Forum für Books-on-Demand-Autoren -> Jungautoren (bis 18 Jahre) » Geschichten » Mit der Bitte um Meinungen - ein Prolog
Hier klicken, um Mitglied zu werden  Hier klicken, um Mitglied zu werden » Doppeltes Lottchen - Kurzgeschichte
» -anders- Einen Auszug aus dem Kapiel 3

Mit der Bitte um Meinungen - ein Prolog

BeitragVerfasst am: 16.01.2009, 14:56
Hallo,


ich habe für mein aktuelles "Projekt" einmal einen Prolog verfasst, und wüsste gerne, wie er ankommt. Das Genre soll die Fantasy sein, was man aber denke ich relativ schnell merkt Smile

Ich freue mich über Kommentare.


____________________________________________________________
Prolog


Er wusste nicht, wie lange er seinen geschundenen Körper nun schon über den roten Staub schleppte.
Zeit hatte für ihn keine Bedeutung mehr. Zuviel davon war ihm schon zwischen den Fingern verronnen.
Überhaupt hatte alles, was sein Leben früher einmal ausgemacht hatte, keine Bedeutung mehr.
Die alltäglichen Freuden, ein anerkannter Platz in einer Gesellschaft, Liebe. All das kannte er nicht mehr.
Hunger, Durst und Schmerz. Das waren nun seine ständigen Begleiter.
Und die Stimmen.
Sie waren so langsam gekommen, dass er sie nicht einmal richtig bemerkt hatte. Über all die Jahrzehnte waren sie das einzige gewesen, was ihn daran gehindert hatte, aufzugeben.
Die Stimmen und der Hass.
Als er diesen Gedanken fasste, glommen die Augen in seinem ausgemergelten Gesicht für einen kurzen Moment rot auf.
Und in diesem Augenblick spielten sich zum ungezählten Male die Tage vor seinem geistigen Auge ab, die damit geendet hatten, dass er in dieser Einöde sein Leben fristen musste.
Verschiedene Namen und Momente blitzten vor seinem inneren Auge auf, und bei jedem dieser Bilder verspürte er einen schmerzhaften Stich irgendwo tief in seiner Brust.
Bei anderen Wesen wäre dort wohl das Herz gewesen, doch in dem Rumpf dieses Mannes schlug nur noch ein dunkler Klumpen.
Und dieser Klumpen hatte nur eine einzige trostlose Aufgabe: Den schwächlichen Körper so lange am Leben zu erhalten, bis der Geist, der in ihm eine unzulängliche Ruhestätte gefunden hatte, seine Rache bekommen könnte.
Rache.
Das war es, was ihm die Stimmen immer wieder versprachen. Stets wenn er kurz davor war, aufzugeben, meldeten sie sich in seinem Geist mit bittersüßen Verlockungen und Versprechungen.
„Komm. Komm weiter. Du wirst Macht erhalten. Mehr Macht, als du es dir je erträumen konntest. Macht, um all die zu bestrafen, die dir das hier angetan haben. Komm.“
Und stets verstanden es die körperlosen Stimmen ihn wieder dazu zu überreden, seine Füße zu bewegen.
Einen vor den anderen. Unaufhörlich. Immer weiter.
Er wusste nicht, was sein Ziel war. Er wusste nicht, was ihn dort erwartete. Aber er wusste, dass er auf jeden Fall dorthin kommen wollte. Kurz schüttelte er den Kopf. Nein, nicht wollte. Musste!
Die Stimmen bestätigten ihn in seiner Absicht. Wie mit winzigen, spitzen Zähnen packten sie seine Gedanken, und trugen sie an den Ort seiner Bestimmung.
Jedenfalls dachte er, es wäre der Ort seiner Bestimmung. Aber was anderes konnte es sein?
Schließlich hatte er dem Tod nun schon so lange getrotzt. Das alles musste doch einen Sinn haben.
Oder nicht?
Was, wenn diese Stimmen nur die Folge seines Irrsinns waren? Nichts weiter als Hirrngespinste?
Die Wunschvorstellungen eines zu Tode getriebenen Mannes? Die bitteren Zweifel nagten an ihm und plötzlich war er wieder kurz davor aufzugeben. Mehr denn je gierte sein kraftloser Körper nach der Ruhe, um die er nun schon seit so vielen Generationen betrogen worden war.
Erschöpft sank der hochgewachsene, hagere Mann auf die Knie.
Kleine, rote Staubwolken wirbelten auf. Die winzigen Sandkörner brachen die einfallende, blutrote Abendsonne in tausend kleine Lichtstrahlen, die lieblos auf der ausgedörrten Erde spielten.
