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Der Zölibat und seine Folgen •Problemanalyse und sozialpädag

BeitragVerfasst am: 19.07.2009, 23:54
Titel: Der Zölibat und seine Folgen •Problemanalyse und sozialpädagogische Überlegungen
Autor: Antje-Marianne Di Bella

Verlag: Grin-Verlag München
ISBN: ISBN (E-Book): 978-3-638-45118-5 ISBN (Buch): 978-3-638-68770-6
Seiten: 264
Preis: 59,95

Der Autor über das Buch:

Diese Arbeit zusammenzustellen bedeutete für mich viele Gespräche, bei denen gesunde Skepsis angebracht war, Mühe der Nachforschung und immer wieder unangenehme Erfahrungen. Wo ich den Zölibat auch ansprach, bekam ich sofort interessierte Zuhörer. Ja, es ist zu sagen: Das Thema erregt das Interesse, weil es sich um eines der letzten Tabus in dieser Gesellschaft handelt.
Gern hätte ich diese Arbeit auf die Basis eigener empirische Erhebungen gestellt, jedoch mußte ich festzustellen, daß dies mit den üblichen Methoden nicht durchführbar war.
Die Priester reagierten ausgesprochen abweisend auf die Absicht, einen anonymen Fragebogen vorgelegt zu bekommen. Allerdings gab es mehrere Priester im Amt, die bereit waren, mit mir zu diskutieren bzw. mir sogar ein mehrstündiges Interview über die Inhalte des theologischen Teils dieser Arbeit zu gewähren. Dabei kam es auch zur Beantwortung persönlicher Fragen.
Ich bemerkte, daß bei den von mir befragten Priestern im Amt wenig Interesse bzw. nur vage Kenntnis bzgl. der geschichtlichen Ursprünge des Zölibats vorhanden ist. Auch über die Bedingungen und Folgen beim Ausscheiden aus dem Amt waren sie kaum informiert.
Kurzum, zur Thematik Zölibat und Folgen“ konnte ich durch Gespräche lediglich ganz verschiedene Ansichten ausmachen.
Was die Abschaffung des Zölibats betrifft, so schwankten die Denkweisen von der Möglichkeit des einfachen Streichens, dem Zölibat als Politikum - und daher aus der Hierarchie nicht wegdenkbar - bis zur Notwendigkeit der Einberufung eines neuen Konzils.
Was also die Streitfragen der kirchlichen und außerkirchlichen Sicht um das Verständnis des Zölibats an sich und in Bezug auf unsere Zeit angeht, so waren auf empirischem Wege nur extreme Meinungen zu verzeichnen, je nach Standort der Person. Jeder verteidigte eben den Boden, auf dem er steht.
Eine objektive Sicht ist daher, so dachte ich, nicht aus der empirischen Befragung, sondern nur aus den wissenschaftlichen Fakten zu gewinnen. Nach Hinzuziehung entspechender Werke wurde mir allerdings klar, daß ich es mit Theorien zu tun habe, sowohl theologisch wie psychologisch. Ich mußte feststellen, daß es auch hier keine Gewißheit gibt. Theorie ist nie die ganze Wahrheit. Der Mensch und sein konkretes Erleben muß in seiner ganzen Subjektivität mit einbezogen werden.
Aus diesem Grund wendete ich mein Augenmerk fort von den amtierenden Priestern und wissenschaftlichen Büchern, hin zu Priestern, die den Schritt hinaus bereits wagten, ihr Amt aufgaben und aus ihrer neuen Perspektive nun offen und ehrlich über ihre Erlebnisse und über ihre theologischen Erkenntnisse schreiben. Ich beschäftigte mich mit den Schriften von verheirateten Priestern. Dabei erkannte ich, daß hier oft eine klarere Sicht der Verhältnisse zu verzeichnen ist, ... aber auch Bitterkeit.
Nun versprach ich mir den wirklichen Überblick von einem, der, nach seinen Büchern zu urteilen, es wissen müßte. Ich traf Eugen Drewermann. Ich war nicht wenig überrascht darüber, daß seine Ansicht über Glauben und Kirche inzwischen so weit gediehen ist, daß er keinen Stein mehr auf dem anderen läßt:
„Ich will keine Kirche reformieren! Ich will gar keine Kirche mehr! Liebe leben- Gottes Liebe leben, in die Gesellschaft hineinströmen, keine Festschreibungen, keine Bibel, keine Kultveranstaltungen, keine Massenversammlungen, nur lieben! Gott ist Liebe!“
Nach dieser Aussage erübrigte sich jede Frage nach dem Zölibatsverständnis.
Schließlich nahm ich den Anspruch, die objektive Sicht der Dinge herauszufinden, zurück und gab mich damit zufrieden, die einzelnen Fakten, die das Thema ausmachen, so gründlich wie möglich, darzustellen. Dabei ging ich davon aus, daß Ethik und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen, und die Entstehung von Traditionen immer in ihrem Kontext gesehen werden muß.
Ich stellte deshalb Theorie und Praxis gegenüber, was durch Beiträge der vom Zölibat betroffenen Priester und Frauen eine sehr erschütternde Komponente erfuhr. Zweifelhafte und peinliche Enthüllung kirchlicher Praktiken im Umgang mit ihren ‘unliebsam gewordenen Amtsträgern‘ kamen zum Vorschein. Gleichzeitig wurde klar, daß der Sinn des Zölibats in der heutigen Gesellschaft nicht mehr greift und somit die ganze Zeichenhaftigkeit sowie die Kirche, die daran anscheinend unbeirrbar festhält, stark zu hinterfragen ist.
Eine weitere Erfahrung mußte ich mit der Selbsthilfeorganisation der vom Zölibat betroffenen Frauen machen. Nach Aussage der Leiterin versteht sich die „Initiative der vom Zölibat betroffenen Frauen“ als informelle Gruppe und will diesen Status auf keinen Fall überschreiten. Es wurde betont, daß die Frauen sich nur miteinander austauschen möchten und keine professionelle Gruppenarbeit wünschen - womit sozialpädagogische bzw. therapeutische Hilfsmaßnahmen gemeint sind -. Eine allgemeine Abstimmung fand jedoch in dieser Hinsicht nie statt.

