Forum für Books-on-Demand-Autoren » Buchvorstellung: Belletristik » Das Animiermädchen
Hier klicken, um Mitglied zu werden  Hier klicken, um Mitglied zu werden » Maskerade des Todes
» Allein in Afrika

Das Animiermädchen

BeitragVerfasst am: 21.08.2009, 08:54
Titel: Das Animiermädchen
Autor: Amber Stuart

Verlag: BoD
ISBN: 978-3-8391-0757-7
Seiten: 180
Preis: 14,95

Der Autor über das Buch:

Hallo zusammen,

hiermit möchte ich euch eine Leseprobe meines neuen Romans "Das Animiermädchen" vorstellen.

LG, Amber

Klappentext:

Anna wächst in den sechziger Jahren in einem Dorf heran. Schnell durchschaut sie die Lügen der kleinbürgerlichen Gesellschaft. Sie lehnt sich dagegen auf und wird zur Außenseiterin. Als sie in Murnau den Perser Mehdi trifft, glaubt sie, die große Liebe gefunden zu haben. Doch Mehdi, ein Zyniker, der eine illegale Spielhölle betreibt, spielt auch mit ihren Gefühlen. Nach einer Razzia verlässt er fluchtartig den Ort. Anna reißt von zu Hause aus, um ihn zu suchen und landet als Animiermädchen im Münchner Nachtgeschäft, verliert aber nie ihr großes Ziel aus den Augen: Mehdi endlich wieder zu finden...

Inhalt:

Auf Heiner's Wunsch hier eine andere Leseprobe, da die erste nicht ganz jugendfrei war:


DIE BAR

Das Lokal macht einen gepflegten Eindruck. Gegenüber der Eingangstür befindet sich die Theke, hinter der eine adrett aussehende Frau mit Hochsteckfrisur die Getränke ausschenkt. Die Beleuchtung ist angenehm, nicht zu grell, aber auch nicht zu düster. Drei Treppen führen hinab zur Bierbar. Eine junge mollige Blondine steht dort im Mittelpunkt. Sie reißt derbe Witze und macht sich vor den Gästen wichtig. Hier ist die Beleuchtung schon etwas dunkler. Geht man an der Bierbar vorbei und drei weitere Stufen hinab, steht man mitten auf der Tanzfläche. Auf einem Podest sind Instrumente und Mikrofone aufgebaut. Drei schmächtige Japaner schlagen wild auf Gitarre, Schlagzeug und Hammondorgel ein. Neben dem Podest führt eine Wendeltreppe hinauf zur Bar.

Anna stolpert unsicher hinter Natascha her, die selbstbewusst in die Küche schreitet. Hier geht es, anders als im Lokal, drunter und drüber. Zwei schwarze Zwergpudel balgen sich auf dem fett verschmierten Boden herum und zanken sich knurrend um Speisereste, die unter dem Tisch liegen. In einem Kinderwagen kreischt laut ein Säugling. Auf einer ausziehbaren Couch reckt und streckt sich ein schwarzhaariger Mann mit nacktem Oberkörper und muskulösen tätowierten Oberarmen.

Mary, die Wirtin, sitzt auf einem Holzstuhl, die geschwollenen Beine mitten auf dem Tisch hoch gelagert. Daneben stehen zwei Cognacschwenker, eine Flasche Weinbrand und ein bis zum Rand gefüllter Aschenbecher.

Natascha stellt Anna vor.

Die Wirtin knurrt einen unfreundlichen Gruß. Ihr Gesicht ist ausdruckslos und sehr blass. Ächzend schwingt sie ihre Beine vom Tisch. Sie erhebt sich schwerfällig und geht mit schleppenden Schritten auf den Kinderwagen zu. Schimpfend zieht sie einen Schnuller heraus, leckt ihn mit mit ihrem Speichel nass, steckt ihn in eine Zuckertüte und schiebt ihn dem plärrenden Säugling in den Mund. Das Geschrei verstummt.

