Forum für Books-on-Demand-Autoren » Lektorat » Guido Block-Künzler: Einmal Rügen und zurück - Anklam
Hier klicken, um Mitglied zu werden  Hier klicken, um Mitglied zu werden » Offshore - ist das lesbar?
» Biete Lektorat für Fach- und Sachbücher

Guido Block-Künzler: Einmal Rügen und zurück - Anklam

BeitragVerfasst am: 05.12.2011, 13:46
Guido Block-Künzler: Einmal Rügen und zurück - mit dem Rad rund um Mecklenburg-Vorpommern- Entwurf des Kapitels über die Region Anklam


Hi Ihr Lieben!

Ich nage nun schon mehr als eine Woche an dem Kapitel über Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) herum. Drei Dinge dürfen in einem Reisebericht über die Gegend nicht fehlen: der braune Sumpf, der grüne Sumpf („Europäische Everglades“) und Otto Lilienthal (der hier geboren wurde). Die “Everglades“ habe ich schon im Kapitel zuvor verwurstet. Mein Problem ist der „braune Sumpf“. Die NPD kam bei der Landtagswahl 2011, die einen Tag vor meiner Ankunft stattfand, auf über 13 Prozent - in den Dörfern drumherum teilweise mehr als doppelt so viel. Es gelingt mir nicht, das Thema packend zu packen. Habt Ihr eine Idee?

Liebe Grüße
Euer Guido



Anklam
„Es kann und darf die Fliegekunst nicht für ewig dem Menschen versagt sein.“ (Lilienthal)

Ein Bestsellerautor war er nicht. Ohnehin hat er nur ein Buch geschrieben. Dessen Druck musste er auch noch aus der eigenen Tasche bezahlen. Von den tausend Exemplaren verkaufte er gerade Mal ein Drittel. Der Name des in Anklam geborenen Autors ging dennoch in die Weltgeschichte ein: Karl Wilhelm Otto Lilienthal. Sein Beruf: Bruchpilot – so endete er auch: zerschellt am Fuß eines eigens für seine Flugversuche errichteten Miniaturberges am Stadtrand von Berlin. Seine letzten Worte: „Opfer müssen gebracht werden.“ Der Titel des Ladenhüters: Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst (Berlin, 1889). In der Einleitung beschreibt er prosaisch seine Sehnsucht, wie die Vögel fliegen zu können:
„Alljährlich; wenn der Frühling kommt, und die Luft sich wieder bevölkert mit unzähligen frohen Geschöpfen, wenn die Störche, zu ihren alten nordischen Wohnsitzen zurückgekehrt, ihren stattlichen Flugapparat, der sie schon viele tausende Meilen weit getragen, zusammenfalten, den Kopf auf den Rücken legen und durch ein Freudengeklapper ihre Ankunft anzeigen, wenn die Schwalben ihren Einzug gehalten, und wieder in segelndem Fluge Straße auf und Straße ab mit glattem Flügelschlag an unseren Häusern entlang als Punkt im Äther steht, und mit lautem Jubelgesang ihre Freude am Dasein verkündet, dann ergreift auch den Menschen eine gewisse Sehnsucht, sich hinaufzuschwingen, und frei und frei wie der Vogel über lachende Gefilde, schattige Wälder und spiegelnde Seen dahinzugleiten, und die Landschaft so voll und ganz zu genießen, wie es sonst nur der Vogel vermag.
Wer hätte wenigstens um diese Zeit jemals bedauert, dass der Mensch bis jetzt der Kunst des freien Fliegens entbehren muss, und nicht auch wie der Vogel wirkungsvoll seine Schwingen entfalten kann, um seiner Wanderlust den höchsten Ausdruck zu verleihen?
Sollen wir denn diese Kunst immer noch die unsere nennen, und nur begeistert aufschauen zu niederen Wesen, die dort oben im blauen Äther ihre schönen Kreise ziehen?
Soll dieses schmerzliche Bewusstsein durch die traurige Gewissheit noch vermehrt werden, dass es uns nie und nimmer gelingen wird, dem Vogel seine Fliegkunst abzulauschen? Oder wird es in der Macht des menschlichen Verstandes liegen, jene Mittel zu ergründen, welche uns zu ersetzen vermögen, was die Natur uns versagte? … Die Beobachtung der Natur ist es, welche immer und immer wieder dem Gedanken Nahrung gibt: Es kann und darf die Fliegekunst nicht für ewig dem Menschen versagt sein.“

