Flumi der Löwe
Die ganze Zeit, auch während sie an der Vorratskammer bauten, hatte Helu den Berglöwen keinesfalls vergessen.
Dieses gefährliche Tier konnten sie nicht in ihrer Nähe dulden.
Es bedeutete nicht nur eine Gefahr für jeden Menschen in seiner Nähe, es würde ihnen auch noch Konkurrenz bei der Jagd machen.
Er beschloss, den Berglöwen am nächsten Tag zu jagen.
Da ihm klar war, dass es eine sehr gefährliche Jagd werden würde, ließ er die Jäger ihre Waffen überprüfen.
Helu bestand darauf, dass Jeth an dieser Jagd teilnehmen sollte.
Doch Nato und Ule waren damit überhaupt nicht einverstanden. Sie dachten, diese Jagd wäre für Jeth noch viel zu gefährlich.
Aber Tona und Weco stimmten Helu zu und meinten, dass Jeth nun groß genug für die Jagd wäre.
Tona wählte unter seinen Waffen einen Speer mit scharfer Spitze und ein Messer, beides aus Feuerstein, für Jeth aus.
Da sie hofften, dass der Löwe nachts erfolgreich gejagt haben könnte und daher in seiner Höhle satt schliefe, wollten sie am frühen Morgen die Grotte suchen, um den Löwen darin zu töten.
Im Morgengrauen machten sich die Jäger auf zum Bach. Dort nahmen sie die Spur des Raubtiers auf, die sie in den Wald führte.
Nach einiger Zeit kamen sie zu der Stelle, an der sie damals den Weg zum Berg verlassen hatten, um in das Tal zu gehen.
Die Fährte des Raubtiers aber führte weiter in Richtung des dunklen Berges.
Nur ungern folgten sie ihr.
Sie hatten kein gutes Gefühl dem Berg so nahe zu sein.
Ständig wanderten ihre Blicke besorgt zum Gipfel. Dieser stieß noch immer eine Rauchsäule und hohe Flammen in den Himmel.
Das Gelände wurde immer schwieriger und sie kamen nur noch langsam voran.
Schon seit einiger Zeit hörten sie ein leises Rauschen.
Die Spur des Löwen führte genau in Richtung einer Schlucht, aus der das Rauschen kam.
Schließlich standen sie vor einem Wasserfall. Das Wasser kam aus Richtung des dunklen Berges und stürzte über eine Felswand in die Schlucht.
Danach floss es ruhig weiter in ihr Tal.
Immer schwieriger wurde es für die Jäger der Fährte zu folgen.
Weiter vorne sahen sie oben am Hang eine Höhle. Die Spuren wurden jetzt wieder deutlicher.
Die Jäger trennten sich und schlichen leise auf die Grotte zu. Dabei hatten sie großes Glück, dass der Wind aus Richtung der Höhle auf sie zu wehte. Der Löwe konnte sie daher nicht wittern.
Jeth hielt den Speer fest in seinen Händen.
Es war seine erste Löwenjagd.
Der Junge spürte, wie er innerlich zitterte.
Als er und die anderen schließlich die Grotte erreichten, wurde Jeth ruhiger.
Jetzt hatte ihn das Jagdfieber gepackt.
Sein Vater klopfte ihm leicht auf die Schulter und flüsterte ihm zu: “Das ist ganz normal, dass du nervös bist. Bei meiner ersten Löwenjagd hätte ich mir fast in die Hose gemacht.“
Dankbar lächelte Jeth.
„Pst, seid leise. Der Löwe darf uns nicht hören“, zischte Weco.
Ab jetzt verständigten sich die Jäger nur noch durch Handzeichen.
Helu zeigte Tona, dass er ihm in den Felsenbau folgen solle.
Weco und Jeth bewachten indes den Eingang der Höhle.
Die beiden Jäger waren noch nicht weit vorgedrungen, als laut brüllend ein Schatten von einem Felsen auf Tona zusprang. Nur eine schnelle Bewegung rettete ihn vor den scharfen Krallen des Löwen. Sofort drehte sich das Raubtier wieder zu Tona, um ihn mit dem nächsten Sprung zuerwischen.
Der Jäger fasste den Speer fester. Er würde ihn beim nächsten Sprung von unten in den Bauch stoßen.
Jeth, der am Eingang der Grotte den Kampflärm hörte, stürmte den Speer in den Händen, in die Höhle. Sein Herz pochte wie wild.
