 | Concerto a`la Gospel | Verfasst am: 30.11.2008, 18:47 |
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Bitte mal um eine Kritik.
Concerto a`la Gospel
… so begab es sich, dass trotz ständig leerer Haushaltskasse wir uns auch einmal etwas gönnen wollten. Beide schwärmten wir schon lange davon, einmal einen Gospelchor zu hören. Alle unsere Bekannten hatten so ein Konzert längst besucht, nur wir nicht. Dabei soll so etwas absolut toll und vor allem „in“ sein. Jedenfalls stimmten unsere Bekannten immer solche Lobeshymnen auf diese Gospelkonzerte an, dass uns vor Neid schier gar die Augen aus den Höhlen traten. Aber zum Glück sind wir Brillenträger, so konnte bislang schlimmeres verhindert werden. Jedenfalls, da musste es so richtig „ab“ gehen.
Und dann, kam der Tag der Tage, an dem auch wir zwei dieser Erfahrung des Gospelhörens ein Stück näher kommen sollten. Ich weiß es noch genau! Es war ein grauer, kalter verregneter Tag Ende Oktober. Ich saß im Büro und arbeitete an meinem Blechdepp, als meine Frau, des Gehens fast nicht mehr mächtig, eine Tageszeitung vor sich her haltend, mit hervorquellenden Augen und nach Luft ringend mir entgegen röchelte: „Gooschpl“
Die Zeitung landete vor meiner Nase auf dem Schreibtisch, während meine Frau verzweifelt versuchte Halt an meiner Schulter zu finden was ihr aber nicht gelang. Denn ich hatte schon die Anzeige entdeckt, las und sackte „Gooschpl“ hauchend zusammen wie ein nasser Sack. So lag meine Frau auf meinem Rücken während mein Oberkörper auf dem Schreibtisch seinen Platz fand. Diese in provokanter Schrift verfasste Ankündigung hatte uns schlichtweg den Boden unter den Füßen weggezogen. Endlich, endlich würden auch wir zu dem erlesenen Kreis der Gospelhörer gehören. Endlich würden auch wir unsere Körper ekstatisch zu den Rythmen der Gospelmusik hin und her schwingen. Endlich sollten auch wir „Oh happy day“ aus voller Kehle mitbrüllen um dann für immer von allen Sorgen befreit, auf Wolke sieben nach Hause schweben. Klar würden wir es besser machen als all unsere Bekannten, die vor uns den Himmel der Erleuchtung sehen durften. Wir würden besser schwingen und singen, wir würden als Stars der Gospelszene in die Bücher (welche auch immer) eingehen. Ganz sicher!
So lagen wir eine ganze Weile mit gläsernen Augen, den Traum der Unwissenden träumend, noch umher bis schließlich unser Kreislauf zum gewohnten Takt zurück fand und wir uns langsam aufrichteten. Fast gleichzeitig griffen wir zum Telefonhörer um Karten zu reservieren.
„Nein! Eine Vorbestellung ist nicht möglich und es gibt auch keine Abendkasse. Aber nach dem Konzert wird um eine Spende gebeten, üblicherweise sind das so ca. 20 Mark.“ , meinte die nette Dame am anderen Ende des Telefons.
Da wir beide dem einmaleins mächtig waren, rechneten wir in Windeseile aus, was uns das kosten würde. Also:
Zwanzig mal zwei macht vierzig, minus drei Prozent Skonto, weil wir ja Bar bezahlen, macht achtunddreißigkommaachtzig, minus Rundung, wir sind heute großzügig, macht genau fünfunddreißig Deäm. Ha! Da bekamen wir doch was fürs Geld! Unsere schwäbische Rechenweise übertraf sicherlich die der Schotten. Und meine Frau und ich, ha, wir durften uns zeitweilig als „Schwotten“ bezeichnen. Das ist eine Kreuzung aus Schwaben und Schotten. Daraus resultiert ein absoluter Sparzwang mit einem gewissen krankhaftem Hang zum Geiz der bis hin zur Abstinenz in allen möglichen Lebenslagen führt. Jedenfalls überlegten wir noch ob wir das Auto, den Bus, das Fahrrad nehmen oder gar laufen sollten. Aufgrund der Witterung, der Tageszeit und der doch längeren Strecke, entschieden wir uns zähneknirschend für das Auto.