Es ist kein Zufall, dass der Pionier der Luftfahrt in Anklam geboren wurde, nahe der Europäischen Everglades, wo ihm Störche, Graureiher und anderes Fluggetier seit frühester Jugend täglich die Nase lang machten. Bereits das Universalgenie Leonardo da Vinci studierte den Flug der Vögel. Das endete aber damit, dass sich sein Assistent (so blöd war der Meister nicht, sich selbst in seine Flugmaschine zu setzen!) Tomasso Masini am Monte Ceceri bei Fiesole einige Rippen brach. Der Mann aus Vinci baute auf die menschliche Muskelkraft. Bis heute ist es trotz vieler Versuche nicht gelungen, sich auf diese Weise in die Lüfte zu erheben. Die Evolution hat das nicht vorgesehen. Wie später Otto Lilienthal hat auch er seine Beobachtungen des Vogelflugs aufgeschrieben. Die Buchdruckerei war allerdings noch nicht erfunden. So ist der Codice sul volo degli uccelli, der Kodex über den Vogelflug nur eine gebundene Sammlung von Blättern mit wissenschaftlichen Schriften, Notizen, Skizzen und Zeichnungen. Heute wird Leonardo da Vinci als historischer Begründer der Bionik gesehen, da er den Vogelflug analysierte und versuchte, seine Erkenntnisse auf Flugmaschinen zu übertragen. Ehre, wem Ehre gebührt!