Der Mann beachtete das nicht. Er hatte seine Hände in den heißen Sand gekrallt, und versuchte etwas zu fühlen.
Irgendwas.
Aber da war nichts.
Nur er und die schier endlose Wüste. Vor ihm, hinter ihm und neben ihm.
Sie erstreckte sich bis zum Horizont. Eine platte, leblose Ebene ohne einen Tropfen Wasser oder auch nur ein Gebüsch. Kein Anzeichen von Leben.
Nur Steine und ein trockenerTod erwarteten ihn hier. Und das wurde dem Mann in diesem Augenblick bewusst.
Mit einem dumpfen Schlag fiel er zur Seite, und schloss die Augen. Er wollte der Natur nachgeben. Es jetzt und hier beenden.
Die Gedanken an Rache verrauchten in Anbetracht der puren Aussichtslosigkeit.
Er machte sich bereit, zu sterben. Trotzig erwartete er die Rückkehr der Stimmen, die ihn noch zu jedem ähnlichen Zeitpunkt aufgesucht hatten.
Und wie immer kamen sie auch jetzt. Doch er blieb stur. Gab den Verlockungen und Versprechungen dieses Mal nicht nach. Blieb standhaft.
Die Stimmen merkten das, und wurden ägerlich. Mit immer mehr Druck versuchten sie den Mann zum Aufstehen zu bewegen, aber er gab sich stumm wie ein Stein.
Einmal noch hoben die Stimmen zu einem wahren Protestgeschrei an, und befahlen ihm, weiterzugehen. Aber er schüttelte nur stumm den Kopf, wobei seine Wangen schmerzhaft über die spitzen Steine des flimmernden Bodens schürften.
Und auf einmal war es still in seinem Kopf. Die Stimmen waren weg. Eine seelige Ruhe breitete sich in ihm aus, als er noch einmal in sich hinein lauschte, um sich zu vergewissern. Und als er sich sicher war, dass er alleine war, bereitete er sich endgültig auf den letzten Weg vor.
Aber er war nicht allein. Die Stimmen waren nicht gegangen. Sie hielten sich bloß im Hintergrund. Denn sie wußten: Dieser Mann musste weitergehen. Es hatte so zu geschehen, und nicht anders. Und wenn sie ihn mit Worten nichtmehr berühren konnten, mussten sie andere Mittel anwenden.
Härtere Mittel.
So sammelten sie ihre Kraft. Und kurz bevor der Geist, der dem sterbenden Körper inne wohnte, ins Jenseits abdriftete, ließen sie ein Bild vor seinem geistigen Auge entstehen. Ein Bild, dass ihn auf andere Gedanken bringen sollte. Und es verfehlte seine Wirkung nicht.
Er meinte schon, ein Licht in der Dunkelheit sehen zu können, dass ihn zu sich rief, da veränderte sich der helle Schein plötzlich.
Übergangslos entstand aus dem Lichtpunkt ein alabasterfarbenes weibliches Gesicht. Die Lichtkrone verwandelte sich in eine Flut aus Silbernen Haaren, die das Gesicht umrahmten und es in eine Perfektion drängten, die einem den Atem raubte.
Nun schälte sich auch der restliche Körper der anmutigen Frau aus der Dunkelheit. Ein Gewand, das die selbe Farbe hatte, wie die fast hüftlangen Haare, umschmeichelte den makellosen, schlanken Körper, wobei es die durchaus vorteilhaften Rundungen der Frau in einer Weise betonte, die ihre unvergleichliche Anmut hervorhob.
Mit einem zauberhaften Lächeln auf dem Gesicht schien die Erscheinung auf den Mann zuzuschweben.
Atemlos verfolgte er die sanften Bewegungen des Wesens, dass er ganz genau kannte.
Aveela.
Niemals könnte er ihren Namen vergessen. Niemals ihr Gesicht vergessen. Er drängte die Gedanken an den Tod beiseite, nur um noch ein paar Augenblicke auf ihr zierliches Antlitz schauen zu können.
Verzückt betrachtete er ihre geschwungenen, silbernen Augenbrauen, die das Leuchten, welches in den tiefblauen Augen darunter herrschte, in eine Vision von Meer und frei darüber fliegenden Vögeln verwandelte.
Ihre kleine, spitz zulaufende Nase passte, als ob sie extra dafür gemacht wäre, zu ihren hohen Wangenknochen, und gab dem Gesicht etwas einmaliges, geheimnisvolles.
