 | Blutschuld (Arbeitstitel) Anfang | Verfasst am: 15.06.2009, 16:04 |
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Gestern ist mir aufgefallen, dass ich mein "grandioses" Textstück im falschen Thread reingestellt hab... Sorry deswegen... Hier hab ich dann mal eben die aufgrund der tollen Kritiken korrigierte Fassung :
Blutschuld (Arbeitstitel) - Kapitel 1 / Anfang
Draußen tobte ein unheimlicher Sturm. Die hölzernen Fensterläden klapperten gegen die steinernen Mauern, wenn sie nich zum Schutze fest verschlossen waren. Es war schon lange Nacht, und sämtliche Hausbewohner saßen bei Kerzenlicht zusammen, murmelten oder schrien Gebete an die Götter, die ihnen heilig waren. Ich wusste, dass das alles völlig sinnlos war. Ich habe dem Tod schon ins Auge gesehen, als der Fluch des dunklen Blutes über mich gekommen war und keine überirdische Gestalt hat dieser Frevel an einer Göttertreuen gestört. Damals habe ich meinen Glauben verloren und mich von der irregeleiteten Menschheit abgewandt. Den Fluch konnte ich dadurch auch leichter hinnehmen.
Wenn die Menschen jenseits von Gut und Böse leben und sie nach dem Tod des vergänglichen Körpers kein Richter erwartet, wozu sollte man sich dann noch an Regeln halten? Ich brach alle Regeln. Das Heil meiner Seele hatte ich aufgegeben. Die betenden Menschen wurden schließlich zum Schweigen gebracht - von mir.
Es gibt immer verschiedene Motivationen für Mord. Bei mir waren es mein überwältigender Durst nach ihrem Blut und ein seltsames Gefühl, das mich bei dem dämlichen Flehen an eingebildete Götter immer überkam. Es war ein Gefühl der Hilflosigkeit, weil ich wusste, dass all diese verwirrten Menschen sich dadurch Hilfe erhofften, die niemals kommen würde. Zugleich machte mich diese Hilflosigkeit zornig, zornig auf das Leben, zornig auf die Ungerechtigkeit des Schicksals und zornig auf die leichtgläubigen Menschen, die auf andere hören und lieber ihr ganzes Leben lang um Heil flehen, als selbst etwas für ihr Glück zu tun.
Als Vampir hatte man es nicht leicht und als Frau unter ihnen erst recht nicht. Man hat im sterblichen Leben einiges von den Göttern erfahren und ihnen gehuldigt, doch im Zeitpunkt, wenn man ihre Hilfe am dringendsten nötig hätte - wenn man von einem blutrünstigen Vampir ausgesaugt wurde - wird einem klar: Es gibt sie nicht.
Dieses Haus war der Ort und die Gewitternacht der Zeitpunkt, an dem meine Geschichte erst richtig begann. Meine sterblichen Jahre waren nicht berichtenswert, und die vorigen 40 unsterblichen ganz einfach zusammenzufassen: Blut und Mord. In jenem Haus nahm diese Epoche meines Lebens ihr Ende.
Doch jetzt noch einmal von vorn und der Reihe nach, ich war nämlich nicht grundlos dort.
Wenige Tage zuvor hatte ich, da ich noch immer in der Stadt meiner sterblichen Vergangenheit wohnte, von einer Hochzeit erfahren. Es war die Eheschließung meiner Enkelin.
Schon nach kurzer Nachforschung fand ich heraus, dass auch meine Tochter noch lebte und auch wo. Das Armenhaus kannte ich noch aus meiner Jugend. Auf dem Weg zum Markt sind wir immer daran vorbeigegangen und haben das Elend dort bedauert. Ich habe tatsächlich darum gebetet, niemals zu so einem niederen Lebensstandard gezwungen zu sein. Mir war das Glück hold und verhalf mir zu einem hübschen Vermögen und einer kleinen Villa in einem anderen Bereich der Stadt.
Meiner Tochter erging es wohl anders, seit ich sie vor vierzig Jahren zurückgelassen hatte. Es muss ein Albtraum für mein kleines Mädchen gewesen sein, seine Mutter in so jungen Jahren plötzlich zu verlieren. Ich mochte mir gar nicht vorstellen, wie es ihr danach ergangen sein musste. Wahrscheinlich war sie in einem der Waisenhäuser gelandet.
Als ich also von ihr erfuhr, entschloss ich mich spontan, bei ihr vorbei zu schauen. Sie musste schon eine gereifte Frau von 45 Jahren sein und ich hatte mich seit damals nicht verändert. Wahrscheinlich war mein Aufkreuzen bei meiner Tochter dem fremdgewordenen, menschlichen Gefühl der Mutterliebe entsprungen. Die letzte wahrhaft gefühlsmäßige Regung schien Ewigkeiten her. Denn seit ich versuchte, das schmerzende Bild meiner weinenden fünfjährigen Tochter aus meinen Erinnerungen zu vertreiben, erstarrte ich innerlich.
