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Jenseits des rechten Pfades - Prolog

BeitragVerfasst am: 12.04.2009, 17:19
Einen schönen Tag, liebe Lesenden,

ich habe hier nun mal den Prolog eines Romans reingestellt, an dem ich nun seit einem knappen Jahr schreibe. Bisher hat die Geschichte ca. 250 Seiten, aber ich finde allmählich wird es Zeit, ein paar Ratschläge einzuholen. Egal, ob sie nun den Sprachstil oder den Inhalt beteffen: Ich freu mich über jede ernsthafte Meinung zum Folgenden. Wünsche viel Spaß und schlaft nicht ein dabei Wink (ich weiß, es ist ein bisschen viel Text. Wenn es euch zu viel ist, schreibt einfach etwas zu den ersten 20 Zeilen oder so, das wäre schon eine Hilfe)

edit: So, ich hab den Text um ein gutes Stück gekürzt, um nicht allzu viele Leser hier abzuschrecken Very Happy

Vorspiel (Erster Abschnitt)

Trüb und löchrig lagen die Schatten der Bäume auf dem harten, von Unmengen an Wurzeln durchzogenen Waldboden. Die wohlige Geruchsmischung aus dem Duft von jungem Blattwerk und einem Hauch der Fäulnis erfüllte die Luft. Sonnenstrahlen durchstachen das Blätterdach wie einzelne Schwerter und ver-liehen allem, was sie trafen, den Schein des Frühlings. Tautrop-fen, die über die Äste und Zweige bis zu den Spitzen der Blätter rannen, wo sie sich noch einen sternklaren Augenblick lang hal-ten konnten, ehe sie hinab in die Tiefe stürzten, erzeugten eine fast regenähnliche Geräuschkulisse, die einzige des Waldes. Weder ein Weg, noch eine von Menschen geschaffene Straße war zu sehen. Nur die Baumstämme, das Licht, das sie be-schien, der mit herab gefallenen Baumteilen bedeckte Erdbo-den und das Dach der Blätter darüber.
Die Sicht war verhältnismäßig klar und doch – je weiter man den Blick in die Ferne ziehen ließ, desto mehr verirrte er sich im matten Nebel des Horizonts, der alles verschlucken konnte, was ihm nur nah genug kam. Vor wenigen Wochen erst hatte sich der letzte Schnee des Winters verabschiedet und dem Er-blühen des neuen Jahres Platz gemacht. Und es erblühte. Das Grün, das die Blätter färbte, war kräftiger als das Jahr zuvor, die Wolken befanden sich noch in weiter Ferne – zugunsten des Sonnenlichts - und bis zum endgültigen Erwachen des Früh-lings fehlte nur noch Weniges an Zeit und Reife.
Ein Mensch war auf dem Weg durch das Paradies. Seine Schritte, die mühsam und in unregelmäßigem Tempo durch die Stille des Waldes hindurch ein wühlendes Scharren verursach-ten, waren weit und breit der einzige Stilbruch im Gesamtbild dieser Idylle, welche für den besagten Menschen jedoch schon seit Langem ihren Reiz eingebüßt hatte. Er atmete selbstver-ständlich die taufrische, würzige Luft und taumelte durch die hellen Strahlen der Sonne.
Doch muss die Hölle wirklich brennen?
Das Laufen fiel ihm schwer. Laut keuchend, gelegentlich einen Schmerzensschrei ausstoßend, schleppte er sich mühsam über den Boden und klammerte sich, sooft es sich ergab, an einen nahen Baumstamm um ein paar Sekunden zu verschnaufen.
Das Atmen fühlte sich seltsam an. Der Mensch hatte den Ein-druck, seine Lunge hätte beträchtlich an Größe verloren und könnte somit nur noch in etwa so viel Luft aufnehmen, wie Wasser in ein kleines Glas passte. Der Atem ging dementspre-chend rasch und pfeifend. Der Mensch strengte sich an, aber der Sauerstoff, der ihm ins Gehirn gelangte wurde von Atemzug zu Atemzug geringer. Bisher war sein Weg von einem starken Schwindelgefühl begleitet worden. Was sich nun noch dazuge-sellte, waren Kopfschmerzen.
