 | Eine unheilige Weihnachtstrilogie | Verfasst am: 15.12.2011, 14:53 |
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Travestie der Tradition
Wer rast da von Artefakt zu Artefakt?
Oho, der weinselige Weihnachtsmann.
Nichts ist zu sperrig, solang die Industrie
den faulen Zauber farbenfroh verpackt.
Was die weißen Bärte an Länge überbieten,
zapfen aus den Geistern die toten Riten.
Der Nadelbaum aus Plastik wirkt verloren
mit seinem Schmuck aus Engelsohren.
Von millionen Glühbirnen ausgegoren,
bleibt das kleinste Wunder ungeboren.
Da hilft kein Wühlen im Präsentpapier,
der Weihnachtsgeist war nimmer hier!
(c) Peter Pitsch, Anwesenheit
Das große Leuchten
Wie´s biedert und menschelt an allen Ecken und Kanten
ein Geplänkel im Strahlenglanz von Klischees diktiert
welch Gruselkabinett festlich geschmückter Verlogenheit
jenes Glocken- und Kassenklingeln als Tradition getarnt
Engelsstaub rieselt auf die bröckelnden Fassaden herab
der Bart des Weihnachtsmanns hängt schief im Gesicht
am Abend versammeln sich die frömmelnden Scharen
in Geschenkpapier plus Schleife gepacktes Geschwätz
Geld und eine Krawatte und das Gewissen erleichtert
das Verhältnis zwischen Geber und Empfänger definiert
doch wer nach der Bescherung den faulen Zauber wittert
der wird angesichts verblassender Idylle sprachlos sein.
(c) Peter Pitsch, Übelungen
Jesus, heute
Wenn die Scheinwerfer auf ihn
fielen, was würde Jesus predigen
wollen, und falls eine wirre Menge
unsichtbar und gierig auf Lauer
läge im Gott-Medium Internet?
Die Ringe eines Baumes zögen
sich um sein Herz, um Jahre
im Voraus den Tod zu ersehnen
in einem einzigen sprachlosen
Gebet an ferne Stille gerichtet.
Sein Antlitz sähe er schwinden
auf einen roten Punkt der unter
Millionen Bildschirmen leuchtet
im Modus Standby und nur die
Tierwelten ergäben noch Sinn.
Darin verweilen! in diesem Atem
aller Katzen zusammengerollt bis
zum Jüngsten Tag, altersschwach
vergehen bis niemand ihn vermisst
und das Wort endgültig verklingt.
(c) Peter Pitsch, Übelungen |
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 | | Verfasst am: 15.12.2011, 22:44 |
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Hallo, Peter,
als begeisterte Lyrikfreundin sitze ich jetzt schon eine ganze Weile hier und lese in Deiner Trilogie und muss sagen, es haut mich um! Nicht nur, dass mir Deine Worte total aus dem Herzen sprechen, ich finde sie auch lyrisch extem gut gelungen. In meinen Augen sitzt da jedes einzelne Wort.
Ich empfinde es auch als erfrischend, dass jemand mal nicht vom Weihnachtsgeschäft und Verkaufszahlen erzählt sondern seinen Mitmenschen einfach mal ein Geschenk in dieser Form macht, wobei Du ja noch mehr Texte hier eingestellt hast, aber die Trilogie gefällt mir ganz besonders gut.
Herzlichen Dank für diese Bereicherung und eine gute Zeit wünscht
Karin |
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„Die Weisheit des Lebens besteht im Ausschalten der unwesentlichen Dinge.‟
(aus China) |
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 | | Verfasst am: 16.12.2011, 13:21 |
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„Die Weisheit des Lebens besteht im Ausschalten der unwesentlichen Dinge.‟
(aus China)
Hallo, Karin,
dass jemand Texte, die sich mit dem jährlich wiederkehrenden Weihnachtsspektakel kritisch befassen, als Bereicherung empfindet, ist ungewöhnlich. Es freut mich sehr eine Lyrikfreundin zu treffen, die mit solchen Gedichten/Gedanken etwas anfangen kann.
Ich wünsche dir ebenfalls eine gute Zeit!
Kokon
Wenn ich Härte spüren lasse um
Zerbrechlichkeit zu tarnen
dann möchte ich nicht verletzen
weil ich selbst
die Wunden kenne welche sich
ins Herz gegraben.
Wer kann mein Leben
nachvollziehen? die Schatten
der ungezählten Tage, die grauen
Wolken am Firmament
als noch frostiger Nebel schwebte
über der Seele um
zu spalten was ich für
Persönlichkeit hielt.
Durch jede Erfahrung neu
geschaffen und vergangen
mit jeder Illusion, zu oft aus der
Geborgenheit gefallen
statt weiter in Naivität zu
schlummern, zu oft gestanden
vor dem Abgrund das Bodenlose
zu verneinen.
Wer kann die Welt ermessen
wenn sie vorgedacht
und offensichtlich scheint, wer
kann noch etwas erkennen
wenn er nie seinem Kokon
entschlüpfte
um sich des Lebens Ungewissheit
preiszugeben?
(c) Peter Pitsch, Übelungen |
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 | | Verfasst am: 16.12.2011, 22:13 |
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Hallo, Peter,
Das Gedicht "Kokon" gefällt mir auch gut.
Ich denke, Lyrik empfinden die meisten Menschen allgemein als schwierig (leider).
Liebe Grüße
Karin |
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