Das Ziel dieser Arbeit, die Erstellung eines Konzeptes für organisierte Hilfsmaßnahmen, wurde also von denen, für die es ausgearbeitet werden soll, zunächst abgelehnt.
Ich fand ein Konstrukt, das alle Möglichkeiten der notwendigen Hilfe in einer Körperschaft vereinigt und zugleich Arbeitsplätze schaffen würde. Über die Chancen, solch eine Projekt ins Leben zu rufen, sprach ich mit Eugen Drewermann, von dem ich Unterstützung in diesem Anliegen erhoffte. Er hielt das Konzept für beachtenswert und gab mir eine Adresse, um damit einer Verwirklichung Hilfestellung zu leisten. Ich wandte mich auf diesem Weg an die „Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen“, die ich für den zur Verwirklichung des Projektes geeigneten Personenkreis hielt.
Da die Zeit des Kirchenvolksbegehrens äußerst günstig dafür schien, hoffte ich, daß am Ende eine größere Institution ins Leben gerufen werden könnte. Das war im September 1995.
Auf diese erste persönliche Inangriffnahme der Angelegenheit erhielt ich jedoch nie eine Antwort.
Erst im Oktober 1996, als der Chefredakteur des „Publik-Forums“ diese Arbeit las, kam die Sache in Gang. Er interessierte sich besonders für das Konzept „Lichtblick“ und veröffentlichte eine Interpretation darüber. Daraufhin schrieb der Schriftführer der VkPF in einem Leserbrief an das Publik Forum und teilte darin mit, wie sehr sich die Vereinigung der verheirateten Priester ... für meine Diplomarbeit und für das erwähnte Konzept interessiere. Nun kam also der Kontakt zur „Vereinigung der verheirateten Priester und ihrer Frauen“ zustande. Ich wurde zur Jahreshauptversammlung nach Bendorf eingeladen. Einer Verwirklichung des Projektes scheint aber die schlechte finanzielle Lage entgegen zu stehen. Es fehlt an Sponsoren. So wäre zunächst ein höherer Bekanntheitsgrad der Hilfen, die von der Vereinigung geleistet werden, wünschenswert. So der Stand der Dinge im März 1997.
Die Anliegen dieser Arbeit, die 1997 gefertigt wurde, sind heute noch genauso dringend wie damals, daher wurde sie 2007 als Buch veröffentlicht.
Sie ist unter anderem unter diesem Link /www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/48398.html einsehbar und zu kaufen.
Antje Di Bella

Inhalt:

