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Gormadan braucht dich! Band 1: Das Herz im Wasser

BeitragVerfasst am: 02.03.2010, 12:35
Titel: Gormadan braucht dich!
Autor: Jasmin Sandhöfer

Verlag: BoD
ISBN: 978-3-8370-9399-5
Seiten: 276
Preis: 14,99

Der Autor über das Buch:

Thomas ist ein ganz normaler Junge. In die Schule geht er nicht gern, dort hat er auch nicht viele Freunde. Aber in seinem Computerspiel ist er ein Held und wird von vielen anderen Spielern bewundert! Als seine Eltern ihm das Spiel wegen schlechter schulischer Leistungen verbieten, bricht für Thomas eine Welt zusammen. Da erhält er eine sonderbare Email, die ihm einen Ausweg bietet...

Stefanie ist ein schüchternes Mädchen. Sie schreibt gute Noten und will ihre Eltern durch gute Schulleistungen stolz machen. Sie hasst Computerspiele und verbringt ihre Freizeit lieber mit lesen. Durch ihre Bücher träumt sich aus der Realität in Märchen, die viel aufregender sind, als ihr eigenes Leben. Als ihr Freund sie wieder einmal wie so oft versetzt und lieber Computer spielt, beschließt Stefanie, den Spieß umzudrehen. Eine Einladung von einem Unbekannten gibt ihr Gelegenheit dazu...

Viel gemeinsam haben die beiden nicht, aber trotzdem gibt es etwas, das sie schließlich doch verbindet: Gormadan braucht sie!
Die Fantasywelt Gormadan war einst eine friedliche Welt, in der alle Menschen glücklich miteinander lebten. Doch es ist etwas Schreckliches passiert!
Und nun liegt Gormadan in der Hand von Stefanie und Thomas!

Inhalt:

Hallo liebe Autoren-Kollegen!

Hier möchte ich euch meine Erstveröffentlichung vorstellen:
Gormadan braucht dich! Band 1: Das Herz im Wasser

Anbei füge ich eine kleine Leseprobe, die ersten drei Seiten des Werks.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und freue mich auf eure Meinungen! Smile



