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Mein erster Versuch...

BeitragVerfasst am: 20.01.2009, 18:20
Hallo zusammen,

ich habe die letzten Wochen damit verbracht, eine Handlung zu erplotten und nun das erste Kapitel geschrieben. Da ich noch nicht über viel Schreiberfahrung verfüge, würde ich mich über eure Meinung, Anregungen usw sehr freuen.

Prolog

Wieder einmal hatte die Zeit mit ihrer unaufhaltbaren Vorwärtsbewegung dafür gesorgt, ein Ereignis anstehen zu lassen, das man so lange in nicht greifbarere Ferne wähnte, bis nur noch Zeit für halbgare Vorbereitung geblieben war. Minister Steinberg war dieses närrische Getue mittlerweile Leid. Nicht nur, weil ein mediales Feuerwerk aus Häme und Oberlehrertum ihm den Miesepeter in die Schuhe schieben würde. Hätte man ihn nicht europaweit mit voller Absicht ausgebremst, gäbe es keine Konzeptlosigkeit zu kaschieren. Mehr aus Resignation denn aus Gleichgültigkeit tat er es einmal seinen Kollegen gleich und dachte sich: Geht ja erst morgen richtig los.
Ober erfüllten die abenteuerlichsten Getränkewünsche. Die geladen Männer und Frauen von Welt taten entzückt und die Brust des chinesischen Premiers kam Steinberg überheblich geschwellt vor. Zum Auftakt des ersten G12-Gipfels hatten die Chinesen in ihren neuesten Prunksaal geladen, der so auch in Italien hätte stehen können. Mahagonivertäfelungen und Marmorplatten gaben sich die Hand, altertümliche Wandleuchter gingen im Illuminat der Kronleuchter unter und seidene Vorhänge wogten sanft vor ihren Fenstern, die den Raum tagsüber wohl nur so mit Licht zu durchfluten wussten. In der Mitte des Saals erhob sich ein respektierliches Podium, das in diesem Moment eine chinesische Kreuzung aus Ballett und Musical über sich ergehen ließ. Eine potente Tischrunde umkreiste den Akt wie ein Planetenring. An dem aufwendigem Schnitzwerk von Tisch, das einzig offenkundig asiatische Werk in diesem Raum, nahmen auch Steinberg und sein Kanzler Platz, zusammen mit Staatschefs und ihren Ministern aller führenden Industrie- und Schwellenländer. Dass die Chinesen als einzige erhöht saßen, registrierte Steinberg mit Argwohn. Falls man damit beabsichtige hatte, die Amerikaner zu empören, war die Rechnung jedenfalls aufgegangen. Die schauten nämlich alles andere als beschwingt drein. Der Präsident schien gar offen pikiert.
Eine frenetischer Beifall weckte Minister Steinberg aus seinen Rundschweif und stiftete auch ihn zum Klatschen an. Die Protagonisten in der Mitte verbeugten sich tief und, protziger geht es kaum, versanken dabei mit der Bühne im Parkett. Während das zahlreiche Blicke der Bewunderung ins Bodenloch lenkte, konnte Minister Steinberg Selbstgefallen im Antlitz des chinesischen Premiers so eindeutig lesen, dass eine Welle Galle durch seinen Rachen schwappte. Als der Premier dann auch noch seine Fähigkeiten als Redner zur Schau stellte, mutierte die Welle zur Sturmflut. Und das lag nicht an der blassen Übersetzung. Durch eine besonders welke Blume beleidigte der Premier großspurig die westliche Dekadenz auf eine Weise, dass Steinberg sich in den kalten Krieg zurückversetzt fühlte. Das sollte wahrlich nichts Gutes verheißen. Genau so etwas hatte Steinberg vorausgesehen. Rechthaberischer Siegestrank verband sich mit seinem Ingrimm zu einem ganz eigenartigen Empfinden. Der einzige Grund, warum der Minister sich nicht gefühlsdominiert den Übersetzer vom Ohr gerissen hatte, war die geradezu hypnotische Wirkung der ihn umzingelnden Gelassenheit. Selbst der amerikanische Präsident hatte kaum an Pikiertheit zugelegt. Als Steinberg schließlich die Blicke seines Kanzlers traf, dem man den Zweitnamen „Be-schwichtiger“ nicht ohne Grund verliehen hatte, sank Steinbergs Puls schlagartig und er fiel vollends zurück in jene gleichgültige Besonnenheit, die er sich vorgenommen hatte, heute aufzusetzen.