Vorwort 8
Ich will gar keine Kirche mehr! 8
Einleitung: Problemerhebung: 10
I. 12
Darstellung der geschichtlichen, ideellen und theologischen Hintergründe des Zölibats, 12
Darstellung und Hinterfragung des katholischen Kirchenrechts in bezug auf die Zölibatsgesetzgebung, 12
Zusammenfassung und Analyse 12
Definition des Zölibats 12
1. Der Konzilstext 12
2. 13
Theologische Analyse 13
3. 16
Die Geschichte des Zölibats 16
3.1. Die Entstehung des Klerus 16
3.2. Das Mittelalter 19
3.3. Die Reformationszeit 19
3.4. Die Neuzeit 21
3.5. Die heutige Zeit 21
3.5.1. Die Spaltung zwischen Klerus und Laien 22
3.5.2. „Professio fidei“ 23
3.5.3. Die jüngsten Ereignisse in Pressemeldungen 24
3.5.4. Der Zölibat und die Glaubenskrise 29
Jesu Aussage zum Thema der Ehelosigkeit hebt die freie Entscheidung an sich hervor. „...wer es fassen kann, der fasse es“ (Mat.19,12). 29
Papst Johannes Paul II. 1979 in einem Schreiben an alle Priester: 29
4. Zölibat und Recht 30
4.1. Das katholische Kirchengesetz 30
4.2. Die wichtigsten für den Zölibat relevanten Gesetze des Codex Iuris Canonici von 1983 (49) 31
4.2.1. Das Konkubinat 33
4.2.2. Dispens 34
4.2.3. Unterhaltsanspruch 36
4.2.4. Nothilfe 36
4.3. Kann der Zölibat abgeschafft werden? 37
4.4. Aspekte der zunächst möglichen Fortentwicklung bzw. der Veränderung 39
5. Theologische Analyse: 40
Theorien kirchengeschichtlicher Hintergründe des katholischen Glaubensgefüges mit Folgerung auf den Zölibat 40
5.1. Vom Verständnis der Heiligkeit und Reinheit 40
a) Kultische Reinheit 41
b) Jesus und sein Standpunkt zur Reinheit 41
c) Sakramental 42
5.2. Die kirchengeschichtlichen Hintergründe des früh- und altkatholischen Glaubensgefüges 44
5.3. Geschichtliche Zusammenfassung 46
Abschließende theologische Erkenntnisse bzgl. des Priesteramtes und der möglichen Aufhebung des Pflichtzölibats 46
a) Geschichtliche Zusammenfassung 46
b) Abschließende theologische Erkenntnisse bzgl. des Priesteramtes und der möglichen Aufhebung des Pflichtzölibats 46
46
II. Aktuelle Ansichten und theologische Erklärungen über den Zölibat 48
1. Glaube in unserer Zeit 48
1.1. Die heute am häufigsten angewandten Argumente gegen den Zölibat: Eine Gemeinde stellt Fragen 50
2. Die heute am häufigsten angewandten theologischen Argumente : 56
2.1. Analyse der heutigen Argumente für den Zölibat 56
b) Apostolisches Wirken für das Reich Gottes 57
c) Jungfräulichkeit und Maria 60
d) Jungfräulichkeit und das engelsgleiche Leben 62
III. Der Zölibat aus der Sicht anderer Wissenschaften 64
1. Zölibat und theologische Ethik 64
2. Der Zölibat in den Humanwissenschaften 67
2.1. Psychologie: Enthaltsamkeit in der Psychoanalyse 69
2.2. Psychologie: Der Zölibat und die Formen der Angst 70
2.2.1. Zölibat und Schizoidie 73
a) Der Schizoide und die Liebe 74
Alarmzeichen : 74
b) Lebensgeschichtlicher Hintergrund 77
c) Zusammenfassung: 79
3. Der Zölibat in der Sozialwissenschaft 81
3.1. Sozialethik: 81
Der Zölibat im Vergleich zur Gesellschaftsanalyse Erich Fromms: Haben oder Sein 81
3.2. Zölibat und soziale Umwelt 83
I. Problemdarstellung und Analyse bezüglich der Priester: 84
1. Die Zölibatsproblematik unter folgenden Aspekten: 84
a) Motive zur Berufswahl und der Zwang zur Ehelosigkeit Auszüge aus autobiografischen Berichten 84
b) Die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit in Bezug auf Nähe und 85
Distanz, Christsein und Gesetz 85
2. Einbruch der Liebe ins Priesterleben und die damit auftretenden Probleme 88
2.1. Schilderung des typischen Ablaufes einer Priesterliebe mit dem Schwerpunkt der Selbstfindung 93
2.2. Erlebnisbeschreibungen mit dem Schwerpunkt der Bedrängnis von außen 94
2.3. Erlebnisbeschreibung mit dem Schwerpunkt des Verbleibens im Amt und der damit verbundenen Konsequenzen 95
Dieter Kittlauß, verheirateter Priester aus Bendorf‘/Neuwied schreibt: 97
2.4. Anfragen an die Identität des verheirateten Priesters 97
3. Zusammenfassung: Analyse der Problematik bzgl. der Priester 98
II. Problemdarstellung und Analyse der mit Priestern liierten Frauen 102
1. Probleme und Einsichten 102
1.1. Der Zölibat, wie Frauen ihn erleben 103
1.2. Die Frauen 103
2. Darstellung der Beziehungen aus der Sicht der Frauen: 105
a) Stagnierte Beziehungen 105
b) Heimliche Beziehungen 108
c) Legitimierte Beziehungen 114
d) Priesterkinder: 116
3. Analyse der Problematik bezüglich des Ausscheidens aus dem Amt und deren Auswirkungen auf das Verhalten gegenüber Frauen und eigenen Kindern als Grunderkenntnis für die Folgen 120
III. Statistische Erfassung der Folgen des Zölibats am Ende des 20.Jahrhunderts 122
Der Theologe Wolf Weber aus München sandte mir ein Essay, das auf erstaunlich komprimierte Weise das von mir bearbeitete Thema darstellt. 122
Statistische Werte: 122
IV. Empirische Forschungsergebnisse über die Thematik 124
1. Zur geistigen Schulung der Kleriker: Neurotische Idealbildung 124
2. Schuldgefühle, Entstehung und Wirkung 124
3. Laisierungschancen bei Nachweis einer Triebanomalie 125
4. Zum objektiv etablierten System der sozialen Strafe 125
I. Sozialpädagogische Überlegungen, 127
Darstellung der Hilfsinitiativen und deren Tätigkeiten und Ziele, 127
Aufzeigen weiterer Möglichkeiten und Erstellung eines Konzeptes 127
1. Identitätsaufbau 127
1.1. Leben in gebrochener Identität 128
1.2. Die psychoanalytische Beratung 130
2. Darstellung der bereits vorhandenen Initiativen und deren Möglichkeiten und Ziele 131
a) Die Initiative der „Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen e.V.“ 131
b) Die Initiativgruppe der vom Zölibat betroffenen Frauen 132
3. Aufzeigen von weiteren Hilfsmöglichkeiten 135
Entwurf eines Projektes 135
Ziele: 136
Beratungskonzept: 138
Tätigkeitsfelder: 138
Gruppenziele: 139
SCHLUSS 140
1. Zölibat , die Er - Lösung vom Menschsein? 140
2. Beantwortung der Fragen aus der Einleitung: 142
 
