 | Ich bin am verzweifeln, und erleide einen Kollaps | Verfasst am: 27.05.2009, 23:15 |
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Also, ich weiß, das es nervt, wenn ein Autor (oder einer, der es mal werden will) jammert. Aber heute muss ich mal Jammer. Ich bin am verzweifeln. Habe meinen Roman soweit fertig, ihn Probelesern gegeben, doch eine objektive Meinung fehlt mir! Mein Roman ist ein "Frauenroman", den Prolog hab ich hier schon online gestellt. Was mich interessieren würde ist, ob es schwer ist Zugang zu der Story zu finden, ob ich alles gemacht habe, um den Leser dahin zu führen, wo ich ihn hinaben will. Und ob die Story überhaupt funktioniert. Leider waren meine Probeleser anscheinend der Meinung, mir nicht sagen zu müssen, ob sie es scheiße finden. Deshalb wende ich mich jetzt an euch. Zu meinem eigenen Bedauern muss ich sagen, dass der Text noch nicht Korrektur gelesen ist. Um einen besseren Einblick in die Story zu bekommen, könnt ihr euch den Prolog auch durchlesen, der hier auch schon online ist.
Aber nun zum Text. Hier ist das erste Kapitel:
Schatten der Vergangenheit
Die Sonne schien unaufhaltsam auf die schmale Blumenzeile vor meinem Haus.
Was war das nur für ein Sommer? Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann das letzte mal die Sonne über Belfast so glühte.
Der Tag war zu perfekt um ihn vor der Tür zu lassen.
Ich beschloss mich in den Botanischen Garten zu verziehen. Meine Mutter arbeitet im Krankenhaus und war die meisten Wochenenden dort zu finden.
Ich war also alleine zuhause, und konnte den Tag nach meinen Vorstellungen gestalten, verstaute ein Taschenbuch in meiner Jeans Gesäßtasche und machte mich auf den Weg nach draußen.
Welch ein Traumtag um den Kopf frei zu bekommen. Das war wirklich nötig. Seit ich in Belfast lebte bewegte sich mein Leben in einer Geschwindigkeit, die kaum von einer Schnecke zu überbieten war.
Ich beschloss den Weg zu laufen, um jeden einzelnen Sonnenstrahl in mich aufnehmen zu können.
Unterwegs machte ich kurz an einem Coffeeshop halt um mir einen großen starken Kaffee zu besorgen. Er war wie ein Lebenselixier für mich. Meine ganz persönliche kleine Sucht. Wenn ich mal Alt und Grau bin, schreibe ich einen Kaffeeratgeber, beschloss ich lächelnd.
Die befreiende Bewegung meiner Füße ließ meine Gedanken abschweifen. Banalitäten kreisten in meinem Geiste, und ich drang in Erinnerungen ein, die ich lange zu vermeiden versucht hatte.
Knapp ein Jahr ist vergangen seit mein Vater verstorben war. Für die gesamte Familie war es ein Schlag in die Magengrube als wir hörten dass er an einem Hypophysen Tumor litt. Es gab nicht die geringste Chance auf Heilung. Wir mussten mit ansehen wie er langsam in eine andere Welt glitt.
An manchen Tagen war es so schlimm, dass er nicht mal meine Mutter erkannte. Wir holten ihn aus dem Krankenhaus nach Hause und pflegten ihn, bis er schließlich an einem kalten Londoner November Morgen friedlich einschlief.
Meine Mutter kümmerte sich um die anschließenden Angelegenheiten mit einer Stärke, wie ich sie vorher noch nie an ihr bemerkt hatte. Die Beerdigung fand im kleinen Kreis statt. Nur meine Mutter, mein Großvater und ich.
Wir versuchten ein normales Leben zu führen, aber jeder Tag den wir in unserem kleinen Vorortsreihenhaus verbrachten quälte uns. Wir entschieden nach langen Gesprächen, vielen Meinungsverschiedenheiten, die nicht unbedingt dazu betrugen dass wir uns besser fühlten, aus London weg zu gehen.
Großvater war damit gar nicht einverstanden. Er liebte London, und konnte sich nicht vorstellen morgens ohne Starbucks Kaffee auszukommen.
Er verstand uns allerdings, und überließ uns sein Haus in Belfast. Es hatte einst seiner Schwester gehört; er hatte es nach ihrem Tod geerbt und nutzte es nicht. Er meinte es sei schade darum, da es in einem guten Zustand sei, und er hoffte dass wir uns dort wohl fühlen würden. Also zogen wir nach Nordirland um.
Ich hoffte sehr dort zu finden was ich vermisste. Auch wenn ich mir nicht klar war, was ich vermisste.
Der Umzug war schnell geregelt. All unsere Möbel blieben, bis auf mein Bett, in London. Das Haus in Belfast war vollständig eingerichtet und somit konnten wir uns eine Umzugsfirma sparen.
Der Kulturschock allerdings war unbeschreiblich. Es schien als würde hier die Zeit still stehen.
