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Bitte Oma nimm den Papa an die Hand

BeitragVerfasst am: 22.01.2012, 14:42
Titel: Bitte Oma nimm den Papa an die Hand
Autor: Detlef Bass

Verlag: Noch auf der Suche
Seiten: 166


Der Autor über das Buch:

Am Morgen des 10 Januar 2007 bekamen wir die traurige Nachricht, dass unsere Mutter plötzlich verstorben war. Für mich war es unvorstellbar das meine Mutter von uns gegangen war, ohne sich von mir zu verabschieden. Dann fiel mir der frühe Morgen ein an dem Ich ziemlich unsanft geweckt worden bin. Der Geist meiner Mutter war bei mir, um Tschüss zu sagen. Knapp vier Monate nach ihrem Tod bekamen wir einen Anruf aus dem Jenseits von ihr. Nur einen Monat später folgte ein zweiter Anruf. Als mein Schwiegervater ein halbes Jahr nach meiner Mutter starb, spielte die Welt um uns herum verrückt. Demnach waren die Geistergeschichten meines Vaters, mit denen er uns Kinder stets auf Trab gehalten hatte, doch keine Räuberpistolen. Bereits im November 1975 hatten meine Freundin und ich eine Begegnung mit einem sogenannten Poltergeist, der uns auf die Pelle rückte. In den darauffolgenden Jahren überschritt ich oft die Grenze zum Jenseits, ohne es zu wissen. Erst nach dem Tod meiner Mutter öffnete sich mir die Welt, die ich längst kannte, geistig aber nie wahrgenommen hatte. Obwohl ich kein Medium oder so etwas Ähnliches bin, habe ich nun einen Weg der Kommunikation mit Verstorbenen gefunden. Daher weiß ich auch aus erster Hand, das es drüben, auf der anderen Seite, weiter geht. Damit von den unfassbaren Ereignissen, die alle paar Monate stattfanden nichts verloren ging, beschloss ich meine Erlebnisse von Anfang an aufzuschreiben. Als ich nach über 160 Seiten fertig war, dachte ich nicht an eine Veröffentlichung. Die Geschichte gehörte meine Mutter und ohne ihr Einverständnis sollte alles, was ich aufgeschrieben hatte, privat bleiben. Außerdem würde mir so eine kaum zu glaubende Geschichte sowieso niemand abkaufen. Als ich eines Abends, es war am 09.03.11 einige Korrekturen vornahm, spürte ich das meine Mutter bei mir war. Ich sagte zu ihr: „Wenn du möchtest, dass ich die Geschichte veröffentlichen soll, musst du mir irgendein Zeichen schicken.“ Ich brauchte nicht lange zu warten, denn am 13.03.11 zeigte mein Schwager Mike mir etwas, was mir die Sprache verschlug. Das war das Zeichen, womit ich ein Teil meiner Erzählungen untermauern konnte. Ein Zeichen, das für jedermann zugängig ist.
An die Geschichte, die ich hier erzähle, ist nichts erdacht oder herbei erfunden worden. Die Ereignisse beruhen auf wahre Begebenheiten. So unglaublich es auch klingen mag, es ist alles genau so erlebt


Inhalt:

Leseprobe
Seite 1
Lange habe ich mich davor gesträubt, über ein Thema zu schreiben, über das ich noch nicht einmal reden wollte. Dabei weiß ich ganz genau, dass auch ich über einige besondere Begabungen verfüge und zum Beispiel mit Verstorbenen in Verbindung treten kann. Ich bin aber kein Medium, jemand der nach seinen eigenen Aussagen, ständig mit Toten kommuniziert. So eine Kommunikation liegt wohl nicht in meiner Macht, da ich auf dem Gebiet ganz andere Erfahrungen gemacht habe. Das soll aber nicht heißen, dass ich an den Aussagen einiger Medien zweifle. Im Gegenteil, ich habe so viele unglaubliche Dinge erlebt, dass ich an nichts mehr zweifle. Ich sehe mich eher in der Funktion eines Beobachters, der Dinge sieht und wahrnimmt, die früher den Alten und Weisen vorbehalten waren. Wenn ich zurückdenke, dass ich noch bis kurz vor den Tod meiner Mutter an ein Leben nach dem Tode gezweifelt habe, sehe ich den unausweichlichen Tod, der einst kommen wird, nun mit anderen Augen. Früher hoffte ich, ebenso wie alle anderen Menschen auch, das danach noch irgendetwas kommt. Ob es sich dabei um das Paradies oder aber die Hölle handeln wird, wäre mir in Anführungsstrichen egal, die Hauptsache es geht irgendwie weiter. Mein Sohn sagt immer, dass es nur das Paradies sein kann, was kommt, denn die Hölle, die haben wir hier auf Erden. Es wäre ja beruhigend, wenn es denn so wäre. Sollten wir drüben auf der anderen Seite, wirklich nach unseren guten oder schlechten Taten abgeurteilt werden, so wie es die Kirche immer predigt, dann wird es vielleicht eng für mich. Denn ich hatte eine sehr bewegte Jugend, in der ich nicht immer ein braver Junge gewesen war. Dennoch glaube ich, dass es für das Paradies reichen wird.
Seite 2
Darüber habe ich mir jedoch, noch nie den Kopf zerbrochen. Obwohl ich schon in meiner Jugend ebenso unglaubliche, wie unerklärliche Begegnungen hatte, war für mich der Tod, den wir, ob wir wollen oder nicht, eines Tages begegnen werden, nichts anderes, als der Lichtmann. Der eines Tages kommen wird, um uns das Licht auszuknipsen. Das war es dann. Erst der plötzliche Tod meiner Mutter und die mysteriösen Ereignisse, die nach ihrem Tod auf uns niedergeprasselt waren, haben mir die Augen geöffnet. Heute weiß ich, dass es eine Existenz, wie auch immer sie aussehen mag, nach dem Tod gibt. Dass soll aber nicht heißen, dass ich nun keine Angst mehr vor dem Tod habe, im Gegenteil, schon der Gedanke daran macht mich wahnsinnig. Wie bereits angedeutet wollte ich nie darüber schreiben, doch nun glaube ich, dass es der Wunsch meiner Mutter ist, die so zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Erstens nimmt sie mir damit die Angst vor dem unausweichlichen Ende und zweitens kommt sie so zu ihrer Geschichte, die sich zu Lebzeiten so sehr gewünscht hatte. Obwohl meine Frau Marion, die für jeden Lallusch heißt, sowie einige andere Personen und ganz besonders ich im Mittelpunkt der Ereignisse stehen, ist die Geschichte einzig und allein meiner Mutter, Margarete v. d. B - Bass gewidmet.
Nun wo es dazu zu spät ist, tut es mir in der Seele weh, wenn ich daran denke, dass ich meine Mutter und ihre Erlebnisse stets nach hinten geschoben habe, um mich meiner Meinung nach, einem interessanteren Thema zu widmen. Zum Beispiel die Biografie meines Schwiegervaters, die ich viel aufregender fand. Er war fast vier lange Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern eingesperrt, indem seine gesamte Familie umgebracht wurde.
Seite 3
