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» Gegenwart und Vergangenheit

BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 10:11
Thomas Becks hat Folgendes geschrieben:
Die Figuren eines Romans können meiner Meinung nach heißen wie sie wollen. Meine Heldin heißt Cora Lahn, das hat meinen Roman nicht wirklich nach vorne gebracht. Obwohl man dabei verdammt an Lara Croft denken musste. Ich behaupte, dass Namen tatsächlich nur Schall und Rauch sind. Die Story ist alles.


Einspruch, Euer Ehren!

Namen haben einen bestimmten Zeitbezug. Kinder wurden um 1970 auf andere Namen getauft als im Jahre 2000. Andere Namen, die im 19. Jahrhundert üblich waren, sind nach dem Zweiten Weltkrieg höchst verpönt und kommen zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder zu Ehren. Wer tauft heute sein Kind auf den Namen "Adolf"?

Namen haben einen geografischen Bezug. In Norddeutschland findet man andere Namen als etwa in Bayern. Im Rheinland tauchen andere Namen auf als in Brandenburg. Ein nordfriesischer Fischer mit Vornamen "Alois" oder "Sepp" wäre schon sehr seltsam.

Namen haben einen kulturellen Hintergrund. Ein in Deutschland lebender Muslim wird seinen Sohn mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht "Christoph" oder "Christian" nennen.

Namen haben einen sozial-gesellschaftlichen Hintergrund. Ein Kind aus der Unterschicht wird anders heißen als ein Kind aus dem (Geld-)Adel. Die Verballhornung des Prekariats, das sich einen Oberschicht-Touch geben will, indem es Namen vergibt wie "Schakkeline" oder "Schantall" (das männliche Pendant heißt "Käwwinn" und "Dschastinn"), ist ja allbekannt.

Namen haben eine inhaltliche Funktion im Text. Die besten Beispiele findet man dazu in den Werken des jüngst verstorbenen Loriot. Dort gibt es Figuren wie "Dr. Klöbner", "Herr Müller-Lüdenscheid" (der Zusatz "Lüdenscheid" macht den profanen Namen "Müller" erst interessant), den Bettenverkäufer "Hallmackenreuther", den Schauspieler "Victor Dornberger" alias "Vic Dorn", den senilen "Opa Hoppenstedt", den Lottogewinner "Erwin Lindemann".

Würde der Badewannensketch mit "Dr. Klöbner" und "Herr Müller-Lüdenscheid" so im Kopf haften bleiben ("Müller-Lüdenscheid" ist ja sogar zum geflügelten Wort geworden), wenn die beiden Herren "Dr. Schmidt" und "Herr Meier" geheißen hätten?

Ich gehöre eindeutig zur Fraktion, dass die Namen von Romanfiguren alles andere als Schall und Rauch sind.

Ein kleines Spielchen (für alle) ... cheezy grin

Wenn Namen Schall und Rauch sind, was für Typen (Alter, geografische Herkunft, gesellschaftliche Schicht) stellt ihr euch bei folgenden Namen vor:

Wolle Blaschke

Xaver Kreutzbichler

Jörn Feldhusen

Katharina von Hardtenberg

Mandy Brieskewitz

Mina Lüttgenjohann

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Siegfried

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 10:56
Wenn Namen Schall und Rauch sind, was für Typen (Alter, geografische Herkunft, gesellschaftliche Schicht) stellt ihr euch bei folgenden Namen vor:

Wolle Blaschke - Berlin, Arbeiter, geboren in den 1950ern

Xaver Kreutzbichler Bayern, Kneipenwirt oder Bauer, 1930er Jahre

Jörn Feldhusen - Norddeutschland, evt. Bauernsohn, 1970er Jahre

Katharina von Hardtenberg - Adelige, aus ehem. Ostgebieten, Alter schwer zu bestimmen - entweder vor den 60ern oder nach 1985 geb.

Mandy Brieskewitz - yeah!!! Ostdeutschland (Sachsen?) ehm. DDR, Arbeiter- und Bauernstaat Wink - könnte aber genauso gut Ruhrgebiet sein ("Völkerwanderung aus dem Osten Anfang des 20. Jhds) bei DDR: geb. nach 1975 / bei Ruhrgebiet geb. nach 1990

Mina Lüttgenjohann - ja diese Dame wurde ich in Norddeutschland, ggf. auf den friesischen Inseln vermuten, sie ist wohl schon älter, sagen wir um die 80, wenn sie die Tochter des lütten Johanns ist und es dort auf dem Lande einen großen Johann gab, wird sie wohl weniger begütert sein. WEnn sie die Ehefrau oder Witwe des Lüttgenjohann ist ...????

