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 | Doppeltes Lottchen - Kurzgeschichte | Verfasst am: 15.01.2009, 12:26 |
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„Doppeltes Lottchen"
von Patrick Niesler
Es war ein Tag wie jeder andere. Ich saß da auf meiner Matratze, die schon den Geruch von gärenden Äpfeln angenommen hatte. Schwarze und graue Flecken zierten den Stoff, der die ausgelegenen Federn versteckte. Ein leichter Wind kaum durch das offene Fenster, das einzige Fenster, was meiner Wohnung ein wenig Licht verlieh. Ich roch den Duft von frischem Fisch, welcher hinauf geweht wurde von einem kleinen Fischladen, in der untersten Etage. Wenn ich mich in meiner Wohnung umgucke, kann ich mein Leben und Habseeligkeiten in 5 Worten beschreiben – Matratze, Fernseher, Papiertüte, leer Bierdosen und der Inhalt meiner Tasche – und dieser sollte gerade reichen um mich satt zu machen. Das hoffte ich zumindest.
Nun schlenderte ich also durch den Supermarkt gleich an der Ecke. Mein zerfetzter Parker klebt an meinen freien Hautstellen, die nicht von meinem T-Shirt bedeckt waren. Ich griff zu einer Dose Nudelsuppe und einem Glas Bockwürstchen. Eigentlich mag ich keine Bockwürstchen, aber das ist ziemlich egal. Auf meinem Weg durch die Supermarktregale, betrachtete ich die Menschen, die mit ihren Gitterwagen, durch die Gänge huschten. Einige Wagen waren mit Überfluss gefüllt, andere bedacht sortiert. Ich hörte einmal etwas vom Warenkorb der Deutschen und fragte mich ob ich ihn wohl hier finden würde.
Ich stellte mich an die Schlange an der Kasse. Die junge Kassiererin, schien heillos überfordert, doch auch sie würde eines Tages die Waren routiniert über den Scanner ziehen und keinen Gedanken daran verschwenden, was um sie herum geschieht – Schade eigentlich ich kannte diese Routine nur zu gut und machte mir daher auch keine Gedanken über die nächsten Schritte. Es war nicht das Erste Mal das ich das durchziehen würde, es gefiel mir auch nie besondern, aber die Routine zwingt einen dazu. Das Warten zog sich hin und ich vertrieb mir die Zeit damit, mit den Inhalt meiner Tasche zu spielen. Wann wird wohl eine gute Gelegenheit sein, jetzt vielleicht?
Doch bevor ich meinen Gedanken zu Ende führen konnte, fühlte ich einen brennenden Schmerz in meiner Ferse, es tat höllisch weh und ein kleiner Aufschrei durchfuhr den Supermarkt. Ich fuhr herum. Vor mir stand ein großer, dunkler Mann, wohl ein Ausländer, der mich mit einem hämischen Grinsen anlächelte. Sein Schnauzbart zuckte leicht und mein Blick fiel auf die Hand in seiner Jackentasche. Doch mein Schmerz und meine Erregung waren einfach zu groß und ich rastete aus.
„Sind sie denn total bescheuert? Haben sie keine Augen im Kopf?“, fuhr ich ihn wütend an. Doch der Mann lächelte nur weiter und bewegte seine Hand in der Tasche. Er holte etwas heraus, es war eine Waffe.
„Nein", sagte er. „Aber eine Kanone habe ich und das hier ist ganz offiziell ein Überfall." Er verkaufte diesen Satz schon fast spöttisch. Die Augen der Menge waren seid meinem Ausrutscher in der Wortwahl sowieso auf uns gerichtet, aber als sie das Wort „Überfall" hörten gerieten sie in Panik. Der Mann feuerte einen Schuss ab. Es wurde still, keiner sagte was und es rieselte weißer Beton von der Decke.
„Ganz ruhig bleiben", forderte er die Menge auf. „Wenn sich jeder kooperativ verhält wird auch keinem was passieren." Er dreht sich mit vorgehaltener Waffe zu der Verkäuferin um, aber ließ mich keine Sekunde aus den Augen, als wenn er wüsste, dass ich nicht ohne Grund meine Hand in der Tasche hatte.