Das Loch, das das Podium hinterlassen hatte, war nun von einer goldenen Weltkarte versiegelt. Eine Art Band, be-stehend aus fünf Protagonisten, jeder davon in einem prächtiges Gewand gekleidet, spielte sanftere Töne. Steinberg hatte sie eindringlich gemustert und festgestellt, dass jeder einen andersfarbigen Streifen im Halstuch trug. Dezent, aber nicht unbedingt unsichtbar plakatierte das die Farben Olympias. Weiß Gott unpassend für eine Organisation, die immer noch weit über der Hälfte der Weltbevölkerung die kalte Schulter zeigte.
Weil die Musik nur den Grundton bestimmte, entging Steinberg nicht die ernste Sorge seines wohlgenährten, italienischen Amtskollegen. Der nämlich fragte sich, ob man auch Suppe mit Stäbchen essen müsse, worauf der Ver-teidigungsminister peinlichst gibbelte und der Staatschef von Italien erklärte: „Nur die gröberen Zutaten, der Rest wird geschlürft.“
„Worüber reden die Italiener da eigentlich“, flüsterte der Bundeskanzler, der kein italienisch verstand, Steinberg unmerklich ins Ohr. „Klingt ja eigenartig“
„Nur über die Suppe, Herr Bundeskanzler“, wisperte Steinberg und verschleierte seine Worte mit einem Räuspern.
„Und ich dachte schon, es ginge um die Musiker“, pustete der Kanzler durch seinen geschlossenen Kiefer. „Ich sehe ATTAC schon toben.“
Steinberg hielt sich die Hand gegen den Mund und be-trachtete die Blasen in seinem Wasserglas. Er war strikter Antialkoholiker. „Ich bezweifle, dass das die Chinesen kümmern wird“, sagte er.
Der Kanzler schmunzelte unleidlich.
Steinberg tat es im gleich.
Eine Holzvertäfelung bracht auf und eine ganze Reihe Be-dienstete erblickte das Licht der Welt. Jeder einen Teller Suppe auf der Hand, umschling die Menschlinie vornehm das Tischwerk und setzte, wie der letze einem Gast gegenüber stand, jedem Besucher mit auswendig gelernter Eleganz den Teller Suppe zwischen das goldene Besteck. Eine weiter Vertäfelung verschwand und darin die Gruppe, während die Traube Ober, die sich zuvor heimlich verdünnisiert hatte, aus der ersten Öffnung wieder hervorquoll.
Steinberg hörte die Italiener frohlocken. Hatten sie also endlich auch das Besteck entdeckt, dachte er und spendete seiner Suppe Misstrauen. Erst kürzlich hatte er ein erschreckendes Buch überflogen, das die chinesische Lebensmittelindustrie als reine Giftfabrik bezeichnete. Wie er die Chinesen kannte, war jenes angebliche Pamphlet bestimmt nicht seiner Ruchlosigkeit wegen auf Geheiß der chinesischen Führung vom Markt genommen worden.
Seichte Dampfschwaden dünsteten aus der sämigen Flüssigkeit und der faulige Geruch vorm Vormittag hingt ihm wieder in der Nase. Der üble Gestank des besichtigten Industriegebietes mit seinen ungefilterten Schornsteinen und der Lache undefinierbarer Flüssigkeit, die im angeschlossenen Flussbett dahinfloss. Zweifellos eine Erinnerung und doch so gegenwärtig. Er spürte einen Schmerz im Backenzahn erstarken. Pochend und brennend, immer stärker werdend. Seine sonnige Mine zerbarst unter der Pein zunehmend.
„Ist was mit ihrer Suppe nicht in Ordnung“, fragte der Bundeskanzler von seiner offenbar äußerst angetan.
„Alles in Ordnung“, hörte sich Steinberg lügen.
„Schlagen sie ruhig zu, die Suppe ist köstlich“
Steinberg versuchte den Schmerz mit der Zunge zu ertasten. Vergeblich. Er wusste nicht, ob das als gutes oder schlechtes Zeichen deuten sollte. Da wurde ihm die Zunge auf einmal heiß wie verbrüht, der Geräuschpegel marodierte zu einem rauschenden Piepsen und das Bild vor seinen Augen erlosch. Und während er mit schmerzzerfurchtem Gesicht voraus in den Teller Suppe patschte, zog sein Leben Unheil verkündend in einem Sekundenbruchteil an ihm vorüber.
Am nächsten Morgen sollte die Boulevardpresse titeln: Außenminister in China-Suppe ertrunken – erster G-12 Gipfel geplatzt
 
