 | Kausaler Nebensatz richtig eingeleitet??? | Verfasst am: 15.08.2008, 22:26 |
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So, liebe Kollegen,
mein Verlobter hat direkt auf der ersten Seite meines Romans einen Satz gefunden, der seiner Meinung nach nicht ganz korrekt ist:
Aber jetzt, wo ihre Mutter krank war und von Tag zu Tag schwächer wurde, war er nicht mehr er selbst.
Nachdem ich meine Grammatik durchsucht und mir den Satz viel zu oft vorgesagt habe, weiß ich selber nicht mehr, was richtig wäre;)
Laut meiner Grammatik müsste dort "da" oder "als" stehen, wobei ich mehr zu "da" tendieren würde. Allerdings klingen inzwischen alle drei Varianten seltsam, also Ring frei für eure Meinungen!
Wenn möglich, begründet, ansonsten starte ich einfach eine Umfrage
Vielen Dank für eure Meinungen und liebe Grüße,
Theresa |
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 | | Verfasst am: 15.08.2008, 23:04 |
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Hi Theresa,
im Englischen heißt das "Now that". Und wenn ich deutsche Übersetzungen bemühe (z.B. dict.cc oder leo.org) wird mir unter anderem "jetzt, wo" und "jetzt, da" ausgegeben. Eine der Germanistikstudentinnen, die ich hier kenne, bestätigte soeben (gut 2 Gläser Wein drin ), dass sowohl "jetzt, da", als auch "jetzt, wo" in Ordnung sei, wobei "jetzt, wo" ein wenig umgangssprachlicher sei, dennoch nicht monierbar.
LG
Lorenz |
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 | | Verfasst am: 15.08.2008, 23:18 |
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Danke, dann hat mich mein Gefühl ja doch nicht betrogen, denn es ist mir bei keiner der insgesamt 4(!) Überarbeitungen als falsch aufgefallen
Schönen Abend noch, und schönen Gruß an die Germanistik-Studentin*g*
Liebe Grüße,
Theresa |
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 | | Verfasst am: 15.08.2008, 23:23 |
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Nachsatz:
Sie erklärte ferner: "Jetzt, da" beschreibt mehr den Zeitpunkt des hier und jetzt, während "jetzt, wo" mehr auf die Örtlichkeit des Geschehens abzielt.
Beispiel: "Jetzt, da sie krank ist..." (der Zeitpunkt der Krankheit spielt eine Rolle)
oder "Jetzt, wo ich sie krank in ihrem Stuhl sitzen sehe" (der Ort der Beschreibung, nämlich "in ihrem Stuhl" wird mehr hervorgehoben) |
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 | | Verfasst am: 15.08.2008, 23:27 |
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Gut, damit wäre "jetzt, wo" doch nicht ganz passend, wobei ich das ganze eher kausal sehen würde, da die Krankheit der Grund für die Stimmung des Vaters ist. Der Zeitpunkt ist da eher eine Nebensache, obwohl er auch mit reinspielt ...
Ich sehe schon, ein Satz, der noch zu interessanten Diskussionen führen könnte
Liebe Grüße,
Theresa |
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 | Re: Kausaler Nebensatz richtig eingeleitet??? | Verfasst am: 15.08.2008, 23:54 |
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Hallo Theresa!
| Thesken hat Folgendes geschrieben: |
Aber jetzt, wo ihre Mutter krank war und von Tag zu Tag schwächer wurde, war er nicht mehr er selbst. |
In dieser Form ist es ein korrekter temporaler Nebensatz. Da wäre zwar auch möglich, gilt aber als veraltet.
Kausaler Nebensatz mit da oder weil:
Da/Weil ihre Mutter [jetzt] krank war und von Tag zu Tag schwächer wurde, war er nicht mehr er selbst.
Zwischen da und weil gibt es einen Unterschied: Bei da wird der im Nebensatz genannte Sachverhalt als bekannt vorausgesetzt.
Weil ist allgemeiner, wird vor allem verwendet, wenn der Sachverhalt neue oder besonders wichtige Informationen enthält.
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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wgbajohr |
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 | | Verfasst am: 16.08.2008, 00:09 |
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@wgbajohr: Gut, dass erklärt einerseits, warum mein Bauchgefühl mir den Satz nicht als falsch gemeldet hat und andererseits, warum ich ansonsten zu "da" tendiert hätte. Als mein Verlobter mich auf den Satz aufmerksam gemacht hatte, habe ich eine ganze Weile überlegt, ob es ein Kausal- oder ein Temporalsatz ist und bin mir immer noch nicht ganz sicher, aber da die Interpretation sowohl als auch möglich ist, habe ich jetzt einfach Recht gehabt und lass es so stehen
P.S.: Dass "da" im temporalen Sinn veraltet ist, habe ich noch nicht gewusst, wieder was gelernt;)
Danke und gute Nacht an alle!
Liebe Grüße,
Theresa |
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 | | Verfasst am: 16.08.2008, 13:17 |
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hawepe |
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 | | Verfasst am: 16.08.2008, 19:47 |
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Jetzt, wo - der, wo mich angerufen hat - die, wo ich getroffen habe ...
Das klingt für mich süddeutsch, preußisch, in der Gegend jedenfalls angesiedelt.
