 | Leseprobe | Verfasst am: 31.07.2009, 12:08 |
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Hallo zusammen
mein Name ist Chrissi. Habe meinen zweiten Roman fast fertig. Stelle eine kurze Leseprobe ein. Ist der Anfang der Geschichte. Euere Meinung würde mich interssieren.
LG Chrissi
Leseprobe:
"Mist", rief Hajo van den Berg völlig außer sich, als es urplötzlich laut krachte und er mit seinem Wagen eine Frau, die auf ihrem Fahrrad saß, unsanft zu Fall brachte. „So eine blöde Gans“, ereiferte er sich, „wo hatte sie nur ihre Augen.“ Statt aus seiner Luxuskarosse zu steigen, blieb er wie angewurzelt sitzen. Mittlerweile hatte sich schon eine Menschentraube gebildet, die zuerst voller Mitleid auf die am Boden liegende Frau blickte und dann missbilligend auf den Unglücksfahrer. Ein schon betagter Herr klopfte recht heftig an die Fensterscheibe des Wagens. „Junger Mann“, ließ er sich lautstark vernehmen, „wie wäre es, wenn Sie endlich aussteigen würden, um nach der armen Frau zu schauen?“ Mehr als nur unwillig stieg er endlich aus dem Auto. „Es ist nicht meine Schuld“, rief Hajo in die gaffende Menge. „Diese Frau scheint wohl die Verkehrsregeln nicht zu kennen. Es wäre sicherlich angebracht, wenn man sie nie mehr auf ein Fahrrad lässt.“ „Wie wäre es“, fragte eine ältere Frau, „wenn Sie endlich einen Krankenwagen und die Polizei rufen würden? Die Beamten werden bestimmt klären, wer die Schuld an dem Unfall trägt.“ „Krankenwagen und Polizei werden gleich da sein“, sprach ein junges Mädchen, „der Frau muss endlich geholfen werden, bevor es eventuell zu spät sein könnte.“ Hajo blickte völlig desinteressiert auf die immer noch am Boden liegende Frau, die leise vor sich hinwimmerte. „Ich fühle mich absolut unschuldig“, sprach er beharrlich, „sie ist doch selbst Schuld, wenn sie so unvorsichtig fährt.“ „Die Frau ist völlig schuldlos“, antwortete ein junger Mann, „ich habe es genau gesehen, Sie haben ihr die Vorfahrt genommen. Ich werde der Polizei präzise sagen, was sich zugetragen hat.“ In diesem Moment konnten sie auch schon das Martinshorn hören. Der Notarzt stieg behände aus dem Wagen und kümmerte sich sofort um die Verletzte. „Haben Sie Schmerzen?“, fragte er aufmerksam. „Mein Kopf“, jammerte sie, „ach eigentlich tut mir alles weh.“ „Wir werden Sie auf der Stelle ins Krankenhaus bringen“, sprach er beruhigend. „Das geht nicht“, fing Simona zu weinen an, „ich muss nach Hause, meine Kinder warten bestimmt schon auf mich.“ „Sind die denn alleine zu Hause?“, wurde sie behutsam gefragt. „Ja“, antwortete sie kläglich, „ich lebe mit meinen Kindern alleine.“ „Wie alt sind denn Ihre Kleinen?“, fragte der Arzt. „Zwanzig und zweiundzwanzig Jahre alt.“ Im ersten Moment glaubte er sich verhört zu haben. Er musste zuerst kräftig schlucken, danach erklärte er ihr noch immer fassungslos, dass sie ins Krankenhaus gebracht würde. Von dort würde man ihre Kinder verständigen.
Inzwischen war auch die Polizei eingetroffen, die sofort mit den Befragungen begann. Hajo, blieb natürlich stur bei seiner Behauptung, dass ihn auf jeden Fall keine Schuld traf. Nach genauen Überprüfungen, musste er zu seinem Leidwesen erfahren, dass er die alleinige Verschuldung an dem Unfall habe. „Hoffentlich“, sprach einer der Beamten, „ist die Frau nicht ernsthaft verletzt, ansonsten wird es für Sie nicht gerade rosig aussehen.“
Während Hajo wie erschlagen in seinem Wagen saß und noch immer nicht begreifen wollte, dass die Frau absolut schuldlos an dem Unfall war, wurde Simona fachkundig untersucht. Man diagnostizierte mittelschwere Gehirnerschütterung und starke Prellungen. Sie müsse für zwei Tage zur Beobachtung in der Klinik bleiben, danach dürfe sie, wenn keine Komplikationen auftreten, nach Hause gehen.
Unterdessen hatte man auch Simonas Kinder verständigt, die zuhause relax in ihren Zimmern saßen und auf ihre Mutter warteten. Ricardo, der ältere von den Geschwistern, wurde es Angst und Bange, als er vom Unfall hörte. „Chiara Alter“, rief er aufgeregt, „die Ma hatte einen Unfall, sie ist im Krankenhaus, wir müssen sofort zu ihr.“ „Was?“, weinte Chiara sofort hysterisch werdend, „Mama ist im Krankenhaus, ich habe schreckliche Angst, dass ihr etwas ganz Schlimmes passiert ist.“ „Hör auf zu heulen“, herrschte der dunkelhaarige, schlanke, junge Mann sie an, „wir müssen sofort zu ihr. Aber fragt sich nur wie, haste Kohle? Ich bin nämlich pleite, ansonsten hätte ich die Fahrt mit dem Taxi bezahlt.“ „Wie wäre es“, ereiferte sich Chiara, „wenn Du endlich mal an Arbeit denken würdest? Aber was soll´s, ruf sofort ein Taxi, ich werde die Fahrt bezahlen.“
Während sich die Geschwister auf dem Weg zu ihrer Mutter befanden, war Hajo in seinem Elternhaus angekommen. Aufgebracht erzählte er seinem Vater von dem Unfall, an dem er sich nach wie vor vollkommen schuldlos fühlte. „Wie wäre es“, sprach Constantin van den Berg eindringlich, „wenn Du Dich nach dem Gesundheitszustand der Frau erkundigen und ihr ein paar Blumen ans Krankenbett bringst? Ich denke, das wäre mehr als nur recht.“ „Wie bitte?“, empörte sich Hajo, „das wäre ja noch schöner, wegen der dummen Gans habe ich einen dicken Blechschaden an meinem nagelneuen Maserati. Dafür soll ich ihr auch noch Abbitte leisten.“ „Wie heißt die Frau?“, fragte sein Vater ungeduldig, „wenn Du es nicht für nötig hältst, dann werde ich sie besuchen und mich in Deinem Namen entschuldigen.“ „Keine Ahnung“, antwortete er lässig, „wenn ich ehrlich bin, ich weiß noch nicht mal, wie sie ausschaut oder wie alt sie sein könnte.“ Constantin schaute sinnend seinem attraktiven Sohn hinterher, als dieser mit großen Schritten den Raum verließ. Er fragte sich, wer Hajo diese Kaltschnäuzigkeit nur vererbt haben könnte, denn weder seine verstorbene Frau, noch er waren jemals so veranlagt gewesen.
