 | Literatur satt | Verfasst am: 24.06.2010, 12:09 |
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Klaus D. Klimke |
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 | Re: Literatur satt | Verfasst am: 24.06.2010, 14:26 |
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hawepe |
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 | | Verfasst am: 24.06.2010, 15:35 |
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skipteuse |
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 | | Verfasst am: 24.06.2010, 15:48 |
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hawepe |
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 | | Verfasst am: 25.06.2010, 08:53 |
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Würde ich ja gern - wollt sie auch mit deinem Beitrag auf deinem Blog vergleichen, doch kam gestern spontan ein Freund mit Wein, Oliven und Urlaubsfotos vorbei, und so wurde es spät und später ... Und ich hab die Literatur doch glatt mal kurz vergessen
Werde aber mal die Texte an sich anschauen. Ich denke, villeicht schaff ich es am Wochenende ...
Gibt es hier denn noch weitere Meinungen zu diesem Thema?
Gruß,
Babs |
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skipteuse |
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 | | Verfasst am: 25.06.2010, 10:44 |
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hawepe |
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 | Re: Literatur satt | Verfasst am: 26.06.2010, 01:45 |
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| hawepe hat Folgendes geschrieben: |
Hallo Klaus,
| Klaus D. Klimke hat Folgendes geschrieben: |
Ingeborg-Bachmann-Preis
wer denn Zeit hat: div. Lesungen heute auf 3Sat |
Oder auf http://bachmannpreis.eu/de/texte einfach die vorgetragenen Texte nachlesen.
Meine Eindrücke über die heute vorgestellten fünf Texte habe ich in meinem Blog auf dem Bücherbrett unter http://merky.de/d62236 und http://merky.de/8084fc festgehalten.
Beste Grüße,
Heinz. |
Ich habe mir am Freitag nachmittag zwei Lesungen zum Bachmann-Preis angehört: Der erste Text stammt von Judith Zander, ein Auszug aus »Dinge, die wir heute sagten«. Wie gesagt, ich habe die Lesung gehört, den Text aber weder mit- noch so gelesen.
Um 1970. DDR. Ein junges Mädchen wird Opfer einer Vergewaltigung und dadurch schwanger. Gleichzeitig führt die Verdrängung der Tat zu einer Art Bewusstseinsspaltung. Weder die Schwangerschaft noch die Reaktion der Umwelt noch die Geburt dringt zu dem Mädchen durch. Der Vergewaltiger verschwindet - obwohl namentlich bekannt -, die Freundinnen auf der LPG entpuppen sich als dämlich gackernde Gören, und die Mutter nimmt das Schicksal hin, wie es kommt: Ein tristes Leben in einer tristen Umgebung. Die Auseinandersetzung mit der Tat und den Folgen erlebt das Mädchen als Erzählerin der Geschichte in der (ungewöhnlichen) Du-Form. Sie spricht in Gedanken fortwährend mit sich selbst, redet sich aber stets mit »du« an.
Das Problem des Textes ist die Umsetzung der Gleichgültigkeit. Das Mädchen ist gleichgültig gegenüber sich selbst, der Tat, dem Täter, ihren Mitmenschen auf einer LPG nahe Anklam, ihrem Kind - vor und nach der Geburt. Diese Gleichgültigkeit als Grundton in der Erzählung durchzuhalten, ist wahnsinnig schwierig und ein großes Risiko, den Leser zu verlieren. Judith Zanders Sprache ist sehr dicht, fast wie gewebt und trifft den Ton der Geschichte.
Anfangs hatte ich gewisse Probleme, der Autorin zu folgen, aber nach den ersten fünf Minuten bin ich dann doch dabeigeblieben, allein schon wegen der Fabulierkunst von Zander. Wenn nur nicht das Problem wäre, eine Haltung der Gleichgültigkeit in einen Text zu packen.
Nach Judith Zander kam Josef Kleindienst mit seiner Geschichte »Ausflug«. Kleindienst stellte sich selbst als jemand vor, der Grenzen aufbrechen und Stimmungen erzeugen will (siehe dazu auch das Videoportrait auf bachmann.eu). Zu seiner Geschichte:
Drei - vermutlich jüngere - Leute (Wolfgang, Albert und Silke) machen gemeinsam einen Ausflug mit der Bahn. Weil Wolfgang von Silke noch 20 Euro zu bekommen hat und Silke diese Schuld nicht rechtzeitig bezahlt hat, soll sie die 20 Euro an ihm abarbeiten, so »wie alle Frauen ihre Schulden abarbeiten«, sagt Wolfgang - was nichts anderes heißt, dass er Silke fortwährend zu sexuellen Diensten an sich, an Albert und an einem unbekannten Dicken zwingt - zum Teil unter Gewaltandrohung. Nach einer durchzechten Nacht bindet Wolfgang Silke ein Seil um den Hals und zieht sie hinter einem Auto die Straße entlang. Weil der Sprit auszugehend droht, fahren die drei gemeinsam zur Tankstelle und werden unterwegs von einer Polizeistreife gestoppt. Silke kann fliehen, kotzt einer Polizistin vor die Füße, während Wolfgang und Albert davonbrausen. Ende der Story.
