 | Neuer Prolog meines Thrillers. Würdet ihr JETZT weiterlesen? | Verfasst am: 10.02.2009, 16:50 |
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Hallo nochmals,
ich darf mich abermals für Eure fundierte Kritik an meinem ersten Prolog bedanken und möchte Euch bitten, den Text, den ich auf Eure Anregung hin überarbeitet habe, zu kommentieren. (Ist nun auch nicht mehr soviel zu lesen!)
Ich danke Euch!
- Eduardo Freundlinger -
http://www.freundlinger.com
HIER DER TEXT:
PROLOG
Sie erlangte das Bewusstsein. Spitze Steine bohrten in ihre Seite und es roch nach Zement. Carmen konnte sich nicht bewegen. Sie sah wie Blut aus ihrer Nase auf den grauen Staub tropfte. Sie atmete flach, atmen schmerzte zu sehr. Was war geschehen? Die Hochzeit ihrer Cousine … der Heimweg …
»Wir müssen sie sofort ins Krankenhaus fahren!«, hörte sie ein Mädchen flehen. War das nicht ihre Freundin Elena? »Halt endlich Deine verdammte Klappe!«, sagte ein Mann. Auch seine Stimme kam ihr bekannt vor.
Carmen versuchte zu schreien, aber in ihrem Hals gurgelte es nur. Blut und Schleim sabberten aus ihrem Mund, als jemand an ihren Armen zog, nicht sanft, wie ein Sanitäter, sondern grob, so wie ein Bauarbeiter einen Sack Mörtel behandelt. Der Mann umfasste sie an der Brust … dort, wo es so fürchterlich schmerzte, und hob sie hoch. Das Letzte, was sie wahrnahm, ehe sie ihr Bewusstsein verlor, war der Knall eines Kofferraumdeckels, der über ihr zuklappte, wie ein Sargdeckel.
Als Carmen wieder erwachte schaukelte es, als schlummerte sie in einem Wasserbett. Aber dieses Trugbild täuschte wohl, denn es stank nach Fisch … lag sie in einem Fischerboot? Carmen versuchte sich aufzurichten, es gelang nicht. Sie versuchte zu schreien, aber der Auβenborder blieb die einzige Geräuschquelle, ja sie war noch nicht einmal in der Lage, ihre verklebten Augenlider zu öffnen, um sich zu vergewissern, dass es nur ein Albtraum war, der sie gefangen hielt. Ihr Schmerz pulsierte im Rhythmus der Wellen, gegen die das Boot anstampfte. Was war geschehen, fragte sie sich wieder. War sie gestürzt? Aber warum lag sie nicht im Krankenhaus, sondern in einer kleinen Jolle, in der es nach Fisch stank?
Der Motor wurde abgestellt. Jemand stieg über sie hinweg und trampelte auf dem Boot umher, bis es schaukelte.
»Verdammte Scheiβe! Wo ist der Bleigurt?«, fluchte derselbe Mann wie vorhin. Bleigurt? Sie brauchte einen Verband und keinen Bleigurt. Bestimmt blutete sie ... ihre Lider waren doch damit verklebt.
Der Mann lieβ etwas Schweres fallen und beugte sich über sie. Carmen roch seinen Atem: Tabak und Alkohol. Sie fühlte, wie sich eine Hand zwischen Schiffsboden und Hüfte drängte. Die Andere zwängte sich unter ihre Brust und knetete daran, ehe er sie auf den Rücken rollte. Beiβender Schmerz durchfuhr sie, der sie nicht sofort spüren lieβ, wie ein Stein gegen ihren Rücken drückte. Oder war es etwas anderes? Vielleicht ein Bleistück … lag sie auf dem Bleigurt? Die Bedeutung dessen drang verzerrt, wie Worte unter Wasser, in ihr Bewusstsein und lieβ ihr Herz – dass Einzige, was in ihrem Körper noch zu funktionieren schien – gegen die Brust trommeln.