Thomas

Thomas holte Schwung und warf seinen Rucksack in die nächste Ecke seines Zimmers. Wieder ein Tag Schule überstanden! Thomas war vierzehn, bald fünfzehn, und wie die meisten Jugendlichen hatte auch er nur wenig Lust auf Schule und war froh, wenn er am Nachmittag frei hatte.
Jetzt erstmal den PC anmachen! Thomas schwang sich in seinen Schreibtischstuhl. Er ächzte, als er sich die ausgetretenen Sneaker von den Füßen streifte und sie achtlos unter den Schreibtisch fallen ließ. Beine hoch und ne kalte Coke! Das war es, was er jetzt brauchte! Mit einem Klacken schnippte er den Kronkorken von der kühlen Flasche, die er sich auf dem Weg in sein Zimmer noch schnell aus dem Kühlschrank geholt hatte. Es zischte und schäumte, als das fast gefrorene Getränk aus dem Flaschenhals zu sprudeln drohte. Schnell nahm Thomas die Flasche außer Reichweite seiner Tastatur, setzte sie an den Mund und trank sie in einem Zug bis zur Hälfte leer. Ahh, das tat gut!
„Pling“ meldete der PC, als er ratternd hochfuhr. Verdammt, warum dauerte das so lange? Es musste dringend ein neuer PC her mit einem schnelleren Prozessor und einer besseren Grafikkarte! Man konnte mit dem alten Ding ja kaum mehr noch spielen! Thomas lehnte sich in seinem Sessel zurück und betrachtete ungeduldig die Wände in seinem Zimmer, während er darauf wartete, dass auf dem Bildschirm endlich Windows erschien und er loslegen konnte.
Viele bunte Poster hingen in seinem Zimmer. Poster von Star-Wars-Kriegern, Orks und Goblins und anderen fantasievollen Gestalten. Schon als er als Sechsjähriger zum ersten Mal mit seinem Onkel Star Wars gesehen hatte, war er fasziniert von den fremden und exotischen Welten und Wesen gewesen, fasziniert von der aufregenden und auch traurigen Geschichte des Luke Skywalker. Oft hatte er damals davon geträumt, genauso wie Luke zu sein, tausend aufregende Abenteuer zu bestehen und als Held gegen das Böse zu kämpfen! Manchmal tat es ihm leid, dass er jetzt älter war und von Star Wars nur eine Illusion geblieben war. Die Realität war leider nicht mal halb so aufregend, geschweige denn konnte man in der Realität ein Held sein. Der beste Beweis dafür war schließlich die Schule. Aber es gab da doch noch eine kleine Fantasiewelt, durch die er manchmal aus der langweiligen Wirklichkeit flüchten konnte.
Das Willkommenslogo von Windows erschien endlich und die entsprechende Melodie ertönte dazu. Wurde auch Zeit! Es kam Leben in Thomas und er beeilte sich, sich in seinem Stuhl aufrecht zu setzen und die rechte Hand auf die Funkmaus zu legen. Wenigstens die Maus war nicht mehr aus dem achtzehnten Jahrhundert, die hatte er sich von seinem lang gesparten Taschengeld gekauft! In freudiger Erwartung war Thomas zu schnell aufgesprungen und stieß mit dem Knie an den Schreibtisch. Oh nein, die Coke! Thomas versuchte, da Getränk aufzufangen, das gefährlich nahe an der Schreibtischkante gestanden hatte und jetzt durch den Stoß mit seinem Knie an die Tischplatte ins Schwanken gekommen war. Leider war er nicht sehr geschickt. Zu spät! Schon lag die halbausgetrunkene Flasche auf dem Boden und der braune Inhalt ergoss sich sprudelnd und zischend auf den hellen Teppich. Mist! Wenn das seine Mutter wieder sah!
„Tom? Bist du schon zu Hause?“ Wenn man vom Teufel spricht! Toms Mutter ließ die Haustür mit einem Krachen ins Schloss fallen. Er hörte, wie sie ächzend und polternd den Flur entlang lief. „Tom! Hilf mir mal mit den Einkäufen!“ Es klirrte und schepperte, als sie irgendwas auf dem gefliesten Boden abstellte.
Auch das noch! Er wollte doch noch seine Daily-Quests machen, bevor der Raid los ging! Durch den dummen Nachmittagsunterricht heute hatte er eh schon viel zu viel Zeit vergeudet! Schließlich war er mit seinen Schlachtzugs-Kollegen schon in zwei Stunden verabredet!
