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Leseprobe: Dunkle Vergangenheit - 1. Teil meines Romans;

BeitragVerfasst am: 30.12.2008, 02:02
Also hier ist nun, wie bereits versprochen, der Beginn zu meinem derzeitigen Roman. Ich bin noch nicht sonderlich weit gekommen und würde mich über erste Impressionen zum 1. Kapitel hören. Ich weiß nicht ob es schon viel zu aktiv zur Sache geht, oder ob der Spannungsgrad in einer für den Leser interessanten Form ist. Hier also der Text:

EINE ÜBERARBEITETE FASSUNG FINDET IHR HIER.
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Es war ein sonniger, lebendiger Tag an dem Andrew Conway mit seiner altmodischen BMW-E36-Limousine über die Straßen der Vereinigten Staaten rollte. Er genoss die Landschaft um sich herum, während er auf dem Highway Richtung St. Louis fuhr. Wenn er kurzzeitig aus seiner Gedankenwelt austrat, schaute er sich die endlos schön wirkenden Idyllen an und lauschte den Naturgeräuschen. Der Straßenverkehr selbst schien ihn nur nebensächlich zu interessieren.
Sein Ziel war House Springs, eine kleine Stadt in Jefferson County, Missouri. Es war der Ort seiner Geburt. Und gleichzeitig war es der Ort, an dem seine Eltern schon seit zwei Jahrzehnten lebten und gemeinsam alt werden wollten.
Andrew erinnerte sich gerne an die Zeit seiner Jugend zurück. Auch wenn es nicht immer leicht für ihn gewesen war, konnte er sich stets auf seine Familie verlassen. Und gerade aus diesem Grund war Andrew mit Freude erfüllt beim Gedanken daran sie nach langer Zeit endlich wiederzusehen. In den letzten Monaten hatte er kaum noch mit seinen Eltern telefonieren können. Und es muss schon knapp ein Jahr her gewesen sein, dass er sie leibhaftig gesehen hatte. Der Umstand, dass seine Eltern nichts von seinem Besuch wussten, erfreute ihn zusätzlich. Denn er hatte genau die Blicke von Hillary und Marcus vor Augen, die sie ihm entgegnen würden, sobald er auf ihrer Türschwelle stand.
Weitaus weniger erfreulich empfand er den Umstand, wieso er auf dem Weg nach House Springs war. Genau genommen war House Springs nur ein Zwischenstop auf der Reise von Andrew Conway. Seine Vorfreude war zugleich mit Traurigkeit erfüllt, da der Aufenthalt bei seinen Eltern nur ein Wochenende andauern sollte. Anschließend musste Andrew weiter. Das endgültige Ziel hieß Washington D.C.. Ein Ziel welches Unbehagen mit sich brachte. Andrew kannte den Grund, warum er sich nach Washington D.C., begab nicht. Lediglich eine schriftliche Aufforderung von ganz oben bewegte ihn dazu kurzzeitig in seine alte Heimat zu fahren. Seit Erhalt des Briefes von Admiral Tucker war er sich im Klaren darüber, dass es eine Reise auf unbestimmte Zeit werden würde – eine Reise ins Unbekannte. Doch das war keineswegs das Schlechteste, was ihm hätte passieren können. Der Haushalt, den er in Huntsville hinterlassen hatte, zeigte die wohl eher schlechte Seite des Andrew Conways. Denn Ordnung und Sauberkeit waren nicht gerade seine Stärken. Mit einem Schmunzeln im Gesicht erinnerte er sich, wie er die Wohnung in einem Chaoszustand zurückgelassen hatte. Auch wenn er nur sehr selten in seiner Wohnung war, wirkte sie, als wäre sie von einem Tornado heimgesucht worden. Wobei Andrew durchaus in der Lage war sich in diesem Chaos zurecht zu finden und auch wohl zu fühlen, musste es für Außenstehende eher abschreckend und abstoßend wirken. Auch wenn es nicht danach aussah, für Andrew hatte alles seinen angestammten Platz. Es dauerte immer nur wenige Augenblicke bis er das, was er suchte, auch fand. Da Besuch jedoch eine Seltenheit war, sah er es nicht für notwendig an, Wäsche oder Geschirr regelmäßig wegzuräumen oder zu reinigen.
Kurz nach Erhalt des Briefes fing Andrew an nach den positiven Aspekten seiner Order zu suchen. Neugierde war etwas, wovon Andrew Conway nicht zu wenig besaß. Er liebte es Neues zu erleben und suchte häufig die Herausforderung. Und diese Order sollte ihm genau das bieten. Zumindest malte Andrew sich das so aus.
Erneut schaute sich Second Lieutenant Andrew Conway um. Er betrachtete ein weiteres Mal die Landschaft um sich herum ohne genau zu wissen warum er es tat. In seinem Kopf schwirrten endlose Gedankengänge unterschiedlichster Art umher. Es war lange her, dass er sich mit solch einem Zwiespalt quälte. Einerseits konnte er seine Abenteuerlust nicht zurückhalten. Andererseits hatte er sich gerade in Huntsville eingelebt und vom ersten Tag an Gefallen an seiner Arbeit im Space and Missle Defense Technical Center gefunden, welches nur wenige Straßen von seiner Wohnung entfernt war. Er sah seine Arbeit als stupides auseinander nehmen und wieder zusammenschrauben von verschiedensten Waffensystemen an, auch wenn weitaus mehr hinter dieser Arbeit steckte. Schließlich ging es bei seinem Job um die Verteidigung der Vereinigten Staaten. Andrew hatte in dem halben Jahr, das er jetzt dort verbrachte, duzende von Raketenabwehrsystemen untersucht, nach Stärken und Schwächen analysiert sowie deren Effizienz zu erhöhen versucht. Auch wenn es ein indirekter Schutz war, so war er für die Verteidigung des Landes, und somit auch für das Wohl eines jeden Bürgers verantwortlich. Doch aus dieser Sichtweise betrachtete Andrew seine Arbeit niemals. Für ihn war es nur eine Arbeit; sein Job. Er wusste genau, was an dieser Arbeit dran hing und was mit ihr verbunden war. Dennoch war all dies zweitrangig für ihn, da er es für sich und nicht für jeden einzelnen Bürger der Vereinigten Staaten tat. Er war bestrebt seine Arbeit vorzüglich zu machen und stets sein Bestes zu geben ohne einen großen Hehl daraus zu machen.
Andrew wusste nicht wie lange er bereits unterwegs war, obwohl er die ganze Zeit über das Radio hat laufen lassen. In den letzten Minuten hatte er irgend einen Lokalsender empfangen, dessen Namen er weder verstanden hatte, noch hätte aussprechen können. Es war einer der vielen Sender, die vorwiegend auf die Zielgruppe Jugendliche ausgerichtet waren. Es interessierte ihn jedoch nicht sonderlich, was dieser Sender spielte, da er die Musik nur unterbewusst wahrnahm. Sie war nur ein Begleiter seiner Reise. Zusätzlich wusste Andrew auch nicht wo er sich gerade befand. Er selbst war sich jedoch sicher zwischen Huntsville und House Springs umherzufahren. Genauer konnte er es nicht eingrenzen. Er musste sich gedulden bis er durch eine Entfernungstafel Genaueres erfuhr.