Es konnte nur ein Albtraum sein, dachte Carmen und sträubte sich, bis sie es schaffte, die Augen zu öffnen. Der Mann, der an ihrer Taille fummelte, sprang auf, als hätte sie sich in einen Zombie verwandelt. Auch Carmen erschrack, denn er war kein Teil eines bösen Traums; er war ein Arbeitskollege ihrer Schwester.
»Du lebst noch?«, stammelte er.
Trotz ihrer Schmerzen nickte sie, um auf diese überflüssige Frage zu antworten.
Der Bootsführer rieb sich seinen Bart und schien zu überlegen.
»Aber nicht mehr lange!«, stellte er fest und bückte sich, um den Bleigürtel über ihrem Bauchnabel zu schlieβen. Carmens taube Finger suchten vergeblich Halt in den Schiffsplanken, als er sie auf die Bordwand hievte.
Ihre Blicke trafen sich. Carmens linkes Bein rutschte ab und tauchte bis zum Knie ins Meer. Das Wasser war kalt, aber sie konnte den Fuβ nicht herausziehen. Stumm flehte sie um Gnade:
Bitte lass mich am Leben … ich bin fünfzehn … ich hab Dir nichts getan … ich will nicht sterben …!
Aber »No …« war der einzige Laut, der sich durch ihre Lippen pressen lieβ. Carmen spürte wie er ein weiteres Mal an einer ihrer aufsprieβenden Brüste knetete und seine letzten Worte, die sie vernahm, ehe sie vor Angst und Schmerzen die Besinnung verlor, lauteten:
»Eigentlich schade um Dich!« |
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Zuletzt bearbeitet von Eduardo Freundlinger am 26.02.2009, 17:04, insgesamt 25-mal bearbeitet |
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Eduardo Freundlinger |
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 | Re: Prolog und Kap.1 meines Thrillers. Würdet ihr weiterlese | Verfasst am: 10.02.2009, 21:20 |
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Hallo!
Ich habe nur den ersten Abschnitt gelesen, auch aus Zeitgründen. Deine Schreibweise und Satzstellung kommen mir zum Teil sehr unbeholfen und ungelenk vor, so als würdest du um Formulierungen ringen.
Mit ein wenig Arbeit könnte man aus dem Text, der als solches nicht schlecht ist, sicherlich etwas rausholen. |
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Zuletzt bearbeitet von Aurum am 23.02.2009, 20:35, insgesamt einmal bearbeitet |
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 | | Verfasst am: 11.02.2009, 12:26 |
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Hallo Eduardo.
Also ich würde eventuell das Erste Kapitel noch anlesen, wenn ich das Buch so vor mir liegen hätte und mich entscheiden müsste es mitzunehmen (wobei das nicht an dir liegt - ich lege auch viele Bestseller einfach so weg, weil sie mir auf den ersten Seiten nicht zusagen).
Ich denke dass du alle Informationen, die du im Prolog gibst, auch zu einem anderen Zeitpunkt genannt werden könnten. Du hast in diesem Prolog einen Absatz geschrieben, den der Leser interessierte. Und zwar:
| Zitat: |
| Sie wollte nach der langen Hochzeit ihrer Cousine noch an die frische Luft und entschloss sich zu Fuß nach Hause zu laufen um das Geld für ein Taxi zu sparen. Eine Entscheidung, die sich später als Auslöser für einen der mysteriösesten Kriminalfälle in der Geschichte der Iberischen Halbinsel herausstellen sollte und zudem für die ermittelnden Behörden ein für immer ungeklärtes Verbrechen bleiben würde. |
Der Teil ist wirklich super, aus dem einfachen Grund, dass etwas angekündigt wird, nicht nur dass es grausam ist, nein es ist mysteriös und ungeklärt, und genau dieser Abschnitt hat mich dazu verleitet weiterzulesen. Und dann kam ich ans Ende des Kapitels, erhielt eine Ortsbeschreibung und auch Spannung kam auf, durch das rückwärts fahrende Auto, die Waldgeräusche etc. Aber wo ist denn das Resultat?