Die Menschen hatten nicht den Drang sich zu beeilen. Ich war es gewohnt, sowohl durch London wie auch durch Boston, Schnelllebigkeit zu spüren. Belfast war das vollkommene Gegenteil. Allein der Anblick der Stadt war ungewöhnlich für meine Metropolen-Augen. Überall waren Blumen, Gärten und Bäume. Mein Herz ging richtiggehend auf bei dem Anblick. Ich lebte mich, trotz der Annehmlichkeiten dieser immergrünen Umgebung, nur langsam ein. Freundschaften ließen sich nur sehr schwer schließen, da ich nicht unbedingt der feierwütige Typ Mensch war: Um ehrlich zu sein, es war mir ganz recht, dass ich keine Freunde hatte. So musste ich wenigstens mein Verhalten nicht lange erklären.
Mein Medizinstudium hatte ich noch in London geschmissen; ich kam nicht damit klar das die Mittel der Schulmedizin begrenzt waren und meinem Vater nicht geholfen werden konnte. Dafür entdeckte ich meine Leidenschaft für Pflanzen und fing in Belfast eine Ausbildung in einer kleinen Gärtnerei an. Klar, nach den letzten Monaten war das mehr als nur eine Berufung für mich.
Seit meinem Unfall konnte ich nur in der Einfachheit der Bäume Ruhe finden. Ich fühlte mich seit jener Nacht der Natur mehr als verbunden; konnte mir aber keinen Reim darauf machen. War ich doch immer ein Großstadt Mädchen gewesen.
Was scherte mich die Natur? Für mich war der Hyde Park immer ein Ort der Alten Menschen gewesen. Ich vermied es, so gut es ging, mich auch nur in der Nähe von Grünzeug aufzuhalten, da es in mir nur Grauen von kleinem Getier das womöglich noch über mich krabbelte und mich biss, erzeugte.
Um ehrlich zu sein, ich hasste Gras, Bäume, Sträucher und Blumen.
Ich fühlte mich nur in der Anonymität der Stadt wohl.
Mein Leben hatte sich an jenem verregneten September Samstag sehr verändert. Irgendetwas war mit mir passiert, auch wenn es nicht nachvollziehbar war. Solch einen Sinneswandel hatte ich noch nie bei einem Menschen erlebt, und verstand es deshalb wohl auch nicht.
Alles in mir fing plötzlich an Reaktionen auf die Umgebung zu zeigen. So fühlte ich mich eingesperrt, wenn ich länger als drei Stunden im Haus verbrachte. Doch mein Herz begann schneller zu Schlagen wenn ich in die Nähe von Bäumen kam.
Ich nahm die Ruhe die sie ausstrahlten in mich auf und zerrte oft Tagelang davon.
Anfangs versuchte ich diese neuen Eigenschaften an mir zu verdrängen und wollte mir nicht eingestehen, dass die Natur doch nicht so übel war wie ich immer dachte.
Irgendwann fing ich an Nachts aus dem Haus zu schleichen.
Okay, nur das eine mal, redete ich mir Anfangs ein.
Doch schnell fand ich gefallen daran und es entwickelte sich zu einer Art Leidenschaft. Es war herrlich raus zu gehen wenn es dunkel wurde. Und die kalte, reine Nachtluft in mich strömen zu lassen war unglaublich.
Viele Male lief ich durch den Hyde Park um meinen Gedanken am Serpentine River freien Lauf zu lassen.
Ich konnte die Bewegungen des Wasser spüren, auch wenn ich mich nicht darin aufhielt. Die Versuchung einfach hinein zuspringen war oft sehr groß doch ich widerstand ihr ein ums andere Mal.
Ein einziges Mal hätte ich fast die Beherrschung verloren. Ich stand schon mit den Zehen im Wasser und war bereit hinein zuspringen. Doch eine nette, freundliche Obdachlose hatte wohl den Gedanken, dass ich Selbstmord begehen wollte. So fand ich mich ein paar Sekunden, und ohne jede Vorwarnung, später in einem brutalen Klammergriff der Frau wieder, und wurde von ihr mit Belehrungen überschüttet.
>>Mädchen, nein, nein, nein. Was ihr heutzutage für Sachen macht.<<, schimpfte sie auf mich ein.
Ich hatte gar nicht verstanden was los war, doch sie redete sich in Rage.
>>Warum willst du dich unbedingt umbringen? 'n Mann?<<, maulte sie. Sie sah mich gar nicht richtig an, machte einfach weiter.
>>Ja ja, denk ich's mir doch. Aber lass dir eins gesagt sein: Kein Mann der Welt ist es wert dass du dein hübsches Köpfchen mit Wasser füllst.<<
Sie hatte mich losgelassen, tippte sich mit einem dreckigen Zeigefinger auf die Stirn.
Total verwundert starrte ich sie an. Sie war also der Meinung, dass ich mich umbringen wollte – wegen einem Mann?
Um nicht zu Lachen, biss ich mir auf die Unterlippe. Ich nickte stumm, versuchte an irgendwas anderes zu denken, und machte mich ohne ein Wort davon. Sollte sie doch denken was sie wollte. Wie sollte so eine Frau auch verstehen dass ich mich nicht umbringen wollte, dass alles anders ist als es scheint?
Ich musste immer noch lächeln wenn ich an die Alte Dame dachte. Ob sie noch lebt? Ich hatte sie nur noch einmal wieder gesehen, und da hatte sie versucht einen kleinen Jungen davon zu überzeugen, dass irgendein Politiker in Wahrheit Elvis ist.
