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Buchrezension: Helge Steudle - Fünf vor Zwölf in Deutschland

BeitragVerfasst am: 27.12.2010, 19:00
Das Buch

Helge Steudle
Fünf vor Zwölf in Deutschland
Wie die Glaubwürdigkeit des Landes aufs Spiel gesetzt wird
Books On Demand, Norderstedt, 978-3-8423-1332-3
21 x 14,8 cm - 104 Seiten – Softcover - 9,95 Euro (D)

Vorbemerkung
Der Autor des nachfolgend besprochenen Buches, Helge Steudle, hat unter dem Usernamen „Helge“ Auszüge im Forum vorgestellt, diskutiert und nach kurzer Zeit die Diskussion abgebrochen und das Forum verlassen (User „Helge“ wurde auf eigenen Wunsch gelöscht).

Helge Steudle ist aber unter dem Usernamen „Wondawick“ weiterhin im Forum als aktiver User gelistet und liest vermutlich still mit. Von daher ist ein Argument, man dürfe das Buch nicht zum Thema machen, weil der Autor nicht mitdiskutieren kann, nicht schlüssig. Helge Steudle hat mich in einer PN sogar ausdrücklich aufgefordert, eine Rezension zu erstellen.

Bei der Diskussion um die vorgestellten Auszüge ging es - von meiner Seite – um bestimmte sachliche Fehler:
a) Das Grundgesetz wurde im Auftrag von drei der vier Besatzungsmächte (Großbritannien, USA, Sowjetunion) entwickelt
b) Das Grundgesetz wurde am 23. Mai 1949 verabschiedet
c) In Deutschland gibt es vier große islamische Dachverbände, die ~90% der Muslime (hier) vertreten
d) Es breitet sich ein Kulturismus aus, der Deutschland als eine Art Dominanzkultur hervorhebt (Auszug aus dem Klappentext)

Die Sowjetunion hat nicht am deutschen Grundgesetz mitgewirkt;
das Grundgesetz wurde am 8. Mai 1949 verabschiedet und ist mit Ablauf des 23. Mai 1949 in Kraft getreten;
die vier großen islamischen Dachverbände repräsentieren nach deren eigenen Angaben etwa 300.000 Muslime in Deutschland, was weniger als 10% der Muslime in Deutschland entspricht;
„Kulturismus“ ist ein Begriff aus einem philosophischen Streit (Fromm vs. Marcuse) über die Bedeutung von Freuds Psychoanalyse, die Bewertung einer Gesellschaft anhand seiner Kultur wird mit dem soziologischen Begriff „Kulturalismus“ bezeichnet

Das Buch ist am 13. Dezember 2010 erschienen. Meine Bestellung stammt von 16. Dezember 2010. Das Buch stand zu dem Zeitpunkt bereits als „2. Auflage“ in der Liste.

Keine der unter a) bis d) vom Autor gemachten Aussagen findet sich in der 2. Auflage. Es steht zu vermuten, dass die 1. Auflage noch vor Erscheinen korrigiert wurde und nie erschienen ist. Im Inhaltstext des Buches in der Deutschen Nationalgalerie findet sich hingegen der Fehler „Kulturismus“ noch immer (Stand: 21.12.2010)

Der Autor hat also die bemängelten Stellen im Buch korrigiert bzw. aus dem Buch entfernt. Trotzdem (und weiterhin) macht er sich auf seiner Homepage über die Kritiker lustig, die seine vorab präsentierten Auszüge bemängelt hatten.


Formales:
Buch im Format A5

Buchumschlag
Matt; Weiß;
Karte Deutschlands in schwarz-rot-gold mit darübergelegter Uhr in Stellung „5 vor 12“
Autorenname in Schwarz
Buchtitel und -untertitel in Grau

Klappentext auf dem Rücktitel in Grau;
Barcode und BoD-Logo

Buchblock
104 Seiten, davon:
... 1 Seite Buchtitel
... 1 Seite Impressum
... 1 Seite Inhaltsverzeichnis
... 1 Seite Vorwort
... 86 Seiten Text
... 1 Seite Grafik (Karte Deutschlands mit darübergelegter Uhr in Stellung „5 vor 12“)
... 5 Seiten Werbung für andere Bücher des Autors
... 8 Leerseiten (!!!)