Ich meine, du sollst ja noch nicht das Verbrechen selbst darstellen (dafür ist schließlich das Buch da), aber irgendwas musst du dem Leser noch anbieten. Irgend etwas, dass den Leser erneut animiert. Eventuell was das Resultat für Carmen war aufgrund des Verbrechens (Verstümmelung, tod / lebendig gefunden ... was auch immer) ... Aber irgendwie sowas sollte noch eingebaut werden um beim Leser für Interesse zu sorgen und auch eine Thriller-Spannung zu erzeugen.
Duane Louis - Letzte Order, begann mit einem sehr ausgeklügelten Satz bei seinem Roman. Einfach was dazu verleitet weiterzulesen. Schau es dir einfach mal an. Sollte der Direktlink nicht funktionieren, such mal direkt über www.randomhouse.de nach einer Leseprobe zu Letzte Order und ließ dir die ersten Seiten durch.
LG Chris |
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chris_master |
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 | | Verfasst am: 20.02.2009, 09:29 |
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Dein link ist leider inkorrekt. Vielleicht korrigierst Du ihn? (doppelpunkt)
Und -Du verlangst Ehrlichkeit- ähm, ich, nein, ich würde nicht weiterlesen.
Du hast einen eigenen Stil, aber für MICH klingen die Sätze zu "gesucht". Zu krampfhaft.
nochmals überdacht, nachdem ich einige andere texte hier gelesen habe
Meine Kritik war vielleicht doch etwa hart, denn von all dem, was ich bis jetzt gelesen habe hier, würde ich Deines am ehesten weiterlesen
Sorry, aber erstens habe ich gelernt, dass es nicht hilft, wenn alle schreien "Super" und eigentlich was anderes denken und zweitens muss meine Meinung auch gar nicht die Meinung der Allgemeinheit zeigen.
Nur Mut.
Deine Website, im übrigen, finde ich, SUPERGUT!!! Gratuliere! |
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 | | Verfasst am: 20.02.2009, 13:50 |
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Klare Frage, klare Antwort: nein, nach dem zweiten Absatz war Schluss. Der Grund: "Show, don't tell!" - ich will im Roman keinen anheizenden Klappentext oder eine vorweggenommene Rezension lesen, sondern die eigentliche Geschichte. Die muss für sich sprechen, pauschale Vorwegnahmen wie
"Manchmal ziehen die einfachsten Handlungen die größten Wirkungen nach sich" ... "Brisanz einer falschen Entscheidung"
und noch schlimmer:
"Eine Entscheidung, die sich später als Auslöser für einen der mysteriösesten Kriminalfälle in der Geschichte der Iberischen Halbinsel herausstellen sollte und zudem für die ermittelnden Behörden ein für immer ungeklärtes Verbrechen bleiben würde. "
Nein. Beschreibe die eigentlichen Geschehnisse so, dass wir, die Leser, ihnen das Label "mysteriös" ankleben, ohne dass dieses Wort ein einziges Mal im Text vorkommt.
Soweit der Kurz-Check.
Gruß,
Valerie |
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_________________ LG, Valerie
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Valerie J. Long |
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 | | Verfasst am: 20.02.2009, 15:22 |
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| Valerie J. Long hat Folgendes geschrieben: |
und noch schlimmer:
"Eine Entscheidung, die sich später als Auslöser für einen der mysteriösesten Kriminalfälle in der Geschichte der Iberischen Halbinsel herausstellen sollte und zudem für die ermittelnden Behörden ein für immer ungeklärtes Verbrechen bleiben würde. "
Nein. Beschreibe die eigentlichen Geschehnisse so, dass wir, die Leser, ihnen das Label "mysteriös" ankleben, ohne dass dieses Wort ein einziges Mal im Text vorkommt.
Soweit der Kurz-Check.