„Weg… ich muss… weg…“
Gestöhntes Flüstern drang über seine Lippen, wohl zur An-spornung seiner selbst. Bezweifelt, dass er es schaffen würde, Hilfe zu holen, hatte er jedoch schon die ganze Zeit. Die Erfül-lung dieser Vorahnung stand kurz bevor, das war ihm klar.
Es graute ihm. Zum Einen vor sich selbst. Von Außen betrach-tet war er schon eine ganze Weile kein voller Mensch mehr. Sein geschundener, verstümmelter Leib schleppte sich wie der einer altersschwachen Schildkröte dahin. Trotzdem gab er sich Mühe, nicht auf allen Vieren zu kriechen sondern auf seinen beiden Beinen zu wandeln. Besser gesagt auf dem, was einmal seine Beine waren: Zwei Oberschenkeln, die etwa am Knie en-deten, von wo aus sich eine Fährte aus weinrotem Blut hinter-her zog. Am Anfang waren die Schmerzen schlimm gewesen, um nicht zu sagen grauenvoll. Nun, ein paar Tage später, be-wegten sie sich zwischen „furchtbar“ und „erträglich“. Die gerin-ge Größe, die dem Menschen damit zu Eigen geworden war, bedeutete für ihn, neben dem abhandengekommenen Gleich-gewichtssinn, allerdings die schlimmste Folge: Er war nicht nur geistig, sondern auch körperlich seiner Überblickung der Lage beraubt.
Er wusste jedoch, aufgeben durfte er nicht.
Das Wetter, die Landschaft um ihn herum erschien ihm grau, egal, in welchen grellen Farben sie schillerte. Außerdem hatte er das Gefühl, allmählich selbst ein Teil der stummen und stillen Waldlandschaft zu werden. In seinem Vollbart, den er sich schon seit einigen Monaten stehen ließ, waren wie auch in sei-nen Kopfhaaren massenweise Dreck, Blätter und Zweigstücke verfangen. Das Gesicht, die Arme und die Handflächen waren Zierträger von unzähligen Kratzern und Schürfwunden. Das ka-rierte Hemd, die (viel zu dünne) Winterjacke, die er längere Zeit darüber getragen hatte und die halbierte Hose erweckten einen nicht weniger bemitleidenswerten Eindruck. Von vielen Kämp-fen gegen dichtes Gestrüpp, unglücklichen Stürzen und Kollisi-onen mit unvorhergesehenen Baumstämmen gezeichnet hin-gen sie von seinem Körper herab. Ähnlich der abgetragenen Haut eines älteren Mannes.
Die Schmerzen, die dort brannten, wo einst das Kniegelenk Un-ter- und Oberschenkel voneinander getrennt hatte, flammten augenblicklich auf und ein lauter Schrei entfuhr ihm. Fluchend kippte er vornüber und fing seinen Sturz in der letzten Sekunde noch mit seinen Händen ab, die er in den Boden stützte. Seine Arme hielt er in der Regel mit seiner beruflichen Holzfällerei, der er auch seinen sonstigen etwas stämmigen Bau verdankte, auf Trab. Wie blaue Flammen züngelte der Schmerz die Schenkel empor bis in die Hodengegend. „Verdammte Scheiße noch mal, das schaff ich nicht…“
Er hielt kaum eine Sekunde inne, da schleppte er sich schon wieder weiter und kämpfte verzweifelt gegen das Bedürfnis, sich einfach hinzulegen und zu warten, bis der Tod ihn einholte. Der Tod hatte bekanntlich lange Beine.
Immer mehr besann der Mensch sich auf die Vorteile, die diese Handlung mit sich brächte, aber etwas hielt ihn davon ab, die-sen Schritt zu tun. Wie die Leine den Hunden das davonlaufen verunmöglichte. Schwer um das Gleichgewicht ringend stapfte er so auf seinen beiden Schenkeln weiter, auf der Suche nach einem Weg. Einem Weg nach draußen.
Es war schon einige Zeit her, seit er seine Beine verloren hatte. Schon mehrere Tage sogar lag seine Ankunft in diesem Wald zurück.