Während sich das Tier zum Sprung auf Tona vorbereitet, lief Helu hinter den Löwen. Das verwirrte diesen. Plötzlich hatte er nicht nur einen Gegner vor sich, sondern einen Weiteren hinter sich. Als nun auch noch Jeth von der Seite her auf ihn eindrang, glaubten die Jäger das Raubtier würde die Flucht aus der Höhle ergreifen. Sie riefen Weco, der noch immer den Höhleneingang bewachte, eine Warnung zu und drangen von drei Seiten immer dichter auf den Löwen ein.
Der drehte sich um und sprang mit einem riesigen Satz auf Jeth zu. Mit einer schnellen Bewegung warf der Junge den Speer auf das Raubtier und sprang zur Seite. Getroffen brüllte das Tier laut auf. Jeths Speer hatte ihn während des Sprungs in den Bauch getroffen. Beim Aufsetzen drückte sich der Schaft noch tiefer in den Leib des Löwen und brach ab. Schnell eilten Helu und Tona zu dem verwundeten Tier und erlösten es von den Schmerzen. Weco war unterdessen zu Jeth gelaufen. Erschrocken sah er Spuren der Löwenkrallen an Jeths Schulter. Glücklicherweise waren sie aber nicht tief, konnten leicht behandelt werden und würden daher schnell heilen.
Helu und Tona zogen dem Löwen das Fell ab und gaben es Jeth. Schließlich hatte der junge Jäger den Löwen besiegt.
Alle Angst war plötzlich von Jeth gewichen. Langsam beruhigte sich sein Herz. Stolz schaute er seinen Vater an.
Der lächelte ihn an: „Du hast zwar gut gekämpft, aber deinen Platz am Höhleneingang ohne Not verlassen. Stelle dir einmal vor, der Löwe hätte die Flucht zum Eingang geschafft. Dann stände Weco alleine dort. Wenn ihm da was passiert wäre, trügest du die Schuld. Bleibe also in Zukunft an deinem Platz.“
Jetzt fing das Herz des Löwenjägers wieder etwas schneller zu schlagen an.
„Tut mir leid. Es kommt nicht wieder vor.“
„Weco, ich verstehe nicht, warum der Löwe nicht die Flucht ergriffen hat.“
„Das ist mir auch ein Rätsel, Helu.“
Sie beschlossen, die Höhle genauer zu untersuchen.
Nach einiger Zeit hörten sie ein leises Knurren. Vorsichtig, die Speere zum Wurf bereit, folgten sie dem Geräusch.
„Helu!“, rief Weco.
„Hier hast du den Grund, warum die Löwin nicht aus der Höhle geflüchtet ist. Sie wollte ihr Junges beschützen.“
Vor ihnen kauerte ein kleiner Löwe.
Helu hob den Speer und wollte ihn auf das Junge stoßen.
„Nein!“, rief Jeth, „ich habe den Löwen getötet, daher gehört das Junge mir.“
„Was willst du damit, wenn es größer ist, musst du es doch töten.“
„Das werden wir sehen Helu, vielleicht kann ich ihn ja an uns gewöhnen und er tut dann niemanden etwas.“
„Gut, Jeth, aber wenn er auch nur einen von uns verletzt, musst du ihn töten“, sagte Tona.
„Das werde ich tun, Vater“.
Jeth nahm den kleinen Löwen auf und gemeinsam gingen sie zurück zum Lager.
In seinen Armen spürte Jeth die Wärme des kleinen Tieres.
Der Junge streichelte den Kopf des Kleinen und spürte, wie sein neuer Freund sich beruhigte.
Er würde ihn Flumi nennen.
Im Lager erntete Jeth nicht nur Beifall mit seinem kleinen Löwen.
Nato war entsetzt: „Jeth, bring das Tier sofort von hier fort!“ Der junge Jäger schüttelte zornig seinen Kopf und drückte seinen neuen Freund noch fester an seine Brust.
„Niemals Mutter! Ich habe Vater versprochen, dass ich ihn töten werde, wenn er auch nur einem von uns was antut.
Solange das nicht geschieht, bleibt er bei mir.“
Als Nato sah, wie ihr Sohn um seinen kleinen Löwen kämpfte, gab sie nach.
Allerdings nicht ohne Tona zornig anzusehen.
Beruhigt ließ Jeth seinen Schützling vom Arm. Dieser schien aber genau soviel Angst vor den Menschen zu haben, wie diese vor einem ausgewachsenen Löwen. |
|
_________________ hompage:
www.jeth-kinderbuch.de |
|
| |
| |
thais |
| |
| Anmeldedatum | 14.02.2009 | | Beiträge | 40 | | Wohnort | Bonn | |
|
|
| |
|
| |
|
| |
|