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Grenzliebe

BeitragVerfasst am: 09.08.2009, 16:01
Titel: Grenzliebe
Autor: Gabriele Schulz

Verlag: Books on Demand, Norderstedt
ISBN: 9783837081800
Seiten: 120
Preis: 8,90

Klappentext:

Nur widerwillig lässt Katja die Erinnerungen an eine Zeit lebendig werden, in der noch Minenfelder und Selbstschussanlagen Deutschland zerschneiden. Eine Zeit, die sie auch von ihrer ersten großen Liebe trennt. Denn Katja lebt 1979 in Kassel und Gunnar - nur wenige Kilometer entfernt - hinter dem Eisernen Vorhang. Doch plötzlich ist die Grenze offen. Bekommen Katja und Gunnar nach zwölf Jahren eine zweite Chance?

Für das Drehbuch-Treatment, auf dem dieser Roman basiert, erhielt die Autorin den, von der Relevant Film GmbH (Hamburg) ausgelobten Kasseler Drehbuchpreis. Die Jury begründete ihr Urteil wie folgt: "Gabriele Schulz hat ein sehr sorgfältig recherchiertes Treatment vorgelegt, das emotional packend geschrieben ist. (...) Grenzliebe spürt auf einfühlsame Weise den Folgen der großen Geschichte für den Einzelnen nach."

Gabriele Schulz wuchs im geteilten Deutschland auf. Als Kind und Jugendliche fuhr sie oft zu ihren Großeltern nach Thüringen. Auf den Erfahrungen und Erlebnissen der Reisen über die deutsch-deutsche Grenze beruht diese Geschichte.

In 2008 wurde eine Kurzgeschichte von Gabriele Schulz veröffentlicht. * Die Autorin arbeitet bei einer Tageszeitung als freie Mitarbeiterin, steht für die Aufzeichnung einer lokalen Nachrichtensendung hinter der Kamera und hält Lesungen. Weitere Ideen sind in Arbeit!

* aktueller Nachtrag: Im Herbst 2009 erscheinen zwei weitere Kurzgeschichten und ein Gedicht (ebenfalls im Wolkenreiter-Verlag)


Inhalt:
Vor einigen Jahren bin ich mit meinen Kindern über die ehemalige Grenze gefahren. Und begann zu erzählen: Von zermürbenden Kontrollen, Selbstschussanlagen und Minenfeldern ... "Minenfelder?!?" Ja, die gab es auch mal mitten in Deutschland - direkt vor unserer Haustür. Dieses Gespräch war die Geburtsstunde von "Grenzliebe".

Um die Erlebnisse meiner häufigen Reisen als Jugendliche über die deutsch-deutsche Grenze rankt sich die Liebesgeschichte um Katja aus Kassel und Gunnar aus Thüringen, die 1979 ihren Anfang nimmt. Es ist eine Liebe, die an Grenzen stößt, Grenzen überwindet und Auswirkungen bis nach der Wende hat. Dabei steht immer diese Geschichte um eine erste Liebe im Vordergrund - der Leser erfährt eher "so nebenbei" etwas mehr über den Wahnsinn der jüngsten deutsch-deutschen Vergangenheit.

Leseprobe:

Prolog - April 1991


Nie werde ich seinen Blick vergessen. Den Ausdruck in seinen Augen, bevor er über die Mauer sprang. Nein, nicht über die, die uns eigentlich trennte. Diese war sorgfältig aus hellen, löchrigen Kalksteinen aufgeschichtet worden ...


„Katja! Katja?“ Hatte Tillmann schon lange mit seinem vollen Tablett vor mir gestanden?
„Oh, hallo!“ Verlegen lächelnd deutete ich auf den freien Platz mir gegenüber. Prüfend sah mich Tillmann an. „Ist alles in Ordnung? Du hast mich ja gar nicht bemerkt.“
„Entschuldige, ich war nur in Gedanken.“ Während Tillmann die Teller mit Vorsuppe, Hauptspeise und Salat des heutigen Kantinenmenüs vor sich sortierte, warf er mir einen fragenden Blick zu.
„Gestern habe ich eine Einladung zum Klassentreffen bekommen. Das erste. Zehn Jahre nach der Schule.“ Offensichtlich hatte er auf meine Erklärung gewartet.
„Hhm, muss ich mir etwa Sorgen machen, dass du dann deinen ersten Freund wieder triffst?“ Tillmann zwinkerte mir zu. Doch ich bemerkte den ernsten Blick, mit dem er mich nun betrachtete. Lachend ging ich auf seinen flapsigen Ton ein, obwohl auch mir heute nicht nach Scherzen zu Mute war.
„Ganz bestimmt nicht! Weißt du, wie dumm und unreif mir die Jungs aus meiner Klasse damals vorkamen? Nein, meinen Verflossenen sehe ich dort ganz gewiss nicht.“
„Aber“, fuhr ich nach einigen Löffeln von einem undefinierbaren Nachtisch fort, „vielleicht treffe ich meine frühere Freundin wieder. Sie wohnt schon lange in Berlin. Wir haben uns völlig aus den Augen verloren. Seit über acht Jahren habe ich nichts mehr von ihr gehört.“
„Ist bestimmt spannend, sich nach so langer Zeit wieder zu sehen. Wann ist dein Klassentreffen?“
„In gut einer Woche. Am Ostersamstag“, antwortete ich. Aber ich war mit meinen Gedanken schon wieder weit weg. Rasch verabschiedete ich mich von Tillmann, obwohl ich merkte, dass er mir noch etwas sagen wollte.