Seitenaufbau des Fließtextes
29 Zeilen je Seite
ca. 60 Zeichen je Zeile
serifenlose Schrift auf weißem Papier
Blocksatz; kein Erstzeileneinzug; kein Initial
Kapitelüberschriften (sieben) in gleicher Schrift und Schriftgröße wie der Fließtext, jedoch durch Größer/Kleiner-Zeichen kenntlich gemacht und durch eine grafische Linie vom nachfolgenden Fließtext abgegrenzt.
Hervorhebungen im Text durch Fettdruck und Unterstreichung
Paginierung im Fuß mittig, wobei Titel, Impressum, Inhaltsverzeichnis und Vorwort nicht gezählt werden (Seite 1 ist die erste Seite des Fließtextes)

Was aufgefallen ist
Der eigentliche Inhalt des Buches erstreckt sich über 86 Seiten (ohne Vorwort und Inhaltsverzeichnis). Auf diesen 86 Seiten treten massiv Fehler in Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik auf. Nach dem 180. Fehler habe ich aufgehört zu zählen:

Einige Beispiele:
Seite 5 = fünf Fehler; Seite 7 = sieben Fehler; Seite 25 = fünf Fehler; Seite 74 = acht Fehler



Rezension

Helge Steudle
Fünf vor Zwölf in Deutschland
(Zitate inkl. Fehler wie im Buch)


Das Buch als Mogelpackung

Auf der Rückseite des Buchumschlages heißt es (Zitat):
Es hat den Anschein, daß mit in Kraft treten des Zwei-plus-Vier-Vertrages am 15. März 1991 die Karten in Deutschland neu gemischt wurden. Die Prioritäten wurden neu gesetzt und das Denken vieler Menschen, die sich selbst als deutsche Staatsbürger und –bürgerinnen identifizieren, veränderte sich zunehmend.

So weit der Text auf dem Cover. Die Erwartungen sind geweckt. Mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag muss also irgend etwas in der deutschen Bevölkerung geschehen sein, was das Denken und Handeln grundlegend verändert hat. Damit steht dieses Datum in einer Reihe mit dem 9. November 1918, mit dem 30. Januar 1933, mit dem 8. Mai 1945, mit dem 13. August 1961. Allesamt Tage, an denen sich etwas grundlegend in Deutschland verändert hat. Nun also auch der 15. März 1991. Wer jetzt von dem Buch „Fünf vor Zwölf in Deutschland“ eine Antwort auf die Frage haben will, was und wie sich da etwas in Deutschland wegen des Zwei-plus-Vier-Vertrages verändert hat – der sieht sich getäuscht!

Das Buch tut alles, nur gibt es keine Antwort auf die Frage, in welcher Weise der Zwei-plus-Vier-Vertrag das Denken der Menschen in Deutschland verändert hat. Das Buch ist eine Mogelpackung, denn es ist ein einziges Lamento darüber, wie schlecht – weil kritisch – die deutsche Bevölkerung dem Islam gegenüber steht.

Zu Beginn stellt Steudle die seiner Meinung nach wichtigsten Artikel des Grundgesetzes dar und leitet daraus den Zustand ab, in dem sich die deutsche Gesellschaft befinden müsste. Nun ist aber ein Grundgesetz in der Funktion einer Verfassung keine Beschreibung eines Ist-Zustandes, sondern das anzustrebende Ziel. Hierin ähnelt eine Staatsverfassung den moralischen Vorgaben einer grundlegenden Religionsschrift. Und richtigerweise gibt es in beiden Bereichen deutliche Abweichungen. Was das aber mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zu tun hat, wird mit keinem Wort erklärt.

Die Hälfte des Buches ist ein einziges Klagelied, wie schlecht doch der Islam und seine Anhänger in Deutschland angesehen sind. Dabei hält sich Steudle an dem unzulässigen und durch stetes Benutzen in solchen Diskussionen grottenlangweiligen Argument fest: Der Islam ist friedlich, und wer als Muslim Gewalt ausübt, ist kein Muslim!