Seufzend lässt Mary sich wieder auf den Holzstuhl fallen. Sie schraubt die Weinbrandflasche auf und füllt einen Schwenker voll. Ihre Haare fallen in gelbblonden und strohigen Strähnen über die Schultern. Sie ist stark übergewichtig und macht einen gestressten Eindruck. Aus schwarz umrandeten Augen mustert sie Anna von oben bis unten.

„Du willst hier arbeiten?“ fragt sie heiser.

Zögernd nickt Anna. „Eigentlich schon...“

„Gut“, sagt Mary. „Hat Natascha dir schon gesagt, was du hier machen sollst?“

„Hab ich...“, mischt Natascha sich ein.

„Alles klar, dann verzieh dich jetzt und lass mich mit der Kleinen allein.“ Das klang herrisch und ungeduldig, und Natascha verlässt sofort die Küche.

Mary leert das volle Glas in einem Zug. Danach wendet sie sich wieder laut aufrülpsend an Anna. „Ich hab eine starke Erkältung“, erklärt sie. „Da hilft nur noch Schnaps, Schnaps und nochmal Schnaps.“ Sie hält ihre gedrungene Hand mit den kurzen Fingern vor den Mund und hustet eindrucksvoll, pfeifend und asthmatisch. Doch nachdem der Anfall vorüber ist, steckt sie sich unbeeindruckt ein langes Zigarillo an und zieht tief den Rauch in die Lungen.

„Hast du Papiere?“ keucht sie.

„Nein,“ sagt Anna. „Ich bin von daheim ausgerissen. Weder meine Chefin noch meine Eltern wissen, wo ich mich aufhalte.“

„Eine Ausreißerin ohne Papiere, das ist Scheiße“, bemerkt die Wirtin. „Zum Glück ist die Bar oben im ersten Stock. Bis da mal die Streife hinauf kommt, hab ich dich schon längst über unser Haustelefon gewarnt. Sollte man dich dennoch erwischen und kontrollieren, dann sag einfach, dass du deiner Freundin Natascha hilfst. Alles andere ist dann euer Problem.“

„Ich mache Ihnen bestimmt keine Schwierigkeiten“, versichert Anna ihr.

„Das will ich auch stark hoffen, und zwar für dich.“ Mary drückt ihr Zigarillo im Aschenbecher aus. „Hast du schon einen Einblick in diese Branche?“ fragt sie.

„Nicht direkt“, erwidert Anna.

„Nicht direkt, was soll das heißen? Hast du oder hast du nicht?“

„Ich war Thekenkraft in einem Café...“

Mary runzelt die Stirn. „Café und Bar kann man aber nicht miteinander vergleichen. Das Nachtgeschäft ist hart. Es muss täglich neu gekämpft werden. Zu viele stecken mit drin, halten die Hand auf und sahnen mit ab. Es gibt da ein paar gewisse Tricks, die du bestimmt noch nicht beherrscht. Wenn du irgendwelche Fragen haben solltest, kannst du dich vertrauensvoll an mich wenden. Wir sitzen schließlich im gleichen Boot. Natascha hilft dir anfangs auch. Sie ist ein echter Profi, von der du nur lernen kannst. Alles halb so schlimm, wenn man weiß, wie es gemacht wird. Aber jetzt klären wir mal den wichtigsten Punkt. Ich zahle grundsätzlich nur noch Prozente aus. Wenn du gut animierst, verdienst du gutes Geld. Wenn nicht...“ Sie zuckt die Achseln. „Das ist dann auch dein Problem.“

Schwer atmend erhebt sie sich, geht zum Küchenschrank und holt aus einer Schublade Block und Kugelschreiber heraus. Währenddessen liegt der tätowierte Mann noch immer auf der Couch, spitzt die Ohren, sagt aber kein einziges Wort.

„Kennst du unsere Bar?“ fragt Mary.

„Nein, noch nicht“, erwidert Anna.