Langsam wanderte sein Blick weiter hinauf. Über ihren Haaransatz bis zu ihrem Scheitel und wieder hinunter. Wobei er die spitz zulaufenden Enden ihrer Ohren streifte, welche neckisch aus ihren Haaren lugten, und die ihr Volk ausmachten. Zuletzt betrachtete er ihre schmalen, blassroten Lippen, welche zu einem glückliches Lächeln verzogen waren.
Aveela. Betroffen flüsterte er ihren Namen.
Aveela, seine Verlobte. Verzückt, wie er war, betrachtete er ihre Gestalt und versank in zeitloses Schmachten. Er hätte nicht gedacht, dass er solche Gefühle noch erleben könnte.
Doch die Stimmen wollten nicht, dass er weiterhin im Glück schwelgte. Glück war keine Gefühlsregung, die sie brauchten. Nein, weder Glück noch Freude konnten ihnen helfen.
Doch war es notwendig gewesen, diese Illusion zu erschaffen, damit die nächste umso besser wirken konnte, und so die nötigen Gefühle hervorzubringen vermochte.
Plötzlich vergrößerte die Elfe ihre Schritte, und eilte auf den Mann zu. Immer schneller näherte sie sich ihm.
Seine Verzückung kannte keine Grenzen. Seine Geliebte würde wieder in seinen Armen liegen.
Nach all den Jahren. Den nagenden Gedanken, dass das alles keine Wirklichkeit sein konnte, verdrängte er in die hinterste Ecke seines Bewusstseins.
Das hier war schöner als die Wirklichkeit! Noch ein paar Schritte, dann würde er die wohltuende Wärme ihres Körpers fühlen. Schon streckte sie die Arme nach ihm aus.
Er glaubte bereits, ihre filigranen Finger spüren zu können, als die Illusion plötzlich verfloss.
Auf einmal stand er neben dem Geschehen. Und nicht mehr er war es, dem Aveela in die Arme fiel, sondern ein Dunkelhaariger, schadenfroh grinsender Elf in der langen, dunklen Kutte eines Richters.
Und die Augen, welche der Richter dem zunächst verblüfften Mann böse lachend zuwandte, verspotteten ihn auf eine Weise, dass die vorher unterdrückten Gefühle in ihm wieder hochkochten.
„NEIN!“
Der erzürnte Ruf, der aus seiner trockenen Kehle kam, klang heiser und unmenschlich.
Und dennoch lag solch eine Schmach und ein so großer Schmerz in ihm, dass die Stimmen, welche das Verhalten des Mannes in ruheloser Spannung verfolgt hatten, siegessicher anfingen zu kichern.
Doch der Mann hörte sie nicht. Alles was er hörte waren die Laute zweier eng umschlungener Liebender, die sich ausgiebig küssten.
Nicht nur, dass seine Geliebte einen anderen hatte. Es war auch noch Er. Er, welcher Schuld an allem trug.
Er war Schuld daran, dass er nun hier war. Schuld daran, dass sich alle seine Pläne in Luft aufgelöst hatten.
Schuld daran, dass er sich nur noch in Träumen mit seiner Geliebten treffen konnte.
Mit der Geliebten, die nun in seinen Armen lag? In den Armen seines Feindes? In den Armen des Mannes, dem all sein Zorn, all seine Wut galt?
Nein, das konnte er nicht hinnehmen. Dass er Opfer eines Trugbildes gewesen war, und dass Aveela schon längst gestorben sein musste, diese Gedanken wurden von den Stimmen gewissenhaft verschleiert.
Stöhnend raffte er sich auf, und ließ einen Blick in die Umgebung schweifen. Ohne, dass ihn die Stimmen leiten mussten, wusste er die Richtung, in die er seinen protestierenden Körper lenken musste.
Dort, im Norden, lag etwas, dass ihm helfen konnte, seine Geliebte wieder zu gewinnen, und dieses verhasste Stück Fleisch, was sich seine Verlobte gekrallt hatte, zu töten.
Während er stumpf auf das unsichtbare Ziel zumarschierte, und kleine Staubwolken hinter sich ließ, merkte er weder die eine Träne, die sich aus seinem trockenen Auge gelöst hatte, noch die Stimmen, die hämisch lachend ihren Erfolg feierten.
Sie hatten Grund, sich zu freuen. Denn sie wussten eins.
Ab nun würde dieser Elf den Weg gehen, den sie ihm seit so langer Zeit zugedacht hatten.