Das Konzert fand in einer katohlischen Kirche einer kleinen Gemeinde in Oberschwaben statt. Die dortige Bevölkerung galt als geizig, wortkarg, rechtschaffen und gläubig. Dementsprechend mussten wir uns auch ausgiebig mit unserer Kleiderwahl beschäftigen. Zu ausgeflippt? Zu normal? Nein! Das ging beides nicht! Aber festlich! Ja festlich! Das passte! Im übrigen bedeutet festlich für die Dame in Oberschwaben: Ein Rock, Bluse, Jacke, sprich ein Kostüm, mit entsprechender Hochfrisur und wenn das nicht geht mit Hut. Zumindest ist das hier für die ältere Generation so schicklich. Für die jüngeren geziemt es sich wenigstens das gleiche anzuziehen oder weite Jeans statt Rock. Am besten tut man gut daran sich an das Sprichwort zu halten: „Mit Reizen geizen.“
Bei den Männern ist zu einem festlichen Anlass ein Anzug nie verkehrt. Und in Anlehnung an die bayerischen Nachbarn ist ein Janker für den Herrn oder ein Dirndl für die Dame nie fehl am Platz, ja sogar gern gesehen.
So gekleidet, Janker, weite Jeans, fuhren wir mit leuchtenden Augen unserem Klangerlebnis entgegen.
In dem Dorf angekommen hatten wir allerdings Schwierigkeiten einen entsprechenden Parkplatz zu finden. So blieb nichts anderes übrig, als vor einem Misthaufen zu Parken. Was meiner Gattin natürlich arg missfiel, weil; musste sie doch fast schon durch die Jauche waten. Meinte sie! Aber das nur nebenbei.
So schwebten wir nun glückselig in die bereits halbgefüllte Kirche ein und entschieden uns für einen Platz in der Mitte auf der Frauenseite. Ausnahmsweise durften heute auch da die Männer Platz nehmen, was mir allerdings einiges Unbehagen bereitete, da ich da im Moment noch der einzige Mann war und alle weiblichen, meist ältere gospelhörende Damen, mich entsprechend musterten. Na ja! Meiner Vorfreude auf das Konzert tat das keinen Abbruch.
Da wir also rechtzeitig eingetroffen waren, gab dies uns die Gelegenheit unsere Umgebung genauer zu betrachten. Vorne am Altar befanden sich allerlei Musikinstrumente, Mikrofone, Stühle, Verstärker und Lautsprecher. Die Kirche war, wie die meisten Kirchen in diesem Landstrichen mit üppigen Barock ausgestattet. Das musste an der Bevölkerung liegen, doch eben in dem Augenblick als ich versuchte, diese Rückschlüsse zu überdenken, versuchten zwei Damen in entsprechender Kostümierung und ebenso barocken Körpermaßen auf der Kirchenbank vor uns Platz zu nehmen. Nach einigem gehopse, geraschel, getuschel, knirschen, hüsteln hatten die zwei es dann auch geschafft. Ich boxte meine Frau leicht in die Seite um ihre Aufmerksamkeit auf die zwei Neuankömmlinge zu lenken. Zwei wahrlich prächtige Vertreterinnen oberschwäbischer Hausfrauen, die näherer Beschreibung erspare ich mir und lasse ihrer Phantasie freien Lauf. Jedenfalls besaßen beide Hochfrisuren, die eine weiß, die andere lila! Ein lächeln huschte über unsere Gesichter, die weiße und die lilane, hoho! Wir sind keine Unholde, wir amüsieren uns nicht auf Kosten anderer! Verflixt! Aber gerade das kostet ja nix. Was man da alles sparen kann! Nun gut, wir hatten unseren kurzen Spaß und warfen unsere Blicke auf die weiteren Ankömmlinge. Mit der Zeit wurde das aber langweilig, wann ging das Konzert denn endlich los? Da! Eine relativ junge Familie setzte sich auf die Bank der weißen und der lilanen. Hoho, wie die aussahen! Überhaupt nicht festlich gekleidet. Er, ein Richard Gere Verschnitt, Sie, ... eine neue Frisur täte da gut und die Tochter, in engen Jeans. Amis! Ich bin da offen, man muss nicht jeden mögen! Ich mag die eben nicht, die Amis. Kaugummikauend, keine Kultur, schlechtes Essen. Da! Die weiße und die lilane tuschelten, wohl über die Amis, so wie alle anderen auch. Ha! So geht man eben nicht zu einem Konzert. Plötzlich erfüllte ein Raunen die Kirche und alle Blicke wandten sich dem Eingang zu. Die Gospelsänger kamen. Beifall ertönte. Oha! Für eine ländliche oberschwäbische Kirchengemeinde ein Gefühlsausbruch ohne Gleichen. Und dann sah ich sie! Was