Jedes Mal wenn wir bei meiner Mutter zu Besuch waren, und sie sah, dass ich an Richards Geschichte schrieb, die ich Aufgewachsen im Schatten nannte, fragte sie mich, wann ich ihre Geschichte schreiben würde. Das, was sie während und nach dem Krieg erlebt hatte. Stets hielt ich sie hin und versprach ihr, dass ich, sobald ich mit Aufgewachsen im Schatten fertig bin, mich an ihre Erlebnisse heran machen werde. Für mich stand damals fest, das, wenn ich einen Verlag von meinen Manuskripten überzeugen konnte, dann nur, mit einer so dramatischen Geschichte, wie die, die Richard widerfahren war. Meine Mutter, die noch nie egoistisch gewesen war, empfand es jedoch als ungerecht, dass ich Richard bevorzugt hatte. Ich hingegen sah es als meine große Chance mit solch einer unglaublichen Geschichte, wie die von Richard, an die Verlage zu treten. Richard ist Zigeuner und wurde zusammen mit seiner ganzen Familie und Verwandtschaft von einem Arbeitslager in das Nächste deportiert. In Auschwitz sollte er umgebracht werden und bekam eine Spritze ins Herz, doch er überlebte. Nach dreieinhalb Jahren Hölle blieben nur noch er und zwei Cousins übrig. Die Geschichte war an Dramatik, Trauer und Elend wohl kaum zu übertreffen. Meine Mutter hingegen wuchs auf dem Lande auf und verbrachte die Kriegsjahre zu Hause bei ihren Eltern. Mit Sicherheit hatten sie und ihre Familie es ebenfalls schwer, durch den Krieg zu kommen, doch das erging wohl allen Deutschen so. Heute weiß ich, dass ich mit Richards dramatischen Erlebnissen im Irrtum war. Niemand will mehr etwas über die Verbrechen der Deutschen wissen, die nicht einmal im Vordergrund der Geschichte meines Schwiegervaters Richard stehen. Nun bin ich um eine Erfahrung reicher, aber auf Kosten meiner Mutter, der ich keine größere Freude hätte machen können, als ihre Biografie, die auch sehr dramatisch war, zu schreiben.
Seite 4
Leider kann ich mich nur noch lückenhaft an ihre Erlebnisse, die ihr damals widerfahren sind, erinnern, weil ich stets nur mit einem Ohr hingehört hatte. Doch da war eines ihrer Erlebnisse, das teilweise bei mir hängen geblieben ist.
Sie und ihre Schwestern Ernie und Kätchen, sowie eine Horde anderer junger Frauen und Mädchen mussten wie jeden Tag zuvor, nach der Schule auf die Felder, um dort zu arbeiten. Kurz bevor der Tag zu Ende war, hörten die Mädels irgendwo in der Ferne surrende Motorengeräusche. Neugierig ließen sie die Arbeit ruhen und starrten gebannt in den Himmel. Die Flugzeuge, die sich hinter den surrenden Geräuschen verbargen und zumeist hoch oben in den Wolken flogen, um irgendwo Tod und Elend über die Menschheit zu bringen, waren auf einmal zum Greifen nahe. Zur Seite abgedreht schossen die Flieger im Sturzflug vom Himmel herab. Noch wusste keines der Mädchen, was das zu bedeuten hatte, schließlich hatten sie noch nie einen direkten Fliegerangriff miterlebt. Plötzlich ratterten Maschinengewehrsalven. In Todesangst rannten meine Mutter, ihre Schwestern und die anderen Mädchen schreiend um ihr Leben und versuchten sich im Heu und den lang gezogenen Gräben zu verstecken. Obwohl die Piloten gesehen haben mussten, dass sich auf den Feldern Schulkinder befanden, ließen sie nicht locker und griffen die Mädchen immer wieder an. Als das Rattern der Maschinengewehre und das surrenden der Motoren immer lauter wurde, schmissen sich meine Mutter und ihre Schwestern, die bis dahin immer noch ziellos, um ihr Leben rannten, auf den Boden.
Seite 5