Während der gesamten Lesung von Kleindienst bekam ich immer größere Zweifel, ob ich bei der richtigen Veranstaltung war oder aus Versehen auf einen falschen Sender umgeschaltet hatte. Denn was Kleindienst da vorlas, klang für mich wie die Gewalt- und Pornophantasien eines Trivialromanschreibers. Die Sätze waren einfach, billig, bestimmte Begriffe wiederholten sich ständig, die Figuren wirkten eindimensional, die Handlungsweise der drei Figuren kaum nachvollziehbar, die Abläufe nicht schlüssig und irgendwie beliebig aneinander gepappt. Die Sex- und Gewaltszenen wirkten auf mich wie "Effekt um Effekt willen". Dazu Dialoge ohne Esprit, Intelligenz oder Gefühl.
Außerdem verstärkte sich mein Eindruck, dass Kleindienst - bewusst getan oder weil er es nicht besser kann - sein Schreibhandwerk nicht beherrscht. Er springt willkürlich in den Perspektiven herum, ohne sich auf eine seiner drei Figuren zu konzentrieren. Gelegentlich stimmen die Sprecherverben nicht, und als dann »sich seine Augen an ihre Oberschenkel hefteten«, war's bei mir endgültig vorbei. Fehler wie bei einem Anfänger!
Da wurden keine Grenzen aufgebrochen oder Stimmungen erzeugt, wie Kleindienst anfangs sagte. Ich kenne Schreibgruppen, da wäre dieser Text allein wegen seiner handwerklichen Mängel heftigst kritisiert worden. Am Ende habe ich mich gefragt, was so ein Text beim Bachmann-Wettbewerb zu suchen hat. Oder wie ein Bekannter zu solch schlechten Texte kurz und bündig sagt: »Tonne - aber ganz unten!«
Mein Eindruck von Kleindienst nach seiner Lesung: Da hat sich jemand in die Veranstaltung geschlichen, um die Jury auflaufen zu lassen. HURZ!!!
Grüße
Siegfried |
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Siegfried |
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 | Re: Literatur satt | Verfasst am: 26.06.2010, 05:41 |
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| Siegfried hat Folgendes geschrieben: |
Gelegentlich stimmen die Sprecherverben nicht, und als dann »sich seine Augen an ihre Oberschenkel hefteten«, war's bei mir endgültig vorbei. Fehler wie bei einem Anfänger!
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Da hätte ich mal eine Frage. Wo sind da eigentlich die Grenzen, die aus solchen "Bildformulierungen" Fehler machen?
Sowas wie: Langsam öffnet sie ihre Augen.
Das wäre dann auch falsch, weil sie ja sicher nicht ihre Augen in der Hand hält und diese mit z.B. einem Messer "öffnet".
Mein Eindruck ist, dass solche Formulierungen doch eher "ok" sind, man sollte sie nur nicht zu häufig bringen.
Grüße |
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malschaun |
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 | | Verfasst am: 26.06.2010, 06:08 |
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Klaus D. Klimke |
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 | | Verfasst am: 26.06.2010, 08:27 |
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| Hallo, Siegfried, es wäre ergiebiger, wenn du einen Text aus eigener Feder vorstellen würdest, anstatt auf den Wortschöpfungen anderer herumzutrampeln. Was deiner eigenen geistigen Erektion förderlich scheint, muss anderen nicht unbedingt gefallen. |
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Detlef Schumacher |
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 | | Verfasst am: 26.06.2010, 10:18 |
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Lieber Detlef,
| Detlef Schumacher hat Folgendes geschrieben: |
| Hallo, Siegfried, es wäre ergiebiger, wenn du einen Text aus eigener Feder vorstellen würdest, anstatt auf den Wortschöpfungen anderer herumzutrampeln. Was deiner eigenen geistigen Erektion förderlich scheint, muss anderen nicht unbedingt gefallen. |
Das ist jetzt aber unsachlich und daher der Diskussion abträglich. Ich kenne Siegfrieds Kommentare als stets sachlich fundiert, obwohl ich nicht immer einer Meinung bin mit ihm. Ich wünschte, wir hätten mehr User seines Kalibers. Er ist einer der Wenigen, die sich auch melden, wenn es nicht nur darum geht, Honig um die Ohren zu schmieren. Das ist eine undankbare Position die bedeutet, sich zu exponieren und Angriffsfläche zu bieten.
Bei anderen klugscheißern ist immer leichter, als es selbst besser zu machen. Das ist eine Binsenweisheit, Detlef. Im übrigen muss es jedem selbst überlassen bleiben, in welcher Form er sich im Forum einbringt.
LG
ricochet |
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_________________ Ich schreibe, also bin ich. |
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ricochet |
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 | | Verfasst am: 26.06.2010, 10:58 |
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| Detlef Schumacher hat Folgendes geschrieben: |
| Hallo, Siegfried, es wäre ergiebiger, wenn du einen Text aus eigener Feder vorstellen würdest, anstatt auf den Wortschöpfungen anderer herumzutrampeln. Was deiner eigenen geistigen Erektion förderlich scheint, muss anderen nicht unbedingt gefallen. |
Aber nur, wenn du ihn dann auch dezidiert in die Einzelteile zerlegst ...
Rota
Die Schwerthiebe trafen den Unhold dicht an dicht. Links, rechts. Ein Schlag gegen die Schulter. Ein Stoß in den Körper. Plötzlich krachte es, und Rota hielt nur noch die Hälfte seines einfach geschnitzten Holzschwertes in der Hand.
»Verdammt!« Er zog die Spitze der Klinge aus den Lumpen, die der Vogelscheuche als Kleidung dienten, und betrachtete die Bruchstelle. Das lässt sich nie wieder zusammensetzen, dachte er und seufzte.