Ohne Kontext ist es nicht so einfach, aber Schall und Rauch? Auf keinen Fall.

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 11:00
Siegfried hat Folgendes geschrieben:
Ein kleines Spielchen (für alle) ... cheezy grin

Wenn Namen Schall und Rauch sind, was für Typen (Alter, geografische Herkunft, gesellschaftliche Schicht) stellt ihr euch bei folgenden Namen vor:


Wolle Blaschke
45jähriger, unrasierter Kleinganove, saß schon zwei Jahre im Bau wegen mehrfachen Diebstahls. Trägt einen dunklen, schmierigen Overall und eine löcherige rote Strickmütze.

Xaver Kreutzbichler
Bayerisches Urviech, 74jähriger Bauer mit Krachlederhose, Kaiser-Wilhelm-Bart, listigen Schweinsäuglein und Gamsbart am Lodenhut

Jörn Feldhusen
Strohblonder Deichhüter in Nordfriesland, 43 Jahre alt.

Katharina von Hardtenberg
23jährige, kapriziöse Demnächst-Erbin derer von Hardtenberg, gehört zum Jet-Set von Sankt Moritz.

Mandy Brieskewitz
Auch 23jährig. Alleinerziehende Mutter dreier Kinder, nicht so ganz vom Feinsten. Hartz IV beantragt. Wohnt in Berlin.

Mina Lüttgenjohann
1854 geborene Kammerzofe, arbeitet seit ihrem 14. Lebensjahr bei der Familie von Hardtenberg, will demnächst ihren Verlobten ehelichen, der bei der Familie von Hardtenberg als Stallbursche arbeitet.

Und? Alles richtig?

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 11:25
@ Haifischfrau & Torsten ...

thumb up Ja, alles richtig ... bis auf Mina Lüttgenjohann

Das Alter kommt hin. Sie ist entweder sehr alt - 80 Jahr passen gut! - oder sie lebt nicht mehr, weil sie aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Mit der Region "Norddeutschland" bzw. "friesische Inseln" bin ich nicht einverstanden. cheezy grin "Lüttgenjohann" ist ein alter Name, den es von Düren (Niederrhein) über das südliche Westfalen bis ins Weserbergland gibt. Und von Beruf ist diese Frau Bäuerin. cheezy grin

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 11:44
Die Welt ist nicht mehr so einfach gestrickt wie früher:

Wolle Blaschke
Vorstandsvorsitzender der Ökostrom Süd AG, 43 Jahre, verheiratet mit Jörn Feldhusen, ehemaliger Verteidigungsminister, Rücktritt wg. Steuerhinterziehung und bandenmäßig organisierter Umweltverschmutzung

Xaver Kreutzbichler
Projektleiter beim Entwicklungshilfeprojekt in Uganda, langjähriger Chef des THW Starnberg, früher Mitglied der NPD, Austritt nach Heirat mit Kenianerin, deutscher Meister im Bodenturnen 1981

Jörn Feldhusen
Nachfolger von Phillip Rösler als FDP-Vorsitzender, wohnt in München, Aufsichtsratsvorsitzender von 1860 München, Vater Seemann, Mutter aus dem Senegal, gewann Big Brother 2007

Katharina von Hardtenberg
Hartz4-Empfängerin, 6 Kinder, arbeitet schwarz als Prostituierte, Internetsüchtig, allein erziehend, kein Kontakt zu Eltern seit 14. Lebensjahr, Ex-Frau von Martin Semmelrogge, Finalistin Das Supertalent 2009 wg. Kunstfurzen

Mandy Brieskewitz
Chefin der Eventagentur "Mecklenburg Office Events", Duz-Freundin von Angela Merkel, richtet Sommerfest des Bundespräsidenten aus, war Chefin der JuSos, wechselte dann zur Jungen Union, nach Affäre mit Roland Koch aber Rücktritt

Mina Lüttgenjohann
Thailändisches Zimmermädchen in einem Hotel in Bangkok, wurde als Säugling von ihrer deutschen Mutter in diesem Hotel ausgesetzt und von einer thailändischen Unternehmerfamilie adoptiert. Seit ihrem 18. Lebensjahr hat sie die thailändische Staatsangehörigkeit. Totaloperation geplant aus steuerlichen Gründen.

