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Goetkowski gibt sich die Blöße

BeitragVerfasst am: 05.02.2010, 11:55
Hallo, liebe Schreiberlinge,

bevor ich mit der eigentlichen Vorstellung beginne, bitte ich zu entschuldigen, dass sich diese etwas länger gestalten wird, als es allgemein üblich sein mag, hoffe aber, dass das gerade in diesem Forum toleriert wird.

Ich bin der Uwe und momentan 45 Jahre alt. Meine Leidenschaft für Bücher zeichnete sich bereits im Alter von acht Jahren ab, als ich halbwegs flüssig zu lesen begann. Meine damalige Bettlektüre war der 1939er Brockhaus meiner Mutter, denn erstens war ich ganz einfach wissbegierig, und zweitens mochte ich den Duft dieses alten Nachschlagewerkes.

Im Deutschunterricht zeichnete sich praktisch sofort ab, dass ich, was die Rechtschreibung und die Grammatik betrifft, keine Probleme zu befürchten hätte. Nur beim Aufsatz haperte es gewaltig, was nicht mal in mangelnder Phantasie oder einem unzureichenden Wortschatz begründet lag, sondern vielmehr meine abgrundtiefe Faulheit widerspiegelte. Damals vertrat ich die Auffassung, dass mich das Niederschreiben irgendwelcher Geschichtchen oder Ferienerlebnisse rein wissensmäßig kein Stück weiterbrachte.

Daran sollte sich während der Schulzeit auch nichts ändern. Als kurz vor dem Schulabschluss eine Deutsch-Eins auf dem Zeugnis zur Debatte stand, verkündete der Lehrer, dass nur derjenige, der schreibe wie Goethe, von ihm eine Eins im Aufsatz bekomme - was auf mich ja nun nicht gerade zutraf.

Es folgte die Ausbildung zum Schlosser, die u. A. den freiwilligen Besuch einer Fachschule anbot, welche wiederum die Fächer Diktat und Aufsatz beinhaltete. Nun gut, die Messlatte war nicht sonderlich hoch angelegt, da einem Schlosser andere Fähigkeiten als das Schreiben von Aufsätzen abverlangt werden, doch hier reichte es plötzlich zu einer Eins.

Davon, dass ich gerne schrieb, konnte jedoch immer noch nicht die Rede sein; das keimte erst auf, als ich die erste Freundin hatte, die in Süddeutschland lebte. Nachdem ich sie während einer Zugfahrt nach München kennengelernt hatte, begann ich noch während der Rückfahrt mit dem Schreiben des ersten Briefes. Eines für meine damalige Altersgruppe außergewöhnlich langen Briefes, der immerhin auf so viel Gegenliebe stieß, dass wir nun "miteinander gingen" cheezy grin - auch wenn uns gut 600km voneinander trennten . . .

Selbstverständlich hielt diese erste Teenie-Liebe nicht ewig, aber ich blieb dem Briefeschreiben treu. Noch während der Ausbildung begannen Alkohol und Drogen, eine wahnsinnige Anziehungskraft auf mich auszuüben. Zwar schaffte ich es, die Verpflichtungen nicht unter meinem Konsum leiden zu lassen, doch nach der bestandenen Prüfung brachen alle Dämme: Ich stürzte mich in eine Welt unterschiedlichster Räusche und hoffte darauf, dass es ewig so weiterginge.

Und ich schrieb. Mein Tagebüchlein, das ich noch während der Schulzeit begonnen hatte, und Briefe an die Freundinnen, die zwar nicht häufig, aber doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit wechselten. Oft war es so, dass diese Beziehungen (in ihrem Endstadium) praktisch nur noch von diesen Briefen aufrecht erhalten wurden, weil die Mädels sie so gerne lasen. Ansonsten war mit mir ja auch nicht eben viel anzufangen . . .

Anfang der 90er-Jahre - ich war inzwischen zum Voll-Alkoholiker und Gelegenheits-Junkie gereift - schenkte mir ein Party-Kumpel eine alte mechanische Schreibmaschine. Sie wurde zu meinem ständigen Begleiter. Ich griff Belanglosigkeiten aus dem Leben eines Säufers auf und brachte sie zu Papier, schrieb meine konfusen Gedanken nieder, dokumentierte gewissermaßen meinen Verfall - und verteilte diese geistigen Ergüsse im Dunstkreis meiner ewigen Party.

Einige Leute hatten die einzelnen Blätter ohne mein Wissen gesammelt, kopiert und liebevoll so was wie ein Buch daraus gebunden, das sie mir zum 26sten Geburtstag schenkten. In einer Auflage von genau zwölf Exemplaren, die ich anlässlich der Geburtstagsfeier und der damit verbundenen Buch-Premiere umgehend in einer Kneipe an wildfremde Leute verteilte. Jahre später wurde ich noch von Menschen, an die ich mich verständlicherweise gar nicht mehr erinnern konnte, auf dieses "Buch" angesprochen Laughing .

Als sich mein drittes Lebensjahrzehnt seinem Ende näherte (und ich zum Schreiben längst nicht mehr fähig war), tat dies auch mein Leben. Ich begab mich in eine stationäre Entgiftung und therapierte mich anschließend . . ., richtig, mit dem Schreiben. Bezüglich der körperlichen Therapie-Komponente bot es sich an, mein altes Jugendhobby, das Radfahren wieder aufzunehmen. Und was lag da näher, als meine Touren in Worte zu kleiden und zu Papier zu bringen?!