Während der gesamten Autofahrt war er in einem trance­ähnlichen Zustand. Mit jeder Meile die er näher in Richtung Alte Heimat fuhr, drückte sich ein weiterer Gedanke in seinen Kopf. Es war eine Erinnerung, die er die letzten Jahre gelernt hatte zu unterdrücken. Doch je näher er seinem Ziel kam, umso mehr wurde ihm bewusst, dass es mehr als nur eine Erinnerung war. Es war eine magische Bindung, die er damals eingegangen war. Andrew dachte, dass er diese Bindung vor langer Zeit lösen konnte. Er dachte, dass es nur noch eine unterdrückte Erinnerung war, die ihm in seinem Leben begleiten würde. Doch in diesem Augenblick musste er sich selbst eingestehen, dass er damals diese Bindung nicht aufgeben konnte. Dass er nicht einfach hat loslassen können, wie er es sich immer vorstellte. Dass er sich die ganzen Jahre etwas auszutreiben versuchte, was sich niemals hätte austreiben lassen können. Nur einen kleinen Moment später musste Andrew feststellen, dass die magische Bindung nicht nur in seiner Erinnerung auftauchte, sondern dass sie zudem noch intensiver wurde. Sie wurde so stark, dass Andrew ihr gegenüber keinerlei Resistenz mehr aufbauen oder entgegensetzen konnte. Und dann geschah etwas, was Andrew noch nie widerfuhr. In seinen Gedanken tauchte eine schemenhafte Gestalt auf. Nein, es war mehr als nur ein Hirngespinst. Er sah sie plötzlich vor sich. Sie schwebte förmlich vor seinem Auto. Zuerst war es nur eine menschenähnliche Form in gleißendes Licht gehüllt. Eine Silhouette, welche die gesamte, endlos wirkende Landschaft um ihn herum noch weiter erhellte. Das ohnehin grell wirkende Sonnenlicht war verhältnismäßig trüb zu dem Licht welches von der Gestalt vor seinem BMW ausging. Und dann schien es, als würde sie auf Andrew zugehen. Als würde sie aus dem Licht treten und immer näher kommen. So nah, dass er ihre Nähe in seinem Kopf spüren konnte. So als wäre sie eins mit seinem Geist. Er hatte das Gefühl von diesem Wesen beherrscht zu werden. Und dann kam der Augenblick, in welchem Andrew ein Gesicht erkannte. Von der Silhouette wurden nun erste Konturen sichtbar. Und je deutlicher die noch eben schemenhaft wirkende Gestalt wurde, umso schauriger wurde es Andrew. Und das nicht ohne Grund. Als das Wesen aus dem blendenden Licht heraustrat, erkannte er eine junge, bezaubernde Frau. Er kannte sie sehr gut, denn es war das Ebenbild von einer Person, für die er früher sehr viel, und dennoch nicht genug getan hatte.
»Sarah Alexia.«
Andrew schrie diesen Namen, doch er war nicht in der Lage auf das zu reagieren, was gerade geschah. Er blickte sie an und wurde wiederum von ihrem Blick intensiv abgetastet. Er wollte gegen sie ankämpfen, doch es war tatsächlich so, dass er von der jungen Frau beherrscht wurde. Sie hatte sich in seinem Geist verankert und lies nicht mehr los. Es lag nicht mehr in seiner Macht diese Illusion zu vertreiben. War es überhaupt eine Einbildung die er da vor sich sah oder war es real? Er wusste es nicht. Andrew wusste in diesem Augenblick gar nichts mehr. Raum und Zeit schienen vollkommen an ihm vorbeizuziehen. Ihr Blick umschlung Andrew vollständig und dann hörte er eine Stimme ohne dass sich ihre Lippen dazu bewegten. Es waren eigentlich keine Worte, die von ihr ausgingen. Es war etwas, was sich in seinen Verstand bohrte. Eine Botschaft, eine Warnung, er konnte es nicht genau erfassen, was sie ihm mitzuteilen versuchte. Er konnte sich auch nicht erklären, wie sie das tat, aber es kam einer telepathischen Vereinigung gleich, über die sie ihm bildhafte Fragmente übermittelte. Bilder, die keinerlei Zusammenhang besaßen. Es waren Puzzleteile die sie in seinem Kopf platzierte ohne ihm einen Abdruck des Gesamtbildes zu vermitteln. Ein Wirrwarr von Bildern, Wörtern und Erinnerungen wurden in ihm aktiv. Andrew war nicht mehr in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen.
Erst als Sarah Alexia blitzartig durch Andrews Körper fuhr, verschwand auch das grelle Licht vor seinem Fahrzeug und er wurde langsam wieder Herr seiner Sinne. Er orientierte sich und stellte fest, dass er noch immer auf dem Highway fuhr.
Es dauerte einige Minuten, bis Andrew wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. Glücklicherweise stellte er fest, dass er sich endlich einer Entfernungstafel näherte. Ein Blick auf diese verriet ihm, dass er noch immer auf dem Interstate Highway 24 fuhr und es noch knapp 183 Meilen bis nach St. Louis waren. Somit hatte er schon zwei Drittel der Gesamtstrecke hinter sich gebracht. Er musste irgendwo kurz vor der Abfahrt Vienna und dem Gambit Golf Club sein. In Gedanken versunken über die Informationen auf der Entfernungstafel, dem noch vor ihm liegenden Weg und dem vollkommen verrückten Ereignis zuvor blickte Andrew wieder auf die Straße und musste erneut schnellstens eine Entscheidung treffen.
Er wusste nicht woher dieses Tier unmittelbar vor ihm kam, doch nach einem Augenblick konnte er es als Raubkatze identifizieren. Vermutlich war es ein Puma, der wenige Meter vor ihm auf dem Highway stand.
Völlig sprachlos riss Andrew das Lenkrad nach links. Die Räder seines BMWs quietschten ungeheuerlich laut und in der Hoffnung nicht endgültig die Kontrolle über seinen Wagen zu verlieren, riss er es wieder in die andere Richtung. Es dauerte nicht lange, bis er jedoch feststellte, wie er wirklich keine Kontrolle mehr über den Wagen hatte. Er versuchte sich ins Lenkrad zu krallen, in der Hoffnung somit seinen Wagen zu stabilisieren, aber es geschah nichts. Das Schleudern ging ununterbrochen weiter und die Reifen erzeugten nun einen ohrenbetäubenden Klang während sie nur noch über den Asphalt rutschten. Wie dem auch war, Andrew schaute sich das Geschehen an. Jeder andere hätte schon längst seine Augen zugerissen oder wenigstens einen Schrei verlauten lassen. Andrew saß nur stillschweigend da und kämpfe weiterhin gegen die Physik. Ein Kampf, der jedoch genauso hoffnungslos schien wie es zuvor bei Sarah Alexias Ebenbild der Fall war. Wie auch bei der Erscheinung zuvor waren Raum und Zeit bedeutungslos geworden.
Nun bemerkte Andrew, wie es ihm die Physik wieder leichter machte den Wagen zu kontrollieren. Was wohl damit verbunden war, dass er zum Stillstand kam. Noch immer saß Andrew schweigend und mit geöffneten Augen da. Was genau mit dem Fahrzeug passierte, konnte er nicht ausmachen. Er bemerkte jedoch schnell, dass er nun in die Richtung stand, aus der er zuvor kam. Von dem Puma war keine Spur zu sehen. Andrew hatte nicht bemerkt ob er das Tier gerammt hatte oder ob er ausweichen konnte. Auf jeden Fall war es nicht mehr da.
Erst jetzt presste Andrew einen Atemstoß durch seine zusammengebissenen Zähne und verschlossenen Lippen. Auch wenn es eine Option gewesen wäre jetzt zu fluchen, hätte ihm das nichts gebracht. Stattdessen wendete er den BMW wieder in die korrekte Fahrrichtung, blieb jedoch noch einen Augenblick auf der rechten Spur stehen.
»Noch ist ja nichts passiert.«, sprach Andrew leise und gefühlslos vor sich hin. Mit diesem Ausspruch hatte er nun all das hinter sich gelassen und setzte seinen Weg nach House Springs fort.
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Jetzt bitte eure Meinungen.