_________________
Ich hasse Leute, die mitten im Satz
 
  smogpaster 
 
Anmeldedatum 16.01.2009
Beiträge 7
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 30.01.2009, 19:10
Hallo smogpaster,

das ist wirklich eine sehr interessante Geschichte. Man konnte sich genau in die Hauptperson versetzen. Ich hoffe du schreibst weiter!
Ich habe einige Dinge verbessert.

MfG
Anja

Prolog



Er wusste nicht, wie lange er seinen geschundenen Körper nun schon über den roten Staub schleppte.
Zeit hatte für ihn keine Bedeutung mehr. Zuviel davon war ihm schon zwischen den Fingern verronnen.
Überhaupt hatte alles, was sein Leben früher einmal ausgemacht hatte, keine Bedeutung mehr.
Die alltäglichen Freuden, ein anerkannter Platz in einer Gesellschaft, Liebe. All das kannte er nicht mehr.
Hunger, Durst und Schmerz. Das waren nun seine ständigen Begleiter.
Und die Stimmen.
Sie waren so langsam gekommen, dass er sie nicht einmal richtig bemerkt hatte. Über all die Jahrzehnte waren sie das einzige gewesen, was ihn daran gehindert hatte, aufzugeben.
Die Stimmen und der Hass.
Als er diesen Gedanken fasste, glommen die Augen in seinem ausgemergelten Gesicht für einen kurzen Moment rot auf.
Und in diesem Augenblick spielten sich zum ungezählten Male die Tage vor seinem geistigen Auge ab, die damit geendet hatten, dass er in dieser Einöde sein Leben fristen musste.
Verschiedene Namen und Momente blitzten vor seinem inneren Auge auf, und bei jedem dieser Bilder verspürte er einen schmerzhaften Stich irgendwo tief in seiner Brust.
Bei anderen Wesen wäre dort wohl das Herz gewesen, doch in dem Rumpf dieses Mannes schlug nur noch ein dunkler Klumpen.
Und dieser Klumpen hatte nur eine einzige trostlose Aufgabe: Den schwächlichen Körper so lange am Leben zu erhalten, bis der Geist, der in ihm eine unzulängliche Ruhestätte gefunden hatte, seine Rache bekommen könnte.
Rache.
Das war es, was ihm die Stimmen immer wieder versprachen. Stets wenn er kurz davor war, aufzugeben, meldeten sie sich in seinem Geist mit bittersüßen Verlockungen und Versprechungen.
„Komm. Komm weiter. Du wirst Macht erhalten. Mehr Macht, als du es dir je erträumen konntest. Macht, um all die zu bestrafen, die dir das hier angetan haben. Komm.“
Und stets verstanden es die körperlosen Stimmen ihn wieder dazu zu überreden, seine Füße zu bewegen.
Einen vor den anderen. Unaufhörlich. Immer weiter.
Er wusste nicht, was sein Ziel war. Er wusste nicht, was ihn dort erwartete. Aber er wusste, dass er auf jeden Fall dorthin kommen wollte. Kurz schüttelte er den Kopf. Nein, nicht wollte. Musste!
Die Stimmen bestätigten ihn in seiner Absicht. Wie mit winzigen, spitzen Zähnen packten sie seine Gedanken, und trugen sie an den Ort seiner Bestimmung.
Jedenfalls dachte er, es wäre der Ort seiner Bestimmung. Aber was anderes konnte es sein?
Schließlich hatte er dem Tod nun schon so lange getrotzt. Das alles musste doch einen Sinn haben.
Oder nicht?
Was, wenn diese Stimmen nur die Folge seines Irrsinns waren? Nichts weiter als Hirrngespinste?
Die Wunschvorstellungen eines zu Tode getriebenen Mannes? Die bitteren Zweifel nagten an ihm und plötzlich war er wieder kurz davor aufzugeben. Mehr denn je gierte sein kraftloser Körper nach der Ruhe, um die er nun schon seit so vielen Generationen betrogen worden war.
Erschöpft sank der hochgewachsene, hagere Mann auf die Knie.
Kleine, rote Staubwolken wirbelten auf. Die winzigen Sandkörner brachen die einfallende, blutrote Abendsonne in tausend kleine Lichtstrahlen, die lieblos auf der ausgedörrten Erde spielten.
Der Mann beachtete das nicht. Er hatte seine Hände in den heißen Sand gekrallt, und versuchte etwas zu fühlen.
