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BeitragVerfasst am: 16.11.2008, 16:43
Ich möchte 10 Minuten Eurer Zeit in Anspruch nehmen und den Beginn meiner Geschichte von Euch beurteilen lassen.
Jede Kritik und jede Stellungnahme ist mir wichtig - vielen Dank! thumb up


Tobias öffnet die Augen. Schon gestern haben seine Sinne zwei Mal schemenhaft etwas wahrgenommen, was ihm fremd vorkam. Doch nun kehrt Tobias’ Bewusstsein nach und nach an die Oberfläche zurück Wie ein Taucher, der während des Auftauchens bereits das noch ferne Licht der Sonne erblicken kann, nimmt Tobias die hellen Töne der Zimmerbeleuchtung wahr. Das verschwommene Umfeld, das sich aus ineinanderlaufenden Farben zusammensetzte, beginnt an sichtbaren Umrissen zu gewinnen und deutlicher zu werden. Als ob er nach einem Alptraum langsam erwachen würde, registriert er ein dumpfes und betäubtes Körpergefühl.
Immer wieder scheinen ihm seine Augenlider mitteilen zu wollen, dass sie ein Eigenleben führen und sich lieber schließen möchten. Sein gesamter Körper fühlt sich wie bei einem zur Erde zurückgekehrten Astronauten massig und schwer an. Langsam und unter großem Kraftaufwand neigt Tobias seinen Kopf zu einer Schallquelle auf der rechten Seite.
Er erkennt eine große, beleibte Frau mit rötlichen Haaren und einem freundlichem Gesichtsausdruck. Sie trägt einen weißen Kittel. Noch ist sich Tobias nicht ganz sicher, aber diese fremde Frau scheint etwas zu ihm zu sagen. Tobias erfasst, dass diese Frau ihren Mund immer wieder auf dieselbe Weise öffnet und schließt. Es dauert Minuten, bis Tobias’ akustische Reizfortleitung wieder funktioniert und er die Worte dieser Frau leise und widerhallend verstehen kann.
„Tobias, können Sie mich hören?“
Tobias kann sie hören aber er kann nicht antworten. Ihm fehlt jede Kraft, um ein einfaches „Ja!“ über die Lippen zu bringen.
„Bewegen Sie bitte die rechte Hand, wenn sie mich hören können!“
Wie eine Marionette, die jede ihrer Bewegungen durch das Geschick eines erfahrenen Puppenspielers erhält, hebt Tobias bis auf den Daumen die Finger der rechten Hand.
„Sehr gut, Sie können mich hören!“, sagt die fremde Frau. Sie legt ihre Hand auf Tobias’ rechten Unterarm.
„Ich bin Schwester Katharina und Sie befinden sich im Städtischen Krankenhaus. Sie sind schwer verletzt eingeliefert worden und haben zwölf Tage geschlafen!“
Tobias registriert diese Mitteilung unbeteiligt wie die Vorhersage des Wettermannes im Fernsehen, der Mitte November den ersten Nachtfrost ankündigt.
Im selben Moment betritt ein älterer Mann mit grauen Haaren den Raum. Er ist Tobias genauso fremd wie es Schwester Katharina ist; und wie sie, trägt auch er einen weißen Kittel. Der Mann beugt sich zu Tobias.
„Ich freue mich, dass Sie wach geworden sind, Herr Schneider! Haben Sie Schmerzen?“, möchte der Mann wissen.
Tobias gelingt es, seinen Kopf ansatzweise und zaghaft von rechts nach links zu neigen und damit ein Kopfschütteln anzudeuten.
„Das ist gut! Ich bin übrigens Dr. Vorberg! Sie werden in den nächsten Tagen noch viel schlafen. Nehmen Sie sich diese Zeit und überfordern Sie sich nicht. Wenn Sie sich schonen und nichts überstürzen, können Sie wieder ganz gesund werden!“
Diese Mitteilung ist die einzige, die tatsächlich und vollständig bei Tobias angekommen ist. Er fragt sich nicht, wodurch er verletzt wurde und wie es möglich war, eine so lange Zeit zu schlafen. Ihn beruhigt die Aussage, dass er wieder gesund werden kann; nichts anderes ist in dieser Situation für Tobias von Bedeutung. Tobias schaut Dr. Vorberg anerkennend und voller Respekt an, als habe dieser in das große Buch des Himmels mit goldener Tinte niedergeschrieben, dass Tobias’ Zeit noch nicht gekommen ist.
Der Arzt spricht noch weiter, doch Tobias gleitet bereits in einen tiefen Schlaf zurück, der ihn vor weiteren neuen und fordernden Eindrücken und Mitteilungen schützt.


