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Lesprobe/Belush

BeitragVerfasst am: 07.01.2011, 11:42
Was meint Ihr zum Anfang?

Der Frauenmörder

John Belush-Krimi (Buch 2)



Bin nun sieben Jahre älter, und mein Selbstbewusstsein ist stark angeschlagen. Rauche und trinke zu viel. Juana, meine letzte große Liebe hat sich, während Hurrikan Katrina“ Einzug hielt, im Gefängnis das Leben genommen. Seither kreise ich wie ein alternder Greis ziellos in Zeit und Raum umher. Ich arbeite wieder als Detektiv, und meine letzten Fälle sind nicht das Papier wert, um sie hier zu erwähnen. Geschweige, sie zu erzählen.





Ein Frauenmörder treibt sich in New Orleans herum. Zehn Morde stehen mittlerweile auf seinem Konto. McDunagh hat schon bei mir angeklopft und um eine Zusammenarbeit gebeten.





Es ist wieder mal Sommer geworden, und New Orleans ist nicht mehr das New Orleans, wie wir alle es mal kannten. Welch eine Farce, dass ausgerecht ein so schöner Name wie Katrina für Trauer und Verwüstung sorgte. Der Hurrikan richtete Ende August 2005 in den südöstlichen Teilen der USA, insbesondere an der dortigen Golfküste, enorme Schäden an und erreichte zeitweise die Stufe 5. Zu den betroffenen Bundesstaaten gehörten Florida, Louisiana (besonders der Großraum New Orleans), Mississippi, Alabama und Georgia.

Durch den Sturm und seine Folgen kamen etwa 1.800 Menschen ums Leben. Der Sachschaden belief sich auf rund 81 Milliarden US-Dollar. Insbesondere die Stadt New Orleans, meine Stadt, war stark betroffen: Durch ihre geographische Lage führten zwei Brüche im Deichsystem dazu, dass bis zu 80 Prozent des Stadtgebietes bis zu 7,60 Meter tief unter Wasser standen.

Nun, 2010 haben wir das Beste daraus gemacht. Die Stadt New Orleans pulsiert nun wieder. Wenn man pulsieren als das empfinden kann, was am goldenen Tropf hängend“ bedeutet. Nur die Reichen können es sich leisten, dabei von ”Leben” zu sprechen. Wie immer hat es die arme Bevölkerung hart in Mitleidenschaft gezogen. Ich zähle mich selber dazu.



So war ein Freitagnachmittag herangekommen, als ich wieder mal einen erneuten Anruf von McDunagh erhielt.

„Sie müssen herkommen, Belush. Er - hat wieder zugeschlagen.”
Ich hörte kaum hin, und eigentlich wollte ich nicht antworten. Aber die Zusage: ”Ich komme!” rutschte mir einfach über die Zunge. Mein alter Chrysler hatte den Hurrikan überlebt, und so fuhr ich mit diesem, meinem einzigen und letzten Schatz, an den Tatort. Ein grauenhaftes Bild zeigte sich mir, und ich war dicht davor, mich übergeben zu müssen.

Die Leiche lag am Fluss und war von Schlingpflanzen umhüllt, so als trüge sie das Kostüm für einen Maskenball. Man hatte den Eindruck, es müsse sich um eine noch junge Frau gehandelt haben, wenn man das betrachtete, was sich noch als ehemals menschliches Etwas erkennen ließ.

„Danke dir, dass du gekommen bist, John”, begrüßte mich McDunagh. Wir waren mittlerweile Freunde geworden; zwar Freunde mit kleinen Hindernissen, aber das konnten wir in bestimmten Augenblicken völlig außen vor lassen.

„Hhm”, schnaufte ich und fuhr fort: „Wieso bin ich dir denn so unentbehrlich, McDunagh?”

„Ich brauche ein kluges Köpfchen in meiner Truppe. Und du besitzt eben deine besonderen Fähigkeiten. Das hast du gerade wieder in unserem letzten Fall bewiesen. Ohne dich hätten wir den Schlächter noch lange nicht, wenn überhaupt, dingfest machen können.”