Thomas überlegte, ob er so tun sollte, als sei er gar nicht da. Seine Mutter wusste wahrscheinlich gar nicht, wann er heute Schulschluss gehabt hatte! Mit dem neuen Stundenplan war sie noch nicht vertraut. Er ebenso wenig! Immer musste er seine Klassenkameraden fragen: „Was haben wir als nächstes?“ Und oft hatte er die falschen Bücher dabei, weil er Dienstag mit Donnerstag verwechselt hatte und am Dienstag nun mal Geographie und nicht Geschichte auf dem Stundenplan stand. Meistens lieh ihm dann auch niemand ein Buch, sodass er wieder einen Tadel im Klassenbuch stehen hatte, wenn der Lehrer es unweigerlich merkte, dass er seine Materialien nicht dabei hatte. Er hatte deswegen schon öfter nachsitzen müssen.
Die Autoschlüssel seiner Mutter klirrten, als sie sie wie immer auf die Kommode im Flur legte. „Thomas!! Komm endlich und hilf mir! Ich weiß, dass du da bist!“ Oh oh, das klang nun gereizt und leicht wütend. Er musste wohl doch helfen! Woher sie nur wieder wusste, dass er schon da war?
Mit einem Seufzen wälzte Thomas sich aus dem Schreibtischstuhl und wollte gerade die Klinke der Tür drücken, als seine Mutter ihm schon zuvorgekommen war. Er hatte ihre Schritte gar nicht gehört! „Wie sieht's denn hier wieder aus! Ja, ich glaub dir geht’s zu gut, mein Lieber!“
Seine Mutter stemmte die Hände in die ausladenden Hüften und riss die Augen weit auf, sodass die tiefen Falten in ihrem Gesicht fast glatt gezogen waren. Ihr Blick fiel zuerst auf den in einer Ecke des Zimmers liegenden Kleiderhaufen und sie setzte zu einer Predigt über das richtige Aufbewahren von Kleidung an. Gut, sie war abgelenkt! Eines der wenigen Male, wo Thomas froh war, dass sie seine dreckigen Klamotten am Boden entdeckt hatte! Schnell versuchte Thomas, die Chance zu nutzen und sich vor den Colafleck neben seinem Schreibtisch zu stellen. Doch er hatte kein Glück!
„Thomas! Was ist das? Geh da mal weg!“ befahl seine Mutter, als ihr messerscharfer Blick die Bewegung, mit der Thomas sich vor dem Fleck aufstellen wollte, im Augenwinkel registrierte. Typisch Mütter! Alles mussten sie bemerken! Als ob sie ein Radar dafür hätten! Die Schimpftirade über den Unterschied von sauberer und schmutziger Kleidung und den Wasserverbrauch beim Waschen war vergessen. Vorerst! „Mein Gott, wie oft muss ich dir noch sagen, dass du aufpassen sollst!?! Und wieder dieses Colazeug! Ich kaufe keines mehr, das sag ich dir! Hol sofort einen Lappen und wasch das aus! Wenn dein Vater das sieht, dann gibt’s ein Donnerwetter! Das kann ich dir sagen! Und Hausaufgaben hast du wahrscheinlich auch wieder nicht gemacht! Womit hat man sowas nur verdient? Die Jugend heutzutage! Nee! Bei meine Eltern hätte es sowas nicht gegeben!“ Thomas kannte Standpauken dieser Art und ließ ihr gackerndes Gerede einfach an sich herabrauschen.
Toms Mutter schlug jetzt die Hände über dem Kopf zusammen und seufzte tief. Bestimmt aber schwerfällig hatte sie auf dem Absatz kehrt gemacht und stapfte in Richtung Küche. Auf dem Weg dorthin ließ sie sich weiter aus über die missratene Jugend von heute und wie anders (in ihren Augen eindeutig besser) früher alles gewesen war. Sie holte ächzend einen Lappen unter der Spüle hervor und ließ Wasser in einen Eimer laufen. Währenddessen schimpfte sie weiter vor sich hin und warf ihm teils böse teils genervte Blicke zu. Ihr Mund bewegte sich, aber er verstand nur „Bla bla bla“. Mittlerweile wusste er, dass es besser war, nicht zu widersprechen und einfach gar nichts zu sagen, gar nicht hinzuhören!. Es tat nur in den Ohren weh. Die würde sich schon wieder beruhigen. Thomas war gefügig hinter seiner Mutter her in die Küche getrottet und ließ sich den nassen Lappen und den Putzeimer in die Hand drücken, womit er den Colafleck auswaschen sollte. [...]