Meine Mutter warf die Hände über den Kopf und betete zu Gott, dass er ihr und den anderen Mädels hilft. Es knallte und krachte. Explosionen waren zu hören und dann war es still. Wie lange die Mädchen dort im Dreck gelegen hatten, konnte meine Mutter im Nachhinein nicht mehr sagen. Als sie die Köpfe angehoben hatten und sahen, was passiert war, glaubten sie an ein Wunder. Nein es war ein Wunder. Keine fünf Meter neben ihnen steckte eine Bombe im weichen Lehmboden. Die Schwestern waren nicht nur den tödlichen Kugelhagel entkommen, sondern auch der Bombe, die Gott sei Dank nicht explodiert war. Noch heute sehe ich meine Mutter, wie sie uns diese Geschichte mit leuchtenden Augen erzählt hatte. Es war bestimmt ebenso spannend, wie gefährlich, als sie sich mit ihrer schwerkranken Tochter auf die Socken machte und aus der DDR flüchtete. Da ihrem kranken Kind kein Arzt in der damaligen DDR helfen konnte, beschloss sie in den Westen zu fliehen. Rüber gemacht, sagten ihre Schwestern immer, die wir 1980 zum ersten Mal bei ihrem Besuch im Westen sahen. In einer Nacht und Nebelaktion machten sich meine Mutter und meine Schwester mutterseelenallein auf die Socken und flüchteten, mit der stetigen Angst im Nacken, erwischt oder erschossen zu werden, über die Grenze in die BRD. Irgendwann strandete sie in Essen und lernte dort meinen Vater kennen. Mit Sicherheit waren auch ihre Erlebnisse sehr interessant und dramatisch zugleich, doch ich zögerte, sie aufzuschreiben. Nun bereue ich es und es tut mir in der Seele weh, dass ich das Leben meiner Mutter nicht auch aufgeschrieben habe. Ich hätte ihr keine größere Freude machen können.
Seite 6
Meine Mutter war nicht nur eine gute Mutter, sondern auch ein Mensch mit seherischen Fähigkeiten. Später erfuhren wir durch Zufall, dass ihre Schwestern Ernie und Kätchen es auch faustdick hinter den Ohren hatten. Beide legten seit frühster Jugend Karten und veranstalteten hin und wieder bei sich zu Hause in der DDR, auch so einen Hokuspokus, mit Freunden und Nachbarn. Doch das war zu weit weg, um von uns wahrgenommen zu werden. Wenn wir bei meiner Mutter zu Besuch waren und sie uns, aus was für einem Grund auch immer, von ihren Träumen, Vorahnungen und Visionen erzählt hatte, trafen diese auch ein. Spätestens dann wurde mir die Angelegenheit mit dem Übersinnlichen und den Geistern, die stets dahinter stecken zu heiß und ich wollte nichts mehr davon wissen. Das war und ist für mich eine andere Welt vor der ich stets reiß aus nahm, weil ich mich dort so klein und hilflos fühle. All das, was auf dieser Ebene passiert, geschieht ohne mein dazu tun und worauf ich auch keinen Einfluss habe. Und diese Hilflosigkeit, die macht mir Angst. Wie ich heute weiß, war ich einfach noch nicht dazu bereit, mich mit ungewöhnlichen Ereignissen auseinanderzusetzen und das, obwohl ich mich seit meiner Kindheit mittendrin befand.
Das alles änderte sich am Morgen des 10.01.2007 durch den plötzlichen Tod meiner lieben Mutter, die für uns alle, meine Geschwister und mir, völlig unerwartet starb.
Seite 19
„Mach dich mal nicht verrückt. Lallusch und ich bleiben heute Nacht bei einem Kumpel von mir“, sagte ich und nahm ihr so erst einmal die Angst. Meine Mutter war erleichtert. Leider war mein Kumpel nicht zu Hause. Da wir aber einmal in Frohnhausen waren, schlug Lallusch vor, bei Opa Gustke einem Bekannten, ihrer Familie zu übernachten. Obwohl ich nicht gerade begeistert war, stimmte ich zu. Opa Gustke war schon weit über achtzig Jahre alt und ein ganz lieber Kerl. Als Lallusch ihn gefragte hat, ob wir bei ihm übernachten dürfen, hatte er nichts dagegen. Im Gegenteil er war froh darüber, ein bisschen Unterhaltung zu haben. Weit weg von Lallusch ihren tobendem Alten, machten wir es uns in Opa Gustkes Wohnung gemütlich. Was mich nur störte, war der alte Gustke, der mit seiner Erzählerei einfach kein Ende fand und uns erst um kurz nach zwölf Uhr allein ließ. „Das wurde aber auch allerhöchste Zeit, das der Olle endlich verschwindet“, sagte ich zu Lallusch und nahm sie in den Arm. Es war kurz vor halb drei. Wir saßen im Wohnzimmer auf der Couch und knutschten miteinander, als wir auf einmal ein polterndes Geräusch hörten. Zuerst dachten wir, dass es aus dem Schlafzimmer kam, indem der Opa schlief. Neugierig horchend sahen wir zum Schlafzimmer. Doch es war wieder still. Grinsend sahen wir uns an und ich flüsterte: „Der Olle ist bestimmt auf dem Bett geflogen.