Gruß,
Valerie |
Wobei ich hier trotz meiner Kritik sagen muss: grad solch ähnliche Sätze schreiben einige Bestseller-Autoren (zb Dan Brown) auch, vielleicht nicht so detailliert.
Das fesselte mich zb bei Brown oder Chrichton eher... |
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 | hallo... | Verfasst am: 20.02.2009, 16:19 |
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| eduardo, schau mal in deine pn!!!!! |
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roma |
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 | | Verfasst am: 20.02.2009, 16:39 |
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| Markus hat Folgendes geschrieben: |
| grad solch ähnliche Sätze schreiben einige Bestseller-Autoren (zb Dan Brown) auch |
Hm.
Dan Brown lese ich nicht mehr.
Ich möchte auch nicht alles verdammen, eine kleine Andeutung in der Richtung "etwas wird schiefgehen" kann man ruhig machen - nur nicht ganz so geballt.
Gruß Valerie |
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Valerie J. Long |
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 | Re: Prolog und Kap.1 meines Thrillers. Würdet ihr weiterlese | Verfasst am: 20.02.2009, 19:32 |
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| Eduardo Freundlinger hat Folgendes geschrieben: |
[color=blue]Hallo zusammen,
ich bin gerade dabei, bis Ende dieses Monats mein Manuskript in dritter Fassung zu überarbeiten, um mich dann auf die Veröffentlichung meines (450 Seiten)-Thrillers konzentrieren zu können. Mal sehen, ob es damit klappt.
Es ist jedenfalls mein erster Roman, deswegen wäre mir Eure kurze und ehrliche Einschätzung zu meinem Text sehr willkommen. |
Um gleich die Beantwortung der Frage vorweg zu nehmen:
Nein, ich würde dieses Buch nicht weiterlesen.
Ich würde es im Buchladen wieder zuklappen und zurück ins Fach oder auf den Stapel legen.
Der Prolog hat mich nicht überzeugt, zum einen weil er in seiner Erzählperspektive starke auktoriale Züge aufweist, zum anderen weil er mich mit Informationen zuschüttet, die mich als Leser zu Beginn gar nicht interessieren.
Der Anfang eines Buches ist die einzige Chance des Autors, den Leser zu angeln und festzuhalten und ihn in den Roman zu ziehen. Im Buchladen bedeutet das, den Leser nach einer bis zwei Seiten davon zu überzeugen, Geld für das Buch auszugeben. Das gelingt hier überhaupt nicht.
Was den Leser an den Roman binden soll, sind im vorliegenden Fall Andeutungen und Kommentare des auktorialen Erzählers, der auf spätere Ereignisse vorgreift:
Manchmal ziehen die einfachsten Handlungen die größten Wirkungen nach sich, aber die Ironie des Schicksals ist, dass man die Brisanz einer falschen Entscheidung wie dieser erst erkennt, wenn es lange schon zu spät ist.
Spätestens an dieser Stelle weiß ich, dass Carmen etwas zustoßen wird. Allerdings wird mir dieses Wissen nicht unterschwellig durch Ahnung oder Andeutung geliefert, sondern mit der Holzhammermethode: "Hallo, Leser, aufgepasst, der Carmen droht ein übles Schicksal!" Das ist so plakativ, dass das Weiterlesen schon keinen Spaß mehr macht.
Einen Absatz später werden noch größer Schilder vom Erzähler in die Luft gehalten:
Eine Entscheidung, die sich später als Auslöser für einen der mysteriösesten Kriminalfälle in der Geschichte der Iberischen Halbinsel herausstellen sollte und zudem für die ermittelnden Behörden ein für immer ungeklärtes Verbrechen bleiben würde.
Okay, es geht also um ein Verbrechen, dem Carmen zum Opfer fällt. Noch schlimmer: Diese Ankündigung durch den auktorialen Erzähler nimmt auch noch das Ende der Geschichte vorweg. Das Verbrechen bleibt für alle Zeiten ungeklärt. Warum also soll ich jetzt noch die Geschichte lesen?