Zuletzt bearbeitet von Tabiro Malex am 16.11.2008, 18:25, insgesamt einmal bearbeitet

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Unglaublich, wie schnell du die neue Rechtschreibreform angewendet, hasst.
 
  Tabiro Malex 
 
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BeitragVerfasst am: 16.11.2008, 17:01
Hi,

mein persönlicher Eindruck, ohne Rechtschreibung zu beachten:

ich finde es gelungen, wie die Erzählperspektive vom Kopf des Tobias auszugehen scheint. Man fühlt sich selbst in seinen Kopf hineinversetzt.
Ebenfalls gefallen mir einige Metaphern recht gut.

Warum schreibst du in der Gegenwart? Um die Situation zu "vergegenwärtigen"? Bezweckst du damit etwas Bestimmtes? Mir gefällt das nicht so.

VG

Lorenz
 
  LOFI 
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BeitragVerfasst am: 16.11.2008, 19:14
@LOFI

Ich schreibe im Präsens weil alles aus Tobias' Sicht passiert und man so näher am Geschehen ist.

Darüberhinaus habe ich (auch im Fortlauf) vor, die Gegenwartsform beizubehalten, da Tobias die Hauptperson ist und die Handlung zum überwiegenden Teil erst durch seine individuelle Sicht und seine persönlichen Empfindungen und Eindrücke erfahrbar und erlebbar wird.

VG
Tabiro

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BeitragVerfasst am: 16.11.2008, 19:20
Tabiro Malex hat Folgendes geschrieben:
@LOFI

Ich schreibe im Präsens weil alles aus Tobias' Sicht passiert und man so näher am Geschehen ist.

Darüberhinaus habe ich (auch im Fortlauf) vor, die Gegenwartsform beizubehalten, da Tobias die Hauptperson ist und die Handlung zum überwiegenden Teil erst durch seine individuelle Sicht und seine persönlichen Empfindungen und Eindrücke erfahrbar und erlebbar wird.

VG
Tabiro


Es ist also eine Art live-Geschichte.
 
  LOFI 
Gast 
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 16.11.2008, 19:30
Zitat:
Es ist also eine Art live-Geschichte.


Ich bin mir sicher, dass der Leser Tobias' später folgende Veränderungen mit noch mehr Spannung und Interesse verfolgt, wenn er sie durch Tobias' Augen sehen kann!

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BeitragVerfasst am: 16.11.2008, 19:33
Das glaube ich wohl.
 
  LOFI 
Gast 
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 17.11.2008, 00:46
Tabiro Malex hat Folgendes geschrieben:

Ich schreibe im Präsens weil alles aus Tobias' Sicht passiert und man so näher am Geschehen ist.


Das ist eine interessante Aussage von dir. Weil ich der Meinung bin, dass genau das eben nicht der Fall ist. Du erzählst in großen Teilen nicht aus der Sicht von Tobias.

Schon gestern haben seine Sinne zwei Mal schemenhaft etwas wahrgenommen, was ihm fremd vorkam.

Ich glaube nicht, dass Tobias so von sich selbst denkt und so von seiner Situation berichten würde. Das ist viel mehr die Betrachtungsweise eines Außenstehenden, eines Erzählers außerhalb von Tobias.

Doch nun kehrt Tobias’ Bewusstsein nach und nach an die Oberfläche zurück.

Hier wird zwar beschrieben, was mit Tobias geschieht, aber nicht aus Sicht von Tobias. Wenn die Szene aus seiner Sicht erzählt würde, dann müssten seine subjektiven Empfindungen geschildert werden, also was er so gerade erkennt, was er hört, was er schmecht oder riecht (und zwar aus seiner Sicht, nicht aus der eines Erzählers).

Wie gesagt: Das mit dem "aus Tobias' Sicht" erzählen, um so näher am Geschehen zu sein, irgendwie trifft das beim vorgestellten Text nicht zu.

Sorry!

LG
Siegfried
 
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BeitragVerfasst am: 17.11.2008, 01:13
@Siegfried

Zitat:
... Schon gestern haben seine Sinne zwei Mal schemenhaft etwas wahrgenommen, was ihm fremd vorkam.

Ich glaube nicht, dass Tobias so von sich selbst denkt und so von seiner Situation berichten würde. Das ist viel mehr die Betrachtungsweise eines Außenstehenden, eines Erzählers außerhalb von Tobias.

Doch nun kehrt Tobias’ Bewusstsein nach und nach an die Oberfläche zurück.