Während Constantin sich mit gemischten Gefühlen auf den Weg ins Krankenhaus machte, waren Simonas Kinder bei ihrer Mutter eingetroffen. Chiara fing sofort zu weinen an, als sie an ihr Bett trat. „Hör auf zu weinen“, sprach Simona mit nicht fester Stimme zu ihrer überaus hübschen Tochter. „Es sieht schlimmer aus als es ist. In zwei Tagen werde ich wieder bei Euch sein.“ „Ma, Alter“, meldete sich Ricardo zu Wort, „was ist denn passiert? Ich mache mir wirklich Sorgen.“ „Wie schon gesagt“, entgegnete sie ausweichend, „Unkraut vergeht nicht. Ich werde bald wieder zuhause sein.“ „Wie seid Ihr eigentlich hierher gekommen?“, wollte sie wissen. Mit dem Taxi wurde ihr erzählt. „Das war bestimmt teuer“, sprach sie erschrocken, „selbstverständlich werde ich Euch das Geld zurückgeben.“ „Lass mal Mama“, erwiderte Chiara unter Tränen, „ich habe das Geld gerne für Dich ausgegeben. Ich bin ja so froh, dass es nichts Ernstes ist. Was nützt mir das Geld, wenn es Dir schlecht geht.“ „Aber wir brauchen Kohle, um Essen zu kaufen“, ließ sich Ricardo vernehmen. „Ok“, sprach Simona, „im Schrank liegt meine Tasche, sei so lieb Ricci und nimm 50 Euro aus meinem Geldbeutel, aber bitte kauft Euch etwas zum Essen und nicht irgendeinen Kram.“ „Klar Ma“, antwortete er grinsend, „ich weiß doch, dass wir nicht viel Geld haben.“ Weder Chiara noch Simona bemerkten, dass er statt der 50, 70 Euro aus der Geldbörse nahm.
Constantin, der nach einigem hin und her, an der Krankenhauspforte endlich Auskunft und Namen über die Frau mit dem Fahrradunfall erhalten hatte, lief nun mit einem Blumenstrauß bewaffnet den langen Flur entlang. Etwas konsterniert blickte er auf ein junges Pärchen, was sich offensichtlich stritt. Es ging um 20 Euro, mehr konnte er nicht verstehen, da die jungen Leute sich immer mehr von ihm entfernten.
Chiara war in der Tat mehr als nur sauer auf ihren Bruder, da er ihrer Mutter 20 Euro geklaut hatte, um sich damit Gras zu kaufen. Er hatte ihr nämlich sofort von dem Geld erzählt. Dies war völlig normal bei ihm, er konnte eigentlich nie etwas für sich behalten. Chiara konnte einfach nicht verstehen, weshalb Ricci sich keine Arbeit suchte. Stets hatte er irgendwelche Wünsche, ständig brauchte er Geld für Drogen oder Alkohol. Sie fragte sich oft Bange, wie das alles weiter gehen sollte? Ihre Mutter schuftete von früh morgens bis spät abends, gönnte sich nichts und er verschleuderte ihr schwer verdientes Geld ohne jegliche Gewissensbisse.
Constantin war nun vor der Zimmertür angekommen, hinter der die ihm völlig fremde Frau in einem der Betten lag. Für einen Moment machte er davor halt, dann gab er sich einen Ruck, klopfte an und öffnete die Tür. Suchend schaute er sich in dem weiß gestrichenen Raum um, in dem drei Betten standen. Er hatte ja überhaupt keine Ahnung, welche der Frauen Simona del Vecchio ist. „Entschuldigung“, sprach er höflich in den Raum, „ich möchte gerne zu Frau del Vecchio.“ „Das bin ich“, antwortete die Frau, deren Bett direkt unter dem Fenster stand. Constantin blickte doch etwas verwirrt auf die Frau mit den langen dunklen Haaren. Die ihm im ersten Moment fast wie ein Kind vorkam, da sie so zart und hilflos wirkend auf dem Bett lag. Erst beim genaueren hinsehen, sah er, dass sie seiner Meinung nach mindestens 30 Jahre alt sein musste. „Sollte ich Sie kennen?“, wurde er von ihr mit unsicherer, nicht ganz akzentfreier Stimme gefragt. „Entschuldigen Sie bitte, dass ich mich bislang nicht vorgestellt habe“, erwiderte er freundlich, „mein Name ist Constantin van den Berg. Mein Sohn und Sie hatten am Morgen einen unerfreulichen Zusammenstoß. Ich möchte mich in seinem Namen bei Ihnen entschuldigen.“ Da Simona ihm darauf nicht antwortete, hielt er ihr mit einem verlegenen Lächeln die wunderschönen Blumen hin. „Ich möchte die Blumen nicht haben“, entgegnete sie abweisend, „bitte nehmen Sie die Blumen und lassen Sie mich alleine.“ Bei diesen Worten blickten sie sich unvermittelt in die Augen. Constantin glaubte in diesem Moment, in ihren dunklen, geheimnisvollen Augen zu ertrinken. Solche wunderschönen Augen hatte er noch niemals gesehen, für einen Moment bekam er weiche Knie. „Reiß dich ja zusammen“, mahnte er sich, „du wirst dich mit deinen 63 Jahren doch nicht mehr verlieben wollen.