Rotas Vater erschien am Feldrand. Er hielt zwei Hacken mit langen Holzstielen und reckte eine davon hoch. »Rota! Was machst du da? Du sollst doch das Feld jäten. Nun komm schon!«
Rota warf die Reste seines Holzschwertes unter die Vogelscheuche und schlurfte zu seinem Vater.
»Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du diese Krieger-Spielereien sein lassen sollst! Du bist der Sohn eines Bauern, also benimm dich auch so.« Sein Vater drückte ihm eine Hacke in die Hand. »Heute ist dein letzter Tag auf dem Feld. Morgen übernimmst du die Ziegenherde, also mach dich an die Arbeit.«
»Ja, Vater.« Rota klemmte sich die Hacke unter den Arm, als würde er eine Lanze führen. »Bin ja schon unterwegs.«
Sein Vater wies ihm eine Ecke des Feldes zu, wo er das heftig sprießende Unkraut aus der Erde schlagen sollte. So stand Rota vornüber gebeugt zwischen fast mannshohen Stauden und fuhr mit der Hacke in das hellgrüne Bodenkraut. Die Sonne brannte im Nacken, und nach einiger Zeit begann Rota der Rücken zu schmerzen.
Und während er Fußbreit um Fußbreit das Feld bearbeitete, verwandelte sich das Kraut in seiner Phantasie, bekam Arme, Beine, Köpfe, reckte Schwerter und Lanzen in die Höhe. Rota sah sich heranstürmenden Wellen feindlicher Krieger gegenüber, die zwischen den Stauden hervorbrachen und sich an seine Knöchel klammerten. Die Klinge der Hacke fuhr in die Reihen der hellgrünen Angreifer und machte den Gegner zu Dutzenden nieder.
»Was treibst du da eigentlich?«
Eine Stimme riss Rota aus seinen Tagträumen. Wigand, sein ältester Bruder, stand neben ihm und glotzte ihn verständnislos an.
»Du hast andauernd nimm dies, Bastard gerufen. Ich dachte, du wirst von jemandem angegriffen!« Wigand tippte sich mit dem schmutzigen Zeigefinger an die Schläfe. »Dir bekommt die Sonne wohl nicht, was?«
»Was verstehst du schon«, antwortete Rota. »Du bist eben nur ein Bauer.«
Es dauerte, bis Wigand begriff. Dann ließ er seine Hacke fallen, als wäre sie ihm zu heiß geworden, grunzte kurz und stürmte los.
Rota kannte diese Wutausbrüche. Wigand war größer, schwerer und vor allem stärker als er, dafür aber so langsam wie die Sonne am Himmel. Mit einem schnellen Schritt wich Rota zur Seite aus, und schon stürmte Wigand ins Leere. Rota wirbelte die Hacke durch die Luft und knallte dem Bruder den Holzstiel quer vor die Brust. Der zweite Hieb krachte in Wigands Genick. Der ächzte und fiel zu Boden.
»Sieg!« Rota stieß die Hacke gen Himmel. Plötzlich hielt er inne. Auf dem Feldweg, nur einen Steinwurf entfernt, waren zwei Reiter aufgetaucht, als wären sie dem Boden entsprungen.
Einer der beiden saß auf einem schwarzen Ungetüm von Schlachtross, größer als jedes Pferd, das Rota je gesehen hatte. Die Schulter des Tieres würde jeden Mann im Dorf überragen, die Hufe schienen größer zu sein als die Kohleschaufeln, die der Dorfschmied für seine Esse benutzte, und das Maul war gemacht, um einem Mann den Arm abzubeißen. Der Reiter trug ein dunkles Lederwams, in das ein Zeichen eingebrannt war, das Rota aus vielen Beschreibungen kannte: Das königliche Siegel. In der rechten Hand hielt der Mann eine Streitaxt, die er quer über den Sattel gelegt hatte. Der Griff eines Schwertes ragte aus der Deckenrolle hinter dem Sattel, und ein Rundschild hing seitlich über die Flanke des Pferdes.
Ein Krieger des Königs.
Das Pferd des zweiten Reiters war deutlich kleiner. Auch schien der Mann wesentlich jünger zu sein als der erste. Er trug einen einfachen Bogen, und an beiden Seiten des Sattels hingen Köcher, aus denen gefiederte Pfeilschäfte ragten.
Wigand kam wieder auf die Beine und rieb sich den Nacken. »Du Bastard!« fluchte er, griff aber nicht noch einmal an.
»Schau!«, flüsterte Rota. »Reiter des Königs.« Er packte die Hacke fester. Seine Augen glänzten, und um seine Lippen spielte ein Lächeln. »Vermutlich ziehen sie gegen Fallessia.«
»Mir egal«, brummte Wigand und blickte sich nach seiner Hacke um. »Wir müssen die Felder bestellen. Vater zieht uns die Ohren lang, wenn wir die Arbeit nicht machen.«
Rota hörte kaum zu. Aufgeregt wechselte er von einem Bein aufs andere, präsentierte die Hacke wie eine Lanze, kam sich dann aber wie ein Tölpel vor und versuchte, sie hinter dem Rücken zu verstecken.
Der Krieger auf dem Riesenpferd kam langsam näher. Das Sonnenlicht blitzte auf der Klinge der Streitaxt, das lederne Zaumzeug knarrte, untermalt von dem dumpfen Geräusch der Hufe. Direkt vor Rota zügelte der Krieger sein Tier. Aus Nüstern, die so groß wie Bärenhöhlen schienen, traf Rota warmer Atem.