Zuletzt bearbeitet von chris_master am 31.12.2008, 19:30, insgesamt einmal bearbeitet
 
  chris_master 
 
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BeitragVerfasst am: 30.12.2008, 04:21
Hi Chris!

Ich habe deinen Text nur am Bildschirm gelesen (bei einer umfangreichen Textkritik würde ich den Text ausgedruckt vor mir liegen haben, aber mit ist heute mein Drucker verreckt), deshalb nur eine kurze Kritik dazu:

Wäre der Text in einem Buch, hättest du mich als Leser nach einer Seite verloren.

Der Text wirkt extrem distanziert; ist sehr allgemein gehalten; hat keinen guten Einstieg in die Handlung; die Hauptfigur handelt nicht, sondern denkt nur, dazu noch in einem trance-ähnlichen Zustand; die aktuelle Handlung wird durch Rückblenden in Form von Erinnerungen (Kindheit, Washington D.C.) unterbrochen; mir als Leser wird eine Flut von Informationen präsentiert, die ich erst einmal verdauen muss (anstatt dass mir diese Informationen durch Handlung gezeigt werden).

Die Begegnung mit der Lichtgestalt läuft sehr unpersönlich ab, als würde jemand von außen alles betrachten und sehr kühl schildern. Was in deiner Hauptfigur gefühlsmäßig passiert (ist er schockiert, in Panik, überrascht? Und wenn ja, wie sieht das aus? Wie fühlt sich das an? Wie reagiert Andrew?), darüber erfahre ich als Leser extrem wenig: Was ich erfahre, ist sehr technisch beschrieben ("Es lag nicht mehr in seiner Macht diese Illusion zu vertreiben." Oder: "Er konnte sich auch nicht erklären, wie sie das tat, aber es kam einer telepathischen Vereinigung gleich, über die sie ihm bildhafte Fragmente übermittelte." - denkt jemand so, dem gerade so etwas Eigenartiges geschehen ist?)

Oder so etwas: "Ein Wirrwarr von Bildern, Wörtern und Erinnerungen wurden in ihm aktiv. Andrew war nicht mehr in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen." - Da hätte ich gerne viel intensiver gezeigt bekommen, was in Andrew abgeht. Auch hier eine sehr große Distanz zwischen dem Text und der Figur.

Ich habe den Text bei mir auf ein Manuskriptgröße umformatiert (60 Zeichen je Zeile, 30 Zeilen je Seite). Das sind fast sieben Seiten. Viel weiter als bis zum Beginn der zweiten Seite wäre ich bei dem Text nicht gekommen, wenn ich das Buch im Laden angelesen hätte.

