 | Liliths Kinder - Amra | Verfasst am: 02.06.2009, 11:07 |
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Hallo zusammen!
Nach einer gefühlten Ewigkeit, darf ich auch mal wieder um Kritik und Meinungen bitten.
Ich bin gestern - auch nach einer gefühlten Ewigkeit - mit meinem aktuellen Projekt fertig geworden und stelle nachfolgend einen Teil des ersten Kapitels ein.
Allgemein spielt der Roman/das Buch im Rom des Jahres 1730 (ich habe mich halb tot recherchiert) und erzählt die Geschichte von Aleria/Amra. Sie ist eines von Liliths Kindern, eine Lilim oder auch Halbdämonin.
Kapitel 1
Die Straßen waren wie leergefegt und über der ewigen Stadt lag eine seltsame Stille. Es war ein gespanntes Warten, die berühmte Ruhe vor dem Sturm. Keine Menschenseele begegnete ihr, während sie durch die Gassen lief. Das leise Klacken ihrer Schuhe hallte von den Häusern wieder und war das einzige Geräusch, das die warme Sommerluft erfüllte.
Ein Windhauch begrüßte Aleria, als sie um eine Ecke bog, und trug gedämpftes Murmeln an ihr Ohr. Die Brücke über den Tiber hatte sie schon hinter sich gelassen und befand sich nun auf direktem Weg zu dem Ort, an den es diesen Morgen die ganze Stadt gezogen hatte. Sie war absichtlich spät dran, doch das Wichtigste hatte sie noch nicht verpasst. Noch hatten die Glocken nicht geläutet und die Jubelrufe der Bürger waren nicht erklungen.
Nach der nächsten Biegung eröffnete sich vor Aleria der Platz, der an diesem Morgen nicht nur ihr Ziel gewesen war. Eine wogende Masse aus schlanken und fülligen, großen und kleinen Leibern drängte sich auf dem weiten Platz. Es sah aus wie ein Meer aus lebendigen Blumen, so farbenfroh waren die Gewänder der Stadtbewohner. Ihr verhaltenes Murmeln klang in ihren Ohren wie ein Bienenschwarm.
Statt in der Menge unterzugehen stellte sich Aleria in den Schatten der Bogengänge, die den Platz vor der prachtvollen Basilika säumten. Einzig der große Obelisk stach in der Mitte hervor, leuchtete fast weiß im hellen Sonnenlicht. Eine Brise trug den Duft von Weihrauch zu ihr herüber und weckte alte, sehr alte Erinnerungen. Nur noch wenige Minuten, dann würde es soweit sein.
Unerwartet fühlte sie ein Kribbeln im Nacken, drehte sich jedoch nicht um. Sie fühlte die Anwesenheit einer weiteren Person, ehe diese dicht hinter sie trat. Kühle Lippen küssten ihre Schulter und eine Frauenstimme flüsterte: „Ich wusste, dass du hier sein würdest Amra.“ Bei der Erwähnung ihres echten Namens kribbelte Alerias Magen und sie lächelte. „Was für ein Zufall, dasselbe habe ich von dir auch gedacht.“ Die Frau trat neben sie, sie vollen Lippen ebenfalls zu einem Lächeln verzogen. Aleria war immer wieder davon beeindruckt, wie vollkommen diese Frau aussah.
Das hellblonde Haar schimmerte selbst im Schatten wie gesponnenes Gold, war zu einer eleganten Frisur hochgesteckt. Lediglich einige Strähnen umrammten das vollkommen symmetrische Gesicht. Geringfügig kleiner als Aleria selbst stand die Frau neben ihr wie eine Königin, den schlanken Körper gehüllt in feinste Stoffe. Aber das eigentlich fesselnde waren ihre Augen, die so blau wie der Sommerhimmel und so alt wie die Welt waren.
„Es ist lange her Lilith, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben“, brach Aleria das Schweigen. „Leider ja, darum habe ich mich auf den heutigen Tag gefreut.“ Ehe sie etwas hinzufügen konnte, wurde die Luft von freudigen Rufen und dem volltönenden Klang der Glocken erfüllt. Beide wandten den Blick zu dem Balkon an der Fassade der Kirche. Einige Menschen traten hinaus in den Sonnenschein. Ein Mann, gekleidet in ein prunkvolles Gewand, stellte sich an die Balustrade und hob die Hände. Augenblicke später erstarb der Jubel der Menschen und auch das Geläut verstummte.