Mit diesem Argument erschlägt Steudle jeden Ansatz von Diskussion. Eine Auseinandersetzung über die Vorteile, die Nachteile und auch mögliche Gefahren des Islam kann nicht mehr stattfinden. Weil der Islam ja per se friedlich ist. Und es daher keine Kritik, keine Auseinandersetzung über den Islam geben kann. Denn wenn jemand etwas Schlechtes tut, hat das nichts mit dem Islam zu tun und auch nichts mit der muslimischen Gemeinschaft. Das ist argumentativ ungefähr so, als würde man sagen, Deutschland ist das Land der Dichter und Denker, und daher sind die Deutschen als Volk einem Humanismus in seiner besten Form verpflichtet – und wer von 1933 bis 1945 an der Ausrottung der Juden teilgenommen hat, der ist eben kein Deutscher! Peng, aus, fertig!

Warum der Islam in der deutschen Bevölkerung auf Ablehnung stößt, begründet Steudle nicht – außer mit einem einzigen Argument: Die Medien sind schuld! Die Medien, und darunter versteht Steudle Bild, Ton, Druck, aber auch Internet, private Meinungsäußerung und Demonstration, stellen ein einseitiges Bild des Islam dar. Und dieser einseitigen Darstellung muss – so Steudle – Einhalt geboten werden.

Aber wie?

Auch da hat Steudle die Antwort parat. So schön auch die Artikel im Grundgesetz sind – sie müssen abgeschafft, zumindest aber eingeschränkt werden. Da etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung religionslos ist, müsste der Staat sich atheistischen Werten verschreiben und die Religionsfreiheit abschaffen, ja, sogar ein Religionsverbot durchsetzen.

Auf den Seiten 14/15 fordert Steudle eine Einschränkung der Pressefreiheit, weil Pressefreiheit etwas mit freier Meinungsäußerung zu tun hat, dies aber eine Gefahr für den Islam wegen einseitiger Berichterstattung bedeutet.

Es ist eine sehr gute Sache, dass die Pressefreiheit im Land gesetzlich festgeschrieben steht. Jedoch zeigt die Vergangenheit, wie auch die Gegenwart, dass gewisse gesetzlich festgelegte Auflagen sehr sinnvoll wären.


Diese These kann man derzeit am praktischen Beispiel Ungarn betrachten.

Auf Seite 17 und 18 fordert Steudle eine Zensur des Internets, da nach seiner Ansicht zu viele Menschen ihre rein persönliche Sicht auf die Welt veröffentlichen.

Es gibt Gästebücher, Foren, Blogs, Facebooks, digitale Pinnwände, schwarze Bretter, Meinungsarchive und vieles mehr, an und in denen man sich relativ frei äußern kann. Es wird provoziert, diskriminiert, blamiert, gehetzt und hintergrundlos diskutiert, ohne das eine richtige Zensur darüberläuft


Das Recht auf öffentliche Meinungsäußerung, etwa durch Demonstrationen, oder das Recht auf Bildung einer Gemeinschaft Gleichinteressierter, etwa eine Partei oder eine Bürgerinitiative, soll laut Steudle ebenfalls beschnitten werden.

Das Recht auf eine eigene Meinung soll dem Einzelnen ja gar nicht aberkannt werden, jedoch sollte seitens des Staates unbedingt darüber aufgeklärt werden, das nicht alles öffentlich zum Ausdruck gebracht werden darf, was an Meinungen vorhanden ist, da dadurch die Grundrechte von Einzelnen oder von Gruppen verletzt werden können.


Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wer eine Gruppe bildet, die sich gegen das Grundgesetz stellt oder gegen geltendes Recht, der muss natürlich mit Konsequenzen rechnen. Solche Gesetze gibt es aber schon. Warum werden hier jetzt zusätzliche Regeln gefordert in Form eines „lex islam“?

Mehr als die Hälfte des Buches enthält nichts weiter als Klagen, Jammern und Vorwürfe, dass der Islam und seine Anhänger in Deutschland so schlecht angesehen sind. Dazu gibt es weit bessere, weit interessantere und weit intelligentere Bücher als dieses. Auch weil eine simple Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird. Der Islam und damit die Muslime sind grundsätzlich gut, die Nichtmuslime hingegen, ganz besonders jene, die keiner Religion angehören, also „spirituell arm“ sind, wie es im Buch heißt, sind grundsätzlich schlecht. Das ist für so ein Buch schlicht zu wenig.

