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Der König der Schachtelsätze

BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 10:12
Guten Morgen
Eine Schwäche von mir, sind leider meistens sehr verschachtelte Sätze. Ich kann einfach nicht anders. Gut, wenn ich mir ganz besonders Mühe gebe, kann ich die Sätze auch kürzer schreiben.
Allerdings habe ich mit Entzücken bemerkt, dass offenbar auch Daphne du Maurier unter diesem Syndrom litt.

Hier mal ein Beispielsatz aus einer meiner Geschichten. Findet ihr diesen Satz komplett daneben, oder könnte man das auch so stehen lassen?

Luc begleitete den sichtlich verstörten Monsieur Xavier hinaus auf die Strasse, während die übrigen Anwesenden ans Fenster eilten, wo man sehen konnte, wie Luc gestikulierend noch einige Sätze mit dem alten Herrn wechselte, ihm schließlich freundlich die Hand schüttelte, um kurz darauf schnellen Schrittes wieder ins Haus zurückzukehren.
 
  Duval 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 10:17
Eine Schwäche zu haben für heißt nicht unbedingt, dass es eine Schwäche ist.
Ich selber mag Schachtelsätze auch, wenn sie sich mit anderen die Waage halten. Warum auch nicht. Für kinderbücher natürlich weniger geeignet, sind solche Sätze literarisch durchaus einfach schön zu lesen und manchmal auch ein regelrechter Genuß.
Also nicht gleich verteufeln.

G

Lorenz

PS: der Beispielsatz ist doch prima zu lesen und zu verstehen thumb up
nur vor das letzte "um" würde ich ein "und" setzen.
 
  LOFI 
Gast 
 
 
   
   

Re: Der König der Schachtelsätze

BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 10:24
Hallo Duval,

Duval hat Folgendes geschrieben:
Eine Schwäche von mir, sind leider meistens sehr verschachtelte Sätze.


Dein Beispielsatz ist aber alles andere als ein Schachtelsatz. Schachtelsätze liebe ich, weil sie - gut formuliert - für mich einen spielerischen Umgang mit der Sprache beinhalten.

Bei deinem Beispielsatz handelt es sich aber um einen Bandwurmsatz, der meiner Meinung nach nur dadurch zu rechtfertigen ist, dass du dir nicht ständig Gedanken über die Satzanfänge machen musst.

Beste Grüße,

Heinz.

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  hawepe 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 10:30
Hallo Lorenz,

LOFI (Moderator) hat Folgendes geschrieben:
PS: der Beispielsatz ist doch prima zu lesen und zu verstehen thumb up
nur vor das letzte "um" würde ich ein "und" setzen.


Alleine dieser Satz würde mir schon reichen, das Buch NICHT zu lesen. Mich stört allerdings nicht das "um", sondern das "wo man sehen konnte". Solche Formulierungen gehen nach meinen Beobachtungen häufig mit Bandwurmsätzen einher.

Beste Grüße,

Heinz.

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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 10:35
Heinz javascript:emoticon('Sad')
Sehr kritisch von dir. Aber ich bin froh um jede Meinung darüber. Danke euch.
Lofi findet es nicht schlimm und du musst fast erbrechen.
Weitere Meinungen bitte dazu, ich bin sehr motiviert hier zu lernen.
 
  Duval 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 10:46
Hallo Duval,

als Schüler und später Student war ich da auch nicht so kritisch, aber da reichte mir eine Stunde Schlaf, um den nächsten Tag zu überstehen. Auf gut Deutsch: ich habe viele Nächte bis zum Morgen lesend verbracht.

Heute kann ich zwar auch noch Nächte durch lesen, aber der nächste Tag Sad

Gleichzeitig ist die Zahl der Bücher, die ich lesen möchte, keineswegs zurückgegangen. Also bleibt mir gar nichts anderes übrig, als sehr, sehr sorgfältig auszuwählen.

Beste Grüße,

Heinz.

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  hawepe 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 10:51
Duval hat Folgendes geschrieben:
Heinz javascript:emoticon('Sad')
Sehr kritisch von dir. Aber ich bin froh um jede Meinung darüber. Danke euch.
Lofi findet es nicht schlimm und du musst fast erbrechen.
Weitere Meinungen bitte dazu, ich bin sehr motiviert hier zu lernen.


Ich finde, es sollte ausgeglichen sein. Die Mischung machts, denn dadurch wird die Vigilanz beim Lesen immer aufs Neue angeregt.
Ich finde nichts langweiliger und leiernder, als permanent hintereinander möglichst kurze Sätze zu schreiben, genauso, wie einen Endlossatz an den anderen zu hängen. Im ersten Fall läßt die Aufmerksamkeit durch den Rhythmisierungsautomatismus nach und im zweiten Fall schaltet die Aufmerksamkeit durch baldige Überforderung schnell ab.

G

Lorenz
 
  LOFI 
Gast 
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 10:58
Hallo Lorenz,

LOFI (Moderator) hat Folgendes geschrieben:
Ich finde nichts langweiliger und leiernder, als permanent hintereinander möglichst kurze Sätze zu schreiben, genauso, wie einen Endlossatz an den anderen zu hängen.


Volle Zustimmung Smile

Lange Sätze sind aber nicht zwangsläufig Bandwurmsätze. In Bandwurmsätzen werden einfach mehrere Sätze hintereinandergehangen und nur mehr oder weniger gelungen miteinander verbunden.

Lange Sätze müssen dagegen komponiert werden und stellen oft wahre Kunstwerke für sich da. Zwischen sie gehören deshalb auch unbedingt Ruhezonen in Form von kurzen Sätzen.

