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Es war in der Zeit als die Mauer fiel - Heimreise ...

BeitragVerfasst am: 18.07.2009, 18:36
Titel: Es war in der Zeit als die Mauer fiel - Heimreise ...
Autor: Antje-Marianne Di Bella

Verlag: Grin-Verlag München
ISBN: 9783640354290
Seiten: 52
Preis: 14,99

Der Autor über das Buch:

In folgendem Text geht es um einen wichtigen Teil unserer Geschichte, welcher bis heute bei vielen Menschen nicht verarbeitet ist. Die Trennung zwischen Ost und West ist nach 20 Jahren der Vereinigung leider immer noch nicht ausgestanden. Im Gegenteil, so erfuhr ich kürzlich von einem Mann aus Potsdam, der sich mit dem Thema schon lange beschäftigt, "man driftet eher mehr auseinander". Möglich, dass dies eine von etlichen
Einzelmeinungen ist, aber die Ansicht, dass längst nicht alles "zusammengewachsen ist, was zusammen gehört", scheint weit verbreitet.

In diesem Buch sind eingangs eigene Erfahrungen der Autorin Antje Di Bella, unter anderem aus der Zeit ihrer frühen Kindheit in der damaligen "Ostzone", beschrieben.
Von besonderem Interesse dürften hier aber die lebendig geschilderten Erlebnisse der Rückkehr zur Zeit der Wende sein. Ebenso liebevoll wie auch kritisch werden die vorgefundenen Gegebenheiten und menschlichen Begegnungen dargestellt. Der Text spricht von Hoffnungen, von Freude und Dankbarkeit für die erwartete Freiheit, aber auch von der Angst, großen Illusionen zu erliegen. Was wurde erwartet und was brachte die Realität?
Das können wir uns heute nun selbst beantworten.

Der Text spricht aus dem Herzen vieler, denen es ebenso ergangen ist, wird aber merkwürdigerweise eher von den "Westlern" oder von den schon früh in den Westen Emigrierten bejaht. Er spricht wohl weniger die Menschen an, die geblieben sind, die DDR-Bürger wurden und die im marxistischen Geist erzogen, oft dieses Gedankengut beinahe schon wie eine Religion empfanden. Wohl deshalb wehren sie sich noch immer, ihr einst als tiefes Lebensmuster erkanntes Denken, nun in Frage zu stellen und dafür den westlichen, kapitalistischen Denkmustern zu folgen, die sich zudem auch immer mehr als falsch erweisen.

Eine Frage aber stellt sich heute noch genauso wie vor zwanzig Jahren: Erledigt sich das Problem der Ossi und Wessi- Mentalitäten und Schwierigkeiten in der nächsten Generation von selbst?
Hat der Kommunismus sich nicht von selbst erledigt? Sind wir heute klüger?

Eine der Autorin wichtige, persönliche Frage beantwortete sich ihr schon damals, sozusagen als ein Fazit ihrer Reise in die versinkende DDR:
Wo ist Heimat?

Die Erzählung vermittelt einen ungewöhnlichen Einblick in die Situation zur Zeit des Mauerfalls 1989. Politik wird jedoch nur am Rande thematisiert, auf Wertungen wird verzichtet; die innerdeutsche Geschichte spiegelt sich lediglich in den zahlreichen Begegnungen und Erlebnissen mit den Menschen in der Noch- DDR wider.

Di Bella zeichnet ein lebendiges und realistisches Bild von der Verfasstheit mancher Ostdeutscher zur Wendezeit, welches der Realität näher kommt als die überschwänglichen Jubelbilder und Schönreden, die damals durch die Medien gingen.

Die Autorin schrieb die selbst erlebte Geschichte bereits während Ihrer „Ostreise“ im Jahre 1989 in der Urfassung als Reisetagebuch. Damit ist das Werk heute, fast zwanzig Jahre später, auch ein Zeitdokument und verführt den nunmehr „schlaueren“ Leser unwillkürlich zum Vergleichen und Resümieren. Nicht zuletzt machen viele genau beobachtete Details des inzwischen fast vergessenen DDR -Alltags die Erzählung zum Lese -Erlebnis.

Lutz Eckner, Schriftsteller, Reichenbach 2008

Klappentext:

Liebe Leser,
mein Anliegen ist es mit diesen Aufzeichnungen zu erzählen, was ich wirklich erlebte, keine Fantasie, sondern Wahrheit. Ich möchte festhalten, dass die Pauschalisierungen, wie entfremdet sich Wessis und Ossis doch sind, bei meinen Erlebnissen nicht zutrafen. Es war ja damals eine Zeit der Hoffnung auf das Ende der Schrecken.