“ Wir lachten und amüsierten uns über den Opa. Kaum hatten wir uns wieder beruhigt, polterte es erneut. Diesmal kamen die Geräusche aus der Küche. Sichtbar erschrocken hielten wir den Atem an und sahen zur Küche, die offen stand. Erst jetzt fiel mir auf, dass es in der Küche taghell war, ohne das ein Licht brannte. Da niemand in der Küche zu sehen war, fragte ich mich natürlich, woher das Licht und die Geräusche kamen. Einige Sekunden lang war es still, dann brach die Hölle los. Das Besteck in den Schubladen klapperte und das Geschirr in den Schränken tanzte
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klirrend wie bei einem Erdbeben durch die Regale. Ohne das jemand Hand angelegt hatte, gingen die Schubladen und Schranktüren auf und zu. „Da!“, rief ich Lallusch zu und zeigte auf den Tisch. Ich konnte nicht glauben, was ich dort sah, und riss erschrocken die Augen auf. Eine Tasse und dann ein Teller hüpften von ganz allein den Tisch entlang und gingen scheppernd zu Boden. Sie rutschten nicht, nein, sie hüpften, wie ein Kaninchen es tun würde, über den Tisch. Ebenso plötzlich, wie die Tassen zu tanzen begangen, so plötzlich war es wieder still. „Was ist denn jetzt los?“, fragte ich mit zitternder Stimme, „was war das?“, fügte ich erregt hinzu. Lallusch, die ebenso überrascht war wie ich, hob die Schulter und sah mich mit großen Augen an.
„Woher soll ich das denn wissen?“, antwortete sie und hielt sich verängstigt an meinen Arm fest. Und schon holte der Spuk zu einem weiteren Schlag aus. Poch, poch, poch klopfte es an einer Tür. Das Klopfen kam diesmal aber nicht aus der Küche, sondern von der Wohnungstür. Von ein auf dem anderen Augenblick waren das Poltern und das klappernde Geschirr in den Regalen vergessen, denn so, wie es aussah, war jemand an der Wohnungstür. Aus dem anfänglichen Klopfen wurde ein unkontrolliertes Hämmern. Es hörte sich an, als ob irgendjemand die Türe gewaltsam öffnen wollte. Die ganze Bude wackelte. Wie versteinert saßen Lallusch und ich da und sahen uns an. Für mich gab es in dem Moment, dafür nur eine Erklärung, Lallusch ihr Vater. Wer sonst, sollte draußen vor der Eingangstür stehen und versuchen die Türe einzuschlagen?
„Dein Vadder!“, hauchte ich leise. Lallusch sah mich an und schüttelte den Kopf.
„Das ist nicht mein Vater, das muss jemand anderes sein.“ Sie wusste, wovon sie sprach, denn sie kannte ihren Vater und seine Gewohnheiten ganz genau. Dass sie mit ihrer Vermutung richtig lag,
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erfuhren wir nur einige Augenblicke später. Kaum hatte ich mich von dem ersten Schock erholt, sagte ich zu Lallusch, die sich an meinen Schultern festgehalten hatte: „Komm!“ Wir gingen in die Küche. Leise öffnete ich die Schublade, die sich nun nicht mehr bewegte, und nahm mir ein Schlachtmesser heraus. Bewaffnet und zu allem entschlossen schlichen wir zur Wohnungstür. „Wenn der Idiot weiter so gegen die Türe hämmert, ist die bald auf“, flüsterte ich. Die Türklinke ging wild rauf und runter, gefolgt von den ständigen Schlägen und Tritten gegen die mit einer Glasscheibe versehene Wohnungstür. Wir befanden uns in einem Altbau, der schon mindestens hundert Jahre auf dem Buckel hatte. Die Wohnungstür war unterhalb aus Holz und oberhalb mit einer Glasscheibe versehen, die wie ein Mosaik aus vielen kleinen Glasscheiben