Hier wird zwar beschrieben, was mit Tobias geschieht, aber nicht aus Sicht von Tobias. Wenn die Szene aus seiner Sicht erzählt würde, dann müssten seine subjektiven Empfindungen geschildert werden, also was er so gerade erkennt, was er hört, was er schmecht oder riecht (und zwar aus seiner Sicht, nicht aus der eines Erzählers). ...


Vielen Dank für Deinen Weckruf!
Damit ich weiter lernen kann, würde ich mich über eine tiefergehende Textkritik von Dir sehr freuen.

VG
Tabiro

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  Tabiro Malex 
 
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Bewertung

BeitragVerfasst am: 17.11.2008, 01:24
Hi Tabiro,
die Geschichte bis dahin ganz okay. Macht neugierig, wie es weitergeht.
Was mich ein wenig stört ist, dass du deinen Helden ständig bei seinem Namen nennst. Das lässt machmal den Lesefluß in`s Stocken geraten.
Warum schreibst du nicht zwischendurch einfach mal: ER öffnet die Augen, oder SEINE Hände bewegen sich...
Sind jetzt nicht direkt deine Formulierungen aber du weißt sicher, wie ich das meine.
Vielleicht empfinde i c h das nur so? zwinker

LG Gitte
 
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BeitragVerfasst am: 17.11.2008, 01:27
Hallo Tabiro,

deinen Schreibstil finde ich ganz interessant, wenn auch noch überarbeitet werden muss. Aber ich könnte mir auch gut vorstellen, dass es noch besser wäre, wenn du in der 1. Person erzählst. Oder ist das für den Fortlauf der Geschichte ungünstig?

Grüßle,
Judith

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BeitragVerfasst am: 17.11.2008, 02:26
@Gitte

Zitat:
... Was mich ein wenig stört ist, dass du deinen Helden ständig bei seinem Namen nennst. Das lässt machmal den Lesefluß in`s Stocken geraten. ...


Der Name "Tobias" taucht tatsächlich sehr oft auf. Mir war "das Ausmaß" bislang nicht aufgefallen.



@Judith

Zitat:
... Aber ich könnte mir auch gut vorstellen, dass es noch besser wäre, wenn du in der 1. Person erzählst. Oder ist das für den Fortlauf der Geschichte ungünstig? ...


Meine Behauptung, ich würde aus Sicht der Hauptfigur erzählen, liegt vermutlich daran, dass ich mir während des Schreibens - wie jeder Figurenschöpfer - immer genau vorzustellen versuche, wie sie die jeweilige Situation erlebt und wahrnimmt. Möglicherweise kommt es da gerade zu Verschiebungen - wenn ich gleich mit 'Tobias' unterschreibe, weißt du, was ich meine. cheezy grin
Tatsächlich spricht aber der weitere Verlauf gegen ein Schreiben in der 1. Person!

VG
Tabiro

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  Tabiro Malex 
 
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BeitragVerfasst am: 17.11.2008, 09:32
Hallo Tabiro,

Tabiro Malex hat Folgendes geschrieben:
Ich schreibe im Präsens weil alles aus Tobias' Sicht passiert und man so näher am Geschehen ist.


Dann passt in deinem Textausschnitt aber nicht der letzte Satz. Das kann nur der Autor, aber nicht Tobias wissen.

Und dass jemand in der Situation von Tobias sich in die Situation eines Tauchers oder eines Astronaten hineinversetzt, mag ich ebenso wenig glauben.

Alles aus der Sicht von Tobias und im Präsens zu schreiben, ist eine ziemliche literarische Herausforderung, weil man als Autor natürlich mehr weiß und immer versucht ist, etwas auszuplaudern, was das dichterische Ich nicht wissen kann.

Beste Grüße,

Heinz.

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BeitragVerfasst am: 17.11.2008, 20:17
@hawepe

Zitat:
... Alles aus der Sicht von Tobias und im Präsens zu schreiben, ist eine ziemliche literarische Herausforderung, weil man als Autor natürlich mehr weiß und immer versucht ist, etwas auszuplaudern, was das dichterische Ich nicht wissen kann.


Das ist sicherlich zutreffend! Ich glaube auch nicht, dass ich dieser literarischen Herausforderung schon gewachsen wäre. Als "Newcomer" fehlt mir da neben fundierten handwerklichen Fähigkeiten natürlich auch die Erfahrung.
Deshalb ist es umso wichtiger, von "den alten Hasen" Ratschläge zu bekommen! thumb up

VG
Tabiro

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