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 11:47
Hi Siegfried,

ok Lüttgenjohann - aber Düren liegt definitiv NICHT am Niederrhein, sondern zwischen Aachen und Köln.

Jetzt mal meine Frage:

Leo Rosenzweig

geboren wann? Was ist das für ein Typ? Lebt er noch? Wie sieht er aus?


(L.R. ist eine Figur in meinem neuen -noch unfertigen -Roman, zum Zeitpunkt X war er Ende 20)

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 11:49
Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:

Jetzt mal meine Frage:

Leo Rosenzweig

geboren wann? Was ist das für ein Typ? Lebt er noch? Wie sieht er aus?


(L.R. ist eine Figur in meinem neuen -noch unfertigen -Roman, zum Zeitpunkt X war er Ende 20)

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Zumindest weiß ich, dass ich mich über Leo Rosenzweig nicht lustig machen darf.

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 12:13
Ich habe mir jetzt mal nicht den Schwachsinn meiner Mitautoren durchgelesen. Aber eines sollte Dir erstmal klar sein Arelene, nur weil die Hauptfigur deines Romanes den gleichen Namen trägt wie du, bist das noch lange nicht du, der das erzählt, auch wenn man an der und der Stelle vlt. persönliche Bezüge herstellen kann. Jeder Autor hinterlässt etwas Persönliches in seinem Werk, warum nicht den Namen? Aber natürlich solltest du gucken, ob der Name auch wirklich zu deiner Romanfigur passt.
Arelene (keine Ahnung, ob das dein richtiger Name ist) wäre z.B. ein schöner Name für ein Fantasyroman, ansonsten würde ich vlt. Namen verwenden, die übersetzt irgendeine Bedeutung haben, wie Nathanael (aus Hoffmanns Sandmann) = Geschenk Gottes. Oft ist es anders herum viel einfacher, du suchst dir eine Bedeutung und wandelst diese in einen frei erfundenen Namen ab. Ich wünsche Dir viel Glück!!! Titus
 
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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 12:30
... könnte man sich nicht auch "Mundgeruch" nennen? Das würde zu mir passen, ich hab heute nämlich welchen. Na ja, gestern zu viele vergorene Früchte gefressen - wollte mich besoffen machen!


Hat auch ziemlich gut geklappt.
 
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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 13:07
Haifischfrau hat Folgendes geschrieben:

Jetzt mal meine Frage:

Leo Rosenzweig

geboren wann? Was ist das für ein Typ? Lebt er noch? Wie sieht er aus?


Leo Rosenzweig
* 1914 im damals noch deutschen Posen
Sohn des Silberschmieds Samuel Rosenzweig und der Rahel Rosenzweig, geborene Seligman.
Geschwister: Elia (*1909), Sara (*1911)

Samuel Rosenzweig wird 1915 zur Kaiserlichen Reichswehr eingezogen und fällt 1916 bei Verdun. Rahel führt die Silberschmiede allein weiter. Als nach Kriegsende 1918 Posen polnisch wird, geht die Familie Rosenzweig nach Berlin. Leo wächst in Berlin-Friedrichshain auf und erlebt alle Unruhen mit, die die Stadt in den 1920ern erschüttern.

1927 wandert Elia zu einem Onkel nach New York aus. Sara heiratet 1930 einen wohlhabenden Schweizer Juden und zieht nach Zürich. Leo arbeitet nach Abschluss seiner Schulzeit im elterlichen Betrieb und soll in wenigen Jahren die Silberschmiede ganz übernehmen.

Nach dem 30. Januar 1933 verschärft sich die Situation für die Rosenzweigs in Berlin dramatisch. Die SA stürmt den Laden, zerschlägt alles und plündert die gesamten Bestände an Rohsilber, Schmuck und Uhren. Mit Hilfe von Verwandten versuchen die Rosenzweigs, wieder auf die Beine zu kommen. Unerwarteterweise kommen ihnen dabei einige "arische" Kunden zu Hilfe.

Am 9. November 1938 brennen in Berlin die Synagogen - und wieder wird der kleine Laden der Rosenzweigs Ziel des SA-Terrors. Leo ist an diesem Abend nicht daheim - als er unter großen Gefahren zurückkehrt, sind Geschäft und Wohnung völlig verwüstet. Seine Mutter Rahel, mittlerweile Ende 50, wurde von den SA-Leuten so schwer zusammengeschlagen, dass sie in den Armen Leos stirbt.