»Du kämpfst gut«, sagte der Krieger und nahm seinen Helm ab. Blondes, zu kurzen Zöpfen geflochtenes Haar fiel bis auf die Schultern. Auf Kinn und Wangen stand dichter Bart. »Ich habe gesehen, wie du mit dem Großen da umgesprungen bist.«
»Das ist mein ältester Bruder, Herr«, antwortete Rota hastig. »Er heißt Wigand. Und ich Rota.«
»Du bist schnell, flink, und du weißt mit den Waffen zu kämpfen, die dir zur Verfügung stehen«, fuhr der Mann fort. »Aus dir könnte ein brauchbarer Krieger des Königs werden.«
»Ja, Herr!« Rota platzte fast vor Stolz. Er drückte das Kreuz durch, wippte auf den Fußballen, um sich größer zu machen und strahlte über das ganze Gesicht. Vielleicht würde dieser Krieger ihn von der Fronarbeit auf Vaters Feldern erlösen.
»Wie alt bist du?«
»Dreizehn, Herr. »
»Dreizehn? Ein wenig zu jung, um in den Krieg zu ziehen.«
Rotas Lächeln erstarb. Zu jung! Das klang wie sein Vater.
»Ich habe fast dreizehn Sommer auf einen Krieg warten müssen«, fuhr der Reiter fort. »Auf meinen Krieg. Und jetzt ist es endlich soweit.«
»Nach der Ernte im nächsten Jahr werde ich am Großen Ritual teilnehmen, Herr«, sagte Rota. »Dann bin ich nicht mehr zu jung. Ihr reitet gegen Fallessia?«
Der Krieger nickte. »Dieses Otterngezücht überfällt unsere Grenzprovinzen und treibt die Bauern als Sklaven in die Minen. Einen Tagesritt von hier marschiert unsere Armee. Und in drei oder vier Tagen stehen wir dem Feind in Fallessia gegenüber. Das wird ein großer Sieg.« Der Krieger schwieg für einen Moment. Dann stülpte er sich den Helm wieder über und hob die Hand zum Gruß: »Ruhm und Ehre dem König!«
»Ruhm und Ehre dem König«, wiederholte Rota.
Der Krieger nahm die Zügel wieder auf und dirigierte sein Pferd an Rota vorbei. Mit einer Hand bedeutete er dem Bogenschützen, ihm zu folgen.
In der nächsten und übernächsten Nacht träumte Rota, wie er an der Seite des Kriegers im gestreckten Galopp auf die fallessischen Linien zupreschte, wie sie in die Reihen der Feinde einbrachen und mit Schwert und Axt unter ihnen wüteten. Aber jedes Mal, wenn der Kampf am heftigsten tobte, wenn der Sieg greifbar nahe war, zerbrach sein Schwert, und Rota wachte schweißbedeckt auf.
Die Tage vergingen. Rota als Jüngstem seiner Familie war die Aufgabe zugefallen, die Ziegen des Dorfes zu hüten, sie allmorgendlich auf die Weide zu treiben, vor wilden Tieren zu schützen, und bei Anbruch der Dämmerung in das große Gatter nahe des Dorfplatzes zurück zu bringen. Rota mochte die Zeit des Hütens. Es passierte ohnehin nichts, und so lag er einfach im Gras, lauschte den Vögeln und sah der Sonne auf ihrem Weg über den Himmel zu.
Heute aber hatte er etwas anderes im Sinn. Aus dem nahen Wald hatte er sich eine Handvoll Baumharz besorgt. Mischte man erwärmtes Harz im richtigen Verhältnis mit dem Saft des Gelben Schilfrohres und gab noch etwas fein geriebene Asche eines Holzfeuers hinzu, so erhielt man eine äußerst klebrige und extrem aushärtende Masse, mit der man angeblich sogar zerborstene Metallteile wieder zusammenfügen konnte. Das jedenfalls hatte der alte Waldläufer behauptet, den Rota letzten Sommer hier getroffen hatte.
Warum sollte es dann nicht auch bei einem zerbrochenen Holzschwert klappen?
Am Tag nach der Begegnung mit den Kriegern hatte Rota sich das Schwert von der Vogelscheuche zurückgeholt und es im Dachgebälk seines Elternhauses versteckt. Vater würde toben, wenn er mein Schwert findet, dachte Rota, als er über die Wiesen hinunter zum Fluss lief.
Mit jeder Schneeschmelze hatte sich der Fluss ein tieferes Bett gegraben. Besonders dort, wo das Wasser seine Richtung änderte, unterspülte es die Uferböschung und riss gelegentlich etwas vom Erdreich mit sich. Rota hielt auf eine Weide zu, die schon seit vorletztem Winter in den Fluss zu stürzen drohte. Unterhalb des Baumes stand das Gelbe Schilfrohr. Rota sprang die Böschung hinunter. Das Schilfrohr zu finden und zu schneiden war einfach. Es auszupressen und den Saft in der kleinen Kürbisflasche zu sammeln, die er sich von daheim mitgebracht hatte, jedoch eine ganz andere Sache.
Rota federte seinen Sprung im Ufersand ab und wollte sich gerade über das Schilfrohr hermachen, als er Wolken von schwarzen Fliegen bemerkte, die auf der anderen Seite des Weidenbaumes summten und kreisten. Vorsichtig näherte er sich den Insektenschwärmen. Dann hielt er inne, hob die Nase und schnupperte. Es roch süßlich. Und eklig. Als er über eine Luftwurzel des Weidenbaumes kletterte, sah er das tote Pferd im Sand.