“ „Eine Schönheit“, dachte er, „ist sie nun wirklich nicht, aber ihre Augen, diese konnten einen Mann schon schwach werden lassen.“ Simona sah an diesem Tag wahrhaftig nicht vorteilhaft aus. Ihre langen Haare hingen ihr wirr um den Kopf, ihre Gesichtsfarbe war bleich, auch die vielen Tränen, die sie seit dem Unfall vergossen hatte, hinterließen tiefe Spuren. „Bitte Frau del Vecchio“, sprach er betrübt, „nehmen Sie doch die Blumen an. Was können die armen Dinger denn dafür, dass Sie auf meinen Sohn, was ja offensichtlich ist, mehr als nur verärgert sind. Ich kann Sie ja verstehen, aber er ist noch immer geschockt von dem Geschehenen, ansonsten wäre er selbstverständlich selbst gekommen.“ „Mein Gott“, dachte er beschämt, „was erzähle ich nur für Lügengeschichten, aber irgendwie muss ich Hajo doch in Schutz nehmen.“ „Was Sie gerade erzählt haben“, empörte sich Simona, „dass glauben Sie doch selbst nicht. Ihrem Sohn ist es doch egal wie es mir geht. Das Einzige was ihn interessiert, das ist sein Wagen.“ „Na gut“, fuhr sie ruhiger geworden fort, nachdem sie in die enttäuschten Augen Constantins blickte, „ich nehme die Blumen an. Die können ja wirklich nichts für diese Kacke.“ „Danke Frau del Vecchio“, erwiderte er besänftigt, „ich bin wahrhaftig sehr erleichtert, dass Sie es sich doch noch anders überlegt haben.“ „Auf irgendeine Weise“, sprach sie leise, „kann ich sogar verstehen, dass Sie ihren Sohn in Schutz nehmen. Wenn ich ehrlich bin, ich würde es bestimmt genauso tun.“ „Haben Sie auch Kinder?“, fragte er aufmerksam. „Ja, zwei“, konnte er vernehmen, „mein Sohn ist 22 und meine Tochter 20 Jahre alt. Vermutlich sind Ihnen die Beiden auf dem Flur begegnet, denn sie gingen quasi als Sie kamen.“ „Ein großer, schlanker, junger Mann und eine nicht so große sehr hübsche, dunkelhaarige, junge Frau“, fragte er vorsichtig. „Der Beschreibung nach könnten es meine Beiden sein.“ „Na“, dachte Constantin, „so ganz einfach wird sie es mit ihnen wohl nicht haben, alleine schon wie sie sich stritten.“ Aber es ginge ihn nichts an, deshalb erwähnte er auch nichts von dem, was sich auf dem Flur zugetragen hatte. Nach ein paar Höflichkeitsfloskeln verabschiedete er sich von ihr. Er wäre gerne noch geblieben, aber er fand, dass es sich nun mal nicht gehöre noch länger zu bleiben, da sie im Grund genommen eine Fremde für ihn war.
Während Constantin sich mit gemischten Gefühlen auf den Heimweg machte, da Simona ihm nicht mehr aus dem Kopf ging und er sich immer wieder fragte, weshalb das so sein mag, war in der kleinen Wohnung der del Vecchios der Bär los. Ricardo war kaum zuhause angekommen, besorgte er sich auch schon auf der Stelle bei einem jungen Mann, der eine Etage tiefer wohnte, für die 20 Euro, die er seiner Mutter geklaut hatte, seine geliebte Droge, Marihuana. „Chiara, Alter“, rief er begeistert, nachdem er die Wohnung betreten hatte, „schau Dir das an, für meinen Zwanni hab ich diesmal wirklich gutes Gras bekommen.“ „Du wolltest wohl von Mamas Geld sagen“, entgegnete sie sauer, „ich warne Dich, wenn Du wieder laut wirst, dann werde ich es Mama verraten.“ „Halts Maul“, erwiderte er aggressiv, dann verschwand er in seinem Zimmer. Als Chiara die laute Musik aus seinem Zimmer vernahm, da ahnte sie, dass es nicht mehr lange dauern würde und Ricci wäre so zugedröhnt, so dass er selbst nicht mehr wusste, wer er war. Sie bekam schon wieder Angst, dass in geraumer Zeit, wie so oft, einer der Nachbarn an der Tür läuten würde, um sich wegen der lauten Musik zu beschweren. Vielleicht würden sie auch mal wieder die Polizei verständigen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Grün-Weißen vor der Tür standen. Sie fühlte sich urplötzlich verlassen und alleine, ihre Mutter fehlte ihr, mit der sie am Abend stets ein Schwätzchen hielt. Auch sehnte sie sich nach ihrem Freund, aber leider wusste Chiara nie so genau, ob er bei ihr vorbei schauen würde. Benny war in der Tat ihre große Liebe. Das Einzige was ihm fehlte, dass war ihrer Meinung nach, Zuverlässigkeit. Er war ein gut aussehender junger Mann. Meistens gut gelaunt, jedoch vom Arbeiten hielt er überhaupt nichts, dennoch hatte er stets die Taschen voller Geld. Benny hatte es faustdick hinter den Ohren. Simona war mit dem Freund ihrer Tochter absolut nicht einverstanden, aber was sollte sie tun? Chiara liebte ihren Benny nun mal abgöttisch.
