 | Einmal Rügen und zurück – mit dem Rad rund um Mecklenburg-Vo | Verfasst am: 22.10.2011, 10:44 |
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Hi,
es gibt mich noch. Nachfolgend Anfangskapitel von „Einmal Rügen und zurück – mit dem Rad rund um Mecklenburg-Vorpommern“. Was haltet ihr davon?
Liebe Grüße
Euer Guido
PS: Einen Reisebericht in kommentierten Bildern findet ihr auf meiner Autorenhomepage
www.outdoor-reiseberichte.info
Prolog
Ausgerechnet Bad Kleinen
„Bitte alle aussteigen!“ knarrt es aus dem Bordlautsprecher. Ausgerechnet in Bad Kleinen. Die kleine Stadt muss man nicht gesehen haben. Oberleitungsschaden – so die offizielle Version. Der Flurfunk weiß es besser. Letzte Nacht ist der Bahn auf der Strecke nach Rostock ihre Oberleitung abhanden gekommen. Seit die Edelmetallpreise durch die Decke gegangen sind, ist das fast schon Alltag.
Bad Kleinen ist ein Kaff. Dennoch schaffte es die Kleine Stadt in die deutsche Geschichte. Hier starb das letzte Opfer der RAF, die sich wenige Jahre später per Presseerklärung auflöste. Drei Jahre nach der Wende trafen sich auf dem Bahnhof im Nirgendwo ein Terrorist, eine Terroristin, ein V-Mann des Verfassungsschutzes, achtunddreißig Beamte des Mobilen Einsatzkommandos des Bundeskriminalamtes, siebenunddreißig Beamte der GSG 9 und zweiundzwanzig weitere Beamte aus dem Fußvolk. Über das, was dann geschehen ist, gibt es bis heute wilde Spekulationen. Die Wirren um die Rekonstruktion des Hergangs beschäftigten lange die deutsche Öffentlichkeit. Tatsache ist: der Polizist Michael Newrzella und der RAF-Terrorist Wolfgang Grams starben hier keines natürlichen Todes. Ermittelt wurde so schlampig, dass Raum für abenteuerliche Interpretationen blieb. Bundesinnenminister Rudolf Seiters und sein BKA-Chef Hans-Ludwig Zachert mussten ihren Hut nehmen, Generalbundesanwalt Alexander von Stahl wurde gegangen. Bei den üblichen Verdächtigen im linken Spektrum ist bis heute die Vermutung nicht auszurotten, dass der RAF-Terrorist Wolfgang Grams von einem GSG-9-Mann gezielt getötet wurde. Eine eher abenteuerliche These. Immerhin: ein Zeuge hatte dies gegenüber dem Enthüllungsjournalisten Wolfgang Leyendecker („Wohin flossen die Flick-Millionen?“) behauptet. Leyendecker sagte vierzehn Jahre später in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, er habe die Aussage eines Polizisten, Grams sei von zwei Kollegen erschossen worden, überbewertet: „Ich hatte dieser Aussage eine zu große Bedeutung gegeben, sie zu wenig relativiert und das Ganze zu stark aufgeblasen. Dadurch entstand der Eindruck, dass das, was dieser Zeuge gesagt hat, auch korrekt gewesen sei. Das kann man so nicht behaupten.“ Diese Titelgeschichte sei für den Spiegel „in der Wirkung verheerend“ gewesen: „eigentlich hätte ich auch gefeuert werden müssen.“
