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» Wie lange dauert es bis mein Buch im Handel eingestellt wird

Ein Hoch auf uns Literatur-Allrounder

BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 00:01
Die Jagd nach Verlagsangeboten lässt die meisten Autoren ja nicht los. Es scheint für viele das Nonplusultra zu sein, bei einem Verlag unterzukommen. BOD sehen viele nur als Notlösung an und manche fühlen sich als Autoren 2. Klasse. Auch in der Außenwahrnehmung sind BOD-Autoren oft nicht besonders angesehen.

Na klar, das liegt daran, dass die Gruppe der BOD-Autoren keine homogene Gruppe ist. Zu dieser Autorengruppe gehört jedes Niveau und auch diejenigen, die halbherzig mal eben ein oft schlechtes Buch herausbringen, können sich BOD-Autoren nennen.

Aber es gibt auch andere. Und die meine ich. Es gibt diejenigen Autoren, die sich einem Buchprojekt gewissenhaft widmen. Sie arbeiten akribisch an ihrem Buchprojekt und sie sind zu 100% für ihr Werk verantwortlich. Sie schreiben, sie korrigieren, sie lektorieren selbst - oft nur mit Hilfe von Testlesern, die keine Profis sind. Diese Art von Autor gestaltet oft das Cover selbst, nimmt das Marketing in die Hand und entwickelt sein Baby mit allerhand Ideen und Herzblut.

Wenn ein solches Buch dann auf dem Büchermarkt besteht und nicht gegenüber einem Verlagsbuch abfällt, welches ein professionelles Korrektorat und Lektorat durchlaufen hat, welches von professionellen Designern gestaltet wurde - handelt es sich dann nicht eigentlich um das Nonplusultra, was man als Autor erreichen kann?

Mir fehlt die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Verlagen, da ich noch nie ein Manuskript irgendwo eingereicht habe. Aber ich finde, es ist das Allergrößte, wenn Autoren tolle Bücher in 100%iger Eigenleistung auf den Markt gebracht haben. Es gibt einige Werke und Autoren, vor denen ich meinen Hut ziehe, weil sie so sorgfältig bearbeitet und gut sind, dass man sie qualitativ nicht von gepushten Verlagsbestsellern unterscheiden kann. thumb up

Wir sind mehr als nur Autoren! Wir sind Allrounder! Darauf können viele von uns stolz sein!

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Viele Grüße von Adriatic

Adria-Express, ein unterhaltsamer, amüsanter und manchmal nachdenklicher Roman über die Träume und Realitäten des Lebens.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 00:23
Gerrit ... Du sprichst (schreibst) mir so aus der Seele. Diese ganze Denke »ich schreibe und werde berühmt« ist sowas von daneben ... weil am Anfang einfach die Arbeit, das Handwerk steht ... und dem Handwerk ist es völlig egal, ob da BoD oder Heyne/Suhrkamp/whoever steht .. es will erst einmal beherrscht werden.

Lieber ein handwerklich gutes BoD-Buch, als ein Machwerk, das aufgrund von einfachsten handwerklichen Fehlern schon im Sekretariat eines klassischen Verlages versagt ...

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 00:58
*seufz* Wenn ich sehe, wie professionell einige hier ihre Bücher gestalten, fühle ich mich indes eher als Universaldilettant als ein Alrounder. Okay, das Marketing liegt mir nicht so, und inzwischen habe ich auch den Eindruck, ich hätte hier besser ein anderes Buch veröffentlicht als meine Kurzkrimisammlung.

Aber ich will Euch nicht mit meinem Selbstzweifeln nerven. Was ich am Selbstpublizieren eigentilch schön finde ist, daß die Bücher nicht durch die Verlage verbogen werden. Was ich bisher gehört habe von Leuten, die bei Verlagen veröffentlicht haben, reden zumindest einige Verlage den Autoren ganz schön rein, bis hin zur Auswahl des Titels.

Vielleicht sind selbstpublizierte Bücher einfach etwas origineller, und das auch das könnte ein Argument für den Leser sein, sich Bücher von Selbstpublizierer zu kaufen.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 01:14
Richard Bercanay hat Folgendes geschrieben:
Was ich am Selbstpublizieren eigentilch schön finde ist, daß die Bücher nicht durch die Verlage verbogen werden. Was ich bisher gehört habe von Leuten, die bei Verlagen veröffentlicht haben, reden zumindest einige Verlage den Autoren ganz schön rein, bis hin zur Auswahl des Titels.

Vielleicht sind selbstpublizierte Bücher einfach etwas origineller, und das auch das könnte ein Argument für den Leser sein, sich Bücher von Selbstpublizierer zu kaufen.


Ja, man kann bei solchen Büchern so schön auf Entdeckungsreise gehen und bekommt in dieser "unbeschnittenen" Version eine ganz eigene Atmosphäre zu spüren bzw. lernt etwas über den Autor kennen. Ich finde das total spannend.

