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BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 18:34
cosmopolit hat Folgendes geschrieben:
Natürlich kann man falsche Grammatik zur Kunst erheben.Siehe W.A.Z. sehr lange war dort immer eine Glosse mit Namen Kumpel Anton.Deutsch aus dem tiefsten Ruhrgebiet.Herrlich.Wenn eine Geschichte in einem gewissen Milieu spielt,dann muss es doch erlaubt sein die Grammatikalischen Verrenkungen da einzubauen. Anders ist es ums verrecken doch nicht real. OK wenn jemand den Duden neu schreiben will,der soll natürlich nicht mit falscher Grammatik ankommen.


Ich sage ja auch nicht, dass man es nicht darf. cheezy grin Ich sage nur, dass veröffentlichte falsche Grammatik Auswirkungen haben kann. Je mehr wir schludern, desto größer die Sprachprobleme unserer Kinder.

Wie erklärst du einem Zehnjährigen, dem im Diktat das "günstich" als falsch angestrichen wurde, was da auf dem Postbank-Plakat steht? Oder wenn er zufälligerweise die Zeitung liest und dort von "Günna" (statt Günter) und "datt Dschannett" (statt "die Jeanette") die Rede ist? cheezy grin

LG
Siegfried
 
  Siegfried 
 
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BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 18:46
Siegfried, ich glaube, das mit dem "günstich" sollte ein bewußtes Wortspiel sein.
Oder war der Werbetexter ggf. wie Goethe aus Frankfurt, für letzteren soll sich ja gereimt haben:
"Neige, neige, du schmerzensreiche .."
sprich: "Neiche, neiche, du schmerzensreiche ..."

Sigrid

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BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 19:16
Es kann durchaus interessant sein, den sprachlichen Schteil zu ändern (seht euch mal Klockwörk Orrentsch an). Very Happy
Auch im Alltag kann das Verbiegen von Wörtern spannend und unterhaltsam sein. Man sollte allerdings darauf achten, in welchem Rahmen man solche Sätze anbringt.
Einige sagen generell, es ginge kranich. Aber so lange man selbst noch weiß, wie es richtig heißt, dürfte doch alles in Dortmund sein, oder?

VG thumb up
Tabiro

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Unglaublich, wie schnell du die neue Rechtschreibreform angewendet, hasst.
 
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Re: Eine Frage zum Style des geschriebenen Wortes

BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 19:53
Hallo

Björn M hat Folgendes geschrieben:
Wenn man das alles weglässt und berücksichtigt, wie weit muss der Autor sich der restlichen Welt dann fügen, was seinen Style betrifft?


Wie du siehst, teilen sich die Meinungen in zwei Lager: Die einen wissen mit Grammatik und Rechtschreibung umzugehen und haben auch den Sinn der Sache erkannt, die anderen wissen es nicht und weil sie entweder den Sinn oder ihre eigene Schwäche nicht sehen können, wollen sie es auch gar nicht wissen.

So wird das auch mit deinen Lesern sein. Vielleicht gibt es ja in deiner Szene genug Leute, die deinen "Style" echt krass, voll geil oder so finden und dein Buch wird dort ein echter Renner.

Egal, ob du zur einen oder anderen Seite gehörst, man kann nicht allen Menschen gefallen und wenn man es versucht, bleibt man seicht.

Schöne Grüße

Johanna


Noch einige Anmerkungen zu den postings vor mir:

Mundart, amüsante Wortverdrehungen/-spielereien und Rechtschreibfehler sind ganz verschiedene Sachen. Wo das eine Sinn hat, ist das andere einfach sinnentstellend und erschwert das Lesen.

An "...hier werden Sie geholfen" haben wir uns ja schon gewöhnt. Was soll man nun zu "günstich" sagen? Selbst in sehr renommierten Tageszeitungen sind Rechtschreibfehler zu finden. Wenn Kinder das entdecken, kann man sie nur loben, dass es ihnen auffällt und ihnen sagen, wie furchtbar man das findet.
 