Das Geburtshaus des örtlichen Bionikers macht wenig her. Schräg gegenüber haben ihm die Anklamer ein Denkmal gesetzt: Sockel, Büste, fertig. Konfektionsware. Wenig später passiere ich die Nikolaikirche, wo Lilienthal am 25. Juni 1848 getauft wurde. Sie wurde von Anklamer Bürgern gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichtet und dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer, Fischer und Händler, geweiht. Beinahe hätte sie den Krieg heil überstanden. Die amerikanischen Bomben zerstörten ihr Umfeld, ließen sie jedoch unbehelligt. Dann kam die Rote Armee. Auch die ließ sie stehen. Hitlers Endkampf überlebte sie jedoch nicht. Die Wehrmacht schoss die Turmspitze am 29. April 1945 in Brand. Brennend stürzte sie ins Kirchenschiff und brachte dabei Dach und Gewölbe zum Einsturz. Zirka achtzig Prozent der Innenstadt wurden bei dem deutschen Artillerieangriff zerstört. Vom historisch vielfältigen Bauensemble mit Giebelhäusern der Backsteingotik und des Barock und den Fachwerkbauten blieb beinahe nichts erhalten. Trostlose Nachkriegsbauten bestimmen heute den Marktplatz. Einzige Farbtupfer sind die grellgelben Plakate, die den Kampf mit der Tristesse führen. „Kein Ort für Neonazis!“ Die Amadeu Antonio Stiftung aus Berlin organisierte unter diesem Motto eine landesweite Kampagne zur Verhinderung eines Wiedereinzugs der NPD in den Schweriner Landtag. In den Wahlkampf griffen auch die Unternehmensverbände mit einer gemeinsamen Broschüre ein, in der sie die Präsenz der NPD im Landtag für den Imageverlust des Landes Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich machten. Eingezogen in den Landtag ist die NPD dennoch wieder – mit sechs Abgeordneten. Einer davon stammt aus Anklam – wenn auch nicht hier geboren.
Dass „Kein Ort für Neonazis!“ hier in Anklam eher ein Aufschrei als eine Tatsachenfeststellung ist, das musste Bürgermeister Michael Galander an einem sonnigen Samstagmorgen im letzten Jahr feststellen. Über Nacht waren die von der Stadt wegen des bevorstehenden Neonazi-Aufmarsches aufgehängten Protestplakate entfernt worden - immerhin zweihundert. Gesehen haben will niemand etwas. Weder der Bäcker, der „Glatzenbrot“ mit besonders brauner Kruste verkauft, noch der Schreiner, der für sein Leben gern Runen schnitzt, noch die Zeitungsverkäuferin, die bedauert, dass die „National-Zeitung“ ausverkauft ist. Natürlich nicht. Appelle des Bürgermeisters an seine Bürger, der Polizei wenigstens anonym Hinweise auf die Täter zu liefern, verhallten ungehört. Der "Aufstand der Anständigen", den Bundeskanzler Gerhard Schröder vor zehn Jahren forderte, hier ist er ein Totalausfall. Die NPD nennt die Stadt einen "nationalen Leuchtturm".
Als Michael Andrejewski vor sieben Jahren aus dem Westen nach Anklam kam, war er arbeitslos und bezog Sozialhilfe. Heute kann der Jurist von rechtsextremer Politik gut leben. Bei der letzten Kommunalwahl zog Andrejewski für die NPD in den Stadtrat ein - bereits zum zweiten Mal. Auch im Kreistag Ostvorpommern ist er wieder vertreten. Und seit der letzten Legislaturperiode sitzt der NPD-Politiker obendrein im Schweriner Landtag - auch nach der gestrigen Landtagswahl. 670 der 11354 Wahlberechtigten haben den Rechtsextremen gewählt. Das reichte – angesichts dramatisch geringer Wahlbeteiligung - für einen Stimmenanteil von über dreizehn Prozent.
„Wie viele Nazis gibt es hier? Sie halten das für eine unpassende Frage? Es gibt Örtlichkeiten in Deutschland, wo diese Frage sehr gut passt, Örtlichkeiten, an denen diese Frage betreten-verlegene Heiterkeit auslöst. Wie viele Nazis gibt es hier? Das war die Frage, die der Hip-Hop-Musiker Xavier Naidoo vor ein paar Wochen in Anklam gestellt hat. Xavier Naidoo war, zusammen mit anderen Musikern von Brothers Keepers, zu Besuch in einer Plattenbauschule in einer Plattenbausiedlung in Anklam. Wie viele Nazis gibt es hier? Die Klasse lacht auf, ein Junge sagt leicht spöttisch: Die kann man hier gar nicht zählen, die stehen doch hier