Leo ist außer sich vor Wut und lässt sich zu einer Affekttat hinreißen. Mit einem Messer geht er noch in der selben Nacht auf zwei SA-Leute los und tötet sie. Erst nach der Tat wird ihm klar, was das für ihn bedeutet: Sobald die Nazis ihn erwischen, wird er am nächsten Baum aufgehängt.

Es beginnt eine jahrelange Odyssee durch ganz Europa. Leo flieht nach Posen, wo er noch Freunde hat. Als die Deutschen Polen überfallen, flüchtet er weiter nach Lemberg - und wird dort von den einmarschierenden Sowjets aufgegriffen. Es gelingt ihm erneut zu fliehen, und nun macht er sich auf den langen Weg durch Rumänien und Bulgarien - immer in Gefahr, von den mit dem Deutschen Reich verbündeten Rumänen und Bulgaren aufgegriffen und ausgeliefert zu werden - bis nach Griechenland.

Unterwegs findet er Freunde und Verräter, Judenfeinde und selbstlose Humanisten. In der Nacht vom 4. auf den 5. April 1941 überquert Leo Rosenzweig heimlich die griechisch-bulgarische Grenze. Als er dem griechischen Militär von einem unmittelbar bevorstehenden Angriff der Wehrmacht auf Griechenland berichtet, wird er als Spion verhaftet und nach Thessaloniki geschafft. Die Griechen wollen mit dem Spion kurzen Prozess machen, als ausgerechnet ein deutscher Stuka-Angriff dafür sorgt, dass Leo Rosenzweig fliehen kann.

Im Chaos des Krieges gelangt Leo Rosenzweig nach Athen. Nach viel Überedungskunst wird er von den Briten nach Alexandria/Ägypten evakuiert. Statt sich, wie in Athen mit dem britischen Militär vereinbart, als Freiwilliger bei der Armee zu melden, macht sich Leo Rosenzweig, nun verkleidet als Araber, auf den Weg nach Palästina. Dort angekommen wird er von den dort lebenden Juden als britischer Spion angesehen, doch dann trifft er einen Bekannten aus Posen, der für ihn bürgt. Leo Rosenzweig kann endlich wieder ein geregeltes Leben führen - doch nur für ein paar Jahre.

1948 werden aus dem UN-Mandat Palästina die Staaten Israel und Jordanien geschaffen. Unmittelbar nach der Gründung Israels greifen die arabischen Nachbarstaaten an. Leo Rosenzweig, inzwischen verantwortlich für einen Kibbuz nahe Beersheba, organisiert die erste Verteidigung. Es kommt zu einem Überfall arabischer Truppen, bei dem Leos Frau Maryam und der vierjährige Sohn ums Leben kommen. Leo zeigt erneut, wie erbarmungslos er bei persönlichem Schmerz vorgehen kann, als er ansatzlos drei gefangene arabische Soldaten erschießt, die mit dem Tod seiner Familie eigentlich nichts zu tun haben.

Von sich selbst angeekelt, quittiert Leo den Dienst in der Armee, als die militärische Situation es ermöglicht, und zieht sich in einen Vorort von Haifa zurück, wo er ein kleines Geschäft für Uhren und Silberschmuck eröffnet.

Die Jahre vergehen. Leo hat ein zweites Mal geheiratet und hat vier Kinder: Samuel, Elia, Rahel und Sara. Im Frühjahr 2005 trifft ein Brief aus Zürich ein. Seine Schwester Sara hat ihn über ein Anwaltsbüro suchen lassen:
Bruder Elia sei gestorben, habe aber vorher noch einige wichtige Grundstücksgeschäfte tätigen können - in Berlin-Friedrichshain.

Elia organisierte von den USA aus den Freikauf einer ganzen Reihe jüdischer Bürger aus dem Deutschen Reich. Ihn, Leo, habe Elia nie finden können. Als 1989 die Mauer fiel, hat Elia das Elternhaus in Berlin-Friedrichshain gekauft, um es der Familie zu retten. Nun ist Elia hochbetagt gestorben. Dem Schreiben der Schwester liegt ein Flugticket bei: Von Tel Aviv nach Berlin.
Leo Rosenzweig tritt am 10 Mai 2005 diese Reise an. Vor dem Elternhaus, im Krieg zerbombt, nach dem Krieg in "sozialistischer Weise" wieder aufgebaut, trifft er auf seine Schwester. Sara ist jetzt 94, Leo fast 91. Gemeinsam setzen sie vor dem Hauseingang einen Pflasterstein aus Messing in den Fußweg. Darauf enthalten sind die Namen und Daten ihrer Familie. Dann lassen sich Leo und Sara von ihrem alten Wohnhaus zum Brandenburger Tor fahren. Dort wird gerade das Holocaust-Mahnmal eingeweiht. Leo geht zu einer der Stelen, legt seine Hand auf einen der Quader und weint.