  Anna48 
 
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BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 10:19
ohja! Hallo!
Immer wieder ein spannendes Thema. Kann die Arbeit für Gott und den Menschen ein Pflichtzölibat rechtfertigen? Natürlich nicht. Und ich bin fest davon überzeugt, dass dies der derzeitige Papst auch so sieht. Aber der Zölibat und seine dogmatische Aufrechterhaltung hat soviel Leiden in Vergangenheit und Gegenwart produziert, dass man sich wohl sehr schwer tut, zuzugeben, sich damit sehr schuldig gemacht zu haben.
Natürlich kann man den freiwilligen Zölibat für den Dienst im Glauben als Lebensform würdigen. Aber so etwas lebenslänglich zur Verpflichtung zu machen, ist ein katastrophales Unding.
Interessant zu lesen, wo Drewermann heute steht: „Ich will keine Kirche reformieren! Ich will gar keine Kirche mehr! Liebe leben- Gottes Liebe leben, in die Gesellschaft hineinströmen, keine Festschreibungen, keine Bibel, keine Kultveranstaltungen, keine Massenversammlungen, nur lieben! Gott ist Liebe!“
Und er hat Recht. Gott ist Liebe. Und damit hat er natürlich auch schon die Bibel zitiert. Das Auflösen allen kirchlichen Lebens zu wünschen, finde ich übertrieben. Aber Kirche muss lebendig sein. Und nicht mit beiden Ohren an der Tradition und ihren Wächtern, sondern ganz nah bei den Menschen. Dann ist es auch nicht schwierig, Liebe zu leben. Und sie ist nun mal das Maß aller Dinge. An ihr ist der Pflichtzölibat schon lange gescheitert.

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"Ob Du König oder Musikgott bist, krank oder gesund, ist für deine Bilanz als Menschenkind nicht entscheidend. Diese interessiert nur die Impulse der Liebe, die du setztest, und die Barmherzigkeit, die du lebtest."
 
  Gerhard Schulz 
 
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BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 10:36
Gerhard Schulz hat Folgendes geschrieben:

Interessant zu lesen, wo Drewermann heute steht: „Ich will keine Kirche reformieren! Ich will gar keine Kirche mehr! Liebe leben- Gottes Liebe leben, in die Gesellschaft hineinströmen, keine Festschreibungen, keine Bibel, keine Kultveranstaltungen, keine Massenversammlungen, nur lieben! Gott ist Liebe!“


Hast Du den lieben Drewermann jemals lächeln sehen? Falls ja, wie oft? Dieser Mensch hat teils interessante Gedanken, aber wenn jemand mit so verbitterter, depressiver Miene in der Öffentlichkeit über die Liebe spricht, dann bin ich da gaaaaanz vorsichtig; Liebe muss man leben und zeigen können, und das kann Drewermann rein äußerlich absolut nicht, was mir sehr zu denken gibt.

@Anna48,
spannendes Thema. Viel Erfolg wünsch ich Dir, wobei der extrem hohe Buchpreis - auch wenn es ein Sachbuch ist - für mich nicht nachvollziehbar ist.
 
  malschaun 
 
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BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 10:51
ja. Drewermann ist ein bißchen starr und steinig. so, als würde ihn die Rolle, Jesus zu spielen, tierisch anstrengen.

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  Gerhard Schulz 
 
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BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 11:07
Antje-Marianne,

das Projekt ist prima. Es liest sich mehr als interessant, und die von Dir gemachten Erfahrungen decken sich in etwa mit dem, was mir selbst auch (bei freiwilligen und eher freundschaftlichen Diskussionen im Rahmen der ehrenamtlichen Jugendarbeit) so unterkam. Ich würde das wirklich gerne lesen, aber der Preis ist happig. Ich glaube, dass das Buch die entsprechende Qualität hat, und so lange Forschungsarbeit verlangt ihren Tribut, aber leisten kann ich es mir jetzt gerade nicht. Vielleicht später (bin auf Jobsuche und warte auf einen Kindergartenplatz).

Drewermann ist mir selbst als Autor diverser Märchenanalysen schon begegnet, und ich empfinde Hochachtung gegenüber diesem Menschen.

Gerhard und "malschaun", Liebe zeigt man nicht unbedingt mit der Miene, sondern in seinem Handeln und im Umgang mit anderen Menschen. Ein Lächeln kann ein Teil davon sein, muß aber nicht. Insofern wage ich nicht zu beurteilen, inwiefern der Herr Drewermann seine Anstrengungen oder seine Liebe zur Schau trägt.

Interessierte Grüße,

Bau Pau
 
  Bau Pau - Blauer Elephant 
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Antwort zu Gerhard Schulz' Beitrag

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 11:14
Ja, das hast Du wirklich wunderbar beschrieben.

Was der heutige Papst wirklich denkt, weiß man nicht. Er hat jedenfalls den Pflichtzölibat bestätigt, er hält offiziell daran fest. Wenn man allerdings sein letztes Buch: "Jesus von Nazareth" und auch die letzte Enzyklika liest, Worte von solcher Liebe, Menschlichkeit und Klugheit, dann kann man gar nicht glauben, dass er wirklich hinter dem steht, was er manchmal verkündet. Ein tragischer Fall von Gespaltenheit zwischen Amt und Person müsste man zu seinen Gunsten denken.

Ich möchte bei diesem Gedankengut auf mein neues Buch:

"Die neue Stadt- Ist diese Gesellschaft noch zu retten"
- Erich Fromm und seiner Voraussagen: Haben oder Sein -


erschienen im Grin-Verlag München,
www. grin.com/ISBN 978-3-640-34666-0,

und meinen daran anknüpfenden, weiterführenden Artikel,

Eine wirkliche Umwälzung der Persönlichkeit des Individuums könnte eine neue Gesellschaft bewirken
–Erich Fromm: Haben oder Sei
n-

den ich hier noch eingeben werde, verweisen.

Erich Fromm in seinem letzten Interview:

Letzte Mahnung
...dass die Menschen ihr Leiden erkennen mögen:
den Mangel an Liebe !!!

Das Denken von Erich Fromm und seine Voraussagen, die verblüffend eingetroffen sind, ist heute populär wie nie und man sollte sich dieses wunderbaren Sozialphilosophen entsinnen.