Steudle verliert auch kein Wort darüber, warum der Islam in der Bevölkerung ein derart schlechtes Image hat – von der These der einseitigen Berichterstattung in den Medien mal abgesehen. Die Argumentationen bleiben eindimensional, viel zu einfach gestrickt und in ihren Schlussfolgerungen nicht nachvollziehbar. Am gefährlichsten wird das Buch aber, wenn es aus islamischen Gründen massive Eingriffe in das Grundgesetz fordert.

Um auf den Anfang zurückzukommen: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag hat auch im Buch keinerlei Bezug zum eigentlichen Inhalt des Buches. Es darf auch zutiefst bezweifelt werden, dass der Vertrag bzw. das Datum seines Inkrafttretens in irgendeiner Weise das Verhältnis zwischen nichtmuslimischer und muslimischer Bevölkerung beeinträchtigt hat. Solche Belastungen zwischen "Einheimischen" und "Fremden" hat es immer schon gegeben, auch in Deutschland, und auch vor dem Zwei-plus-Vier-Vertrag. Deshalb erlaube ich mir, das Buch als "Mogelpackung" zu bezeichnen.

Kaufempfehlung: rausgeworfenes Geld!



Auf Wunsch kann hier auch die detaillierte Rezension (Umfang: 10 A4-Seiten, 34.500 Zeichen) eingestellt werden.

Grüße
Siegfried

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BeitragVerfasst am: 27.12.2010, 19:27
Danke Siegfried!

Es ist schon faszinierend, dass Du Dich trotz (oder gerade wegen?) der Vorgeschichte so intensiv mit dem Buch auseinandergesetzt hast. Ich habe ja die »Diskussion« um die Punkte a) - d) mitbekommen und bin erstaunt, dass sie in der 2. Auflage (3 Tage nach Erscheinen???) korrigiert bzw. ersatzlos entfernt wurden, wohingegen die Website - die Visitenkarte des Autors - noch den ganzen - mit Verlaub - »Blödsinn« enthält ...

Natürlich würde mich grundätzlich interessieren, was der 2+4-Vertrag mit dem Islam zu tun hat ...

Nochmals danke, Siegfried! thumb up

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BeitragVerfasst am: 27.12.2010, 22:01
Helge hat Folgendes geschrieben:
Ich verabschiede mich hiermit aus dem Forum und wende mich an ein anderes Literaturforum, in dem man sich mit Respekt und Würde begegnet ... fG

Wofür steht eigentlich "fG"
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BeitragVerfasst am: 27.12.2010, 22:11
Ganz hervorragend gemacht, lieber Siegfried! Gute Arbeit! Eine kritische, doch konstruktive Auseinandersetzung mit dem Buch, unabhängig von der Person des Autors, der dich ja ausdrücklich dazu eingeladen hatte.

Was ich an dieser Stelle anregen möchte:

1. Dieser Thread sollte nicht dazu dienen, auf den armen Helge einzudreschen, auch wenn er sich (zumindest unter diesem Namen) aus dem Forum verabschiedet hat. Ich bitte alle nachfolgenden Autoren herzlich um Beschränkung auf das Sachthema.

2. Ich möchte anregen, daß dieser Thread in den Mitgliederbereich verschoben wird, wo er nicht von Gästen des Forums gelesen werden kann.

3. Ich bitte dich, lieber Siegfried, auch die detaillierte Rezension hier einzustellen, gegebenenfalls als pdf-Datei. Zumindest ich würde sie gerne lesen.

Viele Grüße

Torsten

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BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 10:55
@ mtg

mtg hat Folgendes geschrieben:

Es ist schon faszinierend, dass Du Dich trotz (oder gerade wegen?) der Vorgeschichte so intensiv mit dem Buch auseinandergesetzt hast.


Hallo, Matthias!

In der Diskussion wurde mir der Vorwurf gemacht, ich würde etwas kritisieren, was ich nicht in Gänze kennen würde. Daraufhin habe ich die Zusage gemacht, für das ganze Buch eine Rezension zu schreiben, was ich nun getan habe. Denn Zusagen - so meine Meinung - sollte man einhalten. That's all! cheezy grin

@ Torsten Buchheit

Torsten Buchheit hat Folgendes geschrieben:

Was ich an dieser Stelle anregen möchte:

[...]
1. Dieser Thread sollte nicht dazu dienen, auf den armen Helge einzudreschen, auch wenn er sich (zumindest unter diesem Namen) aus dem Forum verabschiedet hat. Ich bitte alle nachfolgenden Autoren herzlich um Beschränkung auf das Sachthema.