  Johanna 
 
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BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 19:58
Siegfried schrieb folgendes:
Zitat:
Ich sage ja auch nicht, dass man es nicht darf. Ich sage nur, dass veröffentlichte falsche Grammatik Auswirkungen haben kann. Je mehr wir schludern, desto größer die Sprachprobleme unserer Kinder.
Das ist ja auch vollkommen richtig.Im normalen Sprachgebrauch bekomme ich auch Anfälle bei derartigen Wortschöpfungen.Günni, Wohni,(für Wohnwagen )oder das für mich perverseste Wort bei der Begrüßung ,HALÖLE.
Ich meine den Wortgebrauch ja auch nur in einer Story.Geschichte handelt zum Beispiel im etwas unterbelichteten Milieu,da sagt man doch nicht Pistole,oder Repetiergewehr.Kurz ist das Knarre,Wumme oder Pumpgun.Wenn eine Geschichte dann Grammatikalisch vom feinsten ist würde man ja an der Realität vorbeigehen.Es würde keiner verstehen.
Oder Lyrik,ohne Verbiegung doch kaum machbar.

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BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 20:30
Vergleichbar mit dem traurigen Dahinschwinden einer abbrennenden Kerze verhärteten sich seine Gesichtszüge. Und so teilte er seine tiefsten, innigsten Gefühle mit einem feinsinnig gewähltem " ... ey, Alder ... ey ... dat ist voll krass, du! Echt - VOLL! (Ich sach´s ja!)", mit.
cheezy grin

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BeitragVerfasst am: 16.12.2008, 23:59
Hakket (Moderator) hat Folgendes geschrieben:
Vergleichbar mit dem traurigen Dahinschwinden einer abbrennenden Kerze verhärteten sich seine Gesichtszüge. Und so teilte er seine tiefsten, innigsten Gefühle mit einem feinsinnig gewähltem " ... ey, Alder ... ey ... dat ist voll krass, du! Echt - VOLL! (Ich sach´s ja!)", mit.
cheezy grin


Sehr schön! cheezy grin Gefällt mir gut!

Aber ...

(Klar, dass ich jetzt wieder mit einem "Aber" kommen muss cheezy grin )

... die Wortwahl des "unterbelichteten Milieus" findet sich in Dialogen wieder, nicht im Erzähltext. Dialoge charakterisieren den Sprecher, der Erzähltext den Autor. cheezy grin

Dat Kerzendings verpisste sich, und die Hackfresse sah aus wie ein Romika-Schuh - immer feste reintreten. Und dann laberte er los und quatschte Dummfug im Stück und von ganz drinnen: "... ey, Alder ... ey ... dat ist voll krass, du! Echt - VOLL! (Ich sach's ja!)."

Wenn so eine Erzählung nicht in der Ich-Form geschrieben ist - oha! Ich weiß nicht, ob ich so etwas länger als zwei Seiten aushalten könnte. cheezy grin

LG
Siegfried
 
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Re: Eine Frage zum Style des geschriebenen Wortes

BeitragVerfasst am: 17.12.2008, 00:26
Johanna hat Folgendes geschrieben:
Noch einige Anmerkungen zu den postings vor mir:

Mundart, amüsante Wortverdrehungen/-spielereien und Rechtschreibfehler sind ganz verschiedene Sachen. Wo das eine Sinn hat, ist das andere einfach sinnentstellend und erschwert das Lesen.

An "...hier werden Sie geholfen" haben wir uns ja schon gewöhnt. Was soll man nun zu "günstich" sagen? Selbst in sehr renommierten Tageszeitungen sind Rechtschreibfehler zu finden. Wenn Kinder das entdecken, kann man sie nur loben, dass es ihnen auffällt und ihnen sagen, wie furchtbar man das findet.


Wenn das Kind den Fehler als solchen entdeckt - super!

Blöd wird's nur, wenn das Kind mit dem Argument kommt: "Die in der Zeitung haben das doch auch so geschrieben!"

Wie viele Leute trennen inzwischen das Genitiv-s mit Apostroph vom Wortstamm ab, weil sie es so als richtig ansehen?



