 | Krisenstimmung | Verfasst am: 05.06.2009, 09:53 |
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Hallo liebe Mitschreiberlinge,
ich hoffe, ich bin mit meinem Problem in diesem Unterforum richtig.
Es ist so: Das Manuskript meines ersten Romans ist fertig. Ich bin nach langer Zeit auch richtig zufrieden damit und habe nun, ehe ich damit beginne einen Verlag zu suchen, die ersten 30 Seiten (die die meisten Verlage und Agenturen erstmal haben wollen) einigen Testlesern gegeben. Verwandte, Freunde, aber auch anderen Autoren, die ich lediglich aus dem Netz kenne.
Die Reaktionen waren unterschiedlich. Einige fanden es sehr gut und lobten hauptsächlich meinen 'ruhigen' Schreibstil, der sehr angenehm zu lesen sei, weil man sich immer direkt in der Geschichte wiederfindet, nichts plötzlich passiert und man von der Handlung getragen wird. Von vielen hörte ich, dass sie unbedingt weiterlesen wollen, um zu erfahren, was mit den Protagonisten passiert. (Meine Güte, ist das komisch, das zu schreiben...)
Andere sagten schlicht und ergreifend: Da passiert ja gar nix, ich fand es langweilig.
An dieser Aussage knabbere ich ganz schön. Es ist so, war schon immer so, dass in meinen Geschichten Action und reißerische Momente keinen Platz haben. Ich erzähle Geschichten von Menschen, natürlich gibt es Konflikte, auch Spannung, aber das erste Kapitel fängt nicht mit Karacho an und liefert sofort Action nonstop. Meine Geschichte beginnt langsam, mit einer ganz normalen, alltäglichen Situation, wie sie vermutlich jeder Mensch kennt.
Nur jetzt sitze ich hier und überlege: Reicht das? Wird nicht jeder Lektor nach den ersten drei Seiten das Ding sofort wieder weglegen, schlimmstenfalls in den Müll befördern, weil noch nichts 'passiert'?
Ich selbst bin von meinem Manuskript überzeugt und würde nichts mehr ändern wollen, aber kennt ihr das, das Gefühl, dass es einfach nicht gut genug ist und eure Träume zu hochfliegend waren?
Nachdenkliche Grüße,
Kerstin |
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A. Einstein |
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Shadow |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 10:05 |
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Aber selbstverständlich kennen das Gefühl die meisten von uns (circa 99, 7 %). WIR wissen, was wir an unseren texten haben, lieben jede Scene und jede Figur so sehr wie ein Kind (theoretisch haben wir sie ja auch geboren). Aber es wird IMMER die Gefahr geben, das dies die Verleger und Agenten nicht erkennen und nicht nachvollziehen und verstehen können oder wollen. Sie bekommen wöchentlich dutzende Von Manuskripten und Leseproben und je nach geschmack wird eines unserer Kinder eben in den Müll gekickt oder nicht. Es ist Glückssache ob man eben einen Agenten oder Verleger findet, der einen ruhigen Schreibstil mag oder überhaupt zu schätzen weiß. Ebenso gitb es Agenten, die einen text weglegen wenn auf den ersten beiden Seiten ein dutzend Leute in die Luft fliegen oder jemand verprügelt wird- weil sie erwarten, das sich das Niveau nicht mehr heben lässt. Viele Texte wirken nicht duch die Aktion die in ihnen geschieht, davon wie wenig oder wieviel- sondern dadurch WIE der Text geschreiben ist, manche tun das nicht aber darauf sollten die meisten achten. Wenn deine Textstelle gut und abwechslungsreich (auch in angenehm ruhigen Scenen) geschreiben ist, ist das schon viel wert. Danach bleibt nur auf Glück und einen Verleger zu hoffen, der die Ruhe zu schätzen weiß  |
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Kris. K. |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 10:05 |
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ja, das kenne ich. als ich nach der veröffentlichung meines debütromanes nur positive kritiken erhielt und dann eine hammermäßig schlechte, da musste ich schon schlucken und dachte: ich kann es nicht. ich wollte sogar aufhören mit der schreiberei, aber gott sei dank haben andere gesagt, ich soll weitermachen. das war wirklich hart, weil ich ja soviel herzblut hineingesteckt hatte.
heute sehe ich das alles anders, da lasse ich mich von den meinungen anderer nicht mehr so runterziehen. es war damals eben die meinung der besagten kritkerin ...