Vielleicht bin ich auch nur bestimmten Menschen nahe gekommen, die ich mit meiner speziellen Ausstrahlung angezogen habe, so wie ich eben bin, von ehrlicher und offener Art und die sich daher mir gegenüber auch öffnen konnten. Ich war insofern vielleicht eine gute Botschafterin für das zu Erwartende.
Auch befand ich mich auf dieser Reise selbst in einem Ausnahmezustand. Ich war in diesen Tagen so offen für alles Gute und Schöne, erfuhr Heilung und Freude, für Negatives war da wenig Platz.

Das Erlebte hat mir aber auch klargemacht, dass Heimat da ist, wo man sich vertraut und geborgen fühlt. Es gibt dafür keinen bestimmten Ort.
Wir finden Heimat nur da, wo Menschen sind, die uns lieben. Es ist nicht das Land, die Stadt, das Dorf, es sind nicht die Häuser und Straßen, die uns einst vertraut waren, als Kind. Wenn in diesen Mauern keiner mehr ist, der sich freut uns wieder zu sehen und uns herzlich in seine Arme schließt, dann sind wir Fremde, mögen die Orte noch so vertraut sein.
Diese Erkenntnis möchte ich weitergeben an die, die ihre Heimreise noch nicht machen konnten und die noch immer von einer versunkenen Vergangenheit träumen.
Antje Di Bella

Inhalt:

An Mutters Hand musste ich 1956 mein Zuhause im erzgebirgischen Freiberg verlassen. Den Grund für die heimliche Flucht in den Westen ahnte ich als Achtjährige bereits, dennoch fiel die Trennung von meiner besten Freundin Anna sehr schwer. Herausgerissen aus der wohlbehüteten Welt meiner Kindheit gelang es mir, dem Flüchtlingsmädchen, nur allmählich, in der Fremde Fuß zu fassen. Schließlich lebte ich mich ein, aber die Bilder der fernen Kindheitsheimat jenseits des Eisernen Vorhangs blieben in meinem Herzen.

Als 34 Jahre später die Grenze unerwartet durchlässig wird, begebe ich mich, allein und mit fast druckfrischem Führerschein, auf eine "Heimreise während der Wende“. Dabei ist unsicher, was mich erwartet, welche der lieben Menschen von damals ich wiederzufinden hoffen darf. Die Großmutter mit Sicherheit nicht mehr, der Briefkontakt zu Schulfreundin Anna brach längst ab. Eine Bekannte aus jenen Tagen – inzwischen blind, gehbehindert und in bescheidenen Verhältnissen lebend – will mich bei sich aufnehmen, freut sich auf meinen Besuch. Immerhin.

Schon auf der Fahrt nach Freiberg fallen mir die „sozialistischen“ Realitäten ins Auge: Grußlose DDR-Grenzer mit versteinerten Gesichtern, aber keine Kontrolle; dann Schlaglöcher, schlecht geflickte Straßen, eine Raststätte mit vorsintflutlicher Toilette und neugierig schauenden Gästen in vermeintlich schäbiger Kleidung. Ich fühle mich unbehaglich. Doch dann sind da auch freundliche, hilfsbereite Menschen, die mir eilfertig den Weg weisen. Das berührt mich – zum ersten und nicht letzten Mal auf dieser Reise.

Eine Woche weile ich im sächsischen Freiberg. Manches erkenne ich wieder, anderes ist mir fremd, wie auch die Gesichter der Menschen, die an mir vorbei gehen oder mit denen ich kurzfristig zusammen komme. Bei diesen Begegnungen wird mir aber deutlich, wie sehr die verschiedenen Lebensumstände in Ost und West die Menschen einander entrückt haben mögen, auch hier gibt es freundliche Menschen, die mich herzlich annehmen. Bei diesem Regime der Unterdrückung, ein wunderbarer Sieg der Menschlichkeit!
Nur einmal tritt man mir, der Westdeutschen, mit Misstrauen, ja mit unverhohlener Ablehnung gegenüber, öfter jedoch mit peinlicher Neugier. Mit meiner natürlichen Offenheit und Herzlichkeit gelingt es mir jedenfalls rasch, das Eis zu brechen, und so kommt es immer wieder zu berührenden Erlebnissen.