Der Kaffee war herrlich. Genau das was ich jetzt brauchte. So ein warmer Sonntag war wie Zucker für mein Gemüt.
Eigentlich hasste ich es über meinen seltsamen Werdegang nachzudenken, aber heute machte es mir nichts aus. Ganz im Gegenteil, es hatte eine befreiende Wirkung. Alles hatte sich verändert nach meinem seltsamen Unfall. Mein ganzer Körper, meine Gefühle, alles an mir stand Kopf. Nichts war mehr so, wie es einmal gewesen war.
Am schlimmsten für mich war aber die Tatsache dass meine Nase ein Feingefühl für Gerüche entwickelt hatte, dass unmenschlich sein musste. Jede noch so feine Nuance führte zu einem Geruchskoller. Es dauerte einige Zeit bis ich eine Methode fand wie ich das in den Griff bekam. Wenn ein Geruch, den ich nicht riechen wollte, versuchte Krieg gegen meinen Geruchssinn zu führen stellte ich mir einfach etwas anderes vor, dass ich wirklich gut riechen konnte.
Am besten wirkt nach wie vor ein Strauß Rosen. Er schaffte jeden unangenehmen Geruch. Was nicht heißt, dass es leicht ist einen nichtvorhandenen Geruch zu riechen. Aber mit dem Kaffee funktionierte es ja auch, kann ihn ja auf der Zunge schmecken. Wieso sollte es dann mit so etwas einfachem wie Rosen nicht funktionieren? Jeder der den Duft seiner Lieblingsblume in Erinnerung hat, weiß, dass man ihn sich einbilden kann. Und ja, ich glaube dass tue ich. Ich bilde mir den Duft von Rosen einfach nur ein. Was sollte es denn sonst sein?
Doch etwas fehlte nach wie vor. Das hatte ich schon des Öfteren festgestellt. Der Drang mitten in der Natur zu sein, ließ nach wenn ich auf einer Grünfläche stand, aber jeder Tag im Hyde oder Regency Park machten das ganze eigentlich noch schlimmer.
Da waren diese Gefühle. Jedesmal wenn ich zu einem meiner Spaziergänge aufbrach, fühlt ich in mir eine Sehnsucht. Als würde meine Seele, oder auch mein Herz, versuchen nach einen fehlenden Teil zu greifen. Nachdem ich ja schon zur Kräuter Hexe mutiert war - meine Mum hatte mich so getauft, da ich doch tatsächlich auf einen Kräutergarten bestand und den mit Inbrunst und Hingabe pflegte - wunderte mich nichts mehr, also nahm ich es einfach hin, denn ich fand ja sowieso keine Antwort darauf. Aber manchmal war es als müsste ich mich nur umdrehen und würde sehen was fehlt. Als wäre jemand oder etwas neben mir. Besonders am Anfang meiner Veränderung war es so. Ich stand dann oft am Serpentine River und hatte das Gefühl dass jemand da war. Und dann war auch das Gefühl weg, dass etwas fehlte. Aber ich sah nie jemanden, war immer Alleine.
Was war es da für eine Erleichterung nun täglich mit Blumen, auch wenn sie geschnitten waren, arbeiten zu können. Ich ging immer noch Nachts raus, doch tagsüber war es schön die Blumen, Sträucher, Gräser um mich zu haben.
Ich verstand mich mit allen gut. Meine Chefin Mrs Rosenberg – eine alleinstehende Witwe, ihre Tochter Felicitas, - die zusammen die Gärtnerei in der ich arbeite führten - mein Kollege Anastasius Bericko und ich waren eine muntere Truppe, auch wenn ich es meist vorzog allein zu arbeiten.
Besonders Anastasius hielt überhaupt nichts von meinen Alleingängen und schaffte es tatsächlich, dass ich freundschaftliche Gefühle für ihn hegte.
Er war ein typischer Grieche. Groß, dunkelhaarig, hatte ein markantes Gesicht, und liebte nichts mehr als sich Nachmittags zu verziehen um, wie er es nannte „Siesta“ zu halten. Das Auffälligste an ihm waren jedoch seine Augen. Wenn ich es nicht besser gewusste hätte, würde ich behaupten sie sind zwei Stimmungsringe. Eigentlich sahen sie fast Schwarz aus, doch wenn er wütend wurde dachte ich immer einen Lila Schimmer darin zu sehen. Was natürlich vollkommen unmöglich war. Solche Augenfarben gab es nicht.
Schnell entwickelten wir uns zur „Tasso-Und-Emily-Zwei-Mann-Gang“.
Er gab ja so wieso keine Ruhe, bevor er nicht immer alles wusste, was ich gemacht, getan oder gesagt hatte.
Auch wenn ich nie auf Freundschaften aus war, es war trotzdem schön einen Freund wie ihn zu haben. Manchmal war ich doch einsam. Nicht, dass ich nicht die Möglichkeiten hätte Freundschaften zu schließen. Ich wollte es einfach nicht. Es kam mir Falsch vor. Mum war zwar wie besessen davon, dass ich mir endlich ein paar Freunde suchen sollte, doch es war ja schließlich meine Sache, oder?