„Sssschhhhh“ machte es, als Thomas auf die Klospülung drückte. Mit der einen Hand schloss er den Reißverschluss seiner Hose, mit der anderen drückte er schon die Klinke der Tür. Bloß keine Zeit verschwenden, gleich würde es los gehen!
„Thomas, kommst du mal ins Wohnzimmer?“ Oh nein, sein Vater hatte die Toilettenspülung gehört! Er hatte gedacht, er könnte sich schnell auf die Toilette, von da in die Küche zum Kühlschrank und von dort wieder unbeachtet in sein Zimmer schleichen!
„Was ist denn!?“ rief Thomas genervt, „Ich muss noch Hausaufgaben machen!“ Seine Eltern mussten ja nicht wissen, dass er schon wieder am zocken war! Die waren darauf sowieso nicht gut zu sprechen! Er spielte zu viel, hieß es, und vernachlässigte die Schule! Missmutig ging er langsam zwei große Schritte in Richtung Wohnzimmer, nachdem sein Vater ihm nicht antwortete. Im Türrahmen blieb er stehen. Nicht dass sie noch auf die Idee kamen, er solle sich zu ihnen setzen! Das Donnerstagabend-Spießer-TV-Gucken war nicht sein Ding!
Sein Vater hatte sich breit auf dem alten, beige und kackbraun geblümten Sofa ausgestreckt und guckte mit einem Bier in der Hand die Nachrichten. Seine Mutter saß neben ihm auf dem Sessel, hatte ihre Lesebrille auf und strickte an irgendwas herum. Vor ihr stand eine kitschige Tasse und eine weiße Porzellankanne mit Kamillentee. Wie immer. Alles wie immer. So langweilig wie die wollte er nie werden!
Als sein Vater ihn im Türrahmen erblickte, stellte er sein Bier auf den Couchtisch, der aus den späten Siebzigern stammte, und setzte sich ächzend auf. „Komm mal hier rein und setz dich“, brummte er und klopfte mit der linken Hand auf die nun freie Sitzfläche neben sich. Auch das noch! Er hatte doch keine Zeit mehr! In fünfzehn Minuten ging es los! Die Gilde verstand mit Zuspätkommern keinen Spaß! Jeder war schließlich ersetzbar! Sogar er!
„Aber Papa, ich muss noch Mathe machen und für die Schulaufgabe in Englisch muss ich auch noch lernen und jetzt ist es schon kurz vor sieben!“ versuchte Thomas sich aus der Affaire zu ziehen. Aber sein Vater blieb hart.
„Setz dich!“ sagte er trocken und blickte ihm mit eisernem Blick direkt in die Augen.
Thomas seufzte laut und machte sich widerwillig auf in Richtung Sofa. Bei so einem Blick duldete sein Vater keine Widerworte! Was er nur wieder wollte! Hoffentlich ging das schnell, sonst konnte er die Aufnahme in die Gilde schon vor dem Probekampf vergessen! Fieberhaft überlegte er sich schon, was er dem Raidleader zum Grund seines Verspätens sagen wollte. Wobei er genau wusste, dass Entschuldigungen bei der Gilde sowieso sinnlos waren. Für Zuspätkommen gab es ganz einfach keine Entschuldigung! Hatte seine Mutter etwa die Sache mit der Cola gepetzt? Aber das war doch wirklich lächerlich! Klar hätte er etwas aufpassen können und vielleicht sollte er nicht so viel Coke trinken, aber die hielt ihn nun mal wach! Wer trank schon nicht gern ne kalte Cola nach nem einschläfernden Tag in der Schule? Außerdem hatte er den Fleck doch wieder weggeputzt! Schließlich war der Teppich ja nicht weiß, sondern vorsorglich in einem neutralen, schmutzaufsaugenden und fleckenverdeckenden Beigegrau! Vorsichtsmaßnahme seiner Mutter.
Thomas ließ sich ganz außen an der etwas speckigen Sofakante neben seinem Vater nieder, guckte geradeaus an die gegenüberliegende Wand und stützte die Ellbogen auf die Knie.
Seine Mutter seufzte tief und legte das Strickzeug auf den Tisch. Sie setzte sich auf, nahm die Lesebrille mit dem goldfleckigen Rand ab und faltete die Hände ihm Schoß. Ihre Hände sahen alt aus und ihr Gesicht müde. Eine lose Haarsträhne, die schon von schmutzigem Grau durchzogen war, hing ihr in die Stirn. Wann war seine Mutter so alt geworden?
Thomas Vater schaltete den Fernseher auf lautlos und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. Er wirkte immer noch respekteinflösend mit seinen breiten Schultern und den großen Arbeiterhänden, auch wenn er langsam ein Bäuchlein ansetzte und sein Haar immer lichter wurde.