Abermals verteilte ich diese Tourenberichte an "Hinz & Kunz", an Menschen jeglicher Alters-, Berufs- und Bildungsstände. Und - welch Freude! - sie lechzten förmlich nach meiner nächsten Radreise-Doku! Ich erging mich nicht darin, Sehenswürdigkeiten zu beschreiben; das können Reiseführer besser. Nein, ich beschränkte mich auf scheinbare Nebensächlichkeiten, auf Begegnungen mit fremden Menschen, auf den Vogel, der sich mit einem Wurm abrackert, auf Missgeschicke, die mir unterliefen und die ich mit viel Selbstironie untermalte.

Im Jahre 2004 hielt ich die Zeit für reif, meine Autobiographie zu schreiben (meine Tagebuchaufzeichnungen stellten ja eine exzellente und chronologisch einwandfreie Basis dar!). Der erste Versuch scheiterte an meiner überhasteten Vorgehensweise und las sich für mich wie eine etwas ausführlichere Inhaltsangabe. Er diente mir jedoch als Manuskript. Versuch Nr.2 gefiel mir bereits einen Deut besser, hatte letztlich aber keinen Bestand vor meinem selbstkritischen Auge.

Mit Nr.3 war ich eigentlich recht zufrieden und verteilte das Buch wieder an alle möglichen Leute. Die Resonanz war durchweg gut. Als ich mir die Sache im vergangenen Jahr noch einmal zu Gemüte zog, gefiel mir der Inhalt stilistisch überhaupt nicht mehr, weshalb ich es erneut stark überarbeitete. Das ist der Status Quo . . .

Und dankeschön für´s Lesen Wink !

Gruß, Uwe
 
  Goetkowski 
 
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BeitragVerfasst am: 05.02.2010, 12:34
Hallo Uwe,
Du schreibst ja auch nicht gerade langweilig. Herzlich willkommen im Pool und Danke für Deinen Beitrag in meinem Thread.

Thomas

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  Thomas Becks 
 
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BeitragVerfasst am: 05.02.2010, 17:40
Das ist eine grosse Erfahrung, Uwe,
und Deine Schreibe ist in der Tat
nicht schlecht.

Viele Grüsse
Wero
 
  Wero 
 
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BeitragVerfasst am: 05.02.2010, 17:55
Kurz und knapp: Herzlich willkommen! cheezy grin

Barbara

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BeitragVerfasst am: 05.02.2010, 17:59
Hallo Uwe,

auch von mir ein herzliches Willkommen im Pool welcome

Grüße

Heiner

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  Heiner 
 
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BeitragVerfasst am: 06.02.2010, 06:21
Moin,

ich möchte Euch etwas verspätet für die Willkommensgrüße danken. Hatte ich gestern im Eifer des Gefechtes ganz vergessen Wink . . .

Gruß, Uwe
 
  Goetkowski 
 
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BeitragVerfasst am: 06.02.2010, 11:07
Hallo Uwe!

Deine Selbstdarstellung ruft hohen Respekt hervor.

Nicht (nur) die Schulausbildung und ein gewisses
Schreibtalent sind für einen Schriftsteller maßgebend.

Es ist vielmehr die Fähigkeit erforderlich, aus Eindrücken, Er-
lebnissen und eigenen seelischen Narben etwas Ei-
genständiges zu schaffen, in dem sich so mancher
Leser in der einen oder anderen Art wiederfinden
kann.

Ein herzliches Willkommen im Autorenpool und viel
Erfolg für Deine Projekte!

Servus aus der Steiermark!
Hans

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  hwg 
 
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BeitragVerfasst am: 12.06.2010, 21:23
Hallo Uwe,

Gratulation zu Deinem Buch. Ich wünsche Dir Umsatz satt !

Viele Grüsse
Walter
 
  Walter Roeder 
 
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BeitragVerfasst am: 12.06.2010, 22:10
Sehr geehrter, allerliebster und teuerster Goetkowski,


in aller Demut sage ich:

welcome


Mögen Sie hier treue Freunde und anregende Gespräche finden!

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Trinkt ein Vampir Bier? Die Antwort findest Du in meinem Vampir-Lexikon.
Suche Verlag für mehrere Vampir-Projekte. Wenn die Konditionen stimmen, gern Diogenes.
 
  chnuppesaager 
 
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BeitragVerfasst am: 13.06.2010, 00:18
Ja, das kommt mir bekannt vor...

Viel Erfolg für dein Buch thumb up

Trockene Grüße
Artus

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SchmerzDame

DIE STEINZEITFRAU
 
  Artus 
 
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BeitragVerfasst am: 13.06.2010, 06:27
Klingt interessant und ansprechend!
Viel Glück!
Blanca

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«Die Kalorien-Königin», 2009/ «Die Pralinen-Prinzessin», April 2011/ «Ein kenianischer Sommer», Oktober 2011
Mein BOD-Buch:
«Allein in Afrika», 2005
www.blancaimboden.ch
 
  Blanca Imboden 
 
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