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BeitragVerfasst am: 17.07.2011, 20:53
@Siegfried

Anstelle eines mühevollen Artikels - was ich schon des öfteren, z.B. unter Schreibwerkstatt hier versucht habe, mal etwas aus Wikipedia:

"Prosagedicht

Ein Prosagedicht ist ein Gedicht in Prosa, also ohne für Lyrik konstitutive Formelemente wie Verse oder Reime. Seine Blüte erlebte es im Frankreich des 19. und 20. Jahrhunderts. Auch im deutschen Sprachraum sind seit dem 20. Jahrhundert Prosagedichte in weit verbreiteten lyrischen Werken verstärkt nachweisbar.
Als erstes Prosagedicht gilt Gaspard de la nuit (1842) von Aloysius Bertrand. Bekannter wurden die daraufhin entstandenen Petits poèmes en prose (auch Spleen de Paris) von Charles Baudelaire, in denen der Verfasser sich bewusst um eine prosaische Sprache bemühte. Isidore Ducasse (Pseudonym Comte de Lautréamont) verfasste die Chants de Maldoror, die 1869 zum ersten Mal erschienen und im 20. Jahrhundert zu einer Quelle der Inspiration für die Surrealisten wurden.
Einen starken Anteil an der Entstehung des Genres hatten vermutlich Überlegungen zu der Praxis und den Ergebnissen von Gedicht-Übersetzungen in Prosaversionen.
Detlev von Liliencron, mit Baudelaires Werk gut vertraut, veröffentlichte in Adjutantenritte und andere Gedichte 1883 die ersten Prosagedichte in deutscher Sprache.

Das Prosagedicht als Zeittendenz

Lange Zeit wurde in lyrischen Lehrwerken das theoretische Rüstzeug vermittelt, wie es für Jahrhunderte zur Erzeugung eines Gedichts notwendig war. Zur Beweisführung wurde dabei verstärkt auf Barockdichter zurückgegriffen.
Damit wurde allerdings die neuere, zeitgeistigere Tendenz zum Prosagedicht, wie es uns im deutschen Sprachraum etwa in den lyrischen Werken von Erich Fried, Günther Grass, Günter Bruno Fuchs, aber auch von Hans Magnus Enzensberger begegnet, in ihrer Zeitbedingtheit und Angemessenheit durchweg abgestritten.
Diese tatsächlich im Literaturbetrieb seit längerer Zeit bereits fest etablierte Tendenz zum Prosagedicht bewirkt allerdings, dass quasi Jedermensch, welcher auch bereits gut lesen und gut schreiben gelernt hat, im Prinzip auch gute Gedichte verfassen kann.

Kategorie: Lyrische Form"

Beste Grüße

MichaelHA

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...

BeitragVerfasst am: 17.07.2011, 22:19
Ein Zitat aus dem Werk:
Zitat:

Einige kurze Bemerkungen zur zeitgenössischen Lyrik

Ich zitiere ein Lyrikhandbuch:
"Durch den völligen Verzicht auf die Regeln der Metrik (und
den Reim) nähert sich der freie Vers der Prosa an."

Das ist ein Grundproblem aller modernen, zeitgenössischen Lyrik.
Durch weitgehenden Verzicht auf Reim und Metrik bleiben nur noch
Metaphorik, Zeilensprung sowie "Sprachdichte" als wesentliche
Stilmerkmale übrig.
Daher nähert sich die zeitgenössische Lyrik eigentlich immer mehr
einer früheren Spezialform, nämlich dem Prosagedicht an, weshalb
manche Lyriker zur deutlicheren Unterscheidung doch wieder auf
Reim und Metrik als Mittel zurückgreifen. Diesen Rückgriff auf Reim
und Metrik halte ich allerdings für überholt, gerade auch weil die
visuelle Poesie (z.B. in "Fisches Nachtgesang" und "Die Trichter" von
Christian Morgenstern) diese als satirisches Mittel einsetzt, so dass ein
steter Reim, häufig nur noch mit einer besonders humorigen Aussage
assoziiert wird (z.B. bei dem "Volksdichter" Wilhelm Busch).
Gewollte, also nicht gekonnte, Reime, geraten so schnell zu Formen
des unfreiwilligen Humors.
Ganz besonders stark sieht man die durchaus zeitgenössische Tendenz
zum Prosagedicht im Werk von Erich Fried, aber auch bei Hans-
Magnus Enzensberger sowie last but not least auch bei Günter Bruno
Fuchs.
Auch ich selbst neige zum freien Vers, mithin also zum Prosagedicht.
Dennoch greife ich gelegentlich - wenn es inhaltlich passt - auch zu
versteckten - also indirekten - Reimformen und auch zu
Verswiederholungen, um das lyrisch ausgesagte besser zur Geltung zu
bringen.

Dennoch teile ich insgesamt die Auffassung, dass sich in der
Postmoderne die Lyrik der Prosa teilweise annähern muss, um
weiterhin ein adäquates - also verstandenes - Mittel des literarischen
Ausdrucks, sein zu können.


Beste Grüße

MichaelHA

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Re: ...

BeitragVerfasst am: 18.07.2011, 00:59
MichaelHA hat Folgendes geschrieben:

Ein Prosagedicht ist ein Gedicht in Prosa, also ohne für Lyrik konstitutive Formelemente wie Verse oder Reime.


Rückschluss:
Ein Text in Versform oder (!) mit Reimschema ist definitiv Lyrik. Okay

Ich sitze bei IKEA auf einer Bank und blicke auf einen Schrank

Das ist also Lyrik?


Die Definition von Prosagedicht ist mir völlig unverständlich. Das ist Kategorie "Ein Romanautor ist ein Autor, der Romane schreibt" ... Definition eines Begriffes mit bzw. durch sich selbst. So wie "Ein Schumpklatz ist ein Klatz, der schrumpt" ... oder so ...

Damit weiß ich noch immer nicht, was sich nun eigentlich hinter "Lyrik" und "Gedicht" versteckt.

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Siegfried

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BeitragVerfasst am: 18.07.2011, 03:36
Ich schrieb auch:
Zitat:
Das ist ein Grundproblem aller modernen, zeitgenössischen Lyrik.
Durch weitgehenden Verzicht auf Reim und Metrik bleiben nur noch
Metaphorik, Zeilensprung sowie "Sprachdichte" als wesentliche
Stilmerkmale übrig.


Damit sind die Hauptmerkmale der zeitgenössischen Lyrik bereits benannt:
a) Metaphorik, b) der Zeilensprung und c) die Sprachdichte.

Im Prosagedicht verbleibt immer mindestens der Zeilensprung.


Beste Grüße

MichaelHA

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Re: ...

BeitragVerfasst am: 18.07.2011, 06:19
Nachricht gelöscht


Zuletzt bearbeitet von Klaus D. Klimke am 10.11.2011, 06:23, insgesamt einmal bearbeitet

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BEI IKEA

BeitragVerfasst am: 18.07.2011, 10:00
BEI IKEA

Ich sitze gemütlich
bei Ikea morgens
auf einer Bank.
Gegenüber streiten
sich Kunden
über ihren
neuen Schrank.
Mich kann der
morgendliche Zank
gar nicht bedrücken,
denn diese Bank
die stärkt meinen
Rücken.

(Michael Heinen-Anders)

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