Der Trick der Ankündigung eines Verbrechens mag sehr einfach zu schreiben sein, aber er stößt mich als Leser ganz weit weg von der Geschichte. Weil diese Ankündigung jede Möglichkeit der Empathie mit Carmen zerstört. Eigentlich ist es eine Aufforderung an den Leser, die nächsten Absätze zu überspringen, weil da ja nichts geschieht, was der Leser nicht schon weiß. Und Hinweise auf einen Täter oder auf eine Auflösung des mysteriösen Verbrechens kann es ja auch nicht geben, da der auktoriale Erzähler mir im Klartext erzählt hat, dass dieses Verbrechen nie aufgeklärt wird.
Der zweite Punkt, der den Prolog sehr schwach erscheinen lässt, ist das massive Info-Dumping, was sich da in den Zeilen feststellen lässt. Vermutlich könnte man den Prolog auf die Hälfte zusammenstreichen, wenn man die überflüssigen Beschreibungen heraus nimmt. Welchen Zweck erfüllt die Beschreibung des Ortes Almunecar, der Burg, der Strände und und und? Landschaftsbeschreibungen ohne aktive Bedeutung für die Handlung sind Tempobremsen und somit Gift für einen Romananfang, besonders für einen Thriller. Und ich als Leser frage mich, welche Bedeutung es für die Handlung hat, wenn gerade am Anfang breite Ausführungen über einen Ort dargestellt werden. Mir ist zu Beginn eines Thrillers der Nervenkitzel eines sich andeutenden Verbrechens oder eines Rätsels viel lieber.
Eigenartig ist auch das Verhalten Carmens nach dem ersten Spannungsmoment. Im Pinienwald bewegt sich etwas ... es bewegt sich sogar auf sie zu! Carmen bekommt Angst, und selbst als sie den Grund der Geräusche in Form von drei auf die Straße gepolterten Steinbrocken erkennt, bleibt die Angst in ihren Knochen stecken ... um sich dann wieder den Gedanken an ihren Freund Pablo hinzugeben.
Da wird ein Spannungsmoment aufgebaut und dann durch das nicht nachvollziehbare Verhalten Carmens so sehr zerstört, dass es nur noch lächerlich wirkt. Das verstärkt sich dann auch noch, als sie die Mitfahrt im Auto von zwei anderen Gästen der Hochzeitsfeier verweigert.
Das Verhalten Carmens ist nicht stimmig, und der ganze Spannungsbogen im Prolog bricht völlig ein. Die langatmigen Beschreibungen machen den Text zäh wie Kaugummi unter der Schuhsohle, und die Kommentare und Ankündigungen des auktorialen Erzählers nehmen jegliche Spannung aus dem Text.
Ich bin nach dem Prolog aus dem Text ausgestiegen und habe den Text unter "Abschnitt 1" nicht mehr gelesen. Was für mich eine eindeutige Antwort auf deine Frage ist: Würdet ihr weiterlesen?
Nein, würde ich nicht.
Sorry!
LG
Siegfried |
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Siegfried |
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 | Re: Neuer Prolog meines Thrillers. Würdet ihr JETZT weiterle | Verfasst am: 24.02.2009, 09:27 |
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| Eduardo Freundlinger hat Folgendes geschrieben: |
Hallo nochmals,
ich darf mich abermals für Eure fundierte Kritik an meinem ersten Prolog bedanken und möchte Euch bitten, den Text, den ich auf Eure Anregung hin überarbeitet habe, zu kommentieren. (Ist nun auch nicht mehr soviel zu lesen!)
Ich danke Euch!
