Gestern haben es die beiden auf Seite 3 des Berliner „Tagesspiegels“ gebracht. Die gesamte dritte Seite, stets gründlicher Hintergrundberichterstattung zu aktuellen Themen gewidmet, enthielt nur den einen großen Artikel über sie. Auf diese Weise lernte ich sie erst kennen … Was für ein mediales Paar! Ich stöberte dann ein wenig im Internet: diese Fluten von Meinungen ohne Hintergrund, von Besserwisserei, Schmutz, Häme! Und jetzt komme ich auch noch mit einem Artikel dazu heraus – wozu? Glaube ich im Ernst, damit ein klein wenig zur Besinnung beitragen zu können? So naiv bin ich nicht. Aber vielleicht gibt es doch irgendwo eine unsichtbare Waagschale, die sich neigen könnte.
Zur Aufklärung kann ich selbstverständlich nichts beitragen. Aufgefallen ist mir allerdings, dass spezielle Anfeindungen Kempters schon Monate, bevor er sich an den DFB wandte, im Internet aufgetaucht waren, so z.B. auf der Seite „Nordkurve“ (1.FCN) im Oktober 2009. Könnte das der Schlüssel für den bisher unerklärlichen Schritt sein? (Unerklärlich sonst zu diesem Zeitpunkt.) Wollte Kempter Enthüllungen anderer zuvorkommen? War er einem Erpressungsversuch ausgesetzt und trat Flucht nach vorn an?
Der gesamte weitere Ablauf beweist ja, wie ungleich das Kräfteverhältnis zwischen den Parteien ist. Das scheint mir das herausragende Merkmal zu sein: Da tritt ein junger Mann mit wenig Erfahrung etwas los, das er in seinem Ablauf nicht voraussehen kann. Und sein Gegenspieler ist ihm in Strategie und Taktik deutlich überlegen. Der junge Kempter hatte von vornherein viel mehr zu verlieren als der alte Amerell. Warum also?
Dann las ich, Kempter kommt aus Saulgau. Da bin ich mal gewesen. Es ist idyllisch da, abgelegen, sehr kleinstädtisch, noch katholisch wie vor Zeiten. In Saulgau ist mir etwas passiert, das ich sonst nur in Süditalien, nie nördlich der Alpen erlebt habe. Ich hatte mich dort für eine Nacht in einem anständigen Gasthof einquartiert, ein Zimmer mit Dusche genommen. Und als ich unter der Dusche stand, kam kein Wasser – sie hatten es schwäbisch sparsam abgestellt. Ich zog mich also wieder an, ging zur Rezeption und bekam nachträglich den speziellen Schlüssel.
Amerell ist Hotelier in Augsburg, einer florierenden Stadt im Umkreis von München. Ich schätze ihn als gewieften Geschäftsmann ein. Verkörpern die beiden also auch den Gegensatz Großstadt – Provinz, wie den anderen Lebenserfahrung – Unerfahrenheit? Da ist ein Gefälle, auch ein Machtgefälle, und vielleicht erklärt es sogar die vorangegangene Annäherung der beiden?
Nun wird es wohl einen weiteren Prozess geben, vielleicht auch mehrere. Gerichtlich soll geklärt werden, welcher Schiedsrichter mit welchem anderen intimen Umgang hatte und welches die Motive für das jeweilige Zustandekommen waren. Ist es nicht Irrsinn? Es handelt sich, soweit bekannt, nur um Erwachsene. Amtsmissbrauch? Die Institutionen des Fußballs sind keine staatlichen Einrichtungen. Üble Nachrede? Worin soll sie denn wirklich bestehen, bei Licht besehen?
Trotzdem werde ich den Verlauf der Auseinandersetzung verfolgen: widerwillig fasziniert. Als Stoff ist das unleugbar interessant. Doch wär’s mir lieber, es handelte sich um Fiktion. Nur dafür will ich plädieren: keinen verurteilen, was auch noch herauskommen sollte. Der Sumpf, das ist erst diese Art Öffentlichkeit, und in ihr sind alle zwangsläufig Opfer. |
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Arno Abendschön |
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| Anmeldedatum | 31.10.2007 | | Beiträge | 464 | | Wohnort | Bad Bevensen | |
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