Ich zog mich aus meinen Gedanken zurück, war an meinem Ziel angekommen, blieb einen Moment stehen und nahm einen tiefen Atemzug. Die Sonne stach heftig vom Himmel und ich ärgerte mich darüber keine Sonnenbrille mitgebracht zu haben. Sonne war um diese Jahreszeit in Belfast eher selten, und so heiß war sie eigentlich nie. Wir näherten uns dem Herbst, und die Blätter an den Bäumen begannen bereits ihre Farbe zu wechseln.
Morgen war Montag, und Montag hieß immer Stress in der Arbeit. Aber trotzdem freute ich mich darauf Anastasius wieder zu sehen. Gesetz dem Fall er läuft mir nicht noch rein zufällig hier im Botanischen Garten über den Weg.
Als ich zum ersten Mal hier im Park war, fand ich eine wunderschöne Lichtung, die ich mir zu Eigen machte. Sie lag Abseits der Wege, nicht viele Naturliebhaber verirrten sich hier her. Gerne bezeichnete ich die Lichtung auch als „meine Lichtung“, da mir wirklich noch nie jemand hier begegnet war. Vielleicht wusste ja auch keiner von ihr? Doch, einer wusste allemal davon. Tasso. Er hatte mich schon des Öfteren hier hin begleitet.
Der Waldrand schien mir am besten geeignet um zu lesen und den Tag zu genießen. Ich zog das Buch aus der Gesäßtasche, legte mich ins Gras und starrte in den Himmel. Leichter Schatten bedeckte mich, sodass ich nicht in die Sonne blicken musste.
Ich schloss die Augen und ließ mich vom leichten Rauschen der Wälder mittragen. Natürlich nutzte ich diese Gelegenheit um wieder nachzudenken. Was ich ziemlich oft tat wenn ich hier draußen war – bot sich ja an. Allerdings dachte ich dann meist an mein Leben nach dem Unfall, und manchmal auch an den Unfall selbst. Mir war immer noch nicht klar, wie ich aus dem Auto gekommen war. Jemand hatte mich aus dem fahrenden Wagen befreit, so viel war sicher. Doch wer hat das getan?
Jedenfalls waren meine Naturliebhabereien nicht die einzigen Veränderungen die der ganze Unfall mit sich gebracht hatte. Nein, es hatte mehr Veränderungen gegeben als mir lieb gewesen waren.
Sie brachten nicht nur mein, wie ich es nannte, Waldfeen-Dasein mit sich. Sie brachten auch Schmerzen mit sich. Unerträgliche Schmerzen.
Ich spürte die Kopfschmerzen zum ersten Mal im Krankenhaus. Gleich nach dem Unfall. Es war die Hölle. Und nichts vermochte Linderung zu bringen. Als sie meinen Nacken hoch zogen rief ich die Krankenschwester, doch keine Tablette, keine Spritze brachte Linderung.
Und dann waren da diese seltsamen Bilder.
Ich sah Dinge, die im Nachhinein verrückt erscheinen.
Da waren Menschen, seltsame Menschen. Die einen waren ganz Hell und Strahlend, und die anderen Dunkel und Matt. Was genau passiert war vermag ich jetzt nicht mehr zu sagen, da ich mich nicht mehr erinnern kann. Nur an diese Gestalten. Die werde ich nie vergessen. Auch wenn sie langsam verblassten in meiner Erinnerung. Mein Urteilsvermögen wurde immer wieder angezweifelt, weil ich nach wie vor darauf bestehe, dass ich einen Mann gesehen habe am Unfallort. Nicht deutlich zwar, aber da dieser Mann zu mir gesprochen hatte, gehe ich davon aus, nicht übergeschnappt zu sein.
Die Ärzte waren ratlos; wie Ärzte manchmal eben sind wenn sie keine Ursachen für Schmerzen finden. Mir fehlte an- und fürsich nichts, doch sie behielten mich mehrere Tage im Krankenhaus, da sie davon ausgingen dass ich an einer Gehirnerschütterung litt.
Später meinte ein Therapeut, ich leide an Phantom Schmerzen mit Sinnestäuschungen. Genialer Einfall, wenn man bedenkt, dass alles was ich sehe passiert. Oder bereits passiert war.
Es betraf aber nicht meine Familie. Keiner von ihnen tauchte je in meinem Kopf bei einer dieser „Visionen“ auf.
Erschreckend ist, dass ich so einem Nachtbar so mal das Leben gerettet habe, dass er unter seinem Auto, dass vom Wagenheber gerutscht war, begraben war. Er sah mich zwar verdutzt an, als ich ihm erklärt hatte was mit ihm geschehen würde wenn er das Auto wirklich auf den Wagenheber stellte. Doch er befolgte, wenn auch widerwillig, meinen Ratschlag, und erzählte es in der ganzen Straße herum. Die Londoner Leute konnten wirklich schlimm sein.
Von da an wurde ich von allen Bewohnern unserer Straße gemieden, aber ich war froh dass ich ihn rechtzeitig warnen konnte.
Die Visionen gehen immer mit einem alles fressendem Durst einher. Meine Kehle brennt als Stünde sie in Feuer, doch Wasser alleine half da nicht.