Antje Di Bella
 
  Anna48 
 
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Buchpreis

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 11:22
Das Buch ist auch als e-book erhältlich und zwar kostet es da 34,95 €.
auch bei www. gin.de

Wenn Ihr eine Möglichkeit habt es kostenlos oder kostengünstig auszudrucken, wäre das eine Alternative.
AL
Antje
 
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Re: Antwort zu Gerhard Schulz' Beitrag

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 11:32
Anna48 hat Folgendes geschrieben:
Ein tragischer Fall von Gespaltenheit zwischen Amt und Person müsste man zu seinen Gunsten denken.

ja, so sehe ich das auch. Er sollte sich mal selbst ein wenig in den Hintern treten.

Anna48 hat Folgendes geschrieben:
Erich Fromm in seinem letzten Interview:

Letzte Mahnung
...dass die Menschen ihr Leiden erkennen mögen:
den Mangel an Liebe !!!

wunderbares Zitat eines großen Philosophen. Unglücklicherweise ist ein solcher Mangel eine sich selbst vermehrende Erscheinung. Dieser Mangel produziert Mangel. Und läßt sich leider nicht ad hoc mit noch so überzeugenden Worten abstellen. Denn der Mangel geht einher mit dem Abgrund der Angst. Und die Angst läßt nur an die Rettung der eigenen Haut denken. Koste es was es wolle. Aber leider läßt sie nicht dem anderen liebevoll die Hand reichen.
Doch die Mangelerscheinung meint, sie würde auch lieben. Und schafft es oftmals sogar, sich zu organisieren und einen wohlmeinenden Blick auf die Gesellschaft zu suggerieren. Dahinter stecken dann aber nur die Selbstliebe und die Angst. Eine erquickende Quelle für wirklich Notleidende wird man in einer solchen Gruppe nicht finden.


Zuletzt bearbeitet von Gerhard Schulz am 20.07.2009, 11:34, insgesamt einmal bearbeitet

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Eugen Drewermann

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 11:34
Ich habe Herrn Drewermann dreimal getroffen. Er lud mich zu sich ein. Ich muss sagen, er hat sicherlich seine Probleme im Umgang mit Menschen. Am Ende eines Interviews habe ich ihn jedoch strahlen sehen. Er kann durchaus charmant sein, wenn er Vertrauen gefunden hat.
Sein Buch "Kleriker" beschreibt ja wohl letztendlich auch seine eigene psychische Problematik.

Seine Vorträge aber sind phänomenal, er hat den Sinn des Lebens voll erfasst. Sein Wissen ist unvergleichlich. Ob wir aber das, was wir erkennen, auch leben können, ob unserer seelischen Befindlichkeiten, das steht eben auf einem anderen Blatt.


Zuletzt bearbeitet von Anna48 am 20.07.2009, 19:36, insgesamt einmal bearbeitet
 
  Anna48 
 
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Re: Eugen Drewermann

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 11:36
Anna48 hat Folgendes geschrieben:
Seine Vorträge aber sind phenomenal, er hat den Sinn des Lebens voll erfasst.

Ja. Er ist tiefenpsychologisch fantastisch drauf.

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In Anknüpfung an Gerhards verblüffende Klarsicht

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 11:38
Antje-Marianne Di Bella
Eine wirkliche Umwälzung der Persönlichkeit des Individuums könnte eine neue Gesellschaft bewirken
–Erich Fromm: Haben oder Sein-