Ich würde es abhängig machen vom Erzähltstil. Ist der durchweg "als wie wenn" ausgerichtet, also typisch (ich weiß jetzt gerade nicht, ob mein Beispiel typisch süddeutsch ist) kann das "wo" authentischer sein als seine Synonyme. Warum denn nicht?
Es ist eine erzählerische Umgangssprache. Die Angst vieler Autoren, nicht den grammatischen Regeln zu genügen und deshalb nicht "wertvoll" zu schreiben, ist unbegründet, denn die erfolgreichsten Bücher sind wirklich "frei Schnauze" geschrieben und gerade deshalb erfolgreich. Ödes Beispiel: Bukowski.
Erzählungen haben viel mit freier Schnauze zu tun, denn ursprünglich war eine Erzählung ein Verbalakt, der gesprochen wurde.
DARAN wird es nicht hapern, versprochen. Zumindest nicht, wenn die "Schnauze" authentisch bleibt  |
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Scouty |
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 | | Verfasst am: 16.08.2008, 20:41 |
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Die Angst vieler Autoren, nicht den grammatischen Regeln zu genügen und deshalb nicht "wertvoll" zu schreiben, ist unbegründet, denn die erfolgreichsten Bücher sind wirklich "frei Schnauze" geschrieben und gerade deshalb erfolgreich.
Kühne Worte, aber wohl nur dann umzusetzen, wenn das "Werk" niemals den Schreibtisch eines Lektors in einem herkömmlichen Verlag sieht. Es soll auch Leser geben, die [wo] Wert auf einen guten Schreibstil legen und sich nicht mit einem Autor, der [wo] das Handwerk nicht beherrscht, länger als [wie] notwendig auseinandersetzen wollen.
So eine dialektbehaftete Schreibe ist in Dialogen durchaus angebracht, um die Person näher zu charackterisieren, aber im Erzähltext ist sie so peinlich wie die Preussen nach Süddeutschland zu verlagern ...
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Der_Meinige |
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 | | Verfasst am: 16.08.2008, 20:59 |
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Naja, also Dialekt schreib ich eigentlich nicht, schon korrektes Hochdeutsch ... aber mein Satz scheint ja in der Form auch richtig zu sein
Liebe Grüße,
Theresa |
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 | | Verfasst am: 16.08.2008, 21:07 |
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Theresa, dein Satz als solcher ist grammatikalisch in Ordnung. Ob er schön im literarischen Sinne ist, bezweifle ich hingegen. Da sind die vorgeschlagenen Alternativen besser, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden ...
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Der_Meinige |
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 | | Verfasst am: 16.08.2008, 21:08 |
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Gegend war der falsche Ausdruck, ich bitte um Nachsicht, besser wäre Gefilde gewesen. Da hätte stattdessen auch Schleswig Holstein stehen können, das ebenfalls eine typische Sprache hat. Oder Berlin, oder oder oder ...
Von welchen herkömmlichen Verlagen reden wir hier übrigens? Scherz, Goldmann, Ullstein, Rowohlt ...? Sie haben alle ihre speziellen Erzähler - auch außerhalb von direkten Reden. Und es ist nichts Kühnes daran, eine Geschichte so zu erzählen, wie einem der Schnabel gewachsen ist - wenn man es kann.
In meinen wenigen Postigs sollte es eines geben, in dem ich darauf hinweise, dass jede Regel gebrochen werden kann, wenn man sie grundsätzlich beherrscht.
Wo, da oder als - wird in einem Verlag nicht darüber entscheiden, ob ein Buch genommen wird oder nicht. Das sind Dinge, die klärt das Lektorat. Es gibt Wichtigeres im Manuskript. |
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Scouty |
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 | | Verfasst am: 16.08.2008, 21:27 |
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Hallo!
Jetzt scheint aber wirklich etwas falsch zu laufen.
Die beiden Relativadverbien da und wo beziehen sich auf ein Adverb oder ein Substantiv. Das Bezugswort muss einen Ort oder eine Zeit bezeichnen.
Beispiel Ort:
In einem Stadtviertel, da das Elend am größten ist, ...
In einem Stadtviertel, wo das Elend am größten ist, ...
Beide Adverbien sind korrekt eingesetzt.
Beispiel Zeit:
In dem Augenblick, wo er sie sah, ...
In dem Augenblick, da er sie sah, ...
Auch hier werden beide Adverbien hochsprachlich verwendet.
Da ist aber tatsächlich im Veralten begriffen. Der Gebrauch von da rührt vermutlich aus der Zeit, als viele irrtümlich meinten, wo sei bei Zeitangaben nicht erlaubt.
| Scouty hat Folgendes geschrieben: |
... der, wo mich angerufen hat - die, wo ich getroffen habe ...
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Das ist keine hochsprachliche Verwendung von wo. Das sind Beispiele für umgangssprachliches Anwenden von wo.
So sollten wir wo wirklich nicht verwenden, es sei denn, ein Dialog erfordert es.
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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wgbajohr |
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 | | Verfasst am: 16.08.2008, 21:32 |
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Das war deutlich und verständlich erklärt, danke Wolf-Gero
Liebe Grüße,
Theresa |
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