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» Schlumpf-Pimmel

Niederwelt

BeitragVerfasst am: 02.01.2009, 15:23
Wo Not seit alten Tagen
um sich schlägt mit Wut
Hurensöhne Mütter fragen
“Kennst du Papa gut?“

Durchwachte Dämmerungen
meiner Mutter Schoß
Kindheitserinnerungen
Hier wurde ich groß

Häuser grau und ohne Licht
Gassen, düster, leer
Menschen ohne Zuversicht
Im uferlosen Meer

Es zog mich in die Ferne
Fort aus Niederwelt
Den Weg beschritt ich gerne
Auch ohne Gott und Geld

Bin nun zurück für Stunden
Meine Mutter geht
Ich möchte nur bekunden
Was mich jäh bewegt

Vater hab ich nie gekannt
Und ihn nie geehrt
Er ist mir ein fremder Mann
Ohne jeden Wert

Mutter sagt „Er war ein Tier“,
zahlte immer bar
Trieb es wie ein wilder Stier
Einz’ger Kunde für ein Jahr

Ich halt ihre kalte Hand
Ihre Augen stumpf
Niederwelt, dein letzter Gang
In die Feuersbrunst

Hoffnungskeim, wenn es dich gibt,
nur nach flammend Glut
Feuer, friss den Niedergang
Friss die ganze Brut

Ich verlass’ das Flammennest
Und des Feuers Gier
Lodernd, tiefen Herzens Pest
Ich trag dich längst in mir

Tabiro 2009

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BeitragVerfasst am: 02.01.2009, 16:33
Äh ...

Ein Gedicht im Lektorat - soll das jetzt jemand untersuchen und bewerten?

Falls ja - ich habe von Lyrik so viel Ahnung wie die Kuh von der Sonntagsmesse. Das Einzige, was ich feststellen kann, ist, dass es im Rhythmus ziemlich holpert (betonte/unbetonte Silben der sich innerhalb der Strophe reimenden Verse).

LG
Siegfried
 
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BeitragVerfasst am: 02.01.2009, 18:41
edit


Zuletzt bearbeitet von Kellermann am 06.01.2009, 11:43, insgesamt einmal bearbeitet
 
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BeitragVerfasst am: 02.01.2009, 18:51
Zitat:
Siegfried schrieb:
... Ein Gedicht im Lektorat - soll das jetzt jemand untersuchen und bewerten? ...


Ja, das ist wünschenswert! Oftmals lese ich Gedichte und empfinde sie als unfertig. Genauso geht es mir mit meinem.


Zitat:
Siegfried schrieb:
... Das Einzige, was ich feststellen kann, ist, dass es im Rhythmus ziemlich holpert (betonte/unbetonte Silben der sich innerhalb der Strophe reimenden Verse). ...


Damit hast du mein stiefmütterliches Verhältnis zu Jamben, Trochäen, Daktylen und ihren Angehörigen entlarvt. Very Happy


Wenn Ihr Erfahrungen im Lyrikbereich habt, freue ich mich auf Vorschläge, wie ich die Holprigkeiten entfernen kann!
Traut euch einfach!!!

VG thumb up
Tabiro

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BeitragVerfasst am: 02.01.2009, 19:12
Hallo Wanda!

Vielen Dank für deine Ideen und dein Interesse an meinem Text.

Den ursprünglichen Silbenfortlauf von 7-5-7-5 hast du geändert auf 7-7-7-7 (manchmal 8 ). Da du vermieden hast, größere Veränderungen in meinen Text einzubringen, thanks , empfinde ich manche Wörter leider nur als "Silbenfüller", so dass anstelle alter Holprigkeiten neue eingetreten sind und mir manche Zeile als "künstlich ausgedehnt" erscheint. Ich würde es gern beim Verlauf 7-5-7-5 belassen...

Ich freue mich jederzeit über neue Anregungen von dir und allen anderen!