Mich schüttelt es. Andere vermutlich nicht. cheezy grin



Noch peinlicher wird es, wenn es sich um das Plural-s handelt



Die Beliebigkeit der deutschen Rechtschreibung! cheezy grin



Oder wenn eine ganz neue Apostroph-Benutzung eingeführt wird:



Da haut es mich aus den Pantoffeln! Ehrlich! cheezy grin



Wenn einem Fischfilet ein Apostroph über den Weg läuft, dann will das Nichts auch einen haben! cheezy grin



Vermutlich ein Fisch-Restaurant mit ziemlich hippem Style! cheezy grin

Fragt sich nur, was die Deutschlehrer im Unterricht zu so einer Schreibweise (... äh ... Schreib-Waise?) sagen. cheezy grin

LG
Siegfried
 
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BeitragVerfasst am: 17.12.2008, 07:56
Siegfried hat Folgendes geschrieben:
Wer Regeln brechen will, sollte sie vorher beherrschen.

Richtig. Ein Stilelement ist, Regeln zu brechen, um beim Leser einen Effekt zu erzielen.

Wenn man die Regeln nicht kennt und keine Ahnung hat, was man beim Leser erreichen will, ist das kein Stil. Selbst Dadaisten arbeiten mit einer Idee, was sie wollen.

Ein einfach nur schlampig hingerotztes Buch würde ich mir nicht antun. Ein hintergründig gegen den Strich gebürstetes vielleicht schon.

Grüße, Valerie

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LG, Valerie

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Re: Eine Frage zum Style des geschriebenen Wortes

BeitragVerfasst am: 17.12.2008, 08:25
Hallo Siegfried,

Siegfried hat Folgendes geschrieben:
Fragt sich nur, was die Deutschlehrer im Unterricht zu so einer Schreibweise (... äh ... Schreib-Waise?) sagen. cheezy grin


Seit der Rechtschreibreform haben die meisten den Kampf wohl aufgegeben.

Abgesehen davon war der Deutschunterricht in den Schulen noch nie auf die Entwicklung eines Sprachgefühls ausgerichtet, sondern nur auf das Erlernen von Regeln. Aber wer überlegt schon beim Schreiben ständig, welche Regel gerade anzuwenden ist bzw. wieviele Schüler lieben schon das Auswendunglernen von Regeln?

Und wenn dann selbst Journalisten, Schriftsteller und Werbefachleute sich durch Ahnungslosigkeit auszeichnen ... Welchen Grund gibt es dann noch außer den eigenen Ansprüchen?

Beste Grüße,

Heinz.

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Re: Eine Frage zum Style des geschriebenen Wortes

BeitragVerfasst am: 17.12.2008, 08:34
hawepe hat Folgendes geschrieben:
das Auswendunglernen von Regeln?
Schön! Wink ('Tschuldigung, konnte ich mir nicht verkneifen, es ist so passend zum Thema! angle )

hawepe hat Folgendes geschrieben:
Welchen Grund gibt es dann noch außer den eigenen Ansprüchen?

Ist das nicht Grund genug für einen BoD-Autor? Wink

Für kommerzielle oder wissenschaftliche Bücher gibt es natürlich weitere Gründe:
- das Buch soll lesbar und verkäuflich sein, man will die Leser erreichen
- man will sich im Bekanntenkreis / unter Experten nicht blamieren
- es gibt einen kritischen Auftraggeber

Der beste Weg zum Sprachgefühl ist für mich immer noch: Lesen, Lesen, Lesen! Wobei man aufpassen muss: nach ein paar hundert Seiten Shakespeare-Übersetzung oder Goethe kann das Gefühl ein wenig zum Antiquierten "verbogen" sein...

Gruß, Valerie

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Re: Eine Frage zum Style des geschriebenen Wortes

BeitragVerfasst am: 17.12.2008, 08:54
Hallo Valerie,

Valerie J. Long hat Folgendes geschrieben:
hawepe hat Folgendes geschrieben:
das Auswendunglernen von Regeln?
Schön! Wink ('Tschuldigung, konnte ich mir nicht verkneifen, es ist so passend zum Thema! angle )


Wer vertippt sich schon nie? Ich behaupte das jedenfalls von mir sicherheitshalber nie Smile

Momentan kämpfe ich zudem auch noch mit der Tastur, und dieser Kampf, befürchte ich, geht zu meinen Ungunsten aus Sad

Zitat:
hawepe hat Folgendes geschrieben:
Welchen Grund gibt es dann noch außer den eigenen Ansprüchen?