2. Ich möchte anregen, daß dieser Thread in den Mitgliederbereich verschoben wird, wo er nicht von Gästen des Forums gelesen werden kann.

3. Ich bitte dich, lieber Siegfried, auch die detaillierte Rezension hier einzustellen, gegebenenfalls als pdf-Datei. Zumindest ich würde sie gerne lesen.


Hallo, Torsten!

Das Buch stellt eine veröffentlichte private Meinung zu einem bestimmten Thema dar. Ob man nun auf den Autor "einschlägt" oder nicht, muss jeder Leser bzw. Rezensent meiner Meinung nach selbst entscheiden. Dieser Gefahr setzt sich ein Sachbuchautor bei einem Reizthema immer aus - und gerade deshalb sollte das Buch vor Veröffentlichung so unangreifbar wie möglich sein.

Die Diskussionen um das Buch von Thilo Sarrazin, aber auch zu den Bücher von Henryk M. Broder, Necla Kelek oder Wolfgang Herles, zeigen, wie eng Werk und Person miteinander verbunden sind - eben gerade, weil es sich um persönliche Stellungnahmen in der Öffentlichkeit handelt. Wer fürchtet, dafür geprügelt zu werden, sollte sein Buch wasserdicht machten (ich wiederhole mich hier) oder die Öffentlichkeit meiden.

Den Wunsch nach Verschieben in den Mitgliederbereich verstehe ich nicht so ganz. Eine Buchrezension kann einem überall über den Weg laufen - notfalls sogar auf den Feuilleton-Seiten der lokalen Zeitung. Die Öffentlichkeit ist ja gerade das, was ein Buch sucht. Warum also eine Buchrezension verstecken?

Die komplette Buchrezi bereite ich in den kommenden Tagen als PDF auf und stelle sie dann hier ein.

Grüße
Siegfried

Nachtrag: Das Buch liegt derzeit bei einem Historiker, quasi zur Gegenlektüre. Sobald von dessen Seite ein Kommentar zum Buch vorliegt, stelle ich ihn hier ein.

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Grüße
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BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 13:11
Hallo Siegfried,

ich fürchte ein Abdriften des Threads in persönliche Rachepostings oder Herumgetrolle, wie es schon gelegentlich im Form zu beobachten war, und das würde diesen Thread leider entwerten. Die bisherigen Beiträge sind objektiv und fair und zeigen, daß im Forum auch ernsthafte Arbeit stattfindet.

Was die Sachdiskussion angeht, da muß sich der Autor wie jeder andere Autor auch der Meinung der Leser und der Rezensenten stellen.

Zum Wunsch nach Verschieben in den Mitgliederbereich: Würdest du deine Rezension bei Amazon einstellen? Oder würdest du heftigen Gegenwind erwarten? Ich vermute, daß deine Rezension (obwohl sehr sorgfältig und objektiv) einige Kritik aus der Richtung oder aus dem Umfeld des Buchautors erfahren könnte, wenn nicht sogar die Androhung juristischer Maßnahmen gegen BoD...

Die Idee einer Gegenlektüre durch einen Historiker finde ich genial. thumb up

Viele Grüße

Torsten

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BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 15:57
Guten Tag.

Ich lese dieses Forum schon einige Monate immer wieder quer. Vor allem um Lesenswertes von nicht Lesenswertem zu unterscheiden. Nun habe ich mich angemeldet, um meinen Beitrag zu diesem Them abzugeben. Eben weil es mich stark interessiert.

5 vor 12 in Deutschland habe ich mir geleistet und ich bin im Gegensatz zu Ihnen (Siegfried) sehr positiv überrascht. Rechtschreibfehler hin oder her. Das ist zweitrangig. Es geht doch bei einem Buch immer noch um eine Meinung. Es gibt auch viele Webseiten die alles andere aber nicht rechtschreibkonform gestaltet sind, trotzdem vermitteln sie wichtige Inhalte. Das dazu. Ich habe das Buch gelesen, weil ich neugierig war und möchte Ihnen hier wiedersprechen.

Mir ist es eher egal, was vor Bucherscheinung besprochen wurde und was nicht. Was zählt ist das Resultat, welches man käuflich erwerben kann.