Erich Fromm stellt fest, „dass eine Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und Wandlungen des Gesellschafts-Charakters besteht, fern hin, dass religiöse Impulse die nötige Energie beisteuern, die Männer und Frauen brauchen, um tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzungen zu bewirken, und schließlich, dass nur durch einen tiefgreifenden 'Wandel des menschlichen Herzens' eine neue Gesellschaft entstehen kann, dass ein neues Objekt der Hingabe an die Stelle des gegenwärtigen treten muss.“
Der Mensch benötigt, da er unter seiner ontologischen Spaltung leidet, ein Objekt der Hingabe, eine Orientierung an einer höheren Gesetzgebung, einem 'Werteschema des Seins', um dieses Leiden zu überwinden.
Der Mensch findet innere Freiheit durch 'Unterwerfung' unter dieses Werteschema, sagen die christlichen Kirchen und Vereinigungen. Ich würde sagen: Der Mensch kann durch Orientierung an den empirischen Wahrheiten des Seins-Charakters, Richtlinien für den Weg zum 'Mensch-Sein' finden.
Eine wirkliche Umwälzung der Persönlichkeit des Individuums könnte eine neue Gesellschaft bewirken, sagt Fromm.
Ein 'tiefgreifender Wandel des menschlichen Herzens' - also des Bewusstseins auf Gefühlsebene- ist folglich auch nur affektiv, d.h. Durch positive Gefühle (Wohlbefinden. Wohlgefühl, Wohl-Sein) zu erreichen.
Jeder, der versucht hat, im Rahmen einer New Age Phase sich selbst zu erlösen, wird, wie an anderer Stelle bereits gesagt, an der Überforderung sein Denken in Positiven zu halten, bzw. an der Angst, sogar negatives Denken im Unterbewusstsein würde sich unwillkürlich verwirklichen, gescheitert sein und vielleicht dadurch ermessen können, was die Gnade eines liebenden Gottes für eine Erlösung bedeutet.
Kann ich mich selbst erlösen?
Indem ich in liebende Beziehung trete und ein Echo finde. Liebe erlöst. Liebe gibt und hat und ist alles, was menschliches Leben braucht.
Wenn ich mich bedingungslos angenommen und geliebt fühle, kann ich gelöst leben, ohne Angst.
Liebe macht, warm, hell, weich, würdig, bereit zu geben und zu empfangen, überzufließen. Sie kann und will teilen, kann sich nicht abgrenzen, muss weiterlieben, muss erleuchten, erfreuen, ausstrahlen, ist bereit zu sehen und zu lernen.
Jesus sagt, dass 'das Ganze' mit einem Wort erfasst werden kann:
L i e b e.
Das war seine Verkündigung und sein Gebot: Liebt eure Nächsten, wie ich euch geliebt habe. (Johannes)
Es benötigt nur eines Gebotes und der Weg zur Wahrheit des Seins, dem Sinn des menschlichen Lebens, ist aufgezeigt.
Der 'Wandel des menschlichen Herzens' ist nur über Liebe möglich, aber unsere Gesellschaft lebt anstatt im Wohl-Sein, im Wohlstand, anstatt in lebendiger Freude über das materiell sorglose Leben, in zwanghafter Suche nach Lebendigkeit.
Die Ahnung von Zufriedenheit wird mit unendlichen Befriedigungsversuchen durch materielle Dinge erstrebt, aber nicht erlangt.
Betäubung durch Geschwindigkeit, Vergnügen, Erfolg, Rauschmittel führt zu immer noch mehr Konsum und Überforderung, schließlich in die Krankheit und in die Angst, sowie zur Depression. Angst macht impotent in jeglichem Sinne, denn Liebe ist einem angstbesetzten Menschen im Sinne des Seins nicht möglich.
Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus?
Fassen wir mal zusammen:
Die Geschichte zeigt, dass der Haben-Modus empirisch ist.
Der Mensch braucht das Lebensnotwendige, um frei zu sein für geistige und geistliche Gedanken. (Das Haben, in gewissem Sinne, als Basis von Wohl-Sein, von Sorglosigkeit, ist für mich Voraussetzung für die Möglichkeit den Seins-Modus entwickeln und sich entfalten zu können.)
Dass Menschen nicht alle gleich sind in ihren Begabungen schaffte schließlich Klassen. Klassen brachten Ungleichheit materieller Art. Erwerb von Gütern, Erfolg führte zu Anerkennung und Macht bzw. Wirkmächtigkeit (menschliches Grundbedürfnis) und bewirkte, dass das Erwerben von Dingen zunächst ein sorgloseres Leben und notwendige Anerkennung brachte, also erstrebenswert war.
Das wurde Antrieb für Entwicklungen, Erfindungen, auch für Kunstwerke und Musikschöpfungen. Also auch für 'Seins-Ausflüsse'.
Auf jeden Fall wurde die Haben-Struktur des Menschen einerseits zum Auslöser für die Zivilisation aber andererseits auch für Konkurrenzkampf, dem die Macht des Besitzes, dann Machtgier und Krieg folgten.
Die Weisen dieser Welt fordern für den 'wahren Menschen' „die „Welt zu verachten“, d. h. den sogenannten 'weltlichen Dingen' keinen Wert beizumessen. „Wer sich im Hier einrichtet und sein Hab und Gut behalten will, wird es verlieren, wird in Angst darum leben.“
Wer aber nichts hat, kann nichts verlieren, braucht also keine Angst zu haben?
Wer aber nie etwas 'gehabt' hat, auch nicht Liebe und Geborgenheit, Anerkennung und genug zu essen, hat wohl kaum die 'Stärke zu sein'. Er wird verhaltensgestört, neurotisch leben, von Angst und Minderwertigkeitskomplexen geplagt, voller Misstrauen und jederzeit bereit sein, sein bisschen Habe mit Gewalt zu verteidigen.
Ich will sagen, dass man zu einem Seins-Bewusstsein finden kann, wenn man das Haben hinter sich lassen kann, es erlebt hat und es nicht mehr braucht, weil die geistigen und geistlichen Werte an die Stelle materieller Werte getreten sind.
Der Seins-Modus bedarf für mich einer Entwicklung, eines Wachstumsprozesses. Er kann erst einmal nur Ziel sein. Nach Erreichen eines so hohen Bewusstseinszustandes ist diese Lebensform dann Weg.
Nochmals, ich muss das Haben hinter mir lassen können, um zum Sein zu finden, dafür muss ich aber gehabt haben. Ich finde also aus dem Haben zum Sein.
Ein Kind muss Mutterliebe, Vaterliebe, Freundesliebe, Familienliebe 'haben', zunächst ganz egoistisch, um Orientierung, um seine Fähigkeit zu lieben und zu sein zu entwickeln.
Hat es diese Bedürfnisbefriedigung nie kennen gelernt, wird es ein Leben lang danach streben zu bekommen, festzuhalten, zu haben.
Die Werte des Seins und die dem entsprechende Religiosität sind nur von Menschen zu verinnerlichen, die die Werte des Seins annehmen können. Sie also gehabt haben und in ihrem Wesen entwickeln konnten, aber genau die Anderen brauchen sie mehr. Die benötigen die „Umwälzung des Herzens“... und des Lebens.
So wie Jesus zu den Armen ging und sie mit seiner Liebe heilte, so sind die Menschen, die Seins-fähig sind, aufgerufen zu heilen.
Ansonsten wird Gott eine Ideologie, etwas was Menschen vermissen und deshalb auf Gott, den Übervater oder auf Maria, die Übermutter, projizieren. Diese Überpersonen kann man lieben, ohne sich in Beziehungskrisen bewähren zu müssen, denn sie können nicht (ent)täuschen. Es gibt Menschen, die lieben nur Christus, aber nicht ihre Mitmenschen, von denen sie keine Konstanz erwarten können.
Aber das ist nicht Glaube und nicht Liebe. Das ist egozentrische Leidenschaft, ins Irreale gerichtet, Flucht vor Verantwortung. Diese Glaubenshaltung gibt es leider nicht selten in den Kirchen und Glaubensgemeinschaften, die das Leben nach dem Tod als Ziel sehen und nicht die Liebe in der Welt. Aber nur durch genau die kann sich für uns und die von uns geliebten und umsorgten Menschen auch in dieser Welt der Himmel öffnen.
Der Nächste ist in Glaubensgemeinschaften oft derjenige, der sich den gleichen Dogmen unterwirft. Solche eigentlich 'Ich' bezogene Leidenschaft und Gläubigkeit bewirkt Entfremdung von sich selbst und von der Welt.
Rollenidentifizierung, Gesetzestreue, Bürokratie und nicht eingestandene Gleichgültigkeit gegenüber den anvertrauten Menschen finden wir zu häufig. Ein durch Festschreibungen eingeschränktes Leben bewirkt all die Eigenschaften, die die, die im Sein leben sollten, in den Haben-Modus treibt.-
Diese pseudo-christliche Kirche, egal welcher Richtung, sollte einem wahren Christentum, das frei macht, weichen.
So aber untergräbt sie mit ihren autoritären Strukturen und Unterwerfungsstrategien, die die Angst als Mittel zum Zweck nutzen, den Weg der Gesellschaft zum neuen Menschen.
Diese Gesellschaft, so stellt Fromm anhand von Forschungsergebnissen fest, ist eine notorisch unglückliche Gesellschaft.
Das größte Experiment aller Zeiten weißt es nach, dass Wohlstand und Kirche (christliche Industriestaaten) das Glück des Menschen nicht bewirken konnten.
Die Voraussagen der Denker des 18.- und 19. Jahrhunderts haben sich nicht bestätigt.
Wie also würde das Modell von Fromms neuer Gesellschaft, neue Menschen hervorbringen?
Die Zeit des Überflusses sollte nicht durch Katastrophen und Angst enden. Wir müssen die Umwelt unter allen Umständen erhalten.
Der Mensch sucht durch die Übersättigung nach anderen Werten, die Ahnung vom wahren Sein ist in ihm. Gott hat dem Menschen seine „Gesetze auf Herz geschrieben“, sagt Jesus. Ist diese Zeit eine Übergangszeit, eine Lernphase, eine Entwicklungsstufe?
Wir sind auf dem Weg, auf der Suche, wir experimentieren noch. Der "Weltgeist" muss das Chaos noch ordnen, die Spreu vom Weizen trennen, die Straße zu der „neuen Stadt“ der Menschheit bahnen, würde Hegel sagen.
Nicht Theologie und Dogmen, sondern ein durch Liebe Erfasst-Sein, Erweckt-Sein, Erleuchtet-Sein, Christ-Werden, Christ-Sein, immer auch in Demut vor dem, was wir nicht begreifen, ist der Weg. Was wir selbst durch unsere Liebe als Wahrheit hervorbringen können, ist die Möglichkeit zur Erkenntnis und Heilung.
Das „Alleine“ findet seine persönliche Seins-Weise, der „Weltgeist“ die Vereinigung mit sich in der Selbstbefreiung durch Liebe, die gelebt werden muss.