überall herum! Und deshalb geht man in Anklam, geht man in Ducherow, geht man in der Gegend, in der Günther Hoffmann mit seinem Projekt Bunt statt Braun arbeitet, als Nicht-Rechter eben nicht auf Stadtfeste und nicht in bestimmte Stadtteile, die den Nazis gehören. So hat es Xavier Naidoo von den Schülerinnen und Schülern erfahren. Und wie ist es im Jugendclub, hat er sie weiter gefragt. Da sind überwiegend Nazis, erklärt ihm eines der Mädchen, aber wir gehen trotzdem da hin. Wenn man die nicht blöd anmacht, sind die doch ganz normal. Und wenn ich da hinkommen würde?, hakt der Soulsänger nach. Ungläubiges Hüsteln in der Klasse: Na, dann gäbe es sicher Stress! Der Sänger bohrt weiter: Und wenn Ihr Zeugen eines Überfalls werdet, holt Ihr da wenigstens die Polizei? Die Polizei?, fragt eine Dunkelhaarige zurück, die haben doch selbst Angst vor denen und machen nichts. Das ist die Welt, in der Bunt statt Braun, in der also die Bürgerinitiative arbeitet, die wir heute ehren. Und die Tour der Musiker durch Schulen in Vorpommern gehört zu den Projekten, die Bunt statt Braun auf die Beine gestellt hat, in Zusammenarbeit mit der Amadeu-Antonio-Stiftung in Berlin. Xavier Naidoo hat an die Schülerinnen und Schüler in Anklam und Ducherow appelliert: Mensch, die einzigen, die sich hier dagegen stellen können, seid Ihr. Es ist Eure Zukunft, die Ihr Euch nehmen lasst von diesen Typen. Gute Leute müssen sich zu Wort melden!“ So begann im Dezember 2004 Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung seine Laudatio („Zivilgesellschaft ist vitaler Verfassungsschutz“) zur Verleihung der vom P.E.N.-Zentrum Deutschland und dem Land Hessen gestifteten Hermann-Kesten-Medaille an die Anklamer Initiative „Bunt statt braun“. Viele Jahre waren große Gruppen rechtsextremer Skinheads aus dem Straßenbild von Anklam und den umliegenden Orten nicht wegzudenken. Diese bedrohlichen Ansammlungen sind Vergangenheit – nicht aber die Neonazis. Eine Studie des Sozialforschers Wilhelm Heitmeyer über Anklam ergab: ein Drittel der Einwohner halten die NPD mittlerweile für eine ganz normale Partei. Und die anderen machen sich lieber unsichtbar. Der preisgekrönte Verein ist bereits vor Jahren eingeschlafen. Günther Hoffmann, einer der Initiatoren und im übrigen ein Westimport, sagte letztes Jahr gegenüber Astrid Geissler von der TAZ: "Ich glaube, Angst ist hier inzwischen ein ganz, ganz wichtiger Faktor." Auch andere Fachleute seien – so Geissler - überzeugt, dass diffuse Ängste das Engagement der Menschen in der Region bremsen - nicht nur die Furcht vor Gewalt, sondern auch die Sorge, sich zum Außenseiter zu machen. Der Politikwissenschaftler Dierk Borstel hat für seine Doktorarbeit über Rechtsextremismus in Ostvorpommern zwei Jahre in Anklam geforscht. Fast jeder hier, erzählt er, habe inzwischen einen Rechtsextremen im persönlichen Umfeld - in der eigenen Familie, in der Nachbarwohnung, im Kollegenkreis. Wer sich offen gegen die NPD stelle, müsse es also mit Verwandten, Freunden oder nahen Bekannten aufnehmen. Und davor schreckten viele zurück. Hinzu komme – so Borstel – dass Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in Anklam sehr hohe Werte erreichen. Fast die Hälfte der Bewohner meint, Anklam müsse vor Überfremdung geschützt werden – die Ausländerquote liegt bei 1,6 Prozent. Ende der Durchsage. Das Beispiel zeigt, wie weit rechtsextreme Thesen in die Mitte der Bürgerschaft vorgerückt sind. 84 Prozent der von Borstel Befragten sind der Meinung, dass sich die lokalen Politiker nicht für sie interessieren. "Eindeutig ein zentrales Thema in Anklam". Und weiter: "Durch die Distanz zur lokalen Politik, die ökonomischen Probleme, die Ängste und die dadurch bedingten Abwertungen schwacher Gruppen hat der Rechtsextremismus in Anklam gute Voraussetzungen, sich zu normalisieren." Falsch! Er ist in Anklam bereits Normalität – auch wenn Bürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher Aufrufe gegen die braune Gesinnung verfassen.