„Hey, es tut mir echt leid, dass ich die Coke ausgeschüttet habe! Ich hab nicht aufgepasst! Kommt nicht wieder vor, versprochen!“
Thomnas versuchte in die Offensive zu gehen, in der Hoffnung, dass es so schneller ging und er noch pünktlich zum Start da sein konnte. Zum Glück hatte er das Spiel auf dem PC weggeklickt und wenn man nun auf den Bildschirm guckte, sah man nur noch den Desktop mit dem Desktopbild von Dragator und seinen Freunden vor dem besiegten Boss. Es merkte also keiner, dass er am Spielen war! Seine Eltern waren nicht so computerkundig, dass sie die kleine Leiste unten am Bildschirmrand entdeckt hätten, hätten sie auf dem Bildschirm nachgeguckt. Hausaufgaben konnte man schließlich auch am PC erledigen! Vor allem, wenn man englische Vokabeln mit diesem Lernprogramm lernen wollte, dass ihm seine Mutter vor ein paar Wochen gekauft hatte. Dass er es noch nie verwendet hatte und es unausgepackt und unbeachtet mitten zwischen all den anderen Dingen, die er nicht mochte, lag, musste ja keiner wissen!
„Von der verschütteten Cola habe ich gehört, Thomas, aber das ist nicht das, was deine Mutter und ich mit dir besprechen wollten.“ unterbrach ihn sein Vater bestimmt.
Ach nicht? Was denn dann? Thomas wunderte sich und überlegte fieberhaft, was er denn verbrochen haben konnte, aber es fiel ihm eigentlich nichts ein. Oder hatten sie etwa die Bravohefte, die er sich mal von einem Klassenkamerad geliehen hatte entdeckt? Beim Gedanken daran wurde er rot, auch wenn er wusste, dass die Bravo ja eigentlich harmlos war und fast jeder in der Klasse sie las. Konnte er ja nix dafür, wenn seine Eltern so spießig waren, dass sie ihm nicht mal die Bravo erlauben wollten! Sogar seine Lehrer sagten, dass die Bravo ok war! Wenn es solche Zeitschriften nicht gäbe, wäre er bis heute nicht mal aufgeklärt! Innerlich schüttelte er den Kopf über die Spießigkeit seiner Eltern. Nicht mal auf Parties durfte er gehen! Aber das war nun eh egal, weil ihn sowieso keiner mehr einlud, weil er eh immer absagen musste! War ihm auch gar nicht wichtig, denn was wollte er auf einer Party, wo er einer von Vielen war, wenn er Dragator in World of Warcraft sein konnte!
„Es geht um deine Noten, Thomas,“ sagte sein Vater sehr langsam mit seiner tiefen und von den vielen Zigaretten schon rauh gewordenen Stimme und unterbrach damit Thomas Überlegungen. „Du weißt, dass wir nicht von dir erwarten, dass du ein Musterschüler bist. Wir waren ganz einverstanden damit, dass du von der Realschule runter auf die Hauptschule gehst. Deine Mutter und ich waren schließlich auch nur auf der Hauptschule! Aber dass du jetzt auf der Hautpschule auch so schlechte Leistungen zeigst, das macht uns schon große Kopfzerbrechen! Willst du etwa auf die Sonderschule gehen? Wie willst du nächstes Jahr deinen Quali schaffen?“
Thomas stöhnte innerlich auf. Wenn das eines dieser Gespräche werden würde, dann reichte es ihm jetzt schon! Ja, ja, er wusste ja, dass er nicht der Beste in der Schule war! Aber Schule war eben auch langweilig! Und wozu sollte man das alles brauchen, was man da lernte? Er wusste sowieso, dass er mal PC-Spiele-Hersteller oder sowas in der Art werden wollte! Wozu brauchte er dann Geschichte oder Geographie und das ganze andere nutzlose Zeugs? Geschafft hatte er das Klassenziel bisher immer! Ob er da Vieren auf dem Zeugnis stehen hatte oder Zweien war doch dann auch egal! Wen kümmerte das? Von Noten konnte man sich nichts kaufen!
Nervös guckte er auf die kontinuierlich tickende Standuhr in der Ecke neben dem Fernseher. Nur noch zehn Minuten. Verdammt! Er musste das hier schnell hinter sich bringen! Deshalb unterbrach er den Redeschwall seines Vaters: „Ja, Papa, ich weiß doch! Ich streng mich doch auch an! Deshalb will ich doch jetzt auch Hausaufgaben machen und noch für Englisch lernen! Du weißt doch, nächste Woche am Montag schreiben wir Schulaufgabe!“