hatte ich eigentlich erwartet? In den engsten Jeans die man sich vorstellen kann verhüllten die Sänger das tiefste schwarz, dass ich jemals gesehen habe. Ich bin nicht unbedarft was andere Kulturen und Hautfarben angeht. Aber in unseren oberschwäbischen Gefilden ist dies ja geradezu eine Attraktion. So stand mir, von meiner Frau weiß ich das nicht, der Mund vor staunen offen vor allem auch deswegen weil, der Chor bestand aus drei Frauen und einem Mann, also weil die Frauen solch rückwärtige Ausmaße besaßen ... pfft. Mann! Die Jeans waren nicht eng! Die weiblichen Sänger füllten die weiten Jeans dermaßen aus, dass einem Angst und Bange werden konnte. Wie hielt das alles? Kippten die nicht nach hinten, ob ihrer schweren Last? Na ja, wenigstens war ich nicht der einzige der staunte. Das breite Publikum betrachtete erstaunt die Rückansicht der Gospeldamen.
Da schau nur, die weiße und die lilane tuschelten wieder und auch die Amis. Ja, ja, sich über andere lustig machen. Tut man so was?
Während die weiblichen Gosplinterpreten reichlich Mühe hatten die zwei Stufen zum Altar zu erklimmen, ergriff der männliche Einzelgospler das Mikrofon und radebrechte in Afroamerikanisch-deutschem Kauderwelsch ein „Haerzlisches Wilkommän“. Oha! Also auch Amis! Ich höre das sofort. Der Abend drohte für mich zu einem Chaos zu werden. Stellte ich doch, anhand des ausgelegten Prospekts, zu meinem großen Entsetzen fest, dass die Sänger nicht, wie ich zuerst annahm, aus Afrika stammten. Nein! Die schienen aus dem tiefsten Amiland zu kommen. Über meinem Haupte erschien eine dunkle Wolke und mein Gesichtsausdruck sprach Bände. Meine Frau sah, das etwas mit mir nicht stimmte und fragte besorgt: „Gohts dr it guat? Hosch was schlechts gässa?“
Wieso meinen Frauen immer man hätte was schlechtes gegessen, wenn man etwas missmutig in die Welt blickt? Ich gab ihr Kopfschüttelnd und grummelnd zu verstehen, das es mir gut ginge und das Prospekt an meinem Zustand Schuld wäre. Meine Frau begriff nicht und ... „Äimeeen, Äimeeen, Aimeeen … “
Das Konzert begann und die Amis brüllten sich ihren Frust aus Leibeskräften von der Seele. Na gut ... Also ... Ich gebe es zu ... Die sangen ja wirklich nicht schlecht. Und wie lustig das aussah, wenn die Gospelmädels ihre Hüften schwingen ließen. Meine Wolke verflog, sollte sie sich über jemanden anderen hermachen, und ein Anflug eines Lächelns huschte über unser beider Gesicht. Sollte das der Beginn der Glückseligkeit sein, die wir uns von diesem Konzert erhofft hatten? Das erste Lied endete und die Kirche erfüllte frenetischer Beifall. Dann verkündete der Gospljunge, dass man auch mitsingen dürfe. Oh ja! Dachte ich, gleich geht hier die Post ab. Nur, das folgende Lied kannten wir nicht und beim nächsten war uns der Text entfallen und überhaupt blieben alle brav und bieder auf ihren Bänken sitzen. Hallo! Glückseligkeit! Doch dann endlich, ein bekanntes Lied! Wir begannen beide leise und verhalten mitzusummen. Oh! Die ganze Kirche summte und da! Da sang einer mit! Wir waren uns sicher das hier gleich der Bär steppen würde. Doch weit gefehlt, es blieb dann bei einem allgemeinen verhaltenen Summen. Aber wie war das möglich? Hatten wir doch von solchen Konzerten die wildesten Geschichten gehört! Das nächste Lied, ah ja! Wahnsinnig bekannt und jetzt ... geriet die komische Amifamilie vor uns in Ekstase. Ts, ts, Amis, kein Benehmen, schwangen die doch ihren Oberkörper mit geschlossenen Augen hin und her. Nun ja, sollten sie nur. Wir hatten das nicht nötig, uns so bloßzustellen. Die folgenden Lieder glichen eher Balladen und waren zum einschlafen schön. Mir wurde Langweilig und mein Blick streifte zufällig den Boden. Sah ich da doch nicht eine langbeinige, einfärbige, in eine Richtung krabbelnde .. Spinne! Und die machte sich daran, die Bank vor uns zu erklimmen. Das Konzert war jetzt erst einmal vergessen, denn ich ahnte schon die Sensation, die das kleine Krabbeltier hervorrufen würde.