Ich fand, wohl eher durch Zufall, heraus, dass der Durst, wenn ich nach so einer Vision in den Wald gehe, oder auch nur in ein Blumenbeet steige, verschwindet. Anscheinend hängt alles mit Wald und Natur zusammen.
Wieso, weshalb, warum – Ich hatte keine Ahnung. Wieder eines dieser Mysterien die ich nicht klären konnte.
Die Schmerzen, die die Visionen mit sich brachten waren das schlimmste daran. Denn ich war immer die Person, der etwas passiert. Egal ob Folter, Schnittverletzung – Ich hatte schon alles mitgemacht, und ich hasste es. Es tat weh, nicht nur körperlich. Nein auch geistig. Mein Gehirn fühlt sich danach immer an, als wäre es ein nasser Badeschwamm.
Hier versuchte ich meinen Gedankengang zu unterbrechen. Ich wollte mir die gute Laune nicht vermiesen. Es blieb mir ja eh nichts anderes übrig als es hinzunehmen wie es ist. Habe ich den eine andere Wahl?
Ich musste wohl eingeschlafen sein, denn ein Kitzeln an meiner Nase weckte mich. Ich musste niesen und war mit einem Schlag hell wach.
>>Guten Morgen du Schlafmütze<< Anastasius grinste mich frech an. Seine tiefen dunklen Augen sahen mich sichtlich amüsiert an.
Bevor ich in der Lage war auch nur ein Wort zu sagen, sprang er auch schon auf. Ich blickte ihm kurz hinterher, und versuchte mich ungeschickt aufzurichten.
Die Verrenkungen die ich unternahm um aufzustehen, lenkten mich so ab, dass ich nicht merkte, dass Tasso plötzlich hinter mir stand.
Er packte mich um die Mitte, und zog mich auf seine Arme.
Ich stieß ein lautes >>Ah!<< aus.
Er lachte, und wirbelte mich herum. Meine Haare flogen ihm ins Gesicht, und er begann zu husten.
Ich musste mich zurück nehmen, denn am liebsten wäre ich in einem Lachanfall aufgegangen, doch noch hatte ich nicht wieder den Boden unter den Füßen.
>>Hör auf! Tasso bitte! Mir wird schwindelig!<<, lachte ich ihm zu.
>>Nein. Tut mir Leid. Air Tasso landet erst … ach was weiß ich … später am Tag eben.<<
Ich kniff ihm mit aller Gewalt die ich aufbringen konnte in den Oberarm.
Er zeigte sich gnädig und ließ mich doch runter. Um mich herum drehte sich alles.
>>Puh!<<, schnaubte ich, >>Ich glaub der gemeine Drehwurm hat mich befallen.<<
Ich drehte mich ein paar mal um mich selber, und ließ mich dann in das Gras fallen.
Tasso starb seinen schönsten Filmtod und landete direkt neben mir.
Ich lachte mich krumm und schief bei dieser Darbietung. Er machte ein Gesicht wie ein altes Hollywood Stummfilm Sternchen, dass gerade eben sterben musste.
Es war so schön mit ihm hier draußen zu sein.
>>Sag mal, was machst du eigentlich hier?<<, fragte ich ihn immer noch Lächelnd, >>Hat dir die Geburtstagsfeier nicht gefallen?<<
Er hatte sich gestern in der Gärtnerei lautstark darüber beschwert, dass seine Mutter Geburtstag hätte und er nicht Lust hatte so eine Gruffti-Feier mitzumachen.
>>Ach, was soll ich den da?<<, er riss die Augen auf, und zog die Oberlippe angewidert hoch, >>Die essen nur Torten und Unterhalten sich über das beste Strickgarn. Super.<<, sagte er mit überdrehten Augen.
>>Ja ja, mit 27 ist man noch nicht zu alt um schon den Großeltern Konkurrenz zu machen, aber eben auch nicht mehr zu jung um Kindergeburtstag zu feiern. Bestell deiner Mum aber bitte trotzdem noch meine Glückwünsche.<<
Er nickte kurz und moserte, >>Wenn es sein muss … <<
Ich rammte ihm den Ellbogen in die Rippen.
>>Flegel<<, raunte ich. Er zeigte zwar keine sonderliche Regung, drohte aber, >>Dafür wirst du büßen.<<
Er machte gerne mal die Stimmen von irgendwelchen Film Bösewichten nach, und dieses mal war es Jack Nicholson als Joker.
Er fiel über mich her, und kitzelte mich, bis ich schrie.
Man hätte glatt meinen können wir beide wären ein Paar. Doch das waren wir nicht, und das war auch gut so. Wir waren zwar die besten Freunde, aber als Paar wären wir die ultimative Fehlbesetzung gewesen.
Wir balgten gerne mal, auch wenn Tasso so gut wie immer gewann, da er halt ein kleiner Muskelberg von 1, 85 m war und ich mit meinen 1, 69 m da kaum mit halten konnte.
Mittlerweile hatten wir es geschafft unseren Kitzel-Ringkampf aufzugeben und ich lag mit meinem Kopf auf seinem Bauch.
>>Warum bist du eigentlich hier?<<, fragte er.
Ich zupfte an einem Klee herum.