Zuletzt bearbeitet von Mr. Fragwürdig am 13.04.2009, 09:14, insgesamt einmal bearbeitet

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BeitragVerfasst am: 13.04.2009, 00:43
Hallo Christian,
schön das du gleich zu Anfang so fleißig bist und hallo. Zu deinem Text- JAAAAAA das IST zuviel Text. Du wirst nur mit sehr viel Glück einen von den jungs und Mädchen hier finden, die den ganzen Text lesen und beurteilen werden. Ich stelle auch immer am liebsten ein ganzes Kapitel hier rein, weil ich ja will das die Leute einen größtmöglichen Eindruck von meinem Stil oder dem Inhalt bekommen. Dir geht es da nicht anders, das merkt man. Ein Tipp- stell nächstes Mal in Etappen ein. Das heißt die erste Woche die ersten beiden Seiten/trenne dann an einer aufregenden oder logischen Stelle/ und stelle dann ne Woche später die nächsten beiden Seiten ein.
Ich habe jetzt erst mal die erste Seite gelesen. Bedenke bei allem was ich schreibe, dass das nur meine persönliche Meinung ist und das die alten Hasen oder die netten Damen der Schöpfung ganz anders sehen könnten. Die Rechtschreib- oder Kommafehler beachte ich gar nicht weil ich da selbst im Glashaus sitzen würde.
Zu dem Gesammten- der Stil ist wunderbar. Das merkt man bereits bei dem ersten Absatz. Herrlich Bildreiche Beschreibung, guter Atmosphärenaufbau auch wenn andere das alls Infodumping bewerten könnten. Es tendiert nah am Informationsüberfluss aber bei der ruhigen Szene ist das, denke ich ausgleichend.
Zum Inhaltlichen des ersten Absatzes: Die wohlige Geruchsmischung aus dem Duft von jungem Blattwerk und einem Hauch der Fäulnis erfüllte die Luft.--- Hauch von was?- der verotteten Blätter wahscheinlich aber das muss der Leser nicht wissen. Schreib immer so als würdest du Kindern etwas erklären. Was für dich, den Autor logisch und klar erscheint muss nicht für den Leser nachvollziebar sein. Oder wie mir mal jemand gesagt hat: Schreib so das es jeder Idiot versteht ohne das der Idiot merkt, dass du es nur für ihn so schreibst (grins cheezy grin ) Genauso- der Schein des Frühlings, was unterscheidet den Schein des Frühling vom Schein des Sommers? Schreib das. Ist er weicher, schwächer. leichter und weniger drückend? Keine Ahnung. Ich weiß das erscheint als Wortklauberei aber wenn es mir, dem Leser so erscheint, vielleicht auch anderen.
Sternklarer Augenblick? Warum ist der sternklar- dachte es wäre Tag? dozey
Weg und Starße sind beides Menschliche Kreationen- wenn, dann meinst du einen von Tieren freigetrampelten Pfad durch das Unterholz.
"Nur die Baumstämme, das Licht, das sie be-schien, der mit herab gefallenen Baumteilen bedeckte Erdbo-den und das Dach der Blätter darüber. " Hier beschreibst du einen Blickverlauf, der gut gemeint ist aber verwirrt: Baumstämme( unten bis oben), Licht (immer wieder mal überall), Erdboden(ganz unten) und das Blätterdach (ganz oben) siehst du, der Leser muss plötzlich seinen Blick überall haben. Anderen ist das egal, vielleicht sollte es mir auch egal sein, ich schreibe momentan nur ganz spontan was ich irritierend finde. Ich hätte den Satz vielleicht ganz weg gelassen- oder zumindest anders aufgebaut.
Zweiter Absatz. Verhältnismäßig klar??? blink Verhältnismäßig ist ein Buhwort das nichts und alles bedeuten kann. im Nächsten Satzteil gehst du auf den Neben ein- warum das nicht gleich?- Die Sicht war getrübt oder verschleiert- das ist ein klares Bild.
"...Er-blühen des neuen Jahres Platz gemacht." Sehr gestochen aber okay, was mich stört ist wieder nur eine Kleinigkeit. Erblühen des neuen Jahres. Wo spielt das, das der Winter im Dezember aufhört? Winterwetter dauert oft bis Februar, März, das >Erblühen des Neuen Jahres suggerriert das sobald der Januar heranbricht der Schnee schmilzt und die Natur wieder erwacht was du hoffentlich nicht beabsichtigt hast. Nur eine kleine Diskrepanz zwischen Lebenszyklus der Flora und der vom Mneschen festgesetzten Jahreseinheiten. Es ist spät, ich hoffe man versteht meine Sätze Wink
Warum waren die Blätter grüner als das Jahr zuvor? Hier könnten vermutungen angestellt werden.
"...die Wolken befanden sich noch in weiter Ferne – zugunsten des Sonnenlichts Der zweite Satzteil muss woanders hin, das fiel mir ins Auge.: Zugunsten des Sonenlichts hielten/befanden sich die Wolken.... so in der Art.
Das waren jetzt nur die ersten beiden Absätze- ich habe noch weiter gelsen aber lass es gut sein bevor mein Beitrag noch länger wird. So viele Worte wären nicht nötig gewesen aber ich versuche dsolche Beiträge genau zu begründen.
Kurzgefasst. Sehr schön gemacht, schöne Bilder, nette einbeziehung der Sensorik in jedem Bereich. Kleine Schönheitsmakel die allerdings normal sind und nicht übermäßig stören. Viel besser als mein erster beitrag.
Werde bestimmt noch die nächsten beiden Absätze beurteilen aber nicht hier.
Gruß Kris Kesselring
 
