachgebessert? cheezy grin

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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 10:50
anders als - ist doch völlig richtig!

"Wie" käme dann zum Tragen, wenn du schriebst "nicht so, wie du es gewohnt bist".

Gruß Haifischfrau
 
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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 11:15
Heute bekam ich eine Broschüre .... "weitere Info's ..."
und vielfach lese ich an Kneipentüren: "Sonntag's geschlossen"

auch das sind nette Rechtschreibung's (!)-fehler


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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 11:38
Zum sogenannten "Deppen-Apostroph":

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-16748340.html

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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 11:57
Nachtrag.

Vor einigen Monaten gabs ja mal eine Diskussion über den Wandel der Sprache. Ich hatte den Standpunkt vertreten, dass - sobald nur genügend Menschen sich einer sprachlichen Unsitte bedienen - die Rechtschreibung früher oder später an diese Unsitte angepasst wird.

Ich erinnere mich, es gab heftigen Widerspruch, besonders von Huwes, und auch einigen anderen, die das heftig bestritten hatten.

Tja, die Realität sieht anders aus ...

Artikel aus "Spiegel-online"

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-16748340.html

Zitat aus dem Artikel:

"Die Rechtschreib-Wächter gaben schließlich klein bei. Zur Kennzeichnung des Genitivs von Namen, heißt es mittlerweile in der "Amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung", abgedruckt im neuen Duden, werde "gelegentlich" ein Apostroph gesetzt, "um die Grundform eines Personennamens" zu verdeutlichen - offizielles Musterbeispiel: "Andrea''s Blumenecke"."


Grüße.

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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 12:01
Mann,
da habt ihr was genannt. Das regt mich auch schon lange auf.
Aber dazu kommt noch was ganz Gemeines. Hört mal Radio. Die Moderatoren, auch von so ehrwürdigen Sendern wie Bayern 3, lassen sehr oft das Genitv S mehr aber noch das Mehrzahl S in ihren Reden weg.
Das klingt genauso blöd, wie es sich schmerzlich liest, wenn man das S mit Apostroph anhängt.

Schaudernde Grüße

Uwe

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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 12:24
Liebe Haifischfrau,

vielen Dank für die Bestätigung. Ich schreibe nach Gefühl und wie es richtig für mich klingt.
Genauso wie ich keine Takte zählen kann (will) beim Singen. Und das hat mir auch oft geholfen, wenn sich andere verzählt haben und ich einfach bei meinem Gefühl geblieben bin.

Etwas ganz unorthodoxes: Meine Engel haben gesagt, daß FÜHLEN die neue Sprache und die neue Kommunikation ist. Deshalb befreie ich mich jetzt gleich von den Rechtschreibregeln (?). cheezy grin

Schreibt schön richtig! thumb up

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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 13:04
Engelworte hat Folgendes geschrieben:
Der letzte Absatz von meinem heutigen Tagesgedicht:

"Es wird für dich ganz anders klingen,
als du gewohnt bist, hör´ nicht auf,
die Melodie weiter zu singen.
Sie prägt den neuen Lebenslauf."

Alles sträubt sich in mir, anstatt "als" das "wie" zu schreiben, auch wenn es richtig sein sollte.


Haifischfrau hat es bereits korrekt erklärt:
Das "als" ist richtig!

Das Wort "anders" deutet auf einen Unterschied hin (siehe: "ich bin älter als mein Bruder"). Nur wenn zwei Dinge gleich sind, wird ein "wie" gesetzt:

Es wird für dich ganz anders klingen,
als du gewohnt bist, hör´ nicht auf


Es wird für dich genau so klingen,
wie du gewohnt bist, hör´ nicht auf


Grüße
Siegfried

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Re: Rechtschreibreform

BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 13:37
Torsten Buchheit hat Folgendes geschrieben:
Was mich an der Rechtschreibreform von 1996 stört, ist einfach alles. Ich lasse mir nicht von einer Horde durchgedrehter Kultusminister, angeheizt von einigen geldgierigen Schulbuch- und Lexikonverlagen, vorschreiben, wie ich fürderhin zu schreiben hätte.


Interessante Aussage - insbesondere in Bezug auf die Rechtschreibreform von 1901 (heute besser bekannt als "die alte Rechtschreibung"). Weil die noch viel radikaler war, als wir es mit der Reform von 1996 erlebt haben. cheezy grin

Das bis dahin häufig geschrieben "th" wie in "That" (heute: "Tat"), "Thür" (heute: "Tür") oder "Fürstenthum" (heute "Fürstentum") verschwand per kaiserlichem Erlass.

Wortendungen auf "-niß" wurden durch die Reform von 1901 auf "-nis" verändert ("Geheimniß" -> "Geheimnis")

Das in vielen Fremdworten bis dahin benutzte "c" wurde auf "k" oder "z" eingedeutscht ("Accent" -> "Akzent"; "social" -> "sozial", "Centrum" -> "Zentrum").