Emsig, und mit vor Anstrengung zitternden Beinchen, erklomm das Tierchen die Sitzbank der lilanen und der weissen um dann nach einer kleinen Verschnaufpause seine Bergtour fortzusetzen und zwar ... ehrlich ich dankte Gott, dass er die Gospelsänger mit so lauten Stimmen ausgerüstet hatte und ich dankte dem Erfinder der Elektromusik, dass die Instrumente so einen infernalischen Lärm von sich gaben. So konnte niemand hören das ich vor Vergnügen nach Luft japste, als das Spinnentierchen unter Aufbietung all seiner Kräfte den Po der Weissen erklomm, sich dann den Rücken hinauf hangelte und anschließend in einem halsbrecherischen Sprung in den Haaren der Weissen landete. Dann war sie im Haargestrüpp verschwunden, erst einmal. Wohl starrte ich noch eine Weile das undurchdringliche Dickicht der Haarpracht an. Doch umsonst, im Moment schien es als ob die Spinne sich dort häuslich einrichten würde. Nun gut, ich lenkte meine Aufmerksamkeit wieder dem Gospelkonzert zu. Meine Frau hatte zwar den Aufruhr bemerkt den die Spinne bei mir verursacht hatte, doch außer einem kurzem Lächeln besaß sie kein weiteres Interesse daran. Vielmehr stellte ich fest, dass sie ihren Blick von der Amifamilie schier nicht mehr abwenden konnte. Warum nur? Ja, jetzt sah ich es auch! Die waren ja voll bei der Sache, voll im Takt hopsten die auf der Kirchenbank mit, schüttelten den Kopf, warfen die Arme in die Luft und grölten Lieder mit, die sie nicht kannten. Wir wurden blass vor Neid, sollten die Amis die Glückseligkeit der Gospelbotschaft erfahren haben. Ich schüttelte missbilligend den Kopf und winkte ab. „Drogen!“, flüsterte ich meiner Frau ins Ohr, „die stehen eindeutig unter Drogen, die ganze Familie!“
Und ich sollte recht behalten. Euphorisch kündigte der Gospeljunge einen sehr bekannten Gospelsong an und bat alle Anwesenden beim Refrain aufzuspringen und mitzuklatschen. Die Amis natürlich allen voran, wir etwas widerwillig und mürrisch hinterdrein. So ein Affenzirkus in einem Gotteshaus! Was dachten sich denn die Amis dabei? Und wieso machten denn alle gottesfürchtigen, geizigen, wortkargen Oberschwaben mit? Sollte das noch jemand verstehen? Ich sicher nicht. So, der Refrain des Liedes war aus und ich ließ mich, samt meiner Gattin, wieder auf die Bank plumpsen. So ein blödes Konzert! Warum sind wir nur hierher gegangen? Ich beschloss in den Streik zu treten und mich nicht weiter an irgendwelchen Aktivitäten zu beteiligen, die würden schon sehen was sie davon hatten! Mich und meine Frau zu ärgern indem wir nicht die Glückseligkeit erfahren durften. Der Song näherte sich zwischenzeitlich wieder dem Refrain und ich blickte ja geradezu hasserfüllt auf die Amifamilie, gleich würden die wieder aufspringen und ihre Show abziehen, diese Erdnussfarmer! Und tatsächlich die Amifrau sprang gleich einem Kängeru auf, warf die Arme in die Luft und musste plötzlich zu ihrer eigenen Schande feststellen, dass nur sie stand und allen anderen noch saßen. Hatte die doch glatt den Refrain zu früh angenommen. Ho, ho, ho. So ist das mit den Drogen! Ein Fest der Peinlichkeit! Und alle Oberschwäbischen Brüder und Schwestern vereinten sich zu einem schadenfrohen Lächeln, während ich mein Gesicht in die Schulter meiner Gattin vergrub und meine Glückseligkeit herausschrie. Wir hatten über die Amis gesiegt! Hurra!