Als Vergleich der Anfang eines Erfolgsromans, der ebenfalls mit einer Autofahrt durch die US-amerikanische Landschaft beginnt:

Zitat:
Er hätte diese Abkürzung nie nehmen dürfen.
Dan Baker zuckte zusammen, als sein neuer Mercedes S 500 über die unbefestigte Straße holperte, die sie tiefer und tiefer in das Navajo-Reservat im Norden Arizonas brachte. Die Landschaft um sie herum wurde immer trostloser: weit entfernte Tafelberge, sogenannte Mesas im Osten, im Westen endlose flache Wüste.Vor einer halben Stunde waren sie an einem Dorf vorbeigekommen - staubige Häuser, eine Kirche und eine kleine Schule, die an einem Bergabhang kauerten -, aber seitdem hatten sie überhaupt nichts mehr gesehen, nicht einmal einen Zaun. Nur leere rote Wüste. Das letzte Auto hatten sie vor einer Stunde gesehen. Jetzt war es Mittag, und die Sonne brannte auf sie herab. Baker, ein vierzigjähriger Bauunternehmer aus Phoenix, wurde allmählich nervös. Vor allem, da seine Frau, eine Architektin, zu jenen künstlerischen Menschen gehörte, die sich mit so profanen Dingen wie Benzin und Kühlwasser nicht abgaben. Sein Tank war halb leer. Und der Motor lief langsam heiß.
"Liz", sagte er, "bist du sicher, dass das der richtige Weg ist?"


Der Text als solcher ist nicht sonderlich gut (ich hätte ihn an drei, vier Stellen deutlich anders formuliert), aber er zeigt bei gleicher Situation wie dein Text einen anderen Aufbau.

Der erste Satz zieht den Leser sofort in den Text. Ganz offensichtlich läuft bei der Fahrt etwas schief. Der Leser bekommt ein Rätsel präsentiert ("Was ist da los?"), sogar mit einem Hauch von Gefahr ("Verfahren - in der totalen Einöde"). So zieht man einen Leser in den Text hinein. Und die Frage, ob das der richtige Weg ist, deutet bereits auf einen Konflikt zwischen Dan Baker und seiner Frau hin (Streit bzw. Konflikt ist immer das, was den Leser interessiert). So einen Einstieg in einen Roman nennt man "Hook" - der Haken, mit dem man den Leser fängt.

Frage dich, wo dein "Hook" ist. Womit willst du deinen Leser fangen? Mit der Landschaft von Johnson County? Mit den Jugenderinnerungen von Andrew Conway? Dem Schreiben von Admiral Tucker?

Alles, was du in den Anfang setzt, ist eigentlich unwichtig und kann später im Laufe des Romanes dem Leser beigebracht werden. Wo es in deiner Geschichte wirklich interessant wird, das ist der Moment, als die Lichtgestalt erscheint. Das bzw. die Reaktion Andrews auf diese Erscheinung ist eigentlich dein erster Satz im Roman. Das ist dein "Hook".

Ein anderes Beispiel für einen gelungenen "Hook":

Zitat:
Im Inneren des Gridone. 18.15 Uhr. Wenigstens war es das vor einigen Sekunden noch gewesen. Jetzt war es 18.14 Uhr. Eindeutig. Die Zeiger hatten sich rückwärts bewegt.
Hauptmann Veith Rogler von der Kantonspolizei Tessin starrte verblüfft auf den verschnörkelten Zeiger, der sich gerade auf so unmögliche Weise bewegt hatte, klappte den Deckel der Taschenuhr zu, schüttelte sie ein paarmal und hielt sie dann ans Ohr. Er hörte nichts, ausgenommen vielleicht das feine Singen des Federwerks, das seit beinahe einem Menschenalter seinen Dienst so präzise und zuverlässig getan hatte, wie man es von einer Schweizer Uhr erwarten konnte. Aber als er den Deckel wieder aufklappte und zum zweiten Mal auf das Zifferblatt sah, hatte sich das seltsame Bild nicht geändert.
Rogler sah blinzelnd auf das zerkratzte Glas hinunter, das im Licht der starken Taschenlampe funkelte und blitzte wie eine Mondlandschaft aus Kristall. Trotzdem konnte er deutlich sehen, wie sich der Zeiger weiterbewegte und nun 18.13 Uhr anzeigte.
Die Uhr lief rückwärts, kein Zweifel. Und das war einigermaßen komisch.


Natürlich hätte der Autor hier beschreiben können, wie Hauptmann Veith Rogler den Gridone-Tunnel betritt, was er da im Licht der Taschenlampe sieht, warum er überhaupt den Tunnel betreten hat, wer ihn dahin geschickt hat - aber das ist für einen Anfang überflüssig. Der Roman beginnt mit einem Phänomen: Die Zeit läuft rückwärts! Genau damit bekommt der Autor den Leser an den Haken und hält ihn im Text.

Ach ja: In beiden Fällen beginnt der Text nicht mit dem Wetter oder einer Landschaftsbeschreibung oder ähnlichem. In beiden Fällen springen die Autoren sofort in die Handlung und in den sich abzeichnenden Konflikt bzw. in das Rätsel.

So weit ein paar allgemeine Anmerkungen.

LG
Siegfried
 
  Siegfried 
 
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BeitragVerfasst am: 30.12.2008, 11:52
Zitat:
er sich die endlos schön wirkenden Idyllen an und lauschte den Naturgeräuschen.

Mal abgesehen von Siegfrieds Frage, was im ersten Kapitel wirklich wichtig ist: Show, don't tell!

Zitat:
Der Straßenverkehr selbst schien ihn nur nebensächlich zu interessieren.

Wenn die Geschichte aus Sicht des Betroffenen erzählt ist, und so wirkt der Rest des Absatzes ("er genoss") , dann muss dieser auch wissen, ob ihn der Straßenverkehr interessiert oder nicht. Hier sehe ich einen deutlichen Bruch in der Erzählperspektive.