„Einmal voll machen bitte und beeilen sie sich sonst passiert hier ein Unglück", sagte er und hielt ihr eine Plastiktüte hin. Die Kassiererin tat was er sagte und füllte die Tüte mit dem Geld ihrer Kasse. Aus irgendeinem Grund merkte ich, dass er jetzt einen Fehler machen würde. Ich wurde unruhig, wenn ich es nicht sogar mit der Angst zu tun bekam. Plötzlich drückte er die Waffe auf die Stirn der Verkäuferin.
„Los aufstehen und machen sie die anderen Kassen auch noch leer." Als die Verkäuferin aufstand konzentrierte er sich einen Augenblick nur auf sie. Aber diese kurze Zeit reichte mir aus um meine Hand aus der Tasche zu ziehen. Ich trat langsam auf den Mann zu und stand nur knapp einen halben Meter hinter ihm. „So Freundchen jetzt machst du keine falsche Bewegung oder es passiert ein Unglück", schrie ich ihn mit bebender Stimme an, während er meinen kalten Stahl an seinem Hinterkopf spürte. Er hatte keine andere Chance, er musste sich ergeben und tat es auch.
Einer der Kunden rief sofort die Polizei. Ich war so zu sagen ein Held und wurde gefeiert als hätte ich die Welt gerettet, dabei wollte ich doch nur die Kassiererin bitten mir die Kassen auszuräumen.
Nun sitze ich wieder in meiner schäbigen Wohnung, meine starren Augen schauen in unendliche Lehre. Ich habe Hunger und nichts mehr zu Essen. Meine Hand steckt in meiner Tasche. Ich schließe die Tür und mache mich routiniert auf den Weg: In den Supermarkt. |
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Zuletzt bearbeitet von patrick_niesler am 09.02.2009, 13:23, insgesamt 2-mal bearbeitet |
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patrick_niesler |
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 | Re: Doppeltes Lottchen - Kurzgeschichte | Verfasst am: 24.01.2009, 11:07 |
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Hallo Patrick!
Abgesehen von den Fehlerteufelchen im Text finde ich die Pointe gelungen. Allerdings ist mir das Ende zu apruppt und dass der Mann nun sofort wieder losziehen würde, um einen Supermarkt zu überfallen, passt irgendwie auch nicht.  |
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 | Re: Doppeltes Lottchen | Verfasst am: 31.01.2009, 17:42 |
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Hallo Patrick!
Die Geschichte hat mich angesprochen - und das rasche Ende gefällt mir sehr gut. Im Gegensatz zu Dozen-Roses halte ich es durchaus (zumin. literarisch) für glaubhaft, dass der Protagonist wieder in einen Supermarkt geht.
Saluti, Franca |
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_________________ Franca Orsetti
E-Mail: franca.orsetti@gmail.com
Internet: http://francaorsetti.blogspot.com/ |
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Franca Orsetti |
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 | | Verfasst am: 09.02.2009, 11:54 |
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| danke für die beiden Feedback Antworten. Ich habe mich dem Fehlerteufel angenommen und dabei auch gleich die Zeit gefunden, noch ein wenig an dem Anfang zu pfeilen und der Geschichte ein bißchen mehr Tiefe zu geben. Ich hoffe sie gefällt euch nun immernoch - und sogar noch besser. |
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patrick_niesler |
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 | Re: Doppeltes Lottchen - Kurzgeschichte | Verfasst am: 09.02.2009, 12:15 |
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Hallo Patrik!
So finde ich das Ende angemessener. Es passt einfach besser, obwohl es auch ein krasses Ende ist. Aber du hast es so einfach besser zum Text passend formuliert.  |
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 | | Verfasst am: 09.02.2009, 12:41 |
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danke! Das freut mich wirklich zu hören.
Ich hab noch eine Umfrage hinzugefügt. Da die Kruzgechicht fast 200 views hat aber nur 2 Leute Feedback gegeben haben, möchte ich doch die anderen motivieren, vielleicht ihrer Stimme anonym abzugeben. |
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patrick_niesler |
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