Auf dem flachen Land rund um Anklam sieht es noch schlimmer aus. Die Region gilt als Neonazi-Hochburg. Bei der Landtagswahl 2006 hat die NPD in einigen Dörfern bis zu 38 Prozent der Stimmen erlangt. Beispiel Bargischow: Die Gemeinde an der Peenemündung galt 2006 mit einem Stimmenanteil von knapp 32 Prozent als NPD-Wählerhochburg. Während der letzten Kommunalwahl holte die NPD dort noch über zwanzig Prozent. Und das in einem ehemals slawischen Dorf! Erst im 13. Jahrhundert kamen deutsche Siedler ins Land. Die Dorfkinder nennen sich Deutsche Jugend und kämpfen für eine „artgerechte völkische Kultur“. Sie lernen, in Zweierformation zu marschieren und tragen Fahnen. Ähnlich finster sieht es in Postlow aus, das nur fünf Kilometer nordöstlich von Anklam liegt. Hier hat die NPD 2006 ihr deutschlandweites Rekordergebnis von 38 Prozent eingefahren – bei der Landtagswahl 2011 waren es immerhin noch 28,9 Prozent. Bürgermeister Mielke erklärte gar, er „tue gar nichts dagegen“ und könnte sich vorstellen, selbst einmal die NPD zu wählen. In Koblentz, das nahe Pasewalk liegt, wählten 33 Prozent der Wähler die Rechten, in Blesewitz waren es 28,9 Prozent. In Kommunen wie Ueckermünde und Löcknitz (slawisch für Sumpfloch!) erhielten die Rechtsextremen etwa dreizehn Prozent. Dort, wo die NPD seit Jahren erfolgreich antrete, könne man jetzt sicherlich nicht mehr von Protestwählern sprechen, sagen Politologen. In diesen Orten gebe es "ganz offensichtlich eine ideologisch gefestigte rechte Wählerschaft." – so das Netzwerk für Demokratische Kultur. Demokratische Volksparteien sind in Dörfern wie Bargischow, Postlow und Löcknitz Fabelwesen aus Westberlin. Demokratische Strukturen sind die Trugbilder dieses fernen Planeten vor Ort. Längst sind in den dünn besiedelten Landstrichen Vorpommerns rechtsextreme Kameradschaften mächtiger als Gemeinderäte und Bürgermeister. Der ehemalige Bürgermeister von Bargischow hat der örtlichen braunen Kameradschaft sogar den Schlüssel zum Jugendclub überlassen! In der Baracke befindet sich das Hauptquartier des „Heimatbund Pommern“, einer der aktivsten Neonazi-Organisationen in Mecklenburg- Vorpommern. Mehrfach hat die Polizei bei Razzien rechtes Propagandamaterial im „Jugendclub“ beschlagnahmt. Stimme der Heimat heißt ihre Kampfzeitschrift. Unter mitteleuropäischen Neonazis gilt die Gegend im nordöstlichsten Zipfel Deutschlands als Modellregion.
Viele dieser braunen Gemeinden gehören zum Wahlkreis Ostvorpommern I. Dort kam die NPD bei der Landtagswahl 2011 auf 12,2 Prozent der Stimmen. Wenige Wochen nach der Wahl fliegt in Zwickau eine Villa in die Luft. Schnell wird klar, dass weit über ein Jahrzehnt eine braune Mörderbande durchs Land zog – unbemerkt von Verfassungsschutz und Sicherheitsbehörden. Und das die Verbindungen zur NPD hatte! Nun reicht es auch den liberalsten Demokraten. Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung: „Ginge es nur um braune Ideologie - die deutsche Demokratie müsste mit der NPD leben. Streitbare Demokratie streitet nämlich, solange es irgend geht, mit Argumenten, nicht mit Verboten…Mit Argumenten aber kann man die Menschen nicht schützen, die von Rechtsextremisten geschlagen, gehetzt und getötet werden. Zum Schutz dieser Opfer vor Schlagern und Mördern, nicht zum Schutz der Demokratie vor Spinnern, ist die NPD zu verbieten.“ Recht hat er – auch mit seiner Mahnung: „Ein Verbot ist kein demokratischer Exorzismus, man kann mit so einem Verbot nicht den Neonazismus austreiben.“ Die Latte für ein Parteiverbot hängt hoch in Deutschland. Nur das Bundesverfassungsgericht kann Parteien verbieten. Dazu muss die Partei jedoch nicht nur in ihren Zielen, sondern auch in den Handlungen ihrer Anhänger die freiheitlich-demokratische Grundordnung beeinträchtigen oder beseitigen wollen. Kaum jemand bestreitet, dass das NPD-Programm rassistisch, antisemitisch und antidemokratisch ist. Doch eine bloße verfassungsfeindliche Haltung reicht nicht aus. Es braucht auch eine „aktiv kämpferische, aggressive Haltung gegenüber der bestehenden Ordnung“. Beispiel aus der Region gefällig? Der Listen- und Direktkandidat der NPD für den Wahlkreis Uecker-Randow II war Dirk Bahlmann aus Löcknitz – dem Sumpfloch. Das liegt zwischen Pasewalk und Szczecin (Stettin). Die norwegische Zeitung Stavanger Aftenblad berichtete 2008 über Bahlmann, der sich der Beschädigung einer Holocaust-Gedenktafel brüstete: “Das war eine Beleidigung für alle guten Deutschen.” Für die Tat wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Nachdem er sich versichert hatte, dass die norwegische Zeitung nicht jüdisch sei, polterte Bahlmann los. Der Holocaust sei eine jüdische Erfindung und “die Juden” hätten beide Weltkriege begonnen. Heute würden sie über das Finanzsystem die Welt beherrschen. Er dagegen stehe voll hinter Adolf Hitler, zitierte ihn die Zeitung, während sie auf das Hakenkreuz auf seiner Gürtelschnalle hinwies. Im April 2011 verurteilte das Landgericht Neuruppin Bahlmann wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe. Das Gericht sah es erwiesen an, dass er einen Journalisten als “Judensau”, “Drecksau” und “Drecksack” beleidigt hat und drohte: “Wir wissen, wo du wohnst”. Ein Fernsehteam, das Bahlmann einst mit seiner antipolnischen Einstellung - bei gleichzeitiger Arbeit für polnische Auftraggeber - konfrontiert hatte, bezeichnete er als “Judenhaufen” (Quelle: Kampagne “Wake Up Stand Up! Keine Stimme den Nazis in MV”).