Wenn man das Buch aufmerksam gelesen hat, dann kann man feststellen, das die Missstände, die Steudle beschreibt, nach in Kraft treten des 2+4-Vertrages deutlich massiver geworden sind als zuvor. Herr Steudle beschreibt MIssstände die auffallen. Die, die besonders stark geworden sind nach einem gewissn Zeitpunkt. Der Vertrag wird inhaltlich kurz angesprochen und das reicht aus. Wenn man das gelesen hat, dann kann man die Verstärkung der Missstände zeitlich dem Vertragsabschluss zuordnen.
Ich muss sagen: Ich bin nicht enttäuscht, denn die Auswirkungen des Vertrages werden verdeutlicht. Man muss das Buch neutral lesen auch wenn es schwer fällt, weil eigene Meinungen immer nur widerwillig geändert werden.

Ihr Argument der Mogelpackung kann ich nicht teilen. Zu Beginn wird beschrieben, das es um gegenwärtige Probleme geht. Da Integration und Islam gegenwärtig heftigst diskutiert werden, geht der Autor darauf verstärkt ein. Aber nicht nur darauf. Er führt auch viele andere Beispiele an, die rein gar nichts mit dem Islam zu tun haben.
Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Ihnen nun auf die Füße trete Siegfried, aber mir erscheint es so als das Sie dem Islam absolut nichts Positives abgewinnen können und deshalb nur auf die "islamischen Inhalte" eingehen. Das ist auch einseitig!

Das die Hälfte des Buches ein Klagelied wäre, kann ich unterstützen. Es geht schließlich auch um MISSSTÄNDE.

Siegfried schrieb:
"Die Hälfte des Buches ist ein einziges Klagelied, wie schlecht doch der Islam und seine Anhänger in Deutschland angesehen sind. Dabei hält sich Steudle an dem unzulässigen und durch stetes Benutzen in solchen Diskussionen grottenlangweiligen Argument fest: Der Islam ist friedlich, und wer als Muslim Gewalt ausübt, ist kein Muslim!"
Als unzulässig bezeichne ich das Argument keineswegs. Gerade das ist ja ein gewaltiges Problem auf das Steudle hinweisen will. Auf der einen Seite steht die friedliche Religion Islam (und das kann niemand abstreiten). Auf der anderen Seite stehen Terrorismus und Gewalt. Herr Steudle differenziert das sehr und das ist richtig bzw. wichtig. All das, was die Überschrift Islam oder Muslim auf der Stirn gezeichnet trägt wird in eine Schublade geworfen und das darf nicht sein. Ich empfinde es als eher traurig das Sie (Siegfried) das nicht erkennen können.

Sie (Siegfried) sagen, das somit jegliche Diskussion im Ansatz erschlagen ist. Das ist schade. Mich hat es dazu animiert genauer hinzuschauen. Es öffnet viele Türen zur Disskussion. Wenn man jedoch dem Islam nichts Positives abgewinnen kann, bzw. wenn man ihn nur negativ sehen will, dann hat natürlich jegliche Diskussion keinen Nährwert. Schade.

Zur Einseitigkeit des Buches:
Es ist absolut nict einseitig. Man findet fortlaufend Argumente pro und contra. Weshalb der Islam auf derartige "Gegenwehr" stößt wird gut und ausreichend beschrieben.
_______________________

Herr Steudle sagt nicht, das GG-Artikel beschnitten oder gar abgeschafft werden müssen. Einzig das Wort der "Rasse". Und das hat der Autor sehr gut begründet. Sogar große Menschenrechtsorganisationen befürworten das.
Was Herr Steudle schreibt ist, das es besser wäre, wenn..... Er beschreibt Ist-Zustände, wie sie auf dem Papier stehen. Dann beschreibt er die tatsächliche Auslebung. Dann schreibt er, wie es eigentlich heißen müsste. Dan schreibt er im Konjunktiv, wie es besser sein könnte.

Siegfried schrieb:
"Da etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung religionslos ist, müsste der Staat sich atheistischen Werten verschreiben und die Religionsfreiheit abschaffen, ja, sogar ein Religionsverbot durchsetzen."
-> Wo bitteschön hat der Autor das im Buch gefordert?
Ich weiß welche Stelle Sie (Siegfried) meinen, jedoch geht aus dem kurzen Kontext (vorher und nachher) hervor, das er das ganz bestimmt nicht gefordert hat!