also weitermachen, kopf hoch, das kennen wir alle, dass wir mal in so ein tief gelangen, aber so lange du selbst an dein buch glaubst und dass es die leser (alle wirst du sowieso nie erreichen können) ansprichst, weiter so! |
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Ruth |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 10:30 |
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| Die Geschmäcker der Menschen sind halt unterschiedlich. Du wirst immer gute und schlechte Meinungen ernten. Sieh dir mal bei Amazon Rezensionen an. Da werden Bücher hoch gelobt und total zerrissen. Damit muss man sich abfinden, das gehört zum schreiben dazu. |
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PvO |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 10:38 |
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Zuletzt bearbeitet von Andreas T. am 29.07.2009, 09:55, insgesamt einmal bearbeitet |
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Andreas T. |
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 | Re: Krisenstimmung | Verfasst am: 05.06.2009, 10:51 |
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Hallo Kerstin,
| Shadow hat Folgendes geschrieben: |
Die Reaktionen waren unterschiedlich. Einige fanden es sehr gut und lobten hauptsächlich meinen 'ruhigen' Schreibstil, der sehr angenehm zu lesen sei, weil man sich immer direkt in der Geschichte wiederfindet, nichts plötzlich passiert und man von der Handlung getragen wird. Von vielen hörte ich, dass sie unbedingt weiterlesen wollen, um zu erfahren, was mit den Protagonisten passiert. (Meine Güte, ist das komisch, das zu schreiben...)
Andere sagten schlicht und ergreifend: Da passiert ja gar nix, ich fand es langweilig. |
Hast du ernsthaft etwas anderes erwartet? Die Geschmäcker der Menschen sind sehr unterschiedlich und die meisten beurteilen tatsächlich ausschließlich, ob es ihrem Geschmack entspricht.
Ob das Buch "gut" ist (wobei die Frage nach dem "gut" dummerweise nach dem gleichen Vorgehen "Gefallen = gut", "Nicht Gefallen = schlecht" beantwortet wird) erfährst du dadurch jedoch nicht. Und genauso wenig, ob es bei einem Verlag oder zumindest Leser Gefallen finden könnte.
| Zitat: |
| Es ist so, war schon immer so, dass in meinen Geschichten Action und reißerische Momente keinen Platz haben. |
Das müssen sie auch nicht. Bloß vielfach tragen die Konflikte und Gedanken der Protas nicht. Mit Action kann man die Leser dann leichter über fehlende "innere" Tiefe hinwegtäuschen.
| Zitat: |
| Wird nicht jeder Lektor nach den ersten drei Seiten das Ding sofort wieder weglegen, schlimmstenfalls in den Müll befördern, weil noch nichts 'passiert'? |
Deshalb wählt man die Verlage auch sorgfältig aus. Schau dir deren Verlagsprogramm an, dann weißt du, ob es zumindest theoretisch in deren Programm passen kann.
Ganz nebenbei: Was heißt, es passiert nichts? Kennst du Oblomow von Gontscharow? Der Prota liegt praktisch die gesamte Zeit nur im Bett und sinniert über die Welt. Ein Stück Weltliteratur, in der nichts passiert, außer dass man als Leser ganz neue Sichten auf die Welt und das Leben erfährt. D.h., es passiert eben doch etwas, aber ohne "Handlung".
Beste Grüße,
Heinz |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 11:01 |
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Hallo,
vielen Dank für eure zahlreichen Antworten. Natürlich habe ich nicht erwartet, dass die Leseprobe jedem gefällt. Der Autor, der es allen recht macht, der muss vermutlich erst noch geboren werden. Damit kann ich durchaus umgehen.
Was mich nur beschäftigte war eben diese fehlend 'Action' im Hinblick auf die Leseprobe, die man Verlagen und Agenturen zuschickt. Wobei ich dazusagen muss, dass keiner dieser 'Testleser' das Exposè kannte oder wusste, worum es genauer geht. Ein Lektor hat vor dem Lesen der Schreibprobe das Exposè in der Hand und wird sich denken können, dass es ein sehr ruhiges Buch sein wird.
Vielleicht habe ich mich von dieser Aussage 'langweilig' zu sehr runterziehen lassen. Das Interesse an einem Manuskript weckt doch eigentlich das Exposè und die Schreibprobe soll zeigen, dass man seine Idee auch zu Papier zu bringen versteht. *grübel* |
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Shadow |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 11:11 |
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Zuletzt bearbeitet von Andreas T. am 29.07.2009, 09:54, insgesamt einmal bearbeitet |
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Andreas T. |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 11:16 |
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| Andreas T. hat Folgendes geschrieben: |
Ein wirklich professionelle Lektor kann sehr wohl anhand weniger Seiten des eigentlichen Textes erkenne, ob ein Roman "funktioniert", egal ob er den Plot vom Exposee her kennt, oder nicht.