Das Maul war weit aufgerissen, die Zunge hing blau heraus, und das eine sichtbare Auge blickte stumpf. Fliegen krabbelten über den Pferdekopf, in Nüstern, Ohren und über den Augapfel. Das hellbraune Fell glänzte an vielen Stellen schwarz. Gelblich-weißer Schaum bedeckte Hals und Brust des toten Pferdes und klebte an Zaumzeug und Sattel.
»Wasser ...«
Die Stimme klang so heiser, dass Rota sie kaum verstand. Er blickte sich um. Am Fuße der Uferböschung saß ein Mann, den Rücken gegen die Luftwurzeln des Weidenbaums gelehnt. Er trug einen Helm und einen blutverschmierten Brustpanzer. Um das rechte Schultergelenk waren mehrere Tücher geschlungen, doch selbst die Stofflagen von einer halben Spanne Dicke hatten ein Durchbluten nicht verhindern können. Außerdem war der rechte Unterschenkel ganze offensichtlich gebrochen.
»Merkwürdig, nicht?« Die Stimme der Kriegers klang jetzt etwas kräftiger. »Fünf Mal hat er es versucht. Fünf Mal. Die Böschung hinauf, mit mir im Sattel. Nachdem ich ihn zwei Tage und Nächte gnadenlos angetrieben hatte. Dann ist er vor Erschöpfung zusammengebrochen. Armer Kerl! Einen halben Tag habe ich gebraucht, um mich unter ihm frei zu graben. Jetzt kann ich mich nicht mehr bewegen. Alles taub, vom Hintern an abwärts. Das wird den Frauen nicht gefallen.« Er lachte, hustete dann und stöhnte schließlich. »Hast du Wasser?«
»Ja. Das heißt, nein. Aber gleich.«
Rota zog die kleine Kürbisflasche hervor und ging ein paar Schritte in den Fluss hinein. Ein Krieger, dachte Rota und verlor vor Aufregung fast die Flasche in der Strömung. Ein Krieger, der aus einer Schlacht kommt. Einer wirklichen Schlacht! Er stapfte zurück ans Ufer, kniete sich neben den Verwundeten und setzte ihm die Flasche an die Lippen. Der Mann trank gierig.
»Was ist geschehen?«
Etwas Wasser lief dem Krieger aus dem Mundwinkel, vermischte sich mit Blut und hinterließ eine hellrote Spur im Bart.
»Fallessia. Sie haben uns eingekreist.« Der Krieger stöhnte auf. »Wir wurden abgeschlachtet ... Mehr Wasser!«
Rota gab dem Mann erneut zu trinken. Dann löste er den Riemen, der unter dem Kinn entlang führte, und nahm ihm den Helm ab. Rota sah blondes Haar, das zu kurzen Zöpfen geflochten war.
»Ihr?«
Der Mann blickte ihn an. Sein Atem ging kurz, wie bei einem Hund, den man lange gehetzt hatte. »Kennen wir uns?«
»Vor ein paar Tagen. Bei der Feldarbeit. Ihr wart auf einem riesigen Pferd unterwegs und sagtet, aus mir könnte ein guter Krieger werden. Aber ich wäre noch zu jung, und außerdem hättet ihr schon einen Begleiter. Einen Bogenschützen.« Rota stockte. »Was ist aus ihm geworden?«
»Tot. Gleich zu Beginn der Schlacht.« Der Krieger sprach langsam, als ob die Erinnerung nur bruchstückhaft wiederkehren wollte. »Ein Axthieb traf ihn in die Hüfte. Er lag vor mir am Boden, so wie du jetzt, hielt sich die Wunde und schrie nach seiner Mutter.« Der Krieger wandte den Kopf ab. »So viele haben nach ihren Müttern geschrieen.«
»Und Euer Pferd?«
»Drei Lanzenträger. Einer hat mich in der Schulter erwischt. Dabei hatte ich noch Glück. Sie ließen mich für tot liegen. Später fand ich dann das andere Pferd.«
Rota fasste nach dem Verband und hob ihn vorsichtig an. Bei allen Göttern!, dachte er, als er das große Loch in der Schulter sah. Für einen Moment wurde ihm schlecht.
Der Krieger packte mit der linken Hand Rotas Arm und schob ihn weg. Auf seinen Lippen erschien schaumiges Blut.
»Es war so anders. Verstehst du?« Der Mann hustete. Noch mehr Blutschaum. »So ganz anders. Dreizehn verdammte Sommer habe ich auf diesen Tag gewartet, und dann war alles so anders.«
»Ihr braucht einen Heiler«, sagte Rota. »Ihr verblutet, wenn Ihr keine Hilfe bekommt. Ich hole jemanden aus dem Dorf.«
Der Mann ließ ihn nicht los. »Diese Schreie. Überall. Hast du schon mal Pferde in Todesangst schreien gehört? Wie Menschen. Und die Menschen brüllen wie Tiere.« Die Stimme des Kriegers wurde leiser.
In Rotas Kopf schwirrten die Gedanken durcheinander wie die Fliegen auf dem toten Pferd. Nein, dachte Rota, ich weiß nur, wie Schweine quieken, im Herbst, wenn sie geschlachtet werden. Wie ihr Kreischen im ganzen Dorf zu hören ist, und wie ich dieses Geräusch hasse. Schreien so Krieger in der Schlacht? Rota sah dem Mann ins Gesicht. Hat er etwa auch geschrieen wie ein Schwein auf der Schlachtbank?