Siegfried schrieb:
" Auf den Seiten 14/15 fordert Steudle eine Einschränkung der Pressefreiheit, weil Pressefreiheit etwas mit freier Meinungsäußerung zu tun hat, dies aber eine Gefahr für den Islam wegen einseitiger Berichterstattung bedeutet."

Eine Einschränkung der Pressefreiheit fordert Herr Steudle nicht. Das kann ich da nicht herauslesen. Er schreibt jedoch darüber, wie einseitig und hetzerisch vieles geschrieben ist. Und da finde auch ich eine Zensur / Korrektur oftmals für angebracht. Aber Herr Steudle fordert es nicht.
Es ist schön das Sie Textausschnitte wie: "Es ist eine sehr gute Sache, dass die Pressefreiheit im Land gesetzlich festgeschrieben steht. Jedoch zeigt die Vergangenheit, wie auch die Gegenwart, dass gewisse gesetzlich festgelegte Auflagen sehr sinnvoll wären." bringen, jedoch sollten Sie dann auch alles bringen, damit die Aussage nicht falsch dargelegt wird.

Was eine Zensur des Internets angeht, so kann ich persönlich dem auch zustimmen. Es gibt so viele "Auswürfe" im Internet, die man im persönlichen Gespräch nicht zu hören bekommt. Beleidigende, diskriminierende, rassistische, ungesetzliche .........
Die Aussage von Herrn Steudle, das die bestehende Zensur im Internet verstärkt wird, kann ich nachvollziehen.

Siegfried schrieb:
"Das Recht auf öffentliche Meinungsäußerung, etwa durch Demonstrationen, oder das Recht auf Bildung einer Gemeinschaft Gleichinteressierter, etwa eine Partei oder eine Bürgerinitiative, soll laut Steudle ebenfalls beschnitten werden."

Also ich habe das Buch gelesen. Auch diese Stelle. Jedoch habe ich auch gelesen, wie Herr Steudle zu dieser Aussage kam und das ist entscheidend.
Jeder Artikel wird gut und ausreichend erklährt. Genauso wie diese Aussage auch. Herr Steudle will nicht, das das Recht auf freie Meinungsäußerung beschnitten wird. Er weist lediglich darauf hin, das eine freie Äußerung andere Persönlichkeitsrechte stark angreifen kann. Er weist auf ein "vernünftiges" Miteinander hin.
Aber dazu sollten Sie (Siegfried) wohl besser den Kontext nochmals lesen. Oder den Kontext aufzeigen, damit sich jeder Leser Ihres Geschriebenen klar darüber wird, wie es wirklich im Buch steht!

Siegfried schrieb:
"Warum werden hier jetzt zusätzliche Regeln gefordert in Form eines „lex islam“?"

Herr Steudle fordert dergleichen nicht in seinem Buch. Er weist nur immer wieder darauf hin, das ganz wesentliche Gesetze nicht wirklich eingehalten werden. Lex Islam? Davon steht nichts im Buch. Es geht auch wie schon erwähnt nicht nur um "Islam", sondern vor allem um Bürger mit Migrationshintergrund.
Wenn Sie (Siegfried) herauslesen, das die bestehenden Gesetze geändert werden müssen, dann haben Sie nicht richtig gelesen. Herr Steudle beschreibt Missstände. Und er schreibt darüber, das bei Einhaltung bestimter Gesetze viele Missstände beseitigt werden können.

Was beim Lesen deutlich wird ist, das man darüber nachdenken könnte etwas Neues zu kreieren, eben weil das Bestehende nicht eingehalten wird.

Siegfried schrieb:
"Der Islam und damit die Muslime sind grundsätzlich gut, die Nichtmuslime hingegen, ganz besonders jene, die keiner Religion angehören, also „spirituell arm“ sind, wie es im Buch heißt, sind grundsätzlich schlecht. Das ist für so ein Buch schlicht zu wenig."
-> So wie es Herr Steudle beschrieben hat (differenziert) ist es richtig. Man kann sagen: Muslime sind "gut. Christen sind "gut". Dann muss man all das sehen und erkennen können was im Namen einer Religion geschieht und in der Lage sein zu differenzieren, wie es Herr Steudle tut.
Die Aussage, die Sie eben abgaben (Siegfried) stimmt nicht mit dem Buch überein!