  Eisbär 
 
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BeitragVerfasst am: 22.01.2009, 19:14
Goodbye!


Zuletzt bearbeitet von Andreas T. am 30.07.2009, 10:41, insgesamt einmal bearbeitet
 
  Andreas T. 
 
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BeitragVerfasst am: 25.01.2009, 16:23
Andreas T. hat Folgendes geschrieben:
Also ich würde das Buch gerne zu Ende lesen!
Ich vermute, dass Du auch vor nicht allzu langer Zeit das "Reich der Mitte" (nennen sich nicht fast alle deutschen politischen Parteien auch so?) besucht hast. Scheinbar ist Deine Hochachtung vor diesem Milliardenvolk durch diese Reise nicht gerade ins Unermessliche gestiegen. Das kann ich gut nachvollziehen, Du musst aber aufpassen, dass Du Dir dadurch nicht die Zügel aus der Hand nehmen lässt! Bisher fand ich die Polemik bissig-erfrischend, bzw. erfrischend bissig. Das darf sich natürlich nur in Abhängigkeit zu Deinem Plot so weiter durch das Buch ziehen, denn sonst wird die Geschichte zu einer reinen Diffamierung der Chinesen. Ist möglicherweise eine Gradwanderung und das kann Dich Leser und Sympathien kosten.
Ansonsten finde ich Deinen Schreibstil sehr gut! Ist wohl auch nicht Dein erstes Werk, oder?


Hallo Andreas,
vielen Dank für Dein Lob und das Interesse an meiner Geschichte!
Ich muss zugeben, dass ich bisher noch nicht die finanzielle Möglichkeit hatte, nach China zu reisen. Ich stütze mich daher auf die Berichterstattung diverer Medien und Erzählung von Menschen, die mir da etwas voraus haben. Besonders die Olympischen Spiele haben mich inspiriert, denen imo ziemlich viel Angebertum innewohnte. Eine Diffamierung der Chinesen habe ich nicht im Sinn, ich werde jedoch ein paar Schattenseiten der Regierung aufzeigen und dabei auch die Europäer als nicht ganz lupenrein darstellen. Im Prolog geht es besonders polemisch zur Sache, da die Person, aus deren Sicht ich dort schreibe, ein Antikommunist der alten Schule ist und die Dinge um sich herum entsprechend aufnimmt.
Bisher habe ich noch kein Roman veröffentlich, übe mich aber seit etwa einem Jahr im Schreiben von Kleinigkeiten.

Zitat:

Jetzt kommt aber doch noch eine kritische Frage: Warum ist das der Prolog und nicht das erste Kapitel? Hier werden als Leseprobe ständig nur Prologe eingestellt, die mir allesamt wie der Beginn der Geschichte vorkommen. Ein Prolog ist für mich eine, dem eigentlichen Kapitel vorangestellte, Einführung oder Erläuterung, die z.B. für das Verständnis erforderlich ist und sich stilistisch von der eigentlichen Geschichte unterscheidet/unterscheiden soll.


Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Bei meiner Geschichte ist es jedenfalls so, dass nach dem Prolog der Handlungsort nach Deutschland wechselt und dort auch die Hauptfiguren eingeführt werden. Erst im weiteren Verlauf wird, überwiegend in Form von Rückblenden, wieder nach China gewechselt werden und die Zusammenhänge sichtbar gemacht.
 
  Eisbär 
 
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