Rota schüttelte den Gedanken ab. Er musste etwas tun. Die schweren Verletzungen des Kriegers konnte er nicht behandeln. Im Dorf gab es ein paar Frauen, die sich darauf verstanden. Aber selbst wenn er zum Dorf rannte - es kostete zu viel Zeit. Zeit, in der der Mann sterben würde. Er musste jetzt helfen, jetzt, sofort. Das Leben des Kriegers lag in seinen Händen. Und ein Krieger lässt einen anderen nicht im Stich. Helfen, jagte es durch Rotas Kopf, ich muss helfen. Aber wie?
Plötzlich verstärkte sich der Griff des Mannes an seinem Arm wieder. Sein Kopf fuhr herum, und dann zog er Rota dicht zu sich heran.
»Sie lügen«, sagte er, und seine Stimme klang fest und klar. »Du darfst ihnen nicht glauben. Versprich mir das. Sie reden immer von Ruhm und Helden und Tapferkeit. Sieh mich an! Ist es ruhmreich, hier so zu krepieren? Für einen König irgendwo weit weg? Sie sagen dir nie, wie es wirklich ist. Nie! Verstehst du? Es gibt keine Helden. Nur ... Lügen.«
Sein Griff lockerte sich, und langsam neigte sich sein Kopf zur Seite. Ein letztes Mal atmete er aus. Es klang wie der Wind, der durch das Geäst eines entlaubten Baumes fuhr.
Nein!, schrie eine Stimme in Rota. Nein! Helden sind Helden! Die sterben nicht an Flussufern. Die quieken auch nicht wie Schweine. Oder schreien nach ihren Müttern. Sie sterben aufrecht. Ehrenhaft. Du lügst. Du bist es, der lügt.
Rota rutschte ein Stück von dem toten Krieger weg.
Glaubst du das wirklich? Da war eine zweite Stimme, klar und ruhig, und drängte die erste zur Seite. Sieh ihn dir an. Er war dort, wo du hin wolltest. In einer Schlacht, in der Helden gemacht werden. Helden! Aber er hat keine gesehen. Nun ist er elend gestorben. Helden sind etwas für Erzählungen an langen Winterabenden am Feuer. Sie taugen nicht für das wirkliche Leben.
Lange Zeit blieb Rota so hocken, und die Stimmen kämpften erbittert miteinander.
Als sich die Nacht ankündigte, trieb Rota die Ziegen zurück in das Dorf. Auf dem Platz unter der weit ausladenden Buche hatten sich die Leute versammelt und hörten einem Fremden zu, der hoch auf einer Leiter stand, die am Baum lehnte.
»Gibt es eine größere Ehre, als dem Aufruf des Königs zu folgen? Nein! Es gibt nichts Vergleichbares«, sagte der Fremde gerade. »Gibt es eine gerechtere Sache als die des Königs? Nein! Unsere Sache ist gerecht. Und die gerechte Sache braucht euch. Kommt und zieht mit uns für die gerechte Sache in den Krieg.«
»Wer ist das?«, fragte Rota.
»Ein Werber der Armee«, sagte Wigand, der gerade das Gatter hinter den Ziegen schloss. Er sah bedrückt aus. »Sie suchen neue Krieger.«
Rota blickte zu dem Mann, der noch immer auf der Leiter stand und auf die Menge einredete. »Am Fluss liegt ein Krieger. Er ist tot.« Rota sprach so leise, dass nur Wigand ihn verstehen konnte. »Sie haben die Schlacht verloren, deshalb brauchen sie eine neue Armee. Wir müssen den Krieger bestatten, bevor ...«
»Du sollst nach Hause kommen«, unterbrach ihn Wigand. »Sofort. Vater will dich sprechen.«
Augenblicklich beschlich Rota ein ungutes Gefühl. Wenn Vater ihn so heranzitierte, dann bedeutete das Ärger.
Der Werber auf der Leiter setzte zu einer neuen Ansprache an. »Tretet ein in die Dienste der Armee, und ihr bekommt freies Essen, Waffen und Rüstung. Wer reiten kann, vielleicht sogar ein eigenes Pferd. Stellt euch vor, wie es ist, wenn ihr nach dem Krieg als hoch angesehene Männer in dieses Dorf zurückkehrt. Als strahlende Helden!«
In der Menge breitete sich Gemurmel aus. Es klang mehr nach Zweifel als nach Zustimmung.
Rota fielen die letzten Worte des toten Kriegers ein: »Es gibt keine Helden. Nur Lügen.«
Wigand packte ihn am Arm. »Nun komm schon.«
Wenig später betraten sie ihr Elternhaus. Wigand setzte sich sofort zu seiner Mutter und den zwei anderen Brüdern an den Holztisch. Vor ihnen auf der Tischplatte lag eine alte Wolldecke, die etwas verdeckte. Rotas Vater stand dicht neben der Feuerstelle. Das brennende Holz knackte, und im Kessel über den Flammen hörte Rota den Hirsebrei blubbern. Vater streckte Rota beide Arme entgegen. In jeder Hand hielt er ein Stück des Holzschwertes.
Rota fühlte, wie alles Blut aus seinem Gesicht wich. Für einen Moment wollte er die Tür aufreißen und davonrennen.
»Damit ist jetzt Schluss«, sagte sein Vater und warf die Teile in das Feuer. Die Flammen griffen gierig nach dem Holz. »Du musst lernen, dass man Krieg nicht spielen kann.«
»Ja, Vater.«
»Unsere Armee hat die Schlacht in Fallessia verloren«, fuhr sein Vater fort. »Jetzt sind Werber im Dorf und suchen nach neuen Kriegern für den König. Aber niemand wird sich melden. Das haben alle Familien so beschlossen.«
Rota blickte in das Feuer. Das Holzschwert war bereits halb verbrannt. Die ganze Mühe umsonst, dachte er.
