 | Ich hab's gewusst! | Verfasst am: 06.07.2010, 19:15 |
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Nun ist der Beleg da für eine Behauptung von mir, die ich gelegentlich hier aufgestellt habe (und an die ich selbst nicht so recht glauben wollte) ...
Immer, wenn hier die Rede von den diversen Druckkostenzuschussverlagen war, habe ich den Gedanken vertreten, dass die dummen Autoren zwar eine ganze Auflage bezahlen, in Wahrheit aber nur eine Minimalauflage hergestellt wird - damit der Autor seine Belegexemplare bekommt und ein paar Dutzend bereitliegen, um als Werbeexemplare pro forma an diverse Redakteure verschickt zu werden. Statt der bezahlten 2.000 Stück existieren also nur ein paar Hundert, und wenn mehr verlangt werden, dann wird nach dem On-Demand-System nachproduziert.
Wie gesagt: Das habe ich bislang immer als Idee, als Theorie gehandelt. Die "Süddeutsche" hat mich jetzt eines Besseren belehrt, oder im Klartext: Meine Theorie ist zur Praxis geworden!
In einem Artikel der "Süddeutschen" vom 06.07.2010 (Titel: "Im Land der Dichter und Täuscher") heißt es:
| Die Süddeutsche hat Folgendes geschrieben: |
| Das Deckblatt, das eine Zusammenfassung der wichtigsten Vertragsinhalte enthält, vermerkt etwa die Gesamtauflage des Titels sei "unbeschränkt". Tatsächlich ist aber eine "rasch zu druckende Startauflage von z. B. 300 Stück" vorgesehen. Das spare die "hohen Lagerkosten". Nachgedruckt wird erst nach Abverkauf. Wer jetzt aber glaubt, wenigstens diese 300 Exemplare gehörten dem Autor - er hat ja schließlich mehrere tausend Euro dafür bezahlt -, der irrt. Der generöse Verlag gewährt dem Autor zwar einen Rabatt auf seine eigenen Bücher von 50 Prozent, dafür bekommt er aber im "preisgünstigen Vorzugsmodell" für die ersten tausend verkauften Exemplare überhaupt kein Honorar. |
Als ich das las, dachte ich, meine Peristaltik schlägt Falten!
Nicht nur, dass nicht die gesamte vereinbarte und bezahlte Auflage nicht gedruckt wird, sie gehört noch nicht einmal demjenigen, der dafür Tausende von Euros auf den Tisch gelegt hat!
Wer mehr lesen möcht, hier gibt es den Artikel der "Süddeutschen" online:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/zuschuss-verlage-im-land-der-dichter-und-taeuscher-1.970341
Grüße
Siegfried |
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Siegfried |
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 | Re: Ich hab's gewusst! | Verfasst am: 06.07.2010, 19:24 |
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| Siegfried hat Folgendes geschrieben: |
...oder im Klartext: Meine Theorie ist zur Praxis geworden!
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Toll gemacht. Sicherlich hast du die DKZV's auf den Draht gebracht. Super Siegfried!
Mal ernsthaft, das war doch abzusehen, ich meine, welcher (Halb-)Kriminelle würde sein unehrlich erworbenes Geld denn dafür ausgeben, Bücher zu Drucken, die nie verkauft werden, es sein denn, man kommt seinen Aufgaben als Verlag nach und macht Werbung? Also wenn man schon ein krummes Ding dreht, dann sollte man das auch richtig machen, finde ich. |
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T.Tharun |
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 | Re: Ich hab's gewusst! | Verfasst am: 06.07.2010, 19:27 |
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| T.Tharun hat Folgendes geschrieben: |
Toll gemacht. Sicherlich hast du die DKZV's auf den Draht gebracht. Super Siegfried!
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Unterstellst du mir da "Aufforderung zum Betrug" oder was?
Noch ganz sauber im Oberstübchen?
Empörte Grüße
Siegfried |
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Siegfried |
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 | | Verfasst am: 06.07.2010, 19:51 |
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Ganz abgesehen davon, wer wen auf was oder vielleicht auch nicht gebracht hat, so hab ich jedesmal, wenn ich bei meinem Verlagsrecherchen las, das Kontingent sei zum Beispiel begrenzt oder für dieses Jahr schon ausgeschöpft und man komme somit leider, leider nicht drum herum, die Autoren finanziell mit ins Boot zu holen, den 'Verlag' schneller aus meinem Gedächtnis gestrichen als meine Hauspuschen angezogen
Mir persönlich ist es unverständlich, wie man generell ohne Recherche an so ein Projekt herangehen und dann nicht mal bei diesen horrenden Summen stutzig werden kann Ich fand den Artikel wirklich sehr gut, zeigt er doch, was Eitelkeit für Blüten treiben kann.
