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Leseprobe von Deathhunter(Arbeitstitel)

BeitragVerfasst am: 26.03.2010, 15:45
Schöne Grüße aus dem Süden Österreichs euch allen!

Hatte voriges Jahr mal angefangen eine Geschichte zu schreiben, die mal etwas länger sein sollte, als ein paar Seiten. Bis jetzt hat noch keiner diesen Text gelesen, deswegen poste ich mal einen kleinen Ausschnitt um eure Meinung zu hören.

Viel Spaß beim Lesen und Kritik ist erwünscht!

Mfg ThomasR


Am nächsten Tag wurde ich von Glockenläuten aus dem Schlaf gerissen. Sonnenlicht schien durch die Ritzen der Balken, die anscheinend viel erleiden mussten letzte Nacht, und erhellte den Raum. Noch benebelt vom Schlaf erhob ich mich aus dem Bett. Von weitem hörte ich stampfende Schritte. Sie bewegten sich in meine Richtung zu. Ein barsches Klopfen holte mich endgültig aus meiner Trance.
„Der Herzog verlangt nach ihnen, Mönch. Ich warte.“, bellte eine tiefe Stimme.
Ich zupfte meine Kutte, die langsam, aber sicher von den Motten total zerfressen sein wird, zurecht und öffnete die Tür. Vor mir ragte sich eine imposante Gestalt auf. Bekleidet mit einer Mischung aus Kettenhemd und Stahlplatten, die an den mächtigen Schultern befestigt waren, und einem Blick, der jeden Stein zum Bersten gebracht hätte. Die hässliche Narbe entlang dem linken Auge verstärkte noch den Eindruck. Sein wuchernder Bart hatte auch schon mal bessere Tage gesehen.
„Folgt mir“, spuckte er mir entgegen und wandte sich in Richtung der Säulenhalle.
Ich tat, wie mir geheißen wurde. Während wir die Halle durchschritten, die sich mit dem einfallenden Licht von ihrer schönsten Seite zeigte, kamen mir bruchstückhaft Erinnerungen aus meiner Zeit als Novize in Erum hervor.
Die Stadt der alten Kaiser, das Kleinod der südlichen Länder und Sitz von König Garas III., dem Beherrscher des Musarareichs. Erbaut in vergangenen Zeiten, als noch die Riesen dieses Land durchwanderten. Von Erum aus vereinigten die Herrscher, die sich als Abkömmlinge des Göttergeschlechts bezeichneten, fast ganz Falfandur. Dies erreichten sie durch ihre gefürchteten Legionen. Waffenstrotzende Krieger mit unbarmherziger Disziplin, die ihre Überlegenheit gegen die westlichen Frühreiche, Chosem und Zurasa, blutig unter Beweis stellten. Ihre Macht begründete den Ruhm und Glanz der Erumer. Dekadenz und schwache Kaiser stürzten es nach vielen Jahrzehnten des Friedens ins Chaos. Nur die Hauptstadt und die Umlande überstanden relativ unbeschadet die Wirren.
Dort offenbarte sich mir die wahre Pracht des alten Reichs der Göttersöhne.
Der Hauptplatz der Stadt war gekrönt mit dem Forum Marcus. Ein kreisförmiger Platz mit einem Steinmosaik, auf dem sich das Antlitz der Göttin Mara befand. Sie war verantwortlich für die Rechtssprechung und die Wahrheit. Hochstehende, weiße Säulengalerien umrundeten diesen Platz, die von einer imposanten Statue im Norden unterbrochen wurde. Es war ein perfektes Ebenbild des ersten Kaisers Marcus Severinus. Früher wurde im Forum Recht gesprochen, doch unter König Garas I. war ein Marktplatz daraus geworden. Nicht weit davon entfernt befand sich der Palastkomplex der alten Herrscher. Ein Park, der mit Brunnen, Statuen und allerlei Arten von Flora gesäumt war. Inmitten dieses Paradieses lag der Palast. Unbeschreibbar in seinem Glanz. Möge die Zeit der Kaiser auch vorüber sein, ihre Bauten und Schriften werden die Ewigkeit überdauern.