Inhalt

Prolog
Ausgerechnet Bad Kleinen

Rügen
Endmoränenrodeo

Greifswalder Bodden
„Ich zündete die Stadt an.“ (Wolfgang Koeppen)

Usedom
„ … myne Fru de Ilsebill, will nich so, as ik wol will“

Anklam
„Es kann und darf die Fliegekunst nicht für ewig dem Menschen versagt sein.“ (Lilienthal)

Neubrandenburg
Norddeutsche Backsteingotik, trostlose Plattenbauten und ein toller See

Feldberger Seenlandschaft
Wo die CDU mich auf den rechten Weg brachte

Müritz Nationalpark Teil 1
Teilgebiet Serrahn: waldreich und hügelig

Neustrelitz
Residenzstadt vom Reißbrett

Müritz Nationalpark Teil 2
Waldeinsamkeit im Hinterland der Müritz

Müritz
Das kleine Meer

Plau am See
Die hübsche Mogelpackung

Lübz
Wo das Nationalgetränk herkommt

Schwerin
Die kleinste Hauptstadt der Republik

Wissmar
Hundert Quadratmeter Rentneridylle

Kühlungsborn und Heiligendamm
Das größte und das kleinste Ostseebad in Mecklenburg

Warnemünde
Wo der größte Teepott Deutschlands steht

Rostocker Heide
Noch eine hübsche Mogelpackung

Fischland, Darß, Zingst
Nationalpark zwischen Ostsee und Bodden

Stralsund
Hansestadt am Strelasund

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Bereits erschienen:

Einmal Aachen und zurück
- mit dem Rad rund um Nordrhein-Westfalen
ISBN 9783839189337
Einmal Eivissa und zurück
- zu Fuß rund um Ibiza
ISBN 9783839182000
Einmal Playa Quemada und zurück
- zu Fuß rund um Lanzarote
ISBN 9783842362116
Einmal Schlitz und zurück
- mit dem Rad rund um Hessen
ISBN 9783842362239

_________________
Der Weg ist das Ziel.

www.outdoor-reiseberichte.info
Einmal Aachen und zurück - mit dem Rad rund um Nordrhein-Westfalen
 
  Guido Block-Künzler 
 
Anmeldedatum 06.01.2011
Beiträge 17
Wohnort Schlitz/Hessen
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 11.01.2012, 10:04
Bin als Schweizer, derzeit in Australien lebend, an Deinem Text hängengeblieben. Obwohl ich mit der Ostdeutschen Lokalpolitik so ziemlich wenig am Hut habe, hat mich der Text fasziniert (und auch ein wenig schockiert). Vielleicht könnten diese angesichts der historischen Realitäten fast absurden Tatsachen aus der Sicht eines Touristen quasi "entdeckt" werden, irgendwie mit der neutralen Sicht von Aussen. So oder so - gut geschrieben!

_________________
Jeder kann Geschichten erzählen, jeder möchte Geschichten hören. "SOL" - ISBN 9783842374805
 
  Dominic 
 
Anmeldedatum 15.03.2011
Beiträge 16
Wohnort Cairns / Australien
 
 
   
   

Einmal Rügen und zurück – mit dem Rad rund um Mecklenburg-Vo

BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 02:36
Lieber Dominic,

ich schreibe ja noch an meinem Reisebericht. Fertig wird er Ende Januar 2012 sein.

Ich selbst bin - obwohl nach 25 Jahren Juristerei inzwischen wieder halblanghaarig unterwegs - nicht ein einziges Mal nangefeindet worden. MeckPomm kann man als Tourist genießen. Sogar so ungeschützt im Biwaksack, wie ich es getan habe. Es gibt allerdings einige Dörfer (etwa rund um Anklam) , wo auch ich Bammel hätte (mit 39 % Nazis). Ansonsten: es ist ein wunderschönes Land! Wir sollten es nicht den Nazis überlassen. Fahr hin! Fahrt hin. Tu es: Es lohnt sich (siehe die Bilder meiner Website). Und irgendwie wäre es auch ein Statement: das ist unser Land! Nicht das der Verrückten ("national befreite Zone").

Liebe Grüße
Guido

PS: Leider ist die Situation nicht nur am Rande Vorpommerns so schlimm. Nur: Wir können daran wenig ändern. Das muß die Zivilgesellschaft dort tun.

_________________
Der Weg ist das Ziel.

www.outdoor-reiseberichte.info
Einmal Aachen und zurück - mit dem Rad rund um Nordrhein-Westfalen
 
  Guido Block-Künzler 
 
Anmeldedatum 06.01.2011
Beiträge 17
Wohnort Schlitz/Hessen
 
 
   
   
Guido Block-Künzler: Einmal Rügen und zurück - Anklam
  Forum für Books-on-Demand-Autoren » Lektorat
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 1  

  
  


Powered by phpBB, advisormap.de, SEO by SEO-united.de
Literaturtipps Literaturseiten Banner & Buttons Impressum & Rechtliches