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Das Päckchen

BeitragVerfasst am: 24.03.2008, 15:08
Das Päckchen

Christine freute sich. Morgen war ihr Geburtstag. Der Zehnte ! So wichtig für sie, war sie nun doch fast erwachsen.
Sie lag auf ihrem Bett, den Teddy aus ihrer Babyzeit fest in ihrem Arm. Der Teddy war ihr Freund. Ihm vertraute sie alles an. Unzählige Tränen hingen in seinem alten, braunen Plüsch. Er war immer da, wenn sie sich alleine fühlte, Trost benötigte.
Heute erzählte sie Teddy was sie sich für morgen wünschte. Ein Handy, so wie es die Kinder in ihrer Klasse hatten. Die neue Jeanshose, die sie zuletzt in der Stadt im Schaufenster gesehen hatte. Und einen neuen Schulranzen. Immerhin kam sie in diesem Jahr in eine andere Schule. Und eine Geburtstagstorte mit zehn Kerzen..
So in ihre kleinen Wünsche vertieft, schlief sie mit Teddy ein.
Früh am Morgen erwachte Christine, hüpfte aus dem Bett, tapste mit nackten Füssen über den kalten Boden ins Bad, wusch sich mit dem eisigen Wasser, das eher spärlich aus dem rostigen Hahn heraus kam und zog sich an.
Erwartungsvoll ging sie in die Küche.
Ihre Mutter war schon auf, nahm sie in die Arme und gratulierte ihr zu Ihrem Geburtstag. Traurigkeit und Verzweiflung lag in dem Blick der Mutter, aber sie drehte sich von Christine weg, damit sie es nicht sehen konnte.
Ein kleines Päckchen lag auf dem Tisch.
Christine setzte sich auf einen der beiden Stühle und öffnete es mit zittrigen Händen.
Zum Vorschein kamen ein Paar Strumpfhosen und eine rote Wollmütze.
Es war fast Winter.
Christine bedankte sich lächelnd bei ihrer Mutter, ging in ihr kaltes Zimmer, nahm den Teddy ganz fest in ihre Arme und weinte den tiefen Schmerz der Armut in sein Fell.
 
  floatexpert 
 
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BeitragVerfasst am: 25.03.2008, 12:45
Das ist flüssig und einprägsam geschrieben. Möglicherweise aber durchkreuzt der Geburtstagswunsch der Tochter den anvisierten Effekt des Textes. Denn die Vorstellung einer Zehnjährigen, die mit einem Handy in der Gegend herumläuft und sich schon frühzeitig in den Handy-Wahn der Erwachsenenwelt einübt, scheint mir nicht allgemein konsensfähig zu sein, so daß sich bei manchen Lesern der gegenteilige Effekt einstellen könnte ("GottseiDank hat sie nicht die Kohle dafür..."). Würde etwas Unverfänglicheres nehmen, z.B. das neueste Harry-Potter-Buch oder so.

"...und weinte den tiefen Schmerz der Armut in sein Fell" klingt für meinen Geschmack zu pathetisch und scheint mir auch entbehrenswert zu sein. Reicht doch das schlichte "... und weinte". Die Message "Armut schändet" ist nach meinerm Dafürhalten doch bereits in dem Satz:

Zitat:
Traurigkeit und Verzweiflung lag in dem Blick der Mutter, aber sie drehte sich von Christine weg, damit sie es nicht sehen konnte.


rübergekommen.
 
  Tommy 
 
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BeitragVerfasst am: 25.03.2008, 17:22
Hallo Tommy

Vielen Dank für deine Nachricht. Ich werde mir über die angesprochenen Worte etc. mal kräftig Gedanken machen thumb up

Lieber Gruß

Viola
 
  floatexpert 
 
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BeitragVerfasst am: 25.03.2008, 17:30
Ich verstehe Tommy vollständig, was die Handy-Frage betrifft.

