 | Bombayboy | Verfasst am: 14.02.2010, 18:10 |
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Der folgende Text ist der Anfang des zweiten Kapitels meines Romans "Bombayboy".
Der achtzehnjährige Inder Aman, verwöhnter Sohn eines reichen Restaurantketteninhabers, ist soeben aus der Metropole Mumbai in das Provinnest Baarishpur gezogen und beschreibt dieses nun aus seiner Sicht...
Baarishpur war nicht anders, als ich es mir vorgestellt hatte: Ein dreckiges, überbevölkertes Kaff voller armer Leute. Ein bedauernswerter Mikrokosmos, der dem Makrokosmos Indien in allem nachzueifern schien. Und das auch bestens hinkriegte. Erst hatte ich gedacht, die Strassen wären bloss seit einer Ewigkeit nicht mehr sandgestrahlt geworden, doch dann hatte ich begriffen, dass diese in den Dreck gestampften Wege tatsächlich die Strassen waren. Der erste Gedanke, der mir bei diesem Anblick durch den Kopf ging, war, dass ich mir Stelzen hätte besorgen sollen.
Den Tag nach unserer Ankunft verbrachte ich in meinem neuen Zimmer und versteckte mich vor der Welt. Ich wollte nicht sehen, was da draussen vorging. Das waren doch alles Verrückte. Schliesslich konnten die Leute nur in einem so verschlafenen Nest wie Baarishpur auf die Idee kommen, Neuankömmlinge in diesen scheusslichen folkloristischen Lumpen gehüllt zu empfangen. Dad und ich hatten uns noch bis spät in die Nacht hinein einen abgelacht. Besonders dieses Mädchen im violetten Churidar Kameez hatte mich schockiert – wenn hier alle Girls so rumliefen, würde ich wohl nach Agra fahren müssen, um wenigstens was Kusstaugliches aufzutreiben. Ich würde mir doch kein Mädchen antun, das den lieben langen Tag lang im Pyjama rumhopste! Eigentlich hatte ich gedacht, dass diese Art Menschen nur noch in alten Bollywoodfilmen existierte – die tugendhafte, wohlerzogene Schwiegertochter und so weiter. Offensichtlich hatte Baarishpur sich in den letzten dreissig Jahren nicht weiterentwickelt. Priya war von diesem „ländlichen Charme“, wie sie diese moralische und modische Zurückgebliebenheit bagatellisierend umschrieb, fasziniert – allerdings hatte ich mir mit dreizehn auch noch eine Zeitmaschine gewünscht, deswegen konnte ich ein Minimum an Verständnis für sie aufbringen.
In diesem Punkt war ich meinen Eltern weit voraus. Die weigerten sich nämlich, meine üble Laune und meinen Hass auf dieses verdammte Kaff zu verstehen. Dads Kommentar dazu: „Du wirst dich schon an das Landleben gewöhnen.“
Nein. Würde ich nicht. In Mumbai hatte ich bloss aus dem Fenster blicken müssen, wenn ich nach einer Beschäftigung suchte. Nachtclubs, Kinos und Bars soweit das Auge reichte. Sah ich in Baarishpur aus meinem Zimmerfenster, sah ich Weizenfelder und armselige Hüttchen. Wenn ich nicht in Kürze lernen würde, mich für Kuhmist und Spaziergänge auf Dreckswegen zu interessieren, würde ich hier an Langeweile kläglich verrecken. Möglicherweise vertrocknete ich ja auch vorher – die „Regenstadt“ schien ja mit achso viel Niederschlag gesegnet zu sein. Wenigstens liess das vermuten, dass die Bewohner doch so etwas wie Humor kannten. |
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_________________ "There are only three things in life: To read poetry, to write poetry but, best of all, to live poetry." - Jill Dawson |
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Tahnee |
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 | | Verfasst am: 14.04.2010, 12:46 |
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Hey Tahnee,
Ich finde deine Idee echt gut! Und ich glaube das es auch eine spannende Geschichte ist. Aber manche verbale Ausdrücke stocken mich beim lesen ( Kann aber nur an mir liegen), wobei man ja so mitbekommt das der Junge keine Lust hat.