>>Ach,<<, stöhnte ich, zog die Augen zusammen, >>Mum ist wieder im Krankenhaus, und wird wohl erst später nach Hause kommen.<<, ich warf die Blume weg, >>Morgen kommt eine neue Ärztin, und da wollen Sie und ihre Kolleginnen alles Tipp Top haben.<<
>>Neue Ärztin?<<
>>Ja, was weiß ich. Muss ziemlich jung sein.<<
>>Wie heißt Sie denn?<<
>>Glaubst du ich weiß dass? Sehe ich so aus, als würde ich dort die Einstellungsgespräche führen?<< Ich drehte meine Kopf, sodass ich sein Gesicht gerade noch so sehen konnte.
>>Warum willst du das eigentlich wissen?<<
>>Ach nur so. Bin eben neugierig.<<
Ich setzte mich auf.
>>Wollen wir jetzt hier fest wachsen? Oder hast du Lust etwas spazieren zu gehen?<< ich tippte ihm auf die Nase.
>>Klar, ich dachte schon du fragst nie.<<
So schnell konnte ich gar nicht aufstehen wie er auf den Füßen war.
>>Oh Mann, wenn ich dran denke dass wir morgen 22 Kränze binden müssen, wird mir ganz schlecht.<< Er überdrehte die Augen.
>>Ach hab dich doch nicht so. Du magst deinen Job doch.<<, ich hackte mich bei ihm unter, und wir gingen quer über die Wiese.
>>Schon, aber müssen denn immer so viele auf einmal sterben?<<
Ich zuckte die Schultern. Er hatte Recht, in letzter Zeit gab es vermehrt Todesfälle. Und vor allem starben junge Männer, die eigentlich gesund waren. Keiner wusste warum es ausgerechnet sie traf.
Wir gingen eine Zeit lang schweigend neben einander her.
>>Emily<<, durchbrach er das Schweigen.
>>Ja<<, ich antwortete ihm ohne ihn anzusehen.
>>Ich wollte dich mal was fragen.<<, sagte er untypisch schüchtern.
>>Mich was fragen?<< ich blinzelte ihn aus den Augenwinkeln an.
Er nickte, und sah mich verlegen an.
>>Bitte, nur zu.<<, ich war verwirrt. Was wollte er mich den Fragen, dass ihm anscheinend so unangenehm war?
>>Wir sind jetzt schon einige Zeit befreundet, stimmt's?<<
>>Ja sicher.<<
>>Und eigentlich können wir uns doch alles erzählen, oder?<<
Ich nickte genervt und überdrehte die Augen.
Er blieb stehen und ließ meinen Arm los.
>>Warum erzählst du mir dann eigentlich nicht, was damals bei deinem Unfall wirklich passiert ist?<< sagte er bestimmt. Sein Blick war forschend.
Ich erzitterte bei seiner Frage, schloss meine Augen.
Sofort waren die Bilder wieder da. Das Auto; Der LKW; und alles Andere was ich vergessen wollte.
>>Tasso....hör zu.<<
>>Nein Emily. Du flüchtest dich immer in Ausreden. Glaubst du nicht, dass es langsam Zeit wird, dass du mal darüber sprichst?<<
>>Was soll ich dir den erzählen?<<, ich biss meine Zähne zusammen. Das war ein wunder Punkt bei mir, und Tasso hatte ihn gerade erfolgreich gedrückt >>Ich hab dir doch schon gesagt, dass ich aus dem Auto geflogen bin und einfach nur Glück hatte.<<
Ich ging ein paar Schritte von ihm weg. Der Zorn der in mir keimte, war nicht gegen ihn gerichtet, sonder eher gegen mich, da ich einfach nicht fähig war, das Ganze objektiv zu sehen. Es war eine Sache darüber nachzudenken, und es war eine andere Sache darüber zu sprechen. Und das tat weh. Sehr sogar.
>>Das glaubst du doch selber nicht.<< - er stieß ein abfälliges Lachen aus - >>Oder glaubst du ich bin so blind, dass ich nicht sehe wie du versuchst irgendetwas zu verdrängen?<<
>>Tasso, bitte.<< ich begann zu zischen.
>>Wie du meinst. Ich gebe es auf. Jedes Mal wenn ich dieses Thema anschneide wirst du zum Stein. Ich wollte eigentlich nur, dass du dich besser fühlst, aber wie man es macht, macht man es verkehrt.<<
Im Grunde genommen hatte er ja Recht.
Seit zwei Jahren brannte es mir nun schon auf der Seele. Doch er würde es nicht verstehen. Er würde mich, wie der Therapeut, der mir aufgedrängt wurde, anlächeln und behaupten es ist nichts passiert.
Endlose Sitzungen in der Praxis des Psychologen brachten das Ergebnis, dass ich mir das alles nur eingebildet hatte.
>>Miss Patterson, es gab kein ominöses Licht. Das war ihr Verstand der ihnen den nahenden Tod erleichtern wollte.<< erklärte mir der Arzt.
Genau so wenig konnte er mir erklären wie ich nahezu unbeschadet aus dem Auto gekommen war. Ohne dabei die Tür zu öffnen.
