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Du kannst es nicht

BeitragVerfasst am: 30.12.2007, 21:40
Wind, liebkosend und streichelnd
Regen, weich und leise
Das Meer weit und glatt
Gräser, sanft sich wiegend
Himmel in zartem Grau

Sturm, zerrend und brausend
Tropfen prasselnd und springend
Meer wild und tosend
Blätter rauschend an Bäumen sich biegend,
wilde Wolken rasen dahin

Dämmerung, feurig, violett bis Türkis
Der Morgen, frisch und klar,
sanften Duft verströmend
alles schönend und umschmeichelnd
alles Dunkel vertreibend

Kraft spürend, schauend ins Licht,
bedeutungslose umgebene Hast
das Gestern vergessen
das Morgen noch weit
in der Ruhe sich verlierend

Fühlst du wie ich fühle?
Siehst du wie ich sehe?
Nein, du kannst es nicht

Nicht auf dieselbe Weise
und dennoch,
wenn du schaust wie ich schaue
kannst du mir nahe sein,
wie kein anderer.

© M.C. – alias ariane 04/07

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Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will. Jean Jacques Rousseau
 
  ariane 
 
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BeitragVerfasst am: 14.01.2008, 17:34
Liebe Ariane

Ich finde es immer etwas traurig, wenn auf einen Beitrag überhaupt keine Antwort erscheint, deshalb von mir eine, allerdings nicht sehr positiv und aus meiner sehr persönlichen Sicht.

Die ersten 4 Strophen sind eher eine Gedankensammlung in Stichworten, erscheinen mir auch wie eine kurz gehaltene Bildbeschreibung, alles zu statisch im Stil. Du verwendest massenhaft das Partizip Präsens: wiegend...springend. Das stört erheblich. Wenn du daraus Handlung machst, erhält das Ganze weit mehr Lebendigkeit.
Du solltest auch in ihnen eine Beziehung zu dir selbst herstellen, dann erst erhalten die letzten zwei Strophen ihren berührenderen Sinn.

Das sind meine Eindrücke und sie müssen nicht unbedingt alle stimmen.

Ich denke, mit einiger Arbeit kann daraus noch ein schönes Gedicht werden, zumal ja auch genügend Bildlichkeit vorliegt.

LG Arno

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  arno63 
 
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BeitragVerfasst am: 14.01.2008, 22:45
Lieber Arno,

ich danke Dir für Deine konstruktive Kritik. Dass Deine Bewertung nicht positiv klingt, stört mich nicht im Geringsten, denn für mich persönlich gibt des den Begriff Negativ eigentlich überhaupt nicht, weil ich in allem was geschieht immer einen positiven Kern entdecken kann. Und das Positive an einer vermeintlich negativen Kritik ist dass JEDE Kritik ein Dekanstoß ist, der einen dazu bringt, sich Gedanken zu machen, die man sonst in der Art nicht gehabt hätte. Und so führt letztlich jede Kritik zu einem Erkenntnisgewinn.

Ich bin sicher kein Gedichteschreiber und strebe auch nicht an einer zu werden. Alles was ich schreibe kommt direkt aus dem Bauch heraus, und mein „Bauch“ hat sich noch nie um bestimmte von „Köpfen“ aufgestellte Kriterien gekümmert.
Das mag für Menschen, die feste Regeln und Gesetze für unabdingbar halten und es für notwendig erachten einem bestimmten Leitfaden zu folgen vielleicht unsympathisch klingen.
Aber mir persönlich war es schon immer das Wichtigste mir selbst treu zu bleiben auch wenn ich dazu gegen den Strom schwimmen muss.
Es ist mir nicht wichtig, die Sympathie von Menschen zu gewinnen, die mich nur dann akzeptieren, wenn ich etwas tue, was nicht mit meiner eigenen Natur synchron läuft.
Umso wertvoller ist mir die Sympathie derer, die mich einfach so nehmen können wie ich bin, weil ich so bin wie ich eben bin.
Und da ich schon lange zu der Erkenntnis gelangt bin, dass niemand mit dem was er tut alle erreichen kann, ist es für mich das Sicherste, einfach nur mir selbst und meinem Bauch zu vertrauen.
Das heißt aber nicht, dass ich Kritik nicht immer gern annehme und versuche auf meine Weise daraus zu lernen und zu schöpfen.

Und dass das, was man tut oder in diesem Falle schreibt auf verschiedene Menschen ganz unterschiedlich wirkt, zeigt die folgende Kritik, die ich für mein „Gedicht“ im Forum >philosophie-raum.de< bekommen habe.