  Kris. K. 
 
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BeitragVerfasst am: 13.04.2009, 09:36
Es ist wahnsinn, wie viele kleine Fehler sich doch in nur zwei Absätze hineinschmuggeln können...
VIELEN DANK jedenfalls cheezy grin für die Mühe! Ich hab mir alles aufgeschrieben und werde so bald wie möglich noch mal drübergehen.

Bin mal gespannt, was du so zu den nächsten Absätzen schreibst.

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BeitragVerfasst am: 13.04.2009, 11:10
Hallo, ich bins wieder.
Zum dritten Absatz: "Ein Mensch war auf dem Weg durchs Paradies", schönes Bild aber ich dachte wir hätten keine Wege, die man nehmen könnte. Einfach nur auf dem Weg zu sein hat nicht viel mit Mühe zu tun- sollte es aber wenn es keine Wege gibt. Also wäre vielleicht "bahnte sich seinen Weg durchs Paradies " besser.
"... waren weit und breit der einzige Stilbruch im Gesamtbild dieser Idylle."
-Stilbruch ach herje, da hast du dir aber Gedanken gemacht. cheezy grin Bei dem Bisherigen Lesen, dachte ich an Waldboden, an feuchte frische Luft, an pure Natur die mich in Sicherheit wiegt und rein gar nichts mit Zivilisation zu tun hat- und dann wird mir ein hochzivilisatorisches Wort vor die Füße geworfen, das mich mehr ins Klassenzimmer versetzt als in die grüne Pampa?- Nun gut kann man so machen aber es ist mir aufgefallen und ich bin mir nicht sicher ob du das wolltest.
... schreibe nicht mehr "für den besagten Menschen". Dieser Mensch ist doch im Moment der einzige Protagonist, das einzige Lebewesen. Wenn du unbedingt das Augenmerk auf ihn richten musst- was gar nicht nötig wäre weil eh alle auf ihn achten- dan schreibe..." für diesen einen Menschen- oder nur "für ihn jedoch..." das ist einfach und passt trotzdem.
"Er atmete selbstver-ständlich die taufrische, würzige Luft und taumelte durch die hellen Strahlen der Sonne."- was soll den hier das selbstverständlich- ist es für ihn wie selbstverständlich die frische Luft zu atmen. Ich hätte das Wort weggelassen.
"Doch muss die Hölle wirklich brennen?" Okayyy- der Satz ist jetzt wirklich verwirrend. Also ist es für ihn eine Qual durch den dichten Wald zu "taumeln "Wie du es nennst. Nur durch dieses taumeln bekam ich einen Satz vorher eine Ahnung das der Typ nicht nur einen lockeren Waldspaziergang macht. Und wie kommt man jetzt plötzlich auf Hölle obwohl vorher zwei Absätze lang die Schönheit und Idylle beschrieben wurde?? Natürlich, zuerst war man ein obejktiver Ausenstehender Betrachter- und aus der Sicht des Menschen ist es die Hölle- aber schreib das!! blink Oder sowas wie:Er atmete die Taufrische würzige Luft doch dsie war nicht wohltuend. Der Sauerstoff peitschte bei jeden angestrengtem Atemzug seine Lungen und entfachte einen brennenden Feuersturm in seinen schmerzenden Muskeln... Nun gut, so in der Art. muss die Hölle wirklich brenenn ist als einzelner Satz einfach nicht erklärend genug.
Der Atem ging dementsprechend .... Das dementsprechend ist nicht krass genug. Dementsprechend gehört in eine lahme Vorlesung und nicht in dieses Bild. Ist aber momentan zu verkraften.
Die Sätze davor waren gut- das mit dem Wasserglas ist ein unangenehm vertrautes Bild- erinnert mich an die quälenden Tage der Bundesjugendspiele thumb up
"Bisher war sein Weg von einem starken Schwindelgefühl begleitet worden. Was sich nun noch dazuge-sellte, waren Kopfschmerzen." Das ist mir persönlich jetzt zu genau. Wenn der Protagonist kaum atmen kann wenig Sauerstoff ins Gehirn gelang, er Schwindel und Kopfschmerz hat, darf man das ruhig auch in der Erzählung merken: Das heißt: Kurze knackige Sätze von einem Gedanken zum anderen. Für komplizierte Wörter und brillianten Satzbau ist hier nicht unbedingt Platz: Zu dem beisherigen Schwindelgefühl gesellte sich nun auch noch rassend pochende Kopfschmerzen... oder...Zu dem Schwindel kamen die rasenden Kopfschmerzen. wenn man es noch knackiger haben will.
Nun gut das wars für den Vormittag. Wäre schön wenn du meine Vorschläge gleich überdenkst und das was dir logisch erscheint veränderst- sonst hast du am ende ne Stubnde lang zu tun anstatt immer wieder mal 5 minuten.
 
  Kris. K. 
 