zusammengesetzt war. Ebenso wie die Tür, war auch der Türrahmen, der sich über die gesamte Flurbreite erstreckt hatte. Von innen hing ein großer Vorhang vor den Glasscheiben, damit niemand in die Wohnung hinein schauen konnte. Als wir direkt neben der Wohnungstür standen, hielt ich den Atem an. Ganz langsam und mit äußerster Vorsicht schob ich den Vorhang ein kleines Stückchen zur Seite, sodass ich auf den Flur schauen konnte, ohne selbst dabei gesehen zu werden. Obwohl im Hausflur kein Licht brannte und nur der schwache Schein der Straßenlaterne, die draußen vor der Haustür stand hinein strahlte, war der Flur ebenso wie die Küche zuvor, taghell erleuchtet. Sichtbar schockiert wandte ich mich Lallusch zu, die sich immer noch an meinen Schultern festhielt, und sah sie mit weit aufgerissenen Augen an. Ich verstand die Welt nicht mehr. War das nur ein Traum oder ging da mein Verstand mit mir durch? Die Türklinke ging rauf und runter und es schlug und trat jemand so wild gegen die Tür, dass sie fast aus den Rahmen brach. „Da ist keiner“, flüsterte ich Lallusch zu und fragte
Seite 22
mich gleichzeitig, wenn da doch niemand ist, wer war dann im Begriff, die Türe einzuschlagen? Da ich mit der heiklen Situation wohl ein wenig überfordert war und nicht wusste, was ich davon halten sollte, schob ich den Vorhang nochmals zur Seite, sodass Lallusch auch hinausschauen konnte. Vielleicht sah sie ja mehr als ich? Sie hatte aber so wie sie mich angeschaut hat, bestimmt dasselbe gesehen wie ich, nämlich nichts und niemanden. Von so mysteriösen Ereignissen die, die Vorstellungskraft eines normal denkenden Menschen übertreffen, hatte ich schon öfters gehört, so etwas aber noch nie mit eigenen Augen gesehen. Mit meinem Latein am Ende suchte ich nach Erklärungen und schaute immer wieder hinaus in den Flur, der taghell erleuchtet war und nichts, aber auch gar nichts preisgab. Mit einem gezwungenen Lächeln auf den Lippen sah ich auf das Schlachtmesser, dass ich in der Hand hielt, und fragte mich, wozu ich die noch brauche. Etwa um uns gegen einen Eindringling zu verteidigen, den wir nicht sehen, geschweige denn greifen können? Obwohl ich bestimmt kein Feigling war, wäre ich am liebsten abgehauen. Doch wohin? Sollte ich etwa die Türe aufmachen, vor der ein … weiß der Himmel, wer oder was dort war und wie verrückt gegen die Türe gehämmert hatte. Das wäre mir in dem Moment nicht einmal im Traum eingefallen. Der Gedanke, dass wir uns verstecken müssen, ist mir erst gar nicht gekommen, denn wie und wo versteckt man sich vor einen verrückt gewordenen ... nennen wir ihn mal einen „Geist“, der möglicherweise nur in unseren Köpfen existierte. Natürlich stellte ich mir die Frage, warum ist bei dem Krach, der im ganzen Haus zu hören war, niemand der Bewohner wach geworden? Träumten wir vielleicht und bildeten uns den brutalen Angriff auf die Tür nur ein? Mit dem Mut der Verzweiflung schob ich den Vorhang so weit zur Seite, dass ich die Türklinke gleichzeitig von innen und von außen sehen konnte.
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Obwohl die Türklinke verrückt spielte und das Hämmern gegen die Türe unvermindert anhielt, waren immer noch nichts und niemand zu sehen. Es war wirklich nur noch eine Frage der Zeit, dann wird die Türe auf sein und dann? Was dann? Ratlos sahen wir uns an, als der Spuk von ein auf die andere Sekunde aufgehört hatte. Es war wieder mucksmäuschenstill.
Zurzeit liegen noch einige Leseproben bei verschiedenen Verlagen. Sollten wie immer auch diesesmal nur Absagen kommen, (ich habe die Nase voll) werde ich die Geschichte von einem Profi im Forum korrigieren lassen und bei BOD zu veröffentlichen.
Gruß Katsche