Außer einer Handvoll Enthusiasten kann niemand etwas mit "E36" anfangen. Ein "siebzehn Jahre alter Dreier-BMW" ist lesetauglicher.

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LG, Valerie

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BeitragVerfasst am: 30.12.2008, 13:33
Statt mit dem Wetterbericht anzufangen, könnte er z.B. tanken gehen. Weil es sonnig ist, zieht er seine Jacke aus, ein paar Details (Auto, Gegend) könnten in ein kurzes Gespräch mit dem Tankwart eingebaut werden. Der könnte sogar fragen, ob Andrew eine Spritztour mache; nach seiner Antwort, dass er zu seinen Eltern fahre, könnten kurz seine Gedanken folgen.

Grüßle,
Judith

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Erster Versuch als Lektorin

BeitragVerfasst am: 31.12.2008, 01:38
Dieses ist mein erster Versuch einen Text als Lektorin zu bearbeiten, normalerweise drücke ich mich davor, aber ich dachte mir ich versuchs einfach mal.

Deswegen bloß nicht zu sehr auf meine Kritiken versteifen, da ich das eben nicht beruflich mache und somit auch nicht das dementsprechende Studium hinter mir habe.

Ich kann dir nur als Leserin sagen, die meistens noch kritischer sind als Lektoren, wie ich den Text fand, dabei befasse ich mich jedoch nur um den ersten Absatz, der ganze Auschnitt wäre einfach zu viel und so wie ich das sehe hat auch schon Siegfried das komplett angerissen.

Das ist der Abschnitt, den ich mir zur Brust genommen habe. . .
(mehr habe ich ehrlich auch nicht gelesen, da es zu langweilig wirkte... ^^; )
chris_master hat Folgendes geschrieben:
Es war ein sonniger, lebendiger Tag (wie definierst du einen "lebendigen Tag", sinnvoller wäre es du beschreibst diesen Tag.) an dem Andrew Conway mit seiner altmodischen BMW-E36-Limousine (Namen von Autos hinzuschreiben, ist schön und gut, aber dennoch das Beschreiben nicht vergessen. Warum ist diese Kiste, die er fährt altmodisch?) über die Straßen der Vereinigten Staaten (mm, präziser, ganz wichtig und wenn du dir eine imaginäre Stadt ausdenkst. Der Leser will schon einen Ort wissen, den er sich in seinem Kopf zurecht biegen kann) rollte. Er genoss die Landschaft (Wie war denn die Landschaft?) um sich herum, während er auf dem Highway Richtung St. Louis fuhr. Wenn er kurzzeitig aus seiner Gedankenwelt austrat, schaute er sich die endlos schön wirkenden Idyllen an und lauschte den Naturgeräuschen. Der Straßenverkehr selbst schien ihn nur nebensächlich zu interessieren.
Sein Ziel war House Springs, eine kleine Stadt in Jefferson County, Missouri. Es war der Ort seiner Geburt. Und gleichzeitig war es der Ort, an dem seine Eltern schon seit zwei Jahrzehnten lebten und gemeinsam alt werden wollten. (Allgemein fällt mir auf, dass deine Sätze ziemlich kurz sind, das sorgt für Brüche in den Köpfen der Leser. Schau nach ob du nicht manche Sätze verbinden kannst und somit einige Informationen zusammen bringst.)


Andrew erinnerte sich gerne an die Zeit seiner Jugend zurück. Auch wenn es nicht immer leicht für ihn gewesen war, konnte er sich stets auf seine Familie verlassen. (Warum konnte er sich auf seine Familie verlassen?) Und gerade aus diesem Grund war Andrew mit Freude erfüllt beim Gedanken daran sie nach langer Zeit endlich wiederzusehen. In den letzten Monaten hatte er kaum noch mit seinen Eltern telefonieren können. (Wenn die Familie so eine große Stütze ist, scheint es aber doch nicht so harmonisch abzulaufen, hier müsstest du das Begründen, sehr wichtig, Job, eigenes Leben, Probleme... Und es muss schon knapp ein Jahr her gewesen sein, dass er sie leibhaftig gesehen hatte. Der Umstand, dass seine Eltern nichts von seinem Besuch wussten, erfreute ihn zusätzlich. Denn er hatte genau die Blicke von Hillary und Marcus (Ich schätze, das sind die Namen seiner Eltern, aber wenn er sich auf eine Art und weise verbunden fühlt, würde ich sie nicht mit den Vornamen ansprechen, dann eher "Mom und Dad" vor Augen, die sie ihm entgegnen würden, sobald er auf ihrer Türschwelle stand.



Oh man, so rot sollte es gar nicht werden. Sorry... Crying or Very sad
Nun denn, da ich es nun auch kritisiert habe, hier mal ein Beispiel, wie ich den Abschnitt gestaltet hätte, was nun nicht bedeuten muss, dass es besser ist. Vor allem, da ich das mal eben getippt habe. Ich denke, wenn man sich intensiv mit dem Text befasst hätte, hätte man noch mehr herausholen können... ^^;

JessM (kleine Idee) hat Folgendes geschrieben:
Sonnenstrahlen zeichneten Bizarre Muster auf dem Boden, während Vögel in der Ferne ihre Künste an diesem herrlichen Tag zum Besten gaben. Schon lange war das Wetter nicht mehr so hervorragend gewesen. Es war einer der Tage, die man sich immer wünschte, nicht zu warm, nicht zu kalt.
Genau der perfekte Tag für Andrews Conways Vorhaben. Sein silberner BMW zischte über den Highway Richtung St. Louis. Auch, wenn es ein altmodisches Model, längst überholt und reif für die Schrottpresse war, tat es noch immer gute Dienste.

Obwohl Andrew sich auf die Fahrt konzentrieren sollte, waren seine Gedanken doch Meilen weit woanders, und wenn er es wagte im Hier zu sein, widmete er sich der wunderschönen idyllischen Landschaft mit ihren Bäumen, weiten Feldern, auf denen er ab und an Pferde beim Grasen erhaschen konnte.