- Eduardo Freundlinger -
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HIER DER TEXT:
PROLOG
Carmen erwachte. Aber es war nicht ihr Bett, auf dem sie lag. Spitze Steine bohrten ihn ihre Seite; es roch nach Zement. Carmen konnte sich nicht bewegen, nur ein Augenlid lieβ sich öffnen. Sie sah wie ein Rinnsal aus Blut, das aus ihrer Nase tropfte, sich durch den grauen Staub wälzte. Sie atmete flach; atmen schmerzte zu sehr. Was war geschehen? Die Hochzeit ihrer Cousine … der Heimweg … das Auto …
»Wir müssen sie sofort ins Krankenhaus fahren!«, hörte sie ein Mädchen flehen. War das nicht ihre Freundin? »Halt endlich Deine verdammte Klappe!«, sagte ein Mann. Auch seine Stimme kam ihr bekannt vor.
Carmen versuchte zu schreien. Es gurgelte nur. Blut und Schleim sabberten aus ihrem Mund, als jemand an ihren Armen zog; nicht sanft, wie ein Sanitäter, sondern grob, wie ein Bauarbeiter einen Sack Mörtel behandelt. Der Mann umfasste sie an der Brust … dort, wo es so fürchterlich schmerzte, und hob sie hoch. Das Letzte, was sie wahrnahm, ehe sie ihr Bewusstsein verlor, war der Knall eines Kofferraumdeckels, der über ihr zuklappte, wie der Sargdeckel eines Grabes, in dem sie eben lebendig verscharrt wurde.
... |
Diesmal, im direkten Vergleich: ein klares JA, ich würde weiterlesen - weil ich jetzt wissen will, wie Carmen da wieder 'rauskommt.
Wenn sie nicht 'rauskommt, würde ich allerdings sehr enttäuscht sein - Schilderung einer Toten aus der Ich-Perspektive? Hm.
Die rot markierte Stelle passt nicht. Zu dick aufgetragen, und das Bild stimmt nicht. Sargdeckel vielleicht ja, verscharren nein.
Vereinzelt kann man an der Kommasetzung korrigieren, aber die Detailarbeit schenke ich mir gerade mal, das war ja nicht die Frage.
LG,
Valerie
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Valerie J. Long |
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 | Re: Neuer Prolog meines Thrillers. Würdet ihr JETZT weiterle | Verfasst am: 26.02.2009, 15:36 |
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So, ich habe jetzt die Zeit gefunden, mir den neuen Text durchzulesen und zu kommentieren. Meine Anmerkungen in Rot.
PROLOG
Carmen erwachte. Aber es war nicht ihr Bett, auf dem sie lag [ersatzlos streichen]. Spitze Steine bohrten ihn [in] ihre Seite und es roch nach Zement. Carmen konnte sich nicht bewegen [hier wäre interessant, warum. Schmerzen? Lähmung?], nur ein Augenlid lieβ sich öffnen [warum nur eines? Das ist ungewöhnlich, ich würde es begründen - oder sie beide Augen öffnen lassen]. Sie sah[,] wie ein Rinnsal aus Blut, das aus ihrer Nase tropfte, sich durch den grauen Staub wälzte [wälzte gefällt mir nicht. Das klingt nach extrem viel Blut. Wie verhält sich Blut in Straßenstaub?]. Sie atmete flach, atmen ['atmen' weg, dafür 'es'] schmerzte zu sehr. Was war geschehen? Die Hochzeit ihrer Cousine … der Heimweg … das Auto …
»Wir müssen sie sofort ins Krankenhaus fahren!«, hörte sie ein Mädchen flehen. War das nicht ihre Freundin?[Wenn es ihre Freundin ist, wird Carmen sie mit Namen bezeichnen, nicht anonym] »Halt endlich Deine verdammte Klappe!«, sagte ein Mann. Auch seine Stimme kam ihr bekannt vor.
Carmen versuchte zu schreien, aber in ihrem Hals gurgelte es nur. Blut und Schleim sabberten aus ihrem Mund, als jemand an ihren Armen zog, nicht sanft, wie ein Sanitäter, sondern grob, [so] wie ein Bauarbeiter einen Sack Mörtel behandelt. Der Mann umfasste sie an der Brust … dort, wo es so fürchterlich schmerzte, und hob sie hoch. Das Letzte[,] was sie wahrnahm, ehe sie ihr Bewusstsein verlor, war der Knall eines Kofferraumdeckels, der über ihr zuklappte, wie ein Sargdeckel.