„Irgendwie habe ich geahnt, dass sie Lorenzo nehmen“, murmelte Lilith. Aleria löste ihren Blick von dem Mann und sah die Frau neben sich an. „Mich würde interessieren, ob es in Seinem Interesse ist.“ Ein leises, glockenhelles Lachen löste sich aus Liliths Kehle und sie schüttelte den Kopf. „Du fragst mich zuviel. Es ist schon lange her, seit ich mit Ihm geredet habe. Du weißt, Er ist nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen.“ Sie wischte sich eine kleine Lachträne aus dem Augenwinkel und sah wieder nach vorn. Hätte Aleria sie nicht gekannt, hätte sie den verbitterten Zug um ihren Mund vielleicht übersehen, während Lilith sprach: „Diese Menschen haben schon lange verlernt, auf Seine Worte zu hören.“
Aleria unterdrückte ein Seufzen, nickte jedoch. Mittlerweile hatte der auffällig gekleidete Mann seine Stimme erhoben und mit seiner Rede begonnen. Lediglich mit halbem Ohr hörten die beiden Frauen zu. „Wie war Venedig?“, fragte Lilith schließlich. Dieses Mal seufzte Aleria wirklich. „Herrlich, wenn nur nicht die ganze Stadt regelmäßig unter Wasser gestanden hätte.“ „Ich finde, die Venezianer brauchen sich darüber nicht zu wundern, schließlich hat sie niemand dazu gezwungen ihre Stadt ins Meer hinein zu bauen.“
Lilith sah sie an forschend an. „Vermisst du dein Leben dort?“ „Ein bisschen.“ Aleria zuckte unschlüssig mit den Schultern. „Du weißt, dass diese Stadt hier meine Heimat ist.“ „Ja, du kommst schließlich immer wieder hierher zurück.“ Die blonde Frau lächelte liebevoll. „Du bist eines der Kinder, die ich nicht auf dem ganzen Erdball suchen muss.“ Leise lachend hakte sich Aleria bei ihr ein und meinte: „Mit anderen Worten, ich bin berechenbar. Wirklich ein sehr schmeichelhaftes Kompliment.“
Ein eigenartiges Gefühl beschlich Aleria und sie ahnte, dass Lilith gleich ein heikles Thema anschneiden würde. „Du musst herausfinden, was dich so aus der Ruhe bringt“, sagte sie schließlich mit einer Stimme, als würde sie sich nicht in ihrem Körper, sondern an einem fernen Ort befinden. Mit einer Mischung aus Schuldgefühlen und Unbehagen sah Aleria auf das Pflasterstein zu ihren Füßen. Lilith hatte eine Art an sich Dinge zu erkennen, die bestenfalls unheimlich war.
„Kannst du es mir sagen?“ Hellblaue Augen sahen sie an, während Lilith den Kopf schüttelte. „Manchmal frage ich mich, ob du wirklich nur ein Mensch bist“, dachte Aleria laut. Ein kleines Lächeln zupfte an den Mundwinkeln der anderen und sie sagte: „Wer weiß. Aber der Grund, warum ich weiß, dass dich etwas bedrückt, ist keine besondere Fähigkeit, sondern schlichte Beobachtungsgabe.“
Laute Jubelrufe zwangen beide zu einer Gesprächspause. „Hast du nachher noch Zeit?“, fragte Aleria, sobald sie ihre eigenen Worte wieder verstehen konnte. Sie wollte das Thema wechseln, da dies sicher nicht der richtige Ort für solch ein Gespräch war. „Leider nein, ich muss weiter. Ich habe die Drillinge besucht.“ Lilith hatte mehreren Drillingen das Leben geschenkt, doch Aleria wusste, von welchen sie sprach und nickte. „Sie werden in einigen Tagen ankommen. Ägypten schien ihnen gut getan zu haben.“ „Es ist dort ganz nett, aber mich stört der Sand. Es dauert nicht lange und die kleinen Körner hängen überall“, kommentierte Aleria, ehe sie fragte: „Wo gehst du dann hin?“
„Vielleicht nach Russland.“ Lilith grinste vielsagend und fügte hinzu: „Die neue Zarin soll äußerst angetan sein von der neuen Mode.“ Aleria verdrehte die Augen und strich unauffällig über ihren dunkelblauen Rock. Ihr war es ein Dorn im Auge, in welche Richtung sich die Kleider entwickelten. Vor wenigen Monaten, als sie noch in Venedig gewohnt hatte, waren diese hässlichen Reifröcke aufgetaucht, die eine Frau aussehen ließen, als hätte sie ein Brett quer verschluckt. Aleria selbst bevorzugte die klassischen Reifröcke, die die Kleider wie eine große Glocke formten. Zusammen mit einem Mieder getonte es ihre Figur hervorragend. Sie würde den Teufel tun und in nächster Zeit etwas daran ändern.