Danke thumb up,
Tabiro

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BeitragVerfasst am: 02.01.2009, 20:02
Hallo Tabiro,

weil mir dein Gedicht sehr gut gefällt, hab ich auch nur ganz winzige Änderungen vorgenommen. Vielleicht kannst du damit was anfangen:

Wo Not seit alten Tagen
um sich schlägt mit Wut
Hurensöhne Mütter fragen
“Kennst du Papa gut?“

Durchwachte Dämmerungen
meiner Mutter Schoß
Kindheitserinnerungen
Hier wurde ich groß

Häuser grau und ohne Licht
Gassen, düster, leer
Menschen ohne Zuversicht
Uferloses Meer

Es zog mich in die Ferne
Fort aus Niederwelt
Den Weg beschritt ich gerne
Ohne Gott und Geld

Bin nun zurück für Stunden
Meine Mutter geht
Ich möchte nur bekunden
Was mich jäh bewegt

Vater hab ich nie gekannt
Und ihn nie geehrt
Er ist mir ein fremder Mann
Ohne jeden Wert

Mutter sagt „Er war ein Tier“,
zahlte immer bar
Trieb es wie ein wilder Stier
Kunde für ein Jahr

Ich halt ihre kalte Hand
Ihre Augen stumpf
Niederwelt, dein letzter Gang
In die Feuersbrunst

Hoffnungskeim, wenn es dich gibt,
nur nach flammend Glut
Feuer, friss den Niedergang
Friss die ganze Brut

Ich verlass’ das Flammennest
Und des Feuers Gier
Lodernd, tiefen Herzens Pest
trag dich längst in mir

LG, Andrea
 
  andie 
Gast 
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 02.01.2009, 20:52
Hallo Andrea!

Vielen Dank für deine Änderungen. Bis auf eine gefallen sie mir sehr gut!

Unsicher bin ich mir bei folgendem Vers:
Zitat:
Häuser grau und ohne Licht
Gassen, düster, leer
Menschen ohne Zuversicht
Uferloses Meer


"Uferloses Meer" hält zwar die Versform ein, verliert aber die Bindung zu den vorigen Zeilen. Es liest sich eher wie ein nicht unbedingt erforderlicher Zusatz.
Würdest du sagen, ich darf hier die Form sprengen, und "Im uferlosen Meer" schreiben? Eher nicht, oder? Das wäre dann die einzige b/d, die eine zusätzliche Silbe aufweist!

Ich werde mir Gedanken machen, diese Zeile zu ändern. Vielleicht hast du/habt ihr noch Ideen dazu!

Danke thumb up ,
Tabiro

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BeitragVerfasst am: 03.01.2009, 00:52
Hallo Tabiro,

hier nochmal zwei Möglichkeiten:

Häuser grau und ohne Licht
Gassen, düster, leer
Menschen ohne Zuversicht
atemlos im Meer

oder schlicht

Häuser grau und ohne Licht
Gassen, düster, leer
Menschen ohne Zuversicht
keine Hoffnung mehr

oder?
Naja, du machst das schon thumb up

LG, Andrea
 
  andie 
Gast 
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 03.01.2009, 02:16
Hallo Andrea!

Danke für die neuen Ideen. Ich werde die Zeile noch umbauen.

VG thumb up
Tabiro

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Re: Niederwelt

BeitragVerfasst am: 03.01.2009, 19:36
Hallo Tabiro,

auch von mir noch ein paar Bemerkungen zu deinem Gedicht. Die Idee gefällt mir, aber an der Umsetzung hapert es noch ein wenig.

Ich habe mal die vier ersten Strophen ge-x-t. Die großen X stehen für betonte Silben (Hebungen), die kleinen x für unbetonte (Senkungen).

Da das Forum nicht für Textarbeit gedacht ist, geht das allerdings im Forum nur mit einem unzumutbaren Aufwand. Ich habe den Text deshalb hier als Bild eingebunden.

Du beginnst die jeweils erste Zeile dieser Strophen mit einem unbetonten Laut - mit Ausnahme der dritten Strophe.

Die jeweils zweite Zeile beginnt mit einer betonten Silbe.

Die dritte Zeile beginnt mit Ausnahme der vierten Strophe mit einer unbetonten Silbe.

Die vierte Zeile leitest du jeweils mit einer betonten Silbe ein, außer in der vierten Strophe.

Einen dramaturgischen Grund, warum du zu den Abweichungen greifst, kann ich nicht erkennen. Aber in Gedichten sollten Stilmittel noch bewusster als in den anderen belletristischen Formen eingesetzt werden.

Übrigens meintest du, dass du eine 7-5-7-5-Abfolge gewählt hättest. In der dritten und vierten Strophe sind es aber 7-5-7-6.

Unglücklich gewählt sind meiner Meinung besonders die "Kindheitserinnerungen" und "Hier wurde ich groß", weil der Sprechrhythmus nicht passt,

Wie man das alles verbessern kann? Eine gute Frage. Ich kann es nicht, denn sonst hätte ich schon längst mal Gedichte von mir eingestellt. Manchmal ist es sehr viel leichter, Mängel zu erkennen, als sie selbst zu vermeiden.