Tränen! Wirkliche nasse Tränen rannen uns noch über das Gesicht, als wir uns voneinander lösten. Das waren Tränen der Glückseligkeit! Endlich hatte nun auch wir diese Erfahrung machen dürfen! Jetzt verstanden auch wir unsere Bekannten wieso die immer auf die Gospelkonzerte gingen und als wir aufsahen erreichte der Abend seinen absoluten Höhepunkt. Die Lilane drosch mit ihrer Handtasche im Takt der Musik auf die Frisur der Weissen ein, während die passend zum Lied immer wieder „Iiih“ schrie. Welche Schau!
So sanken wir wieder ineinander und konzentrierten uns darauf in geregelten Abständen Luft zu holen um nicht an unseren Gefühlsausbrüchen zu ersticken. Erst als sich das vereinte Oberschwaben zum Aufbruch erhob, erkannten auch wir, dass das Konzert vorüber war. Von einigen Besuchern wurde uns mitfühlend auf die Schulter geklopft, wohl in der Annahme, das wir vor Rührung über die ansprechende Musik in Tränen ausgebrochen wären. In Tränen schon, das gebe ich zu! Aber nur was für welche! Kurzum wir erhoben uns Glückseligkeit ausstrahlend von unseren Plätzen. Was für ein gelungener Abend der würde in den nächsten Jahren seinesgleichen suchen. So, schlossen wir uns der Schlange an die sich dem Ausgang zu bewegte. Heftiges Geraschel und Geklimmper rief uns Urplötzlich in Erinnerung, das wir für unser Amüsement noch zu bezahlen hatten. An für sich immer eine unangenehme Aufgabe die ich stets meiner Frau überließ. Heute jedoch empfand ich die Bezahlung eher als respektvolle Anerkennung des Geleisteten und ließ mich ruhig von der Bezahlschlange weiterschieben, als an meinem Jackenärmel unruhig und hektisch gezupft wurde. Das verhieß nichts Gutes, ein sicheres Zeichen aufkommenden Übels. Ich blickte noch lässig über linke Schulter und erkannte die schreckgeweiteten Augen meiner verehrten Gattin. Ich Gesichtsausdruck verriet: „Wir befinden uns in Lebensgefahr!“
Ich ballte schon meine Fäuste um jeglichen Angriff abzuwehren, doch meinen Frau zog mich energisch aus der Menschenschlange und wies theatralisch auf die Stuckdecken und Gemälde der Kirche, als ob sie mir eine Private Führung geben wollte. „Was ist los?“, zischte ich ihr zu. Geschickt schmiegte sich meine Frau an mich wie: „Ach wie ist das alles schön hier!“ und deutet mit einem verheißungsvollen Blick in ihren Geldbeutel. Einhundert DM blinzelten mir verführerisch entgegen und ich begriff: Kein Kleingeld! Vermutlich hätte jeder normaldenkende Mensch versucht Wechselgeld zu kommen. Doch bevor wir daran dachten war die Kirche so gut wie leer. Was nun? Aus günstigen ausgerechneten fünfunddreißig DM, konnten doch nun mir nichts dir nichts hundert werden? Wir konnten doch der schwarzen Lady die da am Ausgang stand nicht in den Klingelbeutel greifen und Rausgeld ziehen! Wir mussten nicht darüber diskutieren, es stand für uns fest! So lange wie möglich in der Kirche bleiben! Vielleicht wurden wir ja übersehen!