Irgendwas.
Aber da war nichts.
Nur er und die schier endlose Wüste. Vor ihm, hinter ihm und neben ihm.
Sie erstreckte sich bis zum Horizont. Eine platte, leblose Ebene ohne einen Tropfen Wasser oder auch nur ein Gebüsch. Kein Anzeichen von Leben.
Nur Steine und ein trockener Tod erwarteten ihn hier. Und das wurde dem Mann in diesem Augenblick bewusst.
Mit einem dumpfen Schlag fiel er zur Seite, und schloss die Augen. Er wollte der Natur nachgeben. Es jetzt und hier beenden.
Die Gedanken an Rache verrauchten in Anbetracht der puren Aussichtslosigkeit.
Er machte sich bereit, zu sterben. Trotzig erwartete er die Rückkehr der Stimmen, die ihn noch zu jedem ähnlichen Zeitpunkt aufgesucht hatten.
Und wie immer kamen sie auch jetzt. Doch er blieb stur. Gab den Verlockungen und Versprechungen dieses Mal nicht nach. Blieb standhaft.
Die Stimmen merkten das, und wurden ärgerlich. Mit immer mehr Druck versuchten sie den Mann zum Aufstehen zu bewegen, aber er gab sich stumm wie ein Stein.
Einmal noch hoben die Stimmen zu einem wahren Protestgeschrei an, und befahlen ihm, weiterzugehen. Aber er schüttelte nur stumm den Kopf, wobei seine Wangen schmerzhaft über die spitzen Steine des flimmernden Bodens schürften.
Und auf einmal war es still in seinem Kopf. Die Stimmen waren weg. Eine seelige Ruhe breitete sich in ihm aus, als er noch einmal in sich hinein lauschte, um sich zu vergewissern. Und als er sich sicher war, dass er alleine war, bereitete er sich endgültig auf den letzten Weg vor.
Aber er war nicht allein. Die Stimmen waren nicht gegangen. Sie hielten sich bloß im Hintergrund. Denn sie wussten: Dieser Mann musste weitergehen. Es hatte so zu geschehen, und nicht anders. Und wenn sie ihn mit Worten nicht mehr berühren konnten, mussten sie andere Mittel anwenden.
Härtere Mittel.
So sammelten sie ihre Kraft. Und kurz bevor der Geist, der dem sterbenden Körper inne wohnte, ins Jenseits abdriftete, ließen sie ein Bild vor seinem geistigen Auge entstehen. Ein Bild, das ihn auf andere Gedanken bringen sollte. Und es verfehlte seine Wirkung nicht.
Er meinte schon, ein Licht in der Dunkelheit sehen zu können, dass ihn zu sich rief, da veränderte sich der helle Schein plötzlich.
Übergangslos entstand aus dem Lichtpunkt ein alabasterfarbenes weibliches Gesicht. Die Lichtkrone verwandelte sich in eine Flut aus Silbernen Haaren, die das Gesicht umrahmten und es in eine Perfektion drängten, die einem den Atem raubte.
Nun schälte sich auch der restliche Körper der anmutigen Frau aus der Dunkelheit. Ein Gewand, das dieselbe Farbe hatte, wie die fast hüftlangen Haare, umschmeichelte den makellosen, schlanken Körper, wobei es die durchaus vorteilhaften Rundungen der Frau in einer Weise betonte, die ihre unvergleichliche Anmut hervorhob.
Mit einem zauberhaften Lächeln auf dem Gesicht schien die Erscheinung auf den Mann zuzuschweben.
Atemlos verfolgte er die sanften Bewegungen des Wesens, dass er ganz genau kannte.
Aveela.
Niemals könnte er ihren Namen vergessen. Niemals ihr Gesicht vergessen. Er drängte die Gedanken an den Tod beiseite, nur um noch ein paar Augenblicke auf ihr zierliches Antlitz schauen zu können.
Verzückt betrachtete er ihre geschwungenen, silbernen Augenbrauen, die das Leuchten, welches in den tiefblauen Augen darunter herrschte, in eine Vision von Meer und frei darüber fliegenden Vögeln verwandelte.
Ihre kleine, spitz zulaufende Nase passte, als ob sie extra dafür gemacht wäre, zu ihren hohen Wangenknochen, und gab dem Gesicht etwas Einmaliges, Geheimnisvolles.
