 | Film-Reviews - Der Thread | Verfasst am: 29.06.2009, 00:41 |
|  |
Guten Abend zusammen,
Da meine Hobbys Filme schauen, Schreiben und Kombinieren sind und ich daher Filme schauen mit Schreiben kombiniere, mache ich jetzt diesen Thread auf (man, geile Einleitung ):
Jedenfalls möchte ich hier allen Menschen, die wie ich über einen Film gerne auch mal eine kleine Bewertung verfassen, eine Plattform bieten. Diskussionen über den jeweiligen Film/desse Review natürlich inklusive.
Ich fang dann mal an:
Der seltsame Fall des Benjamin Button
"Der seltsame Fall des Benjamin Button" ist einer dieser ganz großen Filme. Und das schreibe ich nicht, weil der Streifen 160 Mio. Dollar gekostet hat und auch nicht, weil er 159 Minuten geht. Nein, dieser Film ist einer der ganz großen, weil er mehr sein möchte als "bloß" ein Film. Er möchte anspruchsvoll sein, zum Nachdenken anregen und schließlich einfach mehr sein als die seichte Unterhaltung am Abend. Davon zeugt allein der Titel. Es ist kein reißerischer Titel, kein "Benjamin Button" mit Untertitel oder etwas Kurzes und Bündiges. Hier wurde bewusst der lange Titel gewählt, um von vorn herein klar zu stellen: Das hier ist mehr als bloße Unterhaltung. Doch kann der Streifen dieses Versprechen halten?
"Der seltsame Fall des Benjamin Button" begleitet den gleichnamigen Protagonisten dessen komplettes Leben lang, von seiner Geburt 1918 bis zu seinem Tod in den 80ern. Benjamin erlebt somit die verschiedenen Epochen des 20. Jahrhunderts und wird hie und da auch Zeuge geschichtlicher Ereignisse, ähnlich wie Forrest Gump im gleichnamigen Film (Überraschung: Beide Filme entstammen der Feder desselben Autors), auch wenn die geschichtlichen Ereignisse hier eine deutlich kleinere Rolle spielen als noch im Film um den sympathischen Trottel Forrest.
Forrest Gump ist aber auch sonst ein gutes Stichwort, den "Der seltsame Fall des Benjamin Button" erinnert mehr als einmal, ja eigentlich über die gesamte Laufzeit an diesen anderen Film, ohne auch nur in einer einzigen Sekunde an den Charme und Witz eines Forrest Gump heranzureichen.
Benjamin Button (im Hauptteil gespielt von Brad Pitt) ist nicht wie andere Menschen. Geboren als gebrechlicher Greis wird er sein Leben lang jünger statt älter. Einzige Konstante in seinem Leben ist Daisy (Cate Blancett). Im Grunde beschreibt "Der seltsame Fall des Benjamin Button" die Suche eines außergewöhnlichen Mannes nach dem Glück. All zu oft ist auch die Vergänglichkeit des Lebens Thema des Films, für meinen Geschmack ein bisschen zu oft. Klar ist es eines der Hauptthemen, trotzdem muss man das dem Zuschauer nicht in jeder zweiten Szene unter die Nase reiben.
Neben der Geschichte um Benjamin dümpelt noch eine Nebenstory ohne erkennbaren Sinn vor sich her. Da geht es um die im Sterben liegende Daisy im Jahre 2005, die sich von ihrer Tochter aus dem Tagebuch Benjamins vorlesen lässt. Hätte man sich meiner Meinung nach sparen können. Mich hat es jedenfalls immer wieder aus dem Film gerissen, wenn die Story umschaltete.
Was mir gar nicht gefallen hat, ist der Stil des Präsentierten. Da fehlt ein roter Faden, zu oft wechselt der Stil von Bild und Ton. Manchmal ist das Bild künstlich auf alt getrimmt, dann wieder nicht. Manche Rückblicke sind in schwarz-weiß, anderes nicht. Kein Beinbruch, aber es ist mir negativ aufgefallen.