Überrumpelt von dieser fremdartigen oder auch nur vergessenen Regung zog ich also in einer stürmischen Nacht los ans andere Ende der Stadt.
Mein Heim verließ ich nur selten, etwa um mich zu nähren, aber sonst nie. Der Duft der Menschen war einfach nur verführerisch, und ich musste mich zusammenreißen, nicht jeden nächtlichen Spaziergänger zu zerfetzen oder gar in den kleinen Häuschen Unheil über die Menschen zu bringen.
Gewöhnlich ergötzte ich mich an der Sinnlichkeit des Tötens, doch an jenem Tage hatte ich wichtigeres zu erledigen und unterdrückte den zornigen Durst, der junge Vampire immer rasend machte. Mit gerade mal vierzig Jahren in der Riga der Unsterblichen gehörte man eindeutig noch zu den Neulingen.
Zeitweise rang ich mit dem Verlangen, um zu kehren. Meine dreiste Fantasie gab mir dauernd genügend schaurige Vorstellungen, wie diese Nacht in einer Katastrophe enden konnte. Doch schließlich war ich angekommen. Erstmals bemerkte ich nun den Sturm, der nämlich so viele gemurmelte Gebete aus den brökelnden Wänden erklingen ließ. Die Stimme meiner Tochter war nicht bei den betenden, ich hätte sie erkannt.
Dennoch spürte ich, wo genau sie sich in dem verfallenen Haus aufhielt. Schon bald stand ich gar unentschlossen vor ihrer Zimmertür. Noch niemand hatte von mir Kenntnis genommen und so bewegte sich die Gefahr unentdeckt zwischen den Lämmern. Seltsamerweise konnte ich ein leises Kichern bei dem Gedanken nicht unterdrücken. Dann lenkte ich meine Aufmerksamkeit wieder auf mein Ziel für diese Nacht.
Ich stand also vor der Tür und Zweifel regten sich in mir. Würde sie mich wiedererkennen? Wie würde sie reagieren?
Doch ich nahm mich zusammen und klopfte höflich. Nach einem kaum hörbaren "Herein" öffnete ich lautlos die Tür und betrat den Raum. Ein muffiger Geruch erfüllte ihn wie den Rest des Armenhauses. Ein schwaches Licht erhellte einen kleinen Teil des Zimmers, doch meine Augen brauchten kaum Helligkeit, um alles klar und scharf erkennen zu können. "Wer seid Ihr? Was wollt -" Sie verstummte. Ihre Augen wurden groß, als sie über mein Gesicht glitten.
"Mutter...", murmelte sie, zu leise, als dass es irgendein menschliches Gehör aufnehmen gekonnt hätte.
Sie lag auf einem alten Bett mit einem mottenzerfressenen, verschmierten Laken auf einer dünnen Matratze. Sie selbst war dürr. Die Backenknochen scharf, die Wangen hohl und schlaff. Abgemagert. Das schmutzige Tuch hing an ihren eckigen Schultern.
Die geschwungene Form ihrer Lippen, die großen Augen und die dichten Wimpern sind neben anderen Anzeichen deutliche Zeugen vergangener Schönheit. Als Kind hatte sie kräftige, dunkle Locken und sprühende Augen gehabt. Nun war ihr dünnes, leicht ergrautes Haar mit einem Tuch halb verborgen, och die Augen blitzten und funkelten mit einer Vitalität wie eh und je. Meine Tochter. Sie schloss die Augen. "Wache ich oder träume ich?", fragte sie sich selbst.
(Fortsetzung auf Anfrage... )
So, geschafft! Wenn du jetzt lieb bist, schreib ein paar Zeilen, was dir nicht (oder doch?) gefallen hat.
Danke
LG Myra |
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Myra |
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 | | Verfasst am: 18.06.2009, 20:45 |
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Hey,
ich finde den Anfang Klasse und gut geschrieben.
Die Gefühle sind sehr gut beschrieben udn cih ahbe Lust auf mehr ...
Dabei habe ich sonst eigentlich nicht so viel mit Vampiren zu tun
Beste Grüße
Marcel |
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_________________ Ich bin ein 16 Jähriger Thrillerautor, der Momentan an seinem ersten richtigen Buch arbeitet.
www.twitter.com/marcelr93 |
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Marcel R. |
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 | | Verfasst am: 18.06.2009, 21:31 |
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Ich mache das jetzt ganz spontan und rudimentär, vielleicht regt es trotzdem ein wenig an:
| Zitat: |
| Damals habe ich meinen Glauben verloren und mich von der irregeleiteten Menschheit abgewandt. Den Fluch konnte ich dadurch auch leichter hinnehmen. |
Den zweiten Satz finde ich schlimm. Änder oder weglassen. Klingt so hingeklatscht, besonders böse wirkt sich das >auch< aus.