Ich habe jetzt leider keine Zeit, Beispiele zu suchen, weil ich eigentlich am Streichen bin und nur zwischendurch immer wieder an den PC springe.

Beste Grüße,

Heinz.

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  hawepe 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 11:09
"...wo man sehen konnte..." da gehts mir genau so wie Heinz der vermutlich seine Wände streicht und nicht aus dem Text am Streichen ist, da er äußerte, selten am PC zu sitzen.

Ist der Hang zu Schachtelsätzen ein Syndrom??? Das Schachtelsatzschreibsyndrom?

Meine Ansicht: Ein wohlkomponierter und für den Leser verständlicher Satz darf durchaus länger sein, sofern Worthülsen und Füllwörter nicht darin vorkommen.

Gruß
Haifischfrau
 
  Haifischfrau 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 11:10
Den Satz an sich finde ich - mit dem "Um" - völlig okay... Laughing
Auch ich habe beim Schreiben ein Faible für (zu) lange Sätze,
beim Lesen allerdings etwas weniger... Laughing

Die Kunst, möglichst allgemein verständlich zu schreiben, be-
steht allerdings im Weglassen (von Wörtern, ja ganzen Sätzen).
Nicht weil Autor und/oder Leser nicht "wortgewaltig" genug wären,
sondern weil sich in den letzten Jahren die Lesegewohnheiten
(junger Leute) geändert haben.

Ein Autor, der seine Werke gedruckt und gelesen sehen will,
sollte sich eher an (künftige) Literaturkonsumenten orientieren,
weniger an Germanisten-Vorschriften (wobei ich persönlich
nichts gegen studierte Deutschkönner habe Laughing , allerdings
manches gegen deren Auffassungen von "Literatur fürs Volk"). Laughing
 
  hwg 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 11:12
Vorhin habe ich wohl Laughing
zu oft gedrückt...Sorry! angle
 
  hwg 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 11:15
Ich bin hell begeistert von euren Kritiken und Anregungen. Herzlichen Dank dafür. So muss das sein und man kann etwas lernen.

Hier noch eine Passage von der Meisterin herself, Dame Daphne du Maurier. Aus dem Werk "Wenn die Gondeln Trauer tragen".

"Die fantastische Geschichte, die er und Laura sich in Torcello ausgedacht hatten, als sie die Zwillinge zum ersten mal sahen, entsprach plötzlich mit der Folgerichtigkeit eines Alptraumes den Tatsachen, denn die Frauen waren wirklich getarnte Verbrecher, Männer mit kriminellen Absichten, die ihre Opfer in eine Falle lockten, um ihnen ein schreckliches Verderben zu bereiten."
 
  Duval 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 11:24
Es gibt Dichter - Thomas Bernhard mag als e i n Beispiel gelten -,
die mit einem Satz mehrere Buchseiten füllen (können, im Falle von
Bernhard konnten) und trotzdem begeisterte Leser finden. Diese
sind, glaubt man entsprechenden Umfragen, jedoch in der Minderheit.

Übrigens, Bernhards Bücher fanden (im Gegensatz zu seinen Theater-
stücken) erst nach des Dichters (ja, Dichter!) Tod stärkeres Kauf-
interesse.

Wir wollen ja aber noch zu Lebzeiten Erfolg haben, oder?
 
  hwg 
 
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Re: Der König der Schachtelsätze

BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 11:26
Duval hat Folgendes geschrieben:

Luc begleitete den sichtlich verstörten Monsieur Xavier hinaus auf die Strasse, während die übrigen Anwesenden ans Fenster eilten, wo man sehen konnte, wie Luc gestikulierend noch einige Sätze mit dem alten Herrn wechselte, ihm schließlich freundlich die Hand schüttelte, um kurz darauf schnellen Schrittes wieder ins Haus zurückzukehren.


Was ich viel schlimmer finde als die Länge des Satzes, ist dieses grottenhässliche "man". Wer ist "man"? Ein "man" ist immer ein Zeichen dafür, dass der Autor nicht genau benennen will oder kann, um wen es geht.

Also: Streiche den Satzteil mit dem "man" und setze dort einen Punkt.

Luc begleitete den sichtlich verstörten Monsieur Xavier hinaus auf die Strasse, während die übrigen Anwesenden ans Fenster eilten. Luc wechselte gestikulierend noch einige Sätze mit dem alten Herrn, schüttelte ihm schließlich freundlich die Hand und kehrte kurz darauf schnellen Schrittes wieder ins Haus zurück.

Alternativ, wenn die Beobachtung der anderen vom Fenster aus relevant ist, auch so:

Luc begleitete den sichtlich verstörten Monsieur Xavier hinaus auf die Strasse, während die übrigen Anwesenden ans Fenster eilten. Sie sahen, wie Luc gestikulierend noch einige Sätze mit dem alten Herrn wechselte, ihm schließlich freundlich die Hand schüttelte und kurz darauf schnellen Schrittes wieder ins Haus zurückkehrte.

Du musst aber auf jeden Fall auf die Erzählpersepktive achten. Ich hoffe, dass die Erzählperspektive vorher nicht bei Luc lag, denn mit dem Wechsel auf die anderen am Fenster brichst du mit der vorherigen Erzählperspektive (es wäre dann besser, die Personen am Fenster aus der Sicht von Luc zu beschreiben).

Grüße
Siegfried
 
  Siegfried 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2008, 12:43
Duval hat Folgendes geschrieben:
"Die fantastische Geschichte, ...


Oh Gott! shocked eyes Ich würd's gleich wieder ins Regal stellen (im Buchladen, nicht daheim)!

Siehe dazu auch meinen Thread zum "Anfang Mädchenroman" in der Mitglieder-Rubrik.

Grüßle,
Judith

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