Unterdessen war auch Constantin in seinem Heim eingetroffen. Zu seinem Leidwesen begegnete er seinem Sohn schon in der geräumigen Vorhalle der Villa. Ihm wäre es viel lieber gewesen zuerst ein paar Minuten für sich alleine zu haben, um in aller Ruhe über Simona und das was sich zugetragen hatte, nachzudenken. „Guten Abend, Vater“, wurde er auch schon von Hajo angesprochen, „Du bist aber spät dran. Sag bloß Du warst die ganze Zeit über bei der blöden Gans im Krankenhaus.“ „Hans-Joachim“, erwiderte Constantin gefährlich leise, „ich verbiete Dir so über Simona del Vecchio zu sprechen. Sie ist eine sehr nette, einfache Frau und hat solche Beleidigungen wahrhaftig nicht verdient.“ Hajo wusste ganz genau, wenn sein Vater ihn mit seinem richtigen Namen ansprach, dass dieser dann mehr als nur sauer war. Aber das war ihm in diesem Moment egal, er hasste nun mal diese Frau. Weshalb, dass wusste er selbst nicht so genau, aber dass er sie hasste, das war ihm völlig klar. „Sorry“, gab er zynisch zurück, „dass ich mir erlaubt habe diese stupide Person zu beleidigen, die ja offensichtlich unter Deinem persönlichen Schutz steht. Sie ist eine große Gefährdung für den Straßenverkehr, so was wie die sollte man irgendwo einmauern und zwar für immer.“ „Schäm Dich“, erwiderte sein Vater erbost, „dann ließ er seinen spöttisch grinsenden Sohn stehen und betrat mit eiligen Schritten sein Arbeitszimmer. Sinnend blickte er auf das Foto seiner verstorbenen Frau. „Regina“, sprach er leise, „was haben wir nur falsch gemacht? Weshalb ist Hajo nur so unmenschlich? Wahrscheinlich haben wir ihn viel zu sehr verwöhnt.“ Urplötzlich verstummte Constantin, da es unüberhörbar an der Tür klopfte. Seufzend rief er nur „ja“ da er wusste, dass es nur sein Sohn sein konnte. Bevor Hajo seinen Mund aufmachen konnte, da kam er ihm auch schon zuvor. „Wenn Du her gekommen bist, um über Simona zu lästern, dann kannst Du auf der Stelle das Zimmer wieder verlassen.“ „Aha“, dachte Hajo gehässig, „er nennt das Weib schon Simona, so weit ist es schon gekommen, das ist ja direkt widerlich. Ich denke, ich muss auf der Hut sein, nicht dass dieses Frauenzimmer noch hier einzieht, dann mit Sicherheit nur über meine Leiche. Was heißt über meine Leiche, ich würde eher sagen über ihre Leiche.“ „Keine Sorge Vater“, erwiderte er ironisch, „ich wollte mich in der Tat nicht mit Dir über dieses tolle einzigartige Wesen unterhalten, denn es gibt auch noch andere Dinge, nämlich die Arbeit.“ Nach diesen Worten schaute ihn triumphierend an. „Sprich endlich“, forderte Constantin ihn ungeduldig auf, „spann mich nicht auf die lange Folter.“ „Ich habe heute die alte Villa, Du weißt schon welches Objekt ich meine, an diesen Emporkömmling mit dem simplen Namen Maier, verkauft. Alles ist schon unter Dach und Fach.“ Er schaute Hajo für einen Moment fassungslos an. „Ist das wahr?“, fragte er völlig überrascht, „Glückwunsch mein Sohn, ich bin stolz auf Dich.“ Er nahm Hajo voller Freude in die Arme. Voll väterlichem Stolz blickte er auf seinen attraktiven Sohn, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten war, nur die Augen waren anders. Sie waren von einem wunderschönen blau, die gleichen Augen, die ihn sehr oft an seine verstorbene Frau erinnerten. „Vater wie wäre es mit einem kleinen Cognac?“, fragte Hajo gut gelaunt, „solche guten Abschlüsse müssen schließlich gefeiert werden.“ „Nur zu gerne mein Sohn“, erwiderte Constantin aufgekratzt, „dabei kümmerte er sich schon um das edle Getränk. Nun standen sich die Beiden mit ihren gut gefüllten Gläsern gegenüber. Constantin erhob als Erster das Glas. „Auf Dich mein Sohn, ich bin mir sicher, wenn ich mich in einigen Jahren zu Ruhe setze, dann wirst Du die Geschäfte bestens weiterführen. Ich werde mich um Deine Zukunft zweifellos nicht bangen müssen.“ „Ich trinke auf Dich Vater, da Du der Kopf vom Ganzen bist. Ohne Dich gäbe es nicht die erfolgreichen Immobilienmakler van den Berg“, sprach Hajo mit erhobenem Glas, „ich hoffe und wünsche, dass uns das Glück allzeit hold bleibt.“ „Das hast Du schön gesagt“, entgegnete Constantin bewegt, „wenn Regina noch bei uns wäre, sie wäre auch sehr stolz auf Dich.“ Hajo antwortete darauf nichts, er wollte nicht über seine verstorbene Mutter reden. Er hatte sie über alles geliebt aber auch zutiefst verehrt. Sie fehlte ihm noch heute. Er wollte in diesem Moment keinen trüben Gedanken nachhängen, deshalb wendete er sich etwas übertrieben lachend an seinen Vater. „Wie wäre es mit noch einem kleinen Gläschen, heute ist unser großer Tag, denn heute haben wir, wie schon so oft, richtig dicken Mammon gemacht.“
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Chrissi |
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 | | Verfasst am: 31.07.2009, 13:45 |
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"Mist", rief Hajo van den Berg völlig außer sich, als es urplötzlich laut krachte und er mit seinem Wagen eine Frau, die auf ihrem Fahrrad saß, unsanft zu Fall brachte.
„Mist!“
Hajo van der Berg saß wie versteinert in seinem Wagen. Er hatte versucht auszuweichen, doch der laute Knall war unmissverständlich. Er hatte sie erwischt.
Ängstlich blickte er über das Lenkrad auf die Straße. Die Räder des Fahrrads, die unter seinem Auto hervor lugten, drehten sich immer weiter.
„Mist! Mist! Mist!“
Er wagte einen weiteren Blick über die Motorhaube, und dann sah er sie.
„So eine blöde Gans“, ereiferte er sich, „wo hatte sie nur ihre Augen.“ Statt aus seiner Luxuskarosse zu steigen, blieb er wie angewurzelt sitzen.
„So eine blöde Gans! Wo hatte sie nur ihre Augen!“
Mittlerweile hatte sich schon eine Menschentraube gebildet, die zuerst voller Mitleid auf die am Boden liegende Frau blickte und dann missbilligend auf den Unglücksfahrer. Ein schon betagter Herr klopfte recht heftig an die Fensterscheibe des Wagens. „Junger Mann“, ließ er sich lautstark vernehmen, „wie wäre es, wenn Sie endlich aussteigen würden, um nach der armen Frau zu schauen?“
Passanten rannten zu Hajos Auto und knieten neben der Verletzten nieder.
„He! Sie da! Wie wäre es, wenn Sie endlich mal aussteigen würden? Sie haben gerade eine Radfahrerin angefahren!“
Mehr als nur unwillig stieg er endlich aus dem Auto. „Es ist nicht meine Schuld“, rief Hajo in die gaffende Menge. „Diese Frau scheint wohl die Verkehrsregeln nicht zu kennen. Es wäre sicherlich angebracht, wenn man sie nie mehr auf ein Fahrrad lässt.“
„Es ist nicht meine Schuld! Diese Frau scheint die Verkehrsregeln nicht zu kennen!“
Langsam stieg Hajo aus seinem Wagen.
„Wie wäre es“, fragte eine ältere Frau, „wenn Sie endlich einen Krankenwagen und die Polizei rufen würden? Die Beamten werden bestimmt klären, wer die Schuld an dem Unfall trägt.“ „Krankenwagen und Polizei werden gleich da sein“, sprach ein junges Mädchen, „der Frau muss endlich geholfen werden, bevor es eventuell zu spät sein könnte.“
Immer mehr Passanten umringten den Unfallort.
„Haben Sie schon den Krankenwagen gerufen?“ fragte eine ältere Frau.
„Krankenwagen und Polizei sind schon unterwegs!“ antwortete ein junges Mädchen und schob ihr Handy in ihre Handtasche zurück.