Sein Ziel war glasklar vor Augen: House Springs, eine kleine Stadt in Jefferson Country, Missouri. Sie war so klein, dass sie noch nicht einmal auf einer Stadtkarte verzeichnet war, eine Stadt in der jeder jeden kannte und genau dieser Ort war seine Heimat.
Gerne erinnerte er sich an seine Jugend, auch wenn sie manches Mal nicht leicht gewesen war, jedoch durch seine Familie war sie erträglich. Immer, sobald er daran dachte, huschte ihm, ob er wollte oder nicht, ein Schmunzeln auf den Lippen.
Bedauerlicherweise telefonierte er in den letzten Monaten immer weniger mit seinen Eltern, dabei verdrängte er die Tatsache, sie schon ein Jahr nicht mehr gesehen zu haben, da der Schmerz sein Herz zerreißen wurde, umso mehr war er von seinem Entschluss sie heimlich zu besuchen überzeugt.
Wieder musste er kurz auflachen, der Anblick ihren Sohn auf der Türschwelle zu erblicken, würde er für immer in sich aufnehmen. […]



Im Allgemeinen würde ich dir raten:
* Frage dich, ist diese Information wichtig?
* Sollte ich noch mehr schreiben?
* Kann ich manches auch in einem Satz schreiben.

Du musst dich mehr in deine Hauptperson hineinversetzen, wie würde sie was erleben und schreibe es dann nieder.

Schließlich kehrt er nach langer Zeit in seine Heimat zurück, wie würdest du dich fühlen und diese Gefühle musst du dem Leser vermitteln.



Ich hoffe, man nimmt mir diese Kritik nicht all zu persönlich oder böse, es war ein Versuch, vielleicht kannst du einiges davon nutzen.

Und denk einfach, ich bin kein professioneller Lektor, ich gebe nur wieder, wie es auf mich wirkt. ^^;


Jess
 
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BeitragVerfasst am: 31.12.2008, 18:59
Also erst einmal ein riesen Danke an Siegfried, Valerie, Judith und Jess. Nicht dass ihr denkt, dass ich mich jetzt beleidigt zurückziehe. Ich bin schon fleißig dran den Text zu überarbeiten und fand eure Kritik als äußerst hilfreich. Ich werde in den nächsten Stunden (evtl. auch erst im nächsten Jahr Wink ) eine etwas überarbeitete Fassung hier reinstellen.

Einen guten Rutsch und nen gesundes, neues Jahr wünsche ich euch ...
 
  chris_master 
 
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Überarbeitete Leseprobe

BeitragVerfasst am: 31.12.2008, 19:26
Hallo,

wie bereits angekündigt hier eine überarbeitete Fassung des 1. Teils ( wird noch ergänzt). Viel Spaß beim Lesen.

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»So ein Schwachsinn«, murmelte Andrew Conway vor sich hin und schaltete das Radio seines dreizehn Jahre alten BMWs ab. Schwere Regenfälle im gesamten Land waren die Worte der Nachrichtensprecherin. Mit einem Blick an den wolkenlosen, hellblauen Himmel verabscheute er diese Aussage, denn die Sonne schien heller und wärmer als an irgendeinem anderen Tag in diesem Jahr.
Es war nicht die erste Wettervorhersage, die für diesen Tag Unwetter ankündigte. Seit Andrew seine Reise in Huntsville begonnen hatte, erwähnten drei unterschiedliche Sender die Regenfälle. Da war es schon eigenartig, dass die hundert Meilen, die Andrew bereits gefahren war, keine einzige Wolke am Himmel auftauchte. Doch sollte es ein schlechtes Omen sein vom hervoragendem Wetter begleitet zu werden?
Für Andrew war es das. Er spürte nicht nur dass irgendetwas nicht stimmte, sondern war sich sicher, dass noch etwas auf seiner Fahrt nach House Springs passieren wird. Eine Gefahr war in unmittelbarer Nähe und doch machte sie sich nicht bemerkbar. Sie schlich mit ihm über den Interstate Highway 24 und wartete auf eine günstige Gelegenheit. Andrew wusste dies und es machte ihm Angst.
Das Ziel seiner Reise war House Springs, ein kleiner Vorort von St. Louis. Es war der Ort seiner Geburt, an welchem seine Eltern noch immer lebten und gemeinsam alt werden wollten. Andrew erinnerte sich an seine erfüllte Kindheit wodurch seine Angst vorübergehend vertrieben wurde. Ihm fuhr ein Grinsen übers Gesicht als er daran dachte wie er bei jedem noch so kleinen Problem zu seinen Eltern gehen konnte und sie stets einen Weg fanden Andrew wieder aufzuheitern. In ihm zeichnete sich ein Gefühl von Freude und Zufriedenheit ab, welches jedoch sehr schnell wieder verflog als er den Briefumschlag auf dem Beifahrersitz erblickte. Absender des Briefes war Admiral Tucker, der Andrew in diesem zu einem Treffen in Washington D.C. aufforderte. Tucker war Mitglied im Verteidigungs­ministerium und seine Order war von höchster Priorität. Erstaunlicherweise hatte Tucker den Brief mit äußerst wenigen Informationen gefüllt. Zumindest wurde aus dem Schreiben nicht ersichtlich, was es so wichtiges gab, dass Andrews Abkommandierung aus Huntsville begründet hätte. Grimmig blickte Andrew auf den Briefumschlag und fluchte vor sich hin »Leider wird es nur ein kurzer Besuch, Mom und Dad.«, und dachte an seine Eltern.
Für Andrew sollte es eine Reise ins Ungewisse werden, die das Leben des Offiziers vollkommen verändern sollte. Was Andrew wiederum nicht wusste: Er war nicht der Einzige der von Tucker nach Washington D.C. beordert wurde. Und es gab noch etwas wovon Andrew nichts wusste. Es war der Umstand, dass er schon längst Teil eines diabolischen Plans war.
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Vielen Dank für's Lesen und beurteilen.

lg Christopher
 
  chris_master 
 
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BeitragVerfasst am: 12.01.2009, 11:27
Ich habe Siegfrieds Rat befolgt und versucht einen besseren Hook einzubauen. Diese Situation spielt sich auf Seite 8 meines Buches ab. Zuvor wurden dem Leser mittels eines Dialogs im Schnellimbiss einige Informationen über den Hauptcharakter gegeben sowie sein Charakter teilweise beschrieben. Nachdem er den Imbiss wieder verlassen hatte, kam es dann zu folgender Situation, zu der ich euch erneut um hilfreiche Kritik bitten würde.