Rotas Vater ging zum Tisch. »Der König will unsere Männer für sich! Aber wer schützt dann uns?« Er schaute Rota an, und Rota sah die Verzweiflung in seinem Gesicht. »Ich habe nie geglaubt - nach all der Zeit -, dass wir sie je brauchen würden.« Dann schlug er die Wolldecke zurück.
Auf dem Tisch lagen drei Kurzschwerter und eine Streitaxt. Es waren alte Waffen, die Klingen schartig, das Metall fleckig. An der Axt entdeckte Rota sogar einige Roststellen.
»Plünderer aus Fallessia sind auf dem Weg hierher«, sagte sein Vater. »Es geht um unsere Ernte, unser Land. Und um unsere Familien.« Er nahm eines der Schwerter in die Hand. Seine Bewegungen wirkten ungeschickt. »Rota! Zeig deinen Brüdern, wie man damit kämpft. Zeig es mir!«
Rota stand nur da und begriff die Welt nicht mehr. Sein Vater hielt ein Schwert in der Hand, und er, Rota, sollte ihm beibringen, wie man damit umging. Aber etwas stimmte nicht. Etwas war falsch. Da war kein Jubel in ihm, kein Hochgefühl. Etwas anderes machte sich in ihm breit.
Angst.
(2003 im Wurdack-Verlag veröffentlicht)
Ansonsten kannst du auch gerne meinen Beitrag in der »Autorenpool«-Anthologie namens »Wandlungen« zerpflücken.
Oder die eine oder andere Story, die ich hier mal vor längerer Zeit zur Diskussion gestellt habe, auf aber nie eine qualifizierte Textbesprechung gefolgt ist.
Tu dir also keinen Zwang an mit der oben angeführten Geschichte - ich weiß, was ich damals damit erreicht habe!
Grüße
Siegfried |
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Siegfried |
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 | Re: Literatur satt | Verfasst am: 26.06.2010, 12:49 |
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hawepe |
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 | | Verfasst am: 26.06.2010, 14:32 |
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| Siegfried hat Folgendes geschrieben: |
Aber nur, wenn du ihn dann auch dezidiert in die Einzelteile zerlegst ...
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Hallo Siegfried, auch wenn Du damit nicht mich meinst, würde ich mich doch gerne mal an Deinem Text versuchen. Gerade weil Du hier doch meistens sehr sinnvolle Kommentare abgibst, die einem weiterhelfen – da will ich mal etwas zurückgeben
Es folgen nun einige Dinge, die mir aufgefallen sind. Das heißt ausdrücklich nicht, dass es Fehler sind! Auch bin ich kein Profi – nur ein Leser.
| Zitat: |
| Sein Vater wies ihm eine Ecke des Feldes zu, wo er das heftig sprießende Unkraut aus der Erde schlagen sollte. |
- man sieht ja nicht in Echtzeit das Unkraut aktiv heftig sprießen, würde ich anders ausdrücken.
| Zitat: |
| Rota sah sich heranstürmenden Wellen feindlicher Krieger gegenüber, die zwischen den Stauden hervorbrachen und sich an seine Knöchel klammerten. Die Klinge der Hacke fuhr in die Reihen der hellgrünen Angreifer und machte den Gegner zu Dutzenden nieder. |
- liest sich nicht flüssig, da fehlt die Bewegung. "Sofort fuhr die Hacke in die Reihen ..."
| Zitat: |
| »Du hast andauernd nimm dies, Bastard gerufen ... |
Wörtliche Rede / Zitat innerhalb wörtlicher Rede ... evtl geschickter lösen.
| Zitat: |
| Plötzlich hielt er inne. Auf dem Feldweg, nur einen Steinwurf entfernt, waren zwei Reiter aufgetaucht, als wären sie dem Boden entsprungen. |
"nur einen Steinwurf entfernt" .. dieser Nebensatz bremst ungemein.
Ich würde durch das "plötzlich" auch anders formulieren, aktueller:
"Plötzlich hielt er inne. Auf dem Feldweg tauchten zwei Reiter auf, so als wären sie dem Boden entsprungen – nur einen Steinwurf entfernt.
| Zitat: |
| Einer der beiden saß auf einem schwarzen Ungetüm von Schlachtross, größer als jedes Pferd, das Rota je gesehen hatte. |
- Formulierung unspannend, langatmig
"Ein Pferd, das Rota in dieser Größe noch nie gesehen hatte."
| Zitat: |
| Die Schulter des Tieres würde jeden Mann im Dorf überragen, die Hufe schienen größer zu sein als die Kohleschaufeln, die der Dorfschmied für seine Esse benutzte, und das Maul war gemacht, um einem Mann den Arm abzubeißen. |
- erst nimmst Du "würde ... schien" u. dann "das Maul war gemacht, um einem Mann den Arm abzubeißen". Da würde ich eher sagen "das Maul schien gemacht ..." Da das Maul des Pferdes sicher nicht wirklich "dafür gemacht worden war".
| Zitat: |
Der Griff eines Schwertes ragte aus der Deckenrolle hinter dem Sattel, und ein Rundschild hing seitlich über die Flanke des Pferdes.