Die Praktiken dieser 'Branche' wurden - trotzdem mir bereits bekannt - so gut beschrieben, dass mir erneut leicht flau im Magen wurde.
Flau, wie man so eiskalt mit Menschen und ihren Gefühlen spielen kann.
Aber gut, das ist im Endeffekt ja auch nicht neu.
Leider. |
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India09 |
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 | Re: Ich hab's gewusst! | Verfasst am: 06.07.2010, 20:15 |
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| Siegfried hat Folgendes geschrieben: |
| T.Tharun hat Folgendes geschrieben: |
Toll gemacht. Sicherlich hast du die DKZV's auf den Draht gebracht. Super Siegfried!
|
Unterstellst du mir da "Aufforderung zum Betrug" oder was?
Noch ganz sauber im Oberstübchen?
Empörte Grüße
Siegfried |
Nein, das hast du falsch verstanden. Ich unterstelle dir gar nichts. Das ist alles reine Spekulation. Jedenfalls solange, bis die BILD es bestätigt.  |
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T.Tharun |
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 | Re: Ich hab's gewusst! | Verfasst am: 06.07.2010, 21:36 |
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| Siegfried hat Folgendes geschrieben: |
Als ich das las, dachte ich, meine Peristaltik schlägt Falten!
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Der Mediziner in mir erhebt Einspruch, denn der Begriff Peristaltik bezeichnet eine Muskeltätigkeit, und die kann demzufolge auch keine "Wellen schlagen" wie z.B. eine Stoffbahn.
Wir wollen doch präzise sein, trotz stehender Ovationen im Oberstübchen
Zuletzt lachende Grüße
Artus |
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 | Re: Ich hab's gewusst! | Verfasst am: 06.07.2010, 21:58 |
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| Siegfried hat Folgendes geschrieben: |
Nicht nur, dass nicht die gesamte vereinbarte und bezahlte Auflage nicht gedruckt wird, sie gehört noch nicht einmal demjenigen, der dafür Tausende von Euros auf den Tisch gelegt hat!
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Hallo Siegfried,
das ist wirklich klasse (leider aber nicht für die armen Kunden besagter Verlage). Jetzt müßte man mal einen solchen Verlagsvertrag durchlesen können, am Ende steht das alles genau so drin, und man läßt den Kunden nur in seinem Irrglauben, die geplante Auflage würde komplett gedruckt und ihm gehören.
Letztendlich spielt es aber keine Rolle, denn wer verkauft locker 2000 Bücher ohne Werbemaßnahmen? Wer verkauft überhaupt 300 Bücher? Sicher nicht im Handumdrehen. Auch wenn ihm die Auflage komplett gehören würde, könnte der Autor kaum Nutzen draus ziehen.
Solche Verlagsverträge sind nur möglich, weil die Kunden den Wert der Dienstleistung nicht kennen. Würde man dem Kunden ein Täfelchen Vollmilchschokolade für 41 Euro offerieren, würde er nicht so beherzt zugreifen.
Viele Grüße
Torsten |
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 | Re: Ich hab's gewusst! | Verfasst am: 06.07.2010, 22:35 |
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| Torsten Buchheit hat Folgendes geschrieben: |
Letztendlich spielt es aber keine Rolle, denn wer verkauft locker 2000 Bücher ohne Werbemaßnahmen? Wer verkauft überhaupt 300 Bücher? Sicher nicht im Handumdrehen. Auch wenn ihm die Auflage komplett gehören würde, könnte der Autor kaum Nutzen draus ziehen.
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Ich sehe das Problem nicht beim Verkauf, sondern bei der Herstellung. Der Autor wird vom DKZV aufgefordert, über 6.000 Euro auf den Tisch zu legen, damit das Manuskript in ein Buch umgewandelt werden kann. Mit diesen 6.000 Euro werden dann ganze 300 Bücher hergestellt - was nur einen Bruchteil der 6.000 Euro auffrisst.
Der Verlag geht dann natürlich davon aus, dass das Buch sich nicht verkauft, folglich kommt es nie zur restlichen Auflagenproduktion. Statt der vollmündig angekündigten Auflage von 2.000 oder gar 5.000 Bücher - für die der Autor ja teuer bezahlt hat -, werden eben nur die 300 hergestellt. Trotzdem behält der Verlag den gesamten Betrag: Bezahlung ohne Gegenleistung.