Als Carmen das nächste Mal [streichen und durch 'wieder' ersetzen] erwachte schaukelte es, als schlummerte sie in einem Wasserbett. Aber dieses Trugbild täuschte wohl, denn es stank nach Fisch … lag sie in einem Fischerboot? Sie, die solche Angst vor dem Meer hatte, seit ein Schulfreund darin ertrank! [Überflüssige Information! Bleib im Innenleben, in den Gefühlen von Carmen!] Carmen versuchte sich aufzurichten, es gelang nicht. Sie versuchte zu schreien, aber der Auβenborder [Fischerboot mit Außenborder?] blieb die einzige Geräuschquelle, ja sie war noch nicht einmal in der Lage, ihre verklebten Augenlider zu öffnen, um sich zu vergewissern, dass es nur ein Albtraum war, der sie gefangen hielt. Ihr Schmerz pulsierte im Rhythmus der Wellen, gegen die das Boot anstampfte. Was war geschehen, fragte sie sich wieder. War sie gestürzt? Aber warum lag sie nicht im Krankenhaus, sondern in einem Fischkutter? [auch hier: Fischkutter haben Einbaudiesel, keine Außenborder]
Der Motor wurde abgestellt. Jemand stieg über sie hinweg und trampelte auf dem Boot umher, bis es schaukelte.
»Verdammte Scheiβe! Wo ist der Bleigurt?«, fluchte derselbe Mann wie vorhin. Bleigurt? So wie ihn Taucher benutzen, um leichter unter Wasser zu gelangen? [Streichen! Vertrau deinen Lesern. Die wissen, was ein Bleigurt ist] Sie brauchte einen Verband und keinen Bleigurt. Bestimmt blutete sie ... ihre Lider waren doch damit verklebt.
Der Mann lieβ etwas Schweres fallen und beugte sich über sie. Carmen roch seinen Atem: Tabak und Alkohol. Sie fühlte, wie sich eine Hand zwischen Schiffsboden und Hüfte drängte. Die Andere zwängte sich unter ihre Brust und knetete daran, ehe er sie auf den Rücken rollte. Beiβender Schmerz durchfuhr sie, der sie nicht sofort spüren lieβ, wie ein Stein gegen ihren Rücken drückte. Oder war es etwas anderes? Vielleicht ein Bleistück … lag sie auf dem Bleigurt? Die Bedeutung dessen drang verzerrt, wie Worte unter Wasser, in ihr Bewusstsein und lieβ ihr Herz – dass Einzige, was in ihrem Körper noch zu funktionieren schien – gegen die Brust trommeln. [Diesen Satz nochmal überarbeiten; klingt sehr gestelzt]
Es konnte nur ein Albtraum sein, dachte Carmen und sträubte sich, bis sie es schaffte, die Augen zu öffnen. Der Mann, der an ihrer Taille fummelte, sprang auf, als hätte sie sich in einen Zombie verwandelt. Auch Carmen erschreckte [erschrak], denn er war kein Teil eines bösen Traums; er war ein Arbeitskollege ihrer Schwester.
»Du lebst noch?«, stammelte er.
Trotz ihrer Schmerzen bewegte sie so gut es ging ihr Kinn auf und ab, um auf diese überflüssige Frage zu antworten. [sehr umständlich. Sie nickt, und fertig]
Der Bootsführer rieb sich seinen Bart und schien zu überlegen.
»Aber nicht mehr lange!«, stellte er fest und bückte sich, um den Bleigürtel über ihrem Bauchnabel zu schlieβen. Carmens taube Finger suchten vergeblich Halt in den Schiffsplanken, als er sie auf die Bordwand hievte.