Ein Krieger des Königs. |
- besser: "... und ein Rundschild hing seitlich über die Flanke des Pferdes – ein Krieger des Königs.
| Zitat: |
| Seine Augen glänzten, und um seine Lippen spielte ein Lächeln. |
- warum nur "um die Lippen". Ohne die Lippen gelingt einem doch kein Lächeln, die Lippen gehören doch dazu. Besser: und seine Lippen formten ein Lächeln.
| Zitat: |
| Auf Kinn und Wangen stand dichter Bart. |
- klingt komisch; müsste da nicht zwingend ein "stand (ein) dichter Bart" hin? Das klingt aber noch komischer
| Zitat: |
| »Er heißt Wigand. Und ich Rota.« |
- würde man das so sagen? Eher: »Er heißt Wigand. Ich bin Rota.«
| Zitat: |
| »Du bist schnell, flink, und du weißt mit den Waffen zu kämpfen, die dir zur Verfügung stehen«, fuhr der Mann fort. |
- spricht man so verschachtelt? Eher: »Du bist schnell und flink! Du weißt mit den Waffen zu kämpfen, die dir zur Verfügung stehen«, fuhr der Mann fort.
| Zitat: |
| »Ja, Herr!« Rota platzte fast vor Stolz. |
- platzte? Bei ein Clown passend, aber hier?
| Zitat: |
| »Dreizehn, Herr. » |
- Leerstelle zu viel.
| Zitat: |
| »Dreizehn? Ein wenig zu jung, um in den Krieg zu ziehen.« |
- "zu" + "zu" besser: »Dreizehn? Etwas jung, um in den Krieg zu ziehen.«
| Zitat: |
| Und in drei oder vier Tagen stehen wir dem Feind in Fallessia gegenüber. Das wird ein großer Sieg.« |
- da wäre es besser: "Das wird ein große Schlacht.«
Einen Sieg will er sicher, aber zunächst will er endlich kämpfen. Auf den Kampf freut er sich sicher mehr, als auf den Sieg.
Einige Zeilen vorher sagt er:
| Zitat: |
| »Ich habe fast dreizehn Sommer auf einen Krieg warten müssen«, fuhr der Reiter fort. »Auf meinen Krieg. Und jetzt ist es endlich soweit.« |
| Zitat: |
| Mit einer Hand bedeutete er dem Bogenschützen, ihm zu folgen. |
- "bedeutete"?
| Zitat: |
| Rota als Jüngstem seiner Familie war die Aufgabe zugefallen ... |
- "Rota, als Jüngstem seiner Familie, war die Aufgabe zugefallen ..." oder
besser jeweils Gedankenstrich.
| Zitat: |
| Es auszupressen und den Saft in der kleinen Kürbisflasche zu sammeln, die er sich von daheim mitgebracht hatte, jedoch eine ganz andere Sache. |
- lang, liest sich schlecht, das Ende vom Satz, würde ich anders formulieren.
| Zitat: |
| ... als er Wolken von schwarzen Fliegen bemerkte, die auf der anderen Seite des Weidenbaumes summten und kreisten. |
- liest sich so, als würden die Wolken summen. "Wolken von schwarzen Fliegen"; komisches Bild.
| Zitat: |
| Gelblich-weißer Schaum bedeckte Hals und Brust des toten Pferdes und klebte an Zaumzeug und Sattel. |
- und klebte a(m) Zaumzeug und Sattel. (An WEM klebt es? An dem ....)
| Zitat: |
| Fünf Mal hat er es versucht. Fünf Mal. Die Böschung hinauf, mit mir im Sattel. Nachdem ich ihn zwei Tage und Nächte gnadenlos angetrieben hatte. |
- da würde ich ein "zuvor" einfügen, sonst meint man, er hätte sich zwei Tage und Nächte an der Böschung versucht.
"Nachdem ich ihn zuvor zwei Tage und Nächte gnadenlos angetrieben hatte."
| Zitat: |
| »Was ist geschehen?« |
- Wer fragt das? Soll wohl Rota sein, aber ich dachte erst an den verletzten Mann
| Zitat: |
| »So viele haben nach ihren Müttern geschrieen.« |
- da Du in neuer Rechtschreibung schreibst, "geschrien".
| Zitat: |
| »Diese Schreie. Überall. Hast du schon mal Pferde in Todesangst schreien gehört? Wie Menschen. Und die Menschen brüllen wie Tiere.« |
- ich vermute mal "Und die Menschen "brüllten" wie Tiere". Er meint ja das bereits Geschehene, oder?
| Zitat: |
| Hat er etwa auch geschrieen wie ein Schwein auf der Schlachtbank? |
- "Hatte er ..." und "geschrien"
| Zitat: |
| Aber selbst wenn er zum Dorf rannte - es kostete zu viel Zeit. |
- Gedankenstrich, nicht Bindestrich
| Zitat: |
| Sie reden immer von Ruhm und Helden und Tapferkeit. |
- besser: Sie reden immer von Ruhm und Helden, von Tapferkeit.
| Zitat: |
| Für einen König irgendwo weit weg? |
- in diesem Zusammenhang missverständlich. Man könnte glauben,
er sei ein König, der weit weg stirbt. Ich wollte da auch erst ein Komma nach König setzen.
| Zitat: |
| Lange Zeit blieb Rota so hocken, und die Stimmen kämpften erbittert miteinander. |
- also in seiner Situation, so aufgewühlt, mit seinen Gedanken kämpfend ... da "hockt" man doch nicht! Da kauert man ...
| Zitat: |
| ... nie geglaubt - nach all der Zeit -, dass wir ... |
- Gedankenstrich, nicht Bindestrich |
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malschaun |
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Klaus D. Klimke |
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