Gruß
Antoinette |
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AntoinetteF. |
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 | | Verfasst am: 15.04.2010, 17:19 |
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Hallo Antoinette!
Vielen Dank für deinen Kommentar!
Welche Ausdrücke stören dich denn?
Ich könnte mir vorstellen, dass es sich dabei um Schweizer Ausdrücke handelt...^^
Gruss,
Tahnee |
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Tahnee |
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 | | Verfasst am: 05.06.2010, 17:13 |
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hey:D
Mich stören die Ausdrücke nicht, das mag aber daran liegen, dass ich noch zu den jungen Menschen gehöre .
Ich finde deine Art erfrischend, diese "kein bock" einstellung mit wenigen Worten auszudrücken.
Es handelt sich ganz eindeutig um einen Typ aus der Stadt, der nichts mit dem Landleben anfangen kann, und mir gefällt, dass du eine andere Kultur gewählt hast, es ist immer einmal etwas anderes, soetwas zu lesen:)
lg, Nicole |
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_________________ Oscar Wilde :
" Ein Träumer ist jemand, der seinen Weg im Mondlicht findet und die Morgendämmerung vor dem Rest der Welt sieht.“ |
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life-before-the-death |
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 | der "Bombayboy" macht neugierig | Verfasst am: 05.06.2010, 18:40 |
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Hi Tahnee,
wollte mich gerade mal selbst als "Neuer" in diesem Forum vorstellen und bin dabei auf deinen Textauszug gestoßen. Da auch meine Geschichten grundsätzlich in dem unglaublich vielfältigen Spannungsrahmen ‘Asien‘ angesiedelt sind, habe ich mit großem Interesse in deiner Arbeit gelesen. Ich wünsche dir viel Glück bei deinem weiteren Schaffen.
Gruß Jürgen |
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_________________ Bücher:
"Das Majapahit-Geheimnis"
ISBN 978-3-942150-44-6, 300 S., 16,90 EUR
"Die Schuld der toten Taucher"
ISBN 978-3-942150-xx-x, 260 S., im Sept.2010
edition winterwork |
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Hans-Jürgen Kaphengst |
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 | | Verfasst am: 06.06.2010, 10:49 |
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@ Hans-Jürgen: Vielen Dank für das Kompliment! Schön, hier jemanden mit denselben Interessen anzutreffen!
Bombayboy wird aus zwei verschiedenen, jeweils alternierenden Perspektiven erzählt. Die eine ist die des Städters Aman, die andere die des Dorfmädchens Anjali. Zu Beginn des Romans können sich die beiden nicht ausstehen, da ihre Weltanschauungen sich auf allen Bereichen unterscheiden. Doch Anjali wird immer mehr von Amans Freiheitsdrang und seiner "Ich mache was ich will"-Mentalität angezogen, da ihre Eltern sie immer mehr einengen: Einige Monate vor ihrem Schulabschluss erfährt Anjali, dass sie nicht, wie geplant, studieren wird, sondern den acht Jahre älteren Ravi heiraten soll.
In dem folgenden Ausschnitt, der aus Anjalis Sicht geschrieben ist, werden sich die künftigen Eheleute zum ersten Mal gegenüber gestellt.
Eine peinliche Stille trat ein, während derer Ravi, einer steinernen Statue gleich, stur sein strahlendes Lächeln aufbehielt und irgendwo über meiner linken Schulter ins Leere starrte. Nach einer Weile räusperte Vater sich schliesslich etwas beklommen und wandte sich an Ravi: „Was machen Sie eigentlich beruflich, Mr. Mahadevan?“
Stolz setzte Ravi sich aufrechter hin und legte beide Hände auf die Armlehnen seines Sessels. „Ich besitze einen kleinen Souvenirladen in Agra“, beantwortete er Vaters Frage lächelnd, sah dabei aber mich an. „Das Souvenir Mahal.“
„Das Geschäft läuft sehr gut!“, fügte seine Mutter hinzu. Abwartend, nahezu kalkulierend betrachtete sie Vater. Ich beschloss, dass ich sie nicht leiden konnte. Wie viele solche Treffen hatten sie und ihr Sohn wohl bereits hinter sich gebracht? Sie machten jedenfalls einen ziemlich erfahrenen Eindruck, und Ravi schien auch das Alter zu haben, indem die meisten indischen Männer eigentlich bereits eine Familie gegründet hatten. Vor allem, wenn sie aus Baarishpur stammten.