Ich stimme auch Gerrit und Matthias zu: Nicht jeder, der publiziert ist in der Lage, auch wirklich ein gelungenes Werk vorzulegen. Kompliment, wenn er/sie es schafft!
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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 01:27
Richard Bercanay hat Folgendes geschrieben:
Wenn ich sehe, wie professionell einige hier ihre Bücher gestalten, fühle ich mich indes eher als Universaldilettant als ein Alrounder.


Dem schließe ich mich an.
Ich glaube aber nicht wirklich an das "Verbiegen" von Texten. Wenn ein Lektor einen Autor auf Stellen hinweist, an denen sprachlich der letzte Schliff fehlt, an denen inhaltlich sehr viel mehr ginge, ist das nichts Verwerfliches. Das ist sein Job. Schreiben muß immer noch der Autor.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 08:58
Ich muss zugeben, das Cover ist noch eine meiner Schwächen, an die ich mich noch nicht herangetraut habe.

Viele meiner frühen grafischen Ergüsse finde ich inzwischen gruselig und roh gestaltet. Da ich fest an meinen Entwürfen festhalten will, habe ich mich für den einfachen Weg des halbautomatischen Covers entschieden, das BoD bietet.

Gleiches geschieht im Grunde mit meinen Büchern, die ich quasi jedes Jahr verbessere, weil mir irgendetwas aufgefallen ist. Das bleibe mir sicher in einem Standardverlag erspart und verwehrt zugleich.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 10:06
Perchta hat Folgendes geschrieben:
Ich glaube aber nicht wirklich an das "Verbiegen" von Texten.

Interessanterweise führen dieses Argument ja oft jene an, die wirklich dringend einen Lektor (und noch dringender einen Korrektor) benötigten ...

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 10:22
Zitat:
Die Jagd nach Verlagsangeboten lässt die meisten Autoren ja nicht los. Es scheint für viele das Nonplusultra zu sein, bei einem Verlag unterzukommen. BOD sehen viele nur als Notlösung an und manche fühlen sich als Autoren 2. Klasse.

Warscheinlich bin ich da eine seltene Ausnahme, bisher bin ich noch keinem Verlag hinterhergerast, weder vor noch nach meiner ersten Veröffentlichung.. und wie du bin ich stolz drauf, dass ich meine Bücher selbst herausgebe. Wir BoD-Autoren können schreiben was wir wollen, so rasch veröffentlichen wie wir wollen... nun gut dies hat Vor- und Nachteile Laughing

Mit meinem 1. Buch, das ich vor 5 Jahren veröffentlich habe, habe ich allerdings im Nachhinein ein grafisches und sprachliches Desaster angerichtet. Komischerweise wurde es lange Zeit trotzdem gut gekauft und manchmal wird auch draus zitiert. Also inhaltlich ist es ok.

Na ich hab draus gelernt und trau mich seither weder an die Grafik noch an das Lektorakt, da vertrau ich jetzt lieber den Profis.

Aber alle Achtung - vor den Autoren, die sich nächte-, wochen-, monatelang mit Korrektur, Covergestaltung, Innenseitengestaltung usw. auseinandersetzen und dies auch noch qualitativ gut hinbekommen habe ich grossen Respekt - Chapeau!!
 
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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 11:20
mtg hat Folgendes geschrieben:
Perchta hat Folgendes geschrieben:
Ich glaube aber nicht wirklich an das "Verbiegen" von Texten.

Interessanterweise führen dieses Argument ja oft jene an, die wirklich dringend einen Lektor (und noch dringender einen Korrektor) benötigten ...


Danke.

Aber ich habe hier im Autorenforum auch schon mal gelesen, daß jemand schrieb, daß ihm sein eigener Text fremd wurde, nachdem ihn ein Korrektor in der Hand hatte. Ich weiß aber nicht mehr, wer das war.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 11:22
mtg hat Folgendes geschrieben:
Perchta hat Folgendes geschrieben:
Ich glaube aber nicht wirklich an das "Verbiegen" von Texten.

Interessanterweise führen dieses Argument ja oft jene an, die wirklich dringend einen Lektor (und noch dringender einen Korrektor) benötigten ...


Nachdem ich es immer noch nicht geschafft habe, mich von der alten Rechtschreibung zu lösen, mag ich da die Klappe nicht zu weit aufreißen Wink .
Unter dem "Verbiegen" eines Textes stelle ich mir in jedem Fall etwas Größeres und Gewaltsameres vor als die Korrektur mißverständlich aufgebauter Sätze. Wenn ein Verlag von seinem Autor erwarten würde, in einen gesellschaftskritischen Roman einen Vampir und drei bis acht Sexszenen einzubauen, weil das auf dem Markt gerade gefragt ist - das wäre ein Verbiegen. Oder wenn ein Lektor die Sprache eines Texts, bei deren Verwendung der Autor sich tatsächlich etwas gedacht hat, auf Teufel komm raus zur gängigen 0815-Erzählprosa umbauen will.