Langsam wanderte sein Blick weiter hinauf. Über ihren Haaransatz bis zu ihrem Scheitel und wieder hinunter. Wobei er die spitz zulaufenden Enden ihrer Ohren streifte, welche neckisch aus ihren Haaren lugten, und die ihr Volk ausmachten. Zuletzt betrachtete er ihre schmalen, blassroten Lippen, welche zu einem glücklichen Lächeln verzogen waren.
Aveela. Betroffen flüsterte er ihren Namen.
Aveela, seine Verlobte. Verzückt, wie er war, betrachtete er ihre Gestalt und versank in zeitloses Schmachten. Er hätte nicht gedacht, dass er solche Gefühle noch erleben könnte.
Doch die Stimmen wollten nicht, dass er weiterhin im Glück schwelgte. Glück war keine Gefühlsregung, die sie brauchten. Nein, weder Glück noch Freude konnten ihnen helfen.
Doch war es notwendig gewesen, diese Illusion zu erschaffen, damit die nächste umso besser wirken konnte, und so die nötigen Gefühle hervorzubringen vermochte.
Plötzlich vergrößerte die Elfe ihre Schritte, und eilte auf den Mann zu. Immer schneller näherte sie sich ihm.
Seine Verzückung kannte keine Grenzen. Seine Geliebte würde wieder in seinen Armen liegen.
Nach all den Jahren. Den nagenden Gedanken, dass das alles keine Wirklichkeit sein konnte, verdrängte er in die hinterste Ecke seines Bewusstseins.
Das hier war schöner als die Wirklichkeit! Noch ein paar Schritte, dann würde er die wohltuende Wärme ihres Körpers fühlen. Schon streckte sie die Arme nach ihm aus.
Er glaubte bereits, ihre filigranen Finger spüren zu können, als die Illusion plötzlich verfloss.
Auf einmal stand er neben dem Geschehen. Und nicht mehr er war es, dem Aveela in die Arme fiel, sondern ein Dunkelhaariger, schadenfroh grinsender Elf in der langen, dunklen Kutte eines Richters.
Und die Augen, welche der Richter dem zunächst verblüfften Mann böse lachend zuwendete, verspotteten ihn auf eine Weise, dass die vorher unterdrückten Gefühle in ihm wieder hochkochten.
„NEIN!“
Der erzürnte Ruf, der aus seiner trockenen Kehle kam, klang heiser und unmenschlich.
Und dennoch lagen solch eine Schmach und ein so großer Schmerz in ihm, dass die Stimmen, welche das Verhalten des Mannes in ruheloser Spannung verfolgt hatten, siegessicher anfingen zu kichern.
Doch der Mann hörte sie nicht. Alles was er hörte waren die Laute zweier eng umschlungener Liebender, die sich ausgiebig küssten.
Nicht nur, dass seine Geliebte einen anderen hatte. Es war auch noch Er. Er, welcher Schuld an allem trug.
Er war schuld daran, dass er nun hier war. Schuld daran, dass sich alle seine Pläne in Luft aufgelöst hatten.
Schuld daran, dass er sich nur noch in Träumen mit seiner Geliebten treffen konnte.
Mit der Geliebten, die nun in seinen Armen lag? In den Armen seines Feindes? In den Armen des Mannes, dem all sein Zorn, all seine Wut galt?
Nein, das konnte er nicht hinnehmen. Dass er Opfer eines Trugbildes gewesen war, und dass Aveela schon längst gestorben sein musste, diese Gedanken wurden von den Stimmen gewissenhaft verschleiert.
Stöhnend raffte er sich auf, und ließ einen Blick in die Umgebung schweifen. Ohne, dass ihn die Stimmen leiten mussten, wusste er die Richtung, in die er seinen protestierenden Körper lenken musste.
Dort, im Norden, lag etwas, dass ihm helfen konnte, seine Geliebte wieder zu gewinnen, und dieses verhasste Stück Fleisch, was sich seine Verlobte gekrallt hatte, zu töten.
Während er stumpf auf das unsichtbare Ziel zumarschierte, und kleine Staubwolken hinter sich ließ, merkte er weder die eine Träne, die sich aus seinem trockenen Auge gelöst hatte, noch die Stimmen, die hämisch lachend ihren Erfolg feierten.
Sie hatten Grund, sich zu freuen. Denn sie wussten eins.
Ab nun würde dieser Elf den Weg gehen, den sie ihm seit so langer Zeit zugedacht hatten.
 