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Hm, das wage ich zu bezweifeln. Also nicht, dass ein professioneller Lektor die Qualität eines Manuskripts nach wenigen Seiten erkennt, sondern dass es für ihn dabei unwichtig ist, den Plot oder das Exposè zu kennen. Korrigier mich, wenn ich falsch liege. Aber ein Action-Thriller sollte in der Regel anders geschrieben sein, als eine Romanze, oder? Wenn ich einen Thriller verkaufen möchte und ihn schreibe wie Rosamunde Pilcher, ob das das Wahre ist? |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 11:19 |
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Hi kerstin!
Klaro, ich kenne dieses Gefühl nur allzu gut ...
Probier es aus, würde ich sagen, wenn du nämlich überzeugt bist, ist das ein wichtiger Punkt. Ich denke, Schreiben ist auch ein Prozess; man verbessert sich (hoffentlich) im Laufe der Jahre/ Bücher ... Wann man natürlich etwas veröffentlicht, ist eine wichtige und sehr schwierige Frage ...
Lieben Gruß, Barbara
PS. Nicht jedes Buch liegt jedem Leser ... |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 11:23 |
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Zuletzt bearbeitet von Andreas T. am 29.07.2009, 09:53, insgesamt einmal bearbeitet |
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Andreas T. |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 11:29 |
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Hallo Shadow
Diese Gefühl kenne ich sehr gut. Mein erster Roman ist auch sehr ruhig, es gibt keine Intrigen, keine Aktion und nichts, wo man davor sitzt und an den Fingernägeln kaut, weil es so spannend ist.
Dennoch fesselt er (habe ich mir von Freunden/Fremden) sagen lassen.
Meine Erfahrung - auch als "privater" Leser - hat gezeigt:
Wenn dich ein Buch nach den ersten 30 Seiten nicht fesselt, hau es in die Tonne. Das hat auch überhaupt nichts mit dem Genre zu tun. Die Atmosphäre im Text muss einfach stimmen und der Leser muss sich in der Gesichichte "wohl fühlen".
Wenn du das Gefühl hast, dass ein Buch fertig ist, dann ändere bloß nichts mehr daran. Füg nichts hinzu, was alles kaputt machen könnte und lebe damit, dass man es nicht jedem recht machen kann.
Grüße
Maya |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 11:35 |
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Hallo Kerstin,
du solltest bei allem bedenken, dass die dreißig Seiten nicht das erste sind, über das ein Lektor herfällt, wenn er denn dein Projekt in die Finger bekommt. Das erste ist immer das Expose, die vollständige Inhaltsangabe, die er oder sie sich vornimmt. Spricht diese an, werden zumindest auch die ersten paar Seiten deines Manuskripts angelesen.
Gruß von
Klaus |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 11:37 |
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@Andreas
Natürlich ist der Anfang eines Buches enorm wichtig. Ist es auch mir als Leser, da fange ich an und nicht irgendwo in der Mitte. Aber ich denke, je nachdem was man vor sich hat, und das erfährt man Anhand des Exposes als Lektor oder des Buchrückentextes als Leser, geht man mit unterschiedlicher Erwartungshaltung an die Sache heran.
Hätte ich, um bei dem Beispiel zu bleiben, meinen Testlesern gesagt, um was es geht, hätte der ein oder andere vielleicht sofort gesagt "Ne lass mal, sowas interessiert mich nicht, ich steh mehr auf Action".
@Maya
Ja genau, dieses 'Wohlfühlen' ist es, das ein Buch ausmach. Für mich zumindest. Es gibt Bücher, die lese ich zum xten Mal und habe jedes Mal das Gefühl irgendwie 'nach Hause' zu kommen. |
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 | | Verfasst am: 05.06.2009, 11:39 |
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@Klaus
Das war es, was ich aus den Augen verloren hatte. Ich habe mich zu sehr mit der Leseprobe beschäftigt und dabei außer Acht gelassen, dass ein Lektor erst das Exposè in Händen hält. Kein Lektor, der mein Exposè interessant finden sollte, wird reißerische Aktion vom Manuskript erwarten. |
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