„Unterbrich mich nicht!“ Der Vater war plötzlich von seiner Sofaecke aufgefahren, stemmte die Fäuste in die Seite und schaute ihn böse an. Er wirkte richtig bedrohlich und Thomas zuckte unwillkürlich tiefer in seine Ecke des Sofas zurück.
„Es geht doch nicht nur darum! Mensch, denkst du wir sind dumm?“ Thomas Vater warf die Hände in die Luft und die Ader auf seiner Stirn begann zu pochen. „Deine Mutter hat längst gemerkt, dass du gar nicht so viel lernst, wie du sagst! Du spielst dieses Spiel! Dieses, wie heißt es noch, Luise, hilf mir mal!“
„World of Warcraft“ sagte seine Mutter trocken und Thomas stockte der Atem.
Der Mund blieb ihm beinahe offen stehen, als er seine Mutter den Namen seines Spiels aussprechen hörte. Woher wusste sie, wie es hieß? Hatte sie doch in seinem Computer geschnüffelt? Er wusste nicht, ob er sauer oder empört sein sollte! Den verzweifelten Blick seiner Mutter bemerkte er nicht. Thomas guckte auf den Boden und versuchte die verschiedenen Farben, aus welchen die Wolle des Teppichbodens bestand, zu identifizieren.
„Ja, wie auch immer!“ wetterte sein Vater weiter, „Du spielst jedenfalls ständig dieses idiotische Spiel, bei dem immer irgendwelche Leute umgebracht werden! Es lenkt dich von deiner eigentlichen Aufgabe ab! So viel steht jedenfalls fest! Aber damit hat es jetzt ein Ende!“
Thomas Vater lehnte sich wieder im Sofa zurück und verschränkte unterstreichend die Arme vor seiner Brust. Thomas konnte die borstigen dunklen Haare auf den muskulösen Unterarmen seines Vaters sehen. Irgendwie ekelhaft!
„Deine Mutter und ich haben beschlossen, dass wir die monatliche Gebühr für das Spiel nicht mehr länger bezahlen! Der Vertrag ist schon gekündigt!“ sagte der Vater mit einem gewissen genugtuenden Unterton in der Stimme. Er lächelte boshaft, als er fortfuhr: „Ab dem nächsten Monat gibt es kein World of wie-auch-immer mehr für dich!“
Thomas erstarrte innerlich, als er die Worte, die wie Peitschenhiebe aus dem Mund seines Vaters kamen, vernahm. Wie in Zeitlupe bewegte sich der Mund seines Vaters, als er die Worte „gekündigt“ und „nicht mehr länger bezahlen“ aussprach. Was meinte sein Vater damit nur? Den Vertrag gekündigt? Nein! Das konnten sie ihm nicht antun! WoW war sein Leben! Hier war er ein Nichts, aber in der andern Welt war er unter den zehn Besten seines Servers! Dort kannte ihn jeder! Man schätzte ihn und blickte zu ihm auf! Das konnten sie ihm nicht nehmen! Nein! Er war den Tränen nahe. Aber jetzt zu heulen, erlaubte er sich nicht. Er war wütend! Am liebsten würde er seinen Vater anschreien, ihm sagen, dass er nie so werden würde wie er! Dass er ganz anders sein wollte und dass er auf die Schule und das ganze spießige Leben scheißen würde! Aber er konnte es nicht. Sein Hals war wie zugeschnürt. Er war wie versteinert und blieb sitzen wo er war. Mit den Ellbogen auf den Knien aufgestützt, dem Kinn in den Händen. In der speckigen muffigen Sofaecke saß er, auf dem beigen abgenutzten Blümchenmuster und konnte sich nicht bewegen.
Der Nachrichtensprecher im Fernsehen bewegte lautlos den Mund, als er über die finanzielle Lage Deutschlands berichtete. Alles lief wie in Zeitlupe.
Träge bewegte Thomas den Kopf wieder auf seinen Vater zu, als dieser seine Arme auf der Sofalehne ablegte und weiter sprach: „Wir wissen, dass dein Onkel dir einen neuen PC zum Geburtstag schenken will. Wir sind ja dagegen, allerdings können wir uns auf einen Kompromiss einigen. Du darfst den PC von Herbert annehmen, wenn du dich in der Schule besserst. In der nächsten Schulaufgabe will ich mindestens eine Drei sehen, mein Junge, ist das klar?!“