Ist das nicht Grund genug für einen BoD-Autor? Wink


Du möchtest dich hier wohl unbeliebt machen cheezy grin

Hier ist immer wieder zu lesen, dass es vor allem darauf ankommt, dass man als angehender Schriftsteller Fantasie hat und das Schreiben vom Herzen kommt. Twisted Evil

Zitat:
Der beste Weg zum Sprachgefühl ist für mich immer noch: Lesen, Lesen, Lesen! Wobei man aufpassen muss: nach ein paar hundert Seiten Shakespeare-Übersetzung oder Goethe kann das Gefühl ein wenig zum Antiquierten "verbogen" sein...


Oder man ahnt, warum deren Werke auch heute noch gelesen bzw. gespielt werden.

Beste Grüße,

Heinz.

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BeitragVerfasst am: 17.12.2008, 09:56
Hallo

cosmopolit hat Folgendes geschrieben:
...Geschichte handelt zum Beispiel im etwas unterbelichteten Milieu,da sagt man doch nicht Pistole,oder Repetiergewehr.Kurz ist das Knarre,Wumme oder Pumpgun.


Ergänzend zu Siegfrieds Beitrag, der schon fast alles dazu sagt: Wenn der Autor aber Knahre oder Bumbgahn schriebe, würdest das wahrscheinlich enger sehen.

Leuten, die Rechtschreibung als unnötige Komplikation empfinden, möchte ich mal folgenden Sachverhalt vor Augen führen. Stellt euch mal vor, eine alte Nachbarin spricht von Schiens (Jeans) oder erzählt, dass sie jetzt Nize und E-Asi zum Haare waschen benutzt (Nice and easy).

Dann werft ihr euch weg vor Lachen und empfindet das als total weltfremd. Dabei hat sie vielleicht nie Englisch gelernt. Und es ist nicht ihre Muttersprache. Aber hier sind Deutsche, die ihre Muttersprache nicht mit (wenigstens fast) allen Regeln lernen wollen, sondern auf halber Strecke aufhören, nach dem Motto: Jetzt langt's. Und wenn eure Kinder mal in der Schule sind, sollen die natürlich einen möglichst hohen Bildungsstand schaffen, aber Mama und Papa müssen schon in der Grundschule passen, wenn es um Schriftdeutsch geht.

Ist das wirklich akzeptabel? Oder sollte man sich nicht selbst darum bemühen, die Brocken Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik, die man von der Schule mitbekommen hat, zu festigen und zu ergänzen. Es gibt heute genügend Rechtschreibtrainer für Grundschüler zu kaufen (sind auch nicht teuer), so dass das jeder selbst lernen kann. Es gibt Ausländer, die besser in Rechtschreibung sind, als ein Teil der Deutschen. Es ist also zu schaffen, wenn man will.

Und seitdem ich erlebt habe, wie meine Kinder im Grundschulalter binnen Kürze sämtliche Pokemon-Ableitungen mit japanischen Namen und Schreibweise aufzählen konnte, kann mir auch keiner (außer Legasthenikern) mehr erzählen, dass das nicht zu erlernen ist.

Leider wird heute an der Schule mehr auf mündliche Ausdrucksfähigkeit gesetzt anstatt den Kindern beizubringen, dass man die Schreibweise der Wörter fast immer hören kann.

Schöne Grüße

Johanna
 
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BeitragVerfasst am: 17.12.2008, 12:01
Hallo Johanna,

guter Vergleich, das mit der Oma! thumb up

Grüßle,
Judith

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BeitragVerfasst am: 17.12.2008, 12:16
hawepe - da kann ich ja richtig froh sein, nicht in Deutschland zur Schule gegangen zu sein, und im Rahmen von DaF sowohl Regeln als auch Sprachgefühl vermittelt bekommen zu haben. Während meiner Schulzeit (ausschließlich im Ausland) wurde sehr viel mehr an Regeln gepaukt und geübt als mir dies von Gleichaltrigen, die in Deutschland zur Schule gegangen sind, erzählt wurden. Mir hat's genützt!

Nun weiß ich aber nicht, ob ein entsprechendes Manko tatsächlich (nur) mit dem Schulunterricht zusammenhängt. Meine Söhne sind ja noch nicht sooo lange aus der Schule raus, aber den Deutschunterricht - insbesondere in den Oberschulen - fand ich einfach hervorragend.

Schöne Grüße
maryanne

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