Das Her Steudle nicht großartig darauf eingeht, weshalb der Islam in der Bevölkerung ein schlechtes Image hat, kann ich verstehen. Das würde von den genannten Missständen stark ablenken. Es geht ja auch nicht um das Image des Islam, sondern um Missstände, die sicherlich mit dem Islamismus (und nicht mit nur mit dem Islam) zu tun haben.

Siegfried schrieb:
"Am gefährlichsten wird das Buch aber, wenn es aus islamischen Gründen massive Eingriffe in das Grundgesetz fordert."
-> Das finde ich mit am interessantesten!
Herr Steudle fordert eben keine Änderung des Grundgesetzes (ausser der Streichung des Begfriffs der Rasse). Und aus islamischen Gründen? Das ist doch wohl ein Witz Ihrerseits (Siegfried) oder? Das ist nicht herauszulesen. Das wollen Sie scheinbar so sehen, weil Sie scheinbar ein überzeugter Islamgegner sind. (?)

Meine Kaufempfehlung:
Das muss jeder selbst wissen. Ich bereue den Kauf keineswegs. Rausgeworfenes Geld bedeutet es für diejenigen, die eine festgefahrene Sicht der Dinge haben.

Nette Grüße
Der Buchwurm


Zuletzt bearbeitet von Buchwurm am 28.12.2010, 16:12, insgesamt einmal bearbeitet
 
  Buchwurm 
 
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BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 16:09
Hi Der Buchwurm,
Glasklar durchsichtig!!
 
  büchernarr 
Gast 
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 16:12
büchernarr hat Folgendes geschrieben:
Hi Der Buchwurm,
Glasklar durchsichtig!!

Bernd,
denkst Du dasselbe wie ich?

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BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 16:13
mtg hat Folgendes geschrieben:
büchernarr hat Folgendes geschrieben:
Hi Der Buchwurm,
Glasklar durchsichtig!!

Bernd,
denkst Du dasselbe wie ich?


Aber (glas)klar (ich kann Gedankenlesen)
Gruß
Bernd
 
  büchernarr 
Gast 
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 16:45
Hallo Buchwurm,

was es nur für Zufälle gibt.

Siegfried schreibt eine klasse Rezension.
Zufällig ist hier im Forum jemand der genau das Buch gekauft hat und eine kilometerlange Gegendarstellung erstellt.
Selbstlos cheezy grin natürlich.

Dazu noch als erster Beitrag.
Ja Zufälle gibt es ...

Böse ist wer Böses denkt cheezy grin

Mich betrifft es nicht, da ich das Buch eh nicht kaufen werde.
Aber es ist interessant zu lesen.

Gruß Richard

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Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7
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BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 17:31
Jaaa, Gedanken lesen - man kennt sich Cool Cool Cool

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BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 17:40
Zitat:
Nette Grüße
Der Buchwurm



Zuletzt bearbeitet von Buchwurm am 28.12.2010, 14:12, insgesamt einmal bearbeitet

Ich wette, da stand vorher "fG"

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BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 19:05
Hallo zusammen!

Da die Gesamt-Rezension angefragt wurde, stelle ich sie hier als PDF-Dokument ein.

Ich möchte hier noch einmal darauf hinweisen, dass eine Rezension eine persönliche Meinung - in diesem Fall: meine - zu einem Buch ist. Jeder Leser kann und sollte eine eigene Meinung zu dem Buch haben. Die Qualität einer Rezension ergibt sich aus der Begründung der eigenen Meinung. So sehe ich das jedenfalls.

Hier nun 12 Seiten PDF cheezy grin

Grüße
Siegfried

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Siegfried

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  Siegfried 
 
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BeitragVerfasst am: 28.12.2010, 20:02
Siegfried,

wenn ich eine Quintessenz aus Deiner umfänglichen Rezension ziehen darf, so scheint es mir, als habest Du mehr Zeit in die Rezension investiert als der Autor ins Buch. Und ich bin mir sicher, dass dieser Eindruck nicht täuscht.

Danke für - wieder einmal - viel Zusatzinformation! thumb up

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LG - matthias

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Buchrezension: Helge Steudle - Fünf vor Zwölf in Deutschland
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