”Ach, diese Sache!” warf ich nur kurz ein und rührte nicht weiter in dem alten Suppentopf herum.

Die Hitze war geradezu unerträglich, und ich wünschte insgeheim, mir einen Sprung ins kalte Wasser leisten zu dürfen . Aber McDunagh holte mich rasch aus dieser Sehnsucht nach etwas Abkühlung zurück in eine reale Wirklichkeit, die aus Mord, Totschlag, Eifersucht und Armut bestand. Ja, New Orleans war zu einem Monster mutiert. Tag für Tag trug es das gleiche Gesicht. Seine Züge bestanden aus Habgier, Prostitution, Diebstahl und Mord. New Orleans war ein Ungeheuer geworden, verkommen zu einer Bestie, im wahrsten Sinne des Wortes.

Es gab zwar auch noch ein paar Menschen in New Orleans, die sich mit ganz normalen Jobs über Wasser halten konnten. Aber davon profitierten nur ein paar Prozent der Bevölkerung. Der Rest der Gesellschaft mogelte sich mehr schlecht als recht so eben gerade durch.

Ich fuhr in mein Büro zurück und machte mir Gedanken über diesen Frauenmörder.

Die erste Frage, die sich mir stellte, war: Warum schnitt er den Frauen die Haare ab? Die zweite lautete: Warum entblößte er seine Opfer? Aber die wichtigste aller Fragen schien mir: Warum ritzte er ihnen Gedichte auf den Rücken? Gedichte die anscheinend von ihm selbst verfasst worden waren.

Elf Gedichte waren bisher bekannt, und alle hatten eine gemeinsame Aussage, die da lautete: Der Engelmacher ist gekommen. Wahrlich, so dachte ich : Ein Spinner mehr auf dieser Welt. Aber man musste diesen Spinner sehr ernst nehmen. Denn nur dann würde man sich an ihn herantasten können. Ich versuchte einzutauchen in eine psychotische Anomalie von Hirnaussetzern, die keine Regeln unserer Gesellschaft zu kennen schienen. Vor allem die Regeln, die besagten: Du sollst nicht töten.

Ich setzte mich an den Computer und gab anhand des uns bekannten Stichwortes den Code Engelmacher’ ein und erfuhr:

Engelmacher werden in der älteren Umgangssprache (zumeist weibliche) Personen bezeichnet, die illegal (ungesetzlich) Schwangerschaftsabbrüche vornehmen“

Das konnte ein Hinweis sein. Brachte er vielleicht Frauen um, die eine Abtreibung wünschten, von ihm erwarteten? Maßte er sich an, die Frauen zu bestrafen? Aber weshalb die Frauen und nicht eher die Engelmacher? Also diejenigen Menschen, die unschuldiges Leben vernichteten, ehe es begann. Eigentlich war mir klar, das konnte nicht die Spur sein, nach der ich suchte. Nein! Oder doch? Ich war mir gar nicht sicher und ließ meinen Gedanken erst einmal freien Lauf.

Erinnerungen an das Mardi Gras 2009 in New Orleans kamen auf. Mardi Gras, auch als Fetter Dienstag und als das Fest der blitzenden, blanken Busen bekannt, bescherte mir echt fette Beute. An diesem Tag ging mir der Schlächter von New Orleans ins Netz.



Ich erhielt einen anonymen Anruf, der besagte, der Schlächter“ würde, als Tunte verkleidet, bei der Parade mitlaufen. Ich machte mich also auf den Weg. Ein Durchkommen durch die tobende Masse schien kaum möglich. Auf dem Mardi Gras Blvd säumten Hunderttausende den Boulevard, und ich schlug mich, mehr schlecht als recht, durch das Gewühl. Nach einigen vergeblichen Stunden auf der Suche nach dem Schlächter gab ich es auf. Es war einfach unmöglich, dort unter all den Tausenden einen Verdächtigen aufzuspüren.