Eine ganz persönliche Mauer fällt für mich gleich am dritten Tag des Besuches:
Durch Vermittlung meiner Gastgeberin lerne ich erstmals meine Halbschwester, Marianne, kennen. Sie ist Ärztin, und ihr Mann war bis vor kurzem noch Stellvertreter des Bürgermeisters – ist jetzt aber, als Folge der Wende, arbeitslos. Für die beiden Atheisten waren die „sozialistischen Ideale“ eine Art Ersatzreligion, jetzt sind sie in ein tiefes Loch gefallen und wissen nicht, wie es für sie weitergehen soll. Ich, als überzeugte Christin, schweige zunächst betroffen - doch auch hier findet man auf menschlicher Ebene zueinander.

Am Ende ihres „Ostbesuches“ erlebe ich noch ein kleines Wunder: Beim Besuch meiner Taufkirche erkenne ich – nach 34 Jahren – Anna, meine beste Freundin aus jenen Kindertagen. Es ist kaum zu fassen, auch Anna lebt längst in Süddeutschland und weilt nur für zwei Tage in Freiberg. Ein fast unglaublicher Glücksfall – oder mehr? Das Wiedersehen ist sehr herzlich, es fließen Tränen. Nun erst fühle ich mich in meiner Kindheitsheimat angekommen.

Wo ist aber Heimat für eine, deren Wurzeln so früh ausgerissen wurden, wo gehört sie wirklich hin..., das zur klären, war das Anliegen dieser Reise.
Diese Geschichte ist ein Beispiel für millionen Geschichten von ehemaligen Flüchtlingen und kann vielleicht auch zur Klärung für viele von ihnen beitragen.
 
  Anna48 
 
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BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 18:29
Hallo Antje,
mit allen drei hier vorgestellten Büchern greifst du interessante Themen auf.
Allerdings frage ich mich, wer denn soooo teure Bücher kaufen soll! Wie ist der Preis zustande gekommen?

Haifischfrau

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www.maryanne-becker.de
 
  Haifischfrau 
 
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Buchpreis

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 18:43
Den Buchpreis legt der Grin- Verlag fest, da habe ich keinen Einfluss.
Müssten die Kunden mal monieren.
 
  Anna48 
 
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BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 18:53
Wieder ein tolles Thema. Wo ist Heimat ?
Heimatlos werden Menschen oft durch ganz unpolitische Ereignisse. Ausbildung, Arbeitsplatz, Eheschließung, Trennung, Scheidung und weil einem die Verwandtschaft auf den Senkel geht.
Manchmal sind es so profane Gründe. Und man denkt, kein Problem, ich komme wieder, das Band des Herzens reißt nicht ab. Und dann steckst du doch mit einem Male in einer anderen Gegend, mit einem Male in Aufgaben und Verpflichtungen. Und es gelingt nicht, die Heimatbande so zu pflegen, wie Du es Dir erhofftest. Manchmal wird es Dir bewußt, und Schmerz bemächtigt sich Deines Herzens. Manchmal greifst Du zum Telefonhörer, um denen in der Heimat zu sagen, dass Du an sie denkst. Aber kaum einer von ihnen, der sich bei Dir meldet. "Was ist eigentlich meine Heimat?" fragen sich so viele Menschen, die aufbrachen, um das Glück zu finden. "Dort, wo ich geliebt werde", lautet dann die so leichte Antwort. Und wie schön, wenn man dabei in die Augen seiner netten family schauen darf. Doch die Antwort ist noch leichter. "Dort, wo ich lieben darf." Und es gibt überall auf der Welt Menschen, die sich freuen, wenn Du für sie Zeit und ein Herz hast.

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"Ob Du König oder Musikgott bist, krank oder gesund, ist für deine Bilanz als Menschenkind nicht entscheidend. Diese interessiert nur die Impulse der Liebe, die du setztest, und die Barmherzigkeit, die du lebtest."
 
  Gerhard Schulz 
 
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Antwort zu Gerhard Schulz' Beitrag

BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 19:34
Wo ist Heimat?
Gerhard, wieder ein wunderbarer Beitrag. Du ergänzt mich sehr gut.
Da wo ich lieben darf... und das darf und soll ich auf der ganzen Welt. Es ist also aktiv... ich kann mir Heimat schaffen. Auch kein schlechter Gedanke.

In meinem Buch ging es zwar erst einmal um die Kindheitsheimat... zu der man wieder Bande knüpfen möchte, und wie das gelingt, wenn einem ein Mensch begegnet, der zu dieser Vergangenheit gehört und der mit Freude, liebevoll auf einen zu kommt.
 
  Anna48 
 
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BeitragVerfasst am: 20.07.2009, 19:41
Was für eine Fügung, dass Dir Deine Anna über den Weg lief !!

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  Gerhard Schulz 
 
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