„Dann wird es Zeit, dass du dich umschaust. Oben halten sich nur gute Gäste auf, Männer, die Geld haben oder zumindest so tun, als seien sie gut bei Kasse. Die Preise sind so hoch angesetzt, dass sich das junge Zeug gar nicht erst einnisten kann.“ Erneut lässt sie sich schwer auf den Holzstuhl fallen. „Und merke dir eines“, fährt sie fort. „Wer etwas trinken und ausgeben will, wird bei uns freundlich und nett bedient. Ganz egal, wie er aussieht, was er macht und welcher Landsmann er ist.“ Sie legt das Blatt auf eine alte Zeitung und macht eifrig Notizen.

„So, hier habe ich dir die Preise für die gängigsten Artikel aufgeschrieben, damit du nicht immer in der Getränkekarte nachschauen musst. Studiere meine Aufstellung sorgfältig und beachte die Reihenfolge.“ Sie reicht Anna den Zettel. „Wie du siehst, steht Champagner an erster Stelle. Darum versuch als erstes immer, Sekt an den Mann zu bringen. Daran verdienst du nämlich das meiste. Und ich auch...“ setzt sie freimütig hinzu. „Ich gebe dir fünfzig Mark pro verkaufte Flasche. Ist das nicht ein faires Angebot?“

„Und ob...“ Anna betrachtet interessiert Marys Gekritzel.

„Und sei ja nicht so dumm und trinke alles, was man dir anbietet. Sonst bist du nach zwei Flaschen zu und kannst nichts mehr verkaufen.“ Mary deutet auf den tätowierten Mann, der mit undurchsichtiger Miene zugehört hat. „Pit zeigt dir anschließend unsere Separees. Unter dem Tisch liegt ein länglicher Schwamm, der die Farbe des Teppichbodens hat. Du lenkst deinen Kunden ab, und dann schüttest du den Sekt unter den Tisch, klar?“

„Muss ich mit allen Gästen ins Separee?“ fragt Anna unsicher.

„Natürlich. Du kannst dir die Kunden nicht aussuchen, musst sie so nehmen, wie sie kommen.“ Mary nimmt einen großen Schluck Weinbrand, diesmal direkt aus der Flasche. „Zum Teufel mit meiner scheiß Erkältung“, schimpft sie, um dann sofort wieder zum Thema zu kommen. „Versprich den Gästen alles, damit sie zahlen. Wenn sie b***** wollen, dann halte sie hin. Sag zu ihnen, du kommst erst nach einer weiteren Flasche in Stimmung. Danach brauchst du dein Versprechen nicht unbedingt einzuhalten. Für Typen, die Schwierigkeiten machen, ist Pit zuständig. Der war früher Boxer und macht mit stänkernden Kunden kurzen Prozess...“ Sie wirft dem Tätowierten einen schmachtenden Blick zu.

„Und wenn der Kunde keinen Sekt ausgeben will, kann ich dann auch etwas anderes verkaufen?“ fragt Anna.

„Ja“, erwidert Mary. „Näheres steht auf dem Zettel. Wenn du merkst, dass kein Schampus drin ist, dann versuch es mit einem Cocktail oder einem Fläschchen Piccolo. Aber Separee kommt da auf gar keinen Fall in Frage, das musst du den Brüdern klar machen. Meistens lassen sie sich dann doch noch zu Sekt überreden. Für andere Getränke, wie Whisky oder Cognac zum Beispiel, zahle ich nur zwanzig Prozent. Aber wenn ich ehrlich bin, leg ich keinen Wert auf diesen Kleinkram. Ich hab da schon oft negative Sachen erlebt. Die Mädchen werden schnell betrunken und lassen sich befummeln, ohne dass eine teure Flasche gelaufen ist. Das Begrapschen hat bei uns seinen Preis, es ist weiß Gott nicht billig. Hast du das kapiert?“

„Ich denke schon“, nickt Anna.