Ich ging also Richtung General DeGaulle Dr und landete in der Calvary Baptist School, als er, der Schlächter, verkleidet als Travestit, mir unter den vielen Kindern, die an Kostümen bastelten. auffiel. Er bemerkte mich sofort, und die Jagd begann. Er lief die Behrman Ave entlang, Richtung Mardi Gras Blvd, wo er sich wieder unter das Volk zu mischen versuchte. Ich sprang immerzu hoch, um über die vielen wippenden, wackelnden Köpfe hinweg schauen zu können, - auf der Suche nach ihm. Er schien wie vom Wind weggeblasen zu sein. Es war 14:00 Uhr, und ich ging in eine Bar, bestellte mir einen Martini und es war mir klar, dass vor mir ein langer Tag und eine lange Nacht liegen konnten. Peeps, ein alter Freund, kam in die Bar und setzte sich zu mir.

„Was machst´n hier?”, fragte er und klopfte mir auf die Schulter.

„Will grad verschwinden”, sagte ich und wollte zu verstehen geben, dass mir nicht nach einem Schwätzchen war und dass ich dabei war, aufzubrechen.

„Bleib doch noch ein paar Minuten”, nuschelte er und sah mich mit halbtrunkenen Augen an. „Siehst ja ganz fertig aus“, lallte er weiter und bestellte zwei Whiskys.

Ich dachte so bei mir: Was solls? Trink ich eben einen mit.

War eine gute Idee, nicht gegangen zu sein. Der Schlächter lief mir doch regelrecht dadurch in die Arme. Ehe er mich erblickte, stürzte ich mich auf ihn, gab ihm einen kräftigen Kinnhaken, und er fiel um wie ein gefällter Baum.
Das arme Würmchen am Boden glich einem armen Hans-Wurst. Wie sagt man doch so weise:

”Doch wer den höchsten Königsthron gewann und keinen Freund hat, ist ein armer Mann.” Dieser da hatte keine Freunde, aber er dachte wohl, er sei ein Königssohn. In seinen Briefen an die Presse beschrieb er sich als ”der Schlächter” den niemand von seinem Thron herunter zu stoßen vermochte. Er sprach davon, ein Gott, der Rächer der Zeit zu sein. Fünf Morde, von denen man wusste, gingen auf sein Konto. Wahrscheinlich waren es sogar noch mehr sei. Aber es fehlten Beweise. Er hatte alle, die er ermordete, wie Vieh ausgeschlachtet und die Körperteile per Post im Paket an die jeweilige Verwandtschaft geschickt.



Mein E-Mail-Account zeigte mir eine Nachricht. Ich öffnete die Nachricht und las: Belush, brauche Sie noch einmal. Habe Tickets für das Steamboat Natchez. Nur für Sie und mich. Eine kleine Mittagsfahrt auf dem Natchez. Eine Fahrt auf den Spuren von Mark Twain's `Huck Finn und Tom Sawyer´.

Na...kommen Sie mit? Vielleicht können wir eine Runde philosophieren, und wir kommen so unserem Frauenmörder ein wenig auf die Spur”.

Die Idee war nicht schlecht. Sich einen frischen Wind um die Ohren wehen zu lassen, das war genau das Richtige, was ich nun brauchte. Ich rief ihn also an und sagte zu.




„Ich will hier raus. Lassen Sie mich gehen, Bitte. Bitte!“ krächzte die vom Schreien zerborstene Stimme der jungen Frau.

Monica Patterson, eine 18 jährige Studentin harrte mittlerweile seit 14 Tage in Gefangenschaft aus. Sie war ein weiteres Opfer des Frauenmörders, und die Qual der Gefangenschaft bei ihm schien kein Ende zu finden.

„Schrei nur so laut und lange du willst. Es hört dich niemand”, sagte er und schob ihr einen Teller mit Essen ins Verlies.

„Was habe ich Ihnen denn getan? Bitte, reden Sie mit mir. Was wollen Sie von mir?“

„Du bist eine Schlampe. Und mit Schlampen rede ich nicht. Und jetzt kannst du endlich Ruhe geben. Sonst...”