Fromm befindet:
„Sünde“ ist Trennung. Trennung bringt Leid.
Leid ist so eine Folge der „Sünde“, sozusagen der „Erbsünde“.
Fromm sagt: „Trennung ist nicht durch Unterwerfung und Vergebung, sondern durch Liebe zu heilen.“
So wäre die Sünde also nicht durch Unterwerfung, sondern durch Liebe zu heilen.
So wäre eine Menschheit, die im Geist der Liebe lebt, der Erbsünde enthoben.
So wäre die „Vertreibung aus dem Paradies“ rückgängig gemacht, „das Himmelreich unter uns“, „die neue Stadt erbaut“.
Wie immer dieser „Weltgeist“ genannt wird, der sich durch besondere Menschen immer wieder offenbart und dabei seine Wahrheit und Wahrhaftigkeit durchscheinen lässt, ihn zu erkennen, zu erspüren und die dadurch uns erfüllende Freude und Wahrhaftigkeit zu leben, erschafft den „Menschen nach seinem Bilde“, macht Gott zur Wirklichkeit unter uns. Es ist für die westliche Gesellschaft vor allem Christus, der den Geist der menschlichen Wahrheit im Seins-Modus erkannte, verkündete und lebte und damit den Weg zum neuen Menschen, zum Leben selbst aufzeigte.
Es gibt für uns somit nur die Erkenntnis: Durch den Menschen erfasst der „göttliche Geist“ die Welt mit seiner Liebe. Nur so kann er wirken und bewirken. Durch den Menschen erkennt der Mensch, was Liebe, ist und sein kann. Er wird sich bewusst, dass diese Kraft des Seins ein Geschenk ist, ein alles umfassendes, alles bewirkendes, die feurige Wahrheit des Seins, der Geist, der einzig die Gesellschaft ändern kann. Der Ausdruck des Wesens eines Gottes, den wir daher als Liebe erkennen.


Marx schreibt:
Das Ziel ist die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit.
Ob man, wie Fromm, diese Aussage mit Maimonides' Erklärung:
„...die Sorge der ganzen Welt wird einzig sein, Gott zu erkennen“
gleichsetzen kann?
Ich finde jedoch meine Aussagen bei Maimonides bestätigt.