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Andrew hatte den Schnellimbiss und Lindsay hinter sich gelassen und war wieder auf dem Interstate Highway 24 unter­wegs. Er wischte sich fast minütlich die schweißübersäte Stirn ab und erinnerte sich schauderhaft an Lindsays Worte. Irritiert und verwundert blickte er in den Himmel. Sofort fiel im etwas äußerst Ungewöhn­liches auf. Die Sonne war nicht mehr am Himmel sichtbar, die Wärme und Helligkeit sowie der strahlend blaue Himmel dagegen waren weiterhin präsent. Verwundert suchte er die Sonne und fand sie auch recht schnell wieder. Andrew erschrak und rieb sich die Augen in der Erwartung, dass ihm die verdammte Hitze nur einen lächerlichen Streich spielte. Doch was sich vor seinen Augen abspielte war keineswegs ein Hirn­ge­spinnst, sondern pure Realität. Die Sonne – wenn man das Phänomen jetzt überhaupt noch so be­zeichnen konnte – befand sich unmittelbar vor dem fahrenden BMW. Der Durchmesser war knapp zwei Meter wodurch es einem riesigen Feuerball ähnelte, der von einem gleißenden Licht umhüllt wurde. Im ersten Moment war Andrew von dem Objekt und seiner Faszination angetan, doch nun begann das grelle Leuchten in seinen Augen zu brennen. Unfreiwillig war sein Blick auf das Licht fixiert wodurch der Schmerz in seinen Augen immer qualvoller wurde, er konnte sich nicht von dem Licht abwenden oder die Augen zukneifen – es ging nicht, so sehr er sich auch dagegen sträubte. Panisch musste Andrew zusehen, wie der Lichtball näher kam und von Sekunde zu Sekunde intensiver leuchtete. Tränen rannten über sein Gesicht, begleitet von einem unerträglichen Schmerz, der in seinen Augen tobte. Jeder Versuch seine Augen zu schließen oder sich von dem Phänomen abzuwenden, wurde durch eine unbekannte, unvor­stell­bare Macht vereitelt, die ihn wie eine Marionette an Fäden gefesselt hilflos der Gefahr aussetzte und ihm einen skrupellosen Kampf zwischen sich, dem Lichtball und seinem eigenen Körper austragen ließ. Die grelle Kugel erreichte die Spitze des Fahr­zeugs und Andrew schrie in Erwartung eines heftigen Aufpralls laut auf. Seine Arme und Beine waren wie taub, er spürte sie nicht mehr und biss seine Zähne zusammen als er sah, wie der Lichtball einfach durch den Wagen hindurchschwebte. Er durchdrang die Wind­schutz­scheibe und stoppte abrupt vor Andrews Gesicht. Andrew zitterte.
»Was ist das?«, brüllte er, ohne damit etwas zu bewirken. Das Licht blitze vor ihm auf, es flackerte, wie wenn ein Poltergeist durch eine Glühlampe schwebte. Das Licht wurde kurz gedämmt und leuchtete anschließend heller als vor dem Flackern. Es brannte so fürchterlich in seinen Augen. Andrew war am Ende. Er konnte nicht länger gegen seine Schmerzen ankämpfen. Er schrie erneut, doch nun war es aus purer Verzweiflung. Er schrie, und schrie – er schrie lauter als je zuvor.
Nichts geschah.
Das Ding quälte ihn weiter. Es tötete Andrew.
Zumindest fühlte es sich so an. Als würde er von dem Licht zerfetzt werden. Als würde es ihn erst die Sehkraft rauben und dann jämmerlich sterben lassen.
Andrew – was hätte er noch anderes machen können – blickte den Lichtball an, der erneut näher kam, und folglich durch ihn hindurch drang, wie er sich zuvor durch das Fahrzeug schob. Sein Kopf war vollkommen im Licht versunken und er sah etwas direkt vor sich, das heller schien als die Sonne.
»Andrew«, hauchte es.
»Andrew, ich seh' dich«
»Andrew, kannst du mich auch sehen?«
Andrew konnte nicht ausmachen, woher diese Laute kamen. Es war niemand da. Alles um ihn herum war weiß. Allerdings nicht mehr so lichtintensiv wie bisher. Andrew stellte fest, dass er umgeben war von einer vollkommen weißen Nebelwand. Der weiße Nebel war so dicht, dass er nicht einmal bis zu seinen Füßen blicken konnte. Aber Andrew konnte sich wieder bewegen. Er nutzte dies und schaute sich um, ohne zu wissen wo er sich nun befand. War er tot? Eines war sicher. Er saß nicht mehr in seinem BMW – weder saß er, noch spürte er irgendeinen Boden unter den Füßen.
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  chris_master 
 
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BeitragVerfasst am: 12.01.2009, 13:21
chris_master hat Folgendes geschrieben:
Ich habe Siegfrieds Rat befolgt und versucht einen besseren Hook einzubauen. Diese Situation spielt sich auf Seite 8 meines Buches ab. Zuvor wurden dem Leser mittels eines Dialogs im Schnellimbiss einige Informationen über den Hauptcharakter gegeben sowie sein Charakter teilweise beschrieben.


Hast du diese Szene nur eingebaut, um eine Möglichkeit zu finden, den Charakter zu erklären oder hat es einen wichtigen Grund zur Geschichte?