Zu bedenken gebe ich nur, dass ein solcher Wunsch immerhin zu etwa 120 Prozent die Wirklichkeit widerspiegelt.

Gut, dass ich das nicht entscheiden muss... Wink
 
  Irrlicht 
 
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BeitragVerfasst am: 25.03.2008, 18:16
Mir fällt an dem an und für sich gut geschriebenen Text nur eines auf: Ein zehnjähriges Kind wüsste wohl Bescheid über die Armut zu Hause und müsste daher wissen, dass seine Wünsche unerfüllt bleiben.

Jedenfalls war's bei mir so, allerdings in den Nachkriegsjahren, in denen ich mir im Alter von sechs Jahren einen Tretroller wünschte, jedoch wusste, dass ihn mir die Mutter niemals kaufen könnte. Ich war deshalb auch nicht traurig, denn mir war bewusst, dass es anderen Kindern in der Nachbarschaft diesbezüglich auch nicht viel anders erging.

Da ich kinderlos bin, weiß ich allerdings auch nicht über Verhaltensweisen jetzt aufwachsender Mädchen und Buben so gut Bescheid. Meinen uralten braunen Teddy habe ich heute noch vis a vis von mir auf dem Diwan sitzen. Er schaut mir beim Tippen zu. Laughing
 
  hwg 
 
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BeitragVerfasst am: 25.03.2008, 19:28
@hwg

Danke für deine Nachricht.
Natürlich weiß das Mädchen um die Armut, aber sie hatte die Hoffnung es würden sich ihre Wünsche doch erfüllen..
Ich habe vier Kinder und weiß wie klein oder groß die Wünsche sind und nicht alle sind zum Erfüllen (zum Glück, muss auch nicht sein,finde ich).

cheezy grin mein teddy ist mittlerweile 36 Jahre alt und immer noch im Einsatz..Nun bei meinem Jüngsten...

Liebe Grüße
 
  floatexpert 
 
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BeitragVerfasst am: 25.03.2008, 19:41
@ hwg

Zitat:
Ein zehnjähriges Kind wüsste wohl Bescheid über die Armut zu Hause und müsste daher wissen, dass seine Wünsche unerfüllt bleiben.


Für den normalen Alltag gebe ich dir absolut recht. Der Geburtstag ist aber ein Sonderfall. Da überwiegt die Hoffnung, dass vielleicht doch ein kleines Wunder geschieht.

Die Wünsche, die Viola beschreibt, sind auch durchaus real.

@ Viola

Zitat:
den tiefen Schmerz der Armut


Das würde ich auch etwas ändern. Finde ich persönlich auch etwas zu viel.

LG Claudia

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BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 09:03
...ist auch wieder wahr, das mit dem Wünschen dürfen.
Unerfüllte Wünsche gibt es ja auch bei uns Erwachsenen. Laughing

Der Text von Floatexpert hat mich jedenfalls dazu animiert, an meine Kindheit zurückzudenken und meinen Beitrag spontan zu tippen.
Allein schon deswegen finde ich die Geschichte lesenswert.
 
  hwg 
 
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BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 09:22
Liebe Viola!

Ich möchte dich auch wissen lassen, dass mir beim Lesen deines Textes mein "Feti" in Erinnerung kam - und dafür danke ich dir!
Ein Stofftier, das wirklich Freud und Leid mit mir teilte!

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BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 16:22
@julia-viola

cheezy grin
Ja, da werden Kindheitserinnerungen wach..
Was gibt es schöneres als die Stofftiere der alten Zeit zu knuddeln, weiter zu geben..

Schönen Mittwoch

LG
Viola
 
  floatexpert 
 
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BeitragVerfasst am: 09.05.2008, 19:56
Ich finde es berührend und flüssig geschrieben ... thumb up

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BeitragVerfasst am: 09.05.2008, 20:14
Danke @ skipteuse hüpf (mir war gerade danach)..lächel

Liebe Grüße und schöne Pfingsttage

Viola

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