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Gedanken eines Killers

BeitragVerfasst am: 07.04.2009, 12:14
Hallo ihr da draußen. Stelle wieder einen Text zur kritischen Begutachtung ein. Es ist ein Auszug, mitten aus meinem Roman.

Der Dachboden

Mit starrem Blick und weit geöffneten Augen lag Josch im Bett und betrachtete die weiße Zimmerdecke. Er hatte wieder geträumt. Zu allem was er bereits kannte, kam diesmal etwas Neues hinzu. Er drehte sich zur Seite und versuchte sich zu erinnern.

Josch befand sich auf einem dunklen Dachboden. Nur die Umrisse von alten Stühlen und Bänken waren zu sehen. Er wusste nicht, wie er an diesen unheimlichen Ort gekommen war.
Angst stieg in ihm auf, dennoch ging er einige Schritte am morschen und von Holzwürmern zerfressenen Holzboden weiter in den Raum auf eine winzige Dachluke zu, die einen kleinen Lichtstrahl ins innere des Raumes ließ. So, als würde ihn irgendjemand führen, begab er sich weiter an eine andere Stelle des Raumes, in der es merklich dunkler wurde. Langsam tastete er sich Meter für Meter vorwärts in die völlige Dunkelheit.
Plötzlich stürzte er über ein Hindernis zu Boden. Ein brennender Schmerz breitete sich an seinen Handflächen aus. Es fühlte sich an, als bohrten sich Scherben in seine Finger und er spürte, wie Blut aus den Wunden quoll. Tränen sammelten sich in seinen Augen, dennoch krabbelte er auf allen Vieren weiter bis er mit der rechten Hand etwas ertastete. War es ein Schuh? Josch begann zu zittern. Irgendjemand war hier, ganz in seiner Nähe.
Er musste verschwinden. Vorsichtig richtete er sich auf, als ihn plötzlich irgendjemand an der Schulter berührte. Es war eine Hand, eine kalte Hand. Ihm stockte der Atem und sein Herz begann zu flattern. Josch wollte davonlaufen, doch er hatte die Gewalt über seine Beine verloren, sie waren wie gelähmt. Ein heißer Strahl breitete sich währenddessen über seine Oberschenkel aus und er begann zu weinen.
Jetzt hatte der Mann mit der Tätowierung ihn endgültig in seinen Fängen. Er schloss die Augen und flehte zu Gott, dass die Schmerzen nicht lange andauern würden, doch nichts geschah. Die Hand war plötzlich weg und seine Schultern plötzlich wieder frei. Hatte Gott ihm tatsächlich geholfen?
Ohne zu Atmen kroch er wenige Meter weiter und drehte sich danach zögernd um. Und da erblickte Josch vom Lichtstrahl der Luke erhellt, die Silhouette eines Körpers, der auf einem dünnen Drahtgebinde baumelte. Er begann hysterisch zu schreien, danach wachte er auf.

Josch blickte auf den Verband, der sich allmählich rot färbte. Offenbar war die Wunde wieder eingerissen. Danach hob er die Decke und tastete nach der Boxershorts, die angepisst an seinen Schenkeln klebte. Was war nur los mit ihm? Würde er langsam verrückt werden?
Alles im Leben hat einen Sinn, hörte er im Geiste die flüsternde Stimme seiner Mutter im Verborgenen. Doch er verstand dieses Leben nicht mehr. Er war ein erwachsener Mann, der morgens im angepissten Bett aufwachte, der Nacht für Nacht von einer dunklen Gestalt verfolgt wurde, von der er nicht wusste, wer sie war. Er war ein Mann, der seine Erinnerung verloren hatte und seit geraumer Zeit Männer richtete, getrieben von einer Macht, von der er glaubte, dass es Gott war. Doch Gott würde ihn nicht dermaßen leiden lassen. Er war sich sicher, es war der Teufel in Gottes Gestallt, der von seiner Seele Besitzergriffen hat und ihn langsam in den Wahnsinn trieb.
Josch hatte Angst nun endgültig durchzudrehen. Im Grunde hoffte er, dass die Polizei ihn endlich finden würde, um alles beenden zu können. Er würde seinem Leben endlich ein Ende setzen. Es wäre Schluss mit den Träumen, mit der Krankheit, mit diesem verkorksten Leben. Doch noch war es nicht soweit. Noch musste er sich seinem innerlichen Trieb ergeben. Nur der Teufel würde entscheiden, wie lange er mit dieser Last leben musste und nur er würde alles beenden. Denn Gott würde ihm nicht mehr helfen. Er hatte die Prüfung nicht bestanden, sich gegenüber dem Bösen zu wehren. Er war ein schlechter Mensch, eine Bestie.


würdet ihr weiter lesen wollen????

liebe Grüße
 
  roma 
 
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Beiträge 40
 
 
   
   

hallo,

BeitragVerfasst am: 15.05.2009, 09:26
Roma,

ich durchstöbere bei Zeiten die Textvorstellungen und das Lektorat. Bei 0 Antworten, wollte ich dein Posting eigentlich überspringen, habe mich jedoch anders entschieden.

Und was ich zu lesen bekam, war...

... für meinen Geschmack sehr gelungen. Dein Stil spricht und regt mich zum Nachdenken an. Und vor allem hatte ich nach dem Ende deines Textes das Bedürfniss weiter zu lesen...

...was nicht sehr oft der Fall ist.

Bin überrascht, dass niemand in diesem Forum auf dein Posting geantwortet hat. Entweder hast du nur meinen Geschmack getroffen, oder es gab an deinem Text nichts auszusetzen, was ich mir an der Flut an Kritikern hier im Forum nicht vorstellen kann.

Egal, ich zolle großen Respekt!
 
  malok 
 
Anmeldedatum 03.02.2009
Beiträge 14
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 15.05.2009, 10:01
Die Szene auf dem Dachboden entspringt einer Spannung versprechenden Grundidee - mit der sprachlichen Bewältigung des Themas (sollte es ein Thriller werden?) hapert es allerdings.

"Mit starrem Blick aus weit geöffneten Augen..." - muss s o nicht sein, "gebannter Blick" würde genügen (nur als ganz kleines Beispiel).

Dann ist da noch die Mischung von nicht zusammenpassenden Zeitformen.

Vielleicht ist der Textauszug auch - für mich - viel zu kurz, als dass der Plot mich zum Weiterlesen animieren könnte.

Jedenfalls einen kollegialen Gruß aus der Steiermark!
Hans
 
  hwg 
 
Anmeldedatum 24.04.2007
Beiträge 6042
 
 
   
   
Gedanken eines Killers
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