Noch vor sechs Jahren taugte die Geschichte für einen Roman, der die deutsche Literaturkritik beschäftigte. Christoph Hein (aufgewachsen bei Leipzig) stellt in „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ die Ereignisse und die Ermittlungen aus der Sicht der Familie eines fiktiven getöteten Terroristen dar. Auch wenn Hein ausdrücklich betont, dass seine Romanfiguren frei erfunden sind: die geschilderten Ereignisse weisen starke Parallelen zum Fall Wolfgang Grams auf. So what? Die Zeit kommentierte daher auch, Hein mache sich die These der RAF zu eigen, dass der Kampf der Terroristen „schmutzig war, weil der Staat schmutzig“ war. Vielleicht habe Hein mit der einfachen Botschaft seines Buches, dass die BRD nicht der moralisch überlegene Staat war, als der er zu Wendezeiten bisweilen erschien, den in „postsozialistischer Depression Versunkenen Trost spenden wollen“. Die Süddeutsche Zeitung urteilte gnadenloser: „Eine trockene Sprache ist keine Gewähr für die Wahrheit des Gesagten: Christoph Hein besichtigt die späten Tage der RAF und erfindet eine falsche Geschichte.“
Der Satiriker Wiglaf Droste hat seine eigene Version („Was in Bad Kleinen wirklich geschah“) - eine standesgemäß krude, welche die Ermittlungsschlampereien konsequent auf die Spitze treibt: „In Bad Kleinen, Mecklenburg, erschießt der GSG-9-Beamte Michael Newrzella zunächst sich selbst. Tödlich verletzt fällt er zu Boden, erinnert sich aber im letzten Moment seiner Dienstpflicht, schleppt sich zu dem RAF-Mann Wolfgang Grams, der ein Stück den Bahnsteig hoch auf dem Rücken liegt, kniet sich auf ihn, liquidiert ihn mit einem Schuß in die Schläfe, schleppt sich wieder den Bahnsteig zurück, wirft mit letzter Kraft das tödliche Projektil in die Rabatten, gibt aus seiner Dienstwaffe noch gut 50 ungezielte Schüsse wild in die Gegend ab und legt sich mit einem nicht unzufriedenen ‚Hahaha, bin gespannt, wie ihr aus der Nummer rauskommt, hahaha!’ zum Sterben.“
Heute Abend stirbt hier nur die Geduld. Meine Geduld – und zwar mit der Deutschen Bundesbahn. Ich irre in der wogenden Menschenmasse umher. Vor dem Intercity nach Rostock steht ein einsamer Schaffner der versucht, in dem Chaos den Überblick zu behalten. Er nimmt mich mit – nicht ohne sich per Mobilfunk an höherer Stelle rückzuversichern. Im Zug treffe ich das Rentnerpaar wieder, das bereits im Regionalzug aus Hamburg saß. Wir tauschen Radlererfahrungen aus. Ja, den Ostseeradweg sind sie auch schon gefahren – häppchenweise. In ihrem Alter müsse man sich nichts mehr beweisen. Sie sind aus dem Westen zugezogen. An den Rostocker Politikern lassen sie kein gutes Haar. Nach der Bürgerschaftswahl 2009 stellt Die Linke 13, die SPD 10, die CDU 9, Bündnis 90/Die Grünen 5, die FDP und FÜR Rostock – pro OB jeweils 4, der Rostocker Bund 3, die NPD 2 und sonstige 3 (AUFBRUCH 09, GRAUE und SAV). Allesamt korrupte sadistische Kinderschänder – so in etwa könnte die Zusammenfassung lauten. Der Oberbürgermeister ist parteilos. Ihm galt das Lamento nicht.
Unterdessen steht der Zug immer noch. Der Student vor uns erzählt, dass er das schon einige Stunden tut. Er wartet auf eine Diesellok. Zu unserer Gesprächsgruppe gesellt sich euch eine Studentin, die plötzlich panisch nach ihrem Smartphone sucht. Stehen im Nirgendwo – und das ohne Quasselkiste: ein Horror für sie.