Aber die Zusammenarbeit mit einem Lektor sollte ja eigentlich sicher keine Einbahnstraße sein, sondern eine Diskussion. Und ich nehme mal schwer an, so grundsätzliche Fragen wie die nach Genre und Zielgruppe dürften vor Vertragsabschluß geklärt werden.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 15:32
@ Perchta

Ja, so habe ich die Einlassung des Autors auch verstanden, der meinte, daß der Text nicht mehr sein Text war, nachdem der Lektor ihn in der Hand hatte.

Anbei: Bevor ich mir von einem Verlag sagen lassen würde, daß doch bitte sehr gefälligs der Privatdektiv in meinem jüngsten Krimi eine Liebesbeziehung mit seiner Klientin anfangen soll, obwohl ich das nicht vorgesehen habe, würde ich auf die Veröffentlichung lieber verzichten und den Roman bei einem Selbstpublizierer veröffentlichen, als daß ich von anderen fundamental in die Handlung meiner Bücher eingreifen lasse. Leichte Korrekturen, okay, aber keine neuen Handlungsstränge.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 16:04
Ich glaube kaum, dass es zu den vorrangigen Aufgaben eines Lektors gehört, das Werk eines Autors inhaltlich zu verändern. Die Horroszenarien, die hier immer wieder dargestellt werden, entstammen meiner Auffassung überwiegend nach der eigenen Vorstellungskraft und nur in den seltensten Fällen realen Erlebnissen. Wie viele on-demand-Autoren standen denn schon einmal so weit an der Schwelle zu einem Verlagsvertrag, dass hier darüber allgemeingültige Aussagen getroffen werden könnten? Ein Lektor hat darauf zu achten, das der Plot schlüssig ist und die Handlungsstränge zusammenpassen - und evtl. in Zusammenarbeit mit dem Autor ergänzt werden, um sie schlüssig zu machen oder zusammenzufügen. Alles, was darüber hinausgeht, ist im Höchstfalle eine Empfehlung.

Wenn ein Verlag ein Manuskript annimmt, muss es ja schon so gut sein, dass es den Verlag interessiert. Da wäre es doch hanebüchen, wenn ein vom Verlag beauftragter Lektor daraus ein völlig anderes Buch machen würde.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 16:47
Matthias,

das ist vermutlich in den meisten Fällen tatsächlich so, wie Du es schilderst, aber es gibt auch Reibungspunkte, die sich nicht jeder Autor gefallen lässt.

Eine Freundin von mir durfte bei einem Verlag nicht „ihren mitgebrachten“ Illustrator hinzuziehen sondern bekam den Vertrag nur unter der Voraussetzung, dass sie mit dem Verlags-Illustrator arbeitet. Sie hat nach langem Gedöns zugesagt. Und ganz ehrlich, das war ein sehr schlechter Tausch, ich kenne die Arbeiten beider Illustratoren.

Mit einer Kollegin von mir, die sehr wissenschaftlich fundierte Bücher schreibt, habe ich immer mal wieder Diskussionen, weil ich ihre Bücher stilistisch zwar recht ansprechend, aber doch schon viel zu populärwissenschaftlich finde. Vor einiger Zeit kam sie und erzählte mir, dass der Verlag, der Interesse an ihrem neuen Buch hatte, ihr sehr hohe Auflagen machen wollte, in welchem Stil sie ihr Buch aufzuziehen habe, weil das ja sonst nicht ansprechend genug wäre. Damit war sämtlicher wissenschaftlicher Anspruch weg, das Buch wurde eines von vielen anderen und die Richtigkeit des Inhalts wegen fehlender Genauigkeit war fragwürdig.

So etwas finde ich traurig! Bleibt nur zu hoffen, dass das Ausnahmen sind.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 17:04
Ich könnte mir vorstellen (auf gut deutsch: ich weiß es nicht, rede aber trotzdem drüber ^^), daß solche seltsamen Anwandlungen tatsächlich Überlegungen zur Zielgruppe geschuldet sind. Man findet die Geschichte im Verlag gut und möchte sie unbedingt haben - aber damit sie wirklich ins Programm und in diese oder jene Reihe paßt, gehört noch irgendwas hinein, das das Zielpublikum aufgrund der bisherigen Bände erwartet.

Das ist sicher nicht schön für die Betroffenen. Aber es wird wohl auch nicht der Normalfall sein. Es geht im Lektorat bestimmt sehr viel öfter um die leidigen Füllwörter und Adjektive oder um Plotlöcher und Logikfehler, da gebe ich Matthias schon recht.

Und ein Kritiker, der sich intensiv und ehrlich mit dem Text auseinandersetzt, ist für jeden Schreiberling eine grandiose Hilfe, BoD oder nicht.

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BeitragVerfasst am: 20.11.2011, 17:09
Ja, da kann ich Dir eigentlich nur zustimmen, Perchta.

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