Lilith beugte sich nah an ihr Ohr und flüsterte: „Ich kann fühlen, was du gestern getan hast.“ „Willst du mich jetzt ausschimpfen?“, neckte Aleria. „Himmel, nein. Du weißt selbst, dass ich euch keinen Vorwurf daraus mache. Schließlich ist das Leben zu lang, um ein ödes Dasein zu fristen.“ Aleria lachte leise, wurde jedoch von einem lauten Ruf von dem Balkon der Basilika unterbrochen. Innerlich spannte sie sich an, denn sie wusste, was nun folgen würde.
„Die Heiligen Apostel Petrus und Paulus, auf deren Machtfülle und Autorität wir vertrauen, sie selbst mögen beim Herrn für uns Fürsprache halten.“ Der Stimme des Mannes konnte man genau anhören, dass er seine besten Tage bereits hinter sich hatte. Trotzdem antworteten alle Menschen auf dem Platz voller Ehrfurcht: „Amen.“ „Aufgrund der Fürsprache und der Verdienste der seligen allzeit jungfräulichen Mutter Maria, des heiligen Erzengels Michael, des heiligen Johannes des Täufers und der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen, erbarme Sich euer der allmächtige Gott und nachdem Er alle eure Sünden vergeben hat, führe euch Jesus Christus zum ewigen Leben.“
„Mir kann niemand erzählen, dass Maria wirklich allzeit Jungfrau war“, sagte die Blondine missmutig. „Amen“, ertönte der Chor. „Lilith, du bist zynisch.“ Sie zuckte lediglich mit den Schultern und ging nicht auf Alerias Worte ein. „Der allmächtige und barmherzige Herr gewähre euch Nachlass, Vergebung und Verzeihung all eurer Sünden, einen Zeitraum echter und fruchtbarer Reue, ein allzeit bußfertiges Herz und Besserung des Lebens, die Gnade und die Tröstung des Heiligen Geistes und die endgültige Ausdauer in den guten Werken.“
Die Antwort der Gläubigen hallte über den gesamten Platz: „Amen.“ Die Schlussworte des neuen geistlichen Oberhaupts hörten sich bereits schwach an. „Und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme auf euch herab und bleibe bei euch allezeit.“ „Amen.“
Neben Aleria rieb sich Lilith über die Arme, als hätte sie eine Gänsehaut. „Ich habe genug von dem, was Er von oben schickt. Von mir aus können sie alle dort bleiben.“ „Ja“, stimmte Aleria ihr zu. Unbewusst fasste sie sich an den Nacken und rieb über die versehrte Stelle auf ihrer ansonsten makellosen Haut. Bewegung kam in die Menschenmasse und Lilith legte eine Hand auf Alerias. „Ich muss los.“ Beide sahen sich an und lächelten. „Es war schön, dich wieder zu sehen“, sagte Aleria. Lilith küsste sie auf die Stirn und trat einen Schritt zurück. „Pass auf dich auf.“ „Natürlich. Du auf dich auch, Mutter.“
Grüße
Maya |
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 | | Verfasst am: 02.06.2009, 13:10 |
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Hallo Maya,, das ist alles in allem ein sehr schöner Text, gut zu lesen, spannungsaufbauend ect. Beim ersten Lesen, sind mir nur minimale im Grunde unwichtige Ungereimtheiten aufgefallen, die mich persönlich im lesefluss gestört haben.