„Wo bleiben Sie denn?“, hallte eine mir bekannte tiefe Stimme in meinem Ohr und ließ meine Erinnerungsblase zerplatzen.
Ich stand wieder in der Säulenhalle; mein "freundlicher" Führer wartete vor einer eisenbeschlagenen Holztür, die sich unscheinbar in einer Vertiefung der Mauer befand. Ich wandte mich schnellen Schrittes ihr zu und erntete einen missgünstigen Blick des Kriegers. Mit einem leisen Knarzen riss er sie auf, die ins Freie führte. Eine leichte Morgenbrise wehte uns entgegen, die einen süßlichen Duft in sich hatte. Der Antlitz der Morgensonne hüllte Harumshammer in ein gleißendes Licht. Dadurch bemerkte ich auch die kleine Statue in einer Einbuchtung in der Mitte des Bergfrieds, die sich mit ihren Händen auf eine Kriegsaxt lehnte. Unbarmherzig und kalt ist ihr Blick, der sich nach Norden wandte. Unter der Statue von König Harum marschierte eine Abteilung von Gardisten in Richtung Tor. Angeführt von einem Reiter, der ein Sammelsurium aus verschiedenen Rüstungsteilen trug.
„Sie verstärken unsere Posten im Norden“, murmelte mein narbiger Freund in seinen Bart. Mehr brauchte ich wohl nicht zu wissen. Wir bewegten uns zum Herzen der Festung, dem Bergfried, zu. Eine Besonderheit dieses Turms war seine Einzigartigkeit, denn sein Grundriss ist achteckig. Viele Gelehrte munkelten unter vorgehaltener Hand, dass dies auf Geheiß des Königs Harum nur deshalb so gebaut wurde, um Mutter Natur zu huldigen. Wir umrundeten des Bergfried und näherten uns einem Gebäude, das dem Palast in nichts im Nachteil stand. Es war dies die Kaserne der Gardisten und einfachen Krieger des Herzogs. Lautes Gelächter drang aus den Hallen des Gebäudes. Zielstrebig führte mich mein Führer zum Eingangs-bereich der Kaserne und gab mir dann mit einem Handzeichen zu verstehen, dass ich draußen warten sollte. Seine Gestalt verschwand unter dem Getümmel der Leute, die plötzlich die Kaserne verließen und sich dann in alle Windrichtungen zerstreuten.
Was will der Herzog von mir, schoss es mir immer wieder durch den Kopf. Hatte es etwas mit meiner Aufgabe zu tun?

Dabei wollte ich sie am Anfang gar nicht annehmen. Nach meiner Rückkehr aus dem unsicheren Osten wollte ich nur mehr in den geschützten Mauern des Klosters Santus Morenos sein und in Ruhe meditieren, mich der harten Arbeit auf den Feldern hingeben und zu Gott beten. Mein alter Freund und früherer Lehrer, Bruder Oswald, zeigte sich besorgt über meinen Gemütszustand und versuchte mich aufzumuntern. Doch er wusste nicht, was durch meine Taten geschehen war. Nur der Ordensmeister wusste davon Bescheid. Ich hatte gesündigt. Die Lehren unseres ehrwürdigen Gründers Oldarv hatte ich mit Füßen getreten. Ich war um nichts besser als die Abtrünnigen. Die Geborgenheit meiner Heimat, so hoffte ich, würde meine Seele erretten und mich befreien von dieser Schuld. Doch Gottes Pläne zeigten einen anderen Weg. Eines Tages, ich befand mich auf den Weinbergen zur Lese, suchte mich Bruder Oswald auf.
„Lasse dich ablösen, Reinus. Ich muss mit dir reden.“
„Aber ich…“
„Deine Talente werden gebraucht und damit meine ich nicht den Weinbau.“
„Was gibt es denn?“, fragte ich ihn.
„Nicht hier, lass uns ein bisschen spazieren gehen.“, antwortete Bruder Oswald und schaute nervös umher. Ich ahnte Schreckliches. Wir gingen bis zur alten Kapelle des Klosters, das idyllisch auf einem kleinen Hügel lag. Was mir mein Freund bis dorthin erzählte, ließ meine Gedanken verdüstern.
Und hier befand ich mich nun, in den Nordprovinzen, das Land der alten Jarls. Ein rauer, primitiver Ort, wo die Menschen sich gegenüber alles Fremden energisch zur Wehr setzten. Wieso ich?

Meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als ich des Herzogs Stimme vernahm.
„Schöner Tag, nicht wahr?“
„Mal was anderes, als die nebligen, feuchten Tage vorher“, antwortete ich ihm.
„Ja, das Land hat was Mystisches an sich. Ebenso die Bewohner, aber das werden Sie noch selber bemerken, Bruder Reinus.“
Was meinte er damit?
Rotossa musterte mich mit seinen Augen und es kam mir vor, dass ich ein kurzes Lächeln in seinem gepflegten Bart aufblitzen sah.
Der Herzog trug das Gewand wie am Tag zuvor, mit einer Ausnahme: statt seinem weißen Umhang hatte er einen grünen Umhang mit goldenen Stickereien an den Enden und einem mir unbekannten Symbol in der Mitte.
„Es ist ein altes Zeichen der Jarls“, sagte er als Antwort auf meinen neugierigen Blick, „es steht für Rechtschaffenheit. Wollen wir uns ein bisschen die Beine vertreten?“
Er führte mich aus der Festung zu einem kleinen Waldstück, das sich nicht weit von Harumshammer befand.
Inmitten dieses Waldstückes lag ein kleiner See, in dem ein kleines Bächlein mündete. Ein Trampelpfad umrundete den See. Am äußeren Rand dieses Pfades standen mehrere Stelen aus Stein, die mit Runen bedeckt waren. Die Schrift der Nordmänner.
Das Gezwitscher von Vögeln hörte man aus der Ferne, die freudig den neuen Tag begrüßten.
„Ruhig und friedlich, nicht wahr?“, sagte Rotossa, als wir den Pfad beschritten.
„Sie haben Recht, verehrter Herzog. Ein wahrhaft paradiesisches Fleckchen Erde.“
„Das würden Sie nicht mehr sagen, wenn Sie wüssten, zu welchem Zweck dieser Platz anfangs gedacht war.“
Bei dieser Bemerkung krampfte sich mein Magen zusammen. Es gab einige Aufzeichnungen aus der Zeit der Jarls, die über sogenannte Opferstätten berichteten. Meistens tief in den Wäldern verborgen, wurde hier den Göttern auf die abscheulichste Weise gehuldigt. Von Blutopferungen bis zum Jünglingsmord. Diese dunkle Zeit endete abrupt unter Jarl Kire dem Weisen. Er stürzte das hundertfünfköpfige Pantheon der Götter und ersetzte ihn durch den Rat der Großen Drei. Dies waren Triur der Weitsichtige, Ikol der Schlächter und Frayd der Erbauer. Die heiligen Plätze wurden vom Blutvergießen befreit und zu einem Ort des Zusammentreffens und Huldigens.
Bis heute, so munkelte man.
Wir hielten vor einem Steinaltar, der umrundet war von einem kreisähnlichen Gebilde aus diesen Runenstelen.
Auch dieser Altar war von ihnen überdeckt, doch schlängelten sich auch spiralförmige Ornamente hindurch.
„Hier bin ich oft um nachzudenken“, schwelgte Rotossa in Gedanken, „zu entscheiden, was richtig und falsch ist. Manchmal kommt es mir so vor, als würde Triur persönlich hier sein.“
Ich runzelte leicht die Stirn.
„Keine Angst, ich bin dem Glauben nicht abgefallen...was mir manchmal aber schwer fällt“, sagte er mit schwermütigem Unterton.
Etwas bedrückte sein Herz. Aber was?
Vielleicht las er die Sorge aus meinem Gesicht ab, denn plötzlich veränderte sich sein Gemüt und der ernste, strenge Blick kam wieder hervor.
„Ihr wollt sicher wissen, warum ich Euch zu mir riefen ließ?“
Ich wollte gerade Antwort geben, doch der Herzog sprach einfach weiter.
„Ich vertraue eurem Orden schon seit den Zeiten des seligen Auristos. Auch die verhängnisvolle Spaltung konnte mein Vertrauen in die Oldarver nicht erschüttern. Doch die Gerüchte aus den Ostländern haben meine Meinung ins Wanken gebracht.“
Fassungslos blickte ich Rotossa an. In seinen Augen loderte ein Anzeichen von Wut, was mein Herz schneller schlagen ließ.
Wusste er es vielleicht? Aber woher?
Niemand ging freiwillig in die Ödnis der Ostländer.
Außer vielleicht…die Händlergilde, das ist es! Sie versorgten die Stämme mit Waren und Waffen. Hatte er von ihnen die Gerüchte gehört?
„Sind diese Gerüchte wahr, Bruder Reinus?“
Herausgerissen aus meinen Gedanken starrte ich in ein Gesicht voller Besorgnis. Mir kam vor, als würde eine unbekannte Aura hinter meinem Rücken stehen und mich in dem Entschluss bekräftigen, ihm die Wahrheit zu sagen.
„Verehrter Herzog, ich muss Euch etwas erklären…“
 
  ThomasR 
 
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