Beste Grüße,

Heinz.

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BeitragVerfasst am: 04.01.2009, 01:55
Hallo Heinz!

Mich freut dein Interesse an meinem Gedicht! Vielen Dank für deine Mühe und die Darstellung der betonten und unbetonten Silben. Ich werde sie in meine weiteren Überlegungen genauer einbeziehen.

Ich habe mein Gedicht wirklich in einer frühen Form gepostet, weshalb immer noch Ecken abzufeilen sind. Und je häufiger ich es lese, desto mehr solcher Stellen fallen mir auf - z.B. der verpasste Kreuzreim in Vers 9 und sich verändernde Sprechrhythmen (die ich an anderen Stellen mindestens so wahrnehme wie du an dem von dir genannten Beispiel).

Auch empfinde ich manche Strophen als ausdruckstärker, wenn sie anstelle der 7-5-7-5 eine 7-5-7-6-Abfolge haben.
Kannst du mir sagen, inwieweit ich hier variieren kann? Ich bin der Auffassung, es ist durchaus lyrikkonform, die jeweils letzte Zeile von Strophe zu Strophe abwechselnd mit 5 bzw. 6 Silben enden zu lassen! Kannst du das bestätigen?

Ich werde auf jeden Fall weiter am Ball bleiben!

VG thumb up
Tabiro

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BeitragVerfasst am: 04.01.2009, 10:17
Kleine Buchempfehlung: "Feigen, die fusseln" von Stephen Fry (ISBN 978-3351032326). Ein sehr amüsant geschriebenes Buch über das Schreiben von Lyrik. Da werden sämtliche Versformen etc. durchdekliniert, und es macht wirklich Spaß, das zu lesen. Stephen Fry eben.
Gruß
Chris
 
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BeitragVerfasst am: 04.01.2009, 14:53
Hallo Tabiro,

Tabiro Malex hat Folgendes geschrieben:
Mich freut dein Interesse an meinem Gedicht!


Wenn mich ein Inhalt anspricht und ich ein Konzept erkennen kann, setze ich mich gerne mit Gedichten auseinander. Ob es dann zu einem Kommentar reicht, hängt einfach von meinen Kenntnissen ab.

Zitat:
Und je häufiger ich es lese, desto mehr solcher Stellen fallen mir auf - z.B. der verpasste Kreuzreim in Vers 9 und sich verändernde Sprechrhythmen (die ich an anderen Stellen mindestens so wahrnehme wie du an dem von dir genannten Beispiel).


Leider kann man in diesem Forum nicht einfach x-en. Die vier ersten Strophen waren deshalb auch nur als Beispiel gedacht.

Zitat:
Auch empfinde ich manche Strophen als ausdruckstärker, wenn sie anstelle der 7-5-7-5 eine 7-5-7-6-Abfolge haben.
Kannst du mir sagen, inwieweit ich hier variieren kann? Ich bin der Auffassung, es ist durchaus lyrikkonform, die jeweils letzte Zeile von Strophe zu Strophe abwechselnd mit 5 bzw. 6 Silben enden zu lassen! Kannst du das bestätigen?


Können darfst du alles. Ich halte von solchen Wechseln aber nur wenig, weil sie meistens ein Ergebnis der gewählten Ausdrucksweise sind und sich nicht wirklich inhaltlich begründen lassen.

Ein abweichender oder wechselnder Rhythmus sollte inhaltlich begründet sein, also z.B. einen inhaltlichen Bruch auch formal wiederspiegeln.

Ich bin z.B. kein Freund Goethescher Gedichte - und trotzdem faszinieren sie mich alleine schon mit ihrem Klang, u.a. weil einmal gewählte Metriken durchgehalten werden.

Zitat:
Ich werde auf jeden Fall weiter am Ball bleiben!


Du hast dir für das Lektorat mit Sicherheit auch nicht gerade ein leichtes Gedicht gewählt. Alleine schon die Länge ist eine große Herausforderung.

Beste Grüße und weitere lyrische Ideen,

Heinz.

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BeitragVerfasst am: 05.01.2009, 02:14
Hallo Chris!

Danke für die Buchempfehlung. Wenn du es selbst gelesen hast, freue ich mich natürlich über Anregungen von Dir! Very Happy

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