Leo als Kind in Berlin:
hager, fast mager,
ständig zu groß für sein Alter
kurz geschnittene dunkelblonde Haare, wobei ihm eine Haarsträhne in die Stirn fällt
wache Augen, denen nichts entgeht
immer eine große Klappe

Leo als Mann auf der Flucht
noch immer dünn - aber extrem zäh
in sein Gesicht haben sich scharfe Falten geschnitten
sein Haar ist zeittypisch geschnitten: hinten und an den Seiten kurz; die Stirnsträhne ist jetzt streng nach hinten gekämmt (mit Haargel)
Leo trägt gern gute Anzüge, verkleidet sich auf der Flucht aber immer wieder landestypisch
er ist hochgebildet und extrem clever, wenn es die Situation erfordert; außerdem kann er Menschen sehr gut einschätzen
in extremen Situationen neigt er zu heftigen Gewaltausbrüchen, einer Art "furor teutonicus", die ihn selbst mehr als einmal gefährdet

Leo als alter Mann
er hat im Laufe der Jahre spürbar an Gewicht zugelegt, doch seine Körpergröße lässt seine Kleidung noch immer an ihm "herumflattern".
Das Haar ist bis auf einen weißen Kranz verschwunden.
Er geht gebückt am Stock und zieht wegen eines chronischen Leidens ein Bein leicht nach.
Sein Gesicht ist eine einzige Faltenlandschaft, geprägt von der Sonne und dem Wüstenwind im Nahen Osten.
Er trägt eine Brille mit starken Gläsern.

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 13:54
Ja Siegfried, das hat was Very Happy

Geb. 1907
Berlin: ja
Laden: ja
Jude: ja
Typ Macher: ja (bis zu einem gewissen Grad)

Rosenzweig und Silber: hat eine gewisse Logik, trifft aber bei mir nicht zu.


darüber hinaus ist es dann deine Story!

... Wer jetzt immer noch glaubt, Namen seien Schall und Rauch UND sich als Schriftsteller fühlt ....

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 15:06
Gestern, am 16. 11. 1956 sind folgende Kumpel beim Grubenunglück auf General Blumenthal tödlich verunglückt:

Xaver Kreutzbichler, Hauer, *1900 in Landeck (Österreich

Jörn Feldhusen, Steiger, *1930 (Findelkind)

Katharina von Hardtenberg , Aktionärin, *1921 auf der Villa Hügel

Mandy Brieskewitz , Buchhaltung, *1899 in Leuna

Mina Lüttgenjohann, eigentlich Johann Lüttgen, Sprengmeister, *1920 in Brüssel

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 17:41
Adriatic hat Folgendes geschrieben:
Die Welt ist nicht mehr so einfach gestrickt wie früher:


Das ist sicher richtig - aber die Frage ist, ob bei einem Namen wie "Mina Lüttgenjohann" für ein thailändisches Zimmermädchen nicht die Glaubwürdigkeit der Story auf der Strecke bleibt.

@Haifischfrau

Ich wollte dir deine Geschichte von Leo Rosenzweig nicht kaputt machen - mich hat es einfach nur in den Fingern gejuckt, für einen Namen einer Romanfigur mal eben so ein Handlungsgerüst aufzubauen. Da kannst du mal sehen, was so ein Name alles auslöst! cheezy grin

@Tito
Vielen Dank für die Bezeichnung "Schwachsinn" für Texte, die du nie gelesen hast. Es geht eben nichts über ein gesundes Vorurteil! Twisted Evil

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BeitragVerfasst am: 05.09.2011, 21:57
@Siegfried, nee, das war schon total ok von dir - hast nix kaputt gemacht (meine Geschichten sind eh unkaputtbar Twisted Evil Twisted Evil Twisted Evil)

Es ist genau das eingetroffen, was ich prognostiziert hatte. Namensassoziationen in der Literatur sind schon ein Thema - für einen kleinen Personenkreis.

Meine nächste Wallküre nenne ich IRIS - damit sich jeder nach heutigen Kriterien ein Bild davon machen kann Twisted Evil Twisted Evil Twisted Evil

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