Auch wenn sich diese Kritik bisher fast nach einem Verriss anhört, so darf ich doch Entwarnung geben: "Der seltsame Fall des Benjamin Button" hat seine großen und sehenswerten Momente: Dazu gehören die vielen wirklich herzergreifenden Augenblicke, die allesamt überdurchschnittlichen Darsteller und die gelungenen Spezialeffekte bzw. das Make Up. Die Alterungsprozesse bzw. Verjüngungsprozesse sehen beeindruckend aus und suchen Ihresgleichen. Man kauft dem Film wirklich ab, dass man immer wieder die selbe Person auf dem Schirm sieht, nur eben plötzlich 10 oder 20 Jahre älter. Leider griff der Regisseur (ist übrigens David Fincher) meiner Meinung nach etwas zu oft auf den Computer zurück. Warum heutzutage alle Landschaften und Panoramaansichten aus dem PC kommen müssen, ist mir ein Rätzel und sieht auch im Jahre 2009 noch nicht so gut aus wie original gefilmt. Der Humor passt, davon hätte es ruhig mehr geben dürfen. Und warum Eric Roth auch Benjamin Button nicht sterben lassen konnte, ohne ihn einen Krieg hautnah miterleben zu lassen, ist mir ebenfalls ein Rätzel.
Was bleibt nach 160 Minuten übrig? "Der seltsame Fall des Benjamin Button" ist sicherlich nicht das, was er gerne wäre. An seinen Vater im Geiste "Forrest Gump" kommt er jedenfalls nicht heran. Die ganze Zeit über wartet man auf etwas Großes, ohne dieses "Große" näher definieren zu können, doch es kommt nichts.
Trotzdem kann ich eine klare Empfehlung für Liebhaber von Beziehungsfilmen und Dramen aussprechen. "Der seltsamen Fall des Benjamin Button" ist sehenswert - mehr aber auch nicht. |
|
|
|
|
|
|
 | | Verfasst am: 30.06.2009, 15:50 |
|  |
Die Brücke
Gestern haben wir uns auf einen echten Klassiker der deutschen Filmgeschichte gestürzt: Bernhard Wickis "Die Brücke". Deutsche Kriegsfilme tun sich ja seit jeher schwer darin, die NS-Zeit aufzuarbeiten. Oftmals halten verkappte Parteifunktionäre oder von der Propaganda geblendete junge Männer als eine Art Alibi her, nicht aber in Wickis Film. "Die Brücke" schafft es, die ganze Sinnlosigkeit der letzten Kriegstage auf sehr eindringliche Weise darzustellen, ohne dabei auf die sonst üblichen Klischees zuzürckzugreifen.
April 1945: Hauptsächlich geht es um sieben Jungs, Durchschnittsalter 16. Sie alle haben mit den typischen jugendlichen Problemen zu kämpfen, es geht um die erste Liebe, um Konflikte mit den Eltern und den Lehrern. Voller Tatendrang wollen sie endlich auch im so fernen und als Abenteuer erträumten Krieg mitmischen. Sie können es kaum erwarten, ihre Einberufung zu erhalten. Schließlich werden sie eingezogen und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände finden sie sich plötzlich bei einer Brücke wieder, von der sie glauben, sie mit allen Mitteln gegen die Amerikaner verteidigen zu müssen. Die Tragödie nimmt seinen Lauf.
Der Film beleuchtet die unterschiedlichsten Charaktere der Schlußphase des Krieges. Es gibt sowohl vor den Amerikanern flüchtenden hohen Tiere der Partei, als auch die sorgenden Mütter und den Lehrer, der nach all den Jahren erst erkennt, wie gefährlich die Ideale sind, die er seinen Schülern beigebracht hat. An etlichen Beispielen wird die Sinnlosigkeit des Krieges aufgezeigt. Und selbst als ein Ritterkreuzträger ängstlich vor den anrückenden Amerikanern flieht, gibt das den Jungen noch nicht zu denken. Im Gegenteil heizt es sie weiter an, das Vaterland bis zum Schluß zu verteidigen.