Es klopfte irgendwo an einer Tür, und er ging vom Keller aus die Treppe hinauf in die oberen Räumlichkeiten.
„ Habe eine Zustellung für Sie. Bitte, hier unterschreiben!“ sagte der Postbote und ging wieder

Er freute sich wie ein Kind und öffnete das Paket. Er hatte einen Verlag gefunden, der seine Gedichte veröffentlicht hatte, und nun hielt er sein erstes eigenes Buch, seine sichtbar gewordenen Gedanken und Phantasien in der Hand. Er las es immer und immer wieder. Tatsächlich war er begabt. Leider aber auch - ein Wahnsinniger..

Die ständige Unterhaltung mit Fred seinem zweiten Ich empfand er selbst jedoch als völlig normal . Er kannte es ja auch nicht anders. Schon als Kind hatte er Fred, seinen imaginären Freund, an seiner Seite. Und als dieser mit der Zeit die Oberhand über ihn gewann, fügte er sich in sein Schicksal und ließ Fred fortan die Entscheidungen treffen. Er selbst war nur noch das Spiegelbild seiner selbst und viel zu schwach, Fred zu widersprechen. „Wir müssen sie beseitigen“, sagte Fred. „Sie lebt schon viel zu lange. Du wirst nachlässig, Lieber!“

Er wusste, Fred hatte Recht. Es musste getan werden, was nötig war. Nur nicht gleich, nicht jetzt. Er hatte momentan noch keine Zeit. Für das große Werk, das Fred von ihm verlangte.



Er musste pünktlich an seinem Arbeitsplatz erscheinen. Das war seine letzte Chance. Zu oft schon kam er zu spät zur Arbeit. Heute musste er pünktlich sein. Man würde ihn sonst feuern. Das wollte er nicht, auf keinen Fall. Er liebte seine Arbeit im Leichenschauhaus. Dort konnte er sich mit den Toten unterhalten. Sie hörten ihm gerne zu, und er genoss es, ihnen seine neuesten Gedichte vorzutragen. Wo sonst hätte er ein solches Publikum finden können, das ihn nicht unterbrach, wenn er seine neuste Poesie vortrug. Manchmal aber tat ihm sein Kopf weh. Der Schmerz war kaum auszuhalten. Dann schlug er seinen Kopf gegen die Wand, solange bis der Schmerz nachließ.
Die Uhr an der Wand im Leichenschauhaus zeigte Mitternacht an und er stellte, wie er es immer tat, die Stühle kreisförmig auf. Dann setzte er eine Leiche nach der anderen auf den Stuhl.

Heute war ein besonderer Tag, und er konnte seinen toten Freunden endlich sein erstes Buch vortragen. Er gab jeder Leiche einen eigenen Namen, und Patty war seine auserwählte Freundin. Sie mochte er ganz besonders. Patty war sein siebentes Opfer, und scheinbar wurde sie bisher von niemanden vermisst.
Eine Beerdigung lag somit noch in weiter Ferne. Er kannte die Ermittlungsunterlagen und wusste, dass, solange sich keine Angehörigen meldeten, die lieben toten Freunde noch einige Zeit hier im Leichenschauhaus verbringen mussten.

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BeitragVerfasst am: 08.04.2011, 02:27
Sehr viele Informationen auf wenige Worte komprimiert. Kommt bei einigen Passagen eher wie ein Sachbuch / Reiseführer von New Orleans daher. Das Thema, der Ort, die Figuren und die Geschichte sind eine spannende Grundlage, doch Du musst dem Leser die Möglichkeit lassen, etwas Luft zu holen. Die Spannung langsam aufbauen, die Fantasie spielen lassen und dann mit einer Überraschung hinter dem Busch hervorkommen. Die Tote treibt bereits im Wasser, da bin ich mit den Gedanken noch bei der Freundin, die sich (vermutlich) im Knast erhängt hat. Wie gesagt, der Inhalt dieses Anfangs reicht für 50 Seiten. Lese gerne wieder rein.

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  Dominic 
 
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