 | Leer ins Grab | Verfasst am: 17.05.2008, 18:33 |
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Melinda war eine merkwürdige Frau.
Aufgewachsen als einzige Tochter eines Industriellen und einer angesehenen Ärztin hatte sie zu jederzeit alles was sie zu einem angenehmen Leben brauchte.
Sie hatte die besten Schulen in Frankreich und in der Schweiz besucht, im Anschluss in Paris studiert. Medizin, wie ihre Mutter.
Melinda gehörte von Kindesbeinen zu den sehr ehrgeizigen Menschen und dieser Ehrgeiz begleitete sie ihr Leben lang. Keiner wusste weshalb sie regelrecht darauf versessen war nicht nur materielles anzuhäufen, sondern auch jede Gelegenheit suchte um eine Machtposition einzunehmen.
Bereits als Assistenzärztin engagierte sie sich mehr als die anderen. Überstunden schienen sie nicht im geringsten zu stören und es gab keine Party oder Empfang bei der sie fehlte.
Nach zu nach hatte sie den Ruf einer äußerst kompetenten und liebenswerten Medizinerin. Sie war in verschiedenen Ausschüssen, schrieb Artikel für medizinische Zeitschriften und war mit einflussreicher Prominenz zugange.
Der Erfolg blieb nicht aus und mit den Jahren hatte Melinda es nicht nur zu großem Ansehen gebracht, nein, auch ihr finanzielles Polster war beachtlich.
Ihr gehörten eine Villa am Chiemsee, ein Chalet in der Schweiz nahe Davos, sowie eine überaus großzügige Penthousewohnung in Marbella.
Sie lebte im Luxus. Alleine.
Melinda hatte zwar den einen oder anderen Partner an ihrer Seite gehabt, aber da sie auch im privaten die Mächtige sein wollte, ging jeder einzelne dieser Männer nach geraumer Zeit. Dadurch hatte sie auch den Zeitpunkt für Kinder verpasst, denn in ihrem scheinbar perfekten Leben hätten diese nur in eine intakte Familie gepasst.
Als Melinda in die Jahre kam war sie ziemlich alleine. Dank ihrer Machtbesessenheit und ihres rein materialistischen Denkens hatte sie keine wirklichen Freunde. Nutznießer ja, doch niemand der ihr tatsächlich nahe gestanden wäre.
Mit achtzig Jahren saß Melinda einsam in ihrem Haus am See, umgeben von Reichtum. Seit Jahren kränkelte sie immer wieder, aber sie dachte, sie würde noch lange leben.
Bereits ein Jahr später war Melinda gestorben. Der Gärtner fand sie nach seinem Urlaub im Wohnzimmer liegend.
In ihrer Hand hielt sie einen kleinen Zettel auf dem fein leserlich folgendes stand
„An meine Nachfahren, die ich nicht habe.
Zeit meines Lebens habe ich gehortet, millionenfach" ich habe gesagt". Ja, ich habe. Habe keine Menschen die mich aufrichtig lieben. Habe keinen Partner der mir die Hand hält. Und in meinem Sarg ist kein Platz für all meinen angesammelten Reichtum. Ich habe den wirklichen menschlichen Reichtum nie kennen gelernt.“ |
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floatexpert |
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 | Re: Leer ins Grab | Verfasst am: 19.05.2008, 23:14 |
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Holá Flo... sowieso!
Ist dieser Text aus einem Buch? Oder nur eine Kurzfassung über eine Buchidee? Oder einfach nur ein Text über die menschlichen Liebe, die empfangen wurde oder auch nicht?
Rose |
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 | | Verfasst am: 21.05.2008, 21:49 |
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Hallo Rose..
Der Text ist aus meinem aktuellen Buchprojekt.
Wenn es fertig ist:Unter "B" nachschlagen
LG
Viola |
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floatexpert |
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 | | Verfasst am: 22.05.2008, 09:52 |
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Oh je, der Text hört sich in seinem momentanen Zustand aber sehr schlimm und negativ an.
So etwas will ich ganz sicher nicht lesen
Wo bleiben Witz, Ironie oder ein wohl dosierter Zynismus?
LG,
Julia |
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julia07 |
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 | | Verfasst am: 22.05.2008, 12:21 |
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Ich schleiche auch schon seit Tagen um diesen Text. Schreibe ich was?
Warum war die Frau "merkwürdig"? Das ist der normale Verlauf einer Karriere. Als "liebenswerte Medizinerin" hast Du sie bezeichnet. Davon kann es gar nicht genug geben.
Und das Klischee, man könne nur mit Familie glücklich und "reich" sein. Was ist denn die Realität? Wie viele Partner leben bei über 80 Jahren noch? Scheidungen sind normal. Wie viele Kinder sitzen am Sterbebett der Eltern?
Sorry. |
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Christel
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Bärentante |
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 | | Verfasst am: 22.05.2008, 20:14 |
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@julia07
es ist nunmal im Leben nicht alles komisch und ironisch zu sehen. Solche traurigen Geschichten passieren eben, ob du es lesen willst oder nicht.
@Bärentante
Viola behauptet nicht, dass man nur mit Familie glücklich und reich sein kann. Es geht hier um das psychologische Problem der Einsamkeit generell. Melinda, vielleicht mit inneren Problemen behaftet, Workoholic oder sonst irgendetwas ... klar ist die Aussage: Einsamkeit und Beziehungslosigkeit kann nicht durch noch so viel Geld ersetzt werden. Und da finde ich dein Argument (Scheidungen sind normal / mit 80 lebt kaum noch einer zusammen) sehr dürftig und äusserst pauschal und nicht logisch zu Violas Text passend. (B.t.w, ob Scheidungen normal sind, sei noch sozialpsychologisch und soziologisch zu untersuchen, sie sind an der Tagesordnung, das stimmt.)
LG
Lorenz |
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