Dabei war der Film für mich keineswegs nur eine Belehrung in Sachen "Krieg", vielmehr schaffte er es auch, mich die gesamte Laufzeit über zu unterhalten. Die ersten zwei Drittel beschäftigen sich mit der unbeschwerten Jugend der Jungs, da macht es einfach Spaß, ihnen beim Bootsbau und Nachstellen der Mädchen zuzuschauen. Im letzten Drittel dann geht es um das Gefecht an der Brücke. Als die Jungs erkennen, was Krieg wirklich bedeutet, als sie von amerikanischen Panzern zusammengeschossen werden, da ist es zu spät. Die Angst der Sieben ist nicht zu übersehen,, einer macht sich in die Hose, schließlich kämpfen sie nur noch, weil es keinen anderen Ausweg zu geben scheint. An dieser Stelle muss ich einmal die Leistung der Darsteller hervorheben, die aus diesem Film erst ein so erschütterndes Erlebnis macht.
Auch von der technischen Seite weiß der Streifen zu gefallen, mehr noch, so scheint es mir, als habe ich nie etwas Vergleichbares aus dieser Zeit zu Gesicht bekommen. Massenweise Kugeleinschläge an Häuserfassaden, blutige Körpertreffer und Panzerbeschuss, der ganze Wälder und Dorffassaden umpflügt, hat es 1959 glaube ich in keinem anderen Film gegeben. Nur die Shermanpanzer sehen etwas komisch aus und schweben teilweise über den Boden, bei genauerem Hinsehen sieht man das Traktorgestell, auf dem sie eigentlich fahren. Trotzdem, auch diese Unsauberkeit macht den Film eigentlich nur noch sympathischer. Somit kann ich eine klare Empfehlung aussprechen! |
|
|
|
|
|
|
 | | Verfasst am: 30.06.2009, 16:27 |
|  |
Ja, Filme ...
Ich hätte da auch einen, den ich auf jeden Fall empfehlen kann:
"Casshern".
Die in Japan produzierte Verfilmung eines Mangas wirkt auf den ersten Blick wie eine übliche Superheldenverfilmung. Im Gegensatz zu den bekannten Stars dieses Genres bietet Chasshern aber viel Stoff zum Nachdenken.
Zum Inhalt:
Die Welt der Zukunft: der jahrzehntelang andauernde Krieg zwischen der großen östlichen Föderation und dem unterlegenen Europa ist vorüber. Doch durch den Einsatz von biologischen, chemischen und nuklearen Massenvernichtungswaffen wurden die Staaten und ihre Bevölkerung schwer geschädigt. Seuchen und Mutationen läuten das unvermeidliche Ende der Menschheit ein. Der Wissenschaftler Dr. Azuma arbeitet an einer Lösung, die Menschheit durch Genmanipulation zu retten, doch die korrupten Gesundheitsbehörden verwehren ihm jegliche Unterstützung. Dr. Azuma ist gezwungen, seine Forschungen in Zusammenarbeit mit dem Militär fortzuführen, was fatale Folgen hat: durch einen Unfall im Labor wird eine neue Lebensform kreiert - die Shinzo Ningen. Diese übermenschlichen Mutanten erklären den verbliebenen Menschen den Krieg. Während sich neue Fronten bilden, erscheint ein neuer Held am Horizont: CASSHERN.
Was sich zwar nicht wirklich neu und aufsehenderregend anhört, ist aber doch ein nachdenklicher und beeindruckender Film geworden.
Die tatsächlich interessante Frage ist nämlich, warum Kriege geführt werden, und dass es gar nicht so einfach ist, die Guten und die Bösen voreinander zu trennen.
Die "erschaffenden" Shinzo Ningen (Neo-Menschen) werden optisch sogar in Richtung "Nazis" positioniert - man bachte dabei vor allem ihr Banner (!) und die Ansprache ihres "Führers" (!!!) und seines Aussehens (blond und Roter Mantel), und ihre Vorgehensweise, aber nach und nach stellt sich heraus, dass sie a) gar nicht wirklich erschaffen wurden (ein sehr "böser" Twist in der Story), und b) durchaus nicht so böse sind, wie man es anfangs gedacht hatte.