In Rostock hat die Schaffnerin des Intercity nach Stralsund Mitleid mit mir und lässt mich mitfahren, obwohl meine Fahrkarte nur für den Regionalverkehr gilt – ganz ohne Rückversicherung diesmal. Keine Hoffnung macht sie mir, dass ich heute noch bis zum Ostseebad Binz auf Rügen komme. Dennoch erwische ich den letzen Zug über den Rügen-Damm. In der tiefschwarzen Nacht zieht Rügen an mir vorbei. In Bergen heißt es dann erneut „Bitte alle aussteigen!“. Schlaftrunken hebe ich mein Rad aus dem Zug. Die wenigen Fahrgäste werden abgeholt. Einsam und etwas verloren stehe ich auf dem Bahnhofsvorplatz. Es ist bereits deutlich nach Mitternacht. Nur noch wenige Kneipen sind offen. Torkelnd kommen mir einige Jugendliche entgegen, Bierflaschen in der Hand. Sie beachten mich nicht. Hinter dem Marktplatz wird es dann still, wenig später geradezu unheimlich still. Die Straße nach Binz führt durch einen dunklen Wald. Später treffe ich auf einen Radweg, der parallel zur Straße führt. Es geht hoch, runter, hoch – in kurzen Abständen. Mein Freund Wolfgang hat mich bei unserem letzten Kneipenabend in der Kate schonend auf dieses Endmoränenrodeo vorbereitet. Es wird mir auf meiner Reise rund um Mecklenburg-Vorpommern ein ständiger Begleiter sein. Ohne Wolfgang hätte ich mich der trügerischen Hoffnung hingegeben dass es irgendwann aufhört. Tut es nicht. Wer MeckPomm mit dem Rad bereist sollte sicherstellen, dass Gangschaltung und Kondition dem Gehügele gewachsen sind. Damit sind nicht endlose Anstige gemeint. Auf Rügen und Usedom geht es manchmal richtig zur Sache. Sechzehn Prozent Steigung auf wenigen hundert Metern sind keine Seltenheit. Nach rasantem Abwärtsritt geht es wenige hundert Meter wieder bergauf. Das kann sich endlos hinziehen. Was auf der Karte schnell erreichbar scheint, wird so zum Pensum für einen halben Tag.
Irgendwann biege ich links ab Richtung Küste. Dort liegt Prora, das Ostseebad der Nazi-Organisation „Kraft durch Freude“, eine Art Mega-Ballermann – nur sittsamer. Zwanzigtausend Volksgenossen sollten hier in einer Mega-Urlaubsfabrik ihre Batterien aufladen, um fit für die Verwüstung Europas zu werden. Prora sah die Volksgenossen nie, Europa schon.
Inzwischen ist es sehr weit nach Mitternacht. Die schmale Alleenstraße hat keinen Radweg, dafür aber noch viel Verkehr. Nachdem mich der dritte Laster gegen die Leitplanke gedrückt hat, gebe ich auf. An einer schmalen Seitenstraße schlage ich meine tragbare Höhle auf, da eine Regenfront naht.
Inhalt
Prolog
Ausgerechnet Bad Kleinen
Rügen
Endmoränenrodeo
Greifswalder Bodden
Caspar David Friedrich und die „Wiesen bei Greifswald“
Usedom
Eisiges Badeparadies
Anklam
Am Rand der „Europäischen Everglades“
Neubrandenburg
Norddeutsche Backsteingotik, trostlose Plattenbauten und ein toller See
Feldberger Seenlandschaft
Wo die CDU mich auf den rechten Weg brachte
Müritz Nationalpark Teil 1
Teilgebiet Serrahn: waldreich und hügelig
Neustrelitz
Residenzstadt vom Reißbrett
Müritz Nationalpark Teil 2
Waldeinsamkeit im Hinterland der Müritz
Müritz
Das kleine Meer
Plauen am See
Die hübsche Mogelpackung
Lübz
Wo das Nationalgetränk herkommt
Schwerin
Die kleinste Hauptstadt der Republik
Wissmar
Hundert Quadratmeter Rentneridylle
Kühlungsborn und Heiligendamm
Das größte und das kleinste Ostseebad in Mecklenburg
Warnemünde
Wo der größte Teepott Deutschlands steht
Rostocker Heide
Noch eine hübsche Mogelpackung
Fischland, Darß, Zingst
Nationalpark zwischen Ostsee und Bodden
Stralsund
Hansestadt am Strelasund |
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_________________ Der Weg ist das Ziel.
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Einmal Aachen und zurück - mit dem Rad rund um Nordrhein-Westfalen |
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Guido Block-Künzler |
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| Anmeldedatum | 06.01.2011 | | Beiträge | 17 | | Wohnort | Schlitz/Hessen | |
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 | | Verfasst am: 04.12.2011, 13:13 |
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| Die Gefühle des Ich-Erzählers kommen gut herüber, allerdings frage ich mich noch, was es werden soll: Ein Reise- bzw. Erfahrungsbericht, ein Roman oder?? |
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MartinO |
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| Anmeldedatum | 30.11.2008 | | Beiträge | 10 | | Wohnort | Nürnberg | |
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