 | Leseprobe - Roman: Die Eiche | Verfasst am: 09.01.2011, 14:15 |
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Hallo zusammen, ich bin neu hier im Forum und wollte an dieser Stelle auch gern mal eine kleine Leseprobe zum Besten geben.
Statements sind erbeten
Titel: Die Eiche
Kapitel 1
Verstohlen blickte er aus dem Fenster und beobachtete die sternenklare Nacht. Er verstand es einfach nicht. Wie auch, damit hatte er nicht im Geringsten gerechnet. Versunken in seine Gedanken saß er da und wusste nicht mehr ein noch aus. Unendlich viele Dinge schwirrten durch seinen Kopf, aber wirklich zuordnen konnte er sie nicht. Sollte dies wirklich eine Entscheidung für immer sein? Er konnte und wollte es sich eigentlich nicht vorstellen. Aber alles deutete darauf hin. Seit Stunden tat er nichts anderes, als immer wieder und wieder die folgenschweren Worte zu lesen, die da auf seinem Bildschirm prangten und ihn derart beunruhigten. Doch er konnte sich nach wie vor keinen Reim daraus machen. Er erinnerte sich nur zu gut daran, wie sein Herz plötzlich zu rasen begann, als er die Mail öffnete. Erst glaubte er an einen Scherz, aber je mehr er darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass dies wohl keiner sein würde. Wie konnte das nur passieren? Hatten sie nicht gut genug aufgepasst? Fieberhaft versuchte er, eine Erklärung zu finden.
Es tröstete ihn auch nicht im Geringsten, dass seine Mutter plötzlich wie von Geisterhand hinter ihm stand und selbige auf seine linke Schulter legte. Ganz im Gegenteil - wie lang stand sie wohl schon dort und beobachtete ihn? Hatte sie die Mail zufällig gesehen, noch bevor er sie schließlich wegkli-cken konnte? Er hoffte, nicht. War sich aber auch nicht wirklich sicher, denn er hatte ihr Kommen nicht registriert. Zu sehr war er mit sich beschäftigt gewesen. Stumm stellte sie ihm einen Teller mit Sandwiches auf den Tisch. Sie wusste, dass ein Gespräch zum jetzigen Zeitpunkt nichts bringen würde. Darum zog sie es vor, zu schweigen.
Er war nicht unbedingt dankbar dafür, dass sie ihn so bemutterte - schließlich könne er sich sein Essen auch selbst holen. Außerdem mochte er es nicht, wenn sie heimlich in sein Zimmer schlich und ihn stumm beobachtete, ohne sich bemerkbar zu machen. Aber es stimmte schon, sein Magen knurrte seit geraumer Zeit. Kein Wunder, immerhin hatte er seit etlichen Stunden nichts mehr gegessen. Aber er ignorierte dieses Geräusch. Viel zu sehr war er mit seinen Gedanken beschäftigt. Er hatte eigentlich auch gar keinen Appetit, aber das konnte er seiner Mutter nicht sagen. Er wollte sich kluge Ratschläge ersparen, denn genau die würden folgen. Außerdem endeten diese Gespräche meist in Streit. ‘Wäre nicht das erste Mal‘, dachte er sich und schwieg. Denn darauf hatte er im Moment absolut keine Lust. Also wartete er, bis sie das Zimmer wieder verlassen hatte, um den Teller beiseite zu schieben. Keinen Bissen könnte er im Moment herunter bekommen. Daran war zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt nicht zu denken. Stattdessen zündete er sich lieber eine neue Zigarette an, auch wenn die Letzte gerade noch im finalen Atemzug glimmte. Aber um seine flatternden Nerven zu beruhigen, war ihm jedes Mittel recht. Der überquellende Aschenbecher zu seiner Rechten, ließ nur ansatzweise erahnen, wie viel er heute bereits dafür getan hatte. Und ein leises, seinen Lungen entweichendes Röcheln, erinnerte ihn nur zu gut daran, dass es wieder einmal ein paar zu viel gewesen sind. Er wusste im Grunde auch ganz genau, dass er im Zimmer eigentlich nicht rauchen durfte, aber das tangierte ihn gerade wenig. Wie er die dichte Nebelwand später aus seinem Zimmer verbannen würde, darüber könnte er sich zu einem anderen Zeitpunkt noch den Kopf zerbrechen.