Ich frage deswegen, weil ich selber mir nie die Mühe machen, Charaktere ausführlich zu erklären, weil es einen Leser nicht unbedingt interessiert.
Meistens baut sich ein Leser eh sein eigenes Bild im Kopf auf, daher sind viele Sachen unsinnig.

Deswegen versuche ich Aussehen sowie Charaktereigenschaften durch wichtige Handlungen sich selbst zu erklären. Durch sein Handeln formt sich sein Charakterbild, zwischen durch werden vielleicht wichtige Merkmale zum Aussehen (Haare, Körperbau, vll. Narbe) eingeschoben, dennoch steht im Vordergrund der Verlauf der Geschichte.

Der Vorteil bei dieser Art Schreiben, es ist leichter den Leser an die Geschichte zu binden. Der Mensch will immer alles gerne verstehen, da ich aber vorher den Charakter hier und da immer nur anschneide und plötzlich handelt er für den Leser unlogisch (für mich natürlich logisch, was sich dem Leser erst gegen Ende vermittelt) will er weiter lesen.

Solch eine Art Schreiben sorgt auch für Spannung und bei mir hatte es mal zur Folge, dass meine Testleser, die Seiten angeschrien haben, in lautes Lachen ausgebrochen sind oder mich durchlöchert haben, weil ich sie sozusagen im Nassen sitzen ließ.

Deswegen zuviele Informationen über einen Charakter müssen nicht sein, es reicht wenn du sie hast. =]
Gegen Ende sollte natürlich alles logisch sein. Deswegen auch immer Fragen ist diese Szene für den Verlauf wichtig, greife ich sie noch einmal auf, ist darin etwas passiert, was gegen Ende wichtig ist... etc.

Du solltest dir merken, jede Handlung, jedes Szenario sollte immer einen Grund zum Verlauf haben. Was unwichtig ist, lohnt sich nicht zu erwähnen.
Denn wenn du den Imbiss nur hinzupacken wolltest, weil du zeigen wolltest, wie lang die Fahrt ist, kann man das auch in einem Satz, denn den Rest interessiert den Leser nicht.
Aber wenn du erwähnst, es war sein Lieblingslokal, ändert sich das Bild, oder er trifft seine seiner Verflossenen (Konflikt) oder er sieht zufällig eine Person, die im Verlauf der Geschichte noch interessant wird. (Aufmerksamkeit des Lesers fordern)

Mal grob angeschnitten.
Hattes es natürlich einen wichtigen Grund, habe ich dann nichts gesagt. Laughing



Den Text habe ich jetzt noch nicht angeschaut, aber mir ist ein Widerspruch aufgefallen.
Zitat:
Das Ding quälte ihn weiter. Es tötete Andrew.


Etwas was jemanden quält, kann einen nicht trösten, sonst anders formulieren.
"Obwohl es ihn so sehr quälte, tröstete es ihn doch auf eine andere Art und Weise"


Zuletzt bearbeitet von JessM am 12.01.2009, 13:36, insgesamt einmal bearbeitet
 
  JessM 
 
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BeitragVerfasst am: 12.01.2009, 13:33
JessM hat Folgendes geschrieben:

Den Text habe ich jetzt noch nicht angeschaut, aber mir ist ein Widerspruch aufgefallen.
Zitat:
Das Ding quälte ihn weiter. Es tötete Andrew.


Etwas was jemanden quält, kann einen nicht trösten, sonst anders formulieren.
"Obwohl es ihn so sehr quälte, tröstete es ihn doch auf eine andere Art und Weise"


Da steht ja auch "tötete"?!


Zuletzt bearbeitet von chris_master am 12.01.2009, 13:41, insgesamt 2-mal bearbeitet
 
  chris_master 
 
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BeitragVerfasst am: 12.01.2009, 13:36
chris_master hat Folgendes geschrieben:
JessM hat Folgendes geschrieben:

Den Text habe ich jetzt noch nicht angeschaut, aber mir ist ein Widerspruch aufgefallen.
Zitat:
Das Ding quälte ihn weiter. Es tötete Andrew.


Etwas was jemanden quält, kann einen nicht trösten, sonst anders formulieren.
"Obwohl es ihn so sehr quälte, tröstete es ihn doch auf eine andere Art und Weise"


Da steht ja auch "tötete"?!


Ups, dann hab ich nichts gesagt. =]
Versehen, tschuldigung.
 
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BeitragVerfasst am: 12.01.2009, 13:41
Schon okay Smile passiert halt.

Und was die Sache mit dem Lokal auf sich hat. Die Kellnerin soll noch häufiger im Buch auftauchen. Mittlerweile hab ich auch schon verstanden, dass Bücher geschrieben werden um interessante Dinge zu vermitteln und nicht um die Essgewohnheiten fiktiver Charaktere darzustellen Wink Also der Schnellimbiss hat etwas mit dem Fortschreiten mit der Geschichte zu tun. Zugleich wollte ich den Hook auch nicht unbedingt auf der ersten Seite anknüpfen - dem Leser kommen selbstverständlich Fragen auf, wie es weitergeht, Fragen die er beantwortet haben möchte auf diesen ersten 8 Seiten.
Der Leser soll erst einmal die Möglichkeit bekommen sich ein erstes Bild von dem Hauptcharakter zu machen (Ist er gut oder böse, fühlt der Leser mit ihm oder sieht er ihn als Gegenspieler an, der Leser soll quasi bereits am Anfang Sympathien zum Hauptcharakter aufbauen).
 
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BeitragVerfasst am: 12.01.2009, 14:22
Besonders, wenn man zuviel arbeitet und schreibt. (haha)

Dann bin ich mal gespannt. =]
Ich muss gestehen, teilwesie erinnerte es mich an Resident Evil Outbreak, kennst du es?

Wenn du nichts dagegen hast, könntest du ja mal das erste Kapitel als PDF hier anbieten, würde gerne mal komplett drüber lesen.
Nicht wegen Rechtschreibung, Grammatik, sondern wegen dem Verlauf.
Und PDF deswegen, da ich finde, dass ein gutes Layout auch vieles an Stimmung wieder gibt.
 
  JessM 
 
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