Hajo blickte völlig desinteressiert auf die immer noch am Boden liegende Frau, die leise vor sich hinwimmerte. „Ich fühle mich absolut unschuldig“, sprach er beharrlich, „sie ist doch selbst Schuld, wenn sie so unvorsichtig fährt.“ „Die Frau ist völlig schuldlos“, antwortete ein junger Mann, „ich habe es genau gesehen, Sie haben ihr die Vorfahrt genommen. Ich werde der Polizei präzise sagen, was sich zugetragen hat.“
Hajo blickte betont desinteressiert auf die immer noch am Boden liegende Frau, die leise vor sich hin wimmerte.
„Ich bin absolut unschuldig! Sie ist mir genau vors Auto gefahren!“
„Wie bitte? Sie haben ihr die Vorfahrt geklaut! Ich habs genau gesehen!“ erwiderte ein junger Mann am Rande der Menschentraube.
In diesem Moment konnten sie auch schon das Martinshorn hören. Der Notarzt stieg behände aus dem Wagen und kümmerte sich sofort um die Verletzte. „Haben Sie Schmerzen?“, fragte er aufmerksam. „Mein Kopf“, jammerte sie, „ach eigentlich tut mir alles weh.“ „Wir werden Sie auf der Stelle ins Krankenhaus bringen“, sprach er beruhigend.
Nervös kaute Hajo auf seiner Unterlippe. Von weitem hörte er das Martinshorn, das sich auf ihn zu bewegte.
Die Sekunden verstrichen wie Stunden, und als die Sanitäter aus dem Rettungswagen stiegen um nach der Frau zu sehen, stand Hajo mit den Händen in den Hosentaschen daneben.
„Wir werden Sie auf der Stelle ins Krankenhaus bringen,“ hörte er den Sanitäter sagen.
„Das geht nicht“, fing Simona zu weinen an, „ich muss nach Hause, meine Kinder warten bestimmt schon auf mich.“ „Sind die denn alleine zu Hause?“, wurde sie behutsam gefragt. „Ja“, antwortete sie kläglich, „ich lebe mit meinen Kindern alleine.“ „Wie alt sind denn Ihre Kleinen?“, fragte der Arzt. „Zwanzig und zweiundzwanzig Jahre alt.“ Im ersten Moment glaubte er sich verhört zu haben. Er musste zuerst kräftig schlucken, danach erklärte er ihr noch immer fassungslos, dass sie ins Krankenhaus gebracht würde. Von dort würde man ihre Kinder verständigen.
„Das geht nicht,“ wimmerte die Verletzte, „ich muss nach Hause, meine Kinder warten auf mich!“
„Sind die alleine zu Hause?“ fragte der zweite Sanitäter, der begonnen hatte sie abzutasten.
„Ja!. Ich lebe mit meinen Kindern alleine.“
„Wie alt sind denn Ihre Kleinen?“
„Zwanzig und Zweiundzwanzig Jahre.“
Ungläubig blickte der Sanitäter zu der Verletzten und anschließend zu seinem Kollegen.
„Hören Sie, ...“
„Simona. Ich heiße Simona.“
„Simona, wir werden Sie jetzt erst einmal ins Krankenhaus bringen. Sie müssen gründlich untersucht werden, um innere Verletzungen auszuschließen. Und von da kann dann eine Schwester bei Ihnen zu Hause anrufen und ihre Kinder verständigen, einverstanden?“
Inzwischen war auch die Polizei eingetroffen, die sofort mit den Befragungen begann. Hajo, blieb natürlich stur bei seiner Behauptung, dass ihn auf jeden Fall keine Schuld traf. Nach genauen Überprüfungen, musste er zu seinem Leidwesen erfahren, dass er die alleinige Verschuldung an dem Unfall habe.
Inzwischen war auch die Polizei eingetroffen. Hajo beobachtete aus den Augenwinkeln, wie der Polizist einen Passanten etwas fragte, der mit dem Finger in seine Richtung wies.
„So mein Herr. Sie sind also der Fahrer des Unfallwagens?“
Hajo nickte.
„Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.“
„Hören Sie! Die Frau ist mir einfach vors Auto gefahren! Ich konnte nichts machen!“
Der Polizist nahm seine Papiere entgegen und begann mit der Befragung über den Unfallhergang.
„Sie kamen also von dort unten?“
„Ja! Und von dort kam sie angebraust!“
„Gibt es Unfallzeugen?“
„Hier! Ich habs gesehen!“ Der junge Mann von vorhin löste sich aus der Menschentraube.
„Hoffentlich“, sprach einer der Beamten, „ist die Frau nicht ernsthaft verletzt, ansonsten wird es für Sie nicht gerade rosig aussehen.“
Während Hajo wie erschlagen in seinem Wagen saß und noch immer nicht begreifen wollte, dass die Frau absolut schuldlos an dem Unfall war, wurde Simona fachkundig untersucht. Man diagnostizierte mittelschwere Gehirnerschütterung und starke Prellungen. Sie müsse für zwei Tage zur Beobachtung in der Klinik bleiben, danach dürfe sie, wenn keine Komplikationen auftreten, nach Hause gehen.
Unterdessen hatte man auch Simonas Kinder verständigt, die zuhause relax in ihren Zimmern saßen und auf ihre Mutter warteten. Ricardo, der ältere von den Geschwistern, wurde es Angst und Bange, als er vom Unfall hörte. „Chiara Alter“, rief er aufgeregt, „die Ma hatte einen Unfall, sie ist im Krankenhaus, wir müssen sofort zu ihr.“ „Was?“, weinte Chiara sofort hysterisch werdend, „Mama ist im Krankenhaus, ich habe schreckliche Angst, dass ihr etwas ganz Schlimmes passiert ist.“ „Hör auf zu heulen“, herrschte der dunkelhaarige, schlanke, junge Mann sie an, „wir müssen sofort zu ihr. Aber fragt sich nur wie, haste Kohle? Ich bin nämlich pleite, ansonsten hätte ich die Fahrt mit dem Taxi bezahlt.“ „Wie wäre es“, ereiferte sich Chiara, „wenn Du endlich mal an Arbeit denken würdest? Aber was soll´s, ruf sofort ein Taxi, ich werde die Fahrt bezahlen.“
Während sich die Geschwister auf dem Weg zu ihrer Mutter befanden, war Hajo in seinem Elternhaus angekommen. Aufgebracht erzählte er seinem Vater von dem Unfall, an dem er sich nach wie vor vollkommen schuldlos fühlte. „Wie wäre es“, sprach Constantin van den Berg eindringlich, „wenn Du Dich nach dem Gesundheitszustand der Frau erkundigen und ihr ein paar Blumen ans Krankenbett bringst? Ich denke, das wäre mehr als nur recht.“ „Wie bitte?“, empörte sich Hajo, „das wäre ja noch schöner, wegen der dummen Gans habe ich einen dicken Blechschaden an meinem nagelneuen Maserati. Dafür soll ich ihr auch noch Abbitte leisten.“ „Wie heißt die Frau?“, fragte sein Vater ungeduldig, „wenn Du es nicht für nötig hältst, dann werde ich sie besuchen und mich in Deinem Namen entschuldigen.“ „Keine Ahnung“, antwortete er lässig, „wenn ich ehrlich bin, ich weiß noch nicht mal, wie sie ausschaut oder wie alt sie sein könnte.“ Constantin schaute sinnend seinem attraktiven Sohn hinterher, als dieser mit großen Schritten den Raum verließ. Er fragte sich, wer Hajo diese Kaltschnäuzigkeit nur vererbt haben könnte, denn weder seine verstorbene Frau, noch er waren jemals so veranlagt gewesen.