Und: Der Autor wird nach einem knappen Jahr darüber informiert, dass die bereits gedruckten Bücher in den Schredder gehen, weil sie sich "überraschenderweise" so schlecht verkaufen. Natürlich kann der Autor die Bücher, die er bereits völlig überteuert bezahlt hat, vor dem Reißwolf retten und für den halben Preis dem Verlag abkaufen. Klartext: Der Autor bezahlt jedes gedruckte Buch ein zweites Mal.
Balzac hat recht: Hinter jedem großen Vermögen steckt ein Verbrechen!
Grüße
Siegfried |
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Siegfried |
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 | | Verfasst am: 06.07.2010, 23:55 |
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Statt die Welt vor diesen Abzockern zu warnen, schämen sich die betrogenen Autoren wahrscheinlich so, auf deren DKZ-Masche hereingefallen zu sein, dass sie kein Wort davon verlauten lassen.
Und dann locken diese Leute auch noch fies mit Schokolade ...
Liebe Grüße,
Bettina |
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mimicossell |
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 | Re: Ich hab's gewusst! | Verfasst am: 07.07.2010, 00:13 |
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| Siegfried hat Folgendes geschrieben: |
Balzac hat recht: Hinter jedem großen Vermögen steckt ein Verbrechen! |
Ich war 10 Jahre selbstständig und kann bestätigen, dass auch hinter einem kleineren Vermögen ein Verbrechen steckt. Wer am geschicktesten bescheißt, gewinnt.
Ehrliche Unternehmer verlieren! Glaubt mir. |
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 | | Verfasst am: 07.07.2010, 01:39 |
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Ich bin zwar kein Geschäftsmann, aber ich bin trotzdem pleite
Zumindest kann ich nachts noch ruhig schlafen. Außer wenn auf der Brücke über mir zu viele Autos fahren, dann verlege ich meinen Schlafplatz immer auf die andere Stadtseite. |
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Dom |
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 | | Verfasst am: 07.07.2010, 06:25 |
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[quote="mimicossell"]Statt die Welt vor diesen Abzockern zu warnen, schämen sich die betrogenen Autoren wahrscheinlich so, auf deren DKZ-Masche hereingefallen zu sein, dass sie kein Wort davon verlauten lassen.
Ich schäme mich nicht einzugestehen, dass ich Opfer eines DKZV wurde und von diesem auch reichlich ausgenommen. Das habe ich in diesem Forum schon einmal laut werden lassen. Von den mehreren tausend Euro, die ich für die Herstellung meines Buches bezahlte (abgesehen vom ständigen Hick-Hack mit dem Verlag), habe ich bisher etwas mehr als 200 Euro "Gewinn" gemacht.
Ich kann Siegfried nur danken, dass er auf dieses Problem noch einmal aufmerksam macht, denn der leichtfertigen, besser unwissenden Autoren gibt es sicherlich noch einige.
Detlef |
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Detlef Schumacher |
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 | | Verfasst am: 07.07.2010, 06:56 |
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| mimicossell hat Folgendes geschrieben: |
Statt die Welt vor diesen Abzockern zu warnen, schämen sich die betrogenen Autoren wahrscheinlich so, auf deren DKZ-Masche hereingefallen zu sein, dass sie kein Wort davon verlauten lassen.
Und dann locken diese Leute auch noch fies mit Schokolade ...
Liebe Grüße,
Bettina |
Wo gibt es denn die Schokolade? Das ist doch ein echtes Argument, da könnte ich glatt auch Mitglied im Club werden.
Gruß
Bernd |
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 | | Verfasst am: 07.07.2010, 07:09 |
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Torsten Buchheit |
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 | | Verfasst am: 07.07.2010, 07:44 |
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Hallo Torsten,
| Torsten Buchheit hat Folgendes geschrieben: |
| Wer sich nach Lesen beider Artikel doch für einen DKZV entscheidet, dem werden wir wohl kaum helfen können... |
In einem Parallelthread wurde erst in den letzten tagen wieder von einer Autorin für einen DKZV geworben, obwohl der Dienstleister auf seiner Website überhaupt keinen Hehl aus den verlangten Zuschüssen machte.
Zudem: Solange viele Autoren der Überzeugung sind, dass alle Lektoren großer Verlage unfähig, ignorant usw. seien, die nur die Schreibe der Autoren verbiegen wollen, werden die DKZV weiter absahnen können. Sie bestätigen den Autoren immerhin das, was sie von sich selbst glauben: Einfach genial zu schreiben.
Beste Grüße
Heinz |
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