Er redete sich das Unerklärliche einfach weg, oder ignorierte es ganz. Jedenfalls wurde ich von allen als „Nicht-mehr-richtig“ im Kopf angesehen.
Aber ich spielte das Spiel mit, um dieses Martyrium des Seelenzerquetschens schnellstmöglich hinter mich zu bringen. Erklärte am Schluss sogar, dass nie etwas, wie der Mann hinter den Bäumen, passiert ist.
>>Tasso, du würdest es nicht verstehen<<
flehend blickte ich zu ihm hoch. Sein Gesicht hatte so unsagbar weiche Züge. Seine Augen waren schwarz. Tief Schwarz.
Er stand gegen die Sonne und sah mich eingehend an.
>>Emily, vertraust du mir?<<, sage er sanft.
>>Es hat nichts damit zu tun, ob ich dir vertraue oder nicht. Und das tue ich. Gott ja, wenn ich dir nicht vertraue, wem den sonst? Es hat etwas damit zu tun ob du mir glauben könntest. Ich bin mir da nicht so sicher.<< Ich spürte einen Anflug von Verzweiflung.
Er nickte leicht und fuhr sich mit der Hand über den Kopf.
Was sollte ich tun? Sollte ich ihm erzählen was ich in jener Nacht gesehen hatte? Konnte ich mir sicher sein, dass er damit umgehen konnte, oder besser gesagt, er mich nicht für wahnsinnig hielt?
>>Hör zu Tasso,<< - ich seufzte - >>Ich werde dir davon erzählen. Versprochen. Aber nicht heute und nicht hier.<< mein Blick streifte seine mandelförmigen Augen.
>>Wenn du das so möchtest, Emily. Es ist deine Entscheidung. Ich wollte dir nur ein offenes Ohr schenken.<< die Enttäuschung war ihm deutlich anzumerken.
Ein Nicken zeigte mein Einverständnis. Ich wusste, dass ich ihm davon erzählen musste, denn es könnte ja jederzeit dazu kommen, dass eine Vision über mich hereinbricht, wenn er anwesend ist. Auch wenn es bislang nicht der Fall war. Aber wie sollte ich das dann erklären?
Wir gingen noch ein Stück und redeten über das Wetter und die Arbeit. Ich versuchte so locker wie möglich zu sein, auch wenn mir das nur bedingt gelang.
Die Sonne machte sich auf ihren Weg Richtung andere Erdhälfte, und wir beschlossen zurück in die Stadt zu gehen.
Mein Buch war wieder sicher in meiner Gesäßtasche verstaut, und ich hakte mich bei ihm unter.
Es war ein gutes Gefühl dass er da war, auch wenn ich ihn gerade verletzt hatte. Aber er würde die volle Wahrheit erfahren. Irgendwann. |
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frauGeier83 |
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| Anmeldedatum | 08.02.2009 | | Beiträge | 211 | | Wohnort | Riedlhütte | |
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 | | Verfasst am: 27.05.2009, 23:36 |
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| Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann das letzte mal die Sonne über Belfast so glühte. |
>... so geglüht hatte.< Müsste es heißen.
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| Ich beschloss mich ... |
>Ich beschloss, mich ...<
| Zitat: |
| Seit ich in Belfast lebte bewegte sich mein Leben in einer Geschwindigkeit, die kaum von einer Schnecke zu überbieten war. |
Das ist ein Logikfehler, oder? Das >kaum< muss weg, wenn man mich fragt.
| Zitat: |
| Ich war also alleine zuhause, und konnte den Tag nach meinen Vorstellungen gestalten, verstaute ein Taschenbuch in meiner Jeans Gesäßtasche und machte mich auf den Weg nach draußen. |
>Ich war also alleine Zuhause und ...<
Taschenbuch in der Gesäßtasche einer Jeans? Naja ...
| Zitat: |
| Wenn ich mal Alt und Grau bin ... |
>... alt und grau ...<
| Zitat: |
Die befreiende Bewegung meiner Füße ließ meine Gedanken abschweifen. Banalitäten kreisten in meinem Geiste, und ich drang in Erinnerungen ein, die ich lange zu vermeiden versucht hatte.
Knapp ein Jahr ist vergangen seit mein Vater verstorben war. |
Da fehlt mir ganz klar der Zusammenhang. Ist mit der befreienden Bewegung das Laufen gemeint? Was haben die Beinbewegungen mit den Gedanken zu tun? Und was die Banalitäten mit dem Tod des Vaters. Sehr abstrakt alles.
| Zitat: |
| Für die gesamte Familie war es ein Schlag in die Magengrube als wir hörten dass er an einem Hypophysen Tumor litt. Es gab nicht die geringste Chance auf Heilung. Wir mussten mit ansehen wie er langsam in eine andere Welt glitt. |
Der Vergleich mit dem >Schlag in die Magengrube< ist hier sehr unpassend. Mal davon abgesehen, dass es das Verhältnis zum Vater sehr abwertet.
| Zitat: |
| Großvater war damit gar nicht einverstanden. Er liebte London, und konnte sich nicht vorstellen morgens ohne Starbucks Kaffee auszukommen. |
Den ersten Satz finde ich übel. Der nächste hingegen spricht mich sehr an. Finde ich super. Endlich habe ich mal das Gefühl, dass die Person am Leben ist. Das durchbricht den monotonen, sachlichen Erzählrhythmus.
| Zitat: |
| Er verstand uns allerdings, und überließ uns sein Haus in Belfast. Es hatte einst seiner Schwester gehört; er hatte es nach ihrem Tod geerbt und nutzte es nicht. Er meinte es sei schade darum, da es in einem guten Zustand sei, und er hoffte dass wir uns dort wohl fühlen würden. |
Er, er, er, er, ...