Es kommt nicht darauf was man schreibt, sondern wer es schreibt
 
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BeitragVerfasst am: 23.01.2012, 11:08
Hallo Katsche,

ich habe mir Deine Leseprobe sehr interessiert und fasziniert durchgelesen. Klar, ein paar Rechtschreibfehler müssen ausgemerzt werden, aber ansonsten liest es sich flüssig. Das Thema interessiert mich sehr, denn auch ich habe schon Erfahrungen gemacht, die ich nur damit erklären kann, dass es zwischen Himmel und Erde doch noch irgendwas geben muss. Normalerweise denke ich, dass alles logisch erklärbar ist, aber es gab eben auch Situationen, da kann ich nichts erklären, und zwar war das genau dann, als meine Mutter und meine Großeltern starben. Und ich kann die Ereignisse nicht einfach nur mit dem Wort "Zufall" abtun.

Also, ich wünsche Dir viel Glück, dass sich doch noch ein Verlag findet. Ansonsten ist BoD meiner Meinung nach nicht die schlechteste Idee.

Liebe Grüße, Grit

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  Grit 
 
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Hallo Grit,

BeitragVerfasst am: 23.01.2012, 21:29
freut mich das dir die Geschichte gefällt. Dass was ich ab Seite 19 als Leseprobe eingestellt habe, war ein Erlebnis, das wir im November 1975 hatten. Das war aber noch gar nichts gegen das, was danach, nachdem meine Mutter gestorben war, auf uns zukam. Wie bereits angedeutet waren auf einmal zwei Anrufe aus dem Jenseits auf unserem Anrufbeantworter. Klingt blöd, aber ist die Wahrheit. Was wir danach erlebten, dafür gib es keine logischen Erklärungen. Ein Ereignis war dabei, das wohl noch kein Mensch außer uns so erlebt hat. Nachdem was ich alles am eigenen Leib erfahren habe, bin ich davon überzeugt das, das was du nach dem Tod deiner Mutter und deinen Großeltern erlebt hast, kein Zufall war, sondern das es genau so, wie du es erlebt hast, geplant war. Von wem, das kannst du dir ja denken. So wie es aussieht, kannst du, genau wie wir damals, die Zeichen die wir von unseren Verwandten und Freunden bekommen nicht deuten. Deshalb weiß du auch nicht, was du davon halten sollst.
Mittlerweile weiß ich, worauf ich achten muss und wo es lang geht.


Gruß Katsche


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  katsche 
 
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