Letztlich geht es dabei um das Leid, das sich Menschen gegenseitig zufügen und um den Wahn des Spruches: Auge um Auge - Zahn um Zahn.
Auch der Held "Casshern" wird in eine Rolle gepresst, die er eigentlich gar nicht erfüllen will. Da er der Sohn von Dr. Azuma ist, wird auch er am Schluss mit einer sehr wichtige Frage konfrontiert, die man sicher nicht so leicht beantworten kann.
"Cassern" ergreift auch keine Partei - was die Verdauung des Filmes zum Teil noch schwerer macht.
Eine Frage eines Protagonisten: "Was ist das Leben?" wird beantwortet damit, dass Leben daraus besteht, anderen Leid zuzufügen und die einzige Möglichkeit darin besteht, zu vergeben.
Der Film ist optisch absolut überwältigend - dank der modernen Backlot-Technink. Optisch könnte er sogar Herr der Ringe übertreffen Er ist sehr (manchmal zu) emotional. Teilweise wird über viele Minuten gar nicht gesprochen, nur die perfekt eingesetzte Musik und die Bilder sprechen für sich selbst. "Sterbeszenen" werden zwar nicht brutal dargestellt, aber eben sehr emotional, worüber sich schon so manche Kritiker aufgeregt haben.
Allein die Szene, in der "Casherns" blinder Mutter mitgeteilt wird, dass ihr Sohn im Krieg gefallen ist, ist wirklich heftig.
Mit rund 140 Minuten ist "Casshern" ein perfektes Science-Fiction-Epos, das sich visuell an den alten Jules-Verne-Filmen orientiert.
Ansehen (großer Bildschirm!!!), staunen, und sprachlos zurückbleiben.
http://www.youtube.com/watch?v=kk9fGI90qdM
Gruß
Hakket |
|
_________________ www.tordenfjord-verlag.de |
|
| |
| |
M-F Hakket |
| |
| Anmeldedatum | 20.08.2009 | | Beiträge | 1596 | |
|
|
| |
|
| |
|
| |
|
|
|
 | | Verfasst am: 30.06.2009, 16:35 |
|  |
| Ist der Film auch zu Empfehlen, wenn man normalerweise kein Asiafan ist? |
|
|
|
|
|
|
 | | Verfasst am: 30.06.2009, 16:43 |
|  |
Ich denke schon. Eigentlich vergisst man sehr schnell, dass es ein japanischer Film ist.
Letztlich könnte er auch in jedem anderen Land spielen.
Gruß
Hakket |
|
_________________ www.tordenfjord-verlag.de |
|
| |
| |
M-F Hakket |
| |
| Anmeldedatum | 20.08.2009 | | Beiträge | 1596 | |
|
|
| |
|
| |
|
| |
|
|
|
 | | Verfasst am: 30.06.2009, 16:58 |
|  |
Ja, ich kann mit den meisten Asiafilmen nichts anfangen, weil ich irgendwie nur selten hinter deren Humor komme und da doch eine ganz andere Art hintersteckt, an einen Film und dessen Handlung heranzugehen. Da mag ich unsere westlichen Filme lieber.
Aber es gibt auch einige Ausnahmen aus dem Asien-Raum, die mir gefallen. Zum Beispiel Kung Fu Hustle Ong Bak. |
|
|
|
|
|
|
 | | Verfasst am: 30.06.2009, 17:13 |
|  |
Ja, der Humor ist schon etwas eigen, das stimmt. Auch ist es nicht immer leicht zu verstehen, was die überhaupt meinen. Aber das macht es auch wiederum interessant. Ein extremes Beispiel für "schwer zu verstehen" ist "Suicide Circle".
"Casshern" ist aber auf jeden Fall nicht witzig!
Gruß
Hakket |
|
_________________ www.tordenfjord-verlag.de |
|
| |
| |
M-F Hakket |
| |
| Anmeldedatum | 20.08.2009 | | Beiträge | 1596 | |
|
|
| |
|
| |
|
| |
|
|
|
Forum für Books-on-Demand-Autoren » Autorenlounge
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen. Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen
|
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1
|
|
|
|
| |