Erst seit zwei Wochen verbrachten wir jede Mittagspause zusammen. Und doch würde ich unsere Gespräche schon jetzt vermissen. Auch sein liebes Lächeln. Genau wie seine Art, beim Zuhören den Kopf interessiert vorzubeugen. Und natürlich seine kreativen Vorschläge, um meine ständig nörgelnde Kollegin zum Schweigen zu bringen. Obwohl ich seine Anregungen natürlich nie in die Tat umsetzte. Aber der bloße Gedanke daran, rettete mir meistens den Tag. Immer öfter ertappte ich mich dabei, dass ich mich viel mehr auf die Mittagspause, als auf den Feierabend freute.
Trotzdem vermied ich alles, was Tillmann auf eine festere Freundschaft hoffen lassen könnte. War es die bittere Erfahrung, die mich so vorsichtig reagieren ließ? Gerade jetzt, wo die Einladung zum Klassentreffen mühsam unterdrückte Erinnerungen mit Macht an die Oberfläche lockte?
Im Gegensatz zu anderen Freitagabenden fand ich in meiner Wohnung nichts, was ich hätte putzen können. Jedes Regal war entstaubt und alle Böden gewischt. Es gab nicht mal ein dreckiges Fenster. Sogar den Backofen hatte ich gestern geschrubbt, bis meine Hände rot und aufgesprungen waren.
Nur um nicht an die Einladung denken zu müssen, die so unschuldig in einem zartgelben Umschlag im Briefkasten gelegen hatte. Es war also möglich, mich zu finden. Auch nach so langer Zeit! Ich konnte nicht verhindern, dass diese Erkenntnis einen leichten Schmerz in der Herzgegend verursachte. Würde Claudia tatsächlich von Berlin nach Kassel kommen? Claudia, die Einzige, die je von Gunnar erfahren hatte …
Heute Abend gelang es mir nicht länger, vor der Vergangenheit zu fliehen. Wie ein hungriges Raubtier misstrauisch um allzu leichte Beute, war ich zwei Tage um die Kommode gestrichen. Doch mich warnte nicht nur ein Instinkt vor der drohenden Gefahr. Ich wusste mit Sicherheit, dass die Falle zuschnappen würde, sobald ich die unterste Schublade auch nur berührte. Und doch zog ich an dem abgewetzten Metallknauf.
Der Inhalt, der mir entgegenquoll sah harmlos aus: alte Schulhefte, ein zerschlissenes Federmäppchen voller Tintenflecke und eselsohrige Hefter. Eine Weile fesselten meine saubere Füllfederhalterschrift und wohlwollende Bemerkungen der Lehrer meine Aufmerksamkeit. In tieferen Schichten stieß ich auf Fotos aus der Schulzeit. Ewig hatte ich diese alten Bilder nicht mehr betrachtet. Die blonden Haare fielen mir damals wie heute über die Schultern. Früher band ich sie häufig zu einem schlichten Pferdeschwanz, während ich meine Haare jetzt etwas kürzer und meist offen trug. Meine Augen, die die Farbe von abgestandenem Kamillentee haben, lächelten fröhlich in die Kamera. Nur auf den letzten Fotos sah ich immer ernst oder mürrisch aus.
Beim Umzug in die neue Wohnung hatte ich die alten Erinnerungen sofort in diese Schublade verbannt. Nur einen Gegenstand hatte ich vor genau achtzehn Monaten in den Händen gehalten, bevor ich ihn ebenfalls in das Schränkchen warf. Und anschließend die Schublade zuknallte. Fieberhaft wühlte ich danach und fand den Stein in der hintersten Ecke.
Der Anblick des hellen Kiesels mit seinen rötlichen und glitzernden Streifen stieß endgültig die Tür in die Vergangenheit auf. Zu jenem Samstag vor zwölf Jahren. Der Tag, der mein Leben für immer verändern sollte ...

Weitere Informationen findet Ihr auf meiner Homepage http://wwwgabischulz.de. Über euren Besuch dort würde ich mich sehr freuen!


Zuletzt bearbeitet von Gabriele Schulz am 12.08.2009, 10:51, insgesamt 2-mal bearbeitet
 
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Endlich geschafft!

BeitragVerfasst am: 12.08.2009, 10:48
Hallo!

So, nun hab auch ich es endlich geschafft, eine Leseprobe einzufügen.
Bin immer mit dem Hinweis "Ungültige Sitzung" rausgeflogen und dann war der mühsam reingebastelte Text verschwunden?!?

Deshalb steht auch das, was eigentlich unter "Der Autor über das Buch" stehen sollte bei "Inhalt" - das Feld "Der Autor ..." kann man (sprich: ich) beim Editieren nämlich nicht mehr aufrufen. Und daran schließt sich nun endlich der Beginn von "Grenzliebe" an.

Noch einen schönen Tag und einen lieben Gruß

Gabriele

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Grenzliebe - ein deutsch-deutsche Liebesgeschichte

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