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BeitragVerfasst am: 13.04.2009, 11:18
Trüb und löchrig lagen die Schatten der Bäume auf dem harten, von Unmengen an Wurzeln durchzogenen Waldboden. Die wohlige Geruchsmischung aus dem Duft (Duft würde ich hier weglassen: Die wohlige Geruchsmischung aus jungem Blattwerk und dem Hauch von ...) von jungem Blattwerk und einem Hauch der Fäulnis erfüllte die Luft. Sonnenstrahlen durchstachen das Blätterdach wie einzelne Schwerter und verliehen allem, was sie trafen, den Schein des Frühlings. Tautropfen, die über die Äste und Zweige bis zu den Spitzen der Blätter rannen, wo sie sich noch einen sternklaren Augenblick lang halten konnten, ehe sie hinab in die Tiefe stürzten, erzeugten eine fast regenähnliche Geräuschkulisse, die einzige des Waldes. (Den Satz würde ich umdrehen: Die einzige Geräuschkulisse des Waldes …) Weder ein Weg, noch eine von Menschen geschaffene Straße (Straßen werden in der Regel von Menschen erschaffen) war zu sehen. Nur die Baumstämme, das Licht, das sie beschien, der mit herab gefallenen Baumteilen bedeckte Erdboden und das Dach der Blätter darüber. (Merkwürdiger Satz – würde ich ganz weglassen.)
Die Sicht war verhältnismäßig klar und doch – je weiter man den Blick in die Ferne ziehen (schweifen) ließ, desto mehr verirrte er sich im matten Nebel des Horizonts, der alles verschlucken konnte, was ihm nur nah genug kam. Vor wenigen Wochen erst hatte sich der letzte Schnee des Winters verabschiedet und dem Erblühen des neuen Jahres Platz gemacht. Und es erblühte. Das Grün, das die Blätter färbte, war kräftiger als das Jahr zuvor, die Wolken befanden sich noch in weiter Ferne – zugunsten des Sonnenlichts - und bis zum endgültigen Erwachen des Frühlings fehlte nur noch Weniges an Zeit und Reife.
Ein Mensch war auf dem Weg durch das (dieses) Paradies. Seine Schritte, die mühsam und in unregelmäßigem Tempo durch die Stille des Waldes hindurch ein wühlendes Scharren verursachten, waren weit und breit der einzige Stilbruch im Gesamtbild dieser Idylle, welche für den besagten Menschen jedoch schon seit Langem ihren Reiz eingebüßt hatte. Er atmete selbstverständlich die taufrische, würzige Luft und taumelte durch die hellen Strahlen der Sonne. (Allgemein: Mach nicht so viele Sätze mit: Der Mann, der … Der Frühling, welcher … Die Sonne, die … Versuch etwas variablere Sätze zu bauen.)
Doch muss die Hölle wirklich brennen?
Das Laufen fiel ihm schwer. Laut keuchend, gelegentlich einen Schmerzensschrei ausstoßend (klingt nicht gut – zu nett. Besser: teilweise unterbrochen von Schmerzensschreien), schleppte er sich mühsam über den Boden und klammerte sich, sooft es sich ergab, an einen nahen Baumstamm um ein paar Sekunden zu verschnaufen.