Auf die Frage seines Vaters gab es kein Möglichkeit für Widerworte und Thomas konnte nur schwindelig nicken. Sein Kinn fiel dabei aus seinen schweißnassen Händen und er verschränkte die Arme auf den Knien. In sich zusammengesunken starrte er wieder den abgenutzten, undefinierbar gemusterten Teppich an. Ein neuer Computer, den hatte er sich schon lange gewünscht! Doch der kurze freudige Blitz, der ihn durchzuckte, als sein Vater das Geburtstagsgeschenk erwähnte, löste sich in Bauchschmerzen und Resignation auf. Was nützte ihm jetzt ein neuer Computer, wenn er nicht mehr WoW spielen konnte? Er hätte schreien können vor Wut und Verzweiflung! Wie gemein konnte man eigentlich sein?! Aber von außen gesehen, saß er immer noch da wie versteinert, wie teilnahmslos, als ob ihn das alles gar nichts anginge. Als ob da ein anderer säße, aber nicht er.
„So, du weißt jetzt Bescheid. Dieses World of Kraft hat sich für dich erledigt. Man hört sowieso nur Schlechtes darüber! Gerade erst kam in den Nachrichten wieder ein Bericht über diese Killerspiele! Ich will nicht, dass mein Sohn ein Amokläufer wird! Nicht mein Sohn! Wir sind eine anständige Familie! Jeder von uns hat mit seinen Händen und im Schweiße seines Angesichts gearbeitet und nie gejammert! Mein Großvater, mein Vater und ich ebenso! Genauso wirst auch du das tun! Mein Sohn wird kein Amokläufer! Deinen neuen PC kannst du dann schön für die Schule nutzen, angenommen du bekommst in Englisch was Ordentliches heraus! Ich erwarte die Note dann.“
Mit diesen Worten lehnte sich sein Vater wieder in die linke Sofaecke zurück, griff nach der immer schmierig aussehenden Fernbedienung und verschränkte die Arme wieder vor der Brust.
„Jetzt geh und mach deine Hausaufgaben, Junge!“ wischte sein Vater mit der Fernbedienung in der Hand das Gespräch vom Tisch.
Die Nachrichten flimmerten weiter über den TV-Bildschirm, der Sprecher fand nun auch den Ton zu den Bewegungen seines Mundes wieder und Toms Mutter begann, nachdem sie ihm noch einmal müde lächelnd und kurz seufzend zugenickt hatte, ihre Strickarbeit aufzunehmen. Es gab hier nichts mehr zu sagen. Er wurde nicht mehr beachtet. Sein Vater lachte herzlich und dröhnend über einen Witz, den ein Außenreporter über irgendeine Situation irgendwo machte. Seine Mutter blickte von ihrer Wolle auf, lächelte ihren Mann an und schmunzelte nickend. Dann vertiefte sie sich wieder in die gräulichweiße Wollmasse in ihren Händen. Die Spießerkulisse hatte ihn wieder ausgespuckt und er war nicht mehr Teil dieser Szene.
Versteinert erhob Thomas sich, ging wie ferngesteuert aus dem Raum, in sein Zimmer hinauf und setzte sich an den Schreibtisch. Er konnte es nicht fassen. Das konnten die unmöglich ernst meinen! Sein Blick fiel auf die Uhr. Oh nein! Schon drei Minuten vor sieben! Jetzt aber schnell! Er war so durcheinander! Oh Mist, und was zu Trinken hatte er auch vergessen! Aber dafür war jetzt keine Zeit mehr! Da er so lange weg gewesen war, hatte sein Charakter sich automatisch aus dem Spiel ausgeloggt und er musste sich beeilen, um noch rechtzeitig zum Raid online zu sein.
Schnell tippte er das Passwort ein, weil er so durcheinander war, vertippte er sich und musste er es nochmal eingeben. Wenigstens die Aufnahme in die Gilde wollte er noch schaffen, auch wenn er nun völlig fertig und durcheinander war. Sie konnten das unmöglich ernst meinen! Er würde erst mal abwarten. [...]

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BeitragVerfasst am: 03.03.2010, 10:31
Die Idee ist nicht schlecht, aber manchmal ist weniger doch mehr - hier speziell die Ausrufezeichen. Die Leseprobe ist übersät davon. Manchmal sogar noch hinter einem Fragezeichen ein zusätzliches Ausrufezeichen. Kein schönes Bild.

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Viele Grüße von Nicolas

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BeitragVerfasst am: 03.03.2010, 17:11
Hallo Nicolas!

Ich danke dir für deine Kritik. Das wäre dann in der nächsten Auflage zu beachten! cheezy grin

Gruß Jasmin

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BeitragVerfasst am: 04.03.2010, 09:45
Herzlichen Glückwunsch. thumb up thumb up thumb up

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BeitragVerfasst am: 04.03.2010, 10:32
Danke Marlene! Very Happy

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