„Da wäre zum Schluss noch etwas. Kassieren brauchst du nicht. Deine Getränke laufen über Natascha. Sie boniert und macht bei deinen Kunden Vorkasse. Du kriegst von mir jeden Abend nach der Sperrstunde die Prozente ausbezahlt. Und merke dir eines: Freunde sind nur für die Freizeit, haben aber an der Bar nichts verloren. Das ist nicht gut für's Geschäft. Die Kerle leben zwar recht angenehm von dem Geld, dass die Mädchen anschaffen, aber wenn sie mitkriegen, wie das Geld gemacht wird, spielen sie den wilden Mann. Sie machen Theater, und die Mädchen kommen am nächsten Tag mit blauen Veilchen zur Arbeit. Tja, das war's mit der Theorie. Die Praxis sieht sowieso anders aus. Und nun zeigt Pit dir die Bar und die Separees.“

Sofort schnellt der tätowierte Mann vom Sofa hoch. Flink streift er sich ein kariertes Hemd über und krempelt weit die Ärmel zurück. Er fährt mit den Füßen in alte Turnschuhe und ordnet mit seinen Händen den kurz geschnittenen Stiftenkopf. „Also dann, auf gehts“, sagt er breit grinsend.

„Wann kann ich anfangen?“ fragt Anna.

„Wenn du willst, schon heute“, erwidert Mary.

„Morgen wäre es mir lieber...“

„Gut, dann bis morgen um einundzwanzig Uhr.“


Zuletzt bearbeitet von AmberStuart am 21.08.2009, 09:52, insgesamt einmal bearbeitet

_________________
http://www.myspace.com/amberstuart
 
  AmberStuart 
 
Anmeldedatum 07.03.2009
Beiträge 410
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 21.08.2009, 09:45
Hallo Amber,

das klingt sehr spannend! Ich wünsche dir viel Erfolg!

Haifischfrau

_________________
www.maryanne-becker.de
 
  Haifischfrau 
 
Anmeldedatum 04.02.2008
Beiträge 2944
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 21.08.2009, 09:50
Guten Morgen meine liebe Amber !

Du weißt ja schon wieviel ich von Deinem neuen Buch halte.

Es ist suuuuuper ... thumb up

Viel Glück und Erfolg !

Dein Asti love
 
  Aston Skovgaard 
 
Anmeldedatum 26.03.2009
Beiträge 621
Wohnort Lübeck
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 21.08.2009, 10:00
Danke, Haifischfrau Confused
und Aston Confused

Weil hier auch Kinder mitlesen, habe ich
auf Heiners Wunsch eine neue Leseprobe
reingestellt... angle

LG, Amber

_________________
http://www.myspace.com/amberstuart
 
  AmberStuart 
 
Anmeldedatum 07.03.2009
Beiträge 410
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 21.08.2009, 11:51
Liebe Amber!

Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem Buch.

Gruß, Barbara

_________________
www.angenehme-vorstellung.de
www.hunde-buch.com
www.blog-haus.com
www.twitter.com/words_music
 
  skipteuse 
 
Anmeldedatum 30.05.2007
Beiträge 4337
Wohnort Potsdam
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 21.08.2009, 15:09
Hört sich doch klasse an ... hoffe und bin mir sicher, dass du mit diesem Buch sehr viel Erfolg haben wirst.

Liebe Grüße,
Marcel

_________________
Ich bin ein 16 Jähriger Thrillerautor, der Momentan an seinem ersten richtigen Buch arbeitet.

www.twitter.com/marcelr93
 
  Marcel R. 
 
Anmeldedatum 02.06.2009
Beiträge 268
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 21.08.2009, 18:43
THX...

liebe Babs Wink

und Marcel Wink


Liebe Grüße, Amber (*_*)

_________________
http://www.myspace.com/amberstuart
 
  AmberStuart 
 
Anmeldedatum 07.03.2009
Beiträge 410
 
 
   
   
Das Animiermädchen
  Forum für Books-on-Demand-Autoren » Buchvorstellung: Belletristik
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 1  

  
  


Powered by phpBB, advisormap.de, SEO by SEO-united.de
Literaturtipps Literaturseiten Banner & Buttons Impressum & Rechtliches