>>Ich würde den "Refrain", bis auf den vor der letzten Strophe, oder (auch) den nach der ersten Strophe weglassen, die häufige Wiederholung zerstört den Text leider ein wenig.
Ansonsten sehr schöne Bilder. Du solltest mehr Gedichte schreiben! Wink <<


Ich hatte an jenem Tag überhaupt nicht vor ein Gedicht zu schreiben. Es passierte einfach, während ich darüber nachdachte, warum viele Menschen so oft aneinander vorbeireden.
Und meine Antwort war, dass jeder stets zunächst einmal von sich selbst und seinen eigenen Empfindungen ausgeht (wie könnte er auch anders) und viele dem Irrglauben verfallen sind, der andere müsse die Welt genauso sehen wie er selbst.

Und aus der Erkenntnis, dass dies nicht so sein kann, weil der Mensch nun mal ein Individuum ist, ist ganz spontan dieses „Gedicht“ entstanden. Und ich sehe es selbst nicht wirklich als Gedicht, sondern einfach nur als Denkanstoß.
Und man möge es betrachten wie ein Gemälde, in dem jeder etwas anderes sieht.

Ich hoffe, Ihr nehmt mir meine kleine Rebellion gegen Parameter nicht übel. Auch wenn ich selbst mich gern am Rande oder außerhalb fester Regeln herumtreibe, so finde ich es dennoch völlig in Ordnung, wenn andere Menschen gern irgendwelchen Leitfäden oder Richtlinien folgen möchten.

Ich denke in unserer Welt ist für jeden Platz, äh.... sollte zumindest so sein

Liebe Grüße
ariane Wink

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  ariane 
 
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BeitragVerfasst am: 15.01.2008, 00:55
Hallo Ariane, ich denke, wir sind gar nicht so weit voneinander entfernt.

Man braucht sich natürlich nicht an traditionelle Poesieformen zu halten, das wäre rigide und würde manchen Gehalt in ein vielleicht widernatürliches Korsett zwängen. Keine Frage.
Meine Kritik war auch eher intuitiv, so intuitiv wie auch deine Zeilen.

Allerdings entdeckt man auch in tradierten Poesieformen ihren eigenen Reiz, wenn man sich an ihnen versucht und sieht, dass die formalen Zwänge durchaus ihre Berechtigung haben können.

Was das „aus dem Bauch schreiben“ anbelangt, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nur der Anfang eines auch manchmal langen Weges ist, bis das auch für einen selbst beste Ergebnis erreicht wird. Mache eigene Erzeugnisse müssen erst einmal „sacken“ und dann Schritt für Schritt verbessert werden, wobei man dem anfänglichen „Bauchgefühl“ ja nicht untreu werden muss, ihm eventuell sogar im Ausdruck etc. näher kommt.
Da sage ich aber auch nichts Neues.

Was das rein Individuelle anbetrifft, so gehe ich bei „Gedichten“, die ich in diesen „öffentlichen Raum“ (nicht nur hier) einstelle, nicht davon aus, dass meine Gefühle oder Beobachtungen als solche so ungewöhnlich sind. Es kommt mir dann eher auf persönliche Nuancen und kreative Sichtweisen an.

Übrigens: Du zitierst einen kurzen Kommentar zu deinem Gedicht, der von Refrain spricht, aber ich entdecke gar keinen. Hast du ihn herausgenommen?

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BeitragVerfasst am: 15.01.2008, 19:26
Hallo Arno,

grundsätzlich stimme ich Dir durchaus zu, deshalb sagte ich ja auch, dass ich für Kritik immer offen bin. Ich sehe sie immer als Denkanstoß, das eigene Handeln oder die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen, eben WEIL jeder die Welt nur aus seiner eigenen Perspektive sehen kann und diese immer durch seinen ganz persönlichen Bildungs- und Erfahrungshintergrund gefärbt ist.

Und gerade deshalb liegt der Fortschritt des eigenen inneren Wachstums in der Bereitschaft, sich auch mit anderen Sichtweisen offen und zunächst möglichst wertfrei auseinander zu setzen, denn nur dann kann man den ein oder anderen „Schatz“ entdecken, den man aus der eigenen Perspektive nicht sehen KONNTE.