Das Atmen fühlte sich seltsam an. Der Mensch hatte den Eindruck, seine Lunge hätte beträchtlich an Größe verloren und könnte somit nur noch in etwa so viel Luft aufnehmen, wie Wasser in ein kleines Glas passte. (Besseren Vergleich suchen.) Der Atem ging dementsprechend rasch und pfeifend. Der Mensch strengte sich an, aber der Sauerstoff, der ihm ins Gehirn gelangte wurde von Atemzug zu Atemzug geringer. Bisher war sein Weg von einem starken Schwindelgefühl begleitet worden. Was sich nun noch dazugesellte, waren Kopfschmerzen.
„Weg… ich muss… weg…“
Gestöhntes Flüstern drang über seine Lippen, wohl zur Anspornung seiner selbst. Bezweifelt, dass er es schaffen würde, Hilfe zu holen, hatte er jedoch schon die ganze Zeit. (Merwürdiger Satz. Umstellen oder anders formulieren) Die Erfüllung dieser Vorahnung stand kurz bevor, das war ihm klar.
Es graute ihm. Zum Einen vor sich selbst. Von Außen betrachtet war er schon eine ganze Weile kein voller Mensch mehr. Sein geschundener, verstümmelter Leib schleppte sich wie der einer altersschwachen Schildkröte dahin. Trotzdem gab er sich Mühe, nicht auf allen Vieren zu kriechen sondern auf seinen beiden Beinen zu wandeln. Besser gesagt auf dem, was einmal seine Beine waren: Zwei Oberschenkeln, die etwa am Knie endeten, von wo aus sich eine Fährte aus weinrotem Blut hinterher zog. (Seine beiden Oberschenkel, die etwa am Knie endeten, zogen eine Fährte aus …) Am Anfang waren die Schmerzen schlimm gewesen, um nicht zu sagen grauenvoll. Nun, ein paar Tage später, bewegten sie sich zwischen „furchtbar“ und „erträglich“. Die geringe Größe, die dem Menschen damit zu Eigen geworden war, bedeutete für ihn, neben dem abhandengekommenen Gleichgewichtssinn, allerdings die schlimmste Folge: Er war nicht nur geistig, sondern auch körperlich seiner Überblickung der Lage beraubt.
(Hier hab ich meine Probleme. Ich bin kein Arzt, aber wenn jemandem die Unterschenkel abgeschnitten wurden, dürfte der Verstümmelte nicht mehr lange leben – eher kürzer. Wenn ich recht erinnere, laufen durch die Beine die Hauptschladern. Noch dazu, wenn er mit den offenen Wunden durch Waldboden torkelt. Selbst wenn er das überlebt, müssten die Schmerzen aufgrund von Entzündungen schlimmer werden. Außerdem: Wieso beeinträchtigt das seinen Gleichgewichtsinn? Der liegt doch in den Ohren?)
Er wusste jedoch, aufgeben durfte er nicht.
Das Wetter, die Landschaft um ihn herum erschien ihm grau, egal, in welchen grellen Farben sie schillerte. Außerdem hatte er das Gefühl, allmählich selbst ein Teil der stummen und stillen Waldlandschaft zu werden. In seinem Vollbart, den er sich schon seit einigen Monaten stehen ließ (klingt danach, als würde er es bewusst machen. Ich glaube aber eher, dass er einfach wächst. Also besser: In seinem Vollbart, der schon seit Monaten länger wurde …) , waren wie auch in seinen Kopfhaaren massenweise Dreck, Blätter und Zweigstücke verfangen. Das Gesicht, die Arme und die Handflächen