Ich habe jetzt leider grade nicht mehr Zeit, aber ich werde morgen was zum Rest schreiben und auch ein paar Sätze zum Gesamtbild. War jetzt alles sehr theoretisch, morgen kommt aber auch anderes!
Grüße,
chris |
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CM87 |
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 | | Verfasst am: 28.05.2009, 13:46 |
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Er verstand uns allerdings, und überließ uns sein Haus in Belfast. Es hatte einst seiner Schwester gehört; er hatte es nach ihrem Tod geerbt und nutzte es nicht. Er meinte es sei schade darum, da es in einem guten Zustand sei, und er hoffte dass wir uns dort wohl fühlen würden. Also zogen wir nach Nordirland um.
Ich hoffte sehr dort zu finden was ich vermisste. Auch wenn ich mir nicht klar war, was ich vermisste. |
Dieser nüchterne Erzählstil belebt den Text nicht gerade. Das zieht sich von Anfang an durch. Jetzt ganz spontan würde ich es vielleicht so umformulieren:
>Dennoch konnte er unsere Beweggründe nachvollziehen und überließ und das leerstehende, aber in tadellosem Zustand befindliche Haus in Belfast, das er von seiner Schwester geerbt hatte. So kamen wir nach Nordirland.
Ich hatte gehofft dort zu finden, was ich so sehr vermisste. Auch wenn ich nicht wusste, was das war.<
Wie gesagt, nur eine Idee.
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| Die Menschen hatten nicht den Drang sich zu beeilen. |
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| ... da ich nicht unbedingt der feierwütige Typ Mensch war ... |
Könntest du viel anschaulicher machen, als den Status bloß mit diesem Satz niederzuschreiben. Gilt übrigens für viele Passagen des Textes.
| Zitat: |
| Ich fühlte mich seit jener Nacht der Natur mehr als verbunden; konnte mir aber keinen Reim darauf machen. War ich doch immer ein Großstadt Mädchen gewesen. |
>Ich fühlte mich seit jener Nacht der Natur mehr als verbunden.< Den Rest streichen.
| Zitat: |
Alles in mir fing plötzlich an Reaktionen auf die Umgebung zu zeigen. So fühlte ich mich eingesperrt, wenn ich länger als drei Stunden im Haus verbrachte. Doch mein Herz begann schneller zu Schlagen wenn ich in die Nähe von Bäumen kam.
Ich nahm die Ruhe die sie ausstrahlten in mich auf und zerrte oft Tagelang davon. |
>... plötzlich an, Reaktionen ...<
Der zweite Teil des Ausschnitts ist widersprüchlich. Warum führt die Ruhe der Bäume zu schnellerem Herzschlag??
>Ich nahm die Ruhe, die sie ausstrahlten, in mich auf und zehrte oft tagelang davon.<
| Zitat: |
| Okay, nur das eine mal, redete ich mir Anfangs ein. |
Gar nicht gut formuliert.
> ... Mal ...<
> ... anfangs ...<
| Zitat: |
| Nichts war mehr so, wie es einmal gewesen war. |
>Nichts war mehr so, wie einst.<
Ganz grundsätzlich hast du große Probleme mit der Zeichensetzung. Speziell bei den Beistrichen kommt es da zu vielen Fehlern.
Manchmal passt die Groß- und Kleinschreibung nicht, aber das können auch Flüchtigkeitsfehler beim Tippen sein, wenn der Text eben noch nicht korrigiert wurde.
Soweit ich weiß, habe ich ja damals auch zu deinem Prolog schon etwas geschrieben und ich muss sagen: der war wesentlich spannender!
Du musst aufpassen durch ein monotones Erzählen mit sich ständig wiederholenden Wörtern und Satzbeginnen den Leser nicht einzuschläfern. Auch wäre eine bewusstere Varianz die Satzlänge betreffend förderlich.
Und du redest viel zu viel herum. Prägnanz! Alles ließe sich wesentlich kürzer schildern, was automatisch ein wenig Geschwindigkeit in den Text bringen würde. Das kommt sehr gut bei dem umformulierten Absatz oben zum Ausdruck, finde ich.
Wenn du das änderst und die sich von Zeit zu Zeit einschleichenden banalen Formulierungen erkennst und weglässt wäre viel gewonnen.
Grundsätzlich finde ich den Inhalt des Textes in Ordnung. Die Geschichte selbst. Und der Prolog war ohnehin spannend, weil auch schneller. Ich denke, man könnte schon was daraus machen, aber überarbeitet müsste es schon werden.
Auch der Bezug zur Protagonistin fehlt mir sehr. Ich kriege einfach kein Gefühl für die Person. Ein klein wenig Lebendigkeit würde ihr gut tun.
Viel Glück jedenfalls! |
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CM87 |
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