Immer wieder stellte er sich die verzweifelte Frage, ob das Ganze nicht doch zu verhindern gewesen wäre. Aber dafür war es wohl nun zu spät. Denn die Zeit konnte er leider nicht zurück drehen. Au-ßerdem war er sich sicher, dass es keinen anderen Ausweg gab. Gewissensbisse überfielen ihn, ob-wohl er wusste, dass es so besser war - für alle, nicht nur für ihn. Sie mussten es einfach tun. Länger konnten und wollten sie die Situation nicht mehr ertragen. Seit Monaten schon konnte er nicht mehr schlafen, weil ihn diese Dinge bis in seine tiefsten Gedanken verfolgten. Nein, sie hatten eindeutig das Richtige getan. ‘Aber wie schön wäre es, wenn jetzt irgendwer zum Reden da wäre‘, dachte er sich. Doch er war allein, wie so oft an den Abenden - vor allem am Wochenende. Allerdings war ihm das noch nie so bewusst, wie in diesem Moment. Aber das war wohl auch nicht sonderlich verwunderlich. Sicher, er könnte natürlich nach unten gehen und sich zu seinen Eltern auf die Couch setzen. Zumindest hätte er dann ein wenig Ablenkung. Aber das würde Fragen aufwerfen - viele Fragen. Denn er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal einen gemeinsamen Abend mit seinen Eltern verbrachte. Viel zu lang lag dieses Ereignis bereits zurück. Er legte aber auch nicht wirklich Wert darauf, etwas an diesem Zustand zu ändern. Was sollte er auch mit seinen Eltern reden. Die lebten in ihrer eigenen Welt. Außerdem würden sie ihn sowieso nicht verstehen.
Seine Schwester verstanden sie ja auch nie. Aber sie tat das Richtige - sie heiratete früh und ergriff die Flucht. Manchmal beneidete er sie regelrecht darum, auch wenn er den Mann an ihrer Seite überhaupt nicht ausstehen konnte. Im Grunde wusste er nicht mal, wieso das so war. Denn eigentlich war Robert immer nett zu ihm. Wie oft brachte er ihm die neuesten Computerspiele mit und zockte stundenlang mit ihm. Trotz allem wurde er nicht wirklich warm mit ihm. Da stand eine Mauer zwischen ihnen, die er nicht zu überwinden bereit war. Ein inneres Gefühl trieb ihn immer wieder zur Vorsicht. Seiner Schwester konnte er das natürlich nicht erzählen, denn sie würde ihm sowieso nicht glauben. Also zog er es vor, seine Bedenken für sich zu behalten - wie so oft. Was sollte er auch seine Schwester warnen. Er hatte ja nicht mal Beweise für seine Vermutungen. Außerdem hatte sie sonst weiß Gott genug zu tun. Also redete er sich einfach ein, sich in etwas verrannt zu haben und schob das Thema beiseite. Was ihm erstaunlicherweise ziemlich leicht fiel. Denn so oft sah er ihn glücklicherweise nicht. Und er war froh darum, auch wenn er seine Schwester schmerzlich vermisste.
Außerdem hatte er selbst gerade ganz andere Sorgen. Irgendwie musste er mit der momentanen Situation fertig werden. Ihm war zwar noch absolut unklar, wie das funktionieren sollte, aber er war sich trotz allem sicher, einen Weg aus dieser Misere zu finden. Er musste einen finden!
Wie konnte es nur so weit kommen? Hatten sie sich doch nicht gut genug vorbereitet? Dabei war doch alles so perfekt geplant gewesen. Hatte tatsächlich irgendwer Wind von der ganzen Sache bekommen? Er konnte es sich eigentlich nur schwer vorstellen. Zu verschwiegen gingen sie mit der ganzen Sache um. Keiner wusste Bescheid. Oder sollte doch jemand etwas erfahren haben? Wurden sie vielleicht sogar beobachtet? Jason saß da und zermarterte sich noch immer das Hirn, aber er kam auf keinen grünen Zweig. Leider ließ die Mail nicht näher erahnen, was genau der Verfasser zu wissen schien. Und genau dieser Zustand beunruhigte ihn noch mehr. Vielleicht bluffte er ja nur. Im tiefsten Inneren jedoch wusste er, wie lächerlich das war.