waren Zierträger von unzähligen Kratzern und Schürfwunden. Das karierte Hemd, die (viel zu dünne) Winterjacke, die er längere Zeit darüber getragen hatte und die halbierte Hose erweckten einen nicht weniger bemitleidenswerten Eindruck. Von vielen Kämpfen gegen dichtes Gestrüpp, unglücklichen Stürzen und Kollisionen mit unvorhergesehenen Baumstämmen gezeichnet hingen sie von seinem Körper herab. Ähnlich der abgetragenen Haut eines älteren Mannes.
Die Schmerzen, die dort brannten, wo einst das Kniegelenk Unter- und Oberschenkel voneinander getrennt hatte, flammten augenblicklich auf und ein lauter Schrei entfuhr ihm. Fluchend kippte er vornüber und fing seinen Sturz in der letzten Sekunde noch mit seinen Händen ab, die er in den Boden stützte. (Wieder: Händen ab, die …) Seine Arme hielt er in der Regel mit seiner beruflichen Holzfällerei auf Trab, der er auch seinen sonstigen etwas stämmigen Bau verdankte. (Satzteil verschoben) Wie blaue Flammen züngelte der Schmerz die Schenkel empor bis in die Hodengegend. „Verdammte Scheiße noch mal, das schaff ich nicht…“
Er hielt kaum eine Sekunde inne, da schleppte er sich schon wieder weiter und kämpfte verzweifelt gegen das Bedürfnis, sich einfach hinzulegen und zu warten, bis der Tod ihn einholte. Der Tod hatte bekanntlich lange Beine. (Gut!!!)
Immer mehr besann der Mensch sich auf die Vorteile, die diese Handlung mit sich brächte, aber etwas hielt ihn davon ab, diesen Schritt zu tun. Wie die Leine den Hunden das davonlaufen verunmöglichte (unmöglich machte). Schwer um das Gleichgewicht ringend stapfte er so auf seinen beiden Schenkeln weiter, auf der Suche nach einem Weg. Einem Weg nach draußen.
Es war schon einige Zeit her, seit er seine Beine verloren hatte. Schon mehrere Tage sogar lag seine Ankunft in diesem Wald zurück.

Also, insgesamt gesehen finde ich das recht gut. Okay, die Beschreibungen am Anfang sind vielleicht etwas zu viel des Guten und manchmal hat man das Gefühl, du wiederholtst dich mit den Beschreibungen, aber trotzdem. Das ist ordentlich.
Versuch hier und da noch etwas eleganter zu formulieren, es wirkt teilweise noch ein bisschen ungelenk.

Aber: Du hast ja bei deiner Vorstellung seht tief gestapelt. Dafür hast du meiner Meinung nach keinen Grund.
Es gibt Autoren, die schreiben viel, viel, viel schlechter und halten sich für viel, viel besser. Wink

Weiter so und noch viel Spaß beim Arbeiten. Wink


Gruß
Hakket

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BeitragVerfasst am: 13.04.2009, 15:47
@ Hakket:

Das mit den abgetrennten Unterschenkeln (und warum der Mensch nicht daran stirbt) klärt sich noch im späteren Verlauf der Geschichte.

Ansonsten: Vielen herzlichen Dank für die Ratschläge! Ich werde mir Mühe geben, sie alle weitestgehend zu beherzigen. Very Happy

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