Ich habe nicht gewusst wie viel ich über barocke Kirchen weiß! Ich konnte meiner Frau haarklein jede kleine Freske erklären, wie sie hergestellt wurde und wie der Künstler wohl bei der Ausführung gelitten hatte. Und auch die vielen Deckengemälde aus der Leidensgeschichte Jesu, unglaublich wie viel Herzblut ich darüber verlor. Außerdem war es schlichtweg beeindruckend wie Begeisterungsfähig sich meine Frau gebärdete. Unermüdlich stellte sie Fragen und freute sich über jede kleine fachmännische Bemerkung. Doch nach ungefähr einer halben Stunde kam der Mesner, in Begleitung des Herrn Pfarrers, mit aufgesetzter bedrohlich Ernsten Miene, immer näher. Ein sicheres Zeichen für einen gewollt herbeigeführten Aufbruch. Wir knieten, ob der netten Aufforderung endlich zu verschwinden, kurz vor dem Antlitz Jesu nieder und bekreuzigten uns wohl an die hundert mal zum Abschied, denn wir wussten: Wir wurden vom Engel des Todes erwartet der seinen Tribut forderte, damit wir noch ein Weilchen Leben durften. Mir fielen die Worte ein die man bei Beerdigungen immer sprach: Und wandle ich auch im finsteren Tal ... so finster konnte diese Tal gar nicht sein durch das wir jetzt gerade schritten. Schweiß rann uns in strömen über das Gesicht. Die Knie wollten den Dienst versagen, das Herz raste und in unserem Blickfeld erschien die schwarze Lady mit dem Klingelbeutel. Mit einem verführerisch, geschäftsmäßigen Lächeln forderte sie uns süffisant auf: „Einä kleinä Spände bittä!“
Ich sah in Zeitlupe, wie meine Frau ihre Hand in den Tiefen ihres Portmaines verschwinden ließ und zitternd die hundert DM herausnahm. Kreidebleich und mit versteinertem Gesicht ließ sie diese in den Klingelbeutel fallen. Als der Schein auf dem Grund des Beutels aufschlug erschien es mir wie Donnerhall.
Eine Woche lang bewegten wir uns äußerst langsam, sprachen kein Wort, aßen und tranken nur wenn es wirklich nicht anders ging und Duschen war aufs strengste verboten. Danach hatten wir wohl das Geld wieder eingespart! Wie nannte ich uns noch? Richtig! Schwotten!
Komisch nur, das ich nun seit einiger Zeit erfolgreich bei einem Gospelchor mitsinge! |
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 | | Verfasst am: 30.11.2008, 18:57 |
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Nunja, ganz amüsant die Story, wenn in der Ausdrucksweise auch etwas zu dick aufgetragen.
Auf die regionalen sprachlichen Eigenheiten würde ich ebenso verzichten wie - aus aktuellen Gründen - auf die DM-Angabe. Eine Überarbeitung des Textes hinsichtlich der Tippfehler (grundsätzlich kein Malheur, so lange sie nicht in Druck gehen... ) wäre angebracht. Und lesefreundlicher - also mit mehreren Absätzen versehen - dürfte er auch gestaltet sein.
Gruß aus der Steiermark!
Hans |
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 | | Verfasst am: 30.11.2008, 19:37 |
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Hallo Hans,
vielen Dank für Deine Kritik. Klar muss ich noch an die Tippfehler und im Original sind auch Absätze vorhanden. Die regionale sprachliche Eigenheit werde ich allerdings im Text lassen, da die Geschichte auch regional veröffentlicht werden soll. Die "dicke Ausdrucksweise" ist aber gewollt, denn sie soll zum lachen anregen (was sicher auch auf andere Weise geht) Ich glaube jedenfalls, dass ich Dir ein schmunzeln abgerungen habe.
Grüße Xaver |
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 | | Verfasst am: 01.12.2008, 11:09 |
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Guten Morgen Xaver!
O ja, ein Schmunzeln schon.
Wenn Du Deine Geschichte
in einer regional erscheinenden
Publikation veröffentlichen
willst, verstehe ich, dass Du
an den sprachlichen Eigen-
heiten festhältst. Mir sind sie
nur nicht ganz verständlich
(gewesen), ich lerne aber
ständig hinzu!
Viel Schaffensfreude wünsche
ich mit kollegialem Gruß!
Hans |
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