| Zitat: |
| Wenn die Menschen jenseits von Gut und Böse leben und sie nach dem Tod des vergänglichen Körpers kein Richter erwartet, wozu sollte man sich dann noch an Regeln halten? Ich brach alle Regeln. |
>Tod des Körpers< passt möglicherweise nicht ganz. Regeln ... Regeln -> Wortwiederholung. -> >Ich brauch (sie) alle.< zB
| Zitat: |
| Es war ein Gefühl der Hilflosigkeit, weil ich wusste, dass all diese verwirrten Menschen sich dadurch Hilfe erhofften, die niemals kommen würde. Zugleich machte mich diese Hilflosigkeit zornig, zornig auf das Leben, zornig auf die Ungerechtigkeit des Schicksals und ... |
Hilflosigkeit, Hilfe, Hilflosigkeit, ...
| Zitat: |
| ..., doch im Zeitpunkt, ... |
-> >zu dem Zeitpunkt/in dem Moment<
| Zitat: |
| ...wenn man von einem blutrünstigen Vampir ausgesaugt wurde - wird einem klar: ... |
Gefällt mir sehr gut. So brutal klar und schnörkellos!
| Zitat: |
| Meiner Tochter erging es wohl anders, seit ich sie vor vierzig Jahren zurückgelassen hatte. |
>Meiner Tochter wird es wohl anders ergangen sein, nachdem ich sie vor vierzig Jahren zurückgelassen hatte.<
| Zitat: |
| Mein Heim verließ ich nur selten, etwa um mich zu nähren, aber sonst nie. |
Widersprüchlich!
| Zitat: |
| Zeitweise rang ich mit dem Verlangen, um zu kehren. |
-> >umzukehren<
| Zitat: |
| ... fragte sie sich selbst. |
Finde ich unpassend.
Ansonsten: schon sehr viel besser nach den getätigten Überarbeitungen! Weiter so!
Grüße,
chris |
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CM87 |
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 | Re: Blutschuld (Arbeitstitel) Anfang | Verfasst am: 26.06.2009, 10:39 |
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Auch für dich ein paar unverbindliche und ganz persönliche Gedanken zum ersten Absatz (bitte nur als Anregung verstehen)
| Myra hat Folgendes geschrieben: |
Draußen tobte ein unheimlicher Sturm.
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Stürme sind selten unheimlich, die Stimmung, die sie hervorrufen, schon eher.
Draußen tobte also wohl ein kräftiger oder gewaltiger, vielleicht sogar ein bösartiger Sturm, der die Stille, die eintrat, wenn er für ein paar Sekunden zurückwich und frischen Atem schöpfte, um so unheimlicher und bedrohlicher auf uns fallen ließ.
| Zitat: |
Die hölzernen Fensterläden klapperten gegen die steinernen Mauern, wenn sie nich zum Schutze fest verschlossen waren.
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Klappert man wirklich "gegen" etwas? Gerade im Angesicht des Sturms könnte ich mir vorstellen, dass sie "heftig schlagen" oder "hämmern". Wenn sie schon klappern müssen, dann vielleicht "in ihren Scharnieren"?
Der anschließende Nebensatz ist zudem eine Spur mißverständlich, denn er könnte sich auch auf die Mauern beziehen. Man könnte ihn zwar vorziehen, aber eine andere Formulierung, gegebenfalls in zwei Sätzen, ist sicher eleganter.
| Zitat: |
Es war schon lange Nacht
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"es war" ist ... na gut, belassen wir es bei suboptimal.
Die Nacht hatte inzwischen ihre dunkelste Stunde erreicht, könnte man sagen, oder ganz einfach eine Zeitangabe bringen: Sechs Stunden waren vergangen, seit sich die Dunkelheit wie der Schatten eines Ungeheuers über uns geworfen hatte.
| Zitat: |
, und sämtliche Hausbewohner saßen bei Kerzenlicht zusammen, murmelten oder schrien Gebete an die Götter, die ihnen heilig waren.
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Schreien? Bisschen laut, oder? Kann man den Stimmen hier vielleicht etwas mehr "Charakter" verleihen: jammern, klagen, schluchzen?
| Zitat: |
Ich wusste, dass das alles völlig sinnlos war. Ich habe dem Tod schon ins Auge gesehen, als der Fluch des dunklen Blutes über mich gekommen war und keine überirdische Gestalt hat dieser Frevel an einer Göttertreuen gestört.
Damals habe ich meinen Glauben verloren und mich von der irregeleiteten Menschheit abgewandt. Den Fluch konnte ich dadurch auch leichter hinnehmen.
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Du "hattest" und die überirdischen Gestalten "hatten" auch. Abgesehen davon benötigt der Leser hier wohl meist schon einen zweiten Versuch, um der Aussage auf die Spur zu kommen.  |
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 | | Verfasst am: 26.06.2009, 19:01 |
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Danke für eure netten Anregungen!
Ich werde den Text noch einmal gründlich überarbeiten und dann erneut hier reinstellen.
LG Myra |
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Myra |
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