„Die Spätmittelalterliche Kultur blühte, weil die Vision von der 'Stadt Gottes' die Menschen beflügelte.
Die Gesellschaft der Neuzeit blühte, weil die Vision der 'Irdischen Stadt des Fortschritts' die Menschen mit Energie erfüllte.
In unserem Jahrhundert hat diese Vision jedoch die Züge des 'Turms zu Babel' angenommen, der jetzt einzustürzen beginnt und schließlich alle unter seinen Trümmern begraben wird. Wenn die Stadt Gottes und die Irdische Stadt These und Antithese darstellten, dann ist eine neue Synthese die einzige Alternative zum Chaos:
Die Synthese zwischen dem religiösen Kern der Spätmittelalterlichen Welt und der Entwicklung des wirtschaftlichen Denkens und des Individualismus seit der Renaissance.
Diese Synthese ist die 'Stadt des Seins'.“ Erich Fromm
Zugrunde liegende Literatur:

Fromm, Erich Haben oder Sein:
Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, 20. Auflage. Mai 1991, Deutscher Taschenbuch Verlag, München.

Funk, Rainer Mut zum Menschen: Erich Fromms Denken und Werk, seine humanistische Religion und Ethik, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.

Stern: Heinrich Jaenecke: Letztes Interview mit Erich Fromm, 1980.
 
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Re: In Anknüpfung an Gerhards verblüffende Klarsicht

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 12:01
Anna48 hat Folgendes geschrieben:
Wir sind auf dem Weg, auf der Suche, wir experimentieren noch. Der "Weltgeist" muss das Chaos noch ordnen, die Spreu vom Weizen trennen, die Straße zu der „neuen Stadt“ der Menschheit bahnen, würde Hegel sagen.

Mir ist das "noch" in beiden Sätzen zu optimistisch. Zu blauäugig. Zu kollektiv wird hier erwartet, dass ein messianischer Geist durch Bewußtseinsänderung den Weltgeist erfaßt, und das Paradies auf Erden anbricht. Das ist eine schöne Utopie. Die wird sich nicht erfüllen.
Es bleibt letztendlich nur das Individuum gefordert die Pflänzchen der Liebe weiterzugeben. Unsere Welt ist aber auch und gerade als eine konzeptionell sündige lieb zu haben. Es scheint die Lebensaufgabe des Individuums zu sein, durch lebenslängliches Lernen Selbstlosigkeit und Lieben zu optimieren.

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"Ob Du König oder Musikgott bist, krank oder gesund, ist für deine Bilanz als Menschenkind nicht entscheidend. Diese interessiert nur die Impulse der Liebe, die du setztest, und die Barmherzigkeit, die du lebtest."
 
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Antwort zu Gerhard Schulz' Beitrag

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 12:42
Ja, mit dieser Meinung scheine ich in guter Gesellschaft mit Hegel und Fromm und weiß ich nicht, mit welchen Philosophen noch zu sein. Aber richtig ist es, dass sich in den letzten 3000 Jahren am menschlichen Charakter, trotz Erhöhung des allgemeinen Bildungsniveaus, nicht viel geändert hat. So muss ich Dir auch irgendwie zustimmen.
LG
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BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 13:24
Na, aber das Bildungsniveau ist doch ein Anfang. Um es mal ganz schwarzweiß zu formulieren: Zuvor war es so, dass der Mensch sein Ding gelebt hat, und eventuell noch von seinem direkten Umfeld ein Feedback bekam (sofern es das Umfeld überlebte, siehe Kriegsgeschichte). Nun ist das allgemeine Bildungsniveau, die Alphabetisierungsrate sowie die globale Vernetzung angestiegen bzw. gewachsen. D. h. im Klartext, dass jeder Mensch zumindest mal die theoretische Möglichkeit hat, sich anzulesen oder sonstwie anzueignen, wie man es anders machen kann. Ist doch prima - das war lange Zeit nicht möglich.
Ob die Menschen diese unglaubliche Freiheit zu ihren Gunsten nutzen werden, steht auf einem anderen Blatt. Aber wenn wir alle den Kopf in den Sand stecken und davon ausgehen, dass wir ohnehin nichts tun können, dann passiert auch nicht. Wenn es alle so tun, bleibt nicht einmal jemand übrig, der die wundervolle Ansammlung von in den Himmel ragenden Popöchen bewundern könnte. Sehr deprimierend, sowas. Es ist also schon ganz korrekt und eine gute Sache, dass der Herr Drewermann wie auch andere diese Themen ansprechen und mit Vehemenz in den Köpfen zu verankern versuchen. Wenn es eine Impfung gegen Ignoranz gäbe, würden sie die wahrscheinlich zusätzlich einsetzen - aber da ist es wieder: "wenn".
Insofern bin ich froh, dass es viele Menschen gibt, die angesprochene Autoren lesen und dazu noch in der Lage sind, über das Gelesene nachzudenken. Das ist weit entfernt davon, selbstverständlich zu sein. Selbst heute, vierzig Jahre nach der Mondlandlung, mit Mikrowelle und Fernsehen in jedem Haushalt (aber keinem anständigen Bücherschrank im Schlafzimmer).

So, und darauf trinke ich jetzt einen. Kaffee.

Bau Pau.
 
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Re: Bau Pau

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 13:42
Mir gefällt es auch eher positiv zu denken. Danke für Deinen Beitrag.
Aber was bedeutet dieser Satz:
Code:
"Wenn es alle so tun, bleibt nicht einmal jemand übrig, der die wundervolle Ansammlung von in den Himmel ragenden Popöchen bewundern könnte."

Ist es die Perspektive eines jungen, begeisterten Vaters, schön. Laughing
LG
Anna48
 
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