Er musste unbedingt Thomas anrufen. Thomas, seinen besten Freund, mit dem er seit 15 Jahren durch dick und dünn ging. Beide spielten schon gemeinsam im Sandkasten, was sich auch nicht nur zufällig ergeben hatte. Ihre Eltern verstanden sich von Anfang an hervorragend. Seit dem Tag, an dem Jasons Familie aus der Heimat geflohen war und in dieses verschlafene Örtchen zog. Während die meisten Bewohner sie anfangs missmutig beäugten und wie Aussätzige behandelten, empfingen Thomas’ Eltern die Familie mit offenen Armen. Sie versuchten sogar, ihnen beim Neustart in dem fremden Land behilflich zu sein. Daraus entwickelte sich eine dicke Freundschaft, die auch nach wie vor existierte.
Vielleicht wusste er etwas. Eventuell hatte er diese Mail ja auch erhalten. Immerhin gab es seit einigen Wochen kein anderes Thema mehr. Alles wurde bestens vorbereitet, recherchiert und geplant. Beiden war klar, ihnen durfte kein Fehler unterlaufen. Die Folgen wären nicht abzusehen. Ganz zu schweigen davon, dass sich das Ganze wie ein Lauffeuer in diesem kleinen Ort verbreiten würde. Nicht umsonst trafen sich beide immer auswärts an einem geheimen Treffpunkt.
Fünf Kilometer entfernt, auf einer einsamen Lichtung stand sie - eine dicke Eiche, die da wohl schätzungsweise auch schon ein halbes Jahrhundert stehen musste - schloss man auf ihre Größe. Genau hier fanden sie immer zusammen.
Schon in jüngeren Jahren trieb es sie an diesen abgelegenen Ort. Vor allem wenn es Streit daheim gab, in der Schule oder anderswo. Hier fanden sie die Ruhe, die sie benötigten. Hier konnten sie durchatmen und sich endlich mal völlig frei fühlen. Zu Hause und im Alltag war das fast nie möglich. Immer Sitte und Strenge, vor allem in der Schule. Nicht nur, dass sie diese scheußlichen Uniformen tragen mussten, an die sie sich wohl nie gewöhnen würden. Nein, auch der Rohrstock gehörte zum Alltag - des Lehrers liebstes Spielzeug. Seit Mr. Browner diesen das erste Mal gegen ihn erhob, schwor er sich, ihn damit niemals ungestraft davonkommen zu lassen. Eine Tages würde er sich rächen. Ja, dessen war er sich sicher. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen. Und nur diese Gewissheit ließ ihn täglich diese Schmerzen durchstehen und mit Würde ertragen. Auch Thomas erging es nicht anders. Vielleicht noch ein Grund, wieso beide so innig miteinander verbunden waren. Solche Erlebnisse schweißten zusammen. Nur der Gedanke daran, es ihm irgendwann mit gleicher Münze heimzuzahlen, ließ sie die langen Schultage überstehen.
Natürlich machte sich das auch bei seinen Noten bemerkbar, was auch seine Mutter besorgniserregend registrierte. Aber sie sollte von all’ dem nichts wissen, denn sie würde sich nur unnötig aufregen. Sie hatte schon genug Probleme mit ihrem eigenen Leben. Weshalb er sie damit also nicht auch noch belasten wollte. Deshalb beschwichtigte er sie da-mit, einfach nur mal eine schlechte Phase zu haben. Er versprach ihr, dass das gewiss bald wieder besser werden würde und sie beruhigte sich zunehmend. Sie wusste, dass ihr Jason immer ein guter Schüler war. Also wieso sollte das auch plötzlich anders sein. Immerhin hatte auch sie als Teenager Zeiten, in denen es mal nicht so gut lief. Und auch sie fing sich wieder, um letztendlich doch einen erstklassigen Abschluss zu machen. Sie begnügte sich mit dem Gedanken daran, dass es bei ihrem Sohn wohl nicht anders sein würde und hakte schließlich nicht weiter nach.
Sollte er Thomas jetzt wirklich anrufen? Am Ende hörte vielleicht jemand die Leitung ab und es wussten noch mehr Leute Bescheid. Oder seine Eltern bekamen etwas mit. Immerhin war dieses Haus sehr hellhörig, was ihm vor allem immer dann bewusst wurde, wenn sich seine Eltern mal wieder stritten. Und das kam zuweilen sehr oft vor. Er könnte ihm natürlich auch eine Nachricht schicken, ob sie sich unter der alten Eiche treffen könnten. Aber es war Samstagabend kurz nach 23 Uhr und er meinte, sich zu erinnern, dass Thomas vor kurzem einen Verwandtenbesuch erwähnte. Wie konnte er in der jetzigen Situation nur an Familienfeiern denken, murmelte er still vor sich hin. Oder wusste er noch gar nichts von all’ dem? Hatte nur er diese Mail bekommen? War das möglich?
Jason wurde zunehmend unruhiger. Vielleicht sollte er etwas trinken, um sich ein wenig zu beruhigen. Auf keinen Fall durfte er jetzt den Kopf verlieren. Er musste in Ruhe nachdenken. Mit einem geübten Griff hinter seinen Kleiderschrank fischte er eine angefangene Flasche Wodka hervor. Nur gut, dass seine Mutter dieses Versteck noch nicht entdeckt hatte. Nicht auszudenken, was er sich wieder hätte anhören müssen. Sicherheitshalber schloss er die Tür ab. Dann setzte er die Flasche an und trank einen großen Schluck. Spürbar merkte er, wie sich die hochprozentige Flüssigkeit den Weg durch die Speiseröhre brannte. Und noch einen Schluck, si-cherheitshalber. Er musste ruhiger werden. Keinem war geholfen, wenn er jetzt austickte.
Vielleicht sollte er eine Runde am Computer spielen. Eventuell lenkte das ja ab. Heute konnte er sowieso nichts mehr verrichten. Irgendwie musste er bis morgen durchhalten. Dass er nicht zu Bett gehen brauchte, war ihm klar - er könnte sowieso nicht schlafen, viel zu viele Sachen gingen ihm durch den Kopf. Also doch eine Runde zocken, entschied er - früher lenkte ihn das schließlich auch immer ab. Also wieso nicht auch heute. Die Flasche neben sich auf dem Schreibtisch, machte er sich auf eine lange Nacht gefasst. |
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welchZufall |
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 | | Verfasst am: 10.01.2011, 16:47 |
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Mein Eindruck, in der Kürze liegt die Würze.
Hier bin ich mit einem "Er" konfrontiert, dass ich nicht kenne und bei mir keinerlei Sympathie auslöst. Zeile um Zeile verstärkt sich dabei der Eindruck einer sehr neurotischen egozentrischen Persönlichkeit!
Mein Tipp! Deine Hauptfigur muss Sympathie erzeugen, dann tut sich der Leser auch seine langezogenen Überlegungen an.
Die Frage wäre also: Wer ist diese Person? Warum sollte ich sympathisieren? Wo könnte man sich identifizieren? Oder dann eben siehe oben, kürzen und zwar drastisch! |
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SandraR |
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 | | Verfasst am: 10.01.2011, 17:04 |
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Hi welchZufall!
Ich kann Sandra nur zustimmen. Der Text liest sich sehr zäh. Offenbar versuchst du, den Leser durch Aufbau eines Geheimnisses, eines Rätsels zu fangen. Das gelingt leider nicht. Ein unbekannter Charakter sinniert lang und länger über seine problembehaftete Situation, was ich als Leser kaum nachvollziehen kann, da ich weder den Charakter kenne noch durch stetes Wiederholen des gleichen Schemas (Andeutungen eines Problems durch Allgemeinplätze) dem Rätsel näher gebracht werde.
Auch ich kann hier nur empfehlen, den Text drastisch zu kürzen und sich auf den Kern und auf die Funktion der Szene zu konzentrieren.
Eine Anmerkung noch, weil ich da ein Logikproblem habe: Im Text heißt es, die Mutter sei überraschend in den Raum gekommen, sie taucht plötzlich auf, legt ihm wie von Geisterhand ihre Hand auf seine Schulter, er hatte ihr Kommen nicht registriert. Dann macht er sich aber Gedanken darüber, ob sie die Mail auf dem Bildschirm noch hat lesen können, bevor er die Anzeige wegklicken konnte. Das bekomme ich nicht auf die Reihe. Entweder hat er die Gegenwart seiner Mutter bemerkt und die Mail rechtzeitig wegklicken können - oder er hat seine Mutter tatsächlich nicht bemerkt, aber wieso klickt er dann die Mail weg, damit seine Mutter sie nicht sieht? Irgendwas stimmt da nicht.
Also: Überarbeiten, kürzen, eindampfen auf das Wesentliche - und dann neu vorlegen.
Grüße
Siegfried |
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Siegfried
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»Wer sich vor dem Ertrinken fürchtet, tut besser, schwimmen zu lernen, als dem Wasser auszuweichen.« (Karl Waggerl) |
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Siegfried |
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