Es gibt für mich einen Schlüsselsatz, der für manchen sicher vertraut klingt:

>>Hm.....ich dachte immer.......aber jetzt wo Du es sagst......, so hab ich die Sache noch gar nicht betrachtet.<<

Und deshalb wird zunächst mal alles was in den Bereich meiner bewussten Wahrnehmung gelangt untersucht, ob da nicht was zu finden ist, was ich in meine eigene Denkweise integrieren kann.
Und wenn Kopf und Bauch sich bei dieser „Untersuchung“ einig sind und mit der Paarung vermeintlicher Gegensätze gut klarkommen, wird das Neue assimiliert und alte Überzeugungen werden entweder aussortiert oder erweitert.

Deinem Satz:

>>Was das „aus dem Bauch schreiben“ anbelangt, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nur der Anfang eines auch manchmal langen Weges ist, bis das auch für einen selbst beste Ergebnis erreicht wird.<<

kann ich auch sehr gut zustimmen, denn das konnte ich an mir selbst schon des öfteren beobachten. Und darum lasse ich Texte, die mir wichtig sind inzwischen auch `ne Weile „reifen“.
An dem Manuskript für meinen Roman habe ich z.B. rd. 4 Jahre gearbeitet. Zunächst kam wie üblich alles aus dem Bauch heraus und schließlich dachte ich, das isses, nun ist es fertig.
Abmarsch-Verlegersuche. Und diese war 4 Jahre lang erfolglos. Welch ein Glück, denn während das Manuskript bei mir herumlag, fiel mir ständig noch etwas ein und jedes Mal dachte ich, dem Himmel sei dank, dass es noch nicht raus ist.
Es ist nicht nur ständig Neues hinzugekommen, ich habe auch immer wieder an alten Formulierungen herumgebastelt.

Aber manchmal bastle ich nicht lange herum, sondern streue meine Gedankenfetzen einfach so in den Raum. Und in diesem Fall ist es mir sogar wichtiger, dass die Urform, die spontan und rein intuitiv aus mir herausgesprudelt ist erhalten bleibt, ohne dass ein Parametersystem oder jener allwissende und alles bestimmende „man“ da eingreift.

Und dann entstehen manchmal so kleine Gedichte, oder meinetwegen auch „Gedichte“ Wink wie das hier oben.
Aber gerade das zeigt nun auch wieder schön, dass ich dennoch nicht unbelehrbar und immer bereit bin Zugeständnisse zu machen, wenn das eigentlich Spontane dabei nicht verloren geht.
Du hast nämlich Recht, bei der Sache mit dem Refrain. Das war mir hier gar nicht aufgefallen. Ich hatte ursprünglich nach jeder Strophe den Refrain gesetzt, wie man es i.d.R von Liedern her kennt, und diese nach der zitierten Kritik dann hier weggelassen.

Und zum Schluss hier noch mal eine Ansammlung loser Gedanken, die spontan aus dem Bauch kamen, bevor mir der Kopf dazwischenpfuschen konnte.

Das ging mir vor vielen Jahren so durch den Kopf, als ich mal verliebt war. cheezy grin


Ich liebte es, an einem warmen Frühlingstag allein durch den Wald zu gehen
und das erste Grün zu sehen, das aus den Knospen der Bäume hervorquoll.

Ich liebte es, an einem schönen Sommertag allein auf einer Wiese zu liegen
und in den Himmel zu schauen, dessen tiefes Blau von weißen Wattewolken durchzogen,
am Horizont in ein sanftes Türkis überging.

Ich liebte es, an einem lauen Abend allein an einem Fluss zu sitzen,
und ins sich im Wasser spiegelnde Mondlicht zu schauen und meinen
Gedanken ihren Lauf zu lassen.

Ich liebte es, an einem stürmischen Tag, allein am Ufer des Meeres zu stehen,
und den Naturgewalten zu zusehen, die das Meer zum Toben brachten.

Ich liebte es in der Dämmerung eines milden Abends allein durch den warmen Regen zu spazieren und die weichen Tropfen auf meiner Haut zu fühlen.

Ich liebte es, in der warmen Stube allein am offenen Fenster zu stehen
und einem tosendem Herbststurm zu zuschauen, der die Blätter in den Bäumen
zum Rauschen brachte.

Ich liebte es, an einem strahlend schönen Wintertag allein
durch den Schnee zu stapfen und das Knirschen unter meinen Schuhen zu spüren.

Ich liebte es allein zu sein, weil es niemanden gab der mich verstand.
Erst jetzt weiß ich, dass etwas fehlte, denn all das ist nichts, ohne Dich an meiner Seite.

M.C. Marchris / alias ariane 1997

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