Ihre Blicke trafen sich. Carmens linkes Bein rutschte ab und tauchte bis zum Knie ins Meer. Das Wasser war kalt, aber sie konnte es [Rückbezug: 'es' bezieht sich auf das Wasser; gemeint ist aber wohl das Bein] nicht herausziehen. Stumm flehte sie um Gnade:
Bitte lass mich am Leben … ich bin fünfzehn … ich hab Dir nichts getan … ich will nicht sterben …!
Aber »No …« war der einzige Laut, der sich durch ihre Lippen pressen lieβ. Carmen spürte wie er ein weiteres Mal an einer ihrer aufsprieβenden Brüste knetete und seine letzten Worte, die sie vernahm, ehe sie vor Angst und Schmerzen die Besinnung verlor, lauteten:
»Eigentlich schade um Dich!«
Generell ist diese Version besser als der erste Entwurf, aber für eine Veröffentlichung noch immer nicht gut genug. Eine Frage ist, ob die Szene auf der Straße notwendig ist. Dass Carmen von einem Auto angefahren wurde, kann in der Szene auf dem Boot geklärt werden (Carmen: Da war doch ein Auto - was mache ich auf einem Boot?).
Wenn der Prolog aus der Sicht Carmens erzählt werden soll, dann sollte da viel mehr Angst und Panik erscheinen. Oder mit anderen Worten: Sinnlicher schreiben. Mehr Gefühle. Tiefer in die Gefühlswelt Carmens hinein. Wie fühlt sich das an, wenn man angefahren und bewegungslos auf dem Kutter liegt und mitbekommt, dass man im Meer versenkt werden soll?
Und noch eine Frage: Was ist Ziel des Prologs? Was möchtest du beim Leser erreichen? Geschildert wird - soweit ich das verstanden habe - ein Unfall, wo die Verursacher das Opfer mit ziemlich viel Aufwand verschwinden lassen wollen. Geht es um das Innenleben von Carmen? Um ein Rätsel (überlebt Carmen)? Um die Schilderung einer Straftat? Vielleicht wäre dann auch zu überlegen, ob die Erzählperspektive "Carmen" richtig gewählt ist. Vielleicht wäre eine neutrale Perspektive besser geeignet, besonders falls Carmen nie wieder in der Geschichte auftaucht.
So, das zur neuen Version in aller Kürze.
LG
Siegfried |
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Siegfried |
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 | | Verfasst am: 27.02.2009, 16:07 |
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Vielen Dank, Siegfried, für die sehr anschauliche Arbeit. Ich lese Deine Korrekturen zu gerne und lerne hoffentlich auch etwas davon. Mir fallen oft Sachen auf (in diesem Text beispielsweise das sich wälzende Blut), die mir irgendwie nicht gefallen, nicht zu passen scheinen. Ich weiß aber meist nicht, warum das so ist. Deine Kommentare führen mir den Grund klar vor Augen. Doch, ich denke, ich lerne von jedem Kommentar.  |
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_________________ Liebe Grüße
Christel
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Bärentante |
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 | Siegfried | Verfasst am: 01.03.2009, 19:48 |
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| Bärentante hat Folgendes geschrieben: |
Vielen Dank, Siegfried, für die sehr anschauliche Arbeit. Ich lese Deine Korrekturen zu gerne und lerne hoffentlich auch etwas davon. Mir fallen oft Sachen auf (in diesem Text beispielsweise das sich wälzende Blut), die mir irgendwie nicht gefallen, nicht zu passen scheinen. Ich weiß aber meist nicht, warum das so ist. Deine Kommentare führen mir den Grund klar vor Augen. Doch, ich denke, ich lerne von jedem Kommentar.  |
Ja, da hast Du Recht Bärentante! Ich hab meinen Text auf Anregung von Siegfried erst überarbeitet und dann noch geschliffen. Hat's gebracht, finde ich!
Eduardo Freundlinger
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Eduardo Freundlinger |
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