"Ihr (natürlich das der Stadtbewohner, das ist klar) verhaltenes Murmeln klang in ihren (das ist weniger klar- natürlich ist es Aleria aber das würde ich auch schreiben, weil sie davor 2 Sätze lang nicht namentlich erwähnt wurde, so hat der Leser eine genaz schnelle Rückversicherung wessen ohren gemeitn sind.) Ohren wie ein Bienenschwarm."
"Unerwartet fühlte sie ein Kribbeln im Nacken, drehte sich jedoch nicht um. Sie fühlte die Anwesenheit einer weiteren Person, ehe diese dicht hinter sie trat."(> beim zweitem fühlte kann man doch auch spürte oder nahm... wahr sagen)
"Die Frau trat neben sie, sie vollen Lippen ebenfalls zu einem Lächeln verzogen. Aleria war immer wieder davon beeindruckt, wie vollkommen diese Frau aussah."(> für dies Frau kann man doch auch sie sagen, denn die andere Frau wurde schon im Satz vorher erwähnt und Aleria wird im selben Satz erwähnt- als keine Verwechslungsgefahr.
Aber das eigentlich fesselnde waren ihre Augen, die so blau wie der Sommerhimmel und so alt wie die Welt waren. > ach ist das wunderbar lyrisch, prosarisch will ich behaupten
„Es ist lange her Lilith, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben“, brach Aleria das Schweigen. „Leider ja, darum habe ich mich auf den heutigen Tag gefreut.“ >>> Wenn ein anderer Spricht immer neue Zeile!!!
Lachträne-- gibbet nicht. vor lachen eine Träne vielleicht?
"Statt in der Menge unterzugehen, stellte..."
"Ich wusste, dass du hier sein würdest,(> da bin ich mir nicht so sicher) Amra..."
"Du weißt, Er..."klein geschrieben
Okay, das war jetzt erst mal die Hälfte ich mache später weiter  |
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Kris. K. |
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| Anmeldedatum | 15.03.2009 | | Beiträge | 510 | |
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 | | Verfasst am: 02.06.2009, 14:02 |
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Grundsätzlich ist der Text sehr angenehm zu lesen. Ein etwas differenziertes Bild von Lilith, gefällt mir aber alles ziemlich gut.
Das größte "Problem" ist wohl die Anordnung der direkten Reden. Das geht so überhaupt nicht, auch wenn meistens aus dem Text dann schon klar wird, wer spricht, stellt das eine unnötige Arbeit für den Leser dar. Hat ja Kris auch schon erwähnt.
Ansonsten will ich gar nicht allzu viel dazu sagen. Den Ausschnitt finde ich sehr gelungen. Die Atmosphäre des Platzes kommt wunderbar rüber, ich hatte beim Lesen ein schön klares Gesamtbild im Kopf.
Bei der >fühlte<-Wortwiederholung stimme ich mit Kris auch überrein, bei der >weiß<-Sache des Obelisks eher nicht, aber egal.
| Zitat: |
| Lediglich einige Strähnen umrammten das vollkommen symmetrische Gesicht. |
>... umrahmten ...<
Soweit ich alles richtig verstanden habe ist mit den >... Er ...< und >... Seinen ...< in einigen Sätzen von Gott die Rede, also würde ich es wohl auch groß schreiben.
Soviel dazu von meiner Seite.
Grüße,
chris |
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CM87 |
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 | | Verfasst am: 02.06.2009, 15:05 |
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Vielen Dank euch beiden für eure Meinungen/Anregungen/Verbesserungen und natürlich für das gelegentliche Lob.
@ Kris K.
Ich hab noch nichts formatiert, aber das mit dem "Neue Zeile bei wörtlicher Rede" hab ich im Hinterkopf.
Ach ja... und die lieben Wortwiederholungen... brauch ich ja nix sagen.
Mit dem "Er" und "Seinen" hat Chris schon recht, da ist die Rede von Gott. Ich wollte das am Anfang nicht so deutlich herausstellen. Habe diese Schreibweise schon öfter gesehen und kurzerhand übernommen.
@ CM87:
Peinlicher Schreibfehler... Aber normale hab ich noch nie gemacht...
Grüße
Maya |
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