Franko- und anglophone Schreibweisen wurden auf deutsche umgestellt ("Cakes" -> "Keks", "shawl" -> "Schal", "Liqueur" -> "Likör", "Compagnie" -> "Kompanie")

Anmerkung: Das oft gegen die Reform von 1996 bemühte Wort "Majonäse" für "Mayonnaise" taucht bereits im Duden von 1941 auf - "Majönäse" entspricht damit der korrekten Schreibweise der "alten Rechtschreibung". Wer hätte das gedacht? Rolling Eyes

Fremdwörter mit der Endung "-iren" erhielten ein zusätzliches "e" ("regiren" -> "regieren", "addiren" -> "addieren").

Diese Änderungen basieren größtenteils auf den Ergebnissen der Konferenz von 1876, die sich allerdings nicht deutschlandweit durchsetzen konnte.

Und nicht vergessen: Alles von oben herab! cheezy grin

Ich frage mich, was für Reaktionen eine derartige Rechtschreibreform heutzutage auslösen würde. cheezy grin

Grüße
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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 14:59
was mich rasend macht, sind die das/dass-Fehler. Ist das wirklich so schwer? In jeder Zeitung, vielen Büchern, in Foren, finde ich diese Fehler.
Ich musste nicht lange suchen (in diesem Forum), um ein Beispiel zu finden:

Trage Informationen in jedes Forum ein, dass für Deine Bücher in Frage kommt.

Als kleiner Tipp: das wird immer geschrieben, wenn man "welches/welche/welcher" oder auch "jene/jener/jenes" dafür einsetzen kann.

Also im obigen Beispiel könnte man auch sagen: Trage Informationen in jedes Forum ein, welches für Deine Bücher in Frage kommt.

Als Gegenbeispiel: Sorge dafür, dass Informationen in jedes Forum eingetragen werden.

Mein Mann behauptet, ich hätte eine das/dass-Phobie. Ich habe sogar einmal eine Sammlung angelegt und da waren Textpartien mit diesem Fehler aus Büchern von so renommierten Leuten wie Ulrich Wickert, Amelie Fried und Ildiko von Kürty dabei.

Gruß Uschi

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BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 15:36
chiquitita hat Folgendes geschrieben:
was mich rasend macht, sind die das/dass-Fehler. Ist das wirklich so schwer?


Beifall! thumb up

Ein Kumpel von mir sagt immer:
"80 % der Eingeborenen in Deutschland beherrschen ihre eigene Schriftsprache nicht. Tendenz: weiter zunehmend."

Grüße
Siegfried
P.S.: Dieser Trööt macht Spaß - weil sich hier so viele als Vefechter der korrekten deutschen Schriftsprache outen. cheezy grin

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Re: Rechtschreibreform

BeitragVerfasst am: 13.02.2010, 16:16
Siegfried hat Folgendes geschrieben:
Torsten Buchheit hat Folgendes geschrieben:
Was mich an der Rechtschreibreform von 1996 stört, ist einfach alles. Ich lasse mir nicht von einer Horde durchgedrehter Kultusminister, angeheizt von einigen geldgierigen Schulbuch- und Lexikonverlagen, vorschreiben, wie ich fürderhin zu schreiben hätte.


Interessante Aussage - insbesondere in Bezug auf die Rechtschreibreform von 1901 (heute besser bekannt als "die alte Rechtschreibung"). Weil die noch viel radikaler war, als wir es mit der Reform von 1996 erlebt haben. cheezy grin


Ach Siegfried,

1901 war ich auch noch jünger und nicht so altersstarrsinnig. cheezy grin

Ausnahmsweise mal im Ernst: ich hätte 1901 mit Sicherheit vehement gegen die damalige Rechtschreibreform protestiert. Mir geht es gegen den Strich, daß mir wer vorschreiben will, ab welchem Datum ich plötzlich anders schreiben soll als vorher.

Wir leben in einer Demokratie, und die Mehrheit der Deutschen war gegen die Rechtschreibreform. Proteste auf breiter Front wurden ignoriert. Letztendlich hat sich die Schulbuch- und Lexikaverlagslobby durchgesetzt. Das stößt mir sauer auf. Deshalb ignoriere ich die Rechtschreibreform bewußt und schreibe, wie ich will. Das ist sozusagen meine Hausorthographie: verbindlich und mit festen, systematischen Abweichungen von den (aktuell, denn wer weiß für wie lange) bestehenden Rechtschreibregeln.

Allerdings ist es auch so, wie chnuppesaager weiter oben geschrieben hat: die Rechtschreibung paßt sich an Unsitten an. Irgendwann gehört der Deppenapostroph zum ganz normalen Schriftdeut'sch, wenn nur genug Leute ihn setzen. Deshalb halte ich mir offen, meine Hausorthographie an den Lauf der Zeit anzupassen.

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BeitragVerfasst am: 13.11.2010, 13:20
http://www.korrekturen.de/wortliste_i.shtml

Könnte das Euch weiterhelfen?

Gruß Maxi
 
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