  anja1989 
 
Anmeldedatum 11.11.2008
Beiträge 60
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 30.01.2009, 22:38
Hallo Anja.

Freut mich, dass es dir gefällt Smile

Habe die Fehler sofort verbessert, verrückt was da alles nach mehrmaligen eigenen und fremden Probelesen übrig bleibt.

Ja klar schreibe ich weiter, bin mir aber mit der ganzen Hintergrundgeschichte noch nich so im klaren, und habe drumherum auch einiges zu tun.

Mal schauen, ob ich das erste Kapitel auch noch hier reinstelle.

Mal schauen ^^


Gruss,
Peter

_________________
Ich hasse Leute, die mitten im Satz
 
  smogpaster 
 
Anmeldedatum 16.01.2009
Beiträge 7
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 09.02.2009, 12:54
Hallo smogmaster,

wäre schön wenn du dein erstes Kapitel auch veröffnetlichst.
Möchte nämlich gerne weiterlesen.

LG
Anja
 
  anja1989 
 
Anmeldedatum 11.11.2008
Beiträge 60
 
 
   
   
Mit der Bitte um Meinungen - ein Prolog
  Forum für Books-on-Demand-Autoren » Geschichten -> Jungautoren (bis 18 Jahre)
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde  
Seite 1 von 1  

  
  


Powered by phpBB, advisormap.de, SEO by SEO-united.de
Literaturtipps Literaturseiten Banner & Buttons Impressum & Rechtliches