„Wie schön!“, bemerkte Mutter höflich, erhob sich von dem unbequemen Hocker, auf dem sie sich niedergelassen hatte und warf mir einen bedeutsamen Blick zu. „Anjali? Möchtest du mir mit dem Tee helfen?“
„Natürlich, Mataji.“
Meine Beine schienen unter mir nachzugeben, als ich mich vom Sofa hochstemmte. Beinahe wäre ich über Dadajis Füsse gestolpert. Das Blut schoss mir in die Wangen und ich murmelte eine rasche Entschuldigung, bevor ich Mutter eilig in die Küche folgte.
„Und? Ist er nicht ein reizender Junge?“, fragte sie mich mit leuchtenden Augen, während sie dampfenden Tee in unsere besten Tassen goss und mit einem dicken Stoffhandschuh ein Blech voller goldbrauner, mit Kokosstreuseln bedeckter Kartoffelbällchen aus dem Ofen holte.
„Ich weiss nicht“, gab ich zu und mied dabei ihren Blick. „Bis jetzt haben wir uns ja noch nicht wirklich unterhalten.“
Mit einem unbekümmerten Schulterzucken platzierte Mutter die heissen Kartoffelbällchen auf einem breitrandigen, kupfernen Präsentierteller und stellte ihn neben den vollen Teetassen auf das Tablett, welches sie mir sogleich mit einem aufmunternden Lächeln überreichte.
„Sorge dich nicht, Anjali!“, beschwichtigte sie mich fröhlich. „Lass euch beiden etwas Zeit.“
Ich nickte gehorsam und machte mich, das schwere Tablett auf beiden Händen balancierend, auf den Weg zurück ins Wohnzimmer. Der würzige Duft des Kardamomtees stieg mir in die Nase und verschlimmerte meine Übelkeit. Ich wollte Ravi und mir gar keine Zeit lassen. Ich wollte nur, dass die Mahadevans so schnell wie möglich wieder von hier verschwanden und nie wieder aufkreuzten. Beinahe schämte ich mich dieser unhöflichen Gedanken. Ravi und seine Mutter hatten mir nichts getan; im Gegenteil. Besonders er hatte sich mir gegenüber sehr freundlich gezeigt und machte auf mich eigentlich auch einen sympathischen Eindruck. Aber die Umstände, die uns zusammenführten, liessen die beiden in unserem Wohnzimmer wie zwei unerwünschte Eindringlinge erscheinen. Möglicherweise hätte ich mich mit Ravi bestens verstanden, wenn ich ihn auf offener Strasse angetroffen hätte; mich vielleicht sogar mit ihm angefreundet. Aber diese aufgezwungene Begegnung und der Grund dafür, der uns beiden sehr wohl bekannt war, errichteten eine undurchdringliche Mauer zwischen uns. Selbst Ravis unerschütterliches Strahlen würde sie nicht niederreissen können. |
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Tahnee |
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 | | Verfasst am: 25.06.2010, 23:07 |
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Hi
ich habe zuerst an Shah Rukh Khan gedacht als ich den Titel "Bombayboy" las Deine Geschichte finde ich sehr interessant. Ich kenne (Dank meiner Tochter) sehr viele Bollywoodfilme und konnte mich daher sofort in die Gesichte hineinversetzen. Wie sagt man? Kopfkino? Ich denke, dass dein Buch besonders unter den Bollywoodfans (z.B.meine Tochter;-) ) bestimmt viele Leser finden wird. Bist du schon fertig mit dem Buch? |
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Parwana |
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 | | Verfasst am: 26.06.2010, 15:20 |
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Hi Parwana!
Freut mich, dass dir meine Geschichte gefällt!
Ich bin selbst auch ein grosser Bollywoodfan; meine Liebe zur indischen Kultur hat eigentlich mit ebendiesen Filmen begonnen...
Das Buch ist fast fertig; gerne würde ich es auch veröffentlichen...
Liebe Grüsse, auch an deine bollywoodverrückte Tochter!
Tahnee |
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Tahnee |
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