Während Constantin sich mit gemischten Gefühlen auf den Weg ins Krankenhaus machte, waren Simonas Kinder bei ihrer Mutter eingetroffen. Chiara fing sofort zu weinen an, als sie an ihr Bett trat. „Hör auf zu weinen“, sprach Simona mit nicht fester Stimme zu ihrer überaus hübschen Tochter. „Es sieht schlimmer aus als es ist. In zwei Tagen werde ich wieder bei Euch sein.“ „Ma, Alter“, meldete sich Ricardo zu Wort, „was ist denn passiert? Ich mache mir wirklich Sorgen.“ „Wie schon gesagt“, entgegnete sie ausweichend, „Unkraut vergeht nicht. Ich werde bald wieder zuhause sein.“ „Wie seid Ihr eigentlich hierher gekommen?“, wollte sie wissen. Mit dem Taxi wurde ihr erzählt. „Das war bestimmt teuer“, sprach sie erschrocken, „selbstverständlich werde ich Euch das Geld zurückgeben.“ „Lass mal Mama“, erwiderte Chiara unter Tränen, „ich habe das Geld gerne für Dich ausgegeben. Ich bin ja so froh, dass es nichts Ernstes ist. Was nützt mir das Geld, wenn es Dir schlecht geht.“ „Aber wir brauchen Kohle, um Essen zu kaufen“, ließ sich Ricardo vernehmen. „Ok“, sprach Simona, „im Schrank liegt meine Tasche, sei so lieb Ricci und nimm 50 Euro aus meinem Geldbeutel, aber bitte kauft Euch etwas zum Essen und nicht irgendeinen Kram.“ „Klar Ma“, antwortete er grinsend, „ich weiß doch, dass wir nicht viel Geld haben.“ Weder Chiara noch Simona bemerkten, dass er statt der 50, 70 Euro aus der Geldbörse nahm.
Constantin, der nach einigem hin und her, an der Krankenhauspforte endlich Auskunft und Namen über die Frau mit dem Fahrradunfall erhalten hatte, lief nun mit einem Blumenstrauß bewaffnet den langen Flur entlang. Etwas konsterniert blickte er auf ein junges Pärchen, was sich offensichtlich stritt. Es ging um 20 Euro, mehr konnte er nicht verstehen, da die jungen Leute sich immer mehr von ihm entfernten.
Chiara war in der Tat mehr als nur sauer auf ihren Bruder, da er ihrer Mutter 20 Euro geklaut hatte, um sich damit Gras zu kaufen. Er hatte ihr nämlich sofort von dem Geld erzählt. Dies war völlig normal bei ihm, er konnte eigentlich nie etwas für sich behalten. Chiara konnte einfach nicht verstehen, weshalb Ricci sich keine Arbeit suchte. Stets hatte er irgendwelche Wünsche, ständig brauchte er Geld für Drogen oder Alkohol. Sie fragte sich oft Bange, wie das alles weiter gehen sollte? Ihre Mutter schuftete von früh morgens bis spät abends, gönnte sich nichts und er verschleuderte ihr schwer verdientes Geld ohne jegliche Gewissensbisse.
Constantin war nun vor der Zimmertür angekommen, hinter der die ihm völlig fremde Frau in einem der Betten lag. Für einen Moment machte er davor halt, dann gab er sich einen Ruck, klopfte an und öffnete die Tür. Suchend schaute er sich in dem weiß gestrichenen Raum um, in dem drei Betten standen. Er hatte ja überhaupt keine Ahnung, welche der Frauen Simona del Vecchio ist. „Entschuldigung“, sprach er höflich in den Raum, „ich möchte gerne zu Frau del Vecchio.“ „Das bin ich“, antwortete die Frau, deren Bett direkt unter dem Fenster stand. Constantin blickte doch etwas verwirrt auf die Frau mit den langen dunklen Haaren. Die ihm im ersten Moment fast wie ein Kind vorkam, da sie so zart und hilflos wirkend auf dem Bett lag. Erst beim genaueren hinsehen, sah er, dass sie seiner Meinung nach mindestens 30 Jahre alt sein musste. „Sollte ich Sie kennen?“, wurde er von ihr mit unsicherer, nicht ganz akzentfreier Stimme gefragt. „Entschuldigen Sie bitte, dass ich mich bislang nicht vorgestellt habe“, erwiderte er freundlich, „mein Name ist Constantin van den Berg. Mein Sohn und Sie hatten am Morgen einen unerfreulichen Zusammenstoß. Ich möchte mich in seinem Namen bei Ihnen entschuldigen.“ Da Simona ihm darauf nicht antwortete, hielt er ihr mit einem verlegenen Lächeln die wunderschönen Blumen hin. „Ich möchte die Blumen nicht haben“, entgegnete sie abweisend, „bitte nehmen Sie die Blumen und lassen Sie mich alleine.“ Bei diesen Worten blickten sie sich unvermittelt in die Augen. Constantin glaubte in diesem Moment, in ihren dunklen, geheimnisvollen Augen zu ertrinken. Solche wunderschönen Augen hatte er noch niemals gesehen, für einen Moment bekam er weiche Knie. „Reiß dich ja zusammen“, mahnte er sich, „du wirst dich mit deinen 63 Jahren doch nicht mehr verlieben wollen.“ „Eine Schönheit“, dachte er, „ist sie nun wirklich nicht, aber ihre Augen, diese konnten einen Mann schon schwach werden lassen.“ Simona sah an diesem Tag wahrhaftig nicht vorteilhaft aus. Ihre langen Haare hingen ihr wirr um den Kopf, ihre Gesichtsfarbe war bleich, auch die vielen Tränen, die sie seit dem Unfall vergossen hatte, hinterließen tiefe Spuren. „Bitte Frau del Vecchio“, sprach er betrübt, „nehmen Sie doch die Blumen an. Was können die armen Dinger denn dafür, dass Sie auf meinen Sohn, was ja offensichtlich ist, mehr als nur verärgert sind. Ich kann Sie ja verstehen, aber er ist noch immer geschockt von dem Geschehenen, ansonsten wäre er selbstverständlich selbst gekommen.“ „Mein Gott“, dachte er beschämt, „was erzähle ich nur für Lügengeschichten, aber irgendwie muss ich Hajo doch in Schutz nehmen.“ „Was Sie gerade erzählt haben“, empörte sich Simona, „dass glauben Sie doch selbst nicht. Ihrem Sohn ist es doch egal wie es mir geht. Das Einzige was ihn interessiert, das ist sein Wagen.“ „Na gut“, fuhr sie ruhiger geworden fort, nachdem sie in die enttäuschten Augen Constantins blickte, „ich nehme die Blumen an. Die können ja wirklich nichts für diese Kacke.“ „Danke Frau del Vecchio“, erwiderte er besänftigt, „ich bin wahrhaftig sehr erleichtert, dass Sie es sich doch noch anders überlegt haben.“ „Auf irgendeine Weise“, sprach sie leise, „kann ich sogar verstehen, dass Sie ihren Sohn in Schutz nehmen. Wenn ich ehrlich bin, ich würde es bestimmt genauso tun.“ „Haben Sie auch Kinder?“, fragte er aufmerksam. „Ja, zwei“, konnte er vernehmen, „mein Sohn ist 22 und meine Tochter 20 Jahre alt. Vermutlich sind Ihnen die Beiden auf dem Flur begegnet, denn sie gingen quasi als Sie kamen.“ „Ein großer, schlanker, junger Mann und eine nicht so große sehr hübsche, dunkelhaarige, junge Frau“, fragte er vorsichtig. „Der Beschreibung nach könnten es meine Beiden sein.“ „Na“, dachte Constantin, „so ganz einfach wird sie es mit ihnen wohl nicht haben, alleine schon wie sie sich stritten.“ Aber es ginge ihn nichts an, deshalb erwähnte er auch nichts von dem, was sich auf dem Flur zugetragen hatte. Nach ein paar Höflichkeitsfloskeln verabschiedete er sich von ihr. Er wäre gerne noch geblieben, aber er fand, dass es sich nun mal nicht gehöre noch länger zu bleiben, da sie im Grund genommen eine Fremde für ihn war.
Während Constantin sich mit gemischten Gefühlen auf den Heimweg machte, da Simona ihm nicht mehr aus dem Kopf ging und er sich immer wieder fragte, weshalb das so sein mag, war in der kleinen Wohnung der del Vecchios der Bär los. Ricardo war kaum zuhause angekommen, besorgte er sich auch schon auf der Stelle bei einem jungen Mann, der eine Etage tiefer wohnte, für die 20 Euro, die er seiner Mutter geklaut hatte, seine geliebte Droge, Marihuana. „Chiara, Alter“, rief er begeistert, nachdem er die Wohnung betreten hatte, „schau Dir das an, für meinen Zwanni hab ich diesmal wirklich gutes Gras bekommen.“ „Du wolltest wohl von Mamas Geld sagen“, entgegnete sie sauer, „ich warne Dich, wenn Du wieder laut wirst, dann werde ich es Mama verraten.“ „Halts Maul“, erwiderte er aggressiv, dann verschwand er in seinem Zimmer. Als Chiara die laute Musik aus seinem Zimmer vernahm, da ahnte sie, dass es nicht mehr lange dauern würde und Ricci wäre so zugedröhnt, so dass er selbst nicht mehr wusste, wer er war. Sie bekam schon wieder Angst, dass in geraumer Zeit, wie so oft, einer der Nachbarn an der Tür läuten würde, um sich wegen der lauten Musik zu beschweren. Vielleicht würden sie auch mal wieder die Polizei verständigen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Grün-Weißen vor der Tür standen. Sie fühlte sich urplötzlich verlassen und alleine, ihre Mutter fehlte ihr, mit der sie am Abend stets ein Schwätzchen hielt. Auch sehnte sie sich nach ihrem Freund, aber leider wusste Chiara nie so genau, ob er bei ihr vorbei schauen würde. Benny war in der Tat ihre große Liebe. Das Einzige was ihm fehlte, dass war ihrer Meinung nach, Zuverlässigkeit. Er war ein gut aussehender junger Mann. Meistens gut gelaunt, jedoch vom Arbeiten hielt er überhaupt nichts, dennoch hatte er stets die Taschen voller Geld. Benny hatte es faustdick hinter den Ohren. Simona war mit dem Freund ihrer Tochter absolut nicht einverstanden, aber was sollte sie tun? Chiara liebte ihren Benny nun mal abgöttisch.
Unterdessen war auch Constantin in seinem Heim eingetroffen. Zu seinem Leidwesen begegnete er seinem Sohn schon in der geräumigen Vorhalle der Villa. Ihm wäre es viel lieber gewesen zuerst ein paar Minuten für sich alleine zu haben, um in aller Ruhe über Simona und das was sich zugetragen hatte, nachzudenken. „Guten Abend, Vater“, wurde er auch schon von Hajo angesprochen, „Du bist aber spät dran. Sag bloß Du warst die ganze Zeit über bei der blöden Gans im Krankenhaus.“ „Hans-Joachim“, erwiderte Constantin gefährlich leise, „ich verbiete Dir so über Simona del Vecchio zu sprechen. Sie ist eine sehr nette, einfache Frau und hat solche Beleidigungen wahrhaftig nicht verdient.“ Hajo wusste ganz genau, wenn sein Vater ihn mit seinem richtigen Namen ansprach, dass dieser dann mehr als nur sauer war. Aber das war ihm in diesem Moment egal, er hasste nun mal diese Frau. Weshalb, dass wusste er selbst nicht so genau, aber dass er sie hasste, das war ihm völlig klar. „Sorry“, gab er zynisch zurück, „dass ich mir erlaubt habe diese stupide Person zu beleidigen, die ja offensichtlich unter Deinem persönlichen Schutz steht. Sie ist eine große Gefährdung für den Straßenverkehr, so was wie die sollte man irgendwo einmauern und zwar für immer.“ „Schäm Dich“, erwiderte sein Vater erbost, „dann ließ er seinen spöttisch grinsenden Sohn stehen und betrat mit eiligen Schritten sein Arbeitszimmer. Sinnend blickte er auf das Foto seiner verstorbenen Frau. „Regina“, sprach er leise, „was haben wir nur falsch gemacht? Weshalb ist Hajo nur so unmenschlich? Wahrscheinlich haben wir ihn viel zu sehr verwöhnt.“ Urplötzlich verstummte Constantin, da es unüberhörbar an der Tür klopfte. Seufzend rief er nur „ja“ da er wusste, dass es nur sein Sohn sein konnte. Bevor Hajo seinen Mund aufmachen konnte, da kam er ihm auch schon zuvor. „Wenn Du her gekommen bist, um über Simona zu lästern, dann kannst Du auf der Stelle das Zimmer wieder verlassen.“ „Aha“, dachte Hajo gehässig, „er nennt das Weib schon Simona, so weit ist es schon gekommen, das ist ja direkt widerlich. Ich denke, ich muss auf der Hut sein, nicht dass dieses Frauenzimmer noch hier einzieht, dann mit Sicherheit nur über meine Leiche. Was heißt über meine Leiche, ich würde eher sagen über ihre Leiche.“ „Keine Sorge Vater“, erwiderte er ironisch, „ich wollte mich in der Tat nicht mit Dir über dieses tolle einzigartige Wesen unterhalten, denn es gibt auch noch andere Dinge, nämlich die Arbeit.“ Nach diesen Worten schaute ihn triumphierend an. „Sprich endlich“, forderte Constantin ihn ungeduldig auf, „spann mich nicht auf die lange Folter.“ „Ich habe heute die alte Villa, Du weißt schon welches Objekt ich meine, an diesen Emporkömmling mit dem simplen Namen Maier, verkauft. Alles ist schon unter Dach und Fach.“ Er schaute Hajo für einen Moment fassungslos an. „Ist das wahr?“, fragte er völlig überrascht, „Glückwunsch mein Sohn, ich bin stolz auf Dich.“ Er nahm Hajo voller Freude in die Arme. Voll väterlichem Stolz blickte er auf seinen attraktiven Sohn, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten war, nur die Augen waren anders. Sie waren von einem wunderschönen blau, die gleichen Augen, die ihn sehr oft an seine verstorbene Frau erinnerten. „Vater wie wäre es mit einem kleinen Cognac?“, fragte Hajo gut gelaunt, „solche guten Abschlüsse müssen schließlich gefeiert werden.“ „Nur zu gerne mein Sohn“, erwiderte Constantin aufgekratzt, „dabei kümmerte er sich schon um das edle Getränk. Nun standen sich die Beiden mit ihren gut gefüllten Gläsern gegenüber. Constantin erhob als Erster das Glas. „Auf Dich mein Sohn, ich bin mir sicher, wenn ich mich in einigen Jahren zu Ruhe setze, dann wirst Du die Geschäfte bestens weiterführen. Ich werde mich um Deine Zukunft zweifellos nicht bangen müssen.“ „Ich trinke auf Dich Vater, da Du der Kopf vom Ganzen bist. Ohne Dich gäbe es nicht die erfolgreichen Immobilienmakler van den Berg“, sprach Hajo mit erhobenem Glas, „ich hoffe und wünsche, dass uns das Glück allzeit hold bleibt.“ „Das hast Du schön gesagt“, entgegnete Constantin bewegt, „wenn Regina noch bei uns wäre, sie wäre auch sehr stolz auf Dich.“ Hajo antwortete darauf nichts, er wollte nicht über seine verstorbene Mutter reden. Er hatte sie über alles geliebt aber auch zutiefst verehrt. Sie fehlte ihm noch heute. Er wollte in diesem Moment keinen trüben Gedanken nachhängen, deshalb wendete er sich etwas übertrieben lachend an seinen Vater. „Wie wäre es mit noch einem kleinen Gläschen, heute ist unser großer Tag, denn heute haben wir, wie schon so oft, richtig dicken Mammon gemacht.“
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Hallo Chrissi!
Ich habe mal angefangen, den Text ein wenig umzuschreiben.
Was mir aufgefallen ist, dass du im Text häufig große Tempuswechsel vornimmst.
In einer Textstelle beschreibst du eine Situation ausführlich, die es eigentlich nicht bräuchte. Und im nächsten Moment beschreibst du Dinge im Zeitraffer, die es verdient hätten ausführlich behandelt zu werden.
Dann ist mir aufgefallen, dass du häufig etwas indirekt erzählst, was meiner Meinung nach auch aktiv gestaltet werden könnte.
Ein Tipp: Sieh dir mal einen Thread hier in der Schreibwerkstatt zum Thema "Show, don´t tell" an. Der könnte hilfreich sein.
Alles in allem muss ich sagen, dass mir der Text nicht gefallen hat. Man kommt nicht schnell in die Geschichte rein, weil sich für mich irgendwie kein Spannungsbogen erschließt. Ich muss auch gestehen, dass mein Kopf nach einer Weile abgeschaltet hat ...
Zu Anfang passiert der Unfall - und dann ist erst mal für eine Weile nichts.
Mich als Leser hätte interessiert, wer dieser Hajo ist. Wenn man erst einmal eine Bindung zu einer Person aufgebaut hat, kann man sich besser in eine Geschichte reindenken.
Wahrscheinlich hast du die Leseprobe mitten aus dem Text genommen, weswegen Hajo wahrscheinlich früher bereits schon auftaucht. Daher finde ich die Leseprobe (für mich) nicht passend gewählt. Oder beschreibe diesen Hajo ein Stück weit - das geht natürlich auch.
Noch ein Tipp! Der hat mir unwahrscheinlich geholfen! In der Schreibwerktstatt findest du Threads über wörtliche Rede und wie man sie benutzt. Ich habe dort gelernt, dass die ganzen "sagte sie, fragter er, ..." meist überflüssig sind und den Lesefluß nur behindern.
Guck mal rein! Das ist wirklich lesenswert!
Aber wie gesagt, mir hat der Text nicht gefallen. Er hört sich für mich an wie ein Aufsatz, nicht wie ein Auszug aus einem Roman.
Trotzdem solltest du unbedingt